The Wrekin Barrel Race – Eine Strapaze für harte Männer und Frauen in Shropshire

Hier an der Old Rifle Range beginnt das Wrekin Barrel Race…
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

Was tun sich so manche Engländer und Engländerinnen an? Da rennt man beim Cheese Rolling am Cooper’s Hill in Gloucestershire auf einem extrem steilen Hang einem Käselaib hinterher; bei den Tetbury Woolsack Races, ebenfalls in Gloucestershire, werden schwere Wollsäcke eine Straße hinaufgeschleppt, in Gawthorpe in West Yorkshire bei den World Coal Carrying Championships sind das mit Kohle gefüllte Säcke und bei den UK Wife Carrying Championships in Dorking in Surrey trägt Mann/man seine Frau über eine bestimmte Distanz.

Ein ähnlicher Wettbewerb fand bis zum Jahr 2013 in der Grafschaft Shropshire statt: The Wrekin Barrel Race. Der Wrekin (hier ist ein sehr schöner Film) ist ein Hügelzug östlich von Shrewsbury, dessen Gipfel eine Höhe von 407 Metern erreicht. Nicht der Rede wert, könnte man sagen; ja, das ist schon richtig, aber wenn man diesen Gipfel mit einem 40 Kilogramm schweren Fass erklimmen soll, sieht das schon ganz anders.

Das Fass-Rennen erinnert an die Wrekin Wakes, ein Fest, das oben auf dem Hügel im 19. Jahrhundert gefeiert wurde und bei dem Bier in Strömen floss, das natürlich erst einmal in Fässern hochgebracht werden musste. Da waren Männer mit Muskeln gefragt und die braucht man auch heute noch, um die schweren mit Wasser gefüllten „barrels“ auf den Gipfel zu transportieren.

Der Start des Wrekin Barrel Race ist das Gelände der ehemaligen Schießanlage am Fuß der Hügel und das Ziel das Heaven Gate oben am Gipfel; das sind über zwei Kilometer mit einem Höhenunterschied von rund dreihundert Metern. Das Rennen wird in vier Kategorien ausgetragen:

– Vier Personen tragen das Fass (der Rekord steht bei etwas über einundzwanzig Minuten)
– Ein einzelner muss die Strecke bewältigen (der Rekord liegt bei rund dreißig Minuten)
– Vier Frauen versuchen sich an einem leeren Fass, was frau bisher in achtzehn Minuten und sechsundzwanzig Sekunden schaffte.
– Und schließlich die Königsdisziplin, die Fancy Dress Challenge, wobei ein leeres Fass von einem beliebig zusammengestellten Team nach oben gebracht werden muss, allerdings in irgendeiner verrückten Kleidung.

Ich schrieb oben, dass das Wrekin Barrel Race bis 2013 stattfand. Ja, man pausiert seitdem, weil es mit der Organisation Probleme gibt, aber man arbeitet daran, das Rennen erneut auf die Beine zu stellen.

Hier ist ein Film von einem Barrel Race, bei dem einzelne muskelbepackte Männer die Strapaze auf sich nehmen.

…und hier am Heaven Gate ist das Ziel.
Photo © J Scott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 31. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Old Queen Street – Das Londoner ZDF-Studio und einige seiner Nachbarn

Seit 2015 ist Diana Zimmermann Leiterin des ZDF-Studios in London; sie übernahm den Posten von Susanne Gelhard. Das Studio befindet sich in der Nummer 30 der Old Queen Street in Westminster, also sehr zentral gelegen. Die Parlamentsgebäude liegen gleich um die Ecke, ebenso der Buckingham Palace. In dem Studio werden die Programme produziert, die in den „Heute“-Nachrichten oder in „Heute in Europa“ gesendet werden. Neben Diana Zimmermann arbeiten zurzeit als Redakteure Dr. Yacin Hehrlein und Andreas Stamm in London, früher waren es u.a. Patricia Schäfer (jetzt in Istanbul) und Thomas Walde (jetzt im Hauptstadtstudio in Berlin). Die Beiträge, die hier in der Old Queen Street hergestellt werden, waren und sind immer sehr interessant aufbereitet, und ich mag vor allem die kleinen Schnipsel aus dem täglichen Leben, die fast täglich in „Heute in Europa“ wochentags zwischen 16 Uhr und 16.10 Uhr zu sehen sind. Dieser Film über das ZDF-Studio ist zwar schon fast zehn Jahre alt, zeigt aber die Räumlichkeiten und die Arbeit hinter den Kulissen.

Das Haus Nummer 30 ist eines von mehreren nebeneinander liegenden Stadthäusern, die etwa in der Zeit von 1774 bis 1780 entstanden sind.

Wer sind denn nun die Nachbarn des ZDF-Studios in der Old Queen Street? Da sind in der Nummer 22, auf der gleichen Straßenseite, die Büroräume des „Spectator„, einer Zeitschrift für Politik und Kultur, die bereits 1828 gegründet wurde.

In der Nummer 1-7, ein Stückchen die Straße hinunter, findet man die National Crime Agency, eine Behörde, die erst 2013 gegründet worden ist, und die sich in erster Linie mit organisierter Kriminalität, Cybercrime und Menschen-, Waffen- und Drogenhandel beschäftigt.

In der Nummer 16 sind die Büroräume der Sara Eden Dating Agency, einer (seriösen) Partnerschaftsvermittlung, die jetzt schon seit dreißig Jahren besteht.

In der Old Queen Street sind auch zwei blaue Plaketten zu finden, neben den Hausnummern 9 und 11. An Richard Savage, 4th Earl Rivers (1660-1712) erinnert die Plakette neben der Haustür mit der Nummer 9 und weist daraufhin, dass besagter Earl, der Gouverneur des Tower of London war und in diesem Gebäude einmal gelebt hat.
Gleich daneben ist ein blaues Schild angebracht, das darüber informiert, dass dieses Gebäude in der William & Mary-Zeit, etwa um 1690 bis 1700, erbaut wurde und einmal Hauptquartier der Beaverbrook Foundation war („The Beaverbrook Foundation supports a variety of causes in the United Kingdom and Canada, including preserving heritage buildings and supporting charitable appeals“). Die Organisation ist jetzt in Mayfair in der Queen Street Nummer 3 angesiedelt.

Übrigens befindet sich das Londoner Studio der ARD im Stadtteil Fitzrovia am Midford Place 1-5.

Die Nummer 22 der Old Queen Street.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die National Crime Agency in den Hausnummern 1-7.
Author: Philafrenzy.
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Ein seltener Anblick, die verschneite Old Queen Street.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Charles Dickens und The Dog and Pot in Southwark (London)

Source and copyright: www.londonremembers.com

Der kleine Charles Dickens, der später einmal zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts werden sollte, hatte es nicht leicht. Sein Vater wurde in ein Gefängnis gesteckt, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte, und er selbst musste im Alter von zwölf Jahren in Warren’s Blacking Factory in London, die Schuhcreme herstellte, jeden Tag zehn Stunden arbeiten. Auf dem Weg dorthin kam er immer an Antony Walkers Eisenwarenladen vorbei, den eine ungewöhnliche Figur schmückte: Ein Hund, der einen Topf ausleckte. Manchmal sind es kleine Dinge, die ein ansonsten tristes Leben ein wenig aufhellen. Charles mochte den Hund. und ich könnte mir denken, dass er ihm auf dem Weg öfter einmal zugewinkt hat. Diese „Dog and Pot“ genannte Originalfigur existiert noch immer, allerdings nicht mehr hier an der Ecke Blackfriars Road und Union Street im Londoner Stadtteil Southwark, sondern im Cuming Museum in der Walworth Town Hall. Heute aber finden wir an dieser Stelle eine Replika , die oben an einem Pfahl angebracht ist und die an den Schriftsteller erinnern soll. Anlässlich seines 201. Geburtstages am 7. Februar 2013 wurde diese „Dog and Pot“-Replika eingeweiht und zwar von Charles Dickens‘ Ur-Urenkel Mark Dickens. Am Fuß des Pfahles befindet sich eine Plakette mit der Inschrift:

My usual way home was over Blackfriars Bridge and down that turning in the Blackfriars Road which has Rowland Hill’s chapel on one side, and the likeness of a golden dog licking a golden pot over a shop door on the other„, ein Auszug aus der Autobiografie des Schriftstellers. Daneben ist die Reproduktion eines eisernen viktorianischen „coal hole“ in den Boden eingelassen, auf dem ebenfalls der den Topf ausschleckende Hund abgebildet ist.

Mike Painter, ein Holzschnitzer und Bildhauer aus Warwickshire, hat die Figur angefertigt, nach dem Original im Cuming Museum.

Die Enthüllungszeremonie wurde von vielen Menschen begleitet, darunter auch von einigen in viktorianischen Kostümen. Schüler der Charles Dickens Primary School in Southwark sangen einige Lieder, darunter auch „How much is that doggie in the window?„.

 

Published in: on 29. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Carlton Tavern in Kilburn (London) – Abgerissen und wiederauferstanden

So sah der Pub einmal aus und so wird er bald wieder aussehen.
Photo © Alexander P Kapp (cc-by-sa/2.0)

Die Straße Carlton Vale zieht sich durch den nördlichen Londoner Stadtteil Kilburn. Es ist eine baumbestandene Wohnstraße, an deren östlichen Ende die Ausläufer des Paddington Recreation Grounds reichen, eine Freizeit- und Sportanlage und der größte Park der City of Westminster. In der Carlton Tavern in der Hausnummer 33 trafen sich seit den 1920er Jahren die Bewohner der umliegenden Gegend, um hier in Ruhe ein Bier zu trinken. Neben dem Pub wuchsen Palmen, so dass so etwas wie ein mediterranes Flair entstanden war.

Am 8. April 2015 trauten die Stammgäste der Carlton Tavern ihren Augen nicht, als sie sahen wie Abbruchmaschinen ihrem Lieblingspub zu Leibe rückten und ihn gnadenlos dem Erdboden gleich machten. Die Verantwortlichen hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, Einrichtungsgegenstände herauszuholen; Biergläser standen noch auf den Tischen. Es gab einen Grund für diese Nacht und Nebel-Aktion: Die Carlton Tavern sollte unter Denkmalschutz gestellt werden und die positive Entscheidung dafür stand kurz davor. Da wollten die israelischen Eigentümer des Gebäudes Fakten schaffen, denn sie planten auf dem Grundstück ein mehrstöckiges Wohnhaus zu bauen. Hier ist ein Film über den Abbruch des Pubs.

Nicht nur die Stammgäste des Pubs waren wütend über diese illegale Aktion, auch der zuständige Westminster City Council war empört und ließ sich das nicht gefallen. Die Friends of the Carlton Tavern gingen auf die Straße, um ihren Unmut freien Lauf zu lassen und forderten den Wiederaufbau ihres Pubs. Die israelischen Unternehmer hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die örtliche Verwaltung stoppte die geplanten Maßnahmen und forderte die Firma auf, den Pub genauso wieder aufzubauen wie er einmal war, „brick by brick„. Ein Einspruch gegen diese Anordnung misslang, und so wird voraussichtlich im August diesen Jahres die Carlton Tavern erneut ihre Pforten öffnen. Ich könnte mir denken, dass der Eröffnungstag zu einem großen Freudenfest hier in Kilburn werden wird.

Carlton Vale in Kilburn.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Drainspotters – Die Gullydeckel-Fans von der Insel

Hier ist gleich eine ganze Armada von Kanaldeckeln versammelt; gesehen in Westerham in Kent.
Eigenes Foto.

„Trainspotting“ hieß einmal ein sehr erfolgreicher Roman von Irving Welsh, der von Danny Boyle verfilmt wurde. Auf Bahnhöfen sieht man hin und wieder Trainspotter, die, mit Kamera und Notizbuch bewaffnet, die Nummern von Lokomotiven aufschreiben. Es gibt aber auch ein ähnlich klingendes Hobby, „Drainspotting„, das auch einige Anhänger hat. Für die Menschen, die diesem Hobby nachgehen, gibt es nichts Interessanteres als Gullydeckel. Für mich ist als Autofahrer ist der Begriff negativ belastet, denn ich finde, dass es in England erheblich mehr Gullydeckel gibt als in Deutschland. Man findet sie mitten auf den Straßen und am Straßenrand und ständig rumpelt man über diese unangenehmen, aber wohl notwendigen Eisengitter bzw. Eisenplatten hinweg.

Was ist denn nun das Besondere an diesen Dingern, die einige englische Zeitgenossen so fasziniert? Mir hat sich das bisher noch nicht erschlossen. Der prominenteste Drainspotter ist sicher der immer etwas schrullig wirkende Chef der Labour Party Jeremy Corbyn, dem es sehr viel Spaß macht, Gullydeckel zu fotografieren.

Archie Workman aus Ulverston in Cumbria ist ein Gullydeckel-Enthusiast. Wo immer er sich auch aufhält, er sucht nach zugewachsenen Abdeckungen, befreit sie von Unkraut und lässt sie wieder das Tageslicht erblicken. Archie hat schon einen Kalender mit Gullydeckel-Fotos herausgegeben (der erstaunlicherweise auf großes Interesse stieß), hält Vorträge im ganzen Land über sein Thema und möchte einmal ein Buch darüber schreiben.

Calvin Payne, The Sherlock of the Sewers, aus Sheffield in South Yorkshire verbringt ebenfalls einen Teil seines Lebens mit Gullydeckeln. Er fotografiert sie und beschäftigt sich mit ihrer Historie, denn viele von ihnen sind schon sehr alt und wurden in der Zeit von Queen Victoria hergestellt.

Bryan Gibson aus Bodmin in Cornwall hat schon Tausende von Kanaldeckeln fotografiert, aber ihm geht es in erster Linie um verstopfte Exemplare, denn es ärgert ihn, dass die zuständigen Behörden sich seiner Meinung nach nicht so besonders intensiv darum kümmern. So zieht er durch die Grafschaft, macht Fotos von den „friendless drains“ und markiert sie mit einem kleinen Gartenzwerg.

Ein Kanaldeckel in Bishopstone (Wiltshire), der die Wassermassen nicht mehr halten kann (vielleicht weil er verstopft ist).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Ein Gullydeckel in Cornwall, noch ohne Gartenzwerg.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Witchfest – Das weltweit größte Hexentreffen auf englischem Boden

Das Brighton Centre, wo das Witchfest 2017 stattfand.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

„Wann treffen wir wieder zusammen?“ dürften sich die Hexen, wie seinerzeit ihre Schwestern an der Brücke am Tay, nach Beendigung des letztjährigen Witchfests am 7. Oktober in Brighton gefragt habe, bevor sie ihre Besen auspackten, um wieder in alle Teile der Welt zurückzufliegen. Am 3. November 2018 in Reading in Berkshire lautete die Antwort; doch leider stimmt das nicht mehr, denn das Witchfest International 2018 wurde abgesagt. Einerseits gibt es da finanzielle Schwierigkeiten bei den Veranstaltern, The Children of Artemis, andererseits scheint das Interesse an dem alljährlichen Treffen nachgelassen zu haben, denn im Herbst 2017 machten sich 30% weniger Hexen auf den Weg nach Brighton als bei der Veranstaltung im Jahr zuvor. Gibt es da in Hexenkreisen Nachwuchsprobleme?

Das Witchfest ist das größte Hexentreffen weltweit und es findet immer auf englischem Boden statt. Getagt (oder heißt es bei den Hexen genächtigt?) wurde im Kongresszentrum des Seebades Brighton, dem Brighton Centre, dort, wo sich sonst gern die großen politischen Parteien ein Stelldichein geben (die Labour Party war ein paar Tage vor den Hexen hier zu Gast).

In mehreren Sälen und Räumen des Brighton Centres wurde im letzten Jahr ein buntes und breitangelegtes Programm angeboten. Da gab es bis in den späten Abend  u.a. Buchsignierungen von Autorinnen und Autoren, die sich mit esoterischen Themen auseinandergesetzt haben wie Yvonne Aburrow („Pagan Consent Culture“) und Barbara Meiklejohn-Free, The Higland Seer, („Divination of the Ancients“). Moira Hodgkinson stellte ihr Buch „Wild Women“ vor, es gab einen „Wand Workshop“ und einen „Face Art Workshop“, Flavia Kate Peters sprach über „Sea Witches & Siren Spells“, Jim Bennett über „Ancient Sex Magick“ und es gab passende Musik zum Beispiel von The Dolmen und Damh the Bard.

Die Veranstalter sind sich aber sicher, dass es im Jahr 2019 wieder ein Witchfest geben wird; bis dahin müssen sich die Hexen dieser Welt also noch etwas gedulden.

Hier sind Bilder von einem früheren Witchfest.

 

Published in: on 26. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Balderdash & Piffle – Eine sehr interessante Doku-Serie der BBC

Das Gebäude der Oxford University Press.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Bei „Balderdash & Piffle“ handelt es sich nicht um eine Comedy-Serie, bei der die Protagonisten diese merkwürdigen Namen tragen, sondern um eine aus zwei Staffeln bestehende Doku-Serie der BBC, die in den Jahren 2006 und 2007 gesendet wurde und alle jene angesprochen hat, die sich für das Thema Etymologie interessieren. Worum ging es in den 15 Folgen also?

Das Oxford English Dictionary (OED) ist ein monumentales Werk, dessen zweite Auflage aus zwanzig Bänden besteht, und dessen Ziel es ist „den gesamten englischen Wortschatz seit dem 9. Jahrhundert einschließlich aller bekannten Wortbedeutungen, -varianten und -verwendungen darzustellen“ (so die Wikipedia). Über 600 000 Wörter und Redewendungen sind bereits erfasst, und die Arbeit geht ständig weiter; natürlich existiert auch eine (gebührenpflichtige) Online-Ausgabe.

Nach Möglichkeit sind in dem von der Oxford University Press herausgegebenen Wörterbuch auch das Jahr der ersten Erwähnung der Wörter nachgewiesen, und hier setzt „Balderdash & Piffle“ (was beides soviel wie Quatsch und Unsinn bedeutet) an, herauszubekommen, ob bei einigen der im OED verzeichneten Wörter nicht doch noch eine frühere Fundstelle existiert. Klingt vielleicht nicht so spannend, ist es aber, denn die Serie wurde sehr unterhaltsam produziert. In jeder Folge wurde ein anderer Buchstabe in den Mittelpunkt gestellt, in der ersten zum Beispiel der Buchstabe „P“. Da ging es u.a. um den Ursprung der Wörter  „Pear-shaped“, „Polari“, „Pig“ und „“Ploughman’s Lunch“. Die Wörterjagd hatte in Folge 1 der Serie einen Erfolg: Der Ursprung des „Ploughman’s Lunch“ konnte weiter zurückverfolgt werden, als es das OED bisher nachgewiesen hatte. Über Erfolg bzw. Misserfolg der Wörterjagd entscheiden die Redakteure des OED.

Moderiert wurde die Sendung von Victoria Coren, die sich auch einen Namen als Buchautorin, Journalistin und Pokerspielerin gemacht hat. Ich finde, sie gestaltete die Moderation sehr charmant und amüsant.

Ich hatte damals im Jahr 2006 „Balderdash & Piffle“ in England gesehen und bin froh, dass man sich einige Folgen auch heute noch auf Youtube ansehen kann. Es lohnt sich wirklich!!! Hier ist zum Beispiel Folge 1.

Published in: on 25. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Downham Market in Norfolk

Downham Market in Norfolk ist mit rund 10 000 Einwohnern eher eine Kleinstadt als ein Dorf, so dass man hier eigentlich von einem „town sign“ als einem „village sign“ reden müsste. Wie auch immer, das Dorf/Stadtschild findet man dort, wo die High Street/London Road  und die Church Road zusammentreffen, am südlichen Ende des Ortes. Wie in einem Bilderrätsel kann man sich auf dem Schild die Geschichte von Downham Market zusammenreimen. Da sind erst einmal die beiden weißen Pferde ganz oben, die darauf hinweisen, dass hier einmal einer der größten Pferdemärkte Europas abgehalten wurde, die St Winnold’s Fair, die immer am 3. März stattfand. Noch heute wird mit einem Prozessionszug durch die Kleinstadt daran erinnert, in diesem Jahr am 18. März.

Zwischen den Pferden ist ein Wappenschild angebracht, das des Heiligen Edmunds, nach dem die Pfarrkirche benannt ist. Unterhalb des Schriftzuges „Downham Market“ ist auf der einen Seite ein Butterfass zu sehen, stellvertretend für die örtliche Butterproduktion, und auf der anderen Seite die Initialen „WI“ für das Women’s Institute des Ortes, das für das Schild verantwortlich zeichnet.

Oben bereits erwähnter St Winnold, ein Heiliger aus dem sechsten Jahrhundert, blickt dem Betrachter entgegen, wenn man den Ort in Richtung Süden verlässt. Der heilige Mann hält eine kleine Glocke in der Hand, mit der er der Legende nach, die Fische zum Füttern herbeirief, die neben ihm zu sehen sind.

Fährt man nach Downham Market hinein sieht man auf der anderen Seite des Dorfschildes ein Figurenpaar, das aus einer blau gekleideten Frau und einem jungen Mann besteht. Letzerer stellt den jungen Horatio Nelson dar, der hier zur Schule gegangen ist (an der Bridge Street findet sich an dem Haus mit der Nummer 17 eine grüne Plakette, die darauf hinweist). Das Spielzeugschiffchen vor ihm deutet auf seine spätere Karriere als Admiral hin. Die über ihm stehende Frau soll als Symbol der Weiblichkeit gelten und als Hinweis, wer das Schild gestaltet hat, nämlich das Women’s Institute.

 

Published in: on 24. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Antholin’s church spire in Sydenham (London) oder Was von einer Kirche übrigblieb

Nach dem Großen Brand von London im Jahr 1666 muss der berühmte Baumeister Sir Christopher Wren wohl Tag und Nacht nichts anderes getan haben als die vielen zerstörten Kirchen der Stadt wieder aufzubauen. Dazu gehörte auch die niedergebrannte Kirche St Antholin, die von 1678 bis 1684 neu erstand. Man konnte sie in der City of London an der Watling Street finden, die es noch heute gibt, und da stand das Gotteshaus bis zum Jahre 1875, als es weg musste. Die Gründe dafür waren, dass sie einerseits immer weniger Besucher hatte, weil in der City of London nicht mehr so viele Menschen wohnten, und andererseits sollte eine neue Straße gebaut werden, die heutige Queen Victoria Street, und da stand St Antholin einfach im Wege. Der bevorstehende Abriss deutete sich bereits Jahre vorher an und so wurde die Kirchturmspitze abgenommen und verkauft, und zwar an einen wohlhabenden Londoner, der es nicht mit ansehen konnte, dass seine geliebte Kirche komplett verschwinden sollte und wenigstens die „church spire“ retten wollte. Es war Robert Harrild (1780-1853), Gründer der Firma Harrild & Sons, die sich auf die Fabrikation von Druckmaschinen spezialisiert hatte. Sein Büro lag gegenüber von St Antholin,  und er kaufte die Kirchturmspitze für £5.

Was machte Mr. Harrild nun mit diesem Teil? Er wohnte damals in Sydenham, einem im Süden liegenden Londoner Stadtteil, und besaß an der Straße Round Hill ein großes Anwesen und dort stellte er die Kirchturmspitze in seinem Garten auf…und da steht sie heute noch. Allerdings sieht es dort heute ganz anders aus, denn das Harrildsche Anwesen existiert schon lange nicht mehr. Hier sind in den 1960er Jahren moderne Stadthäuser entstanden und mitten zwischen ihnen ragt nach wie vor das, was von St Antholin übrig geblieben ist, heraus.

Wer sich selbst einmal ein Bild von St Antholin’s church spire machen möchte, der sollte in Sydenham von der Dartmouth Road, der A2216, in die Straße Round Hill abbiegen und dort auf halber Strecke nach rechts in eine Sackgasse gehen/fahren. Zwischen zwei Reihenhausblöcken findet man dann die von Sir Christopher Wren entworfene Kirchturmspitze.

Published in: on 23. Januar 2018 at 02:00  Comments (3)  
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The Illustrated Police News (1864 – 1938) – Eine der ersten Boulevardzeitungen Englands

This UK artistic work, of which the author is unknown and cannot be ascertained by reasonable enquiry, is in the public domain.

Es ging immer ziemlich blutig zu, wenn die Illustrated Police News von Verbrechen in England berichtete, denn das Blatt legte vor allem viel Wert auf die optische Darstellung der begangenen Taten. 1864 wurde die Zeitung von George Purkiss gegründet, der sein Büro am Strand in London hatte. Purkiss starb 1892 (er wurde auf dem Highgate Cemetery beerdigt), doch sein Sensationsblatt konnte sich auch ohne ihn bis zum Jahr 1938 halten.

Ein Heer von Reportern und zeitweise bis zu hundert freiberuflichen Künstlern, die für die blutrünstigen Bilder sorgten, waren für die Illustrated Police News beschäftigt. Die Zeichnungen der erwürgten, erschlagenen, erstochenen Opfer wurden möglichst direkt am Tatort oder, wenn das nicht möglich war, später in der Leichenhalle angefertigt.

Die Zeitung wurde bevorzugt von der Arbeiterklasse gekauft und kostete einen Penny. Die Nachfrage nach der Zeitung stieg in den Jahren 1888 bis 1891 besonders stark an, als sie detailliert in Wort und Bild von den Jack the Ripper Morden berichtete und das 184mal auf den Titelseiten.

Nicht jeder war von der Art und Weise wie die Illustrated Police News von Kriminalfällen berichtete begeistert und so wurde das Blatt schon einmal als „The worst newspaper in England“ bezeichnet.

Einige Beispiele: Am 22. März 1873 findet man auf der Frontseite u.a. eine Zeichnung mit der Unterschrift „A dispute settled with a red hot poker“ und gleich daneben „Alarming boat accident at Preston“, beides sehr realistisch dargestellt.

Auf der Titelseite der Ausgabe vom 27. August 1887 ist das Bild eines untergehenden Schiffes zu sehen; die um ihr Leben kämpfenden Schiffbrüchigen werden von Haien aufgefressen. Die Titelzeile lautet „Shipwreck – Eleven persons devoured by sharks“.

„Six nuns buried alive“ heißt es in der Ausgabe vom 5. August 1899, und gleich darunter kann man in einer anderen Geschichte sehen wie junge Frauen in einer Schwimmhalle einen gut gekleideten Herren ins Wasser werfen. Die Unterschrift lautet: „A „Peeping Tom“ discovered in a ladies‘ swimming bath“.

Das Buch zum Artikel:
Linda Stratmann: Cruel Deeds and Dreadful Calamities – The Illustrated Police News 1864-1938. The British Library Publishing Division 2011. 160 Seiten. ISBN 978-0712358118.

 

Published in: on 22. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Growing Underground – Frische Kräuter und Sprossen aus einem Luftschutzbunker im Londoner Stadtteil Clapham

Carpenter’s Place in Clapham. Hier ist die Firma Growing Underground zuhause.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Der BBC Future Food Award wurde im vergangenen Jahr an die Firma Growing Underground vergeben, die ihren Sitz im Londoner Stadtteil Clapham hat. Der Preis geht an Firmen, die sich hervorgetan haben mit „cutting-edge innovation and pioneering work that could influence how the UK’s food will be grown, distributed and sold in future„.

Einige kleine Schilder an einem unscheinbaren Gebäude in der Gasse Carpenter’s Place, die von der Clapham High Street abgeht, weisen auf Growing Underground hin, deren Name aber schon sagt, dass sich das Geschehen hier unter der Erde abspielt. 33 Meter unter den Straßen Claphams in ehemaligen Luftschutzbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg werden Kräuter und Sprossen, sogenanntes Mikrogemüse, gezogen, die gegenüber ihren Brüdern und Schwestern, die oberirdisch wachsen, den Vorteil haben, dass sie absolut pestizidfrei und wetter- und jahreszeitenunabhängig sind. Das ganze Jahr über entstehen hier zum Beispiel Basilikum, Wasserkresse, Rauke, Koriander und andere Kräutlein, die von LED-Lampen beschienen werden und die dank der Hydrokultur 70% weniger Wasser verbrauchen als im Freien wachsende Kräuter. Innerhalb weniger Stunden sind die geernteten Pflänzchen bereits auf dem Tisch der Endverbraucher, also keine langen Transportwege, was der Umwelt auch wieder zugute kommt. Eine Win-Win-Situation.

Kaufen kann man die“Growing Underground“-Produkte zum Beispiel auf Londons Borough Market, auf dem New Covent Garden Market oder man kann sie sich innerhalb der Hauptstadt auch ins Haus liefern lassen. Begeistert von der Qualität äußert sich der berühmte Koch Michel Roux jr auf der Homepage der Firma, der das Mikrogemüse in seiner Küche des 2-Sterne-Restaurants Le Gavroche in der Upper Brook Street im Stadtteil Mayfair verwendet.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck wie es in dem Urban Farming-Bunker unterhalb Claphams aussieht.

Der Eingang zum Clapham Deep Shelter North, in dem sich die Kräuter-Produktionsstätte befindet.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Musikvideos – „Everyday Is Like Sunday“ von Morrissey

 

Southend-on-Sea, wo Morrisseys Video gedreht wurde, und Adventure Island.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Am 31. Mai 1988 wurde „Everyday Is Like Sunday“ von Steven Patrick Morrissey, kurz Morrissey, veröffentlicht, die dritte Singleauskopplung aus dem Album „Viva Hate“, dem Debütalbum des Sängers aus Manchester, der bis dahin der Frontmann der Band The Smiths war. Für mich ist dieser Song einer der schönsten, die Morrissey aufgenommen hat, wobei der Textinhalt alles andere als erfreulich ist. Es geht um einen nicht genannten Küstenort, in dem alles traurig und grau ist; hier ist einfach nichts los: „This is the coastal town
That they forgot to close down“ heißt es da und Morrissey setzt noch eins drauf: „Armageddon – come Armageddon!“ und „Come, Come, Come – nuclear bomb„, also der Weltuntergang wäre keine schlechte Lösung für diesen Vergnügungsort am Meer, an dem keinerlei Vergnügen möglich scheint. Ziemlich schwere Kost.

Morrissey soll von dem Roman „On the Beach“ (dt. „Das letzte Ufer“) zu diesem Song angeregt worden sein, der 1957 erschienen ist und aus der Feder des englischen Schriftstellers Nevil Shute (1899-1960) stammt. Darin schreibt der Autor „wie ein mit Atomwaffen geführter Weltkrieg die gesamte Menschheit vernichtet. Einzig die Einwohner Australiens und die Mannschaft eines amerikanischen U-Boots entgehen der Katastrophe. Doch auch ihnen droht bald das Ende, weil radioaktiv verseuchte Wolken langsam Richtung Süden und damit direkt auf Australien zutreiben“, so die Wikipedia. Ein wirklich sehr beeindruckendes und bedrückendes Buch, das ich vor längerer Zeit gelesen habe und das mir sehr in Erinnerung geblieben ist.

Das Musikvideo zu „Everyday Is Like Sunday“ wurde in dem Küstenort Southend-on-Sea in Essex gedreht, der über die A13 und die A127 schnell von London aus erreichbar ist, und dessen Meeresfront vom Adventure Island geprägt ist, einer Amüsiermeile mit Karussells und allem, was das Herz eines englischen Urlaubers höher schlagen lässt. Einiges davon ist im Hintergrund des Videos zu sehen. Passend dazu werden immer wieder auf einem Fernsehbildschirm kurze Szenen aus dem Film „Carry On  Abroad“ (hier ist der Trailer) eingeblendet, dem 24. Film aus der „Carry On“-Serie, der in Deutschland unter dem Titel „Ein total verrückter Urlaub“ 1972 in die Kinos kam.
Ein sich schrecklich langweilendes Mädchen schlendert im Video durch den Küstenort, nervt zwei alte kaffeetrinkende Damen, weil sie Pelze tragen, und wird von zwei jüngeren (lesbischen?) Frauen mit nach Hause genommen.

Morrisseys Song wurde noch einige Male gecovert, zum Beispiel von den Pretenders,von Colin Meloy und den 10 000 Maniacs.

Über Southend-on-Sea schrieb ich in meinem Blog einmal in Zusammenhang mit dem Schriftsteller Warwick Deeping, der in der Stadt geboren wurde.

Published in: on 20. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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English Country Churchyards – Einige persönliche Anmerkungen

St Peter & St Paul Churchyard in Dinton (Buckinghamshire)
Eigenes Foto.

Bei meinen Reisen durch England besuche ich immer wieder gern draußen auf dem Lande die kleinen Dorfkirchen und ihre Friedhöfe. Es herrscht dort meistens eine ganz besondere Stimmung, vor allem wenn man ganz allein auf dem „country churchyard“ ist. So erinnere mich an einen sonnigen Frühlingstag, als ich St Peter & St Paul in dem winzigen Ort Dinton in Buckinghamshire aufsuchte. Der Wind rauschte in den Bäumen, es war keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Ich versuchte die Inschriften auf den alten Grabsteinen zu entziffern, was nicht immer gelang.

Thomas Grays „Elegy written in a country churchyard„, ein Gedicht, das der Dichter 1750 schrieb, führte mich zur St Giles Church nach Stoke Poges (Buckinghamshire), wo Thomas Grays hohes Denkmal, allerdings außerhalb des Friedhofs, zu finden ist. Was für ein Gegensatz: Die Grabstätte des 1771 gestorbenen Dichters und die vielen Flugzeuge am Himmel, die sich im Anflug auf Heathrow befinden. Wie treffend für einen Dorffriedhof sind doch Grays Zeilen:

„Beneath those rugged elms, that yew-tree’s shade,
 Where heaves the turf in many a mould’ring heap,
Each in his narrow cell for ever laid,
 The rude forefathers of the hamlet sleep“

Ähnlich schön formulierte es Percy Bysshe Shelley in seinem Gedicht “ A summer evening churchyard, Lechlade„, das von der Abendstimmung auf dem Kirchhof von St Lawrence in Lechlade (Gloucestershire) inspiriert wurde. Hier heißt es:

„The dead are sleeping in their sepulchres:
And, mouldering as they sleep, a thrilling sound,
Half sense, half thought, among the darkness stirs,
Breathed from their wormy beds all living things around,
And mingling with the still night and mute sky
Its awful hush is felt inaudibly.“

Sehr idyllisch liegt der Fern Lane Cemetery auf halbem Wege zwischen Little Marlow und Bourne End in Buckinghamshire. Hier ruht einer der bekanntesten englischen Krimiautoren: Edgar Wallace. Umgeben von Laubbäumen findet man hier alte Grabmäler und Grabstätten neueren Datums.

Auch Edgar Wallaces „Konkurrentin“, die Krimiautorin Agatha Christie hat eine schöne und ruhige letzte Ruhestätte gefunden, auf dem Kirchhof von St Mary in Cholsey bei Wallingford (South Oxfordshire). An einer Umrandungsmauer steht ihr Grabstein, schon recht verwittert, und bei meinem Besuch lag einer ihrer Krimis davor, dem der Regen schon arg zugesetzt hatte.

Auch im Winter haben die ländlichen Kirchhöfe ihre Reiz. So besuchte ich beispielsweise an einem klirrend kalten Tag im Februar St Arilda’s bei Oldbury in South Gloucestershire. Die Kirche liegt auf einem Hügel, von dem aus man einen schönen Blick auf den River Severn hat.

Diese kleine Auswahl von meinen Begegnungen mit „English country churchyards“ ließe sich noch lange fortsetzen. Ich bin sicher, dass viele meiner Blogleser alle ihre persönlichen Favoriten haben werden.

Siehe zu diesem Thema auch meinen Blogeintrag über „lych gates“.

Das Grabmal von Thomas Gray neben dem St Giles Churchyard in Stoke Poges (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

St Lawrence in Lechlade (Gloucestershire).
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Edgar Wallace auf dem Fern Lane Cemetery (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Agatha Christies Grab auf dem Friedhof von St Mary’s in Cholsey (South Oxfordshire),
Eigenes Foto.

St Arilda’s bei Oldbury (South Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Published in: on 19. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  

Londoner Kuriositäten Teil 3: Ben, der „Roof dog“ in Brixton

The Windmill in Brixton.
Author: Ewan Munro.
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Der Pub „The Windmill“ an der Straße Blenheim Gardens im Londoner Stadtteil Brixton sieht von außen nicht sehr einladend aus; er ist nicht das, was man einen „cozy pub“ nennen könnte, dafür ist er für Musikbegeisterte eine Art Mekka geworden. Live Music ist hier angesagt und die zieht auch Leute aus anderen Teilen Londons an. Der Name „The Windmill“ kommt von der rund 200 Meter entfernten letzten Windmühle der Hauptstadt, deren Mehl man in einigen Läden in Brixton kaufen kann.

Ein lebendes Wahrzeichen des Pubs war bis zum August 2015 Ben, ein Rottweiler, der acht Jahre seines Lebens auf dem Dach des Lokals verbrachte, wo seine Besitzer auf einem aufgepfropften Bungalow wohnten. Ben wurde von den Pubbesuchern geliebt, obwohl er den einen oder anderen durch sein Gebell wohl auch etwas nervte. Im August 2015 starb der arme Kerl an Prostatakrebs, und er wurde  in den Blenheim Gardens sehr vermisst. Doch der Platz auf dem Dach des Pubs blieb nicht lange leer, denn auf Ben folgte Lucky, ein Schäferhund. Auch gab es einige Ben-Vorgänger wie den Dobermann Brandy und Di, eine Schäferhund-Rottweiler-Mischung. Aber Ben bleibt bis heute unvergessen, so kann man in „The Windmill“ T-Shirts mit der Aufschrift „I Believe in Roof Dog“ kaufen und es wurde noch zu Lebzeiten Bens ein Bier gebraut, das Roof Dog Beer hieß und das die Pitfield Brewery produzierte. Das Bier wurde mit großem Tamtam, das heißt mit viel Musik, in „The Windmill“ erstmals am 25. Mai 2014 ausgeschenkt. Ob Ben auch etwas von dem  4.5% starken Bier, das nach ihm benannt wurde, abbekam, konnte ich leider nicht feststellen.

 

Londoner Kuriositäten Teil 2: Die Einladung zum Tanz auf dem Grab des Clowns Joseph Grimaldi

Joseph Grimaldis Grabmal.
Photo © Phillip Perry (cc-by-sa/2.0)

Joseph Grimaldi (1778-1837), dem Vater aller Clowns, sind wir in meinem Blog schon einmal in meinem Artikel über die Holy Trinity Church, die „Clown’s Church“, im Londoner Stadtteil Dalston begegnet. Am 5. Juni 1837 wurde Grimaldi auf dem St. James’s Churchyard in Pentonville beigesetzt. Die Kirche existiert nicht mehr, sie wurde abgerissen und die Gegend wurde in einen kleinen Park umgewandelt, den man nach dem Clown benannte: Joseph Grimaldi Park. Dort stehen noch ein paar übrig gebliebene Grabsteine und eben das Grabmal des Clowns, dem man im Jahr 2010 bei der Umgestaltung des Parks eine originelle Besonderheit hinzufügte, die Grimaldi sicher gefallen hätte. Die im oberbayerischen Kranzberg ansässige deutsche Landschaftsbaufirma Latz + Partner, die mit den Arbeiten beauftragt war, engagierte den Londoner Künstler Henry Krokatsis, damit er neben Grimaldis Grab ein Kunstwerk anfertigen sollte; daraus wurde eine Installation, die Krokatsis „An Invitation to Dance on the Grave“ nannte. Zwei sargförmige aus einzelnen Bronzeplatten bestehende Gebilde wurden in den Boden eingelassen, eine in Erinnerung an den Clown, eine in Erinnerung an Charles Dibdin (1768-1833), der Grimaldi förderte, und der ebenfalls auf dem St James’s Churchyard neben Grimaldi beerdigt worden war. Krokatsis hat die Bronzeplatten so angefertigt, dass sie beim Betreten einen jeweils anderen Ton von sich geben und man beim „Tanz auf dem Grab“, mit etwas Geschick eine Melodie spielen kann, wie zum Beispiel Grimaldis Lieblingslied „Hot Cudlins„, was sich dann so anhört.

I wanted to create something that is constantly changing, a joyous interlude from the silence of death”, so definierte Henry Krokatsis sein Kunstwerk „An Invitation to Dance on the Grave“.

Den Joseph Grimaldi Park findet man an der Pentonville Road, der A501, im Nord-Londoner Stadtteil Pentonville, nur ein paar Gehminuten vom Sadler’s Wells Theater entfernt, wo der Clown seine größten Erfolge feierte und wo sein letzter Bühnenauftritt stattfand.

 

Londoner Kuriositäten Teil 1: Die musikalische Ian Dury-Gedächtnisbank im Richmond Park

Author: Jim Linwood
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Ian Dury war ein englischer Rocksänger, der im Alter von 57 Jahren am 27. März 2000 in London starb. Er lebte zuletzt in Richmond im Südwesten der Hauptstadt und einer seiner Lieblingsorte war der Richmond Park, in dem er sich gern mit seinen Kindern Jemima und Baxter aufhielt. Ian Durys bekanntester und gleichzeitig auch erfolgreichster Song war „Hit Me With Your Rhythm Stick„, der 1978 Platz 1 der UK Charts erreichte (in Deutschlands Hitparaden kam er damit bis auf Platz 22). Mit „Reasons to Be Cheerful“ kam er ein Jahr später noch einmal auf den dritten Platz der Charts in seinem Heimatland.

Den Schriftzug „Reasons to Be Cheerful“ findet man auf einer Bank im Richmond Park an der Queen’s Road, die Ian Dury zu Ehren und zu seiner Erinnerung seine Familie im Jahr 2002 hier errichten ließ. Entworfen wurde die Bank von dem jugoslawischen Produktdesigner Mil Strichevic. Das Besondere daran ist, dass diese Bank musikalisch ist, das heißt, man kann seinen mitgebrachten Kopfhörer an einer der beiden in die Armlehnen eingelassenen Buchsen anschließen und hört dann Ian Durys bekannteste und beliebteste Songs, darunter auch den mit dem in die Rückenlehne eingeritzten Namen. Betrieben wird die Musikanlage durch Solarstrom. Ich finde das eine sehr gute Idee, die Erinnerung an eine Musiklegende auf diese Weise aufrechtzuerhalten.

Übrigens wurde die Idee mit der Audio-Bank in Barrow-in-Furness (Cumbria) aufgegriffen, wo Künstler aus Cumbria zwölf Bänke an unterschiedlichen Orten der Stadt aufstellten, die ebenfalls mit Kopfhöreranschlüssen und Solaranlagen ausgestattet waren. Dort konnte der Spaziergänger/Hörer jeweils ein Kapitel einer Geschichte hören (die „String“ hieß“) und dann weiter zur nächsten Bank wandern, wo das nächste Kapitel abgespielt wurde.

Published in: on 16. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Friends of Friendless Churches – Eine Organisation, die sich um verwaiste Kirchen kümmert

St Mary Magdalene in Boveney (Buckinghamshire)
Photo © Mark Percy (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in England nicht mehr benötigte Kirchen, die entweder abgerissen bzw. als Discotheken oder Restaurants umfunktioniert worden sind. Damit dieses Schicksal nun nicht alle diese sogenannten redundanten Kirchen trifft, wurde 1957 eine Organisation gegründet, die Friends of Friendless Churches.  Im Vorstand befanden sich Architekten, Politiker und andere einflussreiche Leute.
Das Geld für die Erhaltung der Kirchen kommt überwiegend durch Spenden und Geldsammelaktionen zusammen, aber auch aus anderen Quellen, wie z.B. vom English Heritage, fließt finanzielle Unterstützung in die Kasse der Organisation.
Der derzeitige Präsident der Friends ist Robert Gascoyne-Cecil, 7th Marquess of Salisbury.

Im Besitz der Organisation sind 50 Kirchen, jeweils 25 in England und 25 in Wales. Hier einige Beispiele von einst verwaisten und von den Friends geretteten Kirchen:
St Mary Magdalene’s Church, Boveney in Buckinghamshire
St Leonard’s Church, Spernall in Warwickshire
St Andrew’s Church, Woodwalton in Cambridgeshire

Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte sei auf folgendes Buch hingewiesen:
Matthew Saunders: Saving Churches: Friends of Friendless Churches: The First 50 Years, das 2010 im Verlag Frances Lincoln erschienen ist. ISBN 978-0711230415. Das Vorwort zu dem Buch, das alle Kirchen der Friends vorstellt, schrieb übrigens der Prince of Wales.

Hier wird eine der Kirchen vorgestellt, um die sich die Friends of the Friendless Churches gekümmert haben: St. Mary in Mundon (Essex).

St Leonard’s in Spernall (Warwickshire)
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

St Andrew’s in Woodwalton (Cambridgeshire)
Photo © Michael Trolove (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole

Foto meines Exemplares.

Ich möchte noch einmal ein Thema aufnehmen, das ich kürzlich in meinem Blogeintrag über The Dreadnought Hoax verwandte. Dieser Streich, der die Briten im Jahr 1910 amüsierte, die Marine jedoch nicht, wurde von Horace De Vere Cole (1881-1936) ausgeheckt, über den es nur eine einzige Biografie in Buchform gibt: „The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole„, geschrieben von Martyn Downer, einem Schriftsteller und Kunsthändler, der einmal Direktor des Londoner Auktionshauses Sotheby war.

De Vere Cole wurde 1881 im County Cork in Irland geboren und entstammte der berühmten De Vere Familie, deren männliche Erben den Titel Earl of Oxford trugen. Zu seinen exzentrischen Gewohnheiten zählte viele Jahre lang das Streichspielen anderen Menschen gegenüber, was manchmal schon ganz schöne Ausmaße annehmen konnte wie die oben erwähnte „Dreadnought“-Geschichte. Ein Vorgänger davon spielte sich in seiner Studentenzeit in Cambridge ab, als er den Bürgermeister der Stadt veräppelte, indem er sich als Sultan von Sansibar ausgab.

Downer taucht in seiner Biografie aber sehr viel tiefer in das Leben De Vere Coles ein, der heute fast schon vergessen ist und dessen Gedichte auch kaum noch einer kennt. Der Mann verfügte zeitweise über sehr viel Geld und konnte sich ein luxuriöses Leben leisten. Er verkehrte gern in der Londoner Bohème-Szene, die ihr Hauptquartier im Café Royal in der Regent Street hatte. Zu seinen Freunden gehörten u.a. die Maler Augustus John, der ihm gern die Frauen ausspannte, und James Dickson Innes, der schon mit 27 Jahren starb und dessen Bilder De Vere Cole sammelte.

Cole hatte einen Hang zu sehr jungen Frauen. So heiratete er mit 37 Jahren die 18jährige Denise Lynch; sie hatten zusamen eine Tochter, die Ehe wurde nach zehn Jahren geschieden. Auch die zweite Ehe im Jahr 1931, De Vere Cole war mittlerweile 50, mit der 24jährigen Mabel Wright war nicht von langer Dauer. Ihr Sohn Tristan soll wohl von Augustus John gezeugt worden sein.

Der „prankster“ und Dichter hatte mittlerweile alle seine Geldmittel verloren, sein Bruder Jim unterstützte ihn finanziell. De Vere Cole lebte zum Schluss seines Lebens in ärmlichen Verhältnissen in Frankreich, wo er am 25. Februar 1936 in Honfleur in der Normandie starb.

Ein sehr interessantes Buch über einen ungewöhnlichen Menschen. Dieser Film erzählt die Geschichte der „pranks“ noch einmal nach.

Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole. Black Springs Press 2010. 310 Seiten. ISBN 978-0-948238-46-8

 

 

Published in: on 14. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Brasserie Zédel – Ein Stück Paris mitten in London

Die Sherwood Street liegt mitten im quirligen Londoner Stadtteil Soho und in der Hausnummer 20, nur wenige Schritte vom Piccadilly Circus entfernt, findet man die Brasserie Zédel, ein Lokal im Belle Epoque-Stil, das genau so gut in Paris stehen könnte. Es erinnert an meine Lieblingsrestaurants in der französischen Hauptstadt wie beispielsweise das Bofinger am Place Bastille oder das Grand Café Capucines  am Boulevard des Capucines.

Die Brasserie gehört zu dem Imperium von Chris Corbin und Jeremy King, die seit über 35 Jahren in London renommierte Restaurants betreiben wie das legendäre The Wolseley, das The Delauney und das Bellanger, eine weitere Brasserie. Dort, wo wir das Zèdel heute finden, stand einmal das Regent Palace Hotel, Anfang des 20. Jahrhunderts das größte Hotel in Europa. Der Vorgänger des französischen Restaurants war das 2004 eröffnete Atlantic Bar & Grill, 2012 wurde nach einem Umbau daraus die Brasserie Zédel, deren Vorbild das Bouillon Chartier in der rue du Faubourg Montmartre war. Dieses Pariser Restaurant ist sehr beliebt, einmal wegen seiner Atmosphäre und dann wegen seiner niedrigen Preise. Beides trifft auch auf das Londoner Gegenstück zu, vor allem die Preise hier liegen deutlich niedriger als in vergleichbaren anderen Londoner Etablissements. Das Dreigang-Menu wird für £13.25 angeboten, die Bouillabaise kostet £17.75 und das Choucroute Alsacienne £15.50.

Neben dem Restaurant gibt es hier noch die Art Déco-Bar Américain und den Veranstaltungsraum Crazy Coqs, in dem ständig ein buntes Programm aus Musik, Kabarett und Comedy angeboten wird.

Ein Kochbuch mit Rezepten aus der Brasserie gibt es auch, geschrieben von dem 2016 verstorbenen Restaurantkritiker A.A. Gill mit dem Titel „Brasserie Zédel: Traditions and Recipes from a Grand Brasserie“ (Quadrille Publishing 2016).

Dieser Film vermittelt einen Eindruck vom Restaurant.

Art Déco in der Brasserie.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – William Lyttle, der Maulwurf von Hackney

Mortimer Road 121 in Hackney.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Über Exzentriker, die aus welchen Gründen auch immer, den starken Drang verspürten, unter ihren Häusern tiefe Tunnel und Höhlen zu graben, habe ich in meinem Blog schon zweimal berichtet. Da war einmal  Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck, der 5. Duke of Portland, der unter seiner Welbeck Abbey ein Labyrinth an Gängen und Sälen ausgraben ließ, und dann Joseph Williamson, der Maulwurf von Liverpool, der dort in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Edge Hill-Distrikt Ähnliches tat.

Auch im London Borough of Hackney gab es einen Mann namens William Lyttle (1931-2010), der sein Haus in der Mortimer Road Nummer 121 derart unterhöhlte, dass dort sogar schon einmal der Bürgersteig einbrach und die verängstigten Anwohner einen Blick auf die Tunnelgänge werfen konnten. Diese unterirdischen Bauarbeiten waren aber keine vorübergehende Marotte des Mannes, er arbeitete sage und schreibe vierzig Jahre an seinem Höhlensystem. Kurz nachdem The Mole Man of Hackney das Haus von seinen Eltern geerbt hatte, machte er sich ans Werk und wollte, nach seinen eigenen Worten, nur einen Weinkeller ausgraben, doch dann konnte er einfach nicht mehr aufhören mit dem Buddeln. Über hundert Kubikmeter Erde hob er aus und dass er dabei auch hin und wieder auf unterirdisch verlegte Stromkabel stieß, brachte ihn nicht aus der Ruhe, dafür aber die Nachbarn, die plötzlich ohne Strom dasaßen. Ihnen wurde der Mann in der Nummer 121 allmählich unheimlich und sie wendeten sich an die Stadtverwaltung, die der Angelegenheit auf den Grund ging und die Grabungsarbeiten stoppte. William Lyttle wurde aus dem einsturzgefährdeten Haus verbannt und von einem Gericht zur Zahlung von  £293,000 verurteilt, Kosten die der Stadtverwaltung für Reparaturarbeiten entstanden waren und die der Mann natürlich nicht bezahlen konnte. 33 Tonnen Unrat holte man aus den Gängen und von seinem Grundstück, darunter mehrere Schrottautos. Die Tunnel mussten mit Beton aufgefüllt werden, damit nicht eines Tages alles zusammenkrachte. Die Stadtverwaltung brachte Lyttle erst in einem Hotel, dann in einer in einem Hochhaus (!) gelegenen Wohnung unter, in der der Exzentriker dann am 7. Juni 2010 starb.

Das Haus in der Mortimer Road wurde zum Verkauf angeboten, doch es fanden sich erst keine Käufer, bis es dann von dem Künstlerpaar Sue Webster und Tim Noble für £1.1  Millionen ersteigert wurde. Zusammen mit dem Architektenbüro David Adjaye wollen sie das Gebäude erhalten, aber umbauen. Einige der noch offenen Tunnel planen sie als Studios zu verwenden. Den Künstlern und dem Architekten sind wir in meinem Blogartikel über das Londoner Dirty House in der Chance Street  schon einmal begegnet.

Hier ist ein Film über das Haus in der Mortimer Street und ein Lied, das vom Mole Man of Hackney inspiriert wurde.

William Lyttles Haus aus einer anderen Perspektive.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Totnes in Devon und Großbritanniens erster Zero Waste-Laden

Die High Street von Totnes.
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Vor mehr als sechs Jahren verfasste ich in meinem Blog schon einmal einen Artikel über Totnes, die Kleinstadt in Devon, mit dem Titel „Totnes – Transition Town in Devon„. Hier ist alles etwas anders als in vergleichbaren Städten des Königreichs, und der Daily Telegraph stellte kürzlich die Frage „Is Totnes the most eccentric town in Britain?“ Die High Street des Ortes ist nahezu kettenlädenfrei; auch hier gibt es zwar den einen oder anderen Charity Shop, aber die Einkaufsstraße wird von kleinen individuellen Geschäften dominiert. Da gibt es eine kleine Weinhandlung, einen Buchladen, mehrere Textilgeschäfte und Galerien, den hübschen Grey’s Dining Room und   daneben, in der Nummer 94, ein Geschäft mit dem Namen „not made in China“.

Direkt gegenüber, in der Nummer 101 der High Street, befindet sich seit letztem Jahr ein Laden, der sich nahtlos in die Phalanx der anderen Geschäfte einfügt und Earth.Food.Love heißt. Die Besitzer sind Richard und Nicola Eckersley, er ist ein ehemaliger Fußballprofi, der seine Karriere bei Manchester United begann. Ihr Laden ist „The UK’s only zero waste, organic, bulk-buy, plant-based, wholefoods shop„. Im Angebot der Eckersleys finden sich ausschließlich organisch angebaute Produkte und keine Tiefkühlartikel. Alles wird in Gläsern aufbewahrt und Plastikverpackungen sucht man hier vergebens. Die Kunden bringen Behälter mit, die dann im Laden entsprechend gefüllt werden, so dass keinerlei Abfall entsteht. Der Strom mit dem Earth.Food.Love beliefert wird, stammt von Ecotricity, „the world’s first Green Electricity company“.
Im Angebot finden sich auch Non-Food-Artikel wie hölzerne Zahnbürsten der deutschen Firma Hydrophil, Shampoo, Wasch- und Abwaschmittel, die selbstverständlich auch in mitgebrachte Behälter abgefüllt werden. Dass man bei Richard und Nicola Eckersley in der totneseigenen Währung, dem Totnes Pound, bezahlen kann, versteht sich von selbst.

Vorbild für das Geschäft in der High Street von Totnes war übrigens der Berliner Laden „Original unverpackt“ in der Wiener Straße 16 in Kreuzberg.

Das ZDF war schon einmal zu Gast in Richard Eckersley Laden und berichtete darüber in der (ausgezeichneten!!!) Sendung „Heute in Europa“ darüber.

Totnes in Devon.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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National Rail Awards 2017 – Die vier ausgezeichneten Bahnhöfe des Jahres

Bicester Village Railway Station.
Photo © Andrew Bodman (cc-by-sa/2.0)

Jedes Jahr im Herbst werden im Londoner Grosvenor Hotel die National Rail Awards verliehen; es gibt zahlreiche Kategorien, in denen Preise vergeben werden, zum Beispiel „INNOVATION OF THE YEAR“, „TRAIN OF THE YEAR“ und „PASSENGER OPERATOR OF THE YEAR“. Darüberhinaus werden vier Bahnhöfe mit den Awards versehen, jeweils ein kleiner, mittlerer, großer und ganz großer.
Sehen wir uns einmal die Preisträger des Jahres in den Kategorien Stations of the Year 2017 an:

Small Station of the Year 2017 wurde der Bahnhof von Bicester Village in Oxfordshire. Dieser nach einem Umbau 2015 wieder eröffnete Bahnhof dient dem riesigen Outlet Centre direkt nebenan (mehr als sechs Millionen Besucher pro Jahr), in das Einkäufer aus der ganzen Welt kommen. Die Internationalität der Outlet Centre-Kunden zeigt, dass auf dem Bahnhof Durchsagen auch in Japanisch und in Mandarin vorgenommen werden. Es gibt einen halbstündigen Zugverkehr in die Hauptstadt zum Marylebone Bahnhof. Bedient wird die Strecke von Bicester nach London und zurück von den Chiltern Railways.

Zur Medium Station of the Year 2017 wurde der Bahnhof von Harrogate in West Yorkshire gekürt. Den Bahnhof mitten in der Stadt gibt es bereits seit 1862. Er hat drei Bahnsteige, von denen zwei benutzt werden. Die Züge fahren nach Leeds und nach York, auch eine tägliche Verbindung nach London ist da, die von Virgin Trains East Coast durchgeführt wird. Von der Jury des National Rail Awards wurde besonders die Servicefreundlichkeit des Personals hervorgehoben.

Der Bahnhof von Cambridge erhielt die Auszeichnung Large Station of the Year 2017. Auch hier in Cambridge wurde die Servicefreundlichkeit des Bahnhofpersonals besonders erwähnt. In den Umbau des Bahnhofs der Universitätsstadt hat man viele Millionen Pfund gesteckt, die offensichtlich gut verwendet worden sind, denn die Jury spricht von einem „Wow-Faktor“ beim Betreten des Bahnhofsgeländes. Man hat auch an die vielen Radfahrer in Cambridge gedacht, denn am Eingang des Bahnhofs bietet der  dreistöckige Cambridge Cycle Point Platz für rund 2800 Fahrräder.

Den National Rail Award in der Kategorie Major Station of the Year 2017 ging an den Blackfriars Bahnhof in der City of London. Dieser riesige Bahnhof überspannt die Themse und hat auf beiden Seiten des Flusses Eingänge. Man hat viele Millionen Pfund investiert, um den Bahnhof  zu einem Objekt zu machen, das die Jury „visionär“ nannte. Angesichts der Eröffnung von Thameslink ist ein Satz der Jury für die Bahnhofsbetreiber sicher besonders wichtig: „Blackfriars is well on its way to becoming the flagship station for the expanded Thameslink network.”

Der Bahnhof von Harrogate.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Cambridge Railway Station.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Blackfriars Railway Station über der Themse.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Wolfgang Amadeus Mozart und die Ebury Street im Stadtteil Belgravia in London

180 Ebury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Ebury Street zieht sich durch den Londoner Stadtteil Belgravia und ist nicht weit vom Buckingham Palace entfernt. In der Nummer 180 wohnte einmal die Familie Mozart, die im August 1764 im Zuge ihres England-Aufenthaltes hier Station machte und bis zum 24. September blieb. Zuerst zog der achtjährige Wolfgang Amadeus mit seinen Eltern in das Haus 9 Cecil Court an der Charing Cross Road. Dann erfolgte der Umzug nach Belgravia in die Straße, die seinerzeit Five Fields Row hieß und ganz anders aussah als heute. Damals war es hier idyllisch und ländlich, optimal für Vater Leopold, denn er brauchte die Ruhe und die frische Luft, da er nicht ganz gesund war.

Das Haus 180 Ebury Street spielte im Leben Wolfgang Amadeus Mozarts eine wichtige Rolle, denn hier schrieb er seine erste Sinfonie, die am 21. Februar 1765 in London uraufgeführt wurde. Eine Plakette an der Wand des Hauses erinnert daran. Mozart Terrace nennt man die Gebäudereihe an der Ebury Street. Ein kleines Stückchen weiter die Straße hinunter, am Orange Square, findet man eine Statue des kleinen Wolfgang, die 1994 von royaler Hand eingeweiht wurde; Prinzessin Margaret nahm die Zeremonie vor. Der angesehene Londoner Bildhauer Philip Jackson hatte die Statue geschaffen, der u.a. auch die Skulpturen von Bobby Moore am Wembley Stadion und von Mahatma Gandhi am Parliament Square entworfen hat.
In der Hausnummer 182 an der Ebury Street, also gleich im Nachbarhaus, wohnten Vita Sackville-West und ihr Ehemann Harold Nicolson, die ebenfalls mit einer Plakette gewürdigt werden, die hier 1993 angebracht wurde.

Bevor die Mozarts England wieder verließen, zogen sie noch einmal innerhalb Londons um und zwar in die Frith Street Nummer 20 in Soho, die damals Thrift Street hieß und wo Wolfgang Amadeus seine sechs Violinsonaten komponierte (Köchelverzeichnis 10-15), auch „Wunderkind-Sonaten“ genannt. Auch dieses Haus ist mit einer Plakette versehen.

Plakette an 180 Ebury Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Mozartstatue am Orange Square.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Derek Pykett: British Horror Film Locations

Foto meines Exemplares.

Derek Pykett, 1972 in Derbyshire geboren, ist Schauspieler, Regisseur und Autor einiger Bücher, darunter „MGM British Studios: Hollywood in Borehamwood“ und „British Horror Film Locations„, das ich heute vorstellen möchte.

Wer sich für britische Horrorfilme und deren Drehorte interessiert, wird mit diesem bereits 2008 erschienenen Buch hochzufrieden sein. Darin erfährt man alles, wo Vincent Price, Christopher Lee und  Peter Cushing gearbeitet haben; oft waren es recht unheimlich aussehende Häuser, die in Schwarz-Weiß-Fotos des Autors und von Simon Flynn, der auch das Nachwort beigesteuert hat, festgehalten sind. In alphabetischer Reihenfolge nach den Filmtiteln werden die jeweiligen Drehorte detailliert beschrieben. Ich habe einmal fünf Beispiele herausgesucht, Orte, die ich in meinem Blog auch schon vorgestellt habe.

Wykehurst Place bei Bolney in West Sussex, „probably the most haunting of all the film locations“ meint Derek Pykett und Simon Flynn fügt hinzu „totally unique and terrifying“. Gedreht wurden in diesem unheimlichen Haus die Filme „Demons of the mind“ (1972), „The Legend of Hell House“ (1973) und „Son of Dracula“ (1974).

Harlaxton Manor bei Grantham in Lincolnshire, für mich eines der faszinierendsten Häuser in ganz Großbritannien, das leider im Besitz der US-amerikanischen University of Evansville ist und nicht besichtigt werden kann. Hier wurden 1999 Teile des Horrorfilms „The Haunting“ gedreht, der hin und wieder im deutschen Fernsehen gezeigt wird.

Ettington Park bei Alderminster in Warwickshire. Ich hatte einmal das Vergnügen, in diesem Haus, das jetzt ein Hotel ist, zu wohnen. Es gibt so einige Spukgeschichten über dieses Haus und eine der Rezeptionsdamen erzählte mir von ihren nächtlichen Erfahrungen. Gedreht wurden hier die Filme „The Haunting“ (1963), eine frühere Version des o.a. Films, und 1980 „The Watcher in the Woods“.

Oakley Court bei Windsor in Berkshire, über das ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe und wo ich auch schon einige Male übernachtet habe. Dieses Haus wurde von den benachbarten Bray Studios sehr häufig als Drehort für deren Horrorfilme benutzt. Die Lage des jetzigen Hotels direkt an der Themse ist einzigartig, genauso wie der Baustil des gruseligen Gebäudes. Ich kann die Filme gar nicht alle aufzählen, die im Oakley Court produziert worden sind, nur drei Beispiele: „The Curse of Frankenstein“ (1957), „And Now the Screaming Starts!“ (1972) und „The Rocky Horror Picture Show“ (1975).

Grim’s Dyke Hotel im London Borough of Harrow, das Haus, das einmal William Schwenck Gilbert gehörte, der, zusammen mit Arthur Sullivan, durch seine Operetten weltberühmt wurde. Auch in diesem Haus waren Vincent Price, Christopher Lee, Boris Karloff und wie die Größen des Horrorfilms alle hießen tätig und drehten Filme wie „The Curse of the Crimson Altar“ (1968) und „Haunted House of Horror“ (1969) und „Cry of the Banshee“ (1970).

Derek Pykett: British Horror Film Locations. McFarland and Co 2008. 206 Seiten. ISBN 978-0-7864-3329-2. Das Buch ist zurzeit vergriffen, aber zum Beispiel bei Amazon Marketplace leicht zu beschaffen, allerdings zu einem verhältnismäßig hohen Preis.

 

Wykehurst Place.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Harlaxton Manor.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Ettington Park.
Eigenes Foto.

Oakley Court.
Eigenes Foto.

Grim’s Dyke Hotel.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Seer Green in Buckinghamshire – Ein Dorf im Speckgürtel Londons

Holy Trinity Church.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Zwischen Beaconsfield und Chalfont St Giles im Süden der Grafschaft Buckinghamshire, also mitten im Speckgürtel Londons, liegt das kleine Dorf Seer Green. Den Mittelpunkt bildet die Holy Trinity Church, eine anglikanische Kirche, die auch den Nachbarort Jordans mitbedient. Eingerahmt wird sie von den beiden Dorfpubs Jolly Cricketers an der Chalfont Road und The Three Horseshoes an der Orchard Road. Der Name Orchard Road weist darauf hin, dass in Seer Green früher einmal große Obstplantagen ansässig waren und zwar wurden Kirschbäume angepflanzt, deren Erträge man überwiegend nach London zum Covent Garden Markt brachte. An der Ecke Orchard Road und Wynnswick Road gab es eine Bäckerei, deren Spezialität Kirschpasteten waren und darum nannte man Seer Green eine Zeit lang auch Cherry Pie Village. Die Plantagen sind bis auf wenige Bäume leider alle verschwunden, aber die jährlich stattfindende Cherry Pie Fair erinnert noch an diese Zeiten.

Eine interessante Geschichte ist auf der Webseite http://www.lifeinseergreen.org nachzulesen. Der Schriftsteller Sir Herbert Edward Read (1893-1968) wohnte einmal im Broom House am Longbottom Lane, wo er auch von T.S. Eliot besucht wurde. Eliot schrieb in den 1930er Jahren seine Gedichtsammlung „Old Possum’s Book of Practical Cats“ (dt. „Old Possums Katzenbuch“), das er einer Einwohnerin von Seer Green widmete, Miss Susanna Morley. Diese Katzengedichte bildeten die Vorlage für Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats„.

Das hübsche kleine Dorf ist zu einem bevorzugten Wohnort von Prominenten geworden, vor allem die Straße Long Grove, ein schmaler heckengesäumter Weg, an dem hübsche Häuser liegen, zum Beispiel das große Anwesen Weavers, in dem bis vor kurzem der berühmte Schriftsteller Frederick Forsyth lebte, bekannt geworden durch seinen Roman „The Day Of The Jackal“ (dt. „Der Schakal“) aus dem Jahr 1971. In Seer Green schrieb Forsyth seinen Roman „The Kill List“ (dt. „Die Todesliste“) und seine Autobiografie „The Outsider“ (dt. „Outsider: Die Autobiografie“). Der jetzt 79jährige Autor zog kürzlich mit seiner Frau in ein kleineres Haus ganz in der Nähe.

Ebenfalls am Long Grove wohnte der Sänger und Entertainer Val Doonican (1927-2015), in einem Haus mit sieben Schlafzimmern und einem Swimming Pool, das er von Jon Anderson kaufte, dem ehemaligen Sänger der Rockgruppe Yes. Anderson nahm hier sein erstes Soloalbum “ Olias of Sunhillow“ auf, das 1976 veröffentlicht wurde.

Hier ist ein kurzer Film über Seer Green.

Jolly Cricketers.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

The Three Horseshoes.
Photo © Robert Eva (cc-by-sa/2.0)

In diesem Haus am Long Grove in Seer Green wohnten einmal Jon Anderson und Val Doonican.
Photo © Ajay Tegala (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Dove in Hammersmith – Einer der schönst gelegenen Themse-Pubs in London

The Dove, ein Pub, der seit Ende des 19. Jahrhunderts zur Fuller’s Brewery gehört, liegt an der Straße Upper Mall im Londoner Bezirk Hammersmith direkt am Nordufer der Themse. Viele prominente Besucher hat der Pub erlebt, so sollen Ernest Hemingway, Alec Guinness und Dylan Thomas häufige Gäste in The Dove gewesen sein. Auf den Webseiten des Pubs steht zu lesen, dass König Charles II sich hier mit seiner Geliebten Nell Gwyn getroffen haben soll, und dass der Dichter James Thomson die Melodie zu „Rule Britannia“ geschrieben hat.

„Einspruch!“ sagt da Martyn Cornell in seinem Buch „Strange Tales of Ale„. The Dove wurde erst sechzig Jahre nach dem Tod Charles II erbaut, und die Geschichte mit „Rule Britannia“ stimmt auch nicht, denn der Komponist hieß Thomas Arne. Der Texter war James Thomson, doch der soll ihn nicht im Pub, sondern in seinem Haus in Kew geschrieben haben. Eine andere Behauptung stimmt aber, nämlich die, dass  der Pub in Sir Alan Patrick Herberts 1930 erschienenem Roman „The Water Gipsies“ (dt. „Wasserzigeuner“) unter dem Namen The Pigeons eine Rolle spielt.

Einer der früheren Publicans, George Izzard, der The Dove von 1931 bis 1965 leitete, hat 1959 seine Memoiren geschrieben, die er unter dem Titel „One for the Road“ veröffentlichte und darin kann man dann erfahren wie es in dem Themse-Pub zuging.

Eine Besonderheit hat The Dove vorzuweisen, der sich kein anderer Pub in der Welt rühmen kann: Hier gibt es den kleinsten Barraum weltweit, was zu einer Eintragung ins Guinness Book of Records geführt hat. Ganze drei Quadratmeter groß ist dieser kleine Raum, der klammheimlich über Nacht angebaut worden sein soll, weil ein Pub zwei Räume haben musste, um nicht nur Bier, sondern auch andere Alkoholika ausschenken zu dürfen. Da The Dove aber nur über einen Raum verfügte und ein Anbau genehmigt werden musste, griff man zu dieser nicht ganz legalen Lösung. Aber auch da erhebt Martyn Cornell Einspruch und legt in seinem Buch detailliert dar, warum das nicht stimmen kann. Es ranken sich also viele falsche Behauptungen und Halbwahrheiten um die Geschichte des hübschen Themse-Pubs.

An der Bar gibt es die ganze Palette der Fuller’s-Biere wie zum Beispiel das London Pride, das Black Cab Stout und Oliver’s Island Golden Ale.
Geöffnet hat The Dove jeden Tag von 11 Uhr bis 23 Uhr, lediglich am Sonntag nur von 12 Uhr bis 22.30 Uhr.

Hier ist ein kurzer Film über den Pub zu sehen.

The Dove
19 Upper Mall,
Hammersmith, London, W6 9TA

This work is released into the public domain.

Der West Ashfield Underground Bahnhof in Kensington – Eine Londoner U-Bahn-Station, auf der man nie Passagiere finden wird

Ashfield House.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die West Ashfield Underground Station wird man vergeblich auf einem Plan der Londoner U-Bahnlinien suchen, trotzdem existiert der Bahnhof…allerdings nicht unter den Straßen der Hauptstadt, sondern im dritten Stock eines hässlichen Gebäudes, dem Ashfield House, an der Cromwell Road, der A4, die von Westen direkt ins Zentrum Londons führt. Wie lässt sich das erklären?

In diesem Haus unterhält Transport for London (TfL), die für die Londoner Verkehrssysteme verantwortlich ist, also auch für die U-Bahn, eine Trainingsstation, in der ihr Personal für die Arbeit direkt vor Ort ausgebildet und vorbereitet wird. Hier sieht alles ganz wie eine richtige U-Bahnstation aus mit Bahnsteig, Ticketschalter, Lautsprechersystem und einem Führerstand für angehende U-Bahnchauffeure. Um die Atmosphäre eines echten Bahnsteigs noch intensiver zu gestalten, kann die Plattform sogar vibrieren und ein großer Ventilator sorgt dafür, dass ein Windzug entsteht wie bei der Einfahrt einer richtigen U-Bahn. Die  etwa eine Million Pfund teure Trainingsstation wurde 2010 in Betrieb genommen.

Ein weiteres Highlight bietet West Ashfield Underground Station noch: Eine Modelleisenbahn, die natürlich nicht zum Spielen für das TfL-Personal gedacht ist, sondern mit der man besondere Situationen simulieren kann. Hammersmith Bridge, Strand-on-the-Green, West Ashfield, Kensington Palace und Hobbs End heißen die Stationen der Bahnlinie.

Die Adresse des Ashfield House heißt übrigens 7 Beaumont Avenue, West Kensington; die Trainingsstation ist für Besucher nicht zugänglich.

 

Published in: on 5. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der River Misbourne in den Chilterns – „Now you see him, now you don’t“

Der River Misbourne in Old Amersham (Buckinghamshire).
Photo © John Lord (cc-by-sa/2.0)

Es ist schon merkwürdig, was einige kleine Flüsse in England alles so anstellen; die meiste Zeit plätschern sie ruhig vor sich hin, dann können sie bei starken Regenfällen über ihre Ufer treten und Überschwemmungen verursachen und dann wiederum können sie auch ganz verschwinden. Alles dies trifft auf den River Misbourne zu, dessen Bekanntschaft ich bei Old Amersham und Little Missenden in Buckinghamshire machte.

Das etwa 25 Kilometer lange Flüsschen entspringt einer Quelle bei Great Missenden, fliesst durch die beiden oben erwähnten Orte, dann durch bei beiden Chalfonts, St Giles und St Peter, und mündet bei Denham in den River Colne, der sich dann wieder in die Themse ergießt. Er ist auch der Namensgeber zum Beispiel der Misbourne School, der Firma Misbourne Plumbing & Plastering und der Straße Misbourne Drive, alle in Great Missenden zu finden.

Im November 2000 benahm sich der River Misbourne nicht so wie man es von ihm erwartet hätte, denn da überschwemmte er nach starken Regenfällen Teile von Old Amersham. Dann verschwand er einige Zeit komplett von der Bildfläche; im November 2003 war nichts mehr von ihm zu sehen, bis er schließlich im Februar 2007 wieder ein Lebenszeichen von sich gab. Der Grund dafür, dass der Misbourne seine Arbeit plötzlich einstellte: Er ist ein Kalkbach mit einem sehr porösen Flussbett, durch das das Wasser schnell versickern kann. Übrigens gibt es in England die meisten dieser Kalkbäche und -flüsse. Wie es in einem Artikel des Guardian heißt, liegen von weltweit 210 Kalkflüssen 160 in England. Andere sind zum Beispiel der River Lambourn in Berkshire und der River Wylye in Wiltshire. Beliebt sind diese Flüsse besonders bei Anglern, die darin gern Forellen fangen.

Eine Gruppe von Freunden des River Misbourne kümmert sich seit neun Jahren um sein Wohlergehen, die Misbourne River Action.

Zwei persönliche Tipps, wo man den Fluss besonders gut sehen kann: In Little Missenden vom Biergarten des Red Lion aus und in Old Amersham zwischen der Kirche St Mary’s und dem Friedhof.

Diese sehr interessante Dokumentation informiert über den River Misbourne: Teil 1 und Teil 2.

Der Fluss bei Little Missenden (Buckinghamshire).
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Fast geschafft: Der River Misbourne bei Denham, kurz vor der Einmündung in den River Colne.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Edwold’s in Stockwood (Dorset) – Eine der kleinsten Kirchen Englands

Wenn man durch England reist und sich für Kirchen interessiert, wird man häufig mit den gleichen Namen konfrontiert, die den Church of England-Kirchen gegeben wurden. Die Top 5 sind:
1. St Mary
2. All Saints
3. St Peter
4. St Michael
5. St Andrew

In Stockwood in Dorset, einem Dörfchen, das nur aus einigen wenigen Häusern besteht, gibt es eine Kirche, die einzige überhaupt in der Church of England, die dem kaum bekannten Heiligen St Edwold gewidmet ist. Es ist nur wenig über ihn bekannt, so war er der Bruder von Edmund the Martyr, nach dem die Stadt Bury St Edmunds in Suffolk benannt ist; er lebte im 9. Jahrhundert und richtete sich als Eremit an einer Quelle namens Silver Well in Cerne Abbas in Dorset ein.

St Edwold’s liegt einsam auf dem Gelände der Church Farm rund 200 Meter von der A37 entfernt, die von Dorchester nach Yeovil führt.  1959 wurde die Kirche von der Church of England aufgegeben und da stand sie nun nutzlos auf dem Farmgelände herum, bis der Churches Conservation Trust sich ihrer erbarmte und sie unter ihre Fittiche nahm. Sie gehört zu den kleinsten Kirchen Englands und misst gerade einmal 9.1 Meter mal 3.9 Meter. Erbaut wurde sie 1636.
Zweimal im Jahr wird die Kirche wieder zum Leben erweckt: Am 29. August ist St Edwold’s Day und da findet um 17 Uhr ein Abendgebet in ihr statt, und in der Woche vor Weihnachten wird ein Gottesdienst mit Weihnachtsliedern abgehalten. St Edwold’s ist sehr einfach eingerichtet: Ein kleiner Altar, ein Taufstein und ein paar Klappstühle bilden das Inventar der Kirche; auf einem Tisch steht ein Porträt des Namensgebers. Ein Besuch der täglich geöffneten Ex-Kirche lohnt sich also nicht wegen des „Innenlebens“, sondern wegen der ansprechenden Lage und der Atmosphäre von St Edwold’s, die von einer Handvoll krummer und schiefer Grabsteine umgeben ist.

Noch kleiner ist die Culbone Church in der Grafschaft Somerset, über die ich in meinem Blog auch schon berichtete.

Der Silver Well in Cerne Abbas, an dem sich St Edwold als Eremit niedergelassen haben soll.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 3. Januar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Cliff Richard: „Ready Teddy“ – Einer der schnellsten Rock’n’Roll-Songs aller Zeiten

1959 veröffentlichte Cliff Richard, der britische Elvis Presley, einen der schnellsten Rock’n’Roll-Song aller Zeiten mit dem Titel „Ready Teddy„. Der Song erschien auf seiner ersten LP, die nur „Cliff“ hieß und in den Londoner Abbey Road Studios live aufgenommen wurde. „Ready Teddy“ wurde auch als Single veröffentlicht, auf deren Rückseite das Instrumentalstück „Bongo Blues“ von den Shadows zu hören war.

Der Rock’n’Roll-Song wurde ursprünglich für den amerikanischen Sänger Little Richard (nicht verwandt und verschwägert…) geschrieben und am 1. Juni 1956 veröffentlicht und zwar von John S. Marascalco, der  u.a. auch „Good Golly Miss Molly“ und „Rip it up“ für Little Richard komponierte, die der andere Richard auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks ebenfalls interpretierte.

Um was geht es in dem Song? Man hat Mühe, den Text zu verstehen, weil er so schnell gesungen wird. Es geht um einen „sock hop ball„, eine Tanzveranstaltung in der Highschool, an dem flattop cats und dungaree dolls teilnehmen, Jungen mit Bürstenhaarschnitt und Mädchen in engen Jeans. Alle sind sie scharf aufeinander, und der Text ist auch etwas zweideutig, wenn Cliff Richard singt „I’m ready, ready, ready to rock ’n‘ roll“, denn “ to rock and roll“ kann nicht nur tanzen bedeuten, sondern auch Sex haben, und Songfacts meint „the song is about a girl who wants sex: a „ready teddy“.“

Hier ist ein Liveauftritt mit Cliff Richard zu sehen, der von Adam Faith, einem anderen Sänger der britischen Rock’n’Roll-Zeit, unterstützt wird, und hier ist das Original mit Little Richard.

Published in: on 2. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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