Drainspotters – Die Gullydeckel-Fans von der Insel

Hier ist gleich eine ganze Armada von Kanaldeckeln versammelt; gesehen in Westerham in Kent.
Eigenes Foto.

„Trainspotting“ hieß einmal ein sehr erfolgreicher Roman von Irving Welsh, der von Danny Boyle verfilmt wurde. Auf Bahnhöfen sieht man hin und wieder Trainspotter, die, mit Kamera und Notizbuch bewaffnet, die Nummern von Lokomotiven aufschreiben. Es gibt aber auch ein ähnlich klingendes Hobby, „Drainspotting„, das auch einige Anhänger hat. Für die Menschen, die diesem Hobby nachgehen, gibt es nichts Interessanteres als Gullydeckel. Für mich ist als Autofahrer ist der Begriff negativ belastet, denn ich finde, dass es in England erheblich mehr Gullydeckel gibt als in Deutschland. Man findet sie mitten auf den Straßen und am Straßenrand und ständig rumpelt man über diese unangenehmen, aber wohl notwendigen Eisengitter bzw. Eisenplatten hinweg.

Was ist denn nun das Besondere an diesen Dingern, die einige englische Zeitgenossen so fasziniert? Mir hat sich das bisher noch nicht erschlossen. Der prominenteste Drainspotter ist sicher der immer etwas schrullig wirkende Chef der Labour Party Jeremy Corbyn, dem es sehr viel Spaß macht, Gullydeckel zu fotografieren.

Archie Workman aus Ulverston in Cumbria ist ein Gullydeckel-Enthusiast. Wo immer er sich auch aufhält, er sucht nach zugewachsenen Abdeckungen, befreit sie von Unkraut und lässt sie wieder das Tageslicht erblicken. Archie hat schon einen Kalender mit Gullydeckel-Fotos herausgegeben (der erstaunlicherweise auf großes Interesse stieß), hält Vorträge im ganzen Land über sein Thema und möchte einmal ein Buch darüber schreiben.

Calvin Payne, The Sherlock of the Sewers, aus Sheffield in South Yorkshire verbringt ebenfalls einen Teil seines Lebens mit Gullydeckeln. Er fotografiert sie und beschäftigt sich mit ihrer Historie, denn viele von ihnen sind schon sehr alt und wurden in der Zeit von Queen Victoria hergestellt.

Bryan Gibson aus Bodmin in Cornwall hat schon Tausende von Kanaldeckeln fotografiert, aber ihm geht es in erster Linie um verstopfte Exemplare, denn es ärgert ihn, dass die zuständigen Behörden sich seiner Meinung nach nicht so besonders intensiv darum kümmern. So zieht er durch die Grafschaft, macht Fotos von den „friendless drains“ und markiert sie mit einem kleinen Gartenzwerg.

Ein Kanaldeckel in Bishopstone (Wiltshire), der die Wassermassen nicht mehr halten kann (vielleicht weil er verstopft ist).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Ein Gullydeckel in Cornwall, noch ohne Gartenzwerg.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Januar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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