Die Jerome K. Jerome Society – Sie kümmert sich um das Andenken eines großartigen Schriftstellers

Jeromes Grabstein, und der seiner Frau, auf dem Friedhof von St Mary the Virgin in Ewelme (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

In meinem Blog kommt der englische Schriftsteller Jerome K. Jerome (1859 – 1927) immer mal wieder vor. Vor einigen Jahren besuchte ich sein Grab in Ewelme (Oxfordshire) auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin.

Nicht zuletzt auf Grund seines Klassikers „Three Men in a Boat“ (dt. „Drei Mann in einem Boot“) ist Jerome auch heute noch weit über die Grenzen seines Heimatlands bekannt. Um sein Andenken kümmert sich seit 1984 liebevoll die Jerome K. Jerome Society, die mittlerweile über Mitglieder in der ganzen Welt verfügt. Die Ziele der Gesellschaft in ihren eigenen Worten:

„To provide opportunities for interested people to meet, correspond and share their enjoyment of his works, to promote lectures and exhibitions and to encourage research into Jerome’s life and writings“.

Belsize House, Walsall (West Midlands) ist das Geburtshaus Jeromes und hier wurde 1984 ein kleines Museum eingerichtet. Um die Finanzierung des Museums zu gewährleisten, wurde die Gesellschaft gegründet, die heute aber weit mehr auf die Beine stellt. U.a. gibt sie das Magazin“ Idle Thoughts“ heraus und hat die erste vollständige Bibliografie über Jerome und seine Werke zusammengestellt.

Die Lieblingsbeschäftigung der Jerome-Anhänger ist aber, wie das auch auf der Homepage  mitgeteilt wird, eine Fahrt auf der Themse, gekleidet in gestreiften Blazern und Strohhut, mit einigen Flaschen Champagner an Bord (und gegebenenfalls auch mit einem Hund) in memoriam an George, Harris, Jerome und Hund Montmorency.

Die Mitgliedschaft in der Jerome K. Jerome Society kostet lediglich bescheidene 12 Pfund.

Hier ist ein Mini-Filmclip, auf dem Jerome zu sehen ist, und hier der komplette Film „Three Men in a Boat“ aus dem Jahr 1956.

Jerome K. Jerome Society
The Laurels
1 Knight’s Hill
Aldridge
Walsall

Das Buch zum Artikel:
Jerome K. Jerome: The Other Jerome K Jerome. Nonsuch Publishing 2008. 160 Seiten. ISBN 978-1845886356.

Jeromes Geburtshaus in Walsall (West Midlands).
Photo © Derek Bennett (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die größte Eibenhecke der Welt im Cirencester Park in Gloucestershire

Cirencester Park und House mit der Hecke davor.
Photo © Roger May (cc-by-sa/2.0)

Vor zwei Jahren schrieb ich in meinem Blog schon einmal über die gewaltige „Elefantenhecke“ im Rockingham Castle in Leicestershire, mit deren Beschneidung die dortigen Gärtner alle Hände voll zu tun haben. Eine noch gewaltigere Eibenhecke, die größte der Welt, findet man im Cirencester Park in Gloucestershire, der der Familie Bathurst gehört. Heute residiert hier der 9. Earl of Bathurst mit seiner Frau.

Jedes Jahr im August wird die Monsterhecke im Cirencester Park geschnitten, die sich wie ein riesiger Schutzschild vor das Herrenhaus stellt. Die dreihundert Jahre alte Hecke ist 13 Meter hoch, 5 Meter breit und 140 Meter lang. Damit sie nicht in alle Richtungen wuchert, muss sie also geschnitten werden und dafür brauchen zwei Männer zwei Wochen (hier ist ein Film darüber). Um auch an alle Stellen heranzukommen, arbeiten sie mit einer hydraulischen Arbeitsbühne und bei dem Vorgang fällt etwa eine Tonne Heckenschnitt an. Diese pflanzlichen Reste kommen aber nicht etwa auf eine Deponie, sondern werden weiterverwertet und zwar in der Pharmazie. Die Nadeln der Eibe enthalten einen Wirkstoff, der in der Chemotherapie zur Krebsbekämpfung eingesetzt wird. Etwa £6000 muss der Earl of Bathurst jedes Jahr bezahlen, damit seine „Schutzschildhecke“ wieder vernünftig aussieht.

Eine noch größere Hecke, allerdings eine Buchenhecke, steht in Schottland, sechs Kilometer südlich von Blairgowrie entfernt, die laut Guinness Book of Records die größte der Welt ist. Die 1745 gepflanzte Meikleour Beech Hedge ist 30 Meter hoch und 530 Meter lang; sie wird nur alle zehn Jahre geschnitten und neu vermessen, wobei vier Männer rund sechs Wochen lang beschäftigt sind.

Das Buch zum Thema:
Hugh Barker: Hedge Britannia: A curious history of a British obsession. Bloomsbury 2012. 327 Seiten. ISBN 978-1-4088-0186-4. (s. dazu meinen Blogeintrag).

Die Meikleour Beech Hedge bei Blairgowrie in Schottland.
Photo © Adam Ward (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Gwyn Headley – Der Mann, der die Follies liebt

Der Broadway Tower in den Cotswolds.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Follies haben es Gwyn Headley (geboren 1946) angetan, und die Initialzündung dafür könnte ein Besuch des Broadway Towers in den Cotswolds gewesen sein, den er zusammen mit seinen Eltern als Fünfjähriger unternahm. „Ein Folly unterscheidet sich von anderen nutzlosen Bauwerken durch die ihm zugrunde liegende exzentrische Idee oder durch eine besonders ungewöhnliche, extravagante Ausführung„, so erklärt die Wikipedia den Begriff Folly. 1988 gründete Gwyn Headley die Folly Fellowship, deren Ziel es ist, diese exzentrischen Bauwerke in Großbritannien zu erhalten (ich berichtete in meinem Blog über die Gesellschaft). Er war jahrelang deren Präsident. Die „Continental secretaries“sind übrigens Rita & Pieter Boogaart in den Niederlanden, die beide das großartige Buch „A272 – An Ode to a Road“ geschrieben haben.

Gwyn Headley war immer auf der Suche nach Follies, die er noch nicht kannte, und das nicht nur im eigenen Land, sondern auch in Übersee (er schrieb das Buch „Architectural Follies in America„, das 1996 erschien). Sein Standardwerk dürfte das 1986 von Jonathan Cape veröffentlichte Buch „Follies: A Guide to Rogue Architecture in England, Scotland and Wales“ sein, das er zusammen mit Wim Meulenkamp verfasste, einem niederländischen Kunsthistoriker. Beide schrieben einige Jahre später gemeinsam noch ein weiteres Buch zum Thema „Follies, Grottoes & Garden Buildings“ (Aurum Press 1999). 2010 veröffentlichte Headley eine Serie von E-Books, in denen er  jeweils die Follies aller englischen Grafschaften auflistet.

Neben seiner Vorliebe für Follies beschäftigt sich Gwyn Headley mit Mahjong und hat darüber zusammen mit seiner späteren Frau Yvonne Seeley ein Buch geschrieben („Know The Game: Mah-Jong“), als auch mit Typografie („The Encyclopedia of Fonts“).

Foto meines Exemplares.

 

Published in: on 28. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Old Swan & Minster Mill in Minster Lovell (Oxfordshire)

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Nachdem wir uns die Ruinen von Minster Lovell Hall bei Witney in Oxfordshire (ich berichtete in meinem Blog darüber) angesehen hatten, brauchten wir eine Stärkung und begaben uns in den nahegelegenen Old Swan & Minster Mill, ein Hotel und Gastro-Pub, dessen Räumlichkeiten ziemlich verschachtelt ineinanderübergehen. Die Atmosphäre hier war sehr gemütlich: Schwere Eichenholz-Deckenbalken, Kaminfeuer, Fußböden aus Steinplatten; so wie man es gern hat, um einen angenehmen Lunch zu sich zu nehmen.

Die Anlage besteht aus zwei Gebäuden, wobei der Old Swan der elegantere Teil, die Minster Mill der etwas einfachere ist. 600 Jahre alt ist der Old Swan, am River Windrush gelegen, in dem seinerzeit Großbritanniens Premierminister Harold Wilson seine Flitterwochen verbrachte. Richtig aufgemöbelt und zu einem Boutique Hotel umgebaut, wurde der alte Gasthof von dem Unternehmer Peter de Savary (dem einmal sowohl Land’s End in Cornwall als auch John O’Groats an der äußersten Nordspitze Schottlands gehörten).

One of the finest places to stay in the Cotswolds“ behaupten die Besitzer des Hotels in Minster Lovell, was ich allerdings nicht beurteilen kann, da ich hier (leider) nicht gewohnt, sondern nur gegessen habe. Die Übernachtungspreise beginnen im Old Swan bei rund 190 Euro für ein klassisches Doppelzimmer und gehen bis über 350 Euro für eine Suite.

Alex Polizzi, Moderatorin der auf Channel 5 ausgestrahlten Serie „The Hotel Inspector“, empfahl The Old Swan & Minster Mill einmal im Daily Telegraph als eines der Top 10 Winterhotels Großbritanniens.

Hier ist ein Film über das Hotel.

Old Swan & Minster Mill,
School Hill, Minster Lovell,
Witney, Oxfordshire OX29 0RN

 

Published in: on 27. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Paul Moody & Robin Turner: The Search for the Perfect Pub

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Paul Moody und Robin Turner sind immer auf der Suche nach „Juwelen“ in der sich ständig verändernden britischen Publandschaft. In ihrem Buch „The Rough Pub Guide: A Celebration of the Great British Boozer“ (Orion Books 2008) haben sie ein Countdown der 50 eigenwilligsten Pubs zusammengestellt (Platz 1: The Montague Arms, New Cross, London; Platz 2: The Dyffryn Arms, Pontfaen, Dyfed; Platz 3: The Temple, Manchester).

In Moody und Turners letztem Buch, „The Search For the Perfect Pub„, machen sie sich auf die Suche nach dem perfekten Pub. Das Buch trägt den Untertitel „Looking For the Moon Under Water„, und die Autoren nehmen damit Bezug auf ein Essay, das George Orwell 1946 verfasste, in dem er den fiktiven Pub „The Moon Under Water“ beschrieb, seine Vorstellung damals von dem perfekten britischen Pub.

Das Buch ist gleichzeitig eine locker geschriebene Untersuchung über die Rolle und die Problematik des Pubs im 21. Jahrhundert:
Wirte versuchen die schwindenden Gästezahlen aufzufangen, indem sie ihre Häuser in Gastro-Pubs, Themen-Pubs oder Musik-Pubs umwandeln.

Die großen Pubcos, das sind die großen Gesellschaften, denen Tausende von Pubs gehören, lassen die Wirte oft im Regen stehen und helfen ihnen nicht, sondern schließen die Gasthöfe kurzerhand, wenn sie nicht die geforderten Umsatzzahlen bringen.

Die großen Supermarktketten bieten Bier deutlich billiger an, was dazu führt, dass die Pints zuhause getrunken werden.

Das Rauchverbot hat ein übriges getan und den Pubs Umsatzverluste eingebracht.

Schwere Zeiten stehen der britischen Institution „Pub“ bevor, aber: Es gibt sie glücklicherweise immer noch, die „Boozer“, und sie spielen nach wie vor eine außerordentlich wichtige gesellschaftliche Rolle. Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der sich für dieses Thema interessiert. Auf meinen Reisen sind Pubbesuche immer sehr wichtig und ich fahre nie nach England, ohne meinen „The Good Pub Guide“ dabeizuhaben.

Hier ist ein Video, in dem ein Publican von den Problemen seiner Zunft singt.

Paul Moody & Robin Turner: The Search For the Perfect Pub – Looking For the Moon Under Water. Orion Books 2011. 288 Seiten. ISBN 978-1409112679.

Mein persönlicher „Perfect Pub“: The Falkland Arms in Great Tew (Oxfordshire). – Eigenes Foto.

Published in: on 26. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Pu der Bär, sein Stöckchenspiel und die geeignetsten Brücken dafür

Die Little Wittenham Bridge bei Dorchester-on-Thames.
Photo © Gareth James (cc-by-sa/2.0)

Pu der Bär oder Winnie the Pooh, wie er im Original heißt, ist eine der berühmten Figuren der englischen Kinderbuchliteratur. Geschrieben wurden die „Bärenbücher“ von Alan Alexander Milne (1882-1956), der einen großen Teil seines Lebens auf der Cotchford Farm bei Hartfield in East Sussex verbrachte. Hier befindet sich auch die Brücke im Ashdown Forest, auf der Pu sein geliebtes Stöckchenspiel spielte. Dabei werden kleine Stöckchen, die Pooh Sticks, auf der einen Seite der Brücke in den Fluss geworfen und Gewinner ist der, dessen Stöckchen auf der anderen Seite der Brücke als erstes auftaucht. Seit 1984 werden sogar Weltmeisterschaften in diesem „Sport“ ausgetragen, die World Pooh Sticks Championships (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Ein Wissenschaftler hat sich vor zwei Jahren damit beschäftigt, herauszufinden wie der ideale Pooh Stick aussehen muss, um als schnellster die Brücke zu unterqueren. Dr Rhys Morgan von der Royal Academy of Engineering hat dafür eine Formel aufgestellt die da PP = A x I x Cd lautet. PP bedeutet Perfect Poohstick, A ist die Dicke des Stöckchens, I dessen Dichte und Cd dessen Form. Wer diese Formel beachtet, hat gute Chancen, das Spiel zu gewinnen.

Visit England hat eine Liste mit den zwölf Brücken in England veröffentlicht, die sich sich am besten für Pooh Stick-Wettbewerbe eignen. Da ist  zuerst die Brücke, wo viele Jahre lang die Weltmeisterschaften ausgetragen wurden, die Little Wittenham Bridge bei Dorchester-on-Thames in Oxfordshire, eine Fußgängerbrücke über die Themse. Seit drei Jahren hat eine andere Brücke diese Funktion übernommen, die in Langel Common bei Witney, ebenfalls in Oxfordshire, die den River Windrush überquert. Die diesjährigen Championships fanden am 4. Juni statt.

Weitere empfehlenswerte Brücken sind zum Beispiel noch die abgelegene Watendlath Bridge in Cumbria, eine packhorse bridge, die früher einmal dazu diente, Packpferde über den Fluss zu leiten. In Derbyshire eignet sich die uralte Sheepwash Bridge in Ashford in the Water besonders gut für das Stöckchenspiel; sie führt über den River Wye. Mitten in der Universitätsstadt Cambridge bietet sich die Mathematical Bridge am Queens College an, die gebaut wurde, ohne einen einzigen Nagel zu verwenden und die den River Cam überquert. In Staffordshire kann man in Shugborough seine Stöckchen von der Essex Bridge in den River Trent werfen und zuschauen, welches von der Strömung am schnellsten vorangetrieben wird.

Wer sich näher mit dem Stöckchenspiel beschäftigen möchte, dem sei das Buch „The Pooh Sticks Handbook: A Poohstickopedia“ von Mark Evans empfohlen.

Die Watendlath Bridge in Cumbria.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Die Sheepwash Bridge in Ashford in the Water.
Photo © DAVID M GOODWIN (cc-by-sa/2.0)

Die Mathematical Bridge in Cambridge.
Photo © Kim Fyson (cc-by-sa/2.0)

Die Essex Bridge in Shugborough (Staffordshire).
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubschilder – The Electrical Wizard in Morpeth (Northumberland)

Die Kleinstadt Morpeth liegt im äußersten Nordosten Englands in der Grafschaft Northumberland. Dort finden wir einen Pub, der den Namen „The Electrical Wizard“ trägt und auf dem ein gewisser Walford Bodie abgebildet ist.
Bodie, der von 1869 – 1939 lebte, war seinerzeit eine umstrittene Person; er verdiente seinen Lebensunterhalt als Showhypnotiseur und Magier, der mit Elektrizität experimentierte, indem er beispielsweise 30 000 Volt durch seinen Körper fließen und dabei 16 Glühlampen hell erstrahlen ließ.

Bodie, der „britische Edison“, baute eine Kopie des Elektrischen Stuhls, wie er im Zuchthaus Sing Sing in den USA stand, und führte damit auf der  Bühne Scheinhinrichtungen durch. Walford Bodie war eine merkwürdige Gestalt und der Pub in Morpeth ist nach meinen Recherchen der einzige in Großbritannien, der ihm gewidmet ist.

„The Electrical Wizard“ gehört zur Kette der JD Wetherspoon Pubs.

In diesem Film stellt eine Theatergruppe das Leben des Walford Bodie in einem Straßenumzug nach.

The Electrical Wizard
11 New Market
Morpeth
Northumberland
NE61 1PS

Das Buch zum Artikel:
Roger Woods & Brian Lead: Showmen or Charlatans? –  The Stories of ‚Dr‘ Walford Bodie and ‚Sir‘ Alexander Cannon. Brian Lead 2005. 71 Seiten. ISBN 978-0951283820.

Published in: on 24. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Songs about London – „Soho Square“ von Kirsty MacColl

Dort in dem Winkel, wo die Oxford Street auf die Charing Cross Road trifft, findet man eine kleine grüne Oase namens Soho Square. Viele Bänke laden zu einer Ruhepause ein, eine Statue Charles II. weckt Erinnerungen an die Geschichte des 17. Jahrhunderts und man fragt sich, welchen Zweck wohl das kleine Fachwerkhäuschen mitten auf dem Platz erfüllt (es ist ein Aufbewahrungsort für Gartengeräte). Die Bäume spenden im Sommer Schatten, so dass man dort in der Mittagspause seinen Lunch zu sich nehmen kann. Die Häuser, die den Platz einrahmen, sind sehr beliebt als Büros für Firmen, die in der Medienbranche tätig sind wie zum Beispiel Paul McCartneys MPL Communications.

1993 widmete die Folksängerin Kirsty MacColl (1959-2000) dem Platz ein Lied, das sie auch „Soho Square“ nannte und das mit den Zeilen beginnt „Your name froze on the winter air An empty bench in Soho Square„. Kirsty MacColl starb sehr früh im Jahr 2000 bei einem Unfall während ihres Urlaubs in Mexico. Ihre Familie und Freunde ließen ein Jahr später zur Erinnerung eine „bench in Soho Square“ errichten, die am 12. August 2001 eingeweiht wurde. Einige Reden wurden gehalten und Kirsty MacColls Lieder erschallten über den Soho Square. Anschließend fand man sich im nahegelegenen Pub Pillars of Hercules in der Greek Street zusammen, wo man Kirstys Lieder spielte.

An der Bank im Soho Square ist eine Plakette angebracht mit der Inschrift: „Kirsty MacColl 1959 – 2000 One day I’ll be Waiting There No Empty Bench in Soho Square„.

Hier ist das Lied zu hören.

Die Kirsty MacColl-Erinnerungsbank.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Die Statue Charles II. vor dem Fachwerkhäuschen.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. September 2017 at 02:00  Comments (5)  
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Neue Kochbücher auf dem britischen Buchmarkt

Obwohl man über das Internet so ziemlich alle Rezepte dieser Welt in Sekundenschnelle aufrufen kann, genießen Kochbücher in Großbritannien nach wie vor die Gunst vieler Käufer. Auf den Bestsellerlisten sind sie eigentlich immer zu finden und jetzt im Herbst sind eine ganze Menge von ihnen neu erschienen. Hier sind nur einige wenige Beispiele:

Stephen Harris: The Sportsman (Phaidon Press, seit heute erhältlich). In meinem Blogeintrag über die besten Restaurants Englands des Jahres 2017 außerhalb von London führte The Sportsman bei Seasalter in Kent die Liste an. Inhaber und Chefkoch Stephen Harris verrät in seinem Buch die Rezepte, die ihn in seinem Restaurant so berühmt machten und die zum Nachkochen anregen sollen.

Rick Stein: The Road to Mexico – 120 Vibrant Recipes From California and Mexico (Ebury, erscheint am 19. Oktober). Das Begleitbuch zur TV-Serie der BBC. Rick Stein ist ein Urgestein unter den britischen Köchen und sein Wohnort Padstow in Cornwall, wo er mehrere Restaurants betreibt, ist so stark von ihm geprägt, dass man ihn schon Padstein nennt.

Nigella Lawson: At My Table (Chatto&Windus, am 21. September erschienen). Die mehrfach ausgezeichnete Kochbuchautorin und Fernsehköchin ist von britischen Fernsehschirmen nicht mehr wegzudenken; fünf ihrer Bücher sind schon ins Deutsche übersetzt worden. In ihrem aktuellen Buch, ebenfalls Begleitmaterial zu einer sechsteiligen Fernsehserie auf BBC2, gibt sie Rezepte preis, die sie zuhause für ihre Familie und für Freunde kocht.

Jamie Oliver: 5 Ingredients – Quick and Easy Food (Michael Joseph). Auch dieses bereits im August erschienene Buch des „Naked Chefs“, das sich ganz oben auf den Bestsellerlistenlisten tummelt, ist wieder ein TV-Serien-Begleitbuch. Auf Channel 4 bzw. in seinem Buch präsentiert er Rezepte, die alle auf fünf Bestandteilen beruhen: Olivenöl, Natives Olivenöl, Rotweinessig, Meersalz und schwarzer Pfeffer. Jamie Oliver verspricht, dass alle seine Gerichte in maximal dreißig Minuten zubereitet werden können.

Yotam Ottolenghi: Sweet (Ebury Press, am 7. September erschienen). Dieser israelisch-englische Koch hat schon so viele Auszeichnungen, das man sie fast nicht mehr zählen kann. Er besitzt mehrere Delikatessenläden in London und ist Inhaber von fünf Restaurants in der Stadt. In seinem aktuellen Buch geht es um Süßspeisen und Desserts

Published in: on 22. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Warum das Kinderkrankenhaus in der Londoner Great Ormond Street noch heute von Peter Pan profitiert

Peter Pan und Tinkerbell am Haupteingang des Great Ormond Street Hospitals in London.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Die Figur des Peter Pan, der 1902 das Licht der Welt erblickte, der Junge der niemals erwachsen wird und im Nimmerland wohnt, gehört zu den bekanntesten der internationalen Kinderliteratur. James Matthew Barrie (1860-1937) hat sich Peter Pan ausgedacht, und wir treffen das Kind nicht nur in Büchern an, sondern auch in einem guten Dutzend Filmen und in mehreren Musicals. 1978 veröffentlichte Kate Bush einen Song mit dem Titel „In Search of Peter Pan„. Die Schweizer Sängerin sang 1982 das Lied „Peter Pan“ und viele weitere Musiker verwendeten Motive aus Barries Kinderbüchern.

Da fielen natürlich eine ganze Menge Lizenzgebühren an, und da James Matthew Barrie ein großes Herz für Kinder hatte, überlegte er sich, was er mit dem Geld Gutes tun konnte. Da er und seine Frau kinderlos waren, vermachte er 1929 sämtliche Rechte an „Peter Pan“ an das Londoner Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital (GOSH) im Stadtteil Bloomsbury und das auch über seinen Tod hinaus. Fünfzig Jahre nach dem Tod des Schriftsteller, 1987, verlängerte die Regierung das Recht, Lizenzgebühren verlangen zu können. Barrie machte dem Krankenhaus damals die Auflage, die Höhe der eingenommenen Gebühren niemals zu veröffentlichen, woran man sich dort auch hielt.

Zur Erinnerung an den großzügigen Schriftsteller wurde eine Statue des kleinen Jungen am Haupteingang des Krankenhauses aufgestellt, die der Londoner Bildhauer Diarmud Byron O’Connor schuf. Fünf Jahre später ergänzte O’Connor seine Skulptur durch eine weitere Figur aus den Peter Pan-Büchern, die Fee Tinkerbell, die sich hier mit Peter um einen Fingerhut streitet. Ganze 18cm ist Tinkerbell groß.

Das Great Ormond Street Hospital verfügt auch über eine Sammlung von Peter Pan-Buchausgaben aus aller Welt, die allerdings nicht öffentlich zugänglich ist.

Nicht nur James Matthew Barrie, sondern auch andere Künstler setzten sich für das Kinderkrankenhaus ein, so taten sich 1987 viele Sänger (u.a. Boy George, Hazel O’Connor, Grace Kennedy) zusammen und nahmen die Single „The Wishing Well“ auf, deren Erlös dem GOSH zugute kam. Die Teilnehmer am Finale der Castingshow „The X Factor“ nahmen 2009 den Michael Jackson-Song „You Are Not Alone“ auf und von jeder verkauften Single ging £1 an das Krankenhaus in der Great Ormond Street.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Peter Pan-Statue in den Kensington Gardens.

Das Krankenhaus in Bloomsbury.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Hunter Davies: Behind the Scenes at the Museum of Baked Beans

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Ein merkwürdiger Titel, den sich Hunter Davies (oder sein Verlag) da ausgedacht hat: „Behind the Scenes at the Museum of Baked Beans„.  Aber der Untertitel macht es deutlicher: „My Search for Britain’s Maddest Museums„. Pate für den Titel stand da sicher Kate Atkinsons Roman „Behind the scenes at the museum“.

Hunter Davies ist Journalist, der regelmäßig für mehrere englische Zeitungen schreibt, hat Bücher u.a über die Beatles und das Thema Fußball veröffentlicht und als Ghostwriter für Wayne Rooney und John Prescott fungiert.

In seinem Buch über die „verrückten Museen“ Großbritanniens stellt er Sammlungen von Menschen vor, die etwas merkwürdige Dinge zur Schau stellen wie das titelgebende “ The Baked Bean Museum of Excellence„“ in Port Talbot in Wales. Dort hat ein Captain Beany („Great British Eccentric of the Year 2009“) genannter Mann in seiner Wohnung alles zusammengetragen, was auch nur im entferntesten mit gebackenen Bohnen zusammenhängt und da gibt es einiges.

Ein alter Herr betreibt in Dulwich in London das British Vintage Wireless and Television Museum„; allerdings öffnet er die Tore nur nach telefonischer Anmeldung. Dann kann man sich hunderte von alten Radios ansehen.

Das „Chantry Bagpipe Museum“ in Morpeth (Northumberland) sammelt und stellt Dudelsäcke aus Northumberland aus (s. dazu meinen Blogeintrag) und in Ulverston (Cumbria) kann man sich im „Laurel and Hardy Museum“ über das Komikergespann Dick und Doof informieren (Stan Laurel wurde in Ulverston geboren).

Ein angenehm zu lesendes vergnügliches Buch!

Hunter Davies: Behind the Scenes at the Museum of Baked Beans. Virgin Books 2010. ISBN: 978-0-7535-2213-4

Published in: on 20. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Adventure Golf – Minigolf mit Sauriern

Dinosaur Safari Adventure Golf in Arkley (Hertfordshire).
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Saurier üben auf viele Menschen, nicht nur auf Kinder, eine starke Faszination aus. Die riesigen Urzeittiere dienen seit einiger Zeit in England dazu, möglichst viele in Minigolfanlagen zu locken, die sich jetzt statt Crazy Golf Adventure Golf nennen. Die Idee des Minigolfs ist geblieben, aber angereichert werden die großen Anlagen durch Felsen, Wasserfälle etc. und eben durch lebensgroße Saurier. Hier sind einige Beispiele aus dem Großraum London:

Dinosaur Safari Adventure Golf in Arkley (Hertfordshire), gleich an der A1 nördlich von London. Neun riesige Saurier wachen in dieser Anlage über einen Kurs mit achtzehn Löchern, den man absolvieren kann, sobald man dafür am Eingang £9 Pfund bezahlt hat (Kinder sind mit £7 dabei). Der Park ist ganzjährig geöffnet. Dieser Film zeigt wie es dort zugeht.

Dinosaur Escape Adventure Golf in Northolt im Westen Londons. Der gleiche Betreiber wie Dinosaur Safari Adventure Golf, Adventure Experience Ltd, mit den gleichen Preisen und Öffnungszeiten. Auch hier können die Besucher auf einem 18-Loch-Platz spielen, inmitten von brüllenden Sauriern, Wasserfällen und Palmen. Seit 2010 existiert die Anlage, die in diesem Film zu sehen ist.

Jurassic Encounter in New Malden (Surrey) im Südwesten von London. Dieser 18-Loch-Platz liegt in der nach eigenen Angaben größten Golfanlage Europas, The World of Golf, und ist täglich von 7 Uhr bis Mitternacht geöffnet. Es herrscht das gleiche System wie auf den beiden anderen Plätzen: Minigolf unter exotischen Tiern und Pflanzen; dieser Film zeigt es.

Mr Mulligans Dino Golf in Sidcup im Süden Londons. Hier werden die Besucher sogar mit zwei 9-Loch-Golfanlagen konfrontiert, die täglich ab 9 Uhr geöffnet sind und erst um 22 Uhr schließen (am Wochenende früher). Hier kann man sich den Platz genau ansehen.

Übrigens: Am 21. September ist der Internationale Minigolf-Tag!

Dinosaur Escape Adventure Golf in Northolt im Westen Londons.
Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Armathwaite Hall & Spa – Ein Country House Hotel im Lake District

Hoch oben im Nordwesten Englands, im Lake District, gibt es zahlreiche Hotels, die dort auch gebraucht werden, wenn in der Hochsaison die Touristenmassen einfallen. Ein besonders schönes Hotel habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt, das Holbeck Ghill Country House Hotel am Lake Windermere. An einem anderen See, dem Bassenthwaite Lake, liegt ein weiteres Country House Hotel, Armathwaite Hall and Spa (4*), das man über eine Zufahrt von der B5291 erreicht.

Die Ursprünge dieses imposantes Hauses reichen weit bis in das 16. Jahrhundert zurück; viele Male wechselte es den Besitzer, bis es 1976 in die Hände der Familie Graves überging, die daraus eine Hotel machte und viel Geld investierte, indem sie ein Spa hinzufügte, das 2015 vom The Good Spa Guide ausgezeichnet wurde. Das Fine Dining Lake View Restaurant unter der Regie von Chefkoch Kevin Dowling kann sich zweier AA-Rosetten erfreuen; verwendet werden überwiegend Produkte aus der Region.

Die Zimmerpreise, inklusive Frühstück, beginnen bei £210 für ein Standard-Doppelzimmer und enden bei £445 für eine Studio Suite, die dann natürlich auch über einen Seeblick verfügt.

Armathwaite Hall & Spa gehört zu den Pride of Britain-Hotels, mit denen ich bisher immer nur gute Erfahrungen gemacht habe.

Direkt neben dem Hotel liegt der Lake District Wildlife Park, in dem man exotischen Tieren wie Affen, Zebras oder Schlangen begegnet.

1978 wurde Armathwaite Hall einmal als Kulisse für einen Horrorfilm ausgewählt: „Killer’s Moon„. In dem Film strandet eine Busladung von Schulmädchen in der Wildnis und wird in einem abgelegenen Hotel untergebracht, das von vier aus einer psychiatrischen Anstalt ausgebrochenen Patienten terrorisiert wird. Ein ziemlich blutrünstiges Produkt, das vom Kreischen der Mädchen beherrscht wird. Hier ist der Trailer zu sehen.

Dieser Film zeigt das Hotel und die umliegende Landschaft, von einer Drohne aus gefilmt, und hier ist ein Blick in eine der Suiten.

Armathwaite Hall Hotel & Spa
Bassenthwaite Lake
Keswick
Cumbria
CA12 4RE

Der Bassenthwaite Lake.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Roy Hattersley: In Search of England

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Der 1932 geborene Roy Hattersley war eine bekannte Persönlichkeit in der britischen Politik; er war Member of Parliament und wirkte unter mehreren Regierungen in unterschiedlichen Ministerien mit; lange Jahre war er Deputy Leader der Labour Party. Anfang der 90er Jahre zog er sich aus der Politik zurück, war aber als Journalist weiterhin tätig u.a. für die Daily Mail, den Spectator und den Guardian.

Für die Daily Mail schreibt er eine regelmäßige Kolumne „In Search of England„; genauso heißt auch sein Buch, das 2009 bei Little, Brown erschien und in dem Hattersley Zeitungsartikel aus den letzten 40 Jahren zusamengestellt hat, in denen er sich mit seinem Heimatland auseinandersetzt. Hattersley stammt aus Sheffield und seine  besondere Liebe gehört dem westlich der Stadt gelegenen Peak District, in dem er heute auch wohnt. Viele seiner Artikel beschäftigen sich mit dieser rauen Landschaft, die er mit seinem Hund Busker unzählige Male durchwandert hat.
Ein empfehlenswertes Buch, das es sowohl als gebundene Ausgabe als auch als Paperback zu kaufen gibt.

Roy Hattersley: In Search of England. Little, Brown 2009. 368 Seiten. ISBN 978-1408700969 (gebundene Ausgabe).

 

Published in: on 17. September 2017 at 02:00  Comments (1)  

Der Alder Ridge Vineyard bei Hungerford in Berkshire – Hier werden preisgekrönte Sekte hergestellt

Hier im Cobbs Farm Shop kann man die Sekte des Alder Ridge Vineyard kaufen.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Was verbindet man mit West Berkshire? Sicher nicht in erster Linie mit Wein, doch es gibt hier tatsächlich ein Weingut, das so hervorragenden Sekt herstellt, dass dieser es bei Weinverkostungen mit Spitzenchampagnern aufnehmen konnte.
Alder Ridge Vineyard auf dem Gelände der Cobbs Farm an der A4 westlich von Hungerford kann seine Produkte auf die gleiche Stufe stellen wie seine Konkurrenten aus dem eigenen Land: Nyetimber, Breaky Bottom, Chapel Down, um nur einige zu nennen. Die Qualität der englischen Sparkling Wines wird von Jahr zu Jahr besser, leider sind sie nur schwer zu bekommen, in Deutschland ist es fast unmöglich und selbst in England muss man lange suchen, um sie kaufen zu können. Hier ist eine Übersicht einige der besten Sektproduzenten des Landes, die ich vor einiger Zeit in meinem Blog erstellte.

Der Alder Ridge Vineyard entstand erst im Jahr 2011 und angepflanzt wurden bisher Reben der Sorten Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier und Pinot Précoce, auf Böden, die denen der Champagne ähneln. Die Erfolge stellten sich schnell ein: Bei einer Blindverkostung auf der International Wine Challenge stellte der neue 2013 Blanc de Noirs selbst die Produkte der Champagnerhäuser Taittinger und Veuve Cliquot in den Schatten. Und weiter Auszeichnungen für diesen Sekt sollten folgen: Bei den Decanter World Awards erhielt er eine Silbermedaille und bei den Champagne & Sparkling Wine World Championships eine Goldmedaille.

Auch das zweite Produkt aus dem Hause Alder Ridge Vineyard, das Classic Cuvée 2013, hat schon bei den letztgenannten Championships eine Silbermedaille erhalten.
Preislich können es die beiden Sekte durchaus mit Mittelklasse-Champagnern aufnehmen, sie kosten ca 32 Euro.

Kaufen kann man die Sparkling Wines im Cobbs Farm Shop, also direkt vom Erzeuger.

Alder Ridge Vineyard,
Cobbs Farm,
Bath Road,
Hungerford,
West Berkshire
RG17 0SP

Published in: on 16. September 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Der Granary Square in London und seine fernsteuerbaren Springbrunnen

Der Granary Square am Regent’s Canal im Londoner King’s Cross-Bereich ist in den letzten Jahren komplett umgestaltet worden. Ob das wirklich gelungen ist, sei dahingestellt.  Was aber wirklich schön ist, das sind die 1080 Springbrunnen, die einen großen Teil des Platzes einnehmen und die an warmen Sommertagen besonders bei Kindern beliebt sind. Man kann durch die Springbrunnenlandschaft waten und sich von den sprudelnden Wassern erfrischen lassen. Entworfen wurden die Granary Square Fountains vom The Fountain Workshop, der seinen Sitz in den Historic Dockyards in Chatham (Kent) hat. Die Spezialisten für Wasserspiele zeichnen auch verantwortlich für die nahegelegenen Anlagen am Pancras Square und Lewis Cubitt Square.

Jeder einzelne der 1080 Springbrunnen lässt sich individuell steuern und Computerprogramme sorgen dafür, dass die Wasserlandschaft ständig ihr Bild verändert, indem der Wasserdruck erhöht oder wieder gesenkt wird. Ein besonderes Schauspiel ergibt sich abends, wenn die Wasserspiele auch noch farbig erleuchtet werden.
Einmalig ist die Granary Squirt App, die man auf sein Smartphone herunterladen und damit die Springbrunnen selbst steuern und Wasserspiele generieren kann wie zum Beispiel „Snake“ wie dieser Film zeigt. Man darf das aber nur zwischen 16 Uhr und 17 Uhr tun. Kostenfreies WLAN ist hier auf dem Granary Square vorhanden.

Diese beiden Filme zeigen wie die Granary Square Fountains bei Tage und bei Nacht aussehen.

Published in: on 15. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Teddybear Museum in Newby Hall bei Ripon in North Yorkshire

Newby Hall, Heimstatt von tausend Teddybären.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Es war einmal eine riesige Familie von rund tausend Teddybären, die mehrfach umziehen mussten, bis sie ihren (hoffentlich) letzten Wohnort in North Yorkshire gefunden haben und zwar in Newby Hall, ganz in der Nähe der Stadt Ripon. Ihr Besitzer war der aus Funk und Fernsehen bekannte Gyles Brandreth, ein sehr vielseitig interessierter Mann, der zum Beispiel Präsident der Oscar Wilde Society, Schirmherr der National Piers Society und Kanzler der Universität von Chester ist. Seine große Sammlung von Teddybären aus aller Welt war achtzehn Jahre lang in Stratford-upon-Avon untergebracht, dann siedelte er sie in das Polka Theatre in Wimbledon um, und schließlich mussten alle Teddies noch einmal ihre Koffer packen, um ins weit enfernte North Yorkshire zu ziehen. Jetzt hoffen sie alle, dass sie hier im Bear House von Newby Hall für eine Weile ihre Ruhe haben.

Ja , das Bear House wurde extra für die Felltiere erbaut und befindet sich in Nachbarschaft einer weiteren Sammlung, Newby Hall hat auch 65 Puppenhäusern Unterschlupf geboten.

Durch seine Arbeit beim Rundfunk und Fernsehen hat Gyles Brandreth viele Prominente getroffen und einige haben ihm ihre Lieblingsteddies hinterlassen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Da finden wir u.a. Mr. Beans Teddybär, Fozzie Bear aus der Muppet Show, den originalen Paddington Bear, Tony Blairs Lynton, Francois Mitterrands Francois und Ragged, der einmal dem Schauspieler Richard Briers gehörte. Auch einige der Teddybären, die nach Prinzessin Dianas Tod vor dem Buckingham Palace niedergelegt wurden, sind in Gyles Brandreths Sammlung vorhanden. In diesem Film werden wir mit einigen der genannten Bären bekanntgemacht.

Michele Brown, Gyles Brandreths Frau, die ebenfalls am Aufbau der Sammlung beteiligt war, hat 1996 ein Buch veöffentlicht, in dem sie sich mit der Geschichte der Teddybären auseinandersetzt und auch über einzelne Bären ihrer Sammlung erzählt: „The Teddy Bear Hall of Fame: A Century of Historic Bears„, das zwar vergriffen, aber leicht antiquarisch zu bekommen ist.

Newby Hall & Gardens
Ripon
North Yorkshire HG4 5AE

Published in: on 14. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Malcolm McLaren auf dem Londoner Highgate Cemetery

Malcolm McLaren (1946-2010) war laut Wikpedia „ein britischer Künstler, Modemacher, Designer, Musikmanager und Musiker“, sicher eine der schillerndsten Figuren im Musikbusiness seines Landes. Er war Manager der New York Dolls, von Adam and the Ants und den Sex Pistols. Er experimentierte mit allen möglichen Musikstilen, die er miteinander verwob und war einer der führenden Musiker der Punkbewegung. McLaren bzw. die von ihm gemanagten Bands provozierten gern und fielen immer wieder durch ihre mit Skandalen verbundenen Auftritte auf. Mein Lieblingssong von ihm: „Waltz Darling“ aus dem Jahr 1989.

Am 8. April 2010 starb Malcom McLaren in der Schweiz an einer seltenen Form von Lungenkrebs. Die Trauerfeier für ihn wurde in der Holy Trinity Church in Marylebone abgehalten, einer ehemaligen anglikanischen Kirche, in Anwesenheit vieler, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet hatten wie seine geschiedene Frau Vivienne Westwood, Bob Geldof, Tracey Emin und Adam Ant. Gespielt wurde dabei „My Way“ in der Interpretation des ehemaligen Sex Pistols-Sängers Sid Vicious, der schon 1979 gestorben war. Auf McLarens Sarg stand geschrieben: „Too fast to live, too young to die„. Hier sind Bilder vom Trauerzug.

Nach der Trauerfeier wurden seine sterblichen Überreste zum Highgate Cemetery überführt, jenem Londoner Gegenstück zum Pariser Père Lachaise. Knapp hundert Meter vom Grab von Karl Marx entfernt, fand Malcolm McLaren seine letzte Ruhe. Sein aus schwarzem Granit geformter Grabstein schmückt seine Totenmaske, die von dem Bildhauer Nick Reynolds geschaffen wurde, dem Sohn des Eisenbahnräubers Bruce Reynolds, der als Mastermind 1963 den Großen Postzugraub beging und dessen Grab ebenfalls auf dem Highgate Cemetery zu finden ist. Nick Reynolds hat sich auf die Anfertigung von Totenmasken spezialisiert, so fertigte er u.a. auch die des berühmt-berüchtigten Einbrechers George „Taters“ Chatham an, der 1997 starb.
Ferner finden wir auf Malcolm McLarens Grabstein die Inschrift „Better a spectacular failure, than a benign success“ und seine Initialen MM.

Übrigens wurde 2016 auch der Sänger George Michael auf dem Highgate Cemetery begraben, aber in einem Bereich, der für Besucher nicht zugänglich ist.

Die Holy Trinity Church in Marylebone, wo die Trauerfeier für Malcolm McLaren stattfand.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das erste Cliveden Literary Festival am 14. und 15. Oktober 2017

Cliveden und der Clock Tower.
Eigenes Foto.

Über das phantastische Cliveden Hotel bei Taplow in Berkshire habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, auch über Natalie Livingstones Buch „The Mistresses of Cliveden„, in dem sie über die Frauen schreibt, die eng mit dem historischen Haus verbunden waren. Natalie Livingstone, Ehefrau des gegenwärtigen Hotelbesitzers Ian Livingstone, hat jetzt ein erstes Literaturfestival organisiert, das in Cliveden am 14. und 15. Oktober stattfinden wird. Geschichte und Politik sind das hauptsächliche Thema des Cliveden Literary Festivals und viele wichtige historische und politische Ereignisse haben sich hier auch abgespielt. Winston Churchill, Neville Chamberlain, Lord Halifax und viele andere Politiker gingen in dem Landsitz der Astors ein und aus, aber auch viele Literaten wie George Bernard Shaw, Rudyard Kipling und vorher Jonathan Swift und Alfred Tennyson waren hier häufig zu Besuch; also der ideale Platz für dieses geplante Festival.

Zu den geladenen Gästen zählen u.a.:
Antonia Fraser, die viele historische Bücher geschrieben hat, zum Beispiel über Mary Queen of Scots, Oliver Cromwell und Charles II.

Sebastian Faulks, dessen Romane regelmäßig auf den britischen Bestsellerlisten zu finden sind und von denen auch einige ins Deutsche übersetzt wurden.

Robert Harris, bekanntgeworden durch seine Romane „Fatherland“ (dt. „Vaterland“) und „Enigma“ (dt. „Enigma“).

Ian McEwan, ein weiterer mit vielen Preisen ausgezeichneter Bestsellerautor. Sein letzter Roman hieß „Nutshell“ (dt. „Nussschale“).

An zwei Schauplätzen werden an den beiden Oktobertagen die Veranstaltungen stattfinden, in der Great Hall, einem wunderschönen Raum (s. dazu meinen Blogeintrag) und einem Festzelt, das neben dem Clock Tower errichtet wird.

Die Themen, die auf der Tagesordnung stehen, heißen beispielsweise „Russia 1917-2017: From Tsars and Lenin to Putin and Trump“, „Topsy –turvy politics and the new world order: A look at Brexit and what’s nexitund „A very Cliveden topic: politics, sex and scandal“.

Die Bücher der anwesenden Autoren können auf einem Stand erworben werden, der von der Londoner Buchhandlung John Sandoe betrieben wird.

Der Erfolg dieses ersten Literaturfestivals in Cliveden wird zeigen, ob weitere folgen werden.

Neben dem Clock Tower wird ein „Marquee“ aufgestellt werden.
Eigenes Foto.

Published in: on 12. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Alfred Hitchcock-Mosaike in der U-Bahnstation von Leytonstone in London

Alfred Hitchcock als Kind vor dem Laden seines Vaters in der Leytonstone High Road.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Leytonstone ist ein östlicher Stadtteil von London, der von der A12 und der High Road durchzogen wird. In der Hausnummer 517 der High Road erblickte am Sonntag, dem 13. August 1899 Alfred Hitchcock das Licht der Welt. Über dem Lebensmittelladen seiner Eltern wurde ein Kind geboren, das später einmal zu einem Inbegriff des Filmthrillers werden sollte. Das Haus existiert heute nicht mehr, es wurde in den 1980er Jahren abgerissen. An der Stelle steht jetzt eine Jet-Tankstelle, an der eine blaue Plakette angebracht ist, die an Hitch erinnert. Hier findet man auch gegenüber der Tankstelle auf der gleichen Straßenseite ein Haus, das von Mateusz Odrobny und Anna Mill mit Motiven aus Hitchcocks Film „Die Vögel“ bemalt wurde.

Man ist auch heute noch stolz in Leytonstone auf seinen großen Sohn und so verewigte man ihn mit einer Serie von Mosaiken in der örtlichen U-Bahnstation. Die Hitchcock Gallery wurde am 3. Mai 2001 eröffnet und besteht aus 17 Mosaiken mit Motiven aus seinen berühmten Filmen. Der London Borough of Waltham Forest organisierte das Projekt, das von Mitgliedern des Greenwich Mural Workshops ausgeführt wurde. Die Künstler benötigten für die Ausführung sieben Monate und verwendeten für die Mosaike 80 000 Kacheln. Neben den Filmmotiven zeigen drei Szenen Bilder von Hitchcock selbst, einmal als Kind auf einem Pferd vor dem Laden seines Vaters, einmal bei der Arbeit als Regisseur und einmal zusammen mit Marlene Dietrich. Die Filmmotive zeigen Szenen aus seinen Filmen (hier nur einige Beispiele) „Rear Window“ (dt. „Das Fenster zum Hof“), „Psycho“ (dt. „Psycho“), „North by Northwest“ (dt. „Der unsichtbare Dritte“) und „To Catch a Thief“ (dt. „Über den Dächern von Nizza“).

Die Leytonstone Tube Station liegt an der Central Line, der Eingang ist am Church Lane.

Hier ist ein Song über Alfred Hitchcock und die Mosaike von Leytonstone.

„Rear Window“ oder „Das Fenster zum Hof“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„Psycho“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„North by Northwest“ oder „Der unsichtbare Dritte“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

„To Catch a Thief“ oder „Über den Dächern von Nizza“.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Top Five der beliebtesten britischen Seebäder

Salcombe in Devon.
Photo © Shaun Ferguson (cc-by-sa/2.0)

Die Firma McCarthy & Stone in Bournemouth hat kürzlich eine Umfrage nach den beliebtesten Seebädern Großbritanniens durchgeführt; hier sind die Ergebnisse (die ersten zehn liegen alle in England):

Platz 1: Salcombe im Süden der Grafschaft Devon. Die knapp 2000 Einwohner große Stadt hat eine idyllische Lage am Kingsbridge Estuary. Die beliebtesten Strände heißen hier Sunny Cove, South Sands und North Sands. In der Saison kann es in den engen Straßen sehr voll werden und einen Parklplatz zu finden, ist ein Glücksspiel. Viele Prominente haben sich in Salcombe niedergelassen und erfreuen sich der Annehmlichkeiten, die die kleine Stadt zu bieten hat. Die Modemarke Jack Wills wurde hier 1999 in der Fore Street gegründet.

Platz 2: Weymouth in Dorset. Der Weymouth Beach wurde vom Trip Advisor als bester Strand Großbritanniens gekürt; auch der Hafen ist bei Touristen sehr beliebt. Eine Attraktion ist der 53m hohe Jurassic Skyline Tower am Festival Pier. Der Schriftsteller John Cowper Powys schrieb einen Roman über die Stadt, der 1934 veröffentlicht wurde und den Titel „Weymouth Sands“ trug (dt. „Der Strand von Weymouth“).

Platz 3: Whitby in North Yorkshire. Mein persönlicher Favorit (über den ich in meinem Blog schon mehrfach schrieb). Die kleine Hafenstadt unterhalb der Ruinen der Whitby Abbey ist absolut empfehlenswert, und die 199 Stufen zur Abtei und zur St Mary’s Church sollte man auf jeden Fall in Angriff nehmen. Whitby diente als Inspiration für Bram Stokers Vampirroman „Dracula“ und die Karriere des Seefahrers James Cook nahm hier seinen Anfang.

Top 4: St Ives in Cornwall. Die Stadt mit dem besonderen Licht lockte und lockt noch immer Künstler an (sofern sie es sich leisten können, hier ein Haus zu kaufen oder zu mieten, denn die Preise sind exorbitant). Strände gibt es in St Ives in Hülle und Fülle. Für an Kunst interessierte Besucher empfehlen sich Tate St Ives und das Barbara Hepworth Museum and Sculpture Garden.

Platz 5: Bamburgh in Northumberland. Hoch im Norden liegt das kleine Dorf Bamburgh, das von der gleichnamigen Burg beherrscht wird. Lange Strände und die Bamburgh Dunes locken im Sommer viele Touristen an. Grace Horsley Darling ist eine im Ort noch heute verehrte Heldin, die 1838 Schiffbrüchigen das Leben rettete und deren Erinnerung u.a. durch ein ihr gewidmetes Museum wachgehalten wird (ich berichtete in meinem Blog über sie).

Der Hafen von Weymouth.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die 199 Stufen hinauf zu den Ruinen der Whity Abbey.
Eigenes Foto.

St Ives in Cornwall.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Bamburgh in Northumberland und seine Burg.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. September 2017 at 02:00  Comments (1)  

Fünf neue blaue Plaketten des English Heritage in London im Jahr 2017

Die nagelneue Plakette an dem Haus in der Brixton Road, in dem Charlie Chaplin einmal wohnte.
Author: Spudgun67.
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Über die blauen Plaketten an Londoner Hauswänden, die darauf hinweisen, dass hier einmal berühmte Persönlichkeiten gewohnt haben, schrieb ich schon einmal in meinem Blog. Über 900 dieser Hinweistafeln existieren bereits in London und ständig kommen neue dazu. Der English Heritage, der für die Vergabe zuständig ist, hat in diesem Jahr bereits für fünf weitere sein Einverständnis gegeben. Hier sind sie:

41 Tothill Street in Westminster. Hier erinnert eine der blauen Keramiktafeln an Stella Isaacs, Marchioness of Reading, Baroness Swanborough, oder kürzer Stella, Lady Reading. Die Inschrift lautet: „Stella Lady Reading 1894-1971 Founder of the Women’s Voluntary Services worked at its headquarters here 1938-1966“.

47 Crystal Palace Road in East Dulwich. Exakt dreißig Jahre nach seinem Tode ließ der English Heritage diese Plakette für Henry Cotton  an seinem Wohnhaus anbringen. Die Inschrift lautet: „Henry Cotton 1907-1987 Champion Golfer lived here“. Cotton war einer der berühmtesten englischen Golfer in der Geschichte des Sports, der sowohl durch seine vielen Turniersiege als auch durch seinen luxuriösen Lebensstil von sich reden machte.

15 Glenshaw Mansions, Brixton Road. Hier wohnte einmal Charlie Chaplin. Auf der Plakette ist zu lesen: „Charlie Chaplin 1889-1977 Actor and Filmmaker lived here in Flat 15 1908-1910“. Der Schauspieler zog hier ganz am Anfang seiner Karriere zusammen mit seinem Bruder Sydney ein. Der Comedian Paul Merton weihte die Plakette ein.

16 Cowley Street, Westminster. In diesem Haus wohnte einer größten englischen Schauspieler aller Zeiten, Sir John Gielgud, und das 31 Jahre lang. Die Inschrift der Plakette: „Sir John Gielgud 1904-2000 Actor and Director lived here 1945-1976“. Der homosexuelle Schauspieler lebte viele Jahre mit seinem Partner Martin Hensler in dieser ruhigen Nebenstraße.

42 Woodstock Road, Golders Green. In diesem hübschen Haus wohnte die schottische Frauenrechtlerin und Gewerkschafterin Mary Macarthur. Die Inschrift der Plakette: „Mary Macarthur 1880-1921 Trade Unionist and campaigner for working women lived and die here“.

Published in: on 9. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Free Independent Republic of Frestonia oder Wie sich eine Londoner Straße von Großbritannien lossagte

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Der zuständige Ausschuss der Vereinten Nationen in New York staunte nicht schlecht als er 1977 einen Antrag auf Mitgliedschaft von einem Staat erhielt, von dem noch nie jemand gehört hatte: The Free Independent Republic of Frestonia. Im gleichen Zuge fragte der Antragsteller auch nach, ob er gegebenenfalls Unterstützung von Blauhelmen bekommen könnte, da er sich vom Greater London Council (GLC) bedroht fühlte (die UNO hat nie auf den Antrag geantwortet).

Die Republic of Frestonia bestand aus Einwohnern der Freston Road im Londoner Borough of Hammersmith (heute Kensington and Chelsea), einer damals ziemlich heruntergekommenen Straße mit vielen baufälligen Häusern, die zum großen Teil von Squattern bewohnt wurden, einem bunten Völkchen von Musikern, Künstlern und verschiedenen anderen Zeitgenossen. Als der Greater London Council beschloss, das Gebiet zu sanieren und die Häuser abzureißen, gab es heftigen Widerstand seitens der Freston Road-Bewohner. Sie sagten sich kurzerhand von Großbritannien los und riefen einen neuen Staat aus. 94% der Bewohner sprachen sich bei einem Referendum für die neugegründete Republik und für den „Frexit“ aus. Gleichzeitig nahmen sie alle den Nachnamen Bramley an, denn sollte es zu einer Umsiedlung durch den GLC kommen, müssten sie dann alle gleichzeitig, sozusagen als eine Familie, umgesiedelt werden.

Der neue Staat gab eigene Briefmarken heraus, stempelte die Pässe der besuchenden Touristen ab und veröffentlichte die Zeitung The Tribal Messenger als Sprachrohr der „Regierung“, die aus den führenden Aktivisten der Frestonians bestand. Außenminister war zum Beispiel der kleinwüchsige Schauspieler David Rappaport (bzw. David Rappaport-Bramley), oben auf dem Foto zu sehen.

Man erreichte schließlich eine Einigung, die die neugegründete Bramleys Housing Co-operative mit dem Notting Hill Housing Trust erwirkte und die darin bestand, dass die Bewohner der Freston Road bleiben durften und die Häuser in „akzeptabler“ Form saniert wurden. Nicht jeder war damit einverstanden, denn das bedeutete den Verlust der Unabhängigkeit des Staates, einige zogen daraufhin weg, einige leben noch immer hier.

Robert Kerr drehte einen Film über „The Republic of Frestonia“, in der die Aktivisten der Bewegung zu Wort kommen und der hier zu sehen ist.

Der ehemalige Pub The Bramley Arms an der Ecke Freston Raod und Bramley Road.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Die People’s Hall in der Freston Road.
Author: Iridescenti.
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Mein Buchtipp – David Long: Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places

Foto meines Exemplares

Von dem produktiven Autor David Long habe ich an dieser Stelle schon mehrere Bücher vorgestellt, zuletzt „Lost Britain: An A-Z of Forgotten Landmarks and Lost Traditions„.
Mein heutiger Buchtipp lautet „Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places„, bereits 2007 erst bei Sutton Publishing, dann als Reprint bei The History Press erschienen, ein Ergänzungsband zu „Spectacular Vernacular: London’s 100 Most Extraordinary Buildings“, der ein Jahr zuvor veröffentlicht wurde. Beide Bücher sind noch lieferbar.

David Long beschäftigt sich in seinen Büchern gern mit dem Ungewöhnlichen und Exzentrischen, und so hat er in diesem Band 100 Londoner Bauwerke zusammengestellt, die in irgendeiner Weise aus dem Rahmen fallen und deren Geschichte selbst vielen Londonern nicht bekannt ist. „From ancient courtyards often hidden from view to the tangle of tunnels which run beneath the streets, it tells the strange stories of some genuine oddities„, so David Long im Vorwort. Hier sind einige Beispiele:

Das Broadcasting House der BBC am Portland Place mit der umstrittenen Skulptur Eric Gills.

Die Abbey Mills Pumping Station in Stratford, Joseph Bazalgettes Abwasser-Pumpwerk, das er in byzantinischem Stil gebaut hat und das auch The Cathedral of Sewage genannt wird.

Die Gaslaterne beim Savoy Hotel, die als letzte erhaltene dieser Art immer noch mit Methangas betrieben wird.

Die Burlington Arcade in Piccadilly, eine Einkaufsgalerie, in der Beadles noch immer darauf achten, dass hier nicht gepfiffen oder gerannt wird und niemand mit geöffnetem Regenschirm die Arkaden betritt.

Der Savoy Court vor dem gleichnamigen Hotel am Strand, die einzige Straße in Großbritannien, auf der Rechtsverkehr herrscht.

Zu jeder Beschreibung der 100 vorgestellten Gebäude wird ein großformatiges Schwarz-Weiß-Foto gegenübergestellt. Wieder ein interessantes Buch aus der Feder des Journalisten David Long.

David Long: Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places. The History Press 2008 (Reprint). 230 Seiten. ISBN 978-0-7509-4509-7.

 

Published in: on 7. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Black Hole in Winchester (Hampshire) – Ein Bed & Breakfast mit Gefängnischarakter

Wer sich in der Kathedralenstadt Winchester in Hampshire aufhält, eine Unterkunft sucht und auch schon immer einmal in einer Gefängniszelle übernachten möchte, für den kommt nur eine Adresse in Frage: The Black Hole auf dem Wharf Hill, nicht weit von der Kathedrale und dem Old Bishop’s Palace entfernt.

Das Bed & Breakfast mit zehn Zimmern war natürlich niemals ein Gefängnis gewesen, aber der Besitzer David Nicholson hat es sich als Thema für sein Haus ausgedacht. Erst im Jahr 2014 wurde das B&B errichtet, dort wo früher The Old Forge stand, die extra dafür abgerissen wurde. Eine Besonderheit der Zellen bzw. Zimmer sind die ausbruchsicheren Türen, auf der einen Seite aus massivem Holz, mit Eisenbeschlägen auf der anderen. Einige der Zimmer bieten einen Blick auf die Kathedrale, ganz oben auf dem Dach gibt es sogar eine kleine Terrasse. David Nicholson hat sich bei der Gestaltung des Black Holes so einiges ausgedacht, so verfügt eine der Zellen über eine Tapete mit Büchermuster, so dass man sich wie in einer Bibliothek fühlt. Das Frühstück wird auf Blechtellern serviert wie es sich für ein „Gefängnis B&B“ gehört.

Da im Black Hole kein Abendessen serviert wird, kann man gegenüber im The Black Rat (gleicher Besitzer) essen, wo zum Beispiel saisonabhängige Menüs angeboten werden, auch das in sehr spezieller Atmosphäre wie dieses Bild zeigt. Das Restaurant verfügt sogar über einen Michelin-Stern!

Nur wenige Schritte vom Black Hole entfernt trifft man auf den Black Boy (gleicher Besitzer), einen traditionellen Pub, der, wie sollte es anders sein, ebenfalls sehr exzentrisch eingerichtet ist (hier ein Beispiel). Eine Besonderheit des Pubs ist die Gin-Bar mit über 35 verschiedenen Sorten.

Und wen nach einem Abendessen in The Black Rat und einem Pint im Black Boy, vor der Übernachtung im The Black Hole noch nach einem Glas Wein gelüstet, der sollte das unbedingt in The Black Bottle (gleicher Besitzer) in der Bridge Street tun (nur wenige Gehminuten entfernt). Auch hier hat sich David Nicholson etwas Besonderes ausgedacht. Man zapft sich hier seinen Wein aus speziellen Automaten selbst und zwar über eine aufladbare Karte, auf die man soviel Geld laden kann wie man möchte. Diese Karte steckt man in den Automaten, nimmt sich ein Glas der gewünschten Größe, wählt den Wein…fertig. Dieses Foto zeigt einen der Automaten.

The Black Hole
Wharf Hill
Winchester SO23 9NQ

The Black Rat
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Black Boy.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Littledean Jail in Gloucestershire – Ein Museum, um das Zartbesaitete einen großen Bogen machen sollten

If easily offended, disturbed or of a sensitive nature…then please, do avoid visiting us here in Littledean Jail„, so steht es auf der Homepage eines Museums namens Littledean Jail im Forest of Dean in Gloucestershire zu lesen, das früher einmal ein Gefängnis war. Hinter den dicken Mauern, wo einst Verbrecher ihre Strafe absitzen mussten, hat man eine außergewöhnliche Sammlung zusammengetragen. „Freaks of nature, oddities, curiosities, the macabre and more„, so benennt das Museum den Inhalt der Sammlung und es ist so randvoll, dass kaum noch etwas hineinpasst. Man begegnet dort Serienmördern wie Fred und Rose West, die nicht weit entfernt in Gloucester mindestens zwölf junge Frauen ermordeten, trifft den Polizistenmörder Harry Roberts und den Faschistenführer Oswald Mosley. In einem Raum sind Ku Klux Klan-Roben zu sehen, in einem anderen ist die Schlinge ausgestellt, mit der John „Babbacombe“ Lee nicht gehängt werden konnte (ich berichtete in meinem Blog über ihn). Nachdem er fast über ein ausgestopftes Krokodil gestolpert ist, kann sich der Besucher über Uniformen aus der Nazizeit informieren und sieht schreckliche Bilder aus den Konzentrationslagern des Dritten Reichs.

Kaum hat man diese Schreckenskammern verlassen, wird man mit einer Sammlung von Spielzeugen konfrontiert, die wegen ihrer Grausamkeit nicht verkauft werden durften. In den nächsten Räumen trifft man auf zweiköpfige Kälber, ausgestopfte kopulierende Affen, Folterwerkzeuge, einen Hinrichtungsblock inklusive Axt, eine Badewanne aus dem KZ von Auschwitz, in dem Menschen gefoltert wurden, den abgeschlagenen Kopf eines Mordopfers, Polizeihelme und -abzeichen usw. usw.

Und dann gibt es hier noch eine Sonderausstellung über den Kultfilm „Quadrophenia“ zu sehen, der 1979 in die Kinos kam.

Was ich hier aufgezählt habe, ist nur ein winziger Bruchteil von dem, was im Littledean Jail gezeigt wird. Es ist sicher eines der ungewöhnlichsten und makabersten Museen, die in England zu finden sind. Verwundert es, dass hier auch regelmäßig nächtliche Ghost Hunts durchgeführt werden? Littledean Jail ist nämlich „terribly haunted“.
1974 wurde hier der Horrofilm „House of Whipcord“ gedreht.

Das Museum ist vom 1. April bis Ende Oktober von Donnerstag bis Sonntag geöffnet, jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt £10 für Erwachsene, £9 für Kinder. Es wird aber darauf hingewiesen, dass Kinder möglichst nicht mitgenommen werden sollen, was ich absolut nachvollziehen kann.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch das Museum.

Littledean Jail
Littledean, Nr. Cinderford
Royal Forest of Dean
Glos. GL14 3N

Published in: on 5. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Dotterel Roundabout – Ein hübsch angelegter Kreisverkehr an der A165 im Osten Yorkshires

Einem besonders schön angelegtem Kreisverkehr begegnet man, wenn man von Bridlington an der Ostküste von Yorkshire auf der A165 in Richtung Scarborough fährt. Dort, wo die B1229 dazustößt, liegt der Dotterel Roundabout, direkt daneben der Dotterel Pub. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob auf der Wiese inmitten des Kreisverkehrs einige Schafe grasen, bewacht von einem hochgewachsenen Schäfer und seinem Hütehund. Beim zweiten Hinsehen merkt man, dass sich das Ensemble nicht bewegt und wir es hier mit Skulpturen zu tun haben. Der regionale Künstler Ronald Falck aus Bridlington (sein Lehrmeister war der berühmte Henry Moore) hat die Figurengruppe The Dotterel Shepherd 2011 geschaffen; sie soll an das ländliche Erbe der Region erinnern. Fünf Schafe stehen hier beisammen und ein Lämmchen hält der Schäfer auf dem Arm. Die Figuren besten aus Fiberglas, das auf einen Metallrahmen aufgetragen worden ist.

£3,000 hat der Künstler an öffentlichen Geldern erhalten, den Rest hat er aus eigener Tasche bezahlt. Ich muss immer wieder sagen, man kann mit den Innenflächen der von mir so geschätzten Kreisverkehren mit etwas Fantasie und Geld so einiges anstellen, und ich freue mich, wenn ich auf kunstvoll gestaltete Roundabouts treffe.

Ronald Falck hat übrigens auch die Figur des Anchorman im Hafen von Bridlington erschaffen.

Published in: on 4. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Appleton Roebuck in North Yorkshire – Eines meiner Lieblingsdörfer im Norden Englands

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Hatton

Wir wohnten einmal für einige Zeit in dem kleinen hübschen Dorf  Bolton Percy, einige Kilometer von der Brauereistadt Tadcaster in North Yorkshire entfernt. Nur einige Fahrminuten von Bolton Percy findet sich ein weiteres idyllisches Dorf, namens Appleton Roebuck, in das wir häufig fuhren, um dort in The Shoulder of Mutton zu Abend zu essen. Ich habe mich sofort in den Ort verliebt, der besonders bei unseren Abendspaziergängen sehr anheimelnd wirkte, wenn kaum jemand auf der Straße anzutreffen war und überall in den Häusern die Fenster beleuchtet waren. Hier hätte ich auch gern gewohnt!

Appleton Roebuck liegt ca 15 km von York entfernt. Dort und wohl auch in Tadcaster arbeiten die meisten Bewohner, denn im Ort selbst gibt es nur wenig Arbeitsmöglichkeiten.

Der merkwürdige Name Appleton Roebuck stammt aus der Zeit der Angelsachsen, als hier eine Apfelplantage betrieben wurde. Diese gehörte im 14. Jahrhundert einem Mann namens Rabuk.

Der bereits erwähnte Pub The Shoulder of Mutton (es gibt noch einen weiteren Pub The Roebuck Inn in der Main Street) in der Chapel Green Lane am Village Green gelegen, ist einer meiner Lieblings-Pubs. Er verfügt über ein sehr gemütliches und ansprechendes Interieur und hat ein kleines Restaurant mit einer guten Küche, wo wir häufig gegessen haben. Ein richtiger Wohlfühl-Pub!

Vor vielen Jahren kauften wir einmal ein Bild eines Malers aus Appleton Roebuck namens Brian Cotterill, das eine Landschaftsszene vor der Kulisse der Stadt York zeigt. Leider habe ich von diesem Maler nie wieder etwas gehört.

The Green in Appleton Roebuck. – Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Hatton

Vor den Toren der Stadt York; ein Bild des Malers Brian Cotterill aus Appleton Roebuck. – Eigenes Foto.

Published in: on 3. September 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Skipton Sheep Day – Ein Festival der Schafe in North Yorkshire

Skipton ist eine hübsche Kleinstadt in North Yorkshire an der A59 am Südrand des Yorkshire Dales National Parks, gern auch „Sheep Town“ genannt. Die meisten Besucher kommen wegen des Skipton Castles in die Stadt, dessen Zugang über die High Street erfolgt. Ich habe Skipton als einen sehr lebhaften Ort erlebt, doch einmal im Jahr wird es hier richtig voll, nämlich am ersten Julisonntag, wenn der Sheep Day zelebriert wird; bei der letzten Veranstaltung in diesem Jahr kamen über 18 000 Besucher hierher. Wie der Name des Festes schon sagt, stehen an diesem Tag Schafe im Mittelpunkt des Geschehens.

Da werden zum Beispiel verschiedene Schafzüchtungen vorgestellt, es gibt Schafschervorführungen und ein Rennen der Vierbeiner über die High Street findet statt, das dann so aussieht. Sehr schön finde ich das „duck herding“, bei dem Enten mehr oder weniger freiwillig einen Parcours bewältigen müssen, mit freundlicher Unterstützung eines Hütehundes (hier ist ein Film darüber).

Es gab in diesem Jahr bei schönstem Wetter wieder ein umfangreiches Beiprogramm mit einem Streichelzoo, einer Lama-Show, Greifvögeln, Verkaufsbuden…und natürlich mit den unvermeidlichen Morris Dancers. Einen musikalischen Beitrag zu dem Sheep Day leistete die 14jährige vielversprechende Sängerin Niamh Mirfield, die aus Skipton kommt und im letzten Jahr mit ihrem „Can’t stand this anymore“ für Aufsehen sorgte.

Der nächste Sheep Day findet am 1. Juli 2018 statt.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die „haunted Sheep Street“.

Natürlich gibt es in der „Sheep Town“ auch eine Sheep Street.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

…und einen Pub namens The Woolly Sheep Inn in der Sheep Street.
Photo © Kenneth Allen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. September 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Victoria Arms bei Old Marston in Oxfordshire

The Victoria Arms bei Old Marston in Oxfordshire ist einer jener hübschen Ausflugs-Pubs im Umkreis der Universitätsstadt Oxford. Er ist idyllisch gelegen am River Cherwell mit einem Biergarten, der sich bis zum Fluss zieht. Zu erreichen ist The Victoria Arms über eine schmale Zufahrtsstraße, die vom Mill Lane in Old Marston abzweigt. Das Zentrum Oxfords ist nicht weit entfernt, aber ein direkte Zugang von dort ist nicht möglich, weil der Fluss dazwischen liegt. Früher gab es hier einmal eine Mini-Fußgängerfähre, die ihren Betrieb aber schon lange eingestellt hat; daher hieß der Pub früher auch The Ferry Inn. Manche Gäste kommen nicht mit dem Auto, sondern per Punt, einem jener für Oxford so typischen Stechkähnen.
The Victoria Arms ist ein Wadworth-Pub, das heißt hier werden in erster Linie Biere der Wadworth Brewery aus Devizes in Wiltshire gezapft.

Der historische Pub diente mehrer Male als Drehort für die TV-Krimiserien „Inspector Morse“ und „Lewis„. Die letzte Folge der in Deutschland so sträflich vernachlässigten Fernsehserie „Inspector Morse“ (es wurden nur wenige Folgen gesendet), die nach den Romanen von Colin Dexter gedreht wurde, hieß „The Remorseful Day“ und hier gibt es gegen Ende der Folge vielleicht eine der beeindruckendsten Szenen überhaupt, sie wurde im Biergarten des Victoria Arms gefilmt. Morse und sein Detective Sergeant Lewis sitzen bei Sonnenuntergang an einem Tisch und trinken ein Bier. Der ergraute Inspector ahnt, dass sein Leben zu Ende geht. Er zitiert ein Gedicht von Alfred Edward Housman:
„Ensanguining the skies
How heavily it dies
Into the west away;
Past touch and sight and sound
Not further to be found,
How hopeless under ground
Falls the remorseful day.“

Kurz darauf erliegt Morse einem Herzinfarkt.

In diesem Film ist die Szene (ab 5:30 Minuten) zu sehen; auch der Pub wird hier näher vorgestellt.

In der Spin-Off-Serie „Lewis“ (2006-2015), in der der zum Detective Inspector beförderte Sidekick von Morse weiterhin Kriminalfälle in Oxford und Umgebung löst, ist dieser mehrere Male im Victoria Arms zu sehen, an seiner Seite Detective Sergeant James Hathaway; so in Episode 4 „Expiation“ (dt. „Späte Sühne“), Episode 10 „The Quality of Mercy“ (dt. „Mörder in eigener Regie“) und in Episode 16 „Falling Darkness“ (dt.“Die Geister, die ich rief“). Am Ende der siebten Staffel, in der Episode „Intelligent Design“ (dt. „Forschungsopfer“), die eigentlich den Schluss der Serie bilden sollte, sehen wir Lewis und Hathaway in einer ähnlichen Konstellation wie Morse and Lewis in „The Remorseful Day“. Sie sitzen im Biergarten des Victoria Arms, Lewis geht in den Ruhestand und Hathaway wird zum Detective Inspector befördert; auch das ist eine sehr emotionale Szene.
Doch es folgten noch zwei weitere Staffeln. Mit Episode 33 „What Lies Tangled“ (dt. „Mord per Post“) war dann Ende 2015 endgültig Schluss.

Vielleicht sehen wir ja eines Tages in einer weiteren Spin-Off-Serie von „Inspector Morse“, die den Titel „Endeavour“ trägt und die die  Anfangsjahre des jungen Morse in Oxford zeigt, den Pub The Victoria Arms wieder.