Mein Buchtipp – Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole

Foto meines Exemplares.

Ich möchte noch einmal ein Thema aufnehmen, das ich kürzlich in meinem Blogeintrag über The Dreadnought Hoax verwandte. Dieser Streich, der die Briten im Jahr 1910 amüsierte, die Marine jedoch nicht, wurde von Horace De Vere Cole (1881-1936) ausgeheckt, über den es nur eine einzige Biografie in Buchform gibt: „The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole„, geschrieben von Martyn Downer, einem Schriftsteller und Kunsthändler, der einmal Direktor des Londoner Auktionshauses Sotheby war.

De Vere Cole wurde 1881 im County Cork in Irland geboren und entstammte der berühmten De Vere Familie, deren männliche Erben den Titel Earl of Oxford trugen. Zu seinen exzentrischen Gewohnheiten zählte viele Jahre lang das Streichspielen anderen Menschen gegenüber, was manchmal schon ganz schöne Ausmaße annehmen konnte wie die oben erwähnte „Dreadnought“-Geschichte. Ein Vorgänger davon spielte sich in seiner Studentenzeit in Cambridge ab, als er den Bürgermeister der Stadt veräppelte, indem er sich als Sultan von Sansibar ausgab.

Downer taucht in seiner Biografie aber sehr viel tiefer in das Leben De Vere Coles ein, der heute fast schon vergessen ist und dessen Gedichte auch kaum noch einer kennt. Der Mann verfügte zeitweise über sehr viel Geld und konnte sich ein luxuriöses Leben leisten. Er verkehrte gern in der Londoner Bohème-Szene, die ihr Hauptquartier im Café Royal in der Regent Street hatte. Zu seinen Freunden gehörten u.a. die Maler Augustus John, der ihm gern die Frauen ausspannte, und James Dickson Innes, der schon mit 27 Jahren starb und dessen Bilder De Vere Cole sammelte.

Cole hatte einen Hang zu sehr jungen Frauen. So heiratete er mit 37 Jahren die 18jährige Denise Lynch; sie hatten zusamen eine Tochter, die Ehe wurde nach zehn Jahren geschieden. Auch die zweite Ehe im Jahr 1931, De Vere Cole war mittlerweile 50, mit der 24jährigen Mabel Wright war nicht von langer Dauer. Ihr Sohn Tristan soll wohl von Augustus John gezeugt worden sein.

Der „prankster“ und Dichter hatte mittlerweile alle seine Geldmittel verloren, sein Bruder Jim unterstützte ihn finanziell. De Vere Cole lebte zum Schluss seines Lebens in ärmlichen Verhältnissen in Frankreich, wo er am 25. Februar 1936 in Honfleur in der Normandie starb.

Ein sehr interessantes Buch über einen ungewöhnlichen Menschen. Dieser Film erzählt die Geschichte der „pranks“ noch einmal nach.

Martyn Downer: The Sultan of Zanzibar – The Bizarre World and Spectacular Hoaxes of Horace de Vere Cole. Black Springs Press 2010. 310 Seiten. ISBN 978-0-948238-46-8

 

 

Published in: on 14. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar