The Free Independent Republic of Frestonia oder Wie sich eine Londoner Straße von Großbritannien lossagte

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Der zuständige Ausschuss der Vereinten Nationen in New York staunte nicht schlecht als er 1977 einen Antrag auf Mitgliedschaft von einem Staat erhielt, von dem noch nie jemand gehört hatte: The Free Independent Republic of Frestonia. Im gleichen Zuge fragte der Antragsteller auch nach, ob er gegebenenfalls Unterstützung von Blauhelmen bekommen könnte, da er sich vom Greater London Council (GLC) bedroht fühlte (die UNO hat nie auf den Antrag geantwortet).

Die Republic of Frestonia bestand aus Einwohnern der Freston Road im Londoner Borough of Hammersmith (heute Kensington and Chelsea), einer damals ziemlich heruntergekommenen Straße mit vielen baufälligen Häusern, die zum großen Teil von Squattern bewohnt wurden, einem bunten Völkchen von Musikern, Künstlern und verschiedenen anderen Zeitgenossen. Als der Greater London Council beschloss, das Gebiet zu sanieren und die Häuser abzureißen, gab es heftigen Widerstand seitens der Freston Road-Bewohner. Sie sagten sich kurzerhand von Großbritannien los und riefen einen neuen Staat aus. 94% der Bewohner sprachen sich bei einem Referendum für die neugegründete Republik und für den „Frexit“ aus. Gleichzeitig nahmen sie alle den Nachnamen Bramley an, denn sollte es zu einer Umsiedlung durch den GLC kommen, müssten sie dann alle gleichzeitig, sozusagen als eine Familie, umgesiedelt werden.

Der neue Staat gab eigene Briefmarken heraus, stempelte die Pässe der besuchenden Touristen ab und veröffentlichte die Zeitung The Tribal Messenger als Sprachrohr der „Regierung“, die aus den führenden Aktivisten der Frestonians bestand. Außenminister war zum Beispiel der kleinwüchsige Schauspieler David Rappaport (bzw. David Rappaport-Bramley), oben auf dem Foto zu sehen.

Man erreichte schließlich eine Einigung, die die neugegründete Bramleys Housing Co-operative mit dem Notting Hill Housing Trust erwirkte und die darin bestand, dass die Bewohner der Freston Road bleiben durften und die Häuser in „akzeptabler“ Form saniert wurden. Nicht jeder war damit einverstanden, denn das bedeutete den Verlust der Unabhängigkeit des Staates, einige zogen daraufhin weg, einige leben noch immer hier.

Robert Kerr drehte einen Film über „The Republic of Frestonia“, in der die Aktivisten der Bewegung zu Wort kommen und der hier zu sehen ist.

Der ehemalige Pub The Bramley Arms an der Ecke Freston Raod und Bramley Road.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Die People’s Hall in der Freston Road.
Author: Iridescenti.
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