Musikvideos – „Everyday Is Like Sunday“ von Morrissey

 

Southend-on-Sea, wo Morrisseys Video gedreht wurde, und Adventure Island.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Am 31. Mai 1988 wurde „Everyday Is Like Sunday“ von Steven Patrick Morrissey, kurz Morrissey, veröffentlicht, die dritte Singleauskopplung aus dem Album „Viva Hate“, dem Debütalbum des Sängers aus Manchester, der bis dahin der Frontmann der Band The Smiths war. Für mich ist dieser Song einer der schönsten, die Morrissey aufgenommen hat, wobei der Textinhalt alles andere als erfreulich ist. Es geht um einen nicht genannten Küstenort, in dem alles traurig und grau ist; hier ist einfach nichts los: „This is the coastal town
That they forgot to close down“ heißt es da und Morrissey setzt noch eins drauf: „Armageddon – come Armageddon!“ und „Come, Come, Come – nuclear bomb„, also der Weltuntergang wäre keine schlechte Lösung für diesen Vergnügungsort am Meer, an dem keinerlei Vergnügen möglich scheint. Ziemlich schwere Kost.

Morrissey soll von dem Roman „On the Beach“ (dt. „Das letzte Ufer“) zu diesem Song angeregt worden sein, der 1957 erschienen ist und aus der Feder des englischen Schriftstellers Nevil Shute (1899-1960) stammt. Darin schreibt der Autor „wie ein mit Atomwaffen geführter Weltkrieg die gesamte Menschheit vernichtet. Einzig die Einwohner Australiens und die Mannschaft eines amerikanischen U-Boots entgehen der Katastrophe. Doch auch ihnen droht bald das Ende, weil radioaktiv verseuchte Wolken langsam Richtung Süden und damit direkt auf Australien zutreiben“, so die Wikipedia. Ein wirklich sehr beeindruckendes und bedrückendes Buch, das ich vor längerer Zeit gelesen habe und das mir sehr in Erinnerung geblieben ist.

Das Musikvideo zu „Everyday Is Like Sunday“ wurde in dem Küstenort Southend-on-Sea in Essex gedreht, der über die A13 und die A127 schnell von London aus erreichbar ist, und dessen Meeresfront vom Adventure Island geprägt ist, einer Amüsiermeile mit Karussells und allem, was das Herz eines englischen Urlaubers höher schlagen lässt. Einiges davon ist im Hintergrund des Videos zu sehen. Passend dazu werden immer wieder auf einem Fernsehbildschirm kurze Szenen aus dem Film „Carry On  Abroad“ (hier ist der Trailer) eingeblendet, dem 24. Film aus der „Carry On“-Serie, der in Deutschland unter dem Titel „Ein total verrückter Urlaub“ 1972 in die Kinos kam.
Ein sich schrecklich langweilendes Mädchen schlendert im Video durch den Küstenort, nervt zwei alte kaffeetrinkende Damen, weil sie Pelze tragen, und wird von zwei jüngeren (lesbischen?) Frauen mit nach Hause genommen.

Morrisseys Song wurde noch einige Male gecovert, zum Beispiel von den Pretenders,von Colin Meloy und den 10 000 Maniacs.

Über Southend-on-Sea schrieb ich in meinem Blog einmal in Zusammenhang mit dem Schriftsteller Warwick Deeping, der in der Stadt geboren wurde.

Published in: on 20. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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