Kuckuck, Kuckuck…

Wenn der Kuckuck wieder zu rufen beginnt, und er nach einer viele tausend Kilometer langen Reise erneut in Europa angekommen ist, dann ist das für viele ein Zeichen, dass der Winter vorbei und der Frühling da ist. So ist das auch in England und in einigen Dörfern mochte man den kleinen Vogel früher gar nicht mehr ziehen lassen, sondern wollte ihn einsperren, so dass der Frühling und der Sommer immer allgegenwärtig sind. Einige ganz schlaue Dörfler bauten um den Busch, in dem sich ein Kuckuck niedergelassen hatte, heimlich und leise einen Zaun, und als der fertig war, staunten sie nicht schlecht, dass der Vogel einfach weg flog, weil sie nicht daran gedacht hatten, das Mini-Gefängnis auch oben mit einem Deckel zu versehen. Diesen Schildbürgerstreich erzählt man sich in einigen Dörfern Englands, so zum Beispiel in Gotham in Nottinghamshire (ich berichtete in meinem Blog darüber) und in Marsden bei Huddersfield in West Yorkshire, wo es jedes Jahr an einem Samstag Ende April das Marsden Cuckoo Festival gibt (in diesem Jahr am 21. April), dessen Höhepunkt die Grand Cuckoo Procession ist. Hier ist ein Film darüber zu sehen.

Auch in Wareham in Dorset erzählt man sich die Geschichte von den Wise Men und ihrem Umgang mit dem Kuckuck, genauso wie in Madeley in Shropshire und in Borrowdale in Cumbria. In Towednack in Cornwall  wird jedes Jahr an einem Sonntag, der dem 28. April am nächsten ist, das Cuckoo Feast gefeiert, das auf einer alten Legende basiert: An einem kalten Tag im April legte ein Bauer einen Holzscheit in seinen Kamin und aus diesem Scheit flog ein Kuckuck, der sich darin eingenistet hatte. Der Bauer schnappte sich den Vogel, tat ihn in einen Käfig und zog mit ihm, begleitet von seinen Freunden und einigen Musikern, durch das Dorf.

In Downton bei Salisbury in Wiltshire wird jedes Jahr die Downton Cuckoo Fair gefeiert, in diesem Jahr am 5. Mai, aus Freude an der Ankunft der kleinen Sänger.

Einige Pubs sind nach dem Vogel benannt worden wie der Cuckoo Bush Inn in Gotham in Nottinghamshire, der Cuckoo Inn in Hamptworth bei Salisbury in Wiltshire, The Cuckoo in Alwalton bei Peterborough in Cambridgeshire und The Cuckoo Ale House in Toddington in Bedfordshire. Die Driftwood Spars Brewery in St Agnes in Cornwall braute früher einmal ein Cuckoo Ale, das allerdings nicht mehr im Programm ist.

Wer sich für Kuckucksuhren interessiert, der sollte sich unbedingt das Cuckooland Museum in Tabley in Cheshire ansehnen, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Man sieht an diesem kleinen Streifzug, dass der Kuckuck in England eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Die Downton Cuckoo Fair.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Der Cuckoo Bush Inn in Gotham (Northamptonshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Das Pubschild des Cuckoo Inn in Hamptworth (Wiltshire).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London

Foto meines Exemplares.

Es gibt Bücher, die man nach Beendigung der Lektüre weglegt und sie schnell vergessen hat; dann gibt es Bücher über die man noch längere Zeit nachdenkt, und es gibt Bücher, die so großartig sind, dass man richtig traurig ist, dass man sie schon ausgelesen hat und wünscht, sie hätten den doppeltem Umfang.
In die letzte Kategorie gehört das 2016 erschienene „Curiocity: In Pursuit of London“ von Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose. Es gibt ganze Bibliotheken voller Bücher zum Thema „London“, die über die Jahrhunderte geschrieben worden sind, „Curiocity“ ist eines der besten, kuriosesten, skurrilsten, großartigsten und am liebevollsten gestalteten London-Bücher aller Zeiten. Ich habe es im vorigen Jahr entdeckt und bin absolut begeistert. Wer sich für die Stadt interessiert, muss es einfach besitzen, und es ist das ideale Geschenk für einen London-Fan.

Henry Eliot ist u.a. Tour Guide, kennt sich also in London bestens aus; Matt Lloyd-Rose war Lehrer, Polizeibeamter und Sozialforscher. Beide haben das Print-Magazin „Curiocity“ herausgegeben, aus dem das Buch entstanden ist. Dabei haben sie Unterstützung von ganz vielen Autoren und Illustratoren bekommen wie Monica Ali, Michael Moorcock und Philip Pullman (Autoren) und Steven Appleby, Daniel Duncan und Faye Moorhouse (Illustratoren), um nur einige zu nennen.

„Curiocity“ ist alphabetisch aufgebaut, wobei jedem Buchstaben ein bestimmtes Thema zugeordnet ist wie E=Eros, L=Livery oder X=Xenophilia. Bleiben wir bei dem X. Dort finden wir Kurzartikel über die einzelnen Bevölkerungsgruppen in der Stadt, wie viele es sind und wo sie sich angesiedelt haben. So gibt es in London über 55 000 Deutsche; ein Lokaltipp wird gleich mitgegeben, nämlich Katzenjammers Bierkeller in der Southwark Street.

Die manchmal doppelseitigen Illustrationen in dem Buch sind phantastisch und nehmen die im Textteil beschriebenen Themen auf sehr phantasievolle Weise wieder auf! Es gibt unzählige Querverweise und ein ausführliches Register. Man kann „Curiocity“ von vorn bis hinten in einem Zug lesen (wie ich es getan habe) oder einfach nur darin blättern und sich festlesen.

Dieses Buch ist für mich ein Ereignis auf dem britischen Buchmarkt; es wird möglicherweise nie in deutscher Übersetzung erscheinen. Ich darf zum Abschluss Philip Pullman zitieren, der gesagt hat: „The most ingenious, informative, inimitable, individual, innovative, insightful, inspiring, instructive, intelligible, intoxicating, intricate guide to the great city that I have ever seen. Bravo!“

Thank you Henry and Matt!!!

Henry Eliot & Matt Lloyd-Rose: Curiocity – In Pursuit of London. Particular Books 2016. 450 Seiten. ISBN 978-1-846-14867-5. Und das Buch kostet (zum Beispiel bei Amazon Deutschland) nur lächerliche €18.99 als Hardcover.

 

Published in: on 27. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Die Wentworth Follies Teil 4: The Rockingham Mausoleum

Wenn man auf einem Landsitz ein Mausoleum findet, geht man eigentlich davon aus, dass darin ein ehemaliger Bewohner beigesetzt ist; in Wentworth Woodhouse ist das aber nicht der Fall. William Wentworth-Fitzwilliam, 4th Earl Fitzwilliam, ließ das Gebäude nach dem Tod seines Onkels, des 2. Marquess of Rockingham erbauen, aus Dankbarkeit für das reiche Erbe, das er nach dessen Tod im Jahr 1782 erhielt, wodurch der Earl zu einem der reichsten Männer Englands wurde.

Auch für den Bau des Mausoleums wurde der Architekt John Carr engagiert; die Bauarbeiten dauerten von 1785 bis 1789. Carrs Plan war, ein dreistöckiges Gebäude in neoklassizistischem Stil zu schaffen, eingerahmt von vier Obelisken, die früher direkt am Herrenhaus standen. Die sterblichen Überreste des 2. Marquess of Rockingham fanden allerdings nicht ihre letzte Ruhestätte in diesem imposanten Mausoleum, er wurde im York Minster beigesetzt. Dafür findet man im Inneren ein Standbild von ihm, das der berühmte Bildhauer Joseph Nollekens (1737-1828) angefertigt hatte. In den Nischen im Erdgeschoss stehen Büsten von Rockinghams engsten Freunden: Edmund Burke, Charles James Fox, Admiral Keppel, Lord John Cavendish, John Lee, the Duke of Portland, Frederick Montagu und Sir George Saville. Dabei handelt es sich allerdings nicht mehr um die Originale, die aus Sicherheitsgründen durch Abgüsse ersetzt worden sind.
Der große Sarkophag im ersten Stock ist leer.

Seit 1991 ist das Rockingham Mausoleum für die Öffentlichkeit freigegeben worden, die es von Ende Mai bis Ende August jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr besichtigen darf.

Dieser Film zeigt das Mausoleum, von einer Drohne aus gefilmt.

Das Deckengewölbe des Mausoleums.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 3: Keppel’s Column

Augustus Keppel, 1. Viscount Keppel (1725-1786) war ein guter Freund des 2. Marquis of Rockingham, dem Besitzer des Wentworth Woodhouse Estates, und ihm zu Ehren ließ der Marquis eine Säule auf seinem Grundstück erbauen, die Keppel’s Column. Der Admiral stand nach der Schlacht bei Ouessant (1778) vor dem Kriegsgericht, wurde aber freigesprochen, und das nahm der Marquis of Rockingham zum Anlass, am Südende seines Parks die Säule zu errichten, die eigentlich noch höher und mit einer Skulptur des Admirals versehen werden sollte. Doch daraus wurde nichts; es wird vermutet, dass dem Marquis das Geld ausgegangen war, so dass wir es heute immer noch mit einer nicht ganz fertiggestellten Säule zu tun haben.
Entworfen wurde sie von dem Architekten John Carr (1723-1807), einem außergewöhnlich kreativen und produktiven Mann, der vor allem im Norden Englands zahlreiche Arbeiten geleistet hat wie u.a. am Harewood House, am Castle Howard, am Raby Castle und natürlich auch am Wentworth Woodhouse selbst.

Bis in die 1960er Jahre war es möglich, die 35 Meter hohe Säule zu besteigen, aber leider ist sie mittlerweile so instabil geworden, dass ein Besuch nicht mehr erlaubt ist. Glücklicherweise gibt es aber Drohnen, die mit ihren Kameras wunderschöne Ausblicke auf Keppel’s Column einfangen können wie dieser Film zeigt.

Blick auf Keppel’s Column vom Wentworth Woodhouse aus.
Photo © Terry Robinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 2: Hoober Stand

1747/48 wurde der Hoober Stand, ein weiteres Folly auf dem Gelände des Wentworth Woodhouse Estates, gebaut. Entworfen hat dieses pyramidenartige Gebäude Henry Flitcroft, ein Architekt, der auch am Haupthaus einige Erweiterungen vorgenommen hat, das sich rühmen darf, die längste Frontfassade aller englischen Landsitze zu haben. Der Hoober Stand wurde zur Erinnerung an die Niederschlagung des Jakobitenaufstands erbaut. Thomas Watson Wentworth kämpfte an der Seite Georgs II. gegen die Aufständler und wurde dafür vom König in den Stand eines Marquis erhoben. Aus Dankbarkeit errichtete der frischgebackene Marquis of Rockingham den dreißig Meter hohen Turm über dessen Eingangstür die Worte stehen:

„This pyramidall building was erected by his Majestys most dutiful subject Thomas Marquess of Rockingham in grateful respect to the preserver of our religious laws and libertys King George the Second who, by the blessing of God having subdued a most unnatural rebellion in Britain anno 1746 maintains the balance of power and settles a just and honourable peace in Europe 1748“.

Das dreieckige Gebäude verfügt über eine Aussichtsplattform, die man über 155 Stufen erreicht und von der aus man einen Blick auf das Wentworth Woodhouse-Hauptgebäude und die umliegende Landschaft hat. Man kann den Turm/die Pyramide von Ende Mai bis Ende September jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr besteigen.

Ehe ich es vergesse: Der Name Hoober Stand kommt von dem nahegelegenen Dörfchen Hoober.
Diese kamerabestückte Drohne zeigt uns sehr schöne Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven vom Hoober Stand.

Blick vom Hoober Stand auf Wentworth Woodhouse.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 1: The Needle’s Eye

Nur wenige Kilometer von Rotherham (South Yorkshire) entfernt im Wentworth Park stehen die vier sogenannten Wentworth Follies, von denen ich heute als erstes The Needle’s Eye vorstellen möchte.
Der 2. Marquis of Rockingham, zweimaliger Premierminister Englands Ende des 18. Jahrhunderts, war der „Schöpfer“ dieser rund 15 m hohen Pyramide. Wann sie genau gebaut wurde, ist nicht eindeutig, es muss aber in etwa zwischen 1740 und 1745 gewesen sein.

Warum nun wurde diese steinerne Pyramide, die von einer Urne gekrönt wird, gebaut? Es existiert da eine nette Geschichte, deren Wahrheitsgehalt aber auf sehr tönernen Füßen steht:
Der 2. Marquis of Rockingham soll einmal, während er nicht mehr ganz nüchtern war, eine Wette abgeschlossen haben, bei der er behauptete, er könne eine Kutsche durch ein Nadelöhr fahren. Am nächsten Morgen, bei genauerer und nüchterner Betrachtung dieser Wette, musste er doch feststellen, dass das wohl nicht zu bewerkstelligen ist, es sei denn… er baute einen Torbogen, der breit genug war, um mit einer Kutsche hindurchfahren zu können und nannte das ganze einfach „Needle’s Eye“ und schwupps war die Wette gewonnen.
Da in der Pyramide einige Einschusslöcher zu finden sind, wird auch gemutmaßt, dass hier einmal Exekutionen stattgefunden haben könnten.

The Needle’s Eye gibt nach wie vor einige Rätsel auf und bleibt vielleicht für immer ein Geheimnis des 2. Marquis of Rockingham. Hier ist ein Drohnenflug über dem Folly zu sehen.

Published in: on 23. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Noël Coward und „The Stately Homes of England“

Noël Coward.
Author: Allan Warren.
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Was wäre England ohne seine Stately Homes? Sie sind die Besuchermagneten, die Touristen in Scharen anziehen wie Chatsworth, Blenheim, Highclere Castle, Castle Howard, Longleat, Burghley House und wie sie alle heißen.
Die heute kaum noch bekannte Dichterin Felicia Hemans (1793-1835) widmete den Stately Homes ein Gedicht, das 1827 in Blackwood’s Edinburgh Magazine erschien und das der Schauspieler, Schriftsteller und Komponist Noël Coward über hundert Jahre später wieder entdeckte und in seine Musikkomödie „Operette“ integrierte, die am 17. Februar 1938 im Manchester Opera House uraufgeführt und 132mal gespielt wurde. Kenneth Carten, Ross Landon, John Gatrell and Hugh French sangen damals „The Stately Homes of England„, das es noch in mehreren Coverversionen gibt, zum Beispiel von den King’s Singers, den Lissa Gray Singers und Peter Pringle. Und  Noël Coward nahm den Song selbst auch auf.

„The Stately Homes of England“ ist eine Satire auf die Bewohner jener großartigen Häuser, die, um sie erhalten zu können, schon einmal einen Van Dyck verkaufen oder einen Bechstein-Flügel beleihen müssen, aber „The playing fields of Eton have made us frightfully brave“. Lord Elderley, Lord Borrowmere, Lord Sickert und Lord Camp sind jene vier junge Herren, die sich damit herumschlagen müssen, ihre ererbten Häuser zu unterhalten („frequently mortgaged to the hilt“), die gern auch von Geisterjägern aufgesucht werden („The Stately Homes of England, though rather in the lurch, provide a lot of chances for psychical research“).
Ein wirklich witziger Text, der aber die Realität in manchen Stately Homes realistisch abbildet. Hier ist die Version von  Noël Coward zu hören.

Chatsworth House in Derbyshire.
Photo © J W Wagner (cc-by-sa/2.0)

Highclere Castle in Hampshire.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Crinkle-Crankle Walls auf englischen Landsitzen

Die Crinkle-Crankle Wall in Easton (Suffolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Vielleicht hat schon einmal jemand auf englischen Landsitzen diese eigenartigen gewundenen Mauern gesehen, die sich Crinkle-Crankle Walls oder auch Serpentine Walls nennen. Sie sind hauptsächlich in East Anglia zu finden, wo sie häufig als Gartenmauern fungieren. Durch ihre gewundene Bauform haben sie mehr Stabilität als eine gerade Mauer und außerdem geben die Nischen empfindlichen Pflanzen einen gewissen Schutz, so dass man die Crinkle-Crankle Walls gern um Küchengärten herum baute.

In der Grafschaft Suffolk stehen rund fünfzig Exemplare, von denen die Mauer von Easton Park mit rund vier Kilometern einmal die längste im ganzen Land gewesen sein soll. Das Manor House von Easton, der langjährige Landsitz der Dukes of Hamilton, wurde leider 1924 abgerissen. Im November 2013 stürzte ein Teil der Mauer ein, als ein unbekannter Autofahrer dagegen stieß und dabei einen Schaden von £20,000 verursachte. Im Jahr darauf wurde die Mauer wieder hergerichtet und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zwanzig Meilen eingeführt, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

Ein weiteres sehr schönes Beispiel für eine Crinkle-Crankle Wall in Suffolk findet sich auf dem Gelände der Bramfield Hall bei Halesworth an der Walpole Road.
Doch nicht nur in Suffolk sind diese speziellen Mauern zu finden, so steht ein sehr langes Exemplar im Dean’s Court in Wimborne Minster in Dorset, das während der Napoleonischen Kriege von französischen Gefangenen gebaut worden sein soll.

Die Serpentine Wall von Bramfield (Suffolk).
Photo © Nat Bocking (cc-by-sa/2.0)

Dean’s Court in Wimborne Minster (Dorset).
Photo © Stuart Buchan (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Martyn Cornell: Strange Tales of Ale

Foto meines Exemplars.

Martyn Cornell ist Mitglied der British Guild of Beer Writers, der sich in seinen Büchern und Fachartikeln intensiv mit dem Thema „Geschichte des Biers“ auseinandersetzt. So hat er zum Beispiel die Bücher „Beer: The Story of the Pint“ und „Amber, Gold and Black: The History of Britain’s Great Beers“ verfasst. In seinem Blog „Zythophile“ schreibt er regelmäßig über sein Lieblingsthema. Ich habe gerade sein letztes Buch „Strange Tales of Ale“ gelesen, in dem er sich mit Kuriositäten rund um Bier und Pubs beschäftigt und für das der Autor tief in Archive und Bibliotheken eingedrungen ist, um dort für sein Werk zu recherchieren.

Hier sind einige Beispiele für diese „Strange Tales“:

Gleich in der ersten Geschichte „The Great London Beer Flood“ hören wir von dem verheerenden Unglück in der Londoner Meux Brewery in der Tottenham Court Road am 17. Oktober 1814, als ein riesiges Bierfass in sich zusammenfiel und sich daraus über 570 Tonnen Gerstensaft in die umliegenden Straßen ergossen, wobei acht Menschen ertranken. Über diesen Vorfall berichtete ich früher schon einmal in meinem Blog.

Der zweite Artikel in Martyn Cornells Buch beschäftigt sich mit der Geschichte des Ploughman’s Lunch, einem beliebten Gericht, das in vielen Pubs erhältlich ist und das man gern zu einem Pint Bier zu sich nimmt.

Auch der dritte Beitrag in dem Buch ist sehr interessant. „In „Putting Beer in Spitfire Fuel Tanks“ geht es um die Bierversorgung britischer und alliierter Soldaten nach dem D-Day in der Normandie im Jahr 1944, als man sehr erfindungsreich war und das Bier aus der Heimat in den Tanks von Spitfire-Jagdflugzeugen an die Front brachte.

Weitere Themen sind „The British National Dinner – Roast Beef, Plum Pudding and Ale„, „The Potboy in History, Literature and Art“ (potboy = „A boy or young man employed in a public house, etc., to serve drinks or collect glasses“, so die Definition der Oxford Living Dictionaries) und „The True Story Behind Britain’s Most Popular Pub Name„, in dem es um den Pubnamen „The Red Lion“ geht. Siehe dazu meinen Blogeintrag über Cathy Price, die jeden einzelnen Red Lion im Land aufgesucht hat.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Biertrinker!

Martyn Cornell: Strange Tales of Ale. Amberley Publishing 2015. 224 Seiten. ISBN 978-1-4456-4797-5

 

Wer war eigentlich … John James Fenwick, der Gründer der Warenhauskette Fenwick?

Das Fenwick-Flaggschiff in der Northumberland Street in Newcastle-upon-Tyne.
Photo © Iain Tullis (cc-by-sa/2.0)

Im Herbst 2017 ging wieder einmal die Ära eines alteingesessenen Familienbetriebs zu Ende, als Adam und Hugo Fenwick aus der Leitung der Warenhauskette Fenwick zurücktraten und den obersten Managementposten an den früheren Chef der Coop-Supermarktgruppe Richard Pennycook überließen.
Seit 1882 gibt es die Department Stores, die nach dem Firmengründer John James Fenwick benannt sind. Der 1846 in Richmond (North Yorkshire) geborene Fenwick war gelernter Kürschner, und er eröffnete einen Laden in der Northumberland Street in Newcastle-upon-Tyne. JJ, wie er genannt wurde, verkaufte dort vorwiegend Textilien und das Geschäft brummte, so dass er schon bald das Haus in der Northumberland Street 37/38 übernehmen konnte und kurz darauf auch die Nummer 40 hinzufügte. Dort steht auch heute noch das Flaggschiff der Fenwick-Gruppe und die Firmenzentrale. Doch JJ wollte sich nicht mit dem Geschäft im Nordosten Englands zufrieden geben und kaufte in London das Haus 63 New Bond Street, in dem er exklusive Modeartikel für die gut betuchte Dame anbot.

In Paris lernte JJs Sohn Fred Fenwick das berühmte Kaufhaus Le Bon Marché in der rue de Sèvres kennen und nach diesem Vorbild wurden die beiden Fenwicks in England umgestaltet.

Jetzt dauerte es viele Jahrzehnte bis weitere Fenwick-Dépendancen dazukamen. Erst 1962 wurde ein Familienbetrieb in Leicester aufgekauft und dann kam 1976 ein neues Warenhaus im Brent Cross Shopping Centre im Norden Londons dazu.

Heute gibt es neun Fenwicks, u.a. in Canterbury, Tunbridge Wells und York; zuletzt eröffnete im vorigen Jahr ein Warenhaus im Einkaufs- und Freizeitkomplex The Lexicon in Bracknell (Berkshire).

Fenwick in der Londoner New Bond Street.
Photo © Martin Addison (cc-by-sa/2.0)

Die Filiale in Canterbury (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 19. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The World Garden of Plants im Lullingstone Castle (Kent)

Das Torhaus des Lullingstone Castles.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Freunde exotischer Pflanzen kommen im World Garden of Plants auf dem Gelände des Lullingstone Castles in Kent voll auf ihre Kosten, denn hier hat Tom Hart Dyke auf seinem Familiensitz eine sehenswerte Gartenanlage kreiert. Dyke ist ein leidenschaftlicher Pflanzenjäger, der in allen Teilen der Welt nach seltenen Pflanzen gesucht und sie nach England gebracht hat. Einmal wäre eine dieser Expeditionen beinahe tödlich verlaufen, als er im Jahr 2000 in Kolumbien in die Fänge der FARC-Guerilleros geriet und neun Monate von ihnen festgehalten wurde. Während der Gefangenschaft entstand sein Plan, im heimischen Lullingstone Castle einen Garten anzulegen, der die Form der fünf Kontinente haben sollte und in dem er die jeweils typischen Pflanzen unterbringen wollte. Tom Hart Dyke schrieb ein Buch über seine Erlebnisse in Kolumbien, das den Titel „The Cloud Garden“ trägt. Hier ist ein Interview mit ihm.

In seinem World Garden of Plants, den er 2005 eröffnete, findet der Besucher u.a. die südafrikanische Dog Pooh Plant, die so riecht wie sie heißt, die rare Mexican weeping pine, die Australische Brennnessel, um die man lieber einen großen Bogen machen sollte, da ihre Brennhaare sehr schmerzhaft ein können, und viele andere Exoten mehr. Zwischen diesen unzähligen Pflanzen hat Tom Hart Dyke noch Skulpturen, Totempfähle und andere Kuriositäten aufgestellt wie einen afrikanischen Baobab-Baum, der aus 51 Kilometer Bindedraht hergestellt wurde.

Der World Garden of Plants ist in diesem Jahr vom 31. März bis zum 28. Oktober jeweils von Freitag bis Sonntag von 12 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £9, darin enthalten ist auch eine Führung durch das Manor House, die an den genannten Tagen immer um 14 Uhr beginnt.

Das Lullingstone Castle liegt in unmittelbarer Nähe der Londoner Ringautobahn M25 bei Eynsford. Dieser Film zeigt einen Drohnenflug über das Gelände

Ein kleiner Gag am Rande: Im Lullingstone Castle wurde einer der legendären Werbespots für comparethemeerkat.com aufgenommen, der „Tough Decision“ heißt und hier zu sehen ist. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag.

Der Eingang zum World Garden.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

 

Der Drahtbaum.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Ghost Bikes in London – In Erinnerung an im Stadtverkehr tödlich verunglückte Radfahrer

Am 17. Oktober 2014 starb hier am Ludgate Hill die deutsche Studentin Janina Gehlau. Ein abbiegender LKW-Fahrer hatte sie auf ihrem Fahrrad übersehen.
Copyright: London Remembers.

Ich hätte keine Lust in London Fahrrad zu fahren. Erst einmal nicht wegen der Abgase und zweitens zählen Radfahrer nicht im Londoner Straßenverkehr, die Autofahrer betrachten sie mehr oder weniger als lästiges Übel. Immer wieder kommt es in der Stadt zu tödlichen Unfällen, oftmals mit LKWs, manchmal liegt es aber auch am Leichtsinn von einigen Zweiradfahrern. Sieht man irgendwo in London am Straßenrand weiße geschmückte Fahrräder, dann heißt das, dass hier ein Radfahrer zu Tode gekommen ist. Die Bewegung der „Ghost Bikes“ begann im Jahr 2003 in St Louis im US-Bundesstaat Missouri und verbreitete sich von hier in viele Länder der Welt.

Eine für Radfahrer besonders gefährliche Kreuzung ist dort, wo die Euston Road, die Pentonville Road und der York Way zusammentreffen. Hier sind schon drei Radfahrer ums Leben gekommen, zuletzt die 24jährige koreanische Studentin Min Joo Lee, die am 3. Oktober 2011 von einem LKW überrollt wurde.

In Memoriam Min Jo Lee.
Photo © Steve Fareham (cc-by-sa/2.0)

Auch Stella Chandler wurde von einem abbiegenden LKW übersehen und überrollt. Dieser Unfall fand am 10. Dezember 2009 am Vanbrugh Hill Ecke Woolwich Road in Greenwich statt. Ein weißes Ghost Bike wurde an der Unglücksstelle an einem Straßengitter angekettet.

Hier starb Stella Chandler.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Ein weiteres Opfer eines LKW-Unfalls war die 26jährige Federica Baldassa, die auf dem Heimweg in Holborn überrollt wurde. Das weiße Fahrrad erinnert an ihr tragisches Schicksal.

Ein Ghost Bike für Federica Baldassa.
Copyright London Remembers.

Hier ist ein Film über Londoner Ghost Bikes.

Published in: on 17. Februar 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Penzance (Cornwall) – Großbritanniens erste Plastic Free Town

So sieht es an vielen Stränden Großbritanniens aus. Doch der Kampf gegen den Plastikmüll hat begonnen.
Photo © Andy Waddington (cc-by-sa/2.0)

An den Stränden von Cornwall sammelt sich der Plastikmüll an, den der Atlantische Ozean wieder ausgespuckt hat, nachdem ihm Abertausende Tonnen davon zugeführt worden sind. Jede Minute werden weltweit eine Million Plastikflaschen verkauft und viele davon landen in den Weltmeeren. Maßnahmen der Politik zur Eindämmung dieser Flut dauern unendlich lange und da greifen einige Kommunen schon einmal zur Selbsthilfe und warten nicht erst ab, ob irgendwann einmal von ganz oben Vorschriften erlassen werden. In Großbritannien hat Englands südwestlichste Stadt Penzance eine Vorreiterrolle übernommen und sie wurde Ende 2017 als erste „Plastic Free Town“ ernannt.

Rachel Yates ist das Gesicht dieser Kampagne, die unermüdlich gegen Plastik in ihrer Stadt kämpft. Da geht es auf der einen Seite um die Sauberhaltung der Strände, sicher eine Sisyphusarbeit, und dann auf der anderen Seite um Müllvermeidung, speziell um den Verzicht auf Einwegflaschen und -becher. Die Aktion in Penzance wird von der Organisation Surfers Against Sewage (SAS) unterstützt, die Stadtverwaltung steht mit Rat und Tat zur Seite und immer mehr örtliche Händler solidarisieren sich damit, indem sie auf Plastikverpackung verzichten (soweit das möglich ist).

Das Interesse von anderen Städten im ganzen Land ist groß und SAS geht davon aus, dass es im Jahr 2020 124 plastikfreie Kommunen geben wird. Fünf Ziele müssen erreicht werden, um den Status  einer „plastic free town“ zu bekommen:

  1. Strategic. Approaching our town council in order to tackle single use plastics at a strategic level
  2. Business. Lobbying and encouraging local businesses to ban single use plastics or switch to sustainable alternatives
  3. Communities. Engaging with and encouraging other communities, groups and organisations to take action on single use plastics.
  4. Education. Rolling out ‚Plastic Free Schools‘ across our town
  5. Positive action. Holding beach cleans, fundraisers and other awareness raising events

Auch das Erste Deutsche Fernsehen war schon in Penzance zu Besuch und berichtete in der Sendung Weltspiegel am 11. Februar über den dortigen Kampf gegen den Plastikmüll, hier zu sehen.

Penzance in Cornwall.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Februar 2018 at 02:00  Comments (5)  
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Winter Hill – Ein Berg im Rivington Moor (Lancashire), der zwei Songs inspirierte

Winter Hill Transmitting Station.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Rund 450 Meter hoch ist er, der Winter Hill auf dem Rivington Moor, nördlich von Bolton in der Grafschaft Lancashire, „the site of mining activity, aeroplane disasters and murders“ wie es in der Wikipedia heißt. Sollte man um dieses Moor und den Berg lieber einen großen Bogen schlagen?

Die Zeiten des Bergbaus sind natürlich schon lange vorbei, und es ist auch schon eine Weile her, dass Flugzeuge hier oben zu Schaden gekommen sind. Das schlimmste Unglück ereignete sich am 27. Februar 1958, als ein Flugzeug auf dem Weg von der Isle of Man nach Manchester bei extrem schlechten Wetterverhältnissen oben auf dem Winter Hill abstürzte. 35 Menschen kamen dabei ums Leben; eine Gedenkplakette an der Absturzstelle erinnert an die Opfer. Auch mehrere Militärflugzeuge knallten gegen die Bergkuppe, die offensichtlich bei niedrigen Wolken schwer zu erkennen ist.

Am 9. November 1838 ereignete sich ein Mord auf dem Winter Hill, der niemals aufgeklärt werden konnte. Ein schottischer Handelsreisender namens George Henderson wurde auf dem Weg von Bolton nach Blackburn hier oben erschossen; Täter unbekannt. Mit dem Scotsman’s Stump hat man auch ihm eine Erinnerungsstätte gewidmet.

Das weithin sichtbare Wahrzeichen des Berges ist die Winter Hill Transmitting Station, ein 310 Meter hoher Telekommunikationsmast, eines der höchsten Bauwerke im Land, der 1966 errichtet wurde und der dazu dient, Radio- und Fernsehsignale zu verbreiten. Ich stelle mir lieber nicht vor wie es sein muss, wenn man ganz oben am Mast Wartungsarbeiten vornehmen muss… Hier ist ein Film über den Masten.

Zwei Musikstücke wurden vom Winter Hill inspiriert. Da ist einmal die 1977 im Großraum Manchester gegründete Band A Certain Ratio, die 1981 einen Song namens „Winter Hill“ aufnahmen, der auf dem Album „To Each…“ erschien. Die Bandmitglieder sollen bei einem Besuch des Telekommunikationsmasten aus einer daneben stehenden Hütte, in der sich viele elektronische Apparaturen befanden, ein „droning noise which changes every ten seconds“ gehört und in ihren Song eingearbeitet haben. Hier ist der Song zu hören.

Aus Winslow in Cheshire kommt die Band Doves, die dem Berg ebenfalls ein Lied gewidmet hat. „Winter Hill“ wurde 2009 auf ihrem Album „Kingdom of Rust“ veröffentlicht.

„Climb the long grassy track
To the top of winter hill
Climb the real rocky track to the top
I’ll see you back
I’ll see you back on winter hill“

… so ein Teil des Textes. Hier ist das Musikvideo.

Das Air Disaster Memorial.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der Scotsman’s Stump.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Eine gefährliche Begegnung am Londoner Tobacco Dock im Jahr 1857 zwischen einem Tiger und einem Kind

Die Boy and Tiger Statue am Tobacco Dock.
Copyright: steveb5498.
With friendly permission of the author.

Der Name Tobacco Dock im Londoner Stadtteil Wapping sagt aus, was hier früher einmal angeliefert wurde. In erster Linie wurde Tabak  in dem Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten Lagerhaus gespeichert. Doch die Schiffe, die die Themse aus fernen Ländern heraufkamen, brachten manchmal auch exotisches Getier mit, das der Importeur Charles Jamrach geordert hatte. Der deutschstämmige Jamrach (1815-1891) hatte seine Tierhandlung, damals die größte der Welt, gleich um die Ecke von den Docks am Ratcliffe Highway, heute die A1203, nur The Highway genannt. Im Jahr 1857 hatte der Händler einen bengalischen Tiger erhalten, den er an einen Zoo oder Zirkus weiterverkaufen wollte. Irgendwie gelang es dem Tier, aus der Transportbox zu entfliehen und so lief Mr Tiger durch die Straßen von Wapping, zum Entsetzen der dort flanierenden Menschen. Ein kleiner Junge, der so ein riesiges Tier noch nie gesehen hatte, lief auf ihn zu, um ihn zu streicheln. Der Tiger wusste nicht so recht, was er von den geplanten Streicheleinheiten halten sollte und schnappte sich das Kind, das er ein Stück Wegs im Maul mit sich schleppte, bis Charles Jamrach auf der Bildfläche erschien. Tollkühn und mit dem Mut der Verzweiflung steckte er dem Tiger seine Hand in den Rachen, bis der das zappelnde Kind wieder losließ. Das Ende der Geschichte: Das Kind hatte für lange Zeit jegliche Tiger-Streichel-Ambitionen verloren, der Tiger selbst wurde an den Schausteller George Wombwell verkauft und Charles Jamrach auf  £300 Schmerzensgeld verklagt.

Am Nordeingang der Tobacco Docks, an der Pennington Street, zurzeit ein überwiegend leerstehendes Gebäude, findet man eine Bronzestatue, die an dieses Ereignis aus dem Jahr 1857 erinnert.

Die in Manchester geborene Schriftstellerin Carol Birch hat in ihrem Roman „Jamrach’s Menagerie„, der auf der Shortlist des Man Booker Prizes im Jahr 2011 stand, über das Leben des Charles Jamrach geschrieben. Übersetzt wurde das Buch unter dem Titel  „Der Atem der Welt„.

Hier ist ein Film, der Jamrachs Geschichte kurz nacherzählt

Published in: on 14. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

St Mary’s in East Somerton – Eine wildromantische Kirchenruine in Norfolk

In Norfolk gibt es zwei Dörfer, die direkt ineinander übergehen: West Somerton und East Somerton. Beide haben eine Kirche, die St Mary’s heißen; nicht so besonders originell, aber der Heiligen Maria wurden nun einmal im ganzen Land unzählige Kirchen gewidmet. West Somerton’s St Mary ist eine richtig schöne Kirche aus dem Mittelalter, in der regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Sie wurde im Jahr 2012 mit dem English Heritage Angel Award ausgezeichnet für die besten Restaurierungsarbeiten.

Die andere St Mary’s in East Somerton, an einem schmalen Weg namens Back Lane gelegen, muss man erst einmal suchen, denn sie existiert nur noch in Ruinen und die sind von der Natur so überwuchert worden, dass man die alten Gemäuer leicht übersehen kann. Wenn man ein Musterbeispiel für romantische Ruinen sucht, hier wird man fündig. Nachdem die Kirchengemeinde von St Mary’s mit der im benachbarten Winterton zusammengelegt wurde, brauchte man die Kirche eigentlich nicht mehr. Hin und wieder  fanden in ihr noch Andachten statt für die Bewohner von Burnley Hall, auf deren Gelände sie stand, doch irgendwann im 17. Jahrhundert war Schluss und man ließ der Natur ihren Lauf, die die Gelegenheit gern ergriff, um die Kirche nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Teile der Mauern und das Dach brachen im Laufe der Zeit weg. Mitten im ehemaligen Kirchenschiff steht jetzt ein Baum, den Mutter Natur passend fand, hier anzusiedeln. Beeindruckend auch das riesige klaffende Portal.

Kein Wunder, dass die Ruinen Geisterjäger anziehen, die des Nachts versuchen, mit den unsichtbaren „Bewohnern“ von St Mary’s Kontakt aufzunehmen. Auch um die Eiche mitten in der Kirche, The Witch’s Finger genannt, ranken sich Geschichten. Vor vielen Jahrhunderten will man eine Hexe mit Holzbein gefasst und in der Kirche lebendig begraben haben. Aus diesem Holzbein soll, so die Legende, die Eiche entstanden und so groß geworden sein, dass sie die Kirche letztendlich zerstörte. Also ein Racheakt der Hexe.

East und West Somerton liegen nur ein paar hundert Meter vom Meer entfernt, nördlich der Stadt Great Yarmouth.

Published in: on 13. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Greenham Common in Berkshire – Der frühere Atomraketen-Stützpunkt gestern und heute

Demonstrierende Frauen im Jahr 1982.
Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

In den 1980er Jahren war der Name „Greenham Common“ in der ganzen Welt bekannt, obwohl sicher viele nicht wussten, wo der Ort eigentlich genau liegt (an den südlichen Außenbezirken der Stadt Newbury in Berkshire). In den Nachrichten und in den Medien wurde immer wieder von Protesten, Demonstrationen und Belagerungen dieses US-Militärstützpunktes in Berkshire berichtet. Ich fasse noch einmal kurz zusammen: Greenham Common diente schon im Zweiten Weltkrieg der US Air Force, um hier Kampf- und Transportflugzeuge zu stationieren. Auch nach dem Weltkrieg, in den Zeiten des Kalten Krieges, blieb der Stützpunkt in US-amerikanischer Hand. In den 1980er Jahren, als die Bedrohung aus dem Osten aus Sicht der NATO größer geworden war, entschied man sich dafür, mit Atomsprengköpfen versehene Cruise Missiles in Großbritannien zu stationieren, 96 davon hier auf dem Gelände von Greenham Common. Diese Raketen wurden in Spezialbunkern gelagert und waren auf Sattelzügen montiert, so dass die Marschflugkörper im Ernstfall in wenigen Minuten ihren Standort verlagern konnten, wobei ihr Weg dann durch die friedlichen Dorfstraßen von Berkshire geführt hätte.
Diese militärischen Maßnahmen und Strategien verursachten in der Bevölkerung eine bis dahin nie gekannte Unmutswelle. So etwas mochte eigentlich keiner vor seiner Haustür haben. Die Gefahr einer Katastrophe war groß, zum Beispiel durch den Transport der Cruise Missiles.

1981 bildete sich das Greenham Common Women’s Peace Camp, ja, es waren vor allem Frauen, die sich vehement gegen die Stationierung von Atomwaffen einsetzten. Sie blockierten die Zugänge zum Stützpunkt und 1983 bildeten die tapferen Frauen zweimal eine Menschenkette rund um Greenham Common (rund 23 Kilometer), die aus bis zu 70 000 Menschen bestand. Glücklicherweise kamen die Raketen nie zum Einsatz, 1991 wurden sie komplett von Greenham Common abgezogen, doch trotzdem blieb das Peace Camp hier noch bis zum Jahr 2000 bestehen; eine Protestlerin war 19 Jahre dabei. 1993 wurde die ganze militärische Anlage von der Royal Air Force geschlossen und aufgegeben. Es herrschte wieder Ruhe in Greenham Common.

Der Greenham and Crookham Commons Act aus dem Jahr 2002 regelte, was mit dem Ex-Militärgelände geschehen sollte und ein ganz wichtiger Satz darin lautet: „the public shall have a right of access to the Common and any additional open space on foot for the purpose of open-air recreation„. Die asphaltierte Landebahn, die längste in Europa, wurde aufgebrochen und das Material zum Bau einer Umgehungsstraße um Newbury herum verwendet. Es stehen noch vereinzelt Militärgebäude auf dem Gelände, auch die Raketensilos sind nach wie vor zu sehen. Der Greenham Business Park hat sich hier angesiedelt und statt grimmig dreinschauendem militärischem Wachpersonal begegnet man jetzt Radfahrern und Joggern, die Greenham Common wieder ganz für ihre friedlichen Zwecke vereinnahmt haben.

Dieser Film zeigt wie Greenham Common heute aussieht.

Greenham Common von oben gesehen.
Photo © M J Richardson (cc-by-sa/2.0)

 

Einer der Raketensilos.
Author: Donna from Belfast.
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Published in: on 12. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Subbuteo – Ein Tischfußballspiel, das in Langton Green (Kent) erfunden wurde

Das Dorfschild von Langton Green (Kent).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Für diejenigen, die mit dem Begriff  „Subbuteo“ nichts anfangen können, ist hier eine Definition, die ich der Wikipedia entnommen habe:

„Subbuteo ist ein aus England stammendes Tisch-Fußballspiel für zwei Spieler. Gespielt wird Subbuteo auf einem grünen Tuch (meist aus Baumwolle oder einer Art Micro-Kunstrasen), das etwa 80 Zentimeter breit und 120 Zentimeter lang ist. Anders als etwa bei Tipp-Kick verfügt jeder Spieler über zehn frei bewegliche Feld-Spielfiguren. Diese sind etwa zwei Zentimeter hoch und stehen auf einem abgerundeten Sockel. Der Spielball hat einen Durchmesser von ebenfalls etwa zwei Zentimetern. Der jeweilige Torwart ist an einer Stange befestigt, so dass der Spieler ihn von der Rückseite des Tores aus bedienen kann. Gespielt wird Subbuteo, indem man den Zeige- oder Mittelfinger durch Druck auf das Spieltuch (nicht auf den Daumen) spannt und eine Spielfigur „schnippt“, also schnellen lässt. Der Ball wird dann je nach Richtung und Kraft der Spielfigur bloß berührt oder vorangetrieben“.

Erfunden wurde dieses Spiel im Jahr 1947 von einem gewissen Peter Adolph, der in Langton Green (Kent) bei Tunbridge Wells wohnte. Eigentlich wollte Mr. Adolph das Spiel „The Hobby“ nennen; da das Patentamt diesen Begriff aber als zu allgemein ablehnte, ersann der Erfinder den Begriff Subbuteo. Warum? „Hobby“ heißt im Englischen auch der Baumfalke, dessen lateinischer Name wiederum „Falco Subbuteo“ ist. Streichen wir das „Falco“ weg, dann bleibt „Subbuteo“ übrig. Fertig!

Das Tischfußballspiel erfreute sich so großer Beliebtheit, dass Peter Adolph mit der Produktion in Langton Green begann, wobei die Figuren z.T. in Heimarbeit hergestellt wurden. Als England 1966 die Fußballweltmeisterschaft gewann, gab das einen weiteren Schub für die Subbuteo-Popularität. Adolph verkaufte das Spiel für £250,000 an die Spielzeugfirma Waddingtons, die die Produktion in ein größeres Gebäude nach Tunbridge Wells verlagerte. In den 1980er Jahren schließlich wurde das Spiel nur noch in Leeds hergestellt.

Subbuteo ist weltweit beliebt und es werden sogar Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen.

Es sind Lieder über das Spiel geschrieben worden:
Die aus Birkenhead (Merseyside) stammende Gruppe Half Man Half Biscuit nahm 1986 den Song“All I Want For Christmas Is a Dukla Prague away kit“ auf.
Im Musikvideo „My perfect cousin“ der Undertones wird Subbuteo gespielt und darauf Bezug genommen.

Hier sind Bilder vom World Cup-Finale Frankreich gegen Kroatien.

Das Buch zum Artikel:
Mark Adolph: Growing Up with Subbuteo – My Dad Invented the World’s Greatest Football Game. Sportsbooks 2006. 224 Seiten. ISBN 978-1899807406.

This work is released into the public domain.

Published in: on 11. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mit dem Flightradar 24 über dem Londoner Flughafen Heathrow

Eine Boeing 747 der British Airways im Landeanflug auf Heathrow.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Ich finde Flughäfen immer wieder faszinierend, dazu gehört auch der größte in Europa, Londons Heathrow. Zuletzt flog ich von dort aus nach Brüssel, auch ein viel größerer Flughafen als ich mir das vorgestellt hatte. Ich halte mich in England häufig in den Grafschaften Buckinghamshire und Berkshire auf und hier wird man ständig mit tieffliegenden Boeings und Airbussen konfrontiert, die entweder Heathrow ansteuern, den Flughafen verlassen oder in großen Warteschleifen auf eine Landeerlaubnis warten. Das Dröhnen von Flugzeugturbinen gehört für die Menschen, die in dieser Region leben, zum Alltag dazu. Befährt man die Autobahn M25 in Höhe der Kreuzung mit der M4 kann man sicher sein, dort mehrere startende oder landende Maschinen zu sehen.

Mich interessiert immer sehr, in welche Teile der Welt, die Flugzeuge wohl fliegen mögen bzw. wo sie gerade herkommen. Mit Hilfe des Flightradar24 ist dies möglich, natürlich auch unterwegs vom Smartphone aus. Ich werfe einmal einen Blick auf den Heathrow-Flugverkehr am Freitag, dem 10. Februar um 7.30 Uhr. Was tut sich da gerade?

Einige Flugzeuge aus den USA kommen, bewegen sich da in Warteschleifen. eine Boeing 767 aus Chicago kommend, eine Boeing 777 aus Houston und ein Airbus 330 aus Charlotte. Eine aus Buenos Aires kommende Boeing 777 wartet auf die Landeerlaubnis wie auch eine Maschine des gleichen Typs aus Sao Paulo. Ein riesiger Airbus A380 aus Johannesburg in Südafrika hat sein Ziel fast erreicht wie auch ein weiterer A380 aus Dubai. Ein Airbus A340 der Air Mauritius aus Port Louis kommend, zieht seine Kreise über London, dahinter eine Boeing 777 aus Saudi Arabien. Aber im Himmel sind nicht nur landende und startende Flugzeuge auszumachen, viele befinden sich auch in größerer Höhe im Überflug wie eine Air Canada-Maschine auf dem Weg von Montreal nach Paris, eine United Airlines Boeing 777 von San Francisco nach Frankfurt und eine A380 von Dubai nach Manchester.

Ich finde das großartig, dass man den Verkehr im Himmel in der ganzen Welt mit dem Flightradar 24 verfolgen kann.

Heathrow von oben gesehen.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Februar 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Dixe Wills: Tiny Histories

Foto meines Exemplars.

Wie kürzlich angekündigt, stelle ich heute ein weiteres Buch aus der Feder von Dixe Wells vor: „Tiny Histories: Trivial Events & Trifling Decisions That Changed British History„. Nach den „Tiny Islands“ und den „Tiny Churches“ hat sich Dixe Wells nun die kleinen Ereignisse vorgenommen, die den Lauf der Geschichte verändert haben und das ist hochinteressant.

Die Geschichte „A British soldier shows mercy to a future German Chancellor“ hat mich am meisten beeindruckt. Sie ereignete sich am 28. September 1918 im Ersten Weltkrieg auf französischem Boden bei Marcoing. Der 29jährige Soldat Adolf Hitler geriet in das Visier eines britischen Soldaten, der eigentlich abdrücken wollte, aber da der Deutsche offensichtlich verwundet war, brachte der Brite es nicht über das Herz, ihn zu erschießen. So entkam der spätere „German Chancellor“ oder besser Massenmörder. Wie wäre die Weltgeschichte verlaufen, wenn der britische Soldat damals abgedrückt hätte?

Sehr interessant ist auch die Geschichte „A key to a locker is accidentally taken off a ship„. Bevor die Titanic im April 1912 ihre Jungfernfahrt antrat, wurde noch ein hochrangiger Offizier von dem Schwesterschiff Olympic versetzt, was bedeutete, dass alle Titanic-Offiziere einen Rang herunterrutschten. Den letzten beißen die Hunde könnte man in diesem Fall sagen, denn einer der rangniedrigen Offiziere, David Blair, wurde ganz von dem Schiff genommen. Dummerweise hatte Blair vergessen den Schlüssel zu einer Kiste an Bord zu lassen, die sich oben im Krähennest befand. In dieser Kiste war ein Fernglas, mit dem der Ausguck eigentlich die Umgebung absuchen sollte… Da die Eisberge damals auf dieser Route eine große Gefahr für die Schifffahrt darstellten, hätte der Ausguck im Krähennest mit Fernglas möglicherweise den verhängnisvollen Eisberg frühzeitig erkannt und die Titanic hätte ein Ausweichmanöver durchführen können. Aber die Kiste war verschlossen, und der Schlüssel steckte in der Hosentasche von David Blair. Das Schiff kollidierte am 14. April 1912 mit dem eisigen Koloss.

Das Buch von Dixe Wells erinnert mich an die von Robert Cowley herausgebene Reihe „What if?“, in der ähnliche Szenarien durchgespielt werden.

Dixe Wells: „Tiny Histories: Trivial Events & Trifling Decisions That Changed British History“. Quadrille 2017. 223 Seiten. ISBN 978-1-78713-098-2

 

Published in: on 9. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  

Ein Ausgehtipp für London: The Bunga Bunga Restaurant, Pizzeria und Bar in Battersea

An der Ecke Battersea Bridge Road/ Howie Street im Londoner Stadtteil Battersea, direkt neben dem Royal College of Art, stand früher einmal ein Pub namens The Brunel, der seine Pforten schließen musste. Seit 2011 findet sich darin ein italienisches Lokal, das Bunga Bunga heißt. Noch ein Italiener fragt man sich, davon gibt es doch schon so viele in London. Doch dieses Restaurant ist etwas anders als all die anderen, multifunktioneller würde ich sagen. Das zweistöckige Haus besteht aus Restaurant/Pizzeria, Karaokebar, aus der Martini Prosecco Beach Bar und dem L’Osservatorio, das man für private Feiern buchen kann.

In das Bunga Bunga sollte man möglichst in einer Gruppe hingehen, darauf ist es zugeschnitten, und wer einen ruhigen, romantischen Abend verbringen möchte, ist hier fehl am Platze. Die Pizzen sind in dem Lokal die Spezialität, sie tragen Namen wie Italian Stallion, Julius Cheeser und Frank’s Capra. Am beliebtesten sind aber die bis zu einem Meter langen Pizzen, die man sich zu mehreren am Tisch teilen kann.

Und dann gibt es die kuriosen Cocktails und da finden wir auch die Beziehung zu dem Namen des Etablissements wieder. Ein Bunga Bunga-Cocktail wird in einem Gefäß serviert, das dem Kopf von Silvio Berlusconi nachempfunden ist, dessen Bunga Bunga-Parties eine Zeit lang die Weltpresse beschäftigte. Es gibt weitere prominente Köpfe, aus denen man sein Getränk schlürfen kann, so beispielsweise den von Berlusconis Nachfolger Mario Monti (der Cocktail heißt Supermario Monti) und den von Mario Balotelli (The Balotelli), dem exzentrischen Fußballspieler (zurzeit bei OGC Nizza). Es ist auch möglich, sich zu mehreren einen Cocktail zu teilen wie The Vespa, der aus einem kleinen Motorroller getrunken wird (£60 für drei Personen), The Leaning Tower of Pisa, in einem schiefen Turm kredenzt (£95 für sechs), The Colosseum (£140 für acht) und schließlich das Highlight, der Italia 90, in einem World Cup serviert (£260 für 8-10 Personen), denn 1990 war Italien das Gastland für die Fußball-Weltmeisterschaften (die Deutschland gewann, Italien wurde Dritter).

Es ist immer was los im Bunga Bunga wie dieser Film zeigt und bei der Geburtstagsparty anlässlich des fünfjährigen Bestehens sah es hier so aus.

Bunga Bunga
37 Battersea Bridge Road
London SW11 3BA

Published in: on 8. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der FC Everton – Sein Spitzname und sein Vereinslied

Am letzten Samstag ist der FC Everton in der englischen Premier League gegen den Londoner Verein Arsenal kläglich mit 5:1 untergegangen und damit stehen sie in der Tabelle von dieser Woche auf Platz 10.

Everton ist ein Stadtteil von Liverpool und die Fußballmannschaft stand immer im Schatten seines großen Nachbarn, dem FC Liverpool, zurzeit von Jürgen Klopp trainiert. Die beiden Fußballstadien Goodison Park und Anfield Road liegen nur rund 15 Minuten zu Fuß voneinander entfernt. Der prominenteste Spieler in Everton ist momentan Wayne Rooney.

Wie die meisten Premier League Clubs hat auch der 1878 gegründete FC Everton einen Spitznamen. Das Team nennt sich The Toffees, die Karamelbonbons. Woher kommt dieser Name?

Vor langer Zeit war Old Ma Bushell für ihre Everton Toffees berühmt und stand in direkter Konkurrenz zu Old Mother Noblett, die sich wiederum einen Namen durch ihre Everton Mints gemacht hatte. Beide Süßigkeiten waren bei den Fans des FC Everton sehr beliebt. Als der Verein von der Anfield Road, wo er früher spielte, in den Goodison Park umzog, bekam Ma Bushells Ye Anciente Everton Toffee Shop Probleme, weil die Fans nicht mehr an ihrem Laden vorbeiliefen. Da hatte sie eine Idee: Sie holte sich von der Vereinsführung die Erlaubnis, innerhalb des Stadions vor dem Spiel ihre Toffees zu verteilen und das tat ihre hübsche Enkelin. Diese Tradition ist bis heute geblieben. Die Everton Toffee Lady (hier zu sehen), eine Frau aus dem Fanlager des Clubs, verteilt vor Spielbeginn die Süßigkeiten, allerdings sind es nun Everton Mints.

Die Toffees haben wie andere Vereine auch eine Art Hymne, die gespielt wird, wenn die Mannschaften in den Goodison Park einziehen, und zwar ist das die ehemalige Erkennungsmelodie der BBC-TV-Serie Z Cars (ich berichtete in meinem Blog darüber), die in den 1960er und 1970er Jahren gesendet wurde und in Deutschland unter dem Titel „Task Force Police“ lief. Die von Fritz Spiegl arrangierte Melodie basierte auf dem Liverpooler Shanty „Johnny Todd„. Dieser Film zeigt den Einzug der Toffees in ihr Stadion.

Die Toffees spielen gegen die Rovers aus Blackburn.
Photo © Kevin Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Dixe Wills: Tiny Churches

Foto meines Exemplares.

Von Dixe Wills, Journalist und Autor von mehreren Büchern, habe ich in meinem Blog bereits sein „Tiny Islands“ und sein „The Z – Z of Great Britain“ vorgestellt. Über sein Buch „Tiny Histories“, das ich gerade lese, werde ich demnächst berichten.

Heute möchte ich das Buch „Tiny Churches“ vorstellen, das erstmals 2016 erschien und 2017 zweimal nachgedruckt wurde. Das Buch gefällt schon, wenn man es in die Hand nimmt. Ein durchbrochener Schutzumschlag zeigt ein schon fast dreidimensionales Bild von einem Kirchenfenster; genauso schön ist der Buchdeckel gestaltet. Der erste positive Eindruck setzt sich fort, wenn man das Buch aufschlägt und darin blättert. Das Thema ist kleine und kleinste Kirchen in ganz Großbritannien, illustriert mit zahlreichen Bildern.

Da gibt es Kirchen, die weit weg von allem stehen wie zum Beispiel St Peter-on-the Wall bei Bradwell-on-Sea (Essex), die rund um die Uhr geöffnet und nur zu Fuß erreichbar ist. Auch St Michael de Rupe bei Brentor (Devon) im Dartmoor ist nicht leicht zugänglich, weil sie hoch oben auf einem Felsen liegt.
In manchen Kirchen werden nie mehr Gottesdienste abgehalten, in anderen wiederum hin und wieder einmal. Die Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire wird nur einmal im Jahr am sogenannten Rogation Sunday, das ist der Sonntag vor Christi Himmelfahrt, benutzt.

Dixe Wills gibt bei jedem Eintrag exakt an, wie die Kirche mit dem öffentlichen Nahverkehr und zu Fuß zu erreichen ist, wann sie geöffnet hat und wo man sich gegebenenfalls den Schlüssel holen kann. Auch die Zeiten, falls und wann darin Gottesdienste abgehalten werden.

Wer sich für britische Winzlings-Kirchen interessiert, wird mit diesem Buch hochzufrieden sein. Highly recommended!!!

Dixe Wills: Tiny Churches. The AA Publishing 2017. 320 Seiten. ISBN 978-0-7495-7768-1

St Peter-on-the-Wall bei Bradwell-on-Sea in Essex.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

St Michael de Rupe bei Brentor in Devon.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire.
Photo © White Socks (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Februar 2018 at 02:00  Comments (4)  

Stoke Park – Ein Luxushotel in Stoke Poges (Buckinghamshire)

Das Stoke Park Hotel in Stoke Poges, im äußersten Süden der Grafschaft Buckinghamshire, wird seit Jahren schon mit Lobeshymnen überhäuft. „A stay at this country house hotel is as good as it gets“, sagt zum Beispiel das Magazin Marie Clare, und der Evening Standard meint „No.1 best wedding venue just outside of London“. Der angeschlossene Golfplatz wird ebenso in den höchsten Tönen gelobt; das Golfhaus bekam im vorigen Jahr die Auszeichnung „Best clubhouse in the world“ und das Great Golf Magazine ernannte Stoke Park zum „Best Gourmet golf resort in the world 2017“.

Das wunderschön nördlich von Slough gelegene Haus wurde 1908 Großbritanniens erster Country Club. Das imposante Gebäude, das auf einem Grundstück erbaut wurde, das einmal John Penn gehörte, der seinen Reichtum in Pennsylvania gemacht hatte, wurde von dem berühmten Architekten James Wyatt (1746-1813) entworfen; die Parkanlagen tragen die Handschrift von Lancelot „Capability“ Brown und Humphry Repton.

Das Stoke Park Hotel gehört in die 5*-Kategorie, das Fine Dining-Restaurant „Humphry’s„, benannt nach dem Gartenbauer, erfreut sich dreier AA-Rosetten und gehört mit zu den besten Südenglands. Chefkoch ist seit vierzehn Jahren schon der mehrfach ausgezeichnete Chris Wheeler, der viele Jahre unter dem französischen Starkoch Jean-Christophe Novelli gearbeitet hat. Sein siebengängiges Tasting Menu kostet £85.

Wer im Stoke Park einmal übernachten und gleichzeitig Chris Wheelers Kochkünste erleben möchte, kann dies für £488 tun (Standard-Doppelzimmer, Frühstück und Dreigang-Menü inklusive).

Dieser Film zeigt das Innere und das Äußere dieses großartigen Hotels.

Wer den James Bond-Film „Goldfinger“ gesehen hat, erinnert sich sicher noch an die Szene auf dem Golfplatz mit Sean Connery und Gert Fröbe (hier noch einmal zu sehen), die hier in Stoke Park gedreht wurde. Ein weiterer James Bond-Darsteller, Pierce Brosnan, war einige Jahre später in dem Film „Tomorrow never dies“ („dt. „Der Morgen stirbt nie“) im Ballroom des Hotels zu sehen, und Daniel Craig, der auch einmal ein James Bond werden sollte, spielte den Mr X in dem Thriller „Layer cake“ (dt. Layer cake“), in dem ebenfalls Stoke Park zu sehen ist.
Im Jahr 1998 war das Produktionsteam von Midsomer Murders („Inspector Barnaby“) hier zu Gast, um einige Szenen für Episode 7 „Strangler’s Wood“ (dt. „Der Würger von Ravens Wood“) zu drehen.

Stoke Park, Country Club, Spa and Hotel
Park Road
Stoke Poges SL2 4PG

 

 

Published in: on 5. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The National Fish and Chips Awards 2018

Vor wenigen Tagen wurden die National Fish and Chips Awards 2018 vergeben. Werfen wir doch einmal einen kurzen Blick auf die besten drei „Chippies“.

Auf Platz 1 steht in diesem Jahr die Nummer 3 des Vorjahres: Miller’s Fish and Chips in der Straße The Village in Haxby (North Yorkshire). Haxby ist eine kleine Vorstadt von York, nur ein paar Kilometer nördlich gelegen. Die Millers betreiben ihren kleinen Fish and Chips-Laden schon in der vierten Generation und das mit viel Erfolg, denn auf dem Siegertreppchen zu stehen ist schon eine tolle Sache. Die Preise sind recht niedrig, alle Fish and Chips-Varianten liegen unter 5 Pfund. Dass die Millers nicht nur das Leib und Magen-Gericht vieler Engländer produzieren können, sondern Fisch auch auf andere Art zubereiten, zeigt dieser Blick hinter die Kulissen.

Auf Platz 2 finden wir den Burton Road Chippy in Lincoln (Lincolnshire); keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Die Burton Road ist eine lebhafte Geschäftsstraße im Nordwesten der Stadt Lincoln, an der auch das Museum of Lincolnshire Life zu finden ist. Das Chippy besteht aus zwei Abteilungen, dem Restaurant und dem Takeaway. Im Restaurant gibt es eine Vielzahl von Variationen rund um Fisch, im Takeaway fünf verschiedene Fish and Chips-Gerichte.

Platz 3 nimmt das Harbourside Fish & Chips in Plymouth (Devon) ein. Es liegt an der Southside Street, also nur nur wenige Schritte vom Hafen entfernt. Die Straße mündet auf den Barbican, der sich den Hafen entlangzieht.  Das Chippy existiert hier schon seit den 1970er Jahren und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Einheimischen und den vielen Besuchern der Stadt Plymouth. Kabeljau und Schellfisch werden hier überwiegend als Fish and Chips angeboten.

Published in: on 4. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Treadwell’s Bookshop – Eine auf esoterische Literatur spezialisierte Londoner Buchhandlung

Wo kaufen die vielen esoterisch Interessierten, Magiere, Druiden und Hexen, die in der britischen Hauptstadt leben, ihre Literatur und ihr magisches Zubehör? Vor allem in drei Londoner Buchhandlungen, die sich auf dieses Genre spezialisiert haben wie im Atlantis Bookshop in der Museum Street, bei Watkins Books am Cecil Court und bei Treadwell’s; letzteren möchte ich heute in meinem Blog vorstellen.

Da ist zuerst einmal Treadwell’s Bookshop in der Store Street Nummer 33 in Bloomsbury, einer Geschäftsstraße nur ein paar Schritte vom British Museum entfernt. Gegründet wurde sie 2003 von Christina Oakley Harrington, die sich Zeit ihres Lebens für spirituelle Dinge interessiert und die auch heute noch die Buchhandlung leitet. Der Schwerpunkt des Bücherangebots liegt nach eigenen Angaben auf „Western esotericism and European and British Paganism“. Doch man bekommt in dem Laden weit mehr als Bücher; da gibt es u.a. Kristallkugeln zu kaufen, Hexenkessel, Vollmond-Weihrauch, Verführungs-Sprays und Green Man-Broschen. Darüberhinaus finden bei Treadwell’s zahlreiche Veranstaltungen statt; in diesem Monat zum Beispiel ein „Young Urban Witch Workshop“ und ein Workshop mit dem Thema „Witch Bottles“.

Wer sich für Tarotkarten interessiert, der kann hier Einführungskurse in das Kartenlesen bekommen oder sich seine Zukunft anhand der Karten vorhersagen lassen.
In diesem Film stellt Christina Oakley Harrington ihr Geschäft vor.

Die britische Band Mumford & Sons nahm in den Räumen von Treadwell’s im Jahr 2009 ihre Bookshop Sessions auf; hier ist ein Hörbeispiel.

Es gibt erstaunlich viele esoterische Zirkel in London wie die Servants of the Light, die Ameth Lodge, den Hermetic Order of the Golden Dawn und die Kabbalah Society.

Published in: on 3. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Penguin Books – Die ersten zehn Titel aus dem Jahr 1935

St David’s Railway Station in Exeter (Devon) – Hier und auf dem Weg nach London hatte Allen Lane die Idee zu den Penguin Books.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Als der Verleger Allen Lane 1934 von einem Besuch bei Agatha Christie in Devon wieder nach London zurückfuhr, suchte er auf dem Bahnhof von Exeter nach Lesestoff für die Zugfahrt, wurde aber nicht fündig. So musste er während der langen Fahrt aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen. Dabei kam ihm die Idee, eine Buchreihe ins Leben zu rufen, die möglichst preiswert herzustellen und auch für Leser mit schmalem Geldbeutel erschwinglich war. Die Idee zu den Penguin Books, wie die Buchreihe heißen sollte, war geboren. Auf dem St David’s Bahnhof von Exeter erinnert eine orangefarbene Plakette an Sir Allen Lane und die Inspiration, die er hier erhielt.

Am 30. Juli 1935 wurden die ersten zehn Titel veröffentlicht und für sechs Pence verkauft. Die Reihe mit dem Pinguin als Logo war nicht vom Start weg ein großer Erfolg, etliche der ersten zehn Titel blieben bei Buchhändlern im Regal liegen, doch nach und nach nahm der Verkauf an Fahrt auf, und die Buchreihe gehört seitdem zu den bekanntesten und erfolgreichsten der Welt.

Werfen wir einmal einen Blick auf die ersten zehn Titel:

Penguin Book Nummer 1:
André Maurois: Arielle
Erstaunlicherweise eröffnete ein französischer Schriftsteller die Buchreihe. André Maurois (1885-1967) beschäftigt sich in seinem Werk mit dem englischen Schriftsteller Percy Bysshe Shelley. Das Buch wurde auch unter dem Titel „Ariel oder das Leben Shelleys“ ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 2:
Ernest Hemingway: A Farewell to Arms
Der Literaturnobelpreistrager Ernest Hemingway (1899-1961) erzählt in diesem Roman von der Liebe zwischen einem in der italienischen Armee dienenden Amerikaner und einer britischen Krankenschwester während des Ersten Weltkriegs. Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel „In einem andern Land“.

Penguin Book Nummer 3:
Eric Linklater: Poet’s Pub
Der Schotte Eric Linklater (1899-1974) schrieb zahlreiche Romane, Sachbücher und Biografien. In „Poet’s Pub“ steht ein Gasthaus mit dem Namen „The Pelican“ in Oxford im Mittelpunkt, um den sich humorvolle Geschichten ranken. Das Buch wurde nicht ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 4:
Susan Ertz: Madame Clare
Die heute weitgehend vergessene Susan Ertz (1887-1985) veröffentlichte zwei Dutzend Romane. „Madame Clare“ war ihr Erstlingswerk, das nicht in deutscher Übersetzung vorliegt.

Penguin Book Nummer 5:
Dorothy L. Sayers: The Unpleasantness of the Bellona Club
Ein Krimi-Klassiker aus dem Jahr 1928 aus der Feder der berühmten Dorothy L. Sayers (1893-1957), der fünfte Band aus der Lord Peter Wimsey-Serie, der auf Deutsch unter dem Titel „Ärger im Bellona Club“ erschien.

Penguin Book Nummer 6:
Agatha Christie: The Mysterious Affair at Styles
Der erste Roman der Queen of Crime Agatha Christie (1890-1976), den man auf Deutsch als „Das fehlende Glied in der Kette“ lesen kann.

Penguin Book Nummer 6A:
Agatha Christie: The Murder on the Links
Agatha Christie kam gleich im Doppelpack heraus. „Mord auf dem Golfplatz“, so der deutsche Titel, ist ihr dritter Kriminalroman.

Penguin Book Nummer 7:
Beverley Nichols: Twenty-Five
Die Autobiografie des Schriftstellers Beverley Nichols (1898-1983), der vor allem durch seine Gartenbücher in Erinnerung geblieben ist. Viele seiner Werke wurden übersetzt, seine Autobiografie jedoch nicht.

Penguin Book Nummer 8:
E.H. Young: William
Emily Hilda Young (1880-1949) dürfte auch kaum noch jemand kennen. Sie schrieb ein Dutzend Romane. „William“ erschien bereits 1925 und wurde 1947 unter dem gleichen Titel ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 9:
Mary Webb: Gone to Earth
Auch Mary Webb (1881-1927) dürfte heute nur noch wenigen bekannt sein. Ihr Roman „Gone to Earth“ war 1917 erschienen, wurde 1950 verfilmt und unter dem Titel „Heim zur Erde“ ins Deutsche übersetzt.

Penguin Book Nummer 10:
Compton Mackenzie: Carnival
Compton Mackenzie (1883-1972)  kennt man in Deutschland vor allem durch seinen heiteren Roman „Das Whiskyschiff“. „Carnival“ wurde nicht übersetzt.

Siehe zum Thema auch meinen anderen Blogartikel über Penguin Books.

Published in: on 2. Februar 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Noniks und Conicals – Die typischen englischen Pub-Biergläser

Beispiele für Nonik-Gläser mit Wulst.
Author: GeoTrinity
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Bestellt man in einem englischen Pub ein Bier an der Theke, so erhält man sein Pint oder halbes Pint mit ziemlicher Sicherheit in einem Nonik oder einem Conical serviert. Die beiden Gläser unterscheiden sich in der Form. Während das Conical wie es der Name schon sagt, konisch geformt ist, hat das Nonik die Besonderheit, dass das Glas einige Zentimeter unterhalb des Randes eine kleine Wulst aufweist, was mehrere Vorteile hat. Es liegt besser in der Hand, wenn man es vom Bartresen zum Tisch jongliert (die Gläser werden in Pubs bis zum Rand gefüllt und es gehört ein wenig Geschick dazu, das zu bewerkstelligen, ohne etwas zu verschütten), man kann die Noniks besser ineinander stapeln, so dass sie nicht festkleben, und die Glasränder werden nicht so schnell zerstoßen („nicked“, daher der Name „no nicked“ soviel wie „nicht angestoßen“).

Die Firma Ravenhead Glass in Lancashire stellte die Noniks erstmals im Jahr 1947 her, nach einer Idee von Alexander Hardie Williamson (1907–1994), einem ihrer Glasdesigner. Noch heute produziert diese Firma die Gläser in gr0ßen Stückzahlen.

Betrachtet man sich ein Pint-Glas bzw. Half-Pint-Glas einmal genauer, so sieht man darauf einige Buchstaben und Zahlen. Da ist einmal das „CE„-Zeichen, das besagt, dass das Produkt den Anforderungen einer EU-Verordnung entspricht. Die vierstellige Nummer gibt die Identifikationsnummer der staatlich überwachten zuständigen Prüfstelle an. Und dann kann man noch das Produktionsjahr des Glases sehen, dessen letzte beiden Ziffern aufgedruckt sind. Bei meinem Beispiel unten steht „M 14“, also M für „Manufactured“ und „14“ für das Herstellungsjahr 2014.

In Pubs findet man meistens Gläser, die keinen schmückenden Aufdruck haben; die gibt es natürlich auch, und eine Firma, die sich auf das Bedrucken von Gläsern spezialisiert hat, ist Festival Glass, in Ovenden (West Yorkshire) ansässig. Die Firma wurde 2002 gegründet, auf dem Gelände einer ehemaligen Keksfabrik nördlich von Halifax.

Mein von der Firma Festival bedrucktes Glas, ein Conical, das ich im The Martyrs Inn in Tolpuddle (Dorset) gekauft habe.
Eigenes Foto.

Die Kennzeichnung auf der Rückseite meines Glases: CE M 14 0846. Dieses Glas wurde also 2014 hergestellt.
Eigenes Foto.

Published in: on 1. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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