Big Beach Boutique II oder Die Invasion von Brighton am 13. Juli 2002

Am Strand von Brighton, im Hintergrund die Palace Pier.
Eigenes Foto.

Das Seebad Brighton an der englischen Südküste kann sich generell über Besuchermangel nicht beklagen, was aber am 13. Juli 2002 hier passierte, überstieg aber die Vorstellungskraft der Einwohner und auch der Polizei. Im Jahr zuvor hatte der Sänger und DJ Fatboy Slim die Big Beach Boutique I ins Leben gerufen, eine Strandparty, bei der er Platten auflegte und die von rund 60 000 Menschen besucht worden war. Gut, damit konnte Brighton problemlos umgehen. Statt der 60 000 Besucher kamen ein Jahr später zur Big Beach Boutique II aber nicht weniger als 250 000 Musikbegeisterte, das heißt, die Einwohnerzahl von Brighton hatte sich da schnell einmal verdoppelt.

Fatboy Slim, der eigentlich, der eigentlich Norman Cook heißt und seine Karriere als Bassist bei der Formation The Housemartins begann (deren „Caravan of Love“ ist einer meiner Lieblingssongs; siehe dazu meinen Blogeintrag), wohnte ganz in der Nähe von Brighton, in Hove, und hatte mit seiner Beachparty wettermäßig am 13. Juli sehr viel Glück, denn die Stadt litt unter einer Hitzewelle. Die Besuchermassen strömten aus dem ganzen Süden Englands hierher an die Küste und die A23, die Brighton mit London verbindet, war total überlastet. Es bildeten sich kilometerlange Staus, und die Polizei riet den Anreisenden über Radio, die Stadt nicht mehr zu betreten. Die Verantwortlichen bei der Polizei hatten sich vollkommen verschätzt, indem sie lediglich 50 Beamte zur Überwachung der Beach Party eingeteilt hatten, und so wurden schnell noch über 200 Polizisten aus ganz Sussex zur Unterstützung herbeigeordert.

Um 18.30 sollte Big Beach Boutique II beginnen, doch schon Stunden vorher fanden sich zig Tausende Partybesucher ein, die bei Temperaturen um die 28° frühzeitig mit Feiern begannen und die Vorräte der strandnahen Bars austranken. So starteten Fatboy Slim und seine DJ-Kollege Damian Harris, die Party am frühen Abend mit einer Viertel Million feucht-fröhlicher Gäste. Eigentlich wollte die Polizei das ganze Spektakel aus Sicherheitsgründen absagen, aber man befürchtete, dass dann die Besucher auf die Barrikaden gegangen wären.

Um 22.30 Uhr war die Party beendet, und dann begann das Chaos der Abreise… Viele blieben gleich über Nacht in Brighton, und viele, die kein Zimmer mehr bekommen konnten, schliefen am Strand. Als der nächste Tag heraufdämmerte, sah man eine total verdreckte Stadt. 160 Tonnen Abfall mussten abtransportiert werden. Da die konsumierten Getränke der Partygäste ja auch irgendwie wieder hinausgelassen werden mussten, und die Toiletten natürlich überhaupt nicht ausgereicht hatten, wurde die Notdurft eben an allen möglichen Häuserwänden verrichtet und diese Hinterlassenschaften musste die Stadtreinigung beseitigen. Drei Tage dauerte es, bis Stadt und Strand wieder vorzeigbar waren; die enstandenen Reinigungskosten beliefen sich auf £300 000. DJ Fatboy Slim, der von den Menschenmassen wohl selbst überrascht worden war, erklärte sich bereit, die Kosten zu übernehmen.

Hier sind einige Filmausschnitte von der Party zu sehen.

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