Ungewöhnliche Unterkünfte in London Teil 2 – „A Room for London“ auf dem Dach der Queen Elizabeth Hall

Die 1967 eröffnete Queen Elizabeth Hall im Londoner Southbank Centre ist architektonisch gesehen kein wahrer Genuss. Das Konzertsaalgebäude wurde im damals so weit verbreiteteten Stil des Brutalismus erbaut und gehört zu den hässlichsten Gebäuden an der Themse. Zurzeit ist die Queen Elizabeth Hall wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und soll im Laufe des Jahres 2018 wieder eröffnet werden.

Auf dem Dach des Gebäudes ist ein Schiff zu sehen, das ein Stück über die Kante hinausragt, und das dem Dampfschiff „Roi des Belges“ nachempfunden ist, das Ende des 19. Jahrhunderts den Kongo befuhr. Es inspirierte den Schriftsteller Joseph Conrad zu seiner Erzählung  „Heart of Darkness“ (dt. „Herz der Finsternis“), die 1899 erschien. 2012, das Jahr, in dem in London die Olympischen Spiele stattfanden und in dem die Queen ihr diamantenes Thronjubiläum feierte, kreierten der Architekt David Kohn und die Künstlerin Fiona Banner dieses luftige „Hotelschiff“, das sie komplett neu erbauen ließen wie dieser Film im Zeitraffer zeigt und das sie „A Room for London“ nannten. Künstler und Musiker sollten dort oben in Muße schreiben oder komponieren und sich von der einzigartigen Kulisse inspirieren lassen. So wohnten hier schon so bekannte Musiker wie David Byrne, der die Talking Heads gründete, und Jarvis Cocker von der Rockband Pulp. An Schriftstellern zogen Jeanette Winterson, Michael Ondaatje und Colm Tóibín in „A Room for London“ ein.

Geplant war ursprünglich, das Schiff Ende des Jahres 2012 wieder vom Dach der Queen Elizabeth Hall herunterzuholen, aber „Roi des Belges“ war mittlerweile so populär geworden, dass man es erst einmal dort oben beließ. Jedermann konnte sich dafür bewerben, eine Nacht in dem Schiffszimmer mit der großartigen Aussicht zu verbringen, was £300 für zwei Personen kostete. Wenn man wollte, konnte man sich in der Küche sein Essen selbst zubereiten, es war alles vorhanden, was die Übernachtungsgäste benötigten.
Ich habe die letzten Sätze in der Vergangenheitsform geschrieben, denn momentan steht „A Room for London“ nicht zur Verfügung. Wie es mit ihm weitergeht, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich wird das Schiff irgendwo in London einen neuen Ankerplatz finden, von dem aus man einen ähnlich schönen Blick auf die Stadt haben wird.

Published in: on 28. Oktober 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: