George Villiers, der 2. Duke of Buckingham, und fünf nach ihm benannte Straßen in London

York Watergate, übriggeblieben vom York House.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Christine Matthews and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zwischen der Straße The Strand und der Themse in London stand einmal ein großer Palast, York House, der im 13. Jahrhundert gebaut wurde, um den Bischöfen von Norwich eine standesgemäße Unterkunft in der Hauptstadt zu bieten. Dreihundert Jahre später zog der Erzbischof von York, daher der Name des Hauses, hier ein und in den 1620er Jahren erwarb George Villiers, 1st Duke of Buckingham das Anwesen an der Themse. Sein Sohn, der 2. Duke of Buckingham, wohnte ebenfalls im York House, das er schließlich 1672 für £30,000 verkaufte, unter der Bedingung, dass die geplanten, neu anzulegenden Straßen (York House wurde abgerissen) nach ihm benannt werden sollten, was dann auch geschah. Übriggeblieben von dem Palast ist lediglich das York Watergate, ein Torbogen, der von den Gärten des Dukes zur Themse hinunterführte.

Der Name „George Villiers, Duke of Buckingham“ besteht ja aus fünf Wörtern, und fünf Straßen wurden nach dem Mann benannt. Sehen wir sie uns einmal an:

Da ist die heute noch existierende Buckingham Street, die etwa 1675 auf dem ehemaligen York House-Gelände angelegt wurde. Hier zog der berühmte Tagebuchschreiber Samuel Pepys 1679 in die Nummer 12 ein, neun Jahre später wechselte er in die Nummer 14. Die beiden Philosophen David Hume und Jean-Jacques Rousseau wohnten einmal in der Nummer 10 und der Schriftsteller Samuel Taylor Coleridge in der Nummer 21. In Hausnummer 15 zogen Henry Fielding („Tom Jones“) und hundert Jahre später Charles Dickens ein.

Auch die parallel verlaufende Villiers Street, die direkt neben dem Bahnhof Charing Cross verläuft, gibt es heute noch. Hier sind beispielsweise das deutsche Lokal Herman ze German und Gordon’s Wine Bar (ich berichtete in meinem Blog darüber) angesiedelt. Von 1889 bis 1891 lebte der Schriftsteller Rudyard Kipling in der Villiers Street.

Die Duke Street gibt es nicht mehr, sie ist in der John Adam Street aufgegangen. In der Nummer 8 finden wir das Gebäude der Royal Society of Arts.

Das gleiche gilt für die George Street, aus der die kleine Gasse York Buildings geworden ist, die von der John Adam Street abgeht. Direkt gegenüber existiert aber eine noch kleinere Gasse, die den Namen George Court trägt.

Jetzt bleibt von dem Namen des Dukes nur noch das „Of“ übrig und auch da gab es einmal eine Straße, die Of Alley hieß und die später in York Place umbenannt wurde. Sie verläuft parallel zur John Adam Street. Auf dem Straßenschild von York Place findet man noch den Vermerk „Formerly Of Alley“.

Die Buckingham Street.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Christine Matthews and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Villiers Street.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Downer and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die John Adam Street. Links das Gebäude der Royal Society of Arts.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Harrop and Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]

 

 

Die Birmingham Back to Backs des National Trusts

Ein Back to Back in der Inge Street in Birmingham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Taylor and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung in den urbanen Gebieten Großbritanniens zunahm und die vielen Menschen eine Unterkunft benötigten, entstanden die sogenannten Back to Backs, durch die Platz gespart und Menschen auf engstem Raum untergebracht werden konnten. Dabei handelt es sich um Reihenhäuser, die Rücken an Rücken gebaut wurden, das heißt, dass jedes Haus nur über eine Fensterfront bzw. ein Fenster verfügte und man sich drei Wände mit den Nachbarn teilte. Es gab keinen Hof und keinen Garten. Durch die mangelhafte Lüftung und schlechte Beleuchtung war das Wohnen in diesen Häusern alles andere als ein Vergnügen. Der Vorteil für die Bauherren: Die Back to Backs konnte man schnell und relativ billig hochziehen.
In diesen Massenquartieren siedelten sich vor allem schlecht bezahlte Arbeiter an, die in den neu entstandenen Industrien beschäftigt waren. Nach und nach verkamen diese Häuser zu Slums, die erst nach dem Ersten Weltkrieg nach und nach abgerissen und durch moderne und hygienischere Wohnungen ersetzt wurden.

Auch in der Industriestadt Birmingham gab es zahllose Back to Backs, zum Beispiel in der Inge Street und der Hurst Street und hier finden sich heute noch die letzten dieser Häuser, die der Birmingham Conservation Trust wieder restauriert hat und die der National Trust seit dem 21. Juli 2004 als Museum betreut.
In den Hausnummern 50 bis 54 Inge Street und 55 bis 63 Hurst Street kann man sich ein Bild davon machen wie die Arbeiterfamilien damals lebten. Die Häuser sind ausschließlich durch geführte Touren zu besichtigen, die etwa eine Stunde und fünfzehn Minuten dauern. In den Häusern 52 und 54 der Inge Street hat der National Trust zwei Ferienwohnungen eingerichtet, die sehr zentrumsnah liegen und sich für einen etwas längeren Aufenthalt in Birmingham anbieten (drei Übernachtungen kosten zum Beispiel £231). Die Besichtigung der Birmingham Back to Backs kostet £8.

Die BBC Fernsehserie „Peaky Blinders„, die in den 1920er Jahren in Birmingham spielt, wurde von den Back to Backs inspiriert. Die ersten beiden Staffeln waren auch im deutschen Fernsehen im Sender ARTE zu sehen. Hier ist der Trailer zu Staffel 1.

Hier sind einige Bilder aus den Back to Backs in Birmingham zu sehen.

…und in der Hurst Street.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Griffiths and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 29. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Jim Carter, der Butler Carson aus „Downton Abbey“, und seine Beziehung zu Harrogate in West Yorkshire

The Stray.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright DS Pugh and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Kurort Harrogate in West Yorkshire ist vielen Deutschen vor allem dadurch bekannt, dass hier die Sängerin Nicole beim 27. Eurovision Song Contest am 24. April 1982 im Conference Centre mit „Ein bisschen Frieden“ den Sieg für Deutschland holte.

Am 19. August 1948 wurde in diesem hübschen, angenehmen Kurort Jim Carter geboren, dessen spätere Schauspielerkarriere durch seine Rolle als Butler Carson in der Erfolgs-TV-Serie „Downton Abbey“ einen steilen Knick nach oben machte. Der Mann mit der sonoren Stimme verbrachte seine Kindheit und Jugend in Harrogate, wo er mit seinen Eltern in einem viktorianischen Haus am The Stray wohnte, einem Parkgebiet am südöstlichen Stadtrand, das sicher jeder kennt, der schon einmal in Harrogate weilte. Carter besuchte das Ashville College am Green Lane, rund zwei Kilometer vom Wohnhaus seiner Eltern entfernt. Hier wurde er in seinem letzten Schuljahr zum „head boy“, also zum Schulsprecher gewählt. Einer seiner Vorgänger als „head boy“ im Ashville College war übrigens Tony Richardson (1928-1991), ein weiterer Mann aus der Filmbranche, der als Regisseur und Produzent erfolgreich war und für seinen Film „Tom Jones“ 1964 einen Oscar als bester Regisseur erhielt.

Jim Carter ist seiner Heimatstadt in West Yorkshire treu geblieben und kommt immer mal wieder hierher zu Besuch. Auch weil seine 98jährige Mutter Molly im Pflegeheim The Granby an der Granby Road untergebracht ist. Erst im Februar eröffnete er einen neuen Fernsehraum in dem Heim, das gerade umgebaut wird. The Granby war einmal eines der besten Hotels in Harrogate.

Auch ins Ashville College zog es Jim Carter zurück, wo er im März 2014 das renovierte Soothill Auditorium eröffnete. Das College hat das Studio für seine Schauspielschüler nach ihm benannt. Eine Tafel an der Außenwand weist darauf hin: „The CARTER STUDIO Dedicated by Jim Carter (OA) on 16th March 2014“. Hier an der Schule hat Jim Carter auch seine ersten zaghaften Versuche auf der Bühne unternommen.

Ein weiterer Besuch Carters in seiner Geburtsstadt galt im Dezember 2013 dem Royal Pump Room Museum, wo eine Ausstellung mit dem Titel „Age of Elegance: Costumes from Downton Abbey“ stattfand. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung standen die Original-Kostüme, die die Damen in der TV-Serie in der ersten Staffel getragen hatten. Das Royal Pump Room Museum ist an der Royal Parade in Harrogate zu finden.

Vielleicht sehen wir Jim Carter als Butler Carson ja bald wieder, denn möglicherweise wird nach dem Ende der TV-Serie ein Spielfilm „Downton Abbey“ gedreht.

Das Ashville College.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Betty Longbottom and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Granby.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Hatton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Royal Pump Room Museum.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright DS Pugh and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Blessing of the Sea in Hastings (East Sussex)

Die Hastings Lifeboat Station.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright N Chadwick and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

An The Stade in der Old Town von Hastings in East Sussex ist die Lifeboat Station untergebracht, die von der RNLI, der Royal National Lifeboat Institution, betrieben wird, der britischen Seenotrettungsorganisation, etwa vergleichbar mit der deutschen DLRG. Hier ist das Seenotrettungsboot Sealink Endeavour stationiert, das seit 1989 in Hastings seinen Dienst versieht und dessen Mannschaft schon einige Menschenleben gerettet hat.

Jedes Jahr im Mai oder Juni wird seit über hundert Jahren an der Lifeboat Station in Hastings eine alte Tradition fortgeführt, die The Blessing of the Sea heißt. Bei diesem speziellen Gottesdienst werden die Rettungsboote, die Fischfangflotte der Stadt und alle anderen hier stationierten Schiffe gesegnet sowie an die auf dem Meer ums Leben gekommenen Seeleute gedacht. Vom Heck des Seenotkreuzers Sealink Endeavour wird der Segen ausgesprochen, im vorigen Jahr durch den Vikar der St. Clement’s Church. Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes besorgt die Blasmusikkapelle Sussex Brass, die Kirchenlieder, auf die Seefahrt bezogene Lieder und natürlich „Sussex by the Sea“ spielt, die inoffizielle Hymne der Grafschaften East und West Sussex (siehe dazu meinen Blogeintrag).

The Blessing of the Sea war einmal weit verbreitet, auch außerhalb Großbritanniens, und wird heute noch zum Beispiel in Ramsgate (Kent) und Portloe (Cornwall) vorgenommen.

Die Sealink Endeavour.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Oast House Archive and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 27. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

National Car Parks (NCP) – Großbritanniens größter Parkplatzbetreiber

NCP-Parkhaus in Southampton.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Craven and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wer in einer englischen Stadt nach einem Parkhaus sucht, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal in einem NCP-Haus landen, wobei die Abkürzung für National Car Parks steht. Über 150 000 Stellplätze in mehr als 500 Standorten besitzt die Firma, auch an Bahnhöfen und Flughäfen (zum Beispiel in London Heathrow). Ich erinnere mich an ein NCP-Parkhaus in Bristol mit extrem schmalen Auffahrrampen, engen Plätzen und vielen Säulen, um die man kaum herumfahren konnte. Mir schien, dass das Haus wohl nur für Kleinwagen konzipiert worden ist; Schleifspuren an den Wänden besagten nichts Gutes. Das ist aber keinesfalls typisch für Parkhäuser der Firma!

Die Ursprünge des Parkplatzbetreibers gehen bis auf das Jahr 1931 zurück, als Colonel Frederick Lucas die Firma in London gründete. Ein Konkurrenzunternehmen, Central Car Parks, das 1948 ebenfalls in London entstand, übernahm 1959 NCP von der Witwe des Firmengründers und expandierte stark, indem in großem Stil leerstehende Flächen in Städten angekauft und darauf Parkplätze angelegt wurden. Die Firma NCP erwies sich als sehr erfolgreich, so dass sie in den folgenden Jahrzehnten mehrfach von großen Unternehmen übernommen und wieder verkauft wurde. Der gegenwärtige Besitzer ist die in Australien ansässige Investmentbank Macquarie Group.

National Car Parks ist heute ein sehr modernes Unternehmen, das beispielsweise ein Vorausbuchungssystem für Plätze in seinen Parkhäusern anbietet, in denen man seine Gebühren mittels Smartphone bezahlt. Inhaber der NCP Gateway Card bekommen an bestimmten Tankstellen und in Hotels der Best Western-Gruppe Rabatte.

Dieser Werbefilm zeigt wie es in NCP-Parkhäusern zugeht.

Parkhaus in Bradford (West Yorkshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Richards and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

NCP Car Park in Birmingham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John M and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 26. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Albert Pierrepoint und Harry Allen – Henker und Gastwirte in einer Person

John George Haigh, „The Acid Bath Murderer“, Neville Heath, „The Lady Killer“, Ruth Ellis, „The Last Woman To Be Hanged in England“ und viele hundert andere zum Tode Verurteilte wurden von Albert Pierrepoint (1905-1992) ins Jenseits befördert, dem offiziellen Henker Englands. Als er 1956 in den wohlverdienten Ruhestand ging, bezeichnete man ihn als „the most efficient executioner“ der britischen Geschichte. Timothy Spall verkörperte seine Person in dem Spielfim „Pierrepoint: The Last Hangman“ (2005), der Henker selbst schrieb eine Autobiografie, die 1974 veröffentlicht wurde: „Executioner: Pierrepoint„.

Doch der Mann mit dem französisch klingenden Namen war nicht nur Henker, sondern auch Gastwirt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand man ihn hinter dem Bartresen des Pubs „Help The Poor Struggler“ in Oldham (Greater Manchester); ein sonderbarer Name für ein Gasthaus. Martha Grimes, deren Inspektor Jury-Romane nach Pubs benannt wurden, übernahm ihn für einen ihrere Krimis  (der allerdings im Dartmoor spielt). „Help The Poor Struggler“ erschien 1985, die deutsche Übersetzung heißt „Inspektor Jury lichtet den Nebel“.
Albert Pierrepoints Pub existiert heute nicht mehr, er wurde 1972 abgerissen, weil er Platz für eine neue Straße machen musste. Neben dem „Struggler“ hatte Pierrepoint noch einen weiteren Pub „The Rose and Crown“ in der Liverpool Old Road in Much Hoole (Lancashire), in dem heute das indische Restaurant „Bangla Fusion“ untergebracht ist.

Harry Allen (1911-1992) war Englands letzter Henker, der bei weitem nicht so viele Menschen wie Pierrepoint zu Tode brachte; er schaffte es „nur“ auf 41 persönlich durchgeführte Exekutionen. Zu seinen „Opfern“ gehörten zum Beispiel James Hanratty, „The A6 Murderer“ und Gwynne Owen Evans, der zeitgleich mit Peter Allen (nicht verwandt und verschwägert mit Harry) von Harry Allens Berufskollegen Robert Leslie Stewart hingerichtet wurde.
Nach diesen beiden Exekutionen wurde die Todesstrafe abgeschafft, und die Henker mussten sich nach neuen Betätigungsfeldern umsehen. Wie Albert Pierrepoint war auch Harry Allen Gastwirt und betrieb The Rawsons Arms in der Peel Street in Farnworth bei Bolton (Greater Manchester). Dieser Pub existiert nicht mehr, nach einem Feuer wurde er im Juni 1998 geschlossen. Ironie des Schicksals: Einer der Nachfolger von Harry Allen in The Rawsons Arms ermordete die Nichte seines Partners und wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Der Ex-Henker hatte einen weiteren Pub namens The Junction in der Bury New Road in Whitefield, nordwestlich von Manchester. Auch dieses Gasthaus existiert nicht mehr.

So wie Albert Pierrepoints Pub heißt dieser Kriminalroman von Martha Grimes.
Foto meines Exemplares.

Published in: on 25. April 2017 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

Mein Buchtipp – Ian Aitch: We’re British – An Irreverent A-Z of All Things British

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Iain Aitch ist ein witziger Typ. Schon sein erstes Buch „A Fête Worse Than Death: A Journey Through an English Summer“ habe ich mit großem Vergnügen gelesen und auch sein zweites „We’re British, Innit: An Irreverent A-Z of All Things British“ ist allen zu empfehlen, die einen Nerv für britischen Humor haben. In diesem „Funny A-Z of all that we are and all that we do“ geht es um typisch Britisches, in Iain Aitchs unnachahmlicher Weise aufbereitet.

Über die Einführung und Wirkung von „Alcopops“ sagt er z.B.: „The side effect of this increase in teen drinking was a correlating rise in teen pregnancy, ensuring that the pensions crisis may yet be averted“.

Über „Marks & Spencer„: „Not to be confused with Communist Manifesto writers Marx and Engels, this supermarket-cum-department store is where Britain goes to buy its underwear. In fact, so widespread is this practice that HM Customs officials toyed with the idea of doing away with the checking of passports, simply checking the tag in the back of people’s underpants instead“.

Und über die „Seaside„: „It may have lost some of its allure in the twenty-first century, but it is still the place we go to make sandcastles, ride donkeys and catch crabs, be it in a bucket, from the bed in a B&B or from a local heroin-addict prostitute“.

Das Buch ist ein wahres Lesevergnügen!!

Iain Aitch ist aber nicht nur Journalist und Schriftsteller, er ist auch in die Annalen der britischen Geschichte eingegegangen als Erfinder des „World Phone in Sick Day“ und als Initiator des Londoner Santacons, einer Massenveranstaltung von Weihnachtsmännern bzw. -frauen.

Iain Aitch: We’re British, Innit: An Irreverent A-Z of All Things British. Collins 2008. 243 Seiten. ISBN 978-0-00-727132-0.

Published in: on 24. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Crimefest 2017 in Bristol

Das Kongresshotel, das Bristol Marriott Royal.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Holmes and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Vom 18. bis zum 21. Mai ist es wieder soweit, in diesen Tagen findet das Crimefest 2017 in Bristol statt, einer der wichtigsten internationalen Kongresse der Kriminalliteratur (ich berichtete in meinem Blog schon einmal über das Crimefest 2012). „Where The Pen Is Bloodier Than The Sword“ lautet das Motto des Crimefests, an dem auch in diesem Jahr namhafte Krimiautoren teilnehmen werden. Zentrum des Geschehens ist das Bristol Marriott Royal Hotel am College Green.

Im Jahr 2008 fand das erste Crimefest in Bristol statt und mittlerweile hat es sich etabliert und zieht die Crème de la Crème der Krimiautoren aus der ganzen Welt an. In diesem Jahr nehmen u.a. teil:

Ann Cleeves – Autorin der Vera Stanhope- und der Shetland-Serien, die ins Deutsche übersetzt wurden. Bekannt wurde sie in Deutschland auch durch die Verfilmung der Vera Stanhope-Romane („Vera“).

Anthony Horowitz – Ein produktiver Autor von Krimis und Kinderbüchern; er schrieb auch die Drehbücher von mehreren Episoden der „Inspector Barnaby“-TV-Serie.

C.J. Box – Ein US-amerikanischer Krimiautor aus Wyoming, der durch seine Joe Pickett-Romane bekannt wurde, Preisträger des Edgar Allan Poe-Awards 2009 (mehrere Übersetzungen seiner Werke liegen vor).

Peter Lovesey – Ein englischer Autor, der schon fast 50 Jahre im Geschäft ist und bereits den Gold Dagger, den Silver Dagger und sogar den Cartier Diamond Dagger für sein Lebenswerk erhalten hat. Viele seiner Romae wurden ins Deutsche übersetzt.

Eine Delegation isländischer Krimiautoren ist in diesem Jahr zu Gast beim Crimefest.

Das Angebot an Vorträgen und Diskussionen ist äußerst umfangreich. Auch hier einige Beispiele:

„Wunderbar! The Hidden Wonders Of The German Krimi“ ist das Thema einer Diskussionsrunde, an der deutsche Autoren teilnehmen.

Capital Crimes: London As Location

The Ice Queens Cometh – Iceland’s Queens Of Crime

A Little Bit Creepy: Scaring Your Readers With Death

Auch Preise werden in diesem Jahr vergeben wie der Last Laugh Award für den humorvollsten Krimi und der Flashbang Award für den besten Mini-Krimi, der nur aus 150 Wörtern bestehen darf.

Dass es bei dem Krimifest auch lustig zugehen kann, zeigt dieser Film aus dem vorigen Jahr.

Published in: on 23. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Star Tavern im Londoner Stadtteil Belgravia – Einstmals Treffpunkt von Filmstars und Kriminellen

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright PAUL FARMER and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

6 Belgrave Mews West, so lautet die Adresse des Pubs The Star Tavern. Die kleine Privatstraße liegt im vornehmen Londoner Stadtteil Belgravia, wo mehrere Botschaften zu finden sind. Die österreichische Vetretung steht gleich gegenüber vom Pub, die deutsche Botschaft ist nur ein paar Schritte weiter entfernt und auch die Länder Norwegen, Spanien, Finnland und Serbien haben sich in Belgravia niedergelassen.

Freunde von Fuller’s London Pride kommen in der Star Tavern auf ihre Kosten, aber auch das ESB, das Frontier  und das IPA aus dem Hause Fuller’s gibt es hier „on tap“. The Star Tavern sorgte in den 1950er und 1960er Jahren öfter einmal für Aufsehen, denn Leinwandstars wie Diana Dors, Peter O’Toole und Albert Finney trafen sich gern in der ruhigen Straße in Belgravia. Doch nicht nur Filmgrößen gingen in dem Pub ein und aus, auch schillernde Figuren aus der Londoner Unterwelt mochten The Star Tavern. So traf man hier u.a. den „Burglar to the Stars“, Peter Scott, der sich darauf spezialisiert hatte, bei Prominenten einzubrechen. Auf seiner Liste sollen Stars wie Shirley MacLane, Elizabeth Taylor und Lauren Bacall gestanden haben. Berühmt wurde Peter Scott vor allem durch den Diebstahl einer £200,000-Halskette, die der Italienerin Sophia Loren gehörte. In der Star Tavern, so sagt man, hätte Scott kurz nach dem Diebstahl, der für Schlagzeilen in der Londoner Presse sorgte, ein dickes Geldbündel hervorgezogen und zweideutige Anmerkungen zu dem Diebstahl gemacht.

Noch berühmter wurde der Pub aber als Treffpunkt jener Gangster, die den legendären Postzugraub vom 8. August 1963 durchführten. „Mastermind“ Bruce Reynolds und einige seiner Komplizen trafen sich in Belgrave Mews West und gingen immer wieder den Plan durch, mit dem sie den Postzug von Glasgow nach London ausrauben wollten. The Great Train Robbery nahm also in der Star Tavern seinen Anfang.

Heute ist die Unterwelt hier nicht mehr vertreten; man kann in Ruhe sein Pint trinken oder sein Essen bestellen, das von Chefkoch Adam Szelag zubereitet wird. Dieser Film zeigt einige Bilder aus dem Pub.

The Star Tavern
6 Belgrave Mews West
Belgravia
London
SW1X 8HT

„Wuthering Heights“ – Ein Roman der Weltliteratur und seine musikalische Umsetzung

Die Autorin des Romans „Wuthering Heights“, Emily Brontë.
This work is in the public domain.

Emily Brontës einziger Roman „Wuthering Heights“ (dt. „Sturmhöhe“) erschien unter ihrem Pseudonym Ellis Bell im Jahre 1847 und ist ein Werk der Weltliteratur, das noch heute gelesen wird und mehrfach verfilmt wurde, zuletzt 2015 in einer modernen Version unter dem Titel „Wuthering High“ (dt. „Gefährliche Leidenschaft“).

Auch die Musik hat sich des Stoffes um Heathcliff und Catherine Earnshaw angenommen. Kate Bush schrieb den 1978 veröffentlichten Song „Wuthering Heights„, in dem sie die traurige Geschichte adäquat umgesetzt hat. Die 1958 im Osten Londons geborene Sängerin gehört für mich zu den besten der englischen Musikgeschichte. Es gibt zwei verschiedene Musikvideos, die „White Dress“- Version und die „Red Dress“-Version. Beide zeigen eine hübsche Frau mit ausdrucksstarken Augen und sehr ästhetischen Bewegungen.

Kate Bushs Interpretation ihres Songs ist noch immer die mit Abstand beste; andere haben sich auch daran versucht…doch niemand kam an das Original heran.

Meiner Ansicht nach ist die zweitbeste Version von „Wuthering Heights“ die von Hayley Westenra, einer neuseeländischen Sängerin, die überwiegend in London lebt. Hier ist ihr Musikvideo, gedreht in passender Umgebung.

Auch die US-amerikanische Sängerin Pat Benatar versuchte sich 1980 an dem Brontë-Stoff, hier zu hören.

Die brasilianische Band Angra nahm „Wuthering Heights“ 1993 auf und versucht, sich eng an das Original zu halten. Hier ist ihre Version.

Gewöhnungsbedürftig ist wie die kalifornische Band White Flag 1992 „Wuthering Heights“ interpretierte. Mein Geschmack ist es nicht.

Die drei Londoner Puppini Sisters verpassten dem Song 2006 einen Touch 1940er Jahre. Na ja…

In einem Pub nahm das Ukulele Orchestra seine Version des Kate Bush-Songs auf, auch diese ist weit entfernt vom Original.

Ganz fürchterlich finde ich die Interpretation von Jah Wurzel im Reggae-Stil.

Top Withens House in West Yorkshire, möglicherweise die Inspiration für das Buch „Wuthering Heights“. Siehe dazu meinen Blogeintrag.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Partridge and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

 

Published in: on 21. April 2017 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

The Black and White Village Trail in Herefordshire

Leominster – Hier beginnt der Black and White Village Trail.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Whatley and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Herefordshire im Westen Englands ist eines der ländlichsten und am wenigsten besiedelten Counties, in dem die Landwirtschaft im Mittelpunkt steht. Das berühmte Hereford-Rind stammt von hier. Da die Verstädterung also noch nicht so weit vorgedrungen ist, gibt es in Herefordshire noch viele idyllische Dörfer und Kleinstädte. Die Firma Lilliput Lane (s. dazu meinen Blogeintrag) würde hier jede Menge Anregungen bekommen.

Der Black and White Village Trail , der 1987 angelegt wurde, verbindet einige besonders schöne Dörfer miteinander und umfasst 64 Kilometer. „Black and White“ wurde die Rundstrecke genannt, weil man hier zahlreiche Fachwerkhäuser sehen kann, die besonders gut erhalten sind. Viele von ihnen stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Die gut ausgeschilderte Tour beginnt in Leominster, wo man sich in der Touristeninformation am Corn Square eine Karte besorgen kann, und führt durch eine sehr reizvolle Landschaft mit Obstgärten und Rinderweiden. Hier wird Cider produziert, den man z.B. in Pembridge bei Dunkerton’s probieren kann. Viele gemütliche Pubs und Tearooms stehen am Wegesrand und die Dörfer Eardisland und Weobley zählen zu den schönsten des Landes.
Hier ist England noch so wie man es sich vorstellt und wie es hoffentlich noch lange bleiben wird.

Dieser Film zeigt einige besonders schöne Beispiele von Dörfern auf dem Trail.

Pembridge.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright paul wood and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eardisland.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jaggery and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Weobley.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Doug Elliot and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 20. April 2017 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Margaret Yorke – Eine Krimiautorin, die in Long Crendon in Buckinghamshire lebte

Margaret Yorkes ehemaliges Wohnhaus, Oriel Cottage, in der High Street von Long Crendon.
Eigenes Foto

Margaret Yorke, (1924 – 2012), ist für mich eine der besten englischen Krimiautorinnen. Sie schrieb ihre Bücher zwischen 1970 und 1990 und mein absoluter Lieblingskrimi von ihr ist der 1974 erschienene „No medals for the Major“ (auf Deutsch „Der Hass der Selbstgerechten“). In der Idylle des Dorfes Wiveldown gerät Major Johnson, der dort ein ruhiges Dasein führt, in den Verdacht, ein Mädchen aus dem Ort ermordet zu haben. Die Gerüchteküche in Wiveldown kocht hoch und der (natürlich unschuldige) alte Herr sieht keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Ein ganz hervorragender Krimi!
In Margaret Yorkes Romanen ist es oft so, dass in der Idylle eines Dorfes oder einer Kleinstadt plötzlich ein Gewaltverbrechen alles durcheinander bringt: Vandalismus, Vergewaltigung und Jugendkriminalität passen eigentlich hier gar nicht hin, aber Verbrechen, die man vorwiegend aus Großstädten kennt, halten leider auch Einzug in das Dorfleben.

Margaret Yorke lebte viele Jahre in dem hübschen Long Crendon in Buckinghamshire, über das ich in meinem Blog schon mehrmals berichtete. Hier findet man reetgedeckte Häuser, mehrere Dorfpubs und das großartige Long Crendon Manor House. Das Courthouse aus dem 15. Jahrhundert ist schon seit 1900 im Besitz des National Trusts; das obere Stockwerk ist zu besichtigen.

Margaret Yorke hatte ihren Wohnsitz im Oriel Cottage in der High Street, nur ein paar Schritte von der St Mary’s Church entfernt, auf deren Kirchhof sie auch beerdigt wurde. Leider ist es mir nicht gelungen, ihre Grabstelle zu finden. Auch ein Bediensteter der Kirche und die Bibliothekarin der Public Library, rund hundert Meter von der Kirche entfernt, konnten mir darüber keine Auskunft geben. Ein Foto von Margaret Yorke war in der Bibliothek ausgestellt, deren Eröffnung sie beiwohnte und bei diesem Anlass ein Interview gab (hier zu sehen).

Long Crendon gehört zu den Dörfern in Buckinghamshire, die am häufigsten als Drehort für die TV-Kimiserie Midsomer Murders benutzt wurden. Die Folgen „Garden of death“ (dt. „Der Garten des Todes“), „The axeman cometh“ (dt. „Mord mit Groove“), „Things that go bump in the night“ (dt. „Nachts, wenn du Angst hast“), „A tale of two hamlets“ (dt. „Das Haus des Satans“) und „The Dagger Club“ (dt. „Britisches Roulette“) wurden hier zum Beispiel gedreht.
Long Crendon liegt 3 km nordwestlich von Thame in Oxfordshire, auch das ein Ort, der häufig von Inspector Barnaby aufgesucht wurde.

Foto meiner Exemplare.

S Mary’s in Long Crendon. Hier liegt Margaret Yorke begraben.
Eigenes Foto.

Die Long Crendon Public Library.
Eigenes Foto.

Das Court House gegenüber der Kirche.
Eigenes Foto.

Long Crendon Manor House.
Eigenes Foto.

  

 

Published in: on 19. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Parnham House in Dorset – Ein weiteres Landhaus, das einem Feuer zum Opfer gefallen ist

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Sarah Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Es gibt eine Liste von englischen Landhäusern, die im Laufe der Jahrzehnte zerstört, abgebrannt oder abgerissen worden sind. Der Zähler steht momentan auf 1967. Zuletzt war Clandon Park in Surrey am 29. April 2015 abgebrannt; ich berichtete in meinem Blog darüber.

Seit Samstag, dem 15. April ist ein weiteres Country House zu beklagen, das einem Feuer zum Opfer gefallen ist: Parnham House bei Beaminster in Dorset. Um 4.10 Uhr morgens ging bei der Feuerwehr ein Notruf ein und kurz darauf traf sie auf dem Landsitz ein, wo die Feuerbekämpfer nicht mehr viel ausrichten konnten. Parnham House ist in Teilen bis auf die Grundmauern abgebrannt. Besitzer ist der Österreicher Michael Treichl, ein Londoner Finanzinvestor, der mit seiner Familie hier lebte und der das Haus erst vor acht Jahren renoviert hatte.

Parnham House wurde im 16. Jahrhundert erbaut und war über zweihundert Jahre lang der Wohnsitz der Familie Strode. Der berühmte Londoner Architekt John Nash hatte das Anwesen 1810 umgestaltet und neue Treppen und Fenster eingebaut. Ein späterer Bewohner von Parnham House war William Barnard Rhodes-Moorhouse, ein Pilot, der im Ersten Weltkrieg fiel und posthum mit dem Victoria Cross ausgezeichnet wurde. Er ist auf dem Gelände des Parnham House begraben.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Haus der amerikanischen Armee als Stützpunkt und hier sollen Pläne für die Invasion in der Normandie erstellt worden sein. Weitere Verwendungszwecke für Parnham House waren ein Country Club und ein Pflegeheim. 1976 wurde es von dem namhaften Möbeldesigner John Makepeace übernommen, der hier seine School for Craftsmen in Wood einrichtete. 2001 verkaufte Makepeace sein Haus an den österreichischen Finanzinvestor.

Der verheerende Brand geschah erst vor wenigen Tagen, und so ist die Ursache zurzeit noch nicht klar, aber der Verdacht auf Brandstiftung scheint sich zu erhärten.

Published in: on 18. April 2017 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The Blue Bicycle – Eines der besten Restaurants in York

The Blue Bicycle in York. – Eigenes Foto

Es gibt in York zahllose Restaurants, aber bis vor kurzem hatten wir keines gefunden, das aus der Masse herausragte. Wer gern indisch oder italienisch isst, kommt in der Stadt voll auf seine Kosten, auch die vielen Pubs bieten einfache Kost an.
Jetzt haben wir aber doch ein Restaurant gefunden, das eine anspruchsvollere Küche hat und eine abwechslungsreiche Karte anbietet: Das Blue Bicycle in der Fossgate, ca 3 Minuten zu Fuß von den Shambles entfernt. Ein entsprechendes blaues Fahrrad steht übrigens vor der Tür.
Im Haus war einmal ein Bordell untergebracht und im Untergeschoss kann man Fotos von einigen der Damen betrachten, die hier einmal ihrem Gewerbe nachgingen. Die Webseiten des Restaurants greifen dieses Thema wieder auf.

Das Blue Bicycle ist angenehm eingerichtet und wir fühlten uns auf Anhieb wohl. Die Speisekarte lässt eine bestimmte Richtung nicht erkennen. Es gibt englische Gerichte (Pan-fried Bubble & Squeak oder Lasagne of Yorkshire Black Pudding), italienisch angehauchte (“Cannelloni” of Goat’s Cheese & Cucumber) und asiatisch inspirierte (Cured Salmon with Thai spices, Mango & Chilli relish & a Crab won-ton). Die Preise für die Vorgerichte liegen zwischen £6 und £11.50, die der Hauptgerichte zwischen £15 und £22.50.
Die Weinkarte ist umfangreich und gut sortiert.

Wer einmal in York einen kulinarisch anspruchsvollen Abend erleben möchte, dem kann ich das Blue Bicycle sehr empfehlen.

Schräg gegenüber liegt ein „gestyltes“ Restaurant mit indischer und Bangladeshi Küche, die Mumbai Lounge, die wir auch getestet und für gut befunden haben.

The Blue Bicycle
34 Fossgate
York, YO1 9TA
Tel. 01904 673990

Der River Foss fließt direkt am „Blue Bicycle“ vorbei. – Eigenes Foto.

Published in: on 17. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Champing oder Bed and Breakfast in ehemaligen Kirchen

All Saints in Aldwincle (Northamptonshire)
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ben and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Immer mehr Kirchen werden in England aufgegeben und anderen Nutzungszwecken zugeführt; Restaurants, Bars, Kletterhallen und was auch immer erfindungsreichen Menschen sonst noch einfällt, werden in den Ex-Gotteshäusern installiert. Andere Organisationen wiederum wie der Churches Conservation Trust oder die Friends of Friendless Churches kümmern sich liebevoll um den Erhalt der alten Bauwerke, die viel zu schade sind, um sie abzureißen. Das kostet natürlich viel Geld und da muss man Ideen haben, um die Kassen etwas aufzufüllen. Eine dieser Ideen des Churches Conservation Trust ist, einige Kirchen einfach als Bed & Breakfast zu vermieten. Einen Begriff für das Übernachten in Kirchen hat man schnell gefunden: Champing (Church + Camping), angelehnt an das Glamping (Glamourous Camping), also das Übernachten in ungewöhnlichen Objekten; ich berichtete in meinem Blog darüber.

£49 pro Erwachsenem kostet eine Übernachtung in der Woche (am Wochende £59) inklusive Frühstück in einer der zwölf Kirchen, die für das Champing bisher zur Verfügung stehen. All Saints in Aldwincle in Northamptonshire war die erste Kirche, in der der Churches Conservation Trust  seine neue Übernachtungsidee testete. Geschlafen wird auf Luftmatratzen, darüberhinaus stehen Tische, Klappstühle, eine mobile Toilette und eine Waschgelegenheit zur Verfügung. In einem benachbarten Bauernhof in Aldwincle wird das Abendessen eingenommen, das Frühstück am nächsten Morgen in der Kirche. Die Idee zündete und weitere Kirchen wurden in das Champing-Programm aufgenommen. Die Vorstellung, einmal eine Nacht in jahrhundertealtem Gemäuer zu nächtigen, war verlockend (und für einige sicher auch etwas beängstigend). Jede der Kirchen ist anders, in einigen gibt es elektrisches Licht, manche haben richtige Toiletten; beheizbar ist aber keine Kirche, deshalb wird Champing auch nur von März bis September angeboten.

Hier sind einige der Champing-Kirchen:

St Mary the Virgin in Fordwich (Kent), vor den Toren der Kathedralenstadt Canterbury, wo bis zu zwölf Übernachtungsgäste untergebracht werden können (hier ist ein Film darüber).

All Saints in Billesley (Warwickshire) bei Stratford-upon-Avon, die mit William Shakespeare in Verbindung gebracht wird. Hier können nur zwei Gäste die Nacht verbringen (very romantic!!).
Saint Katherine in Chiselhampton (Oxfordshire), nur wenge Kilometer von der Universitätsstadt entfernt. Geeignet fpr maximal sechs Gäste.
St Thomas in Friarmere (Greater Manchester). Eine alte Kirche am Rand des Saddleworth Moors (für bis zu acht Gäste). Hier wurden im vorigen Jahr einige Teile des Films „A Monster Calls“ (dt. „Sieben Minuten nach Mitternacht“) u.a. mit Sigourney Weaver gedreht (hier ist der Trailer).
Old St Stephen’s in Fylingdales (North Yorkshire) im North York Moors National Park, nicht weit von Whitby entfernt. Hier finden bis zu vier Übernachtungsgäste Platz.
Übrigens darf man auch Hunde mitbringen und Alkohol ist kein Thema (wir sind ja in England), aus einer kleinen Weinliste kann man sich den passenden Wein für eine romantische Nacht aussuchen oder selbst mitbringen.
Wer Champing einmal ausprobieren möchte wende sich an den
The Churches Conservation Trust
Society Building,
8 All Saints Street
London, N1 9RL
champing@thecct.org.uk
Dieser Film zeigt weitere Informationen über Champing.

St Mary the Virgin in Fordwich (Kent).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright pam fray and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints in Billesley (Warwickshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Katherine in Chiselhampton (Oxfordshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright ChurchCrawler and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Thomas in Friarmere (Greater Manchester).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Anderson and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Old St Stephen’s in Fylingdales (North Yorkshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Mein Buchtipp – David Long: Bizarre England

Foto meines Exemplares.

David Long hat rund zwanzig Bücher über London und Großbritannien geschrieben, in denen er sich überwiegend mit wenig bekannten und kuriosen Dingen auseinandersetzt. Eines dieser Bücher habe ich gerade mit Genuss gelesen: „Bizarre England – Discover the Country’s Secrets & Surprises„, Teil einer dreiteiligen Reihe, deren andere Teile „Bizarre London“ und „Bizarre Scotland“ heißen und alle bei Michael O’Mara in London erschienen sind.

„From weird buildings to eccentric museums and from mystical superstitions to remnants of magical rites, this is a guide like no other“, so steht es im Buch, und ich kann da nur zustimmen. Vieles von dem was David Long erzählt, wird man in keinem Reiseführer finden, und ich kann dieses Buch allen empfehlen, die wie ich einen Nerv für Exzentrisches und Kurioses haben.

Einige Beispiele:

Die erstaunlichsten Irrgärten des Landes (Ragley Hall Maze in Warwickshire) und die obszönsten Ortsnamen (Backside Lane, Crotch Crescent)

Kurioses aus den Colleges von Oxford und Cambridge (der längste Korridor Europas findet sich im Newnham College in Cambridge)

Bizarre Wettbewerbe und Meisterschaften (Dwyle Flunking in Lewes in West Sussex oder World Nettle Eating Championship in Marshwood in Dorset)

„Odd Pubs to Ponder Over a Pint“ (The Valiant Soldier in Buckfastleigh in Devon)

Die grausamsten Hinrichtungsarten (Hanging, Drawing and Quartering)

Die verrücktesten Gesetze („It is illegal to carry a plank along a pavement“, so der Metropolitan Police Act aus dem Jahr 1839)

David Long: Bizarre England – Discover the Country’s Secrets & Surprises. Michael O’Mara 2015. 192 Seiten. ISBN 978-1-78243-376-7

Published in: on 15. April 2017 at 02:00  Comments (1)  

Englische Exzentriker – Samuel Jessup aus Heckington (Lincolnshire) – Der „Pillenmann“

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Lucas and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenn man sich die abendliche Tagesschau bzw. Heute-Sendung ansehen möchte, wird man vorher durch nicht enden wollende Werbung bombardiert, in deren Mittelpunkt fast nur Pharmazeutika stehen. Braucht man die wirklich, stellt sich da die Frage?
Ja!!! würde Samuel Jessup mit Nachdruck geantwortet haben, wenn es denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts Werbefernsehen gegeben hätte. Der Mann aus Heckington in Lincolnshire, ein Viehzüchter, warf Tabletten ein wie wohl kein anderer Mensch in der Welt. Von 1791 bis 1816 konsumierte der Mann doch sage und schreibe 226 934 Pillen, das sind 10 806 Tabletten pro Jahr oder 29 pro Tag. Damals, als seine Pillensucht begann, ging er noch relativ mäßig zu Werke, steigerte aber seinen „Input“ regelmäßig, so dass er die letzten Jahre vor seinem Tod am 17. Mai 1817 tatsächlich 78 Pillen pro Tag zu sich nahm. Wogegen diese Pharmazeutika waren, weiß der Himmel. Darüberhinaus besaß er auch noch 40 000 (kein Tippfehler!) Flaschen mit Mixturen und Tinkturen. Es grenzt an ein Wunder, dass Samuel Jessup immerhin noch 65 Jahre alt wurde.

John Wright, ein Apotheker aus Bottesford (Leicestershire), hatte ihm das alles geliefert und besorgt; der Mann muss sich an Samuel Jessup eine goldene Nase verdient haben… das heißt mit dem Bezahlen nahm es der „Pillenmann“ nicht so genau, denn Wright verklagte ihn vor einem Gericht in Lincoln zur Zahlung einer Summe von £787 18s. Man schloss einen Vergleich über £450. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Jessup dieses Geld dem Apotheker auch zahlte, denn zwei Monate nach dem Verfahren war der Mann tot. Wahrscheinlich haben diese Unmengen an Tabletten schließlich doch ihre „Wirkung“ gezeigt.

Samuel Jessup wohnte in Heckingtons High Street Nummer 24, dem Stone House, zwei Häuser von der Village Hall entfernt. Heckington liegt an der A17, südöstlich von Sleaford.

Published in: on 14. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Broadbridge Heath und Warnham in West Sussex und der Dichter der Romantik Percy Bysshe Shelley

Field Place bei Broadbridge Heath, Geburtsort von Percy Bysshe Shelley.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Jeffery and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dicht an der A24 in West Sussex liegen die beiden Ortschaften Warnham und Broadbridge Heath, die für den Dichter Percy Bysshe Shelley (1792-1822) in seinem kurzen Leben eine wichtige Rolle spielten. Am 4. August 1792 wurde er in Field Place geboren, einem Herrenhaus am nördlichen Ortsrand von Broadbridge Heath, das seiner Familie gehörte und das bis 1850 auch im Familienbesitz blieb, später in den Besitz der Eigentümer der Londoner Charrington Brewery kam. Field Place ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Getauft wurde Percy am 7. September 1792 in der Kirche St Margaret’s im benachbarten Warnham, deren Ursprünge bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen. Der Taufstein, der sogar noch älter ist, mutmaßlich aus dem 12. Jahrhundert, ist noch heute in der Kirche zu sehen. Auch ein Facsimile der Geburtseinträge aus dem Kirchenbuch des Jahres 1792, auf dem die Name Shelleys und seiner Eltern verzeichnet sind, ist in einer Glasvitrine ausgestellt. In St Margaret findet man zahlreiche Memorials der Shelley-Familie, so ist in der Caryll Chapel ein Stein im Boden eingelassen, der an Timothy Shelley (gestorben 1771) und seine Frau Joanna (gestorben 1770) erinnert, die Urgroßeltern des Dichters. An einer Wand auf der Südseite der Kirche findet man eine Tafel, auf der die Namen Helen und Elizabeth Shelley eingetragen sind, die in der Kirche beerdigt wurden, sowie der Name Charles Bysshe Shelley, ein Sohn des Dichters, der im Alter von 11 Jahren starb und hier ebenfalls beigesetzt wurde.

In Broadbridge Heath steht in der Old Guildford Road ein Pub namens The Shelley Arms, der aus dem 14. Jahrhundert stammt und in den der junge Percy öfter einmal nach einem Streit mit seinem Vater Zuflucht gesucht haben soll. Weiterhin erinnern an den Dichter in Broadbridge Heath eine Straße, der Shelley Drive, und die Shelley Primary School.

St Margaret’s in Warnham (West Sussex).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jonathan Billinger and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Taufstein in St Margaret’s.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Colin Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Shelley Arms in Broadbridge Heath.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Martin and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Wold Newton im Osten von Yorkshire – Schauplatz eines Meteoritenabsturzes

Das Wold Newton Monument.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright vad falcone and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Am 13. Dezember 1795 gegen 15 Uhr hatten die Bewohner des Dörfchens Wold Newton im East Riding of Yorkshire, zwischen Scarborough und Driffield gelegen, mächtiges Glück. Ein 25 kg schwerer Meteorit stürzte aus dem Himmel und verfehlte das Dorf nur um Haaresbreite. Der Farmarbeiter John Shipley stand so dicht an der Einschlagstelle, dass er von dem hochspritzenden Matsch durchnässt wurde.
Der Meteorit war so tief in den Boden eingedrungen, dass er mühsam ausgegraben werden musste. Der Eigentümer des Geländes, ein Mr. Edward Topham, leitete den größten Teil dieses ehemaligen Himmelskörpers an das Londoner Natural History Museum weiter, wo er noch heute zu besichtigen ist.

Im Jahr 1799 errichtete Mr. Topham an der Stelle, an der der Meteorit einschlug, ein Denkmal, das die Inschrift trägt:

Here on this spot, December 13, 1795 fell from the atmosphere an extraordinary stone. In breadth twenty-eight inches, in length thirty-six inches and whose weight was fifty-six pounds. This column in memory of it was erected by Edward Topham, 1799.

Der Wold Newton Meteorit brachte den amerikanischen Science Fiction-Autor Philip José Farmer auf die Idee, dieses Ereignis literarisch zu verwenden. So soll der Stein durch seine Radioaktivität genetische Veränderungen in Menschen hervorgerufen haben, die zufällig in einer Kutsche am Absturzort vorbeifuhren. Deren Nachkommen verfügten über außergewöhnliche Fähigkeiten und waren z.B. Sherlock Holmes, Tarzan, James Bond oder Philip Marlowe; sie wurden kurz die Wold Newton Family genannt.

Farmers Idee wurde später von Win Scott Eckert aufgegriffen und fortgeführt, indem er das „Wold Newton Universe“ erschuf.

Das Buch zum Artikel:
Win Scott Eckert: Myths for the Modern Age – Philip Jose Farmer’s Wold Newton Universe. Monkey Brain 2005. 400 Seiten. ISBN 978-1932265149.

Published in: on 12. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Spukorte – The Bell in Toddington (Bedfordshire)

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Jeffrey and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gegenüber vom Village Green am Market Square in Toddington in der Grafschaft Bedfordshire, nur wenige hundert Meter von der Autobahn M1 entfernt, steht The Bell, ein Pub, der anstelle eines Gasthausschildes mit einer richtigen Glocke auf sich aufmerksam macht. Es gibt die Theorie, dass der Name des Pubs von einer früheren Glockengießerei kommt, die an dieser Stelle einmal existierte. The Bell war eine Kutschenstation auf der Strecke von London nach Bedford.

Der Gasthof gilt als „haunted“ und zwar soll daran die bildhübsche Tochter eines Gastwirts Mitte des 19. Jahrhunderts daran Schuld sein. Die junge Dame zog auf Grund Ihrer äußeren Erscheinung viele Gäste in den Pub, was ihrem Vater sehr recht war. Der Umsatz war mehr als zufriedenstellend; ein Pint, das von einer hübschen Frau gezapft wird, schmeckt nun mal einfach besser. Es wäre alles so schön gewesen, wenn die Tochter des Landlords nicht über ein außergewöhnlich hitziges Temperament verfügt hätte. Bei der kleinsten Provokation ging sie hoch wie eine Rakete und rastete total aus, und wer das von den Stammgästen wusste, der zog sich bei diesen Wutanfällen lieber in eine sichere Ecke zurück, anstatt zu riskieren, ein Glas Bier über den Kopf geschüttet zu bekommen. Ihr Vater griff bei solchen Vorfällen bald ein und sperrte das Töchterlein weg, wo sie sich dann an Pfannen, Töpfen und anderen Küchenutensilien austoben konnte. Nach einer Weile war der Zorn verrraucht und sie konnte wieder hinter die Theke zurück und auf die Kundschaft losgelassen werden. Als es wieder einmal so weit war und die junge Frau aus dem Schankraum abgezogen werden musste, kehrte nach wenigen Minuten des Gescheppers und Geschreis plötzlich Ruhe ein, eine gespenstische Ruhe, und als der Vater nach seiner Tochter sah, fand er sie tot auf dem Boden vor, sie war an einem ihrer Anfälle gestorben. Seitdem kommt es in The Bell immer mal wieder vor, dass Töpfe und Pfannen in der Küche durch den Raum fliegen, Bilder von der Wand fallen und Biergläser auf unerklärliche Weise den Bartresen entlanggleiten.
Aber es gibt noch weitere unheimliche Begebenheiten in diesem Pub in Toddington wie Damien O’Dell in seinem Buch „Paranormal Bedfordshire“ schreibt; so berichten Angestellte des Hauses, dass sie mehrfach von geisterhaften Händen auf der Schulter berührt worden sind. Eines der Zimmer im Haus ist ständig eiskalt, auch im Sommer.

Wem es in The Bell zu unheimlich ist, der braucht nur die Straße zu überqueren und kann unbehelligt von Geistern sein Pint in The Cuckoo trinken.

 

The Bell
4, Market Square
Toddington
Dunstable LU5 6BP

Anstelle eines Pubschilds…
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright JThomas and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

War Memorials – Man findet sie in jeder Stadt und fast jedem Dorf

Ein typisches Kriegerdenkmal in Stonehouse (Gloucestershire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jaggery and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

A war memorial is a building, monument, statue or other edifice to celebrate a war or victory, or (predominating in modern times) to commemorate those who died or were injured in a war„, so heißt es in der Wikipedia. Man findet die Kriegerdenkmäler überall in Großbritannien, denn jede Stadt und fast jedes Dorf hat in den beiden Weltkriegen Gefallene zu beklagen gehabt. Nach den Burenkriegen wurden die ersten War Memorials errichtet, ganz viele nach dem Ersten Weltkrieg, die häufig mit den Namen der im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Soldaten ergänzt wurden. Nur 52 Dörfer in England und Wales, die sogenannten „Thankful Villages“ (ich berichtete in meinem Blog darüber), hatten im Ersten Weltkrieg keine Verluste zu beklagen, mehr als 16 000 Städte und Dörfer dagegen schon.

Es gibt die unterschiedlichsten Versionen von Kriegerdenkmälern, manche sind riesig und mit Skulpturen versehen wie „The Response“ in Newcastle-upon-Tyne (Tyne and Wear) oder das War Memorial von Oldham (Greater Manchester), viele sind kleiner und bescheidener und an prominenten Stellen errichtet worden, gern auf den Village Greens im ländlichen Raum.

Ich möchte hier einmal einige Kriegerdenkmäler im Bild zeigen, stellvertretend für viele Tausend:

The Response in Newcastle upon Tyne.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Andrew Curtis and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Oldham War Memorial.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alan Murray-Rust and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Kleiner und bescheidener fällt das War Memorial von Great Bircham in Norfolk aus. Es verzeichnet 21 Namen von Gefallenen aus den beiden Weltkriegen.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Adrian S Pye and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine schöne gepflegte Anlage an der Queen Street in Market Drayton (Shropshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jonathan Hutchins and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In Radcliffe bei Bury in Greater Manchester entschied man sich dafür, die gefallenen Soldaten mit einem 12 Meter hohem Obelisken zu ehren.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

War Memorials Online versucht, so viele Kriegerdenkmäler wie möglich zu erfassen und sie der Nachwelt zu erhalten wie dieser Film zeigt.

Die Lord Street in Southport (Merseyside)- Eine der schönsten Einkaufsstraßen Englands und Vorbild für die Pariser Champs Elysées (?)

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Raymond Knapman and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Southport liegt weniger als dreißig Kilometer von Liverpool entfernt an der Irischen See und hat etwas mehr als 90 000 Einwohner. Quer durch die Stadt zieht sich die eine Meile lange Lord Street (gleichzeitig die A565), die zu den schönsten Einkaufs- und Bummelstraßen Englands gehört. Sie ist sehr breit und die beiden Fahrbahnen werden durch einen attraktiven Grünstreifen getrennt; auch architektonisch ist die Lord Street interessant. Da sind zum Beispiel die hübschen Gebäude, in denen das Scarisbrick Hotel und das Prince of Wales Hotel untergebracht sind, oder die im viktorianischen Stil erbaute Wayfarers Arcade, die Cambridge und die Royal Arcade und The Monument, das pompöse Kriegerdenkmal. Es gibt eine Fülle von Restaurants und Bars wie die Tony McGee Bar und das V-Café, beide im Vincent Hotel, sowie das Casa Italia und Salvatores Ristorante, in denen man bei schönem Wetter draußen speisen kann. Wer sich mehr für Kirchen interessiert, der kann sich in der Lord Street die Christ Church ansehen, die 1821 gegründet wurde. Auf dem breiten Grünstreifen in der Mitte der Straße findet man die Town Hall Gardens mit dem Princess Diana-Brunnen. Die Lord Street lädt zum Bummeln ein und bei schlechtem Wetter kann man sich in eine der Einkaufsarkaden zurückziehen.

Ja, die Lord Street ähnelt den Pariser Avenue de Champs-Elysées sehr, und es heißt, dass die französische Prachtstraße ihr Vorbild in der Hauptstraße von Southport haben soll. Wie das?
1846 verbrachte Louis-Napoléon Bonaparte, der spätere Napoleon III., einen Urlaub in Southport und wohnte in einer Nebenstraße der Lord Street. Er soll von der baumbestandenen Hauptstraße so begeistert gewesen sei, dass er später, als er Kaiser von Frankreich war und Paris komplett umbaute, die Champs-Elysées nach dem Vorbild der Lord Street habe umgestalten lassen.

Ich glaube nicht, dass die stolzen Pariser sich dessen bewusst sind und wenn, das nicht wahrhaben wollen. Southport in Merseyside hat sicher überhaupt nichts dagegen, als Paris in Englands Nordwesten bezeichnet zu werden, aber Paris als Southport des Südens…

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen McKay and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen McKay and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Monument, das Kriegerdenkmal.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gerald England and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Christ Church.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jeff Buck and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Town Hall Gardens.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Christine Johnstone and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und die Avenue des Champs-Elysées in Paris.
This work is in the Public Domain.

Coxwold in North Yorkshire – Ein Dichter der Weltliteratur, eine Kirche und ein schöner Pub

Coxwold in North Yorkshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Hatton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ich mag Coxwold! Viele Male bin ich in dem Bilderbuchdorf in North Yorkshire gewesen, das ca 27 km nördlich von York liegt, und in dem drei Gebäude besonders sehenswert sind.

Da ist zum einen Shandy Hall, ein sehr hübsches altes Haus, das Mitte des 14. Jahrhunderts gebaut worden ist, und in dem von 1760 bis 1768 einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur lebte: Laurence Sterne, der vor allem durch seinen umfangreichen Roman “ The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman (dt. „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“), berühmt wurde. Sterne, der in Coxwold eine Pfarrstelle inne hatte,  schrieb in Shandy Hall den größten Teil dieses Buches. Heute ist hier The Laurence Sterne Trust untergebracht, dessen Aufgabe es ist, das Andenken an den Schriftsteller wachzuhalten, indem man sich einmal um den Erhalt des Gebäudes kümmert und weiterhin hier alles an Dokumenten, Büchern und Bildern zusammenträgt, die in irgendeiner Form mit Sterne zusammenhängen. Shandy Hall berbergt die größte Sammlung von Laurence Sternes Werken weltweit. Von Mai bis September kann man sich das Haus und die Gärten ansehen. Das Grab von Laurence Sterne findet sich übrigens auf dem Kirchhof.

Coxwold verfügt über eine recht große Kirche, St Michael’s, die Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut wurde. Bemerkenswert ist hier der Westturm, der eine achteckige Form hat.

Eine wichtige Funktion in Coxwold nimmt natürlich der örtliche Pub ein, und die Dorfbewohner können sich über einen besonders schönen Gasthof freuen, The Fauconberg Arms, eine Kutschenstation aus dem 17. Jahrhundert, in dem auch einige Gästezimmer bereit stehen.
Ich kann einen Besuch in diesem hübschen Dorf  in North Yorkshire sehr empfehlen!

Hier ist ein Film über Shandy Hall und hier ein Film über Coxwolds Gärten und St Michael’s.

Das Buch zum Artikel:
Thomas Keymer: The Cambridge Companion to Laurence Sterne. Cambridge University Press 2009. 224 Seiten. ISBN 978-0521614948.

Shandy Hall.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ian S and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Fauconberg Arms.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Heaton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence

St Michael’s Parish Church.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alf Beard and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lawrence Sternes Grab in Coxwold.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Buckingham and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mein Buchtipp – Roger Long: Historic Inns Along the River Thames

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Die Themse ist ein Fluss, der mich immer wieder von neuem fasziniert; sei es als „kleine“ Themse in Wiltshire, sei es als „große“ Themse in London.
Am Rand dieses Flusses haben sich im Lauf der Jahrhunderte zahllose Gasthäuser etabliert, die zu einem Besuch einladen. Im Sommer kann man bei den meisten auf einer Terrasse oder auf dem Rasen direkt neben der Themse sein Pint zu sich nehmen und zuschauen wie sich das Wasser langsam in Richtung London fortbewegt.

Die dicht bewachsenen Ufer rufen Erinnerungen wach an Jerome K. Jeromes Buch „Drei Mann in einem Boot„, wo Harris & Co ihr Lager aufschlagen und ihr Abendessen zubereiten.

Eine Auswahl von besonders empfehlenswerten Gasthöfen an der Themse hat Roger Long in seinem Buch „Historic Inns Along the River Thames“ zusammengestellt und mit Schwarz-Weiß-Fotos illustriert.

Long beginnt seine Reise an der Themsequelle und so heißt dann auch der erste vorgestellte Gasthof „The Thames Head Inn„, der an der A433 zwischen Tetbury und Cirencester in Gloucestershire liegt.

Der letzte an der Themsemündung gelegene Inn ist „The Castle“ an der Eastern Esplanade in Southend-on-Sea in Essex.

Zwischen diesen beiden Eckpunkten finden sich in Roger Longs Buch viele reizvolle Häuser, die auch zu einem längeren Verweilen einladen. Was gibt es Schöneres, als nach einem angenehmen Abendessen den Tag mit einem kleinen Spaziergang an der Themse ausklingen zu lassen und den Booten nachzusehen, die gemächlich flussauf oder flussab fahren?

Roger Long: Historic Inns Along the River Thames. Sutton Publishing 2006. 142 Seiten. ISBN 978-0750943642.
(Das Buch ist zwar schon 11 Jahre alt, aber die  Pubs existieren noch).

The Thames Head Inn zwischen Cirencester und Tetbury.
Eigenes Foto.

The Castle in Southend-on-Sea (Essex).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Myers and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Trout in Lechlade. Gegenüber findet man Old Father Thames.
Eigenes Foto.

Published in: on 7. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Follies – Das Dinton Castle bei Dinton in Buckinghamshire

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Rob Farrow and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wir befinden uns mitten in Inspector Barnabys fiktivem Midsomer County: An der A418 zwischen Aylesbury und Thame in Buckinghamshire liegen die Dörfer, die in der TV-Serie als Drehorte verwendet wurden, wie an einer Perlenschnur aufgereiht: Haddenham, Chearsley, Cuddington, Westlington, Dinton. In meinem Blog habe ich die außerordentlich attraktiven Ortschaften vorgestellt, so auch Dinton mit seiner hübschen Kirche Saint Peter and Saint Paul an der Upton Road. Direkt daneben liegt Dinton Hall, ein sehr ansprechender Bau mit vielen Giebeln, der Mitte des 18. Jahrhunderts von Sir John Vanhattan bewohnt wurde. Was dem Herrn von Dinton Hall beim Blick aus den Fenstern fehlte, war eine Burg, die seine Augen erfreuen konnte, und so erbaute er Dinton Castle. Gleichzeitig diente die Burg zur Unterbringung seiner umfangreichen Fossiliensammlung, die er aber nicht in Schaukästen präsentierte, sondern in die Wände einmauern ließ. Dort finden sich also Ammoniten, Trilobiten und andere urzeitliche Versteinerungen. Sir John ließ seine Burg nie zu Ende bauen, es gab kein Dach und war eigentlich von Anfang an eine Ruine.
Bald rankten sich Legenden um Dinton Castle, so sollte der Geist von Simon Mayne, dem Henker von Charles I. in der Burg umgehen, der in Dinton wohnte.
Im November 2014 wurde die unter Denkmalschutz stehende Burg für £56,000 versteigert und soll als Wochenendresidenz für den neuen Besitzer umgebaut werden. Dinton Castle steht auf Privatgelände, kann also nicht besichtigt werden. Dieser Film zeigt die romantische Ruine.

Dinton und vor allem das benachbarte Westlington gehören für mich zu den schönsten Dörfern Buckinghamshires.

Fossilien aus der Sammlung Sir John Vanhattans im Mauerwerk der Burg.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Rob Farrow and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 6. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Longplayer, die längste Komposition der Welt, und der einzige Leuchtturm Londons auf der Trinity Buoy Wharf

Der Leuchtturm auf der Londoner Trinity Buoy Wharf.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Kemp and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dort, wo die Themse in London eine ihrer Schleifen zieht, auf der Leamouth Peninsula,steht das Bow Creek Lighthouse, der  einzige Leuchtturm Londons, der allerdings nicht mehr in Betrieb ist. Von 1864 bis 1866 wurde der Turm erbaut, der zu Ausbildungszwecken für künftige Leuchtturmwärter diente. Trinity Buoy Wharf heißt das Gelände hier an der Themse, auf der auch die Container City steht, über die ich in meinem Blog einmal berichtete.

Am 31. Dezember 1999 um Mitternacht, als das neue Jahrtausend eingeläutet wurde, begann hier im Lighthouse ein Projekt, das exakt tausend Jahre dauern wird bzw. soll: The Longplayer. Dabei handelt es sich um eine musikalische Komposition, die rund um die Uhr tausend Jahre lang zu hören sein wird, ohne sich zu wiederholen, und die erst am 31. Dezember 2999 beendet ist, so der Plan. Jem Finer hat sich das ausgedacht, ein Musiker, der auch als Gründungsmitglied der Band The Pogues bekannt wurde.

More than a piece of music, Longplayer is a social organism, depending on people – and the communication between people – for its continuation, and existing as a community of listeners across centuries“, und „an artificial life form programmed to seek its own survival strategies„, so eine Form der Erklärung auf den Webseiten des Projekts. Komponiert ist The Longplayer für Klangschalen, im Englischen Singing Bowls genannt, die ihren Ursprung im asiatischen Himalayagebiet haben.

Damit alles reibungslos funktioniert, wurde The Longplayer Trust gegründet, dessen Mitglieder aus der Musik- und Kunstszene kommen. Niemand unter uns wird jemals miterleben, ob dieses interessante Musikprojekt jemals das gesteckte Ziel erreichen wird.
Wer  einmal in die Komposition hereinhören möchte, der kann das in den sogenannten Listening Posts tun, zu finden im Yorkshire Sculpture Park, im The Royal Observatory in Greenwich, in den USA in der The Long Now Foundation in San Francisco oder online per Livestream.

Published in: on 5. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Pubschilder – The Who’d Have Thought It Inn in Milton Combe (Devon)

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Sarah Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Es gibt (Gott sei Dank!!) in England noch immer richtig schöne Countrypubs, bei denen einfach alles stimmt: Die Lage, das Gebäude, die Qualität des ausgeschenkten Biers und die Zubereitung der Speisen. Einer dieser Vorzeige-Pubs ist „The Who’d Have Thought It“ in Milton Combe, ca 12 km von Plymouth in Devon entfernt, am Randes des Dartmoors.

Der Name des Pubs ist etwas ungewöhnlich (es gibt allerdings noch weitere Pubs mit diesem Namen in leicht veränderter Schreibweise), aber das Pubschild zeigt wie er zustande kam. Ein Dorfbewohner von Milton Combe beantragte vor langer Zeit eine Lizenz, um einen Gasthof zu eröffnen. Nachdem er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, erreichte ihn schließlich doch noch ein Brief mit der Schanklizenz. „Wer hätte das gedacht“, soll der frisch gebackene Wirt ausgerufen haben oder „Who’d have thought it“. Diesen Namen hat er dann gleich für seinen neuen Pub behalten. Auf dem Pubschild zu sehen: Der Wirt mit der Lizenz in der Hand und im Hintergrund der bisherige Platzhirsch, der Publican des „The First and Last“, der gar nicht erfreut ist, jetzt einen Konkurrenten zu haben. Im Vordergrund die Dorfbewohner, die sich über das Ereignis unterhalten.

Der Gasthof, der nur zwei Gehminuten von der Buckland Abbey entfernt liegt, bietet seinen Gästen eine Fülle von Unterhaltungsmöglichkeiten an wie ein Cider Festival, Live Music und spezielle Menüs für spezielle Tage (Burns Night, St Patrick’s Day, St George’s Day).

The Who’d Have Thought It Inn
Milton Combe
Yelverton
PL20 6HP

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Sarah Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 4. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Soldiers in Silloth – Ein Museum für Spielzeugsoldaten in Cumbria

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright JThomas and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Silloth ist ein kleiner Badeort im äußersten Nordwesten Englands, in der Grafschaft Cumbria. Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen der Kleinstadt, es gibt einen Hafen, eine Brauerei, Golfplätze und…“Soldiers in Silloth„, ein Museum für Spielzeugsoldaten an der Ecke Marine Terrace und Criffel Street.
Tim Barker hat das Museum gegründet, in dem er seine Sammlung untergebracht hat, die seit über fünfzig Jahren besteht. Mehr als 10 000 Figuren sind hier zu bestaunen: Soldaten, Kanonen, Fahrzeuge, Katapulte, Burgen usw. Tim Barker hat sie bei seinen Reisen durch die Welt gekauft und mitgebracht. Angefangen mit Soldaten aus dem Reich der Ägypter bis hin zu Panzern des Zweiten Weltkriegs, hier in Silloth findet man alles, was das Herz eines Militaria-Sammlers höher schlagen lässt. Nachgestellt sind zum Beispiel die Schlachten  von Agincourt, Waterloo, Saratoga und Rorke’s Drift.

Tim Barker ist eigentlich Schauspieler, der in Dutzenden von TV-Serien aufgetreten ist wie „Inspector Morse“, „Der Doktor und das liebe Vieh“, „Polizeiarzt Dangerfield“ oder „Dalziel and Pascoe“. Auch in dem Spielfilm „Calendar Girls“ (dt. „Kalender Girls“) hatte er eine kleine Rolle.

Die Initialzündung für das Interesse an dem Thema erhielt Tim Barker als Kind, als ihm sein Vater das Buch „Little Wars“ von Herbert George Wells schenkte, das in voller Länge „Little Wars: a game for boys from twelve years of age to one hundred and fifty and for that more intelligent sort of girl who likes boys‘ games and books“ heißt und 1913 erstmals erschienen ist (es wurde nicht ins Deutsche übersetzt). Darin erstellt der Schriftsteller ein Regelwerk für das Spielen mit Spielzeugsoldaten, das Tim Barker so verinnerlicht hat, dass es die Grundlage für die Aufstellung seiner Sammlung in Silloth bildet.

„Soldiers in Silloth“ ist ganzjährig am Wochenende geöffnet, vom 1. Juni bis zum 30. September auch dienstags bis freitags von 13 Uhr bis 16 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt bescheidene £2.

Hier ist ein kleiner Film über das Museum zu sehen.

Die Criffel Street in Silloth.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alexander P Kapp and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 3. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Lay-Bys – Einige persönliche Anmerkungen

TJ’s Café an der A619 in Derbyshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Hogg and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenn ich auf englischen A- und B-Straßen unterwegs bin und ich einmal anhalten und eine kurze Pause machen möchte, geht es mir häufig so, dass weit und breit kein Parkplatz zu finden ist. In den Dörfern an der Durchfahrtsstraße ist alles zugeparkt und am Straßenrand außerhalb der Dörfer kann man sein Auto oft nicht abstellen. Schön, wenn dann irgendwann einmal ein Lay-By auftaucht, also ein Parkplatz neben der Straße, den man sich mit oft mit „juggernauts“, riesigen LKWs, teilt. Wenn man Glück hat, ist dieser Lay-By asphaltiert und einigermaßen sauber; ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass diese Parkstreifen häufig schlaglochübersät sind, in denen noch das Wasser vom letzten Regenguss steht; also: weiterfahren und nach einem angenehmeren Rastplatz Ausschau halten.

Hin und wieder steht auf den Lay-Bys ein kleiner Imbissladen, in dem sich vornehmlich die Trucker eine mehr oder wenige fettige Mahlzeit holen. Manchmal sind das mobile Stationen, manchmal auch fest installierte Roadside Cafés. Ich habe sie noch nie ausprobiert. Einige dieser Imbiss-Vans stehen schon seit Jahrzehnten an der gleichen Stelle wie zum Beispiel der von Audrey Prentice an der A10 zwischen Cambridge und King’s Lynn, die ihre Kunden schon seit über dreißig Jahren hier bedient.
An der A35 bei Higher Bockhampton in Dorset steht ein Fast Food-Kiosk, der an das Hexenhaus von Hänsel und Gretel erinnert. Fest installiert sind TJ’s Café an der A619 bei Whitwell in Derbyshire oder Starkey’s Café an der A18 im Norden von Lincolnshire.

Manchmal werden Lay-Bys auch für andere Zwecke benutzt wie für nächtlichen Sex, was dann für Unmut der LKW-Fahrer sorgt, die an dieser Stelle ein paar Stunde ausruhen wollen. Die A40, die von London nach Süd-Wales führt, war eine Zeit lang dafür berüchtigt, dass einige ihrer Lay-Bys sich zu Sextreffs entwickelten, woraufhin der Oxfordshire County Council eine Höchstparkzeit von dreißig Minuten dort einführte, um dem Treiben (erfolgreich?) entgegenzutreten.

Lay-Bys sind auch „beliebte“ Ablageplätze für Mordopfer; so wurde zum Beispiel auf einem Parkplatz an der A413 bei Gerrards Cross in Buckinghamshire im vergangenen Jahr eine ermordete Londoner Prostituierte gefunden. Auch im vergangenen Jahr machte man auf einem Lay-By an der A628 bei Tintwistle in Derbyshire die grausige Entdeckung einer männlichen, verbrannten, kopflosen Leiche.

Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, nachts auf einer wenig befahrenen Straße eine Pause auf einem abgelegenen Lay-By einzulegen.

Das Hexenhaus an der A35  in Dorset.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Downer and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Starkey’s Café an der A18 in North Lincolnshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ian S and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein sehr einladender Lay-By an der A40 in Oxfordshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Hawgood and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 2. April 2017 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The Richard III Experience im Monk Bar von York (North Yorkshire)

König Richard III auf der Anklagebank. Eigenes Foto.

Als wir das Richard III-Museum in York besuchten, das sich seit einigen Jahren The Richard III Experience nennt, gingen sintflutartige Regenfälle über der Stadt nieder, und wir waren froh, uns in trockenen Räumen aufhalten zu können. Einige wenige Touristen suchten im Vorraum des Museums  Zuflucht, sonst waren wir ganz allein in der Ausstellung.

Seit 1992 gibt es das Museum schon, das im Monk Bar untergebracht ist, einem jener Tore in den Stadtmauern, die York noch heute in Teilen umschließen. Von den drei Räumen des Museums soll der oberste 1484 von Richard III selbst in Auftrag gegeben worden sein. Der König hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass diese Räumlichkeiten nach mehr als 500 Jahren noch immer seinem Andenken gewidmet sind.

Die Ausstellung ist sehr interessant aufbereitet. Das Kernstück bildet ein Gerichtsverfahren, in dem Richard III des Mordes an seinen beiden Neffen angeklagt wird. Per Knopfdruck kann man den Ton dazuschalten und anschließend werden die Besucher aufgefordert, in ein ausliegendes Buch ihre Meinung zu schreiben, ob der König schuldig oder unschuldig ist.

Im obersten Raum, der durch eine kleine enge Steintreppe zugänglich ist, kann man die von Richard III angeordneten Hinrichtungen nacherleben. Bei unserem Besuch war der Raum geschlossen und ein Hinweisschild stand vor der Tür „Apologies: The executioner is on holiday. Your appointment with death has been postponed„. Noch einmal Glück gehabt!

Anlässlich der Entdeckung des Skeletts des Königs in Leicester und seiner erneuten Beerdigung hat man im Museum einige diesbezügliche Installationen untergebracht. Ein auf dem Schlachtfeld von Towton gefundenes Skelett eines Soldaten wird hier im Museum seit zwei Jahren zur Schau gestellt (hier ist ein Film in Zeitraffer über die Aufstellung).

Im Museumsshop kann man sich mit Literatur über Richard III und allerlei Devotionalien eindecken. Ein Besuch lohnt sich (auch bei schönem Wetter!).

Der Inhaber und die „Seele“ des Museums, Mike Bennett, ist leider im Jahr 2004 im Alter von nur 55 Jahren gestorben. Übernommen wurde das Museum unter der neuen Bezeichnung von der Jorvik Group, die im Micklegate Bar Richards Widersacher Henry VII ebenfalls ein Museum gewidmet hat, The Henry VII Experience.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag über die Richard III Society.

 

The Richard III Experience
Monk Bar
York
YO1 7LQ

In uraltem Gemäuer ist das Museum untergebracht. Eigenes Foto.

Der Henker war glücklicherweise im Urlaub. Eigenes Foto.

The Monk Bar in York.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Derek Voller and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 1. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: