The Dreadnought Hoax oder Wie sich eine Schiffsbesatzung einmal aufs Eis führen ließ

HMS Dreadnought.
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Ein Prankster ist jemand, der es liebt anderen Leuten Streiche zu spielen und sich dabei köstlich zu amüsieren. Einer, der sein Handwerk darauf verstand, war der irische Dichter Horace de Vere Cole (1881-1936). Vor ihm war niemand sicher  und seine bevorzugten Opfer waren Politiker, Geschäftsleute und hohe Militärs. Schon während seiner Studentenzeit in Cambridge machte er durch seinen Sultan of Zanzibar-Streich von sich reden, als er sich für diesen ausgab. Sein berühmtester „prank“ aber war der Dreadnought Hoax, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist, auch weil daran eine 28jährige Dame teilnahm, die später als Virginia Woolf weltweit bekannt wurde (damals hieß sie noch Virginia Stephen). Auch Virginias jüngerer Bruder Adrian, der den Streich mit Horace ausheckte, hatte viel Spaß daran.

Die HMS Dreadnought war ein Kriegsschiff der königlichen Marine, deren Besatzung in freundschaftlicher Konkurrenz mit den Seeleuten der HMS Hawke lag und von letzteren kam dann auch der Anstoß dazu, den Dreadnought-Leuten einen Streich zu spielen. Am 7. Februar  1910 begann alles damit, dass der Kapitän der HMS Dreadnought, die gerade im Hafen von Portland in Dorset lag, ein Telegramm (angeblich vom Außenministerium abgeschickt) erhielt, das den kurzfristigen Besuch einer Delegation von hochrangigen Prinzen aus Abessinien ankündigte (die aus Cole, Stephen & Co. bestand). Schnell kam dann auch die in Landeskleidung gehüllte und gut geschminkte Besuchergruppe an Bord des Kriegsschiffs, wo sie mit der Nationalhymne von Sansibar begrüßt wurde, denn die abessinische Hymne kannte niemand und die Delegation nahm daran auch keinen Anstoß. Die Prinzen besichtigten das Schiff und brachen immer wieder in Rufe der Begeisterung aus („Bunga, Bunga“). Sie waren derart gut verkleidet, dass der Schiffskommandant seinen Cousin Adrian und seine Cousine Virginia nicht erkannte. Nach einigem Firlefanz, den die Besucher noch an Bord veranstalteten, verließen sie die HMS Dreadnought wieder.

Um den Spaß in Gänze auszukosten, informierte Horace die Presse über den „prank“, die natürlich genüsslich darüber berichtete. Die Navy war nicht sehr amüsiert, aber ein Versuch, den Urheber des Streichs zur Rechenschaft zu ziehen, misslang, denn niemand hatte ein Gesetz gebrochen. Als symbolische Strafe erhielten die „Prankster“ einen sanften Schlag mit einem Stock auf den Po (ausgenommen Virginia Stephen!)  Die Matrosen der HMS Dreadnought wurden bei ihren Landgängen mit „Bunga, Bunga“-Rufen begrüßt, und ihre Kollegen von der HMS Hawke freuten sich besonders über den gelungenen Streich.

Horace de Vere Cole sollte in seinem Leben noch viele weitere Schabernacke ausführen, so verteilte er auf seiner Hochzeitsreise nach Venedig auf dem Markusplatz heimlich Pferdeäpfel, die dort natürlich nicht sein konnten, denn in der Lagunenstadt gab es keine Pferde. Ganz witzig finde ich auch seine Idee, eine Party zu veranstalten, bei der die geladenen Gäste im Lauf des Abends feststellten, dass sie alle das Wort „bottom“ in ihren Nachnamen führten. Long live the British (and Irish) eccentrics!!

Hier ist die Geschichte noch einmal im Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole. Black Spring 2010. 310 Seiten. ISBN  978-0948238437.

 

Published in: on 8. Dezember 2017 at 02:00  Comments (3)  
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