Englische Exzentriker – Hannah Beswick (1680-1758), die Dame, die fürchtete, lebendig begraben zu werden

Der Manchester General Cemetery an der Rochdale Road im Stadtteil Harpurhey, der letzte Ruheort Hannah Beswicks.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

1844 wurde Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „The Premature Burial“ veröffentlicht, die auf Deutsch unter dem Titel „Das vorzeitige Begräbnis“ erschien und die 1962 von Roger Corman verfilmt wurde (hier ist der Trailer). Darin geht es um das Thema, lebendig begraben zu werden, eine Schreckensvorstellung, die in früheren Jahrhunderten weit verbreitet war, als das Wissen der Mediziner noch nicht dem heutigen Stand entsprach. Manche trafen Vorkehrungen, damit das nicht eintrat, indem sie ein Seil im Sarg anbringen ließen, das mit einem Glöckchen verbunden war, durch das sie Hilfe herbeirufen konnten.

Hannah Beswick, die von 1680 bis 1758 im Großraum Manchester lebte, war ebenfalls von dieser Furcht erfasst, zumal ihr Bruder einmal um ein Haar lebendig begraben worden wäre. Die Dame, die über ein beträchtliches Vermögen verfügte, dachte sich etwas anderes aus, um der Gefahr zu begegnen. Sie beauftragte ihren Hausarzt, Dr. Charles White, nach ihrem Ableben, dafür zu sorgen, dass sie nicht beerdigt wird und dass er regelmäßig ihren Leichnam aufsuchen sollte, um festzustellen, dass alles mit ihr in Ordnung war und dass sie gegebenenfalls wiederbelebt werden könnte. Für diese Bemühungen bedachte sie ihn in ihrem Testament mit der stolze Summe von £25,000, was heute etwa £3 Millionen entspricht. Dr. White war ein glücklicher Mensch als Hannah Beswick 1758 im Alter von 78 Jahren starb. Er balsamierte die Dame ein und installierte sie bei sich zuhause in eine große mit Glas verkleidete Standuhr, die er mit einem schweren Vorhang vor neugierigen Blicken verbarg. Bis zu seinem Tod im Jahr 1813 schaute Dr. White einmal im Jahr nach, ob mit Hannah alles in Ordnung war und stellte dann jedesmal fest, dass die Dame wirklich tot war und keiner Wiederbelebung bedurfte.

Nach Dr. Whites Tod begann eine kleine Odyssee mit dem mumufizierten Körper. Erst übernahm ihn ein Kollege des Arztes, dann ging er an das Museum of the Manchester Natural History Society. Als die Sammlungen 1867 an die Universität von Manchester übergingen, wollte man sich von der inzwischen „Manchester Mummy“ genannten einbalsamierten Dame ein für allemal trennen und sie jetzt richtig beerdigen. Dafür musste Hannah Beswick allerdings noch einmal offiziell für tot erklärt werden, was dann auch geschah, und so liegt sie nun in einem nicht markierten Grab irgendwo auf dem Manchester General Cemetery, auch Harpurhey Cemetery genannt.

Einige Heavy Metal-Bands haben sich des Themas „Buried Alive“ angenommen wie die dänische Formation Mercyful Fate und die US-Band Get Scared.

Published in: on 13. Juli 2017 at 02:00  Comments (1)  
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  1. […] „Exzentriker“ findet man fast nur männliche Vertreter; Exzentrikerinnen wie Hannah Beswick, eine Dame, die sich davor fürchtete, lebendig begraben zu werden und entsprechende […]


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