The Ceremony of Quit Rents – Eine uralte, skurrile Tradition, die alljährlich in London zum Tragen kommt

Die Londoner Royal Courts of Justice, wo alljährlich The Ceremony of Quit Rents stattfindet.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Jeden Herbst zwischen dem 11. Oktober und dem 11. November wird in London in den Royal Courts of Justice eine Tradition ausgeübt, The Ceremony of Quit Rents, die bis in das Jahr 1211 zurückreicht und die so skurril ist, dass sie wohl auch nur in England möglich ist. Die City of London bezahlt an diesem Herbsttag der Krone eine Pacht für zwei Grundstücke, von denen keiner genau weiß, wo die überhaupt genau liegen. Eines davon nennt sich „The Moors“ und soll sich irgendwo südlich von Bridgnorth in der Grafschaft Shropshire befinden. Ein gewisser Nicholas de Morrs hatte damals im 13. Jahrhundert das Land gepachtet, und er bezahlte die Pacht nicht mit Geld,  sondern mit zwei Messern, von denen das eine sehr scharf und das andere stumpf war. Im Laufe der Jahrhunderte ging die Pacht an die City of London über, die bis zum heutigen Tag mit gleicher Münze, sprich mit zwei Messern, bezahlt. In den Royal Courts of Justice nimmt der Queen’s Remembrancer ( „das älteste juristische Amt mit fortgesetzter Existenz“, so die Wikipedia) die beiden Gegenstände entgegen. Im Oktober 2014 ernannte die Queen Barbara Janet Fontaine zum Remembrancer, die erste Frau, die diesen Posten innehat. Ihre Aufgabe bei der Ceremony of Quit Rents ist es, die beiden Messer zu testen, indem sie an einem Haselzweig mit dem scharfen Messer einen Einschnitt vornimmt und mit dem stumpfen eine Markierung hineindrückt. Wenn das alles zur Zufriedenheit des Queen’s Remembrancer ausgefallen ist, sagt er bzw. jetzt sie „Good Service„.

Und dann gibt es ja noch ein zweites Grundstück, für das die City of London Pacht bezahlt. Dabei soll es sich um eine Londoner Schmiede gehandelt haben, die in der Tweezer’s Alley lag, einer kleinen Gasse in der Nähe der Straße Strand. Der Schmied, Walter Le Brun, zahlte damals im 13. Jahrhundert seine Pacht mit sechs Hufeisen und 61 Hufnägeln. Bei der Ceremony of Quit Rents nimmt der Queen’s Remembrancer heute die gleiche Zahl der Eisen und Nägel entgegen und überprüft die Vollzähligkeit. Wenn auch das alles in Ordnung ist, sagt er/sie „Good Number„, womit die Zermenonie beendet ist (Hufeisen und Hufnägel werden dann wieder an die City of London zurückgegeben, damit sie im nächsten Jahr wieder verwendet werden können).
Wenn das keine skurrile Tradition ist…

Die Tweezer’s Alley in London, zwischen Strand und Victoria Embankment, wo einmal die Schmiede gestanden haben soll.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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