Die besten Restaurants des Jahres 2017 außerhalb Londons

The Sportsman in Seasalter.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

SquareMeal ist ein „market-leading independent restaurant commentator“ und „major provider of à la carte restaurant bookings in the country“, der jährlich eine Liste mit den besten Restaurants des Landes erstellt. Die Ergebnisse für 2017 liegen jetzt vor und hier sind die Top Ten der Restaurants, die außerhalb der Hauptstadt liegen:

Auf Platz 1 steht wieder einmal The Sportsman in Seasalter (Kent). Diese x-fach ausgezeichnete Restaurant an der Nordküste von Kent hat seit 2008 einen Michelin-Stern und wird von allen führenden Guides ganz weit oben gelistet. Auf der Karte dominieren natürlich Gerichte mit Fischen und Meeresfrüchten (z.B. Braised Brill Fillet with a Mussel and Bacon Tartare und Poached Rock Oysters with Pickled Cucumber and Avruga Caviar). Der ehemalige Geschichtslehrer Stephen Harris hat aus dem ehemaligen heruntergekommenen Pub ein Mekka für Feinschmecker aus ganz England gemacht. Hier ist ein Film über den Gastropub.

Platz 2 nimmt Raymond Blancs Le Manoir aux Quat’Saison in Great Milton bei Oxford (Oxfordshire) ein, das zur Belmond-Hotelgruppe gehört. Das wunderschön am Ortsrand des Dorfes gelegene Hotel (über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete) ist auch durch sein hervorragendes von dem Franzosen Raymond Blanc geführtes Restaurant bekannt geworden, das seit 1985 zwei Michelin-Sterne besitzt. Wer hier speist, muss wesentlich tiefer in die Tasche greifen als im Sportsman (die Vorspeisen kosten £48, die Hauptgerichte ab £52).

Den dritten Platz nimmt ein Restaurant ein, das am weitesten von London entfernt ist: L’Enclume in Cartmel in Cumbria. Das Zwei-Sterne-Haus (seit 2013) wird von Simon Rogan geführt und auf der Karte finden sich viele Produkte, die auf der hauseigenen Farm angebaut werden. Das Tasting Menu kostet hier, mittags und abends, £145; möchte man korrespondierende Weine dazu haben, werden £80 zusätzlich berechnet.

Auf Platz 4 steht Heston Blumenthals legendäre Fat Duck in dem Gourmetdorf Bray bei Maidenhead in Berkshire. Ein Essen hier ist ein Erlebnis. Es gibt nur ein Menü für £255 (ohne Getränke), das sich The Itinerary nennt, und wie eine Zeitreise aufgebaut ist. Die Weinkarte ist riesig und da kann man für eine Flasche locker das mehrfache des Menüpreises ausgeben. Die Warteliste für einen Tisch beträgt viele Monate und das Menü muss bereits vorab bezahlt werden.

The Hand and Flowers in Marlow in Buckinghamshire besetzt Platz 5. Tom Kerridge übernahm das Gasthaus an der West Street im Jahr 2005 und baute es zu einem Gastro-Pub aus, der seit 2012 zwei Michelin-Sterne hat. Isst man hier à la Carte liegen die Preise für die Vorspeisen bei rund £15, die Hauptgänge beginnen bei etwa £30.

Die Plätze 6 bis 10 der SquareMeal-Liste:

6. The Waterside Inn in Bray

7. Midsummer House in Cambridge

8. Restaurant Nathan Outlaw in Port Isaac (Cornwall)

9. The Elephant in Torquay (Devon)

10. The Artichoke in Old Amersham (Buckinghamshire)

Le Manoir aux Quat’Saison in Great Milton (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

L’Enclume in Cartmel (Cumbria)
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

The Fat Duck in Bray (Berkshire).
Eigenes Foto

Published in: on 31. Juli 2017 at 02:00  Comments (1)  

Die Engländer und ihr Problem mit dem Übergewicht – Wo wohnen die dicksten Menschen?

Blick auf Rotherham in South Yorkshire, die Stadt mit den meisten dicken Menschen.
Photo © Dave Bevis (cc-by-sa/2.0)

Bei meinen Besuchen in den USA fiel mir immer wieder auf, wie viele übergewichtige Menschen es dort gibt. In England sieht es diesbezüglich aber auch nicht viel besser aus. Nach Angaben von Public Health England, einer Behörde des Gesundheitsministeriums, haben zurzeit 64.8% aller Erwachsenen Gewichtsprobleme, 40,4% sind übergewichtig, 24,4% sogar fettleibig. Die Prognosen gehen dahin, dass noch vor dem Jahr 2050 die Hälfte aller Bewohner zu den Fettleibigen gehören. Die Verteilung der Dicken und der Dünnen über das Land ist recht unterschiedlich. Hier ist eine Übersicht:

Im Nordosten, im Nordwesten, in Yorkshire und in den Midlands wohnen die dicksten Menschen und in London und im Südosten diejenigen, die am wenigsten mit ihrem Gewicht zu kämpfen haben. Die Stadt mit den meisten schwergewichtigen Menschen ist Rotherham in South Yorkshire; dort sind 76,2% der Bewohner entweder übergewichtig oder fettleibig. Südöstlich von Rotherham liegt Boston in der Grafschaft Lincolnshire, eine Stadt, die den traurigen Rekord hat, die meisten fettleibigen Menschen zu beherbergen: 34% aller Erwachsenen dort gehören in diese Kategorie. Weitere Ort mit besonders vielen dicken Menschen sind das Borough of Copeland in Cumbria, Doncaster in South Yorkshire, East Lindsey in Lincolnshire und der Distrikt von Ryedale in North Yorkshire.

Ganz anders sieht es in London aus. Dort scheinen sich die Menschen gesünder zu ernähren. 38.5 aller Londoner gelten als übergewichtig und 20% als fettleibig. Spitzenreiter unter den Londoner Bezirken ist Camden mit „nur“ 46,5% Dicken und Fettleibigen. Auch Kensington und Chelsea, die Tower Hamlets und Richmond-upon-Thames schneiden im nationalen Vergleich verhältnismäßig gut ab.

Ein Blick auf das benachbarte Schottland: Dort sieht es auch ziemlich finster aus, denn 27% aller Schotten gelten als fettleibig. Etwas besser ist es in Wales, wo 22% der Menschen in diese Kategorie gehören.

Ein Supermarkt in Boston (Lincolnshire) – Einkaufsziel der vielen fettleibigen Menschen, die hier leben.
Photo © James Emmans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2017 at 02:00  Comments (2)  

The Electric Cinema in der Londoner Portobello Road

Schon seit 107 Jahren gibt es das Electric Cinema in der Londoner Portobello Road im Stadtteil Notting Hill. Mit einigen Unterbrechungen wurden hier bis heute Filme gezeigt. 600 Plätze bot das Kino damals seinen Besuchern an, bis es im Jahr 2001 für £5 Millionen renoviert und komplett umgebaut wurde. Die Betreiber bauten eine neue Leinwand und ein neues Soundsystem ein und statt der bisherigen Klappstühle findet man im Electric Cinema jetzt 98 lederne Sessel mit Abstelltischchen, Lämpchen und viel Beinfreiheit. Ganz hinten sind Zweisitzer-Sofas installiert und die erste Reihe, in die sich sonst immer niemand setzen wollte, besteht aus bequemen Doppelbetten, in denen Pärchen es sich gemütlich machen und bei einem Glas Wein sich den Film ansehen können…oder auch nicht. £35 kostet das Doppelbett, £45 das Zweisitzer-Sofa und £19 der Sessel. Eine weitere Besonderheit ist der Electric Scream!, das ist eine spezielle Vorstellung am Montagvormittag, zu der man nur in Begleitung eines Babies eingelassen wird. So können Eltern oder Nannies mit den ganz Kleinen einen Film ansehen, und das Geschrei der Babies wird von allen toleriert.
Hier ist in Film über das Kino.

Ein Schwesterkino gib es noch in der Redchurch Street in Shoreditch und ein mobiles Kino als Drive-In, das zum Beispiel im kommenden September jeweils an einem Wochenende auf dem Gelände des Babington House in Somerset und des Soho Farm House in Oxfordshire Filme zeigt, die man in einem von vierzig elektrisch angetriebenen BMWs ansehen kann.

The Electric Cinema
191 Portobello Road
Notting Hill
London W11 2ED

Published in: on 29. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Trolleybus-Museum in Sandtoft (Lincolnshire) – Das weltweit größte Museum für Oberleitungsbusse

Oberleitungsbusse oder auch Trolleybusse genannt, sind eine deutsche Erfindung. Werner von Siemens stellte sie 1882 in Berlin der Öffentlichkeit vor. Es dauert einige Zeit, 29 Jahre, bis auch in England diese schienenlose Busse eingesetzt wurden. Leeds und Bradford in West Yorkshire waren die beiden ersten Städte im Land, die auf diese Technik setzten. Im Juni 1911 starteten sie ihre Personenbeförderung mit Oberleitungsbussen. Während sich Leeds im Juni 1928 schon wieder von ihnen verabschiedete, blieb das benachbarte Bradford den Bussen bis zum 26. März 1972 treu und stellte erst dann, als letzte Stadt in England, den Verkehr mit ihnen ein.

In Sandtoft, einem kleinen Ort in Lincolnshire, an der Autobahn M180 gelegen, hat man auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force diesen Vehikeln ein Museum gewidmet, das das größte seiner Art weltweit ist. Das Trolleybus Museum of Sandtoft besitzt über 60 historische Oberleitungsbusse, von denen noch viele einsatzbereit sind. Im September 1971 öffnete das Museum erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit, nachdem viele Trolleybus-Enthusiasten Fahrzeuge aus dem ganzen Land hierher nach Lincolnshire geholt hatten. Zu besichtigen sind Busse aus dem ganzen Land (mit dem Schwerpunkt Bradford), aber auch einige aus Deutschland, Frankreich, Belgien und sogar aus Südafrika und Neuseeland.

Das Museum in Sandtoft ist in der Zeit von April bis November nur an wenigen Tagen im Monat, den sogenannten Trolleydays, geöffnet, überwiegend am Wochenende. Der Eintritt beträgt £8, darin enthalten sind so viele Trolleybusfahrten wie man möchte. In einem dem Museum angegliederten Shop sind Bücher, DVDs und Trolleybusmodelle erhältlich.

Fans der Oberleitungsbusse haben sich in mehreren Gesellschaften zusammengeschlossen, so in der British Trolleybus Society, der National Trolleybus Association und der Bradford Trolleybus Association (in der Stadt trauert man diesen speziellen Bussen wohl noch immer nach).

Hier ist ein Film über einen Besuch im Trolleybus-Museum in Sandtoft.

The Trolleybus Museum
Belton Road
Sandtoft
Doncaster, DN8 5SX.

Published in: on 28. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Mein Buchtipp – David Long: English Eccentrics & Their Bizarre Behaviour

Foto meines Exemplares.

In meinen Bücherregalen wächst die Zahl der Bücher kontinuierlich, die sich mit britischen Exzentrikern beschäftigen und von denen ich in meinem Blog bereits einige vorgestellt habe. Kürzlich habe ich mir David LongsEnglish Eccentrics & Their Bizarre Behaviour“ zugelegt, das 2009 erschienen ist. Der gleiche Autor hat sich mit der Thematik schon in seinem Buch „The English Country House Eccentrics“ auseinandergesetzt (siehe hierzu meinen Blogeintrag).

Der Journalist David Long hat viele Bücher geschrieben, die sich mit dem Ungewöhnlichen beschäftigen wie „Bizarre England„, „Bizarre London“ und „Lost Britain: An A-Z of Forgotten Landmarks and Lost Traditions“ (das ich demnächst vorstellen werde).

In „English Eccentrics & Their Bizarre Behaviour“ schreibt der Autor wieder über Männer und Frauen, die durch ihr außergewöhnliches Verhalten auf sich aufmerksam gemacht haben. Das Buch beinhaltet neun Kapitel, in denen die Exzentriker kategorisiert werden wie zum Beispiel „Inventors“, „Troglodytes, Hermits and Moles“ und „UFOs, Faddists and Flat-Earthers“.

In die erste Kategorie gehören beispielsweise Percy Shaw, der Erfinder der „Katzenaugen“, und Sir Francis Galton, der eine „Beauty Map of Britain“ erstellt hat, in der die Städte mit den hübschesten und den hässlichsten Frauen aufgeführt werden.

Zur zweiten Kategorie gehört Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck, der 5. Duke of Portland, der sein riesiges Anwesen unterhöhlte und dort einen gigantischen Ballroom, eine große Bibliothek und einen Raum mit vielen Billardtischen anlegen ließ, die alle nicht benutzt wurden. Auch die hundert Pferde in seinem Reitstall standen gelangweilt herum, denn der Duke of Portland ritt nie.

In die dritte Kategorie einzuordnen ist ein Mann mit dem wunderschönen Namen William Francis Brinsley Le Poer Trench, Earl of Clancarty. Der Earl war fasziniert von UFOs und Aliens und gründete die Zeitschrift „Flying Saucer Review“. Er vertrat die Meinung, dass die meisten unbekannten Flugobjekte nicht aus den Weiten des Weltraums zu uns kommen, sondern von geheimen Basen tief im Inneren der Erde, die im übrigen hohl ist.

Wer an solch schrägen Persönlichkeiten Gefallen findet, wird sich mit diesem Buch sicher sehr amüsieren, in dem es einige Überschneidungen mit „The English Country House Eccentrics“ gibt.

David Long: English Eccentrics & Their Bizarre Behaviour. Remember When 2009. 173 Seiten. ISBN 978-1844680559.

 

Published in: on 27. Juli 2017 at 02:00  Comments (3)  

The Hardy Tree auf dem Kirchhof der Londoner St Pancras Old Church

Wer in den Londoner Bahnhof St Pancras einfährt, vielleicht mit dem Eurostar, der sieht auf der rechten Seite eine kleine Parkanlage, die St Pancras Gardens. Vor über 150 Jahren erstreckte sich diese Grünfläche, die als Friedhof der St Pancras Old Church diente, über die jetzt mit Schienen bedeckte Bahnhofsanlage. Mit zunehmendem Eisenbahnverkehr in der Mitte der 1860er Jahre brauchte man diesen Platz mitten in London für die Gleisanlagen und so musste ein Großteil des Friedhofs weg. Beauftragt mit der Aufgabe dieser Umstrukturierung wurde das Architekturbüro von Arthur Blomfield, das heißt, die Firma musste für die Exhumierung zahlloser auf dem Friedhof begrabener Londoner sorgen, sie an anderer Stelle wieder beisetzen und die Grabsteine ebenfalls woanders unterbringen.

Ein junger Angestellter Blomfields namens Thomas Hardy erhielt von seinem Chef den Auftrag, sich Gedanken über die Umsetzung zu machen und die Arbeiten zu überwachen. Besonders angenehm war es sicher nicht, mit anzusehen wie Arbeiter die Toten ausbuddelten, doch Thomas Hardy kam damit einigermaßen zurecht. Der junge Mann, der später mit seinen Romanen Weltliteratur schrieb, überlegte, wo denn die ganzen Grabsteine abbleiben sollten und hatte die Idee, sie kreisförmig um einen Eschenbaum herumzugruppieren. Dicht an dicht standen die Grabsteine unter dem Laubdach der Esche…und stehen noch heute da; allerdings haben die Baumwurzeln ein komplett neues Kunstwerk hervorgebracht. Manche Steine wurden angehoben, umgekippt, gespalten; der Baum ist in einige regelrecht hineingewachsen. Einige Inschriften sind noch lesbar, viele ganz verwittert.

Der The Hardy Tree genannte Baum steht nur einige Schritte von der St Pancras Old Church entfernt, die Gleisanlage des Bahnhofs ist glücklicherweise hinter einer Backsteinmauer verborgen. Dieser Film zeigt Details des Baumes und der Grabsteine, die er sich einverleibt hat.

Published in: on 26. Juli 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Big Beach Boutique II oder Die Invasion von Brighton am 13. Juli 2002

Am Strand von Brighton, im Hintergrund die Palace Pier.
Eigenes Foto.

Das Seebad Brighton an der englischen Südküste kann sich generell über Besuchermangel nicht beklagen, was aber am 13. Juli 2002 hier passierte, überstieg aber die Vorstellungskraft der Einwohner und auch der Polizei. Im Jahr zuvor hatte der Sänger und DJ Fatboy Slim die Big Beach Boutique I ins Leben gerufen, eine Strandparty, bei der er Platten auflegte und die von rund 60 000 Menschen besucht worden war. Gut, damit konnte Brighton problemlos umgehen. Statt der 60 000 Besucher kamen ein Jahr später zur Big Beach Boutique II aber nicht weniger als 250 000 Musikbegeisterte, das heißt, die Einwohnerzahl von Brighton hatte sich da schnell einmal verdoppelt.

Fatboy Slim, der eigentlich, der eigentlich Norman Cook heißt und seine Karriere als Bassist bei der Formation The Housemartins begann (deren „Caravan of Love“ ist einer meiner Lieblingssongs; siehe dazu meinen Blogeintrag), wohnte ganz in der Nähe von Brighton, in Hove, und hatte mit seiner Beachparty wettermäßig am 13. Juli sehr viel Glück, denn die Stadt litt unter einer Hitzewelle. Die Besuchermassen strömten aus dem ganzen Süden Englands hierher an die Küste und die A23, die Brighton mit London verbindet, war total überlastet. Es bildeten sich kilometerlange Staus, und die Polizei riet den Anreisenden über Radio, die Stadt nicht mehr zu betreten. Die Verantwortlichen bei der Polizei hatten sich vollkommen verschätzt, indem sie lediglich 50 Beamte zur Überwachung der Beach Party eingeteilt hatten, und so wurden schnell noch über 200 Polizisten aus ganz Sussex zur Unterstützung herbeigeordert.

Um 18.30 sollte Big Beach Boutique II beginnen, doch schon Stunden vorher fanden sich zig Tausende Partybesucher ein, die bei Temperaturen um die 28° frühzeitig mit Feiern begannen und die Vorräte der strandnahen Bars austranken. So starteten Fatboy Slim und seine DJ-Kollege Damian Harris, die Party am frühen Abend mit einer Viertel Million feucht-fröhlicher Gäste. Eigentlich wollte die Polizei das ganze Spektakel aus Sicherheitsgründen absagen, aber man befürchtete, dass dann die Besucher auf die Barrikaden gegangen wären.

Um 22.30 Uhr war die Party beendet, und dann begann das Chaos der Abreise… Viele blieben gleich über Nacht in Brighton, und viele, die kein Zimmer mehr bekommen konnten, schliefen am Strand. Als der nächste Tag heraufdämmerte, sah man eine total verdreckte Stadt. 160 Tonnen Abfall mussten abtransportiert werden. Da die konsumierten Getränke der Partygäste ja auch irgendwie wieder hinausgelassen werden mussten, und die Toiletten natürlich überhaupt nicht ausgereicht hatten, wurde die Notdurft eben an allen möglichen Häuserwänden verrichtet und diese Hinterlassenschaften musste die Stadtreinigung beseitigen. Drei Tage dauerte es, bis Stadt und Strand wieder vorzeigbar waren; die enstandenen Reinigungskosten beliefen sich auf £300 000. DJ Fatboy Slim, der von den Menschenmassen wohl selbst überrascht worden war, erklärte sich bereit, die Kosten zu übernehmen.

Hier sind einige Filmausschnitte von der Party zu sehen.

Die Woolwich Ferry – Eine kostenlose Fähre, die in London Autos über die Themse befördert

Die John Burns am Woolwich Ferry North Pier.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Sie heißen John Burns, Ernest Bevin und James Newman, die drei Fähren, die im Osten Londons die Stadtteile Woolwich North und Woolwich South miteinander verbinden, benannt nach Londoner Politikern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig waren. Die Woolwich Ferry erspart den Autofahrern längere Umwege und außerdem ist sie kostenlos, wo gibt es so etwas heute noch?

An dieser Stelle verkehren schon Themsefähren seit dem 14. Jahrhundert. Seit dem 23. März 1889 besteht der Fährservice wie wir ihn heute kennen, der von den beiden Schiffen Gordon und Duncan aufrecht erhalten wurde. Da der Brückenzoll in London aufgehoben worden war, stellte man auch die Fähre kostenlos zur Verfügung. Die Londoner Stadtverwaltung überlegte immer mal wieder, hier ein Brücke zu bauen, verwarf die Pläne aber stets.

Die drei Fährschiffe, die heute noch im Einsatz sind, wurden 1963 gebaut und transportieren jährlich etwa zwei Millionen Menschen in ihren Autos über die Themse. Fußgänger nutzen in zunehmendem Maße den Woolwich Foot Tunnel. Da die drei Fähren mittlerweile ihr Rentenalter erreicht haben, werden zurzeit zwei neue modernere Schiffe gebaut, die demnächst ihre Vorgänger ablösen werden. Die Namen der beiden Fähren stehen jetzt schon fest: Dame Vera Lynn, benannt nach der legendären Sängerin, die ganz in der Nähe geboren wurde, und Ben Woollacott, ein 19jähriges Besatzungsmitglied, das 2011 bei einem Unfall auf der Fähre ums Leben kam.

Die Fährlinie, die in den Händen des Transport for London (TfL) liegt, verkehrt montags bis samstags in der Zeit von 6.10 Uhr bis 20 Uhr, sonntags von 11.30 Uhr bis 19.30 Uhr (da wollen die Kapitäne wohl etwas länger schlafen). Der Dienst wird nur bei dichtem Nebel und bei extrem hohem Wasserstand eingestellt.

Eines der Fährschiffe, das vor 1963 im Einsatz war, die John Benn, spielte eine Rolle in dem Science Fiction-Fim „The Giant Behemoth“ (dt. „Das Ungeheuer von Loch Ness“) eine Rolle und wird darin von dem Monster versenkt. In diesem Filmausschnitt kann man das noch einmal miterleben.

Dieser Film zeigt eine Überquerung der Themse mit der Woolwich Ferry.

An Bord der John Newman.
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Der Woolwich Foot Tunnel.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Matlock Triangle – Treffpunkt britischer Ufologen

Bonsall (Derbyshire), beliebt bei Außerirdischen.   © Copyright Andrew Hill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bonsall (Derbyshire), beliebt bei Außerirdischen.
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Tom Bates, Spezialist für alles, was mit Derbyshire und dem Peak District  zu tun hat, nennt Matlock und Umgebung „U.F.O. Capital of the World„. Tatsächlich sind in dem Matlock Triangle genannten Gebiet erstaunlich viele Ufo-Sichtungen vorgekommen; speziell über dem Dorf Bonsall haben sich die runden Scheiben, warum auch immer, den Bewohnern Derbyshires gezeigt.
So haben die Ufologen, neben Warminster in Wiltshire (s. mein Blogeintrag vom 19. November 2009), ein weiteres Ziel, um sich dort auf die Lauer zu legen und eines dieser Flugobjekte zu beobachten. Ein idealer Startplatz dafür ist der Pub „Barley Mow“ in Bonsall (nach eigenen Angaben „probably the best pub in the world“), nach dem UFO Magazine „the most likely place to be abducted by aliens“.

Die Dorfbewohnerin Sharon Rowlands hatte hier am 5. Oktober des Jahres 2000 ein Erlebnis, das sie geistesgegenwärtig mit ihrem Camcorder fest hielt. Über sechs Minuten lang filmte sie ein merkwürdiges Flugobjekt am nächtlichen Himmel Derbyshires und sie beschrieb es folgendermaßen:

„I was filming it from around two miles away. It resembled a giant disc with a bite taken out of the bottom. It had yellow, orange and blue lights with intricate markings and a dark circle in the centre. As it hovered over the woods it seemed to expand and get small again …..it came really close at one point and I thought it was going to land in the field.“
Mrs Rowlands soll den Film, der zu den bislang überzeugendsten gehört, für $20,000 an eine amerikanische Filmgesellschaft verkauft haben. Hier ein kurzer Ausschnitt.

In 30 Jahren sind allein über Bonsall mehr als 100 Ufos gesichtet worden. Carlton TV hatte 2007  nach sechsmonatigen Dreharbeiten eine Dokumentation unter dem Titel „The Matlock Triangle“ zusammengestellt, und die Recherche-Ergebnisse waren nach den Worten der Fernsehleute „beyond belief“.

The Barley Mow in Bonsall.   © Copyright Jonathan Clitheroe and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Barley Mow in Bonsall.
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Published in: on 23. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Empfehlenswerte Pubs – The Pointer in Brill (Buckinghamshire)

Ich kenne diesen Gasthof in Brill (Buckinghamshire) noch unter dem Namen The Red Lion. Damals war er in Episode 48 der Inspector Barnaby-Serie zu sehen, die den Titel „Four Funerals and a Wedding“ (dt. „Erst morden, dann heiraten“) trug. Ich berichtete in meinem Blog über das hübsche Dorf Brill, dessen Wahrzeichen die Windmühle am Ortsrand ist. Nur wenige Schritte von dem großen Village Green entfernt (das in der Barnaby-Folge auch ein Rolle spielt) findet man den Pub, der seit 2012 The Pointer heißt und dessen neue Besitzer Fiona und David Howden offensichtlich eine glückliche Hand mit der Umgestaltung hatten, denn ihr Haus wurde mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit drei AA-Rosetten. Im Jahr 2016 war The Pointer Buckinghamshire Pub of the Year des Good Pub Guides und erhielt den Muddy Stiletto Award als Best Destination Pub 2017 für Buckinghamshire und Oxfordshire.

Aus dem ehemaligen Red Lion ist jetzt ein Gastro-Pub geworden, der eine sehr interessante Speisekarte bereithält. Viele Produkte, die in der Küche verwendet werden, kommen von der hauseigenen Pointer-Farm im nahegelegenen Ludgershall. Auf der Karte stehen beispielsweise Soup of Farm Peas, Pointer Farm Longhorn Beef und Pointer Farm Summer Fruits. Die angebotenen Biere stammen aus der Region, von der örtlichen Vale Brewery, von der Rebellion Brewery in Marlow Bottom und von der XT Brewery in Long Crendon, die extra für den Pub ein Bier namens Pointer Pint herstellen.

Seit kurzem bieten die Pointer-Besitzer auch luxuriöse Übernachtungsmöglichkeiten an. In einem gegenüberliegenden Cottage aus dem 18. Jahrhundert stehen vier Doppelzimmer zur Verfügung, die ab £160 pro Nacht zu haben sind.

Mir hat es in Brill sehr gut gefallen. Waddesdon Manor ist nur wenige Autominuten entfernt und auch Oxford ist nicht weit. Über die M40 ist man von London aus relativ schnell da.

The Pointer
27 Church St
Brill
Bucks
HP18 9RT

Published in: on 22. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wykehurst Place – Ein Herrenhaus im neugotischen Stil bei Bolney in West Sussex

Man nehme die A23, die von Brighton nach Crawley führt und biege bei Bolney (West Sussex) auf die parallel verlaufende London Road ab. Nördlich des Pubs The Bolney Stage zweigt eine Straße ab, die zum Wykehurst Place (manchmal auch Wykehurst Park genannt) führt, einem in neugotischem Stil erbauten Herrenhaus, aber STOP: Eine Besichtigung ist nicht möglich, denn es handelt sich hier um „private property“.

Das an ein französisches Loire-Schloss erinnernde Haus (nicht zu verwechseln mit dem fast gleich klingenden Wakehurst Place, das dem National Trust gehört und ebenfalls in West Sussex liegt) wurde von 1871 bis 1875 erbaut, wobei 500 Arbeiter im Einsatz waren. Das Ergebnis: Ein Manor House mit 105 Zimmern, geziert mit vielen Türmchen. Der Architekt war Edward Middleton Barry, Sohn des berühmten Sir Charles Barry (Westminster Palace, Highclere Castle), der das Haus für den deutschstämmigen Banker Henry Huth baute. Die Bibliothek von Wykehurst Place galt lange Zeit als größte Privatsammlung Europas (Huth war ein begeisterter Büchersammler). Nach dem Ableben Henry Huths wechselte das abgelegene Haus mehrfach den Besitzer, wurde eine Zeit lang als Hotel geführt (Edward VIII und Wallis Simpson waren mehrfach hier zu Gast) und während des Zweiten Weltkrieges zum Hauptquartier der Alliierten erwählt, die die Invasion der Normandie vorbereiteten. Dann stand Wykehurst Place einige Jahre leer, wurde von dem Antiquitätenhändler James Doyle übernommen und wieder aufgemöbelt und schließlich von dem iranischen Filmemacher Ebrahim Golestan gekauft.

Wykehurst Place sieht wirklich gruselig aus und erweckte bald das Interesse von Horrorfilm-Produzenten. Derek Pykett, Autor des Buches „British Horror Film Locations“ nennt es „Probably the most haunting of all the film locations“ und so wurden denn hier auch mehrere Filme diese Genres gedreht.

In „The Legend of Hell House“ (dt. „Tanz der Totenköpfe“) aus dem Jahr 1973 mit Pamela Franklin und Roddy McDowall in den Hauptrollen spielt Wykehurst Place als Belasco House eine zentrale Rolle. Hier ist der Trailer.

Ein Jahr zuvor drehte Peter Sykes hier den Horrorfilm „Demons of the Mind“ mit Robert Hardy und Patrick Magee.

1977 drehte Alberto de Martino einige Szenen seines Films „Holocaust 2000“ mit Kirk Douglas in der Hauptrolle hier in West Sussex.

1983 kam Robin Gibb von den Bee Gees nach Wykehurst Place und nahm das Video zu seinem Song „Juliet“ hier auf.

Die 1974 in London gegründete Band Landscape verwendete Wykehurst Place für ihr gruseliges Musikvideo „My Name is Norman Bates“ (1981 veröffentlicht).

Hier sind einige Fotos von Wykehurst Place zu sehen.

 

Published in: on 21. Juli 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Wenn man in London mal muss… Ungewöhnliche Toiletten in Großbritanniens Hauptstadt

The Jubiloo an der Southbank.
Copyright Matt Brown
Creative Commons 2.0

Wenn man mitten in einer Großstadt wie London einmal eine Toilette aufsuchen muss, kann das zu einer längeren Suche führen. Zwar sind öffentliche Toiletten ausgeschildert, oft führen die aber in wenig angenehme U-Bahn „public coveniences“ oder andere mehr oder weniger empfehlenswerte Anlagen. Kaufhaustoiletten sind da ein Ausweg, die nach meinen Erfahrungen immer im obersten Stockwerk ganz hinten untergebracht sind.

Es gibt in der Hauptstadt aber auch besonders ungewöhnliche Toilettenanlagen, von denen ich an dieser Stelle vier vorstellen möchte.

Maggie’s Club in der Fulham Road Nummer 329 in Chelsea ist ein Nachtclub, der ganz der früheren Premierministerin Margaret Thatcher und den 1980er Jahren gewidmet ist. An den Wänden des Late Night-Clubs hängen Bildern der Iron Lady und es gibt eine Besonderheit, die man wohl in der ganzen Welt kein zweites Mal findet: In den Toiletten des Clubs werden permanent Reden der ehemaligen Regierungschefin eingespielt, was dann etwa so klingt. Die Dauer des Aufenthalts der Gäste in der Toilette richtet sich dann sicher auch danach, ob man ein Fan der Dame ist/war oder ihr nicht so wohlgesonnen gegenübersteht.

Ein besonderes Erlebnis für die Gäste des Sketch-Restaurants in der Conduit Street Nummer 9 in Fulham sind, neben dem vorzüglichen Essen und dem sehenswerten Interieur, die Gästetoiletten. Man erreicht sie über Treppen, die zu einem Raum führen, in dem eiförmige Gebilde stehen, die jeweils ein WC bilden. Um Platz zu sparen hat man diese WC-Eier hier installiert und der Clou…über Lautsprecher werden die Laute australischer Frösche eingespielt, um dem Ganzen einen exotischen Touch zu geben oder vielleicht um die Geräusche aus den einzelnen Kabinen zu übertönen. Dieser Film zeigt Details.

Im Jubiloo gibt es kein Froschkonzert, dafür geht es hier sehr patriotisch zu. Die 2012 eröffnete öffentliche Toilette zwischen der Hungerford Bridge und den Jubilee Gardens an der South Bank bietet 12 Kabinen und sechs Urinale an, deren Spülwasser größtenteils aus Regenwasser besteht, das auf dem Dach aufgefangen wird. Die Toilettensitze sind mit dem Union Jack verziert, den man auch auf den Uniformen des Reinigungspersonals wiederfindet.

Vorsichtig sein sollte man bei einem Besuch der Toiletten des Nopi-Restaurants in der Warwick Street 21-22 in Soho. Hier ist das Designer-WC derart verspiegelt, das so mancher Gast Probleme hat, den Eingang zu finden bzw wieder herauszukommen. Ich bin nicht sicher, ob es darin ein Nottelefon gibt, um Hilfe herbeizurufen, falls man den Ausgang nicht mehr findet.

Diese vier Toiletten sind nur eine kleine Auswahl, man könnte die Liste noch um einige erweitern. Übrigens, nicht vergessen und schon einmal im Kalender eintragen: Am 19. November ist der World Toilet Day!!

 

Published in: on 20. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Windsor Duck Tours – Stadtrundfahrten zu Wasser und zu Land

Vor einigen Tagen fuhr ich in Hamburg mit dem RiverBus, einem umgebauten Reisebus, der in der Lage ist, auch im Wasser zu fahren und der Stadtrundfahrten im Gebiet der Hafencity unternimmt. Über ein Pendant in London, die Duck Tours, berichtete ich in meinem Blog vor vielen Jahren.

Auch in Windsor in Berkshire werden solche Amphibien-Stadttouren angeboten, die Windsor Duck Tours, die sich bei den zahllosen Touristen in der Stadt großer Beliebtheit erfreuen. Der Startpunkt ist vor der Thames Street Nummer 32, gegenüber vom Theatre Royal. Mit einem speziell für diese Wasser-Land-Rundfahrten gebauten gelben, entenförmigen Vehikel geht es dann durch die Straßen von Windsor und schließlich als Highlight das Abtauchen in die Themse, von wo aus die Businsassen einen ganz besonderen Ausblick auf das Windsor Castle haben.

Angeboten werden die Road River Duck Tour, bei der die Fahrten zu Land und zu Wasser jeweils 50% ausmachen. Wer lieber etwas länger auf der Themse unterwegs sein möchte, sollte sich für die River Splash Tour entscheiden, bei der man 70% der Fahrzeit auf dem Wasser ist.

Die etwa einstündigen Touren finden täglich statt und kosten £19 für den Erwachsenen, Kinder zahlen je nach Alter zwischen £8 und £17. Die erste Fahrt beginnt jeweils um 10 Uhr, die letzte um 17.10 Uhr. An Bord ist ein Guide, der den Gästen alles Wissenswerte rund um Windsor erzählt.

Der Fahrer des Busses benötigt für die Duck Tours sowohl einen Personenbeförderungsschein als auch ein Bootsführerschein. Man ist also in sicheren Händen.

Hier ist ein Film über eine Windsor Duck Tour im Schnelldurchlauf.

Das Hamburger Gegenstück, der RiverBus.
Eigenes Foto.

Published in: on 19. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Work No 409 von Martin Creed oder Der singende Fahrstuhl in der Londoner Royal Festival Hall

Die Royal Festival Hall liegt im Londoner Southbank Centre am Ufer der Themse. Sie wurde 1951 eröffnet und gilt als eine der führenden Veranstaltungsorte für Aufführungen von klassischer Musik. Eine Besonderheit der Royal Festival Hall ist ihr singender Fahrstuhl. Der Lift ist ein Werk des Konzeptkünstlers Martin Creed, der 2001 den begehrten Turner Prize für sein Work No 227 „Lights going on and off“ erhielt (in einem leeren Raum wurde das Licht regelmäßig ein- und ausgeschaltet). Unumstritten ist der Künstler nicht, seine Werke, die er durchnummeriert, sind immer wieder Gegenstand von Kontroversen.

Work No 409 ist nun eben dieser singende gläserne Fahrstuhl in der Royal Festival Hall, bei dem die Stimmen des Voicelab Choirs des Southbank Centres zu hören sind, die sich in der Tonlage von Etage zu Etage verändern. Ganz unten sind sie tief und je weiter man nach oben steigt, umso höher werden sie. Das ganze Spektrum lässt sich natürlich am besten erleben, wenn man nonstop vom Erdgeschoss bis zum sechsten Stock, bzw. andersherum, durchfahren kann. Meistens wird die „Gesangseinlage“ des Singing Lift eine halbe Stunde vor Beginn einer Veranstaltung der Royal Festival Hall abgestellt.

Martin Creed hatte seinen singenden Lift ursprünglich für die Ikon Gallery in Birmingham kreiert, seine Idee aber im Jahr 2010 noch einmal für das Londoner Southbank Centre aufgenommen.

Hier ist Work No 409 von Martin Creed zu hören und zu sehen.

Published in: on 18. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Ben Crystal & Adam Russ: Sorry, I’m British! An Insider’s Guide to Britain From A to Z

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Im Jahr 2010 erschien ein Buch des Autorenduos Ben Crystal und Adam Russ mit dem Titel „Sorry, I’m British! An Insider’s Guide to Britain From A to Z“ (Oxford: Oneworld Publ., 182 Seiten. ISBN 978-1-85168-776-3), das zeigt wie die Briten so ticken.
In Lexikonform von A-Z beginnt das Buch bei „A“ wie „Allotments„, also Kleingärten, und endet bei „Z“ wie „Zebra Crossings„, den Zebrastreifen.

Zwischendurch gibt es viele interessante kurze Beiträge, z.B. über „Hoodies„, die allgegenwärtigen jugendlichen Kapuzenträger, die von mir so sehr geschätzten „Roundabouts„, also die Kreisverkehre, über „Table Manners„, die Tischmanieren und über den North/South Divide.
Garniert wird das alles mit Cartoons von Ed McLachlan.
Das Buch ist ein kunterbuntes Mosaik von Kleinstbeiträgen über alles mehr oder weniger Wissenswerte über die britische Insel.

Ben Crystal ist Schauspieler und Shakespeare-Experte, der mehrere Bücher über den Barden von Stratford-upon-Avon geschrieben hat wie „Shakespeare on Toast: Getting a Taste for the Bard“ und „Oxford Illustrated Shakespeare Dictionary“.

Adam Russ ist ebenfalls Schauspieler, der u.a. in den TV-Serien Eastenders, Holby City und The Bill mitgespielt und die Bücher „101 Places Not to Visit“ und „101 Sports Not to Try“ geschrieben hat.

Ed McLachlan hat für viele Zeitschriften gearbeitet wie Private Eye, Punch und Spectator und zahlreiche Bücher illustriert.

A wie Allotment. Hier ein Kleingarten bei Cambridge.
Photo © Scriniary (cc-by-sa/2.0)

Z wie Zebra Crossing. Hier der durch die Beatles berühmt gewordene Zebrastreifen in der Londoner Abbey Road.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juli 2017 at 02:00  Comments (2)  

The London Sheep Drive oder Was haben Schafe auf der London Bridge zu suchen?

Die London Bridge, Schauplatz des jährlichen Sheep Drive.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die spinnen die Engländer möchte man sagen, wenn einmal im Jahr Schafe mitten in der britischen Hauptstadt über die London Bridge spazierengeführt werden. Es handelt sich hierbei um den London Sheep Drive, an dem die Freemen of London ein Recht wahrnehmen, das bis in das Jahr 1189 zurückreicht und das ihnen den freien Zugang zur Stadt über die Themsebrücke garantiert, ohne dafür eine Maut bezahlen zu müssen. Die Worshipful Company of Woolmen, eine Art Berufsverband der Wolleindustrie, der sich aber heute überwiegend wohltätigen Zwecken widmet, ist der Organisator des Sheep Drives, der in diesem Jahr am 24. September stattfindet, einem Sonntag, denn da herrscht etwas weniger Verkehr in der Stadt als an einem Werktag.
Eröffnet wird der Sheep Drive von Mary Berry, die als Jurorin der äußerst populären TV-Sendung „The Great British Bake Off“ Berühmtheit erlangte und die selbst zu den Freemen of the Worshipful Company of Bakers (die Zunft der Bäcker) und der Freemen of the City of London gehört.
Zeitgleich findet am Monument eine Wool Fair statt, bei der Verkaufsstände jede Menge Artikel aus Wolle anbieten.

Vor einigen Jahren sorgte einer der Freemen für Schlagzeilen in London als er an einem Augusttag mit den beiden Schafen Clover und Little Man über die Tower Bridge ging und sich dabei auf das alte Recht berief. Die Polizei wollte das eigentlich nicht zulassen, weil das Unternehmen ihrer Meinung nach eine Verkehrsgefährdung darstellte, doch sie ließ den Schafauftrieb schließlich doch zu. Der Freeman und seine beiden Schafe hatten den kleinen Ausflug über die Themsebrücke wohl sehr genossen.

Am Paternoster Square, gleich bei der St Paul’s Cathedral, steht übrigens eine kleine Figurengruppe, die einen Mann zeigt, der seine Schafe in die Stadt zum Markt treibt. Geschaffen wurde die Skulptur von der Bildhauerin Dame Elisabeth Jean Frink.

Wer sich den London Sheep Drive und die Wool Fair ansehen möchten, beides findet am 24. September zwischen 9 Uhr und 16 Uhr statt.

Hier ist ein Film über das Ereignis vom vorigen Jahr.

Die Figurengruppe am Paternoster Square.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Lion Hotel in Shrewsbury (Shropshire)

Charles Dickens hat hier einmal gewohnt, ebenso Charles Darwin, Benjamin Disraeli und der berühmte Geiger Paganini (und ich auch einmal). Die Rede ist vom „The Lion Hotel“ in Shrewsbury (Shropshire), mitten in der Stadt gelegen, also optimal für einen Besuch in der sehenswerten Stadt.

Der ehemalige „Coaching Inn“ stammt aus dem 16. Jahrhundert und gehört mit zu den sehenswerten Gebäuden von Shrewsbury. Auch im Inneren ist das Hotel sehr gemütlich eingerichtet mit einem großen Tudor-Kamin und der holzgetäfelten „Oak Bar„.
Ein besonderes Augenmerk wurde, nachdem das Hotel im Jahr 2006 einen neuen Besitzer bekam, auf die Umgestaltung des Restaurants gelegt. „The Hayward“ wurde mehrfach mit AA-Rosetten ausgezeichnet.
Vor zwei Jahren wurde The Lion von der thailändischen Firma Fico Cororation gekauft.

59 Zimmer sind im Hotel vorhanden und die Preise jetzt zum Beispiel im Juli reichen von £85 für ein Standard-Doppelzimmer bis zu  £124 für eine Suite. Das Frühstück ist im Preis enthalten.
Dieser Film zeigt einige Bilder vom Lion.

Ein sehr empfehlenswertes Hotel in einer Stadt, die einen Besuch auf jeden Fall lohnt!

The Lion Hotel
Wyle Cop
Shrewsbury
Shropshire
SY1 1UY

Published in: on 15. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The British Sandwich & Food To Go Association – Die Gralshüter des Snacks par excellence

Author: Memm.
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1990 wurde die British Sandwich Association (BSA) als Interessenvertretung der Sandwich-Industrie Großbritanniens gegründet, mit dem Ziel, technische Standards für die Herstellung von Sandwichs zu erstellen und den Verkauf zu fördern. Im Jahr 2015 erhielt sie ihren neuen Namen: The British Sandwich & Food To Go Association.

John Montagu der 4. Earl of Sandwich, ein notorischer Spieler, „erfand“ 1762 diesen Imbiss, der es ihm ermöglichte, gleichzeitig Karten zu spielen und zu essen.

Hier einige interessante Fakten rund um das Sandwich:
– 11,5 Milliarden wurden im vergangenen Jahr in Großbritannien gegessen (gekaufte und selbstgemachte)

– Das teuerste Sandwich der Welt serviert das New Yorker Restaurant Serendipity 3 in der 60th Street für $214 und steht damit im Guinness Buch der Rekorde. Es beinhaltet u.a. Trüffelbutter, essbare Goldblätter und Dom Pérignon Champagner.

– 19% aller Sandwichs werden in London gekauft; die geringsten Umsätze werden im Nordosten und im Südwesten des Landes erzielt.

– Über 300 000 Menschen sind in der Sandwich-Industrie beschäftigt.

Alljährlich werden von der BSA die „Sammies“ verliehen, Preise, die in mehrere Kategorien unterteilt sind wie z.B. „The British Sandwich Industry Award“, „New Sandwich of the Year Award“ oder „Independent Sandwich Bar of the Year Award“. Der Independent Sandwich Retailer Award Winner 2017 war das Mimosa Café & Delicatessen im 16 Half Moon Lane im Stadtteil Herne Hill.

Das offizielle Organ der BSA ist das „International Sandwich & Food To Go News Magazine„, das 1990 gegründet wurde und sechs Mal jährlich ercheint.
Einmal im Jahr findet die British Sandwich Week statt, zuletzt vom 14. bis zum 20. Mai.
Fazit: Die BSA ist eine sehr kreative und engagierte Organisation.

Eine etwas unorthodoxe Art, ein Sandwich herzustellen, ist in diesem Mr. Bean-Film zu sehen.

John Montagu, der 4. Earl of Sandwich.
This work is in the public domain

Englische Exzentriker – Hannah Beswick (1680-1758), die Dame, die fürchtete, lebendig begraben zu werden

Der Manchester General Cemetery an der Rochdale Road im Stadtteil Harpurhey, der letzte Ruheort Hannah Beswicks.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

1844 wurde Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „The Premature Burial“ veröffentlicht, die auf Deutsch unter dem Titel „Das vorzeitige Begräbnis“ erschien und die 1962 von Roger Corman verfilmt wurde (hier ist der Trailer). Darin geht es um das Thema, lebendig begraben zu werden, eine Schreckensvorstellung, die in früheren Jahrhunderten weit verbreitet war, als das Wissen der Mediziner noch nicht dem heutigen Stand entsprach. Manche trafen Vorkehrungen, damit das nicht eintrat, indem sie ein Seil im Sarg anbringen ließen, das mit einem Glöckchen verbunden war, durch das sie Hilfe herbeirufen konnten.

Hannah Beswick, die von 1680 bis 1758 im Großraum Manchester lebte, war ebenfalls von dieser Furcht erfasst, zumal ihr Bruder einmal um ein Haar lebendig begraben worden wäre. Die Dame, die über ein beträchtliches Vermögen verfügte, dachte sich etwas anderes aus, um der Gefahr zu begegnen. Sie beauftragte ihren Hausarzt, Dr. Charles White, nach ihrem Ableben, dafür zu sorgen, dass sie nicht beerdigt wird und dass er regelmäßig ihren Leichnam aufsuchen sollte, um festzustellen, dass alles mit ihr in Ordnung war und dass sie gegebenenfalls wiederbelebt werden könnte. Für diese Bemühungen bedachte sie ihn in ihrem Testament mit der stolze Summe von £25,000, was heute etwa £3 Millionen entspricht. Dr. White war ein glücklicher Mensch als Hannah Beswick 1758 im Alter von 78 Jahren starb. Er balsamierte die Dame ein und installierte sie bei sich zuhause in eine große mit Glas verkleidete Standuhr, die er mit einem schweren Vorhang vor neugierigen Blicken verbarg. Bis zu seinem Tod im Jahr 1813 schaute Dr. White einmal im Jahr nach, ob mit Hannah alles in Ordnung war und stellte dann jedesmal fest, dass die Dame wirklich tot war und keiner Wiederbelebung bedurfte.

Nach Dr. Whites Tod begann eine kleine Odyssee mit dem mumufizierten Körper. Erst übernahm ihn ein Kollege des Arztes, dann ging er an das Museum of the Manchester Natural History Society. Als die Sammlungen 1867 an die Universität von Manchester übergingen, wollte man sich von der inzwischen „Manchester Mummy“ genannten einbalsamierten Dame ein für allemal trennen und sie jetzt richtig beerdigen. Dafür musste Hannah Beswick allerdings noch einmal offiziell für tot erklärt werden, was dann auch geschah, und so liegt sie nun in einem nicht markierten Grab irgendwo auf dem Manchester General Cemetery, auch Harpurhey Cemetery genannt.

Einige Heavy Metal-Bands haben sich des Themas „Buried Alive“ angenommen wie die dänische Formation Mercyful Fate und die US-Band Get Scared.

Published in: on 13. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Musikvideos, die in der Londoner U-Bahn gedreht wurden

Die U-Bahnstation Holborn.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Holborn, Baker Street, Aldwych, Leicester Square, Maida Vale, Canary Wharf – Das sind alles Londoner U-Bahnstationen, die schon einmal für die Produktion von Musikvideos herhalten mussten. Einige Beispiele für diese „Tube Videos“ möchte ich an dieser Stelle einmal vorstellen:

In Holborn, im London Borough of Camden, kreuzen sich die Central Line und die Piccadilly Line. Hier nahm Howard Jones 1983 Teile seines „New Song“ auf, der in den UK Charts Platz 3 erreichte.

Dieselbe U-Bahnstation nutzte die Londoner Alternative Rockband Suede für ihr „Saturday Night„-Video, das im Januar 1997 veröffentlicht wurde und bis auf Platz 6 der britischen Charts kam. Darin tritt die Schauspielerin Keeley Hawes auf.

Holborn ist auch in dem Musikvideo „Turn Back Time“ aus dem Jahr 1998 der dänischen Band Aqua zu sehen. Der Song schaffte es auf Platz 1 der Charts in Großbritannien.

Die Bakerloo Line hält an der Station Maida Vale, die sich die Produzenten des Musikvideos „Believe“ der Chemical Brothers ausgesucht hatten, um dort einen Teil des von Robotern beherrschten Films zu drehen. Das Video zum Song aus dem Album „Push the Button“ wurde bei den MTV Europe Music Awards 2005 als „Best Video“ ausgezeichnet.

Paul McCartney tummelt sich in seinem Musikvideo „Press“ in einem Waggon der U-Bahnstrecke South Kensington – Piccadilly Circus und auf den Stationen Baker Street und Piccadilly Circus. 1986 wurde der Song auf seinem Album „Press to Play“ veröffentlicht (Platz 25 der UK Charts).

An der Jubilee Line liegt die U-Bahnstation Canary Wharf, die in dem Video aus dem Jahr 2004 „Mary“ der New Yorker Band Scissor Sisters zu sehen ist. Der Song kam bis auf Platz 14 der Charts in Großbritannien.

Die oberirdische Station Westbourne Park wird von der Circle Line bedient und hier drehte der jamaikanische Sänger Boris Gardiner 1986 das Video zu seinem Song „I Want to Wake Up With You„, der Platz 1 der britischen Charts erreichte.

Westbourne Park.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Wainwright The Golden Beer – Ein Bier aus Lancashire, das nach einem berühmten „Fellwalker“ benannt wurde

Eigenes Foto.

Alfred Wainwright (1907-1991) ist eine Legende im Nordwesten Englands. Er wurde dadurch berühmt, dass er in den 1950er und 1960er Jahren die Hügel und Berge der Lakeland Fells in der siebenteiligen Buchserie „A Pictorial Guide to the Lakeland Fells“ detailliert beschrieb. Im Laufe seines Lebens soll Wainwright über 160 000 Kilometer in Großbritannien gewandert sein, mit dem Schwerpunkt auf dem Lake District.

Da Alfred Wainwright in Blackburn (Lancashire) geboren wurde, widmete ihm die dort ansässige Thwaites Brewery ein Bier und benannte es nach ihm. Das Etikett zeigt einen schroffen Berggipfel und gibt den Alkoholgehalt des Bieres mit 4,1% an. Der Braumeister, der das „Wainwright The Golden Beer“ kreierte, hat eine glückliche Hand habt, denn der Gerstensaft hat zahlreiche Auszeichnungen bekommen wie zum Beispiel die Bronze Bottle bei der International Beer Challenge 2015 in London und bei den World Beer Awards 2012 den Preis für Europas bestes Golden Ale.

Die Thwaites Brewery wurde 1807 von Daniel Thwaites gegründet und vor zwei Jahren von dem Bierkonzern Marston’s übernommen, der jetzt auch das Wainwright herstellt. Thwaites konzentriert sich auf seine Hotels und Pubs, braut aber auch weiterhin Bier, das allerdings nur in den zur Firma gehörenden Pubs zu haben ist.

Zusammen mit dem National Trust wurde der Wainwright Golden Beer Book Prize ins Leben gerufen, mit dem Bücher ausgezeichnet werden, die ganz im Sinne von Alfred Wainwright geschrieben sind und die sich im weitesten Sinne mit der Natur beschäftigen. Der diesjährige Preisträger wird am 3. August bekanntgegeben; im letzten Jahr ging der Preis an das Buch „The Outrun“ (erscheint am 9. Oktober unter dem Titel „Nachtlichter“ auf Deutsch) von Amy Liptrot, in dem die Autorin von ihrem Leben auf einer Farm auf den Orkney Inseln erzählt. Das Preisgeld beträgt £5000.

Dieser Film zeigt eine Degustation des Wainwright Bieres.

Die Thwaites Brewery in Blackburn (Lancashire), in der das Wainwright Bier früher gebraut wurde.
Photo © robert wade (cc-by-sa/2.0)

Das Wainwright Memorial oberhalb von Blackburn, seiner Geburtsstadt.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 11. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wrightson & Platt – „World’s finest life-cast sculptors of babies‘ hands and feet“

Auf den ersten Blick klingen die Worte der Firma Wrightson & Platt etwas bedrohlich: „World’s finest life-cast sculptors of babies‘ hands and feet„. Was machen die denn mit den kleinen Händen und Füßen der Babys? Kein Grund zur Beunruhigung, denn man geht hier mit den winzigen Extremitäten sehr vorsichtig und sorgsam um, so dass keines der Babies in Tränen ausbrechen muss.

Im Brockley Cross Business Centre im Südosten Londons ist die Firma Wrightson & Platt ansässig, die von Denise Wrightson und Vicky Platt 1999 gegründet wurde, und die sich darauf spezialisiert hat, Abdrücke von den Händen und/oder Füßen von Babies zu nehmen und diese dann als Schmuckstücke weiterzuverarbeiten. Angeregt zu dieser Geschäftsidee wurden die beiden Damen durch Queen Victoria, die von den Füßen und Händen ihrer neun Kinder jeweils Alabasterskulpturen anfertigen ließ. Warum sollte die Nachfrage nach so etwas im 21. Jahrhundert nicht auch vorhanden sein, fragten sich die beiden und lagen dabei goldrichtig, denn ihr Geschäft florierte und ist jetzt weltweit führend. Angeboten werden Fuß- und Handabdrücke in Bronze, Sterlingsilber und farbigem und einfarbigem Glas. Die Mini-Kunstwerke kann man sich als Schmuck um den Hals hängen, als Manschettenknöpfe anfertigen lassen, als Buchstützen verwenden usw. usw.

Wrightson & Platt bietet weitere Dienstleistungen an: Schwangere können ihren Babybauch in Glas oder Bronze verewigen lassen, Eheringe werden mit den echten Fingerabdrücken der Brautpaare versehen und in Erinnerung an Babys erste Schuhe werden diese vergoldet oder versilbert.

Diese Unikate haben natürlich auch ihren Preis. So kosten beispielsweise ein Satz Babyhände und -füße in Sterlingsilber zwischen £5900 und £7390, in farbigem Glas zwischen £2380 und £2750.

Hier ist ein Film über die Firma Wrightson & Platt.

Published in: on 10. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Widow’s Son im Londoner Stadtteil Bromley-by-Bow – Ein Pub und eine alte Tradition

Um ein Haar hätte es The Widow’s Son im Londoner Stadtteil Bromley-by-Bow, wie so viele andere Pubs im Lande, erwischt und das Gasthaus wäre für immer geschlossen worden. Die Bauunternehmer hatten schon gierige Blicke auf das Haus und das Grundstück an der Devons Road geworfen, um es abzureißen und darauf ertragreiche Wohnobjekte zu bauen. Punch Taverns hatten ihren Pub schon verkauft, doch da geschah ein Wunder und nach einjähriger Schließungszeit öffnete The Widow’s Son in diesem Jahr wieder seine Pforten, und ein alter Brauch, der auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgeht, konnte wieder aufgenommen worden.

Ob der Ursprung der Tradition tatsächlich stimmt, sei dahingestellt, aber es geht um ein Witwe, deren Sohn zur See fuhr und der ihr mitgeteilt hatte, dass er zu Ostern wieder zu Hause sein und sich auf ein „hot cross bun„, das ist eine Art Milchbrötchen, das gern zu dieser Zeit in England gegessen wird, freuen würde. Traurigerweise kehrte der junge Seemann nie wieder zurück und das Milchbrötchen, das auf ihn wartete, wurde nicht gegessen. Die Mutter gab die Hoffnung nicht auf, dass ihr Sohn doch noch eines Tages zurückkommen würde, und so hielt sie jeden Karfreitag ein hot cross bun für ihn bereit. Als die Frau starb, fand man in ihrem Haus ein Netz mit ganz vielen Milchbrötchen.

Später wurde das Haus der Witwe abgerissen und darauf ein Pub errichtet, den man ihr zu Ehren The Widow’s Son nannte und den Karfreitagsbrauch beibehielt. Seit dieser Zeit legt jeden Karfreitag ein Seemann der Royal Navy ein Brötchen in das Netz, das über dem Bartresen hängt. Bei einem Brand im Pub wurden einige der alten Brötchen in Mitleidenschaft gezogen, doch was davon überblieb, wanderte wieder in das Netz zurück. Witzigerweise wurde das hot cross bun in den letzten Jahren von einer Bäckerei namens Mr Bunn’s Bakery in der Chadwell Heath Lane bei Romford gebacken.

Hier
sind einige Bilder von der diesjährigen Zeremonie.

The Widow’s Son
75 Devons Road
Bromley-by-Bow
London E3 3PJ

London Necropolis Railway – Die Eisenbahnlinie der Toten

Der ehemalige Eingang zur Bahnstation in der Westminster Bridge Road.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

In der Londoner Straße Westminster Bridge Road steht ein unscheinbares Haus mit der Nummer 121, dessen Eingang mit einem Gitter verbarrikadiert ist. Viele, die an diesem Haus vorbeigehen, wissen sicher nicht, dass es sich hierbei einmal um ein Eisenbahnstation gehandelt hat, von der aus lebende und tote Passagiere zum Brookwood Cemetery (ich berichtete in meinem Blog schon einmal darüber) bei Woking in Surrey transportiert wurden. Betreiber dieser speziellen Eisenbahnverbindung war die London Necropolis Railway, die 1854 gegründet wurde. Der Hintergrund: Mitte des 19. Jahrhunderts waren die innerstädtischen Friedhöfe der britischen Hauptstadt voll; man konnte die Toten nicht mehr unterbringen und deshalb suchte man nach Auswegen aus dieser Misere… und fand den riesengroßen Friedhof Brookwood Cemetery bei Woking, der zwei Jahre zuvor angelegt worden war und als größter Friedhof der Welt galt.
Wie sollte man die in London gestorbenen Menschen nun hierherbringen? Da bot sich die Eisenbahn an, und die neugegründete London Necropolis Railway nutzte für einen Teil der Linie bereits existierende Gleise, legte aber eine eigene Verbindung zum Brookwood Cemetery.

In London baute die Eisenbahngesellschaft im Stadtteil Waterloo die Station an der Westminster Bridge Road mit allen erforderlichen Einrichtungen wie Andachtsräumen und hydraulischen Vorrichtungen, um die Särge auf die Waggons zu hieven. Am anderen Ende der Linie, in Brookwood, gab es zwei Bahnsteige, einen für Verstorbene, die der anglikanischen Kirche angehörten, und einen für alle anderen Glaubensgemeinschaften. Da man im viktorianischen Zeitalter in einer stark ausgeprägten Klassengesellschaft lebte, unternahmen die Verblichenen ihre letzte Reise auch in unterschiedlichen Waggons, in der ersten, zweiten oder der dritten Klasse.

Die Betreiber der Linie (auch manchmal „The Stiffs Express“ genannt) hatten allerdings mit mehr „Passagieren“ gerechnet, es waren durchschnittlich nur 2300 pro Jahr, geplant waren 10 000 bis 50 000. In den 87 Jahren, in denen die London Necropolis Railway bestand, transportierte sie ca 200 000 Leichen von Waterloo nach Brookwood. Das Ende der Linie kam im Jahr 1941, als deutsche Flugzeuge in der Nacht vom 16. auf den 17. April London bombardierten, wobei die Bahnstation schwer beschädigt wurde. Der Zugverkehr zum Brookwood Cemetery wurde nie wieder aufgenommen.

Auf der Londoner Seite der ehemaligen Bahnlinie ist nur noch oben erwähnter Stationseingang zu sehen, die beiden Bahnsteige in Brookwood wurden abgerissen.
Dieser Film fasst die Geschichte der Bahnlinie der Toten noch einmal zusammen.

Hier im Brookwood Cemetery verliefen einmal die Gleise der Necropolis  Railway.
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Christopher Winn: I Never Knew That About the River Thames

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Von Christopher Winn stellte ich schon einmal seine Bücher I never knew that about London“ und „I never knew that about Royal Britain“ vor. Ein weiteres Buch aus der Serie ist sein „I never knew that about the River Thames„,2010 erschienen, wieder mit Illustrationen seiner Frau Mai Osawa.

Die Reise beginnt am Thames Head, der Themsequelle und endet am Crow Stone, der das Ende des Flusses markiert. Dazwischen erfährt man sehr viel Interessantes über das, was links und rechts neben der Themse liegt, z.B. über das Hotel Oakley Court, das früher einmal als Schauplatz für Horrorfilme diente, über William Morris‘ Kelmscott Manor, über die hübsche Kleinstadt Dorchester (häufig Schauplatz von „Midsomer Murders“-Folgen) oder über George Harrisons Friar Park.

Das Buch ist gespickt mit Informationen und ideal als Begleiter für eine Tour entlang Englands schönstem Fluss (so meine persönliche Einschätzung).

Christopher Winn: I never knew that about the River Thames. London: Ebury Press 2010. 267 Seiten. ISBN 978-0-09-193357-9

Die Themse bei Lechlade.
Photo © Pierre Terre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Lieblings-Pubs – The Crown Inn in Pishill (Oxfordshire)

Zugegeben, ein schöner Name ist Pishill nicht (früher soll sich das sogar mit zwei „s“ geschrieben haben), aber einen schönen und weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannten Pub hat das Dorf im Süden Oxfordshires, The Crown Inn.
Das alte Haus stammt aus dem 15. Jahrhundert und diente früher als Kutschenstation, in der sich Kutscher und Pferde kurz ausruhten, bis es weiter ging.
Zur Zeit Heinrich VIII versteckten sich verfolgte katholische Priester im Crown Inn, denn hier gab es das wohl größte „Priest Hole“ im ganzen Land. Einer dieser Priester, Father Dominique, kam in dem Pub zu Tode, entweder, weil er von einer der Dienstmägde verführt wurde und er sich aus Schuldgefühlen das Leben nahm oder weil er die Dienstmagd vor einem betrunkenen Gast in Schutz nehmen wollte, woraufhin der den Priester ermordete. Welche der beiden Versionen auch stimmt, der Priester sucht den Pub noch immer als Geist auf.

In den 60er Jahren diente die angrenzende reetgedeckte Scheune (The Barn) als Nachtclub, in der berühmte Leute auftraten wie z.B. Ringo Starr, George Harrison und Dusty Springfield. Heute treten dort keine Berühmtheiten mehr auf, doch die Scheune wird weiterhin für private Feierlichkeiten benutzt.

The Crown Inn ist ein Free House, d.h. es gehört keiner Brauerei. Die angebotenen Biere kommen von mehreren Brauereien, zum Beispiel aus Marlows Rebellion Brewery und von Brakspears.
Man kann hier im Pub zu Mittag und zu Abend essen, bei schönem Wetter auch draußen sitzen oder es sich im Winter vor einem der drei offenen Kamine gemütlich machen. The Crown Inn ist täglich geöffnet.

Für alle Inspector Barnaby-Fans: Einmal wurden in The Crown Dreharbeiten für die TV-Serie vorgenommen und zwar für Episode 16 „The Electric Vendetta“ (dt. „Der Tote im Kornkreis“), da diente die Scheune als Midsomer Parva Village Hall.

The Crown Inn
Pishill
Henley-on-Thames
RG9 6HH

The Barn.
Photo © Christina Burford (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Stanfords Bookshop in London – Die größte Spezialbuchhandlung der Welt für Landkarten und Reiseliteratur

Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Edward Stanford (1827 – 1904) hatte sein Leben lang eine ausgeprägte Vorliebe für Landkarten. Im Jahr 1853 übernahm er in London ein Geschäft, das u.a. auch mit Karten handelte und baute dieses unter seinem Namen in eine Spezialhandlung aus. Als in dieser Zeit durch die britische Kolonialisierung der Welt die Nachfrage nach Kartenmaterial stark zunahm, florierte seine Handlung im Covent Garden. Einen Namen machte sich Edward Stanford auch, als er 1862 den ersten umfassenden Stadtplan der Hauptstadt anfertigen ließ und der den Namen „Stanford’s Library Map of London“ trug, den die Royal Geographic Society seinerzeit „the most perfect map of London that has ever been issued“ bezeichnete. Dieser Plan ist noch heute lieferbar.

Edward Stanfords Laden in der Straße Long Acre 12-14 in der City of London hat sich bis zum heutigen Tag gehalten und gilt als die größte Spezialbuchhandlung der Welt für Karten und Reiseliteratur. Hier decken sich Weltenbummler mit allem ein, was sie für ihre Reise brauchen, denn nicht nur Karten und Bücher gibt es in dem mehrstöckigen Haus zu kaufen, sondern auch Rucksäcke, Moskitonetze, Taschenlampen, Insektenschutzmittel und und und.

Die Spezialbuchhandlung ist auch Sponsor einiger Preise wie zum Beispiel des Stanford Dolman Travel Book of the Year, mit dem das beste Reisebuch des Jahres ausgezeichnet wird. Der letzte Preisträger für das Jahr 2016 war Julian Sayarer, der den Preis für sein Buch „Interstate: Hitchhiking Through the State of a Nation“ erhielt, in dem er von seiner Reise per Anhalter von New York nach San Francisco erzählt. In diesem Film kann man den Autor bei einem Vortrag erleben.

Stanfords Travel Bookshop bietet auch Pferdekutschfahrten an, die durch die City of London führen. Drei Pferde ziehen eine viktorianische doppelstöckige Kutsche, in der bis zu 18 Personen Platz haben. Start und Ziel ist die Buchhandlung in Covent Garden.

Stanfords
Long Acre 12-14
Covent Garden,
London WC2E 9LP

 

Published in: on 5. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lucknam Park – Ein 5*-Hotel bei Colerne in Wiltshire

Nur 10 km von Bath entfernt, in der Nähe des Ortes Colerne in Wiltshire, liegt das  Country-House-Hotel Lucknam Park, das zu der Relais & Chateaux-Gruppe gehört und zu den führenden 5*-Hotels Englands zählt.
Das Haus wurde 1720 im palladianischen Stil erbaut und diente mehreren Familien als Wohnsitz, bis es 1987 als Hotel eröffnet wurde.

Hotel und Küche wurden in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet; so war Lucknam Park „The AA Hotel of the Year England 2010/11“ des britischen Automobilclubs AA. Das Hauptrestaurant „Hywel Jones“ hat einen Michelin-Stern und 3 AA-Rosetten; das Zweit-Restaurant „The Brasserie“ hat eine Rosette. Hier braucht man sich um sein leibliches Wohl also keine Sorgen zu machen. Küchenchef im Hywel Jones ist…Hywel Jones, der vorher u.a. bei Marco Pierre White und Nico Ladenis gearbeitet hat. Er ist ebenfalls für die Brasserie zuständig.

Auch das Spa kann sich sehen lassen. Es wurde schon einmal mit dem „Most Excellent Spa Award“ von Condé Nast Johansens ausgezeichnet und war 2016 Best Spa in the Southwest (so der „The Good Spa Guide“).

Die Preise für eine Übernachtung mit Frühstück beginnen bei etwa £ 359 für ein Standard-Doppelzimmer und enden bei £1479 für die Grand Master Suite.

Dieser Film stellt das sehr schöne Hotel vor und hier erhält man einen Blick von oben auf die Anlage.

Lucknam Park Hotel & Spa
Colerne, Chippenham, Wiltshire, SN14 8AZ

Die Einfahrt zum Hotel.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Eigenes Foto des Hotelprospekts.

Foto meines Hotelprospekts.

Published in: on 4. Juli 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Nab Tower Lighthouse – Ein Leuchtturm mit interessanter Vorgeschichte nahe der Isle of Wight

Er ist 17 Meter hoch, besteht aus Stahl und Beton und die Reichweite seiner Leuchten beträgt 22 Kilometer, das sind die wesentlichen Fakten des Nab Tower Lighthouse, das östlich der Isle of Wight im Meer steht, etwa dort, wo die Fähre Portsmouth – Le Havre vorbeifährt. Früher stand an dieser Stelle ein Feuerschiff, aber seit 1920 findet man diesen Leuchtturm hier an den Nab Rocks. Da der Turm im Laufe der Jahre Abnutzungserscheinungen erkennen ließ, bekam er vor vier Jahren eine Komplettrenovierung spendiert, so dass jetzt auch wieder Hubschrauber auf ihm landen können. Bevor der Nab Tower 1983 automatisiert wurde, versahen bis dahin drei Leuchtturmwärter gleichzeitig ihren Dienst an dieser einsamen Stelle im Meer, jeweils zwei Monate im Stück, dann hatten sie einen Monat frei. Im Zweiten Weltkrieg installierte man zwei Flugabwehrkanonen auf dem Turm, von wo aus drei deutsche Flugzeuge abgeschossen worden sein sollen.
Im November 1999 kollidierte der Bananenfrachter Dole America mit dem Nab Tower, wobei die beiden Beteiligten schwere Schäden erlitten.

Der Isle of Wight-Leuchtturm hat eine interessante Vorgeschichte, denn er war eigentlich gar nicht für diesen Zweck geplant. Ursprünglich war er Bestandteil des sogenannten Admiralty M-N Scheme im Ersten Weltkrieg, das war ein Plan, mit dem man die Straße von Dover im Ärmelkanal durch Netzsperren gegen deutsche U-Boote schützen wollte. Von Dungeness in Kent bis zum französischen Cap Gris Nez sollten acht Türme im Meer verankerten werden, alle schwer bewaffnet und mit stählernen Netzen miteinander verbunden. Doch es wurde nur ein Turm gebaut (ein zweiter wurde angefangen, aber einige Jahre später wieder auseinandergenommen), denn erstens ging der Krieg 1918 zu Ende und zweitens waren die Kosten immens hoch. Also wurde der Plan abgehakt und nach einigem Nachdenken der Verantwortlichen über die Zukunft des Turms, schleppte man ihn 1920 zu den Nab Rocks im Solent und verankerte ihn dort. Seitdem versieht er seinen Dienst an dieser Stelle zuverlässig. Einsam und allein steht das Nab Rock Lighthouse im Meer und wird nur hin und wieder von „maintenance crews“ besucht wie dieser Film zeigt.

1951 wurde der Thriller „The Dark Light“ mit dem Deutschen Albert Lieven in der Hauptrolle zum Teil auf dem Nab Tower gedreht. Hier ist ein Filmausschnitt.

 

Fun London Tours – Die besonderen Stadtrundgänge

Treffpunkt für die Secret London Walking Tour: Der Riesendaumen auf dem Trafalgar Square.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Man kann eine neue Stadt an Bord eines Stadtrundfahrt-Busses erkunden, der an den meisten Standard-Sehenswürdigkeiten vorbeifährt; das reicht in der Regel, dann hat man sich einen Überblick verschafft und kann auf eigene Faust losziehen, um seine Eindrücke zu vertiefen und Neues zu entdecken. In Paris habe ich an zahlreichen sogenannten „Conférences“ teilgenommen, das sind geführte Rundgänge, die in Teile der Stadt und in Gebäude führen, die eher unbekannt oder normalerweise nicht zugänglich sind. In London gibt es ebenfalls spezielle Stadtführungen wie Jack the Ripper-Tours oder Ghost Walks.

Die kleine Firma Fun London Tours bietet solche Spezialtouren an, die von professionellen Stadtführern geleitet werden. Hier sind einige Beispiele:

Die Secret London Walking Tour führt in kleine unbekannte Gassen und zu alten Pubs, die von nur wenigen Touristen aufgesucht werden, wobei der Tourguide mysteriöse Geschichten aus der Vergangenheit der Stadt erzählt.

Eine weitere Tour heißt Forgotten London: Heroes and Villains of London’s Old Quarter. Auch hier wird man durch abgelegene Gassen, durch Kirchhöfe und an alten vergessenen Denkmälern vorbeigeleitet und erfährt von geheimnisvollen Dingen, die sich dort zugetragen haben.

In London’s Grime and Punishment Tour steht das Thema „Verbrechen“ im Mittelpunkt. Man hört von bizarren und unheimlichen Begebenheiten, die sich in der Vergangenheit der Stadt abgespielt haben.

Etwas ganz Spezielles ist die London’s Weirdest Weather Tour, bei der es um besondere Wetterphänomene geht, die in London stattgefunden haben wie zum Beispiel der berüchtigte Nebel und die zugefrorene Themse.

Die zweistündige The Beatles in London Walking Tour führt auf die Spuren der vier legendären Musiker in der Stadt, wobei natürlich die Abbey Road Studios und der berühmte Zebrastreifen davor nicht vergessen werden.

Weitere Stadtrundgänge stehen unter dem Motto „Bizarre London„, „Curiosities of Soho“ und „Changing Guard Walking Tour„.

In diesem Video stellt Matt Gedge seine Firma Fun London Tours vor.

 

Published in: on 2. Juli 2017 at 02:00  Comments (1)  
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