Die merkwürdige Geschichte der Prinzessin Caraboo von der Insel Javasu

Almondsbury in South Gloucestershire.
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Als ich von Bristol kommend in nördlicher Richtung auf der A39 zurück zu meinem Hotel, dem Thornbury Castle, fuhr, kam ich auch durch Almondsbury, einem hügeligen Dorf, das im Jahr 1817 eine Zeit lang für Aufsehen sorgte. Dort tauchte am Gründonnerstag eine mysteriöse Frau auf, die offensichtlich des Englischen nicht mächtig war und sich in einer Sprache artikulierte, die niemand verstand. Sie klopfte beim Dorfschuster an und gab durch Zeichen zu verstehen, dass sie hungrig war und um Unterkunft bat. Man gab ihr zu essen und verwies sie an den Friedensrichter von Bristol, der sich ihrer annahm. Die Frau, deren Alter man auf Mitte 20 schätzte, wurde im Bowl Inn in Almondsbury untergebracht (den es noch heute gibt), dann holte man sie nach Bristol zurück und wusste nicht recht, was man mit ihr anstellen sollte. Dann tauchte plötzlich ein portugiesischer Seemann auf, der angeblich ihre Sprache verstand und so ergab sich folgende Geschichte: Bei der Frau handelte es sich um eine Prinzessin namens Caraboo und sie stammte von der Insel Javasu im Indischen Ozean. Piraten hatten sie dort entführt und auf ihrem Schiff nach Europa mitgenommen. In der Meeresbucht vor Bristol ist sie ihnen entkommen, indem sie von Bord sprang und an Land schwamm. Mehrere Wochen lang genoss Prinzessin Caraboo die Aufmerksamkeit, die sie verursachte. Die junge Dame kleidete sich exotisch, ließ ein Porträt von sich anfertigen und huldigte ihrem Gott Allah-Talla. Ein Wissenschaftler identifizierte sogar ihre Sprache.

Doch dann kam die Ernüchterung: Eine Frau, die in Bristol eine Pension betrieb, erkannte die angebliche Prinzessin auf Grund eines Zeitungsberichtes wieder und es stellte sich heraus, dass Princess Caraboo in Wirklichkeit Mary Willcocks hieß und nicht von der Insel Javasu, sondern aus Witheridge in Devon stammte. Sie war die Tochter eines Schuhmachers und sprach natürlich auch fließend Englisch. Sie langweilte sich wohl etwas in ihrem Heimatort und wollte sich mit dieser Aktion interessant machen, was ihr zumindest für eine gewisse Zeit gelungen war.

Auch die weitere Lebensgeschichte von Mary Willcocks erwies sich als nicht weniger schillernd; sie fuhr mit dem Schiff nach Amerika, wobei sie auf dem Weg dorthin auf der Insel St Helena den dort verbannten Napoleon getroffen haben soll, der sich in die junge Frau verliebte und sie heiraten wollte. Inwieweit diese Geschichte stimmt, lässt sich heute nicht mehr verifizieren. In Amerika versuchte Mary Willcocks ihre „Prinzessin Caraboo“-Geschichte noch ein wenig am Leben zu erhalten, aber ohne Erfolg. Sie kehrte 1828 nach England zurück, heiratete einen gewissen Robert Baker, ließ sich in Bedminster bei Bristol nieder und verdiente ihren Lebensunterhalt durch den Import von Blutegeln. Am 24. Dezember 1864 starb sie dort und wurde auf dem Friedhof an der Hebron Road beigesetzt, von dem heute kaum noch etwas übriggeblieben ist.

1994 wurde ihre Lebensgeschichte unter dem Titel „Princess Caraboo“ verfilmt, mit Phoebe Cates in der Hauptrolle. Hier ist der Trailer zum Film.

Das Buch zum Thema:
Catherine Johnson: The Curious Tale of the Lady Caraboo. Corgi Books 2015. 288 Seiten. ISBN 978-0552557634.

The Bowl Inn in Almondsbury.
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Witheridge in Devon; von hier stammte Mary Willcocks.
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Published in: on 5. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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