Londoner Hochhäuser und ihre Spitznamen

The Leadenhall Building alias The Cheesegrater.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blogeintrag über die Londoner „protected views“ schrieb ich kürzlich, dass man in der Stadt neue Hochhäuser nicht willkürlich irgendwo hinplatzieren kann, sondern dass die Bauherren bestimmte Sichtkorridore beachten müssen. Nach und nach nimmt die Kulisse Londons immer mehr Dubaische Züge an und die Formen einiger Hochhäuser sind schon erstaunlich. An dieser Stelle möchte ich einige von diesen Bauten kurz vorstellen und ihre Spitznamen nennen.

Erst 2014 wurde das vierthöchste Gebäude Londons fertiggestellt, The Leadenhall Building, mit der Adresse 122 Leadenhall Street in der City of London. Das 225 Meter hohe Haus wurde von dem Architektenbüro Rogers Stirk Harbour + Partners konzipiert, das u.a. auch das Lloyd’s Building in der Lime Street entworfen hat. Die Baukosten beliefen sich auf £286 Millionen. Vor wenigen Wochen wurde das Leadenhall Building von der chinesischen Firma C C Land Holdings Limited übernommen. Das Haus wird inoffiziell The Cheesegrater genannt, weil es die Form einer Käsereibe hat. Es musste so gestaltet werden, damit die Sichtachse auf die St Paul’s Kathedrale vom Ludgate Hill aus nicht beeinträchtigt wird.

20 Fenchurch Street lautet die Adresse des ebenfalls 2014 fertig gewordenen Hochhauses, das 160 Meter hoch ist und 37 Stockwerke umfasst. Das £200 Millionen teuere Gebäude wurde von dem uruguayischen Architekten Rafael Viñoly Beceiro entworfen. Eigentlich sollte das Haus 200 Meter hoch werden, aber dann hätte es auch wieder Probleme mit den Sichtachsen auf die Kathedrale und den Tower of London gegeben. Im Jahr 2015 erhielt das Hochhaus den Carbuncle Cup zugesprochen, eine Auszeichnung, die kein Architekt haben möchte, denn damit wird das hässlichste neue Gebäude prämiert. 20 Fenchurch Street sorgte im Sommer 2013 für Schlagzeilen, weil die Fensterfront wie ein konkaver Spiegel wirkt und die Sonnenstrahlen in einem bestimmten Winkel auf die darunterliegende Straße projiziert, so dass dort enorm hohe Temperaturen gemessen wurden, die geparkte Autos beschädigten. Daraufhin wurden die Glasflächen mit einer Folie versehen, die das einfallende Licht nicht reflektiert. Aufgrund seiner Form nennt man das Hochhaus Walkie Talkie (damals, bei den Problemen mit der Sonneneinstrahlung, auch Walkie Scorchie und Fryscraper).

Seit 2010 gibt es das 146 Meter hohe The Strata SE1 im Stadtteil Southwark, ein Wohnhaus mit 408 Wohnungen und rund 1000 Bewohnern. Das vom Architektenbüro BFLS entworfene Gebäude konnte eine Fülle von Preisen und Auszeichnungen für sich verzeichnen und zählt zu den fünf Lieblingshochhäusern der Londoner. Doch nicht jedermann war mit der Bauform einverstanden und so erhielt auch dieses Haus den Carbuncle Cup im Jahr seines Entstehens. Der Spitzname lautet: The Razor.

Eines der auffälligsten Gebäude in der City of London ist sicher 30 St Mary Axe, 180 Meter hoch und schon 2004 eröffnet. Der Stararchitekt Norman Foster hat das Haus entworfen, das allgemein als The Gherkin bezeichnet wird. Das futuristische Hochhaus diente mehrfach als Kulisse von Spielfilmen wie „Harry Potter and the Half Blood Prince“ und „Basic Instinct 2“.

22 Bishopsgate ist im Entstehen begriffen und hat jetzt schon den Spitznamen Helter Skelter bekommen. Das Bürohaus One New Change in der City of London wird The Stealth Bomber genannt. Viele weitere Wolkenkratzer befinden sich im Planungsstadium und sicher werden auch diese mit einem besonderen Namen versehen werden.

20 Fenchurch Street alias The Walkie Talkie.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

The Strata SE1 alias The Razor.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

30 St Mary Axe alias The Gherkin.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juni 2017 at 02:00  Comments (5)  

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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Sehr interessanter Artikel, die „ausgezeichneten“ Wolkenkratzer haben den Cup völlig zurecht erhalten, wenn ich mir die Bilder so anschaue.

  2. Man kann ja von diesen Bauten halten, was man will – ich persönlich finde sie hässlich, erdrückend, und – immer im Hinblick auf die Vergänglichkeit allen Irdischen – überhaupt nicht dauerhaft gebaut! Ich finde es schade, dass die historisch gewachsene Architektur Londons mit solchen größenwahnsinnigen Bauwerken „überbrüllt“ und innerhalb weniger Jahrzehnte verschandelt wird. Der verdienstvolle „Architekturkritiker“, der Prince of Wales, hat mit seinem angeblich mal geäußerten Spruch recht gehabt, als er sagte, dass „die modernen Architekten London mehr Schaden zugefügt haben, als die deutschen Bomben im 2. Weltkrieg“. Ich finde den „Carbuncle Cup“ eine tolle Erfindung!

    • Hallo Herr Graber,
      ich kann Ihnen und dem Prince of Wales da nur zustimmen…und was kommt da noch alles auf uns zu? Dutzende von weiteren Großprojekten sind im Planungszustand, und sie werden die verbliebenen historischen Gebäude immer mehr erdrücken. Viele Kirchen im Zentrum Londons sind zwischen den Riesen kaum noch wiederzufinden und bekommen nicht mehr das Tageslicht zu sehen. Wie schön ist doch dagegen die Innenstadt von Paris, wo man sich (bisher noch) gegen Hochhäuser zu wehren wusste.

      • Vielen Dank für Ihre zustimmende Antwort – ich gebe Ihnen recht: Sir Christopher würde sich im Grab umdrehen, wenn er sähe, in welch furchtbaren Strassenschluchten seine wunderschönen Kirchen mittlerweile verschwunden sind. Ich hoffe, dass der Brexit zumindest hier bremsende Wirkung haben wird…
        Richtig – die wenigen modernen Riesenbauten in Paris (intra muros) sind zu Ikonen geworden – alles andere hat man in die „Défense“ verbannt!

  3. Dem kann ich nur zustimmen. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie alte Londoner Gebäude diesen hässlichen Klötzen weichen müssen. Leider haben wir keinen Einfluss – ich frage mich nur, ob nicht so was wie eine Erhaltungssatzung existiert.


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