Meine unheimlichen Begegnungen in England Teil 2: Bolton Percy in North Yorkshire

Die Oak Avenue bei Bolton Percy: Exakt an dieser Stelle traf ich auf die beiden verletzten Kinder.
Photo © DS Pugh (cc-by-sa/2.0)

Mein zweite mysteriöse und nicht erklärbare Begegnung in England ereignete sich in der Nähe des hübschen Dorfes Bolton Percy, wo wir ein Cottage auf einer Farm etwas außerhalb gemietet hatten. Bolton Percy liegt nur wenige Kilometer von der Bierbrauerstadt Tadcaster entfernt.
Meine Frau und ich machten uns in unserem Auto am frühen Abend auf den Weg zum Abendessen nach York. Als wir das Gelände der Bolton Grange Farm verlassen hatten und auf halbem Weg auf der Oak Avenue nach Bolton Percy waren, sahen wir zwei Kinder mitten auf der Straße in Richtung Dorf laufen. Als wir näher kamen, bemerkten wir, dass beide sehr aufgeregt waren. Das Mädchen, vielleicht dreizehn, vierzehn Jahre alt, trug ein weißes zerrissenes Kleid mit Blutflecken; auch der Junge schien verletzt zu sein. Ich hielt an und fragte, ob wir ihnen helfen könnten. Das Mädchen sagte, dass sie einen Autounfall gehabt hätten und dass noch weitere Personen in dem in einem Straßengraben liegenden Fahrzeug eingeklemmt wären. Ich schlug den Kindern vor, dass sie ins Auto einsteigen sollten und wir sie ins Dorf bringen würden, damit von dort Hilfe geholt werden könnte. Das wollten die beiden aber nicht, dafür sollten wir nach dem verunglückten Auto sehen und dort helfen. Ich drehte um und fuhr langsam die Straße wieder zurück, an der Farm vorbei, doch wir fanden absolut nichts. Nach längerer Suche drehten wir wieder um und fuhren in Richtung Bolton Percy zurück, dabei kam uns ein mit hoher Geschwindigkeit fahrendes Auto entgegen. Von den Kindern war nichts mehr zu sehen. Dieser Zwischenfall machte uns etwas ratlos und so fuhren wir wie geplant nach York weiter.
Am nächsten Morgen erzählten wir die Geschichte unseren Gastgebern auf der Farm. Von einem Autounfall in unmittelbarer Nähe auf der Oak Avenue hatten sie nichts gehört, dabei würde sich so etwas in einem kleinen Dorf wie ein Lauffeuer herumsprechen. Auch in den Tagen darauf wurde nichts von einem Unfall bekannt.

Es gibt in England Hunderte von mysteriösen Vorfällen vergleichbarer Art, die zum Beispiel in dem Buch „Paranormal Encounters on Britain’s Road“ von Peter A. McCue zusammengefasst sind, das vor wenigen Wochen erschienen ist und das ich in meinem Blog demnächst vorstellen werde. Bin ich an jenem Abend auf der einsamen Straße Zeuge eines übernatürlichen Ereignisses geworden oder gab es dafür doch eine rationale Erklärung? Wenn ja, welche?

Über meinen Aufenthalt in Bolton Percy berichtete ich 2014 in meinem Blog.

Published in: on 31. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Meine unheimlichen Begegnungen in England Teil 1: The Old Colehurst Manor

Eigenes Foto.

Wenn man viel durch England gereist ist, stellt sich die Frage, ob man in diesem Land, in dem etwa ein Drittel der Bevölkerung an Geister glaubt und jeder Fünfte sich nicht so ganz sicher ist, selbst einmal mit unheimlichen Dingen konfrontiert worden ist. Ich habe zweimal Dinge erlebt, die mich etwas nachdenklich gemacht haben und die ich in meinem Blog erwähnen möchte.

Meine Frau und ich übernachteten einmal im Old Colehurst Manor bei Market Drayton in Shropshire, einem uralten Haus aus dem 17. Jahrhundert, das eigentlich nur am Wochenende geöffnet hatte, wo dann elisabethanische Kostümfeste gefeiert wurden. Die Inhaber waren aber so freundlich, uns für zwei Nächte mitten in der Woche zu beherbergen. Wir waren also die einzigen Gäste in diesem einsam gelegenen Manor House.

Wir wohnten in einem Zimmer mit Himmelbett. Auf einem Tischchen stand ein kleiner gerahmter Aufsteller mit der Mitteilung, dass sich just in diesem Zimmer vor geraumer Zeit ein Mann aufgehängt hatte.

Nachts war es extrem dunkel in diesem Zimmer und extrem still (die Gastgeber wohnten in einem anderen Flügel des Hauses). Die Zimmertür ließ sich nicht abschließen… nachts wachte ich einmal auf, als im Badezimmer die Lüftung ansprang, was sie nur tut, wenn man durch eine Lichtschranke dorthin geht. Wie konnte das sein? Ich tastete nach meiner Frau, die aber neben mir lag. Es war eine recht unheimliche Situation.

Unsere Gastgeberin, Lady Teksnes, erzählte uns am nächsten Abend am Kamin von den Hausgeistern, die sie häufig nachts in den Gängen und Zimmern trifft. Es seien aber keine bösartigen Geister versicherte sie uns; sie gehörten einfach hierher und waren vielleicht frühere Bewohner des Old Colehurst Manors.

Wie der Shropshire Star im vorigen Jahr berichtete, wird das Haus leider nicht mehr als „Quasi-Hotel“ geführt, da der Eigentümer, Lord Teksnes, im Jahr 2013 verstarb. Es steht für £450,000 zum Verkauf und ist auf der Liste der „most at risk buildings“ in England. Ich hoffe sehr, dass das Manor House bald wieder neue Besitzer finden wird, die es genauso lieben wie Lord und Lady Teksnes.

Unser Himmelbett im Old Colehurst Manor.
Eigenes Foto.

Der Eingang zum Old Colehurst Manor. Hier mussten wir am ersten Abend unser Auto stehen lassen, weil die Gastgeber versehentlich das Tor verriegelt hatten, bevor wir von einem Pubbesuch zurückkamen.
Photo © A Holmes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Siebenschläfer von Tring in Buckinghamshire

Author: Zwiegel.
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Glis glis heißt der Siebenschläfer im Lateinischen und Edible dormouse im Englischen. Edible, also essbar? Ja, die Römer  verzehrten die kleinen Nager seinerzeit gern, dann verschwand diese „Delikatesse“ aber weitgehend wieder von den europäischen Speisekarten, bis auf einige Regionen im Süden und Südosten, wo man Glis glis noch isst. Vor einigen Jahren sorgte Starkoch Heston Blumenthal für Aufsehen, als er in seinem Weihnachtsmenü einen Siebenschläfer-Lollipop einbaute. Hier ist das Rezept: Man fange einige der Nagetiere, enthäute sie… ach, Quatsch, das ist mir zu unappetitlich, lassen wir den Meister selbst in diesem Film zu Wort kommen.

Rund 30 000 Siebenschläfer soll es nach der letzten „Volkszählung“ in England geben und die meisten davon leben in den Chiltern Hills um die Kleinstadt Tring in Buckinghamshire herum. Warum haben sich die putzigen Tierchen gerade diese Region zu ihrem Wohnsitz auserkoren? Schuld daran ist einer aus der Bankiersfamilie Rothschild und zwar Lionel Walter Rothschild (1868-1937), der seinen Wohnsitz im Tring Park hatte. Viel lieber als mit Geldzählen beschäftigte sich der etwas exzentrische Baron mit dem Sammeln von allerlei Getier aus der ganzen Welt, speziell mit Insekten, Schmetterlingen und Vögeln. Aber auch andere Tiere wie Kängurus und Zebras hielt er auf seinem Landsitz; letztere spannte er gern vor seine Kutsche und ließ sich damit durch die Gegend fahren. Im Natural History Museum at Tring kann man sich heute noch die gesammelten Schätze des Baron Rothschilds ansehen.

Kommen wir auf die Siebenschläfer zurück. Lionel Walter R. hatte 1902 sechs von dieser Spezies von seinen Reisen mitgebracht und einige von ihnen hatten nichts Besseres zu tun, als bald darauf auszubüchsen und sich in den Chilterns eine neue Heimat zu suchen. Sie vermehrten sich kräftig und gehören heute zu den Tieren, die die größte Gefahr für die Natur darstellen, denn eine ihrere Lieblingsbeschäftigungen ist, die Bäume von ihrer schützenden Rinde zu befreien, was sie natürlich tun ohne die Bäume vorher zu fragen. Auch in Obstplantagen werden die Nager nicht gern gesehen. Hausbesitzer in den Chilterns gehören nicht zu den größten Fans der Tiere, wenn die sich in deren Dachböden gemütlich gemacht haben, denn die kleinen Biester machen nachts dort oben einen ziemlich großen Lärm und wetzen ihre Zähne gern an Elektroleitungen…

Zum Abschluss noch ein kleiner Film von einer Verwandten des Siebenschläfers, der Hausmaus, die sich hier verzweifelt mit einem Keks herumschlägt…und gewinnt!

Tring Park. Wohnsitz von Lionel Walter Rothschild.
Photo © Gerald Massey (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Tom Fort: The Village News – The Truth Behind England’s Rural Idyll

Foto meines Exemplares.

Der ehemalige BBC-Mitarbeiter Tom Fort versteht es, interessante Bücher zu schreiben. Vorgestellt habe ich in meinem Blog bereits „The A 303: Highway to the Sun“ und „Channel Shore: From the White Cliff’s to Land’s End„.“
In seinem aktuellen Buch aus dem Jahr 2017 „The Village News: The Truth Behind England’s Rural Idyll“ beschäftigt er sich mit dem Dorfleben in England. Da er selbst in einem Dorf lebt, in Sonning Common in Oxfordshire, kann er das auch gut beurteilen. 21 Dörfer stellt Tom Fort vor und verknüpft jedes mit einem speziellen Thema. Hier sind einige Beispiele:

Das kleine Dorf Slad in Gloucestershire würde kaum jemand außerhalb der Region kennen, hätte nicht der Schriftsteller Laurie Lee (1914-1997)  seinen  Roman „Cider With Rosie“ (dt. „Des Sommers ganze Fülle“) hier spielen lassen. Lee hatte seine Kindheit nach dem Ersten Weltkrieg in Slad verbracht und berichtet darüber. Das Buch wurde mehrere Millionen mal in der ganzen Welt verkauft und für das Fernsehen mehrmals verfilmt.

Dir Rolle des Dorfpfarrers erläutert Tom Fort am Beispiel von Eversley in Hampshire. Hier in St Mary’s wirkte Charles Kingsley von 1842 bis zu seinem Tod 1875. Kingsley ging in die englische Literaturgeschichte durch sein Kinderbuch „The Water Babies“ (dt. „Die Wasserkinder“) und seinen Roman „Westward Ho!“ (dt. „Westward ho“) ein.

Am interessantesten fand ich den 21. Artikel „My Village“, in dem Tom Fort sein Dorf Sonning Common in Oxfordshire (nicht zu verwechseln mit dem nur wenige Kilometer entfernten Sonning an der Themse) beschreibt. Auf sehr humorvolle Weise berichtet er über seine Mitarbeit im Parish Council, der seinerzeit von einer herrschsüchtigen Dame dominiert wurde, der niemand zu widersprechen wagte, bis sie schließlich zu aller Erleichterung von einem wagemutigen ehemaligen Lehrer vom Thron gestürzt werden konnte. Tom Fort liebt sein Dorf, obwohl es nach seinen eigenen Worten „deeply unremarkable“ ist.

Das Buch ist sehr lesenswert und gibt einen tiefen Einblick in die Rolle des Dorfes in der englischen Gesellschaft, wobei frühere und heutige Probleme ausführlich erörtert werden.

Tom Fort: The Village News: The Truth Behind England’s Rural Idyll. Simon & Schuster 2017. 392 Seiten. ISBN 978-1-4711-5109-5.

Slad in Gloucestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s in Eversley (Hamphire). Hier wirkte der Pfarrer Charles Kingsley.
Photo © Andrew Mathewson (cc-by-sa/2.0)

Die Peppard Road in Sonning Common (Oxfordshire).
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Englische Exzentriker(innen) – Margaret Thompson und der Schnupftabak

Author: Hellahulla
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In meiner Blogkategorie „Exzentriker“ findet man fast nur männliche Vertreter; Exzentrikerinnen wie Hannah Beswick, eine Dame, die sich davor fürchtete, lebendig begraben zu werden und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriff, damit ihr das nicht passierte, sind eher selten. Gewisse Parallelen gibt es zwischen Hannah Beswick aus Manchester und der Londonerin Margaret Thompson, die beide im 18. Jahrhundert lebten. Auch Margaret Thompson beschäftigte sich mit ihrem Ableben und gab in ihrem Testament präzise Anweisungen wie ihre Begräbnisfeier auszusehen hatte. Die Dame war süchtig nach Schnupftabak und leidenschaftliche „Schnupferin“, eigentlich eher eine männliche Domäne. Und dieser Schnupftabak (englisch „snuff“) sollte bei ihrer Beerdigung, die 1776 stattfand, eine alles dominierende Rolle spielen.
Margaret Thompsons Anweisung bezüglich ihres Sarges gingen dahin, dass dieser mit sämtlichen Schnupftabaks-Taschentüchern ausgelegt werden sollte, die sich zum Zeitpunkt ihres Todes ungewaschen in einer Wäschetruhe befanden. Ihre Leiche sollte nicht wie allgemein üblich mit Blumen, sondern mit dem besten schottischen Schnupftabak (den sie besonders liebte) bedeckt werden. Auch was die Sargträger anbelangt, gab es im Testament genaue Vorgaben; sechs Männer aus der Kirchengemeinde St James in Westminster sollten es sein und zwar die begeistertsten „Schnupfer“; jeder von ihnen musste einen aus Biberhaar gefertigten Filzhut in der Farbe von Schnupftabak tragen. Das Sargtuch trugen sechs Frauen, die zusätzlich noch eine Kiste mit dem oben schon erwähnten besten schottischen „snuff“ zum eigenen Bedarf bei sich hatten. Margaret Thompsons treue Bedienstete Sarah Stewart erhielt den Auftrag, vor dem Sarg herzugehen und alle zwanzig Meter Schnupftabak auf den Boden zu streuen und ihn an die Menschenmenge zu verteilen, die der Prozession beiwohnte. Auch der Pfarrer sollte bei der Feier kräftig schnupfen und erhielt für diese Bemühungen noch fünf Guineen extra. Und schließlich verfügte sie, dass eine bestimmte Menge Schnupftabak vor ihrem Haus in der Boyle Street Nummer 8 an Passanten verteilt werden sollte (die Boyle Street sah damals bestimmt sehr viel besser aus als heute).

Sollte Margaret Thompson vom Himmel aus ihrer Beerdigungsfeier zugesehen haben, wäre sie sicher mit dem Ablauf sehr zufrieden gewesen.

Published in: on 27. März 2018 at 02:00  Comments (1)  

Willie Rushton und seine satirische, musikalische Hommage an den Londoner Stadtteil Neasden

Der Londoner Ortsteil Neasden, nicht weit weg vom berühmten Wembley Stadion, liegt im Nordwesten der Stadt und wird von der North Circular Road durchschnitten. Früher nannte man Neasden „the loneliest village in London„; es hat nicht besonders viel an Attraktionen zu bieten, die die Touristen in Massen anziehen. Da steht allerdings ein Gebäude, das man in London nicht unbedingt vermutet, der Neasden-Tempel, die größte hinduistische Tempelanlage in ganz Großbritannien (s. hierzu meinen Blogartikel).

Was gibt es sonst noch über Neasden zu berichten? Das Model Twiggy, bekannt aus den Swinging Sixties, wurde 1949 hier geboren und lebte mit ihren Eltern am St Raphael’s Way 93, der Drummer und Gründer der Band Cream Ginger Baker wohnte früher in der Braemar Avenue 154, Sir John Betjeman besucht in seiner  Dokumentation auch „Metro-land“ Neasden („home of the gnome and the average citizen“), und das Satiremagazin Private Eye, das eine Zeit lang hier gedruckt wurde, nutzt den Stadtteil als Prototyp für „suburbia“. Einer der Mitbegründer des Magazins war Willie Rushton (1937-1996), der sich auch als Zeichner und Comedian einen Namen gemacht hatte und der in unzähligen Fernsehsendungen zu sehen war.

Für Private Eye schrieb Rushton 1972 ein Lied, dem er den Titel „Neasden“ gab und in dem er auf seine unnachahmliche Weise stadtführerartig, humorvoll und satirisch auf die Vorzüge des Londoner Stadtteils hinweist. Er schlägt in dem Lied einen Besuch der Öffentlichen Bibliothek, des preisgünstigen Waschsalons Launderama und eines indischen Restaurants namens Rann of Kutch vor. Der vollständige Songtext ist hier nachzulesen und das Lied hier zu hören.

Die North Circular Road in Neasden.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Der Neasden Temple.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Stocksbridge Bypass in South Yorkshire – Großbritanniens unheimlichste Straße

In meinem Blog habe ich schon einmal eine Übersicht über Englands „most haunted roads“ gegeben. Eine Straße, der Stocksbridge Bypass, die A616, nördlich von Sheffield gilt als die unheimlichste in ganz Großbritannien. Bereits beim Bau der Straße ereigneten sich merkwürdige Dinge; so berichteten zwei Sicherheitsleute, die nachts unterwegs waren, dass sie plötzlich Kinderlaute hörten und beim näheren Hinsehen bemerkten sie mehrere Kinder in altertümlicher Kleidung, die im Kreis tanzten und das Lied „Ring a ring o‘ Roses“ sangen, und das um Mitternacht weit weg von den nächsten Häusern. Als die beiden Männer sich den Kindern näherten, lösten sie sich in Luft aus. Vor langer Zeit sollen immer wieder Kinder in der Region in Bergwerksschächte gefallen und ums Leben gekommen sein. Ihre Körper wurden nie gefunden. Gibt es da einen Zusammenhang?
Dann sahen die Sicherheitsleute auf der neugebauten Pearoyd Bridge eine mönchsähnliche Gestalt, die die beiden Männer beobachtete. Auch diese Gestalt löste sich in nichts auf, als sich einer der Männer ihr näherte. Arbeiter berichteten von ähnlichen unerklärlichen Vorkommnissen damals beim Bau der Straße.

Nach der Fertigstellung des Stocksbridge Bypasses im Mai 1988 kam es immer wieder zu unheimlichen Begegnungen. Ein Paar, das in der Neujahrsnacht 1997 hier unterwegs war, traf wieder auf die Gestalt im Mönchsgewand, und der Fahrer des Autos musste eine Vollbremsung machen, um sie nicht zu überfahren. Andere Autofahrer berichteten von ähnlichen Erlebnissen, und sogar Polizeibeamte, die hier nachts patrouillierten, wurden mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert.
In diesem Film werden die Ereignisse nachgestellt.

Der Stocksbridge Bypass im Peak District gilt nicht nur als die unheimlichste Straße des Landes, sondern auch als eine der gefährlichsten. Mehr als 25 Menschen kamen seit Eröffnung der Straße bei Verkehrsunfällen ums Leben.

 

Published in: on 25. März 2018 at 03:00  Comments (1)  
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Miss Read, die Meisterin der englischen Dorfgeschichten

Chelsfield (Greater London), einer der Orte, in denen Miss Read lebte und der für Fairacre bzw. Thrush Green Pate stand.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

The Market Square“ und „Battles at Thrush Green“ sind die Titel zweier Bücher, die ich einmal von der englischen Autorin Miss Read gelesen habe, deren eigentlicher Name Dora Jessie Saint  lautet. Das „Read“ in dem Pseudonym hat nichts mit dem Wort „Lesen“ zu tun, es ist nur der Geburtsname ihrer Mutter. Sie wurde 1913 in den südlichen Außenbezirken von London geboren, in South Norwood, um genau zu sein, das heute zum London Borough of Croydon gehört.

Wer es bei seiner Lektüre gern gemütlich hat und englische Dorfgeschichten mag, der ist bei Miss Read genau richtig. Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll wird man darin vergeblich suchen. „Cozy“ trifft am besten auf die Bücher zu, die in den kleinen fiktiven Orten Fairacre und Thrush Green spielen. Miss Read hat als Vorbild dafür die Dörfer genommen, in denen sie selbst einmal gelebt hat wie Chelsfield, jetzt London Borough of Bromley, Woodgreen, Ortsteil von Witney in Oxfordshire, und Chieveley in Berkshire. Spektakuläre Dinge passieren in ihren Büchern nicht; man trifft darin zum Beispiel auf Dolly Clare, eine ehemalige Volksschullehrerin, auf die Klatschbasen Mrs Pringle und Betty Bell, auf den griesgrämigen Friedhofswärter Albert Piggott und seine Frau Nelly und auf die Lovelock-Schwestern Bertha, Ada und Violet. In diesem Mini-Universum geht es u.a. um eine Schuljubiläumsfeier („Village Centenary“ bzw. dt. „Die Hundertjahrfeier„), um kleine Liebeleien („Return to Thrush Green“ bzw. dt. „Harold auf Freiersfüßen„), und die Dorfschule steht immer wieder im Mittelpunkt („Village Affairs“ bzw. dt. „Ein böses Gerücht“).

Miss Reads erster Roman „Village School“ (dt. „Dorfschule“) aus der Fairacre-Serie erschien 1955, ihr letzter „The Year at Thrush Green“ (dt. „Turbulenzen auf dem Lande“) aus der Parallel-Reihe „Thrush Green“ 1995. Ihre Bücher wurden alle ins Deutsche übersetzt und erschienen bei dtv und Piper. Sie sind zwar alle im regulären Buchhandel vergriffen, doch bekommt man sie leicht antiquarisch; in England sind die Bücher natürlich noch lieferbar. Sowohl die englischen als auch die deutschen Ausgaben haben  Umschlagbilder, die der gemütlichen Atmosphäre Rechnung tragen; als Beispiel möchte ich hier „Christmas at Thrush Green“ nennen.

Dora Jessie Saint verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in Great Shefford in der Grafschaft Berkshire, wo sie kurz vor ihrem 99. Lebensjahr am am 7. April 2012 starb. Am 17. Mai des Jahres wurde ihr zu Ehren eine Trauerfeier in der örtlichen Dorfkirche St Mary’s eine Trauerfeier abgehalten. Ein Grab von ihr wird man vergebens suchen, sie wurde eingeäschert und ihre Asche an die Familie übergeben.

Hier wird ein kleiner Ausschnitt aus Miss Reads „Celebrations at Thrush Green“ vorgelesen.

 

St Mary’s in Great Shefford, wo die Trauerfeier für Miss Read stattfand.
Photo © ChurchCrawler (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Infidelity Index 2018 – Welches sind die Städte mit den untreuesten Männern und Frauen in Großbritannien?

Stratford-upon-Avon: Platz 1 im Infidelity Index der „towns“.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Illicit Encounters ist ein Online-Datingportal für verheiratete Männer und Frauen, das den sogenannten Infidelity Index erstellt, basierend auf einer Umfrage der Teilnehmer des Portals. Gegründet wurde Illicit Encounters im Jahr 2003, über eine Million Mitglieder sind dort angemeldet. Diese hohe Mitgliederzahl führt den schon lange kursierenden Spruch „No sex please, we’re British“ natürlich ad absurdum. Das Portal hat herausgefunden, dass der 5. Januar eines jeden Jahres der Tag ist, an dem die meisten Frauen und Männer ihren jeweiligen Lebensgefährten/Lebensgefährtinnen untreu werden, da viele dann nach den Weihnachtsferien wieder an ihrem Arbeitsplatz sind und nach neuen Kontakten in ihrem Umfeld suchen.

In einer Umfrage aus dem Jahr 2010 hatte das Portal herausgefunden, dass die meisten außerehelichen Affären in der Grafschaft Devon stattfinden (47%), es folgten mit Riesenabstand Avon mit 19% und Lincolnshire mit 12,5%. Surrey war das County mit den treuesten Menschen; weniger als 1% gaben an, untreu gewesen zu sein.

Sehen wir uns den aktuellen Index für die Kategorie „towns“ an:

Da liegt erstaunlicherweise die Shakespeare-Stadt Stratford-upon-Avon in Warwickshire auf Platz 1 mit 3,69% an untreuen Einwohnern, was 1047 außerehelichen Affären entspricht. Warum gerade Stratford-upon-Avon? Ein Grund, warum es überhaupt so viele Männer und Frauen gibt, die Abwechslung in anderen Betten suchen, ist, dass sich viele Paare auseinandergelebt haben, sich aber aus finanziellen Gründen nicht scheiden lassen können oder wollen.

Auf Platz 2 des Indexes steht die Kleinstadt Wilmslow in der Grafschaft Cheshire mit 3,60%, entsprechend 901 außerehelichen Beziehungen. Wilmslow ist eine jener wohlhabenden Orte im „Goldenen Dreieck“, sehr beliebt bei Fußballspielern der beiden Clubs aus Manchester.

Platz 3 hat eine weitere Stadt inne, in der viele reiche Menschen wohnen, Beaconsfield in der Grafschaft Buckinghamshire. 2016 war eine andere Stadt aus Buckinghamshire landesweiter Spitzenreiter, nämlich High Wycombe, die 2018 auf Platz 16 abgerutscht ist. Was ist denn da passiert? Wie ist da wohl die nachlassende Libido zu erklären?

Ganz besonders treu ist man in Wigan (Greater Manchester), wo sich nur 0,14% der Bewohner anderweitig umsehen. Das gleiche gilt für Craigavon im County Armagh in Nordirland (0,15%) und für Swindon (Wiltshire) mit 0,18%.

Noch ein kurzer Blick auf den Infidelity Index der Großstädte. Da führt die Universitätsstadt Oxford mit 9,13%, was 12 868 außerehelichen Affären entspricht (Cambridge ist in dieser Beziehung etwas zurückhaltender: Platz 14 mit 5,97%). Auf Platz 2 liegt St Albans in Hertfordshire mit 9,12% und Bath (Somerset) mit 8,61%.
Übrigens liegt die Landeshauptstadt London in diesem Jahr auf Rang 48 (1,47% bzw. 121 355 „illicit encounters“).

Oxford: Nicht nur City of Dreaming Spires, sondern auch Capital of Illicit Affairs.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wie einige Engländer von Triangulationspunkten fasziniert sind…

Der erste „trig pillar“ in Cold Ashby (Northamptonshire).
Photo © Andrew Tatlow (cc-by-sa/2.0)

Trig pillars“ sind Triangulationspunkte (TPs) bzw. Vermessungspfeiler, die von den Landvermessern der Ordnance Survey verwendet wurden und spielten eine Rolle in der Kartografie und Geodäsie. Sie stehen in vielen Fällen auf Hügeln, Bergen oder anderen Erhebungen. In Großbritannien gibt es noch 6190 von diesen TPs von einstmals rund 6500. In der heutigen Zeit haben sie keine Bedeutung mehr, da die Landvermesser neue Techniken zur Verfügung haben, die wesentlich exakter sind, aber es wird immer noch versucht, die steinernen Pfeiler zu hegen und zu pflegen. Der höchst gelegene TP steht auf dem Ben Nevis in Schottland, der tiefst gelegene liegt am Ufer der Little Ouse in Cambridgeshire und ist ein Meter unter dem Meeresspiegel. Am 8 April 1936 wurde der erste „trig pillar“ auf einem Feld in Cold Ashby in Northamptonshire aufgestellt, der dort noch heute vorzufinden ist.

Es gibt einige Menschen, die von diesen Pfeilern so fasziniert sind, dass sie das Bedürfnis haben, möglichst viele oder sogar alle dieser „trig pillars“ aufzusuchen. Ein gemeinsames Forum gibt es im Internet unter „trigpointing.uk

Einer, der es geschafft hat, allen TPs einen Besuch abzustatten, ist der „König der trig bagger“, Rob Woodall aus Peterborough in Cambridgeshire, der dafür 13,5 Jahre gebraucht hat, von 2002 bis 2016. Sein letzter lag auf dem Benarty Hill im schottischen County Fife. Mr. Woodall hat aber noch mehr vorzuweisen. So hat er u.a. sämtliche Marilyns (das sind Hügel/Berge über 150 Meter) und alle HuMPs (=  HUndred Metre Prominence, also alle Hügel über 100 Meter) erklettert. Von Marilyns gibt es 1556  und von HuMPs 2984. Eine stolze Leistung!
Hier ist ein Film über die „trig pillars“.

Der höchst gelegene TP auf dem Ben Nevis in Schottland.
Photo © Michael Graham (cc-by-sa/2.0)

Der am tiefsten gelegene TP an der Little Ouse in Cambridgeshire.
Photo © Siobhan Brennan-Raymond (cc-by-sa/2.0)

Rob Woodalls letzter TP auf dem Benarty Hill in der schottischen Grafschaft Fife.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The BFI Imax – Das Londoner „Kreisverkehr-Kino“

In meinem Blog habe ich verschiedentlich auf meine Vorliebe für Kreisverkehre Bezug genommen und darüber geschrieben wie diese „roundabouts“ hübsch gestaltet werden können. In London gibt es in der Southbank einen Kreisverkehr, in den vier Straßen münden: Waterloo Bridge, Waterloo Road, Stamford Street und York Road und in der Mitte steht… ein Kino, das BFI IMAX, soweit ich ermitteln konnte, das einzige dieser Art in England. Seit 1999 werden hier Filme gezeigt und zwar auf Großbritanniens größter Leinwand, die 20×26 Meter misst. In den Kinosaal passen 489 Besucher die vor oder nach den Aufführungen noch einen Kaffee bei Costa Coffee oder ein Bier an der Bar bzw. im Biergarten trinken können.
Drei bis vier Vorstellungen finden in der Regel täglich statt, aber nicht nur Spielfilme, sondern auch Dokumentationen und Opernaufführungen; die Eintrittspreise für letzere können schon einmal bis zu £40 kosten.

Gebaut wurde das an einen Gasometer erinnernde BFI IMAX von dem mehrfach ausgezeichneten Architekten Bryan Avery (1944-2017), der durch spezielle technische Maßnahmen dafür sorgte, dass die Kinogänger nicht durch den Verkehrslärm des Kreisverkehrs und durch die U-Bahn, die direkt unter dem Gebäude verläuft, gestört werden.

Published in: on 21. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Chopwell (Tyne and Wear) – Eine ehemalige Bergarbeiterstadt, die Klein-Moskau genannt wurde

Die Lenin Terrace in Chopwell.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Chopwell, ein kleiner Ort, dessen Wohlergehen früher einmal komplett von der Kohleförderung abhing, liegt im äußersten Westen des Metropolitan County Tyne and Wear im Nordosten Englands. So arbeiteten die meisten Männer unter Tage, eine harte Arbeit, die zudem nicht besonders üppig bezahlt wurde. Im Jahr 1926 kam es landesweit zu Generalstreiks, natürlich auch in Chopwell, weil die Bergarbeiter geringere Löhne bekommen und auch noch länger arbeiten sollten. Absolut verständlich, dass die Betroffenen auf die Barrikaden gingen. Die Kohleförderung wurde eingestellt, wobei die Arbeitgeber von einem Streik sprachen, die Gewerkschaften von einer Aussperrung. Schnell kam Chopwell in den Ruf, kommunistisch unterwandert zu sein; so sahen es zumindest einige der eher rechts orientierten Zeitungen des Landes. 1924 hatte die lokale Bergarbeitervereinigung auf ihrer Fahne die Köpfe von Karl Marx und Lenin appliziert, dazu noch das Konterfei eines der Gründer der Labour Party, Keir Hardie. Der Union Jack wurde auf dem Dach der Gemeindeverwaltung durch die sowjetische Flagge ersetzt, und es heißt, dass man in der Kirche die Bibel durch die Werke von Karl Marx ausgetauscht hatte.

Um dieser angeblich kommunistischen Orientierung noch die Krone aufzusetzen, benannte man zwei neugebaute Straßen in Chopwell auch noch Marx Terrace und Lenin Terrace. Schnell wurde der kleine Ort landesweit als „Little Moscow“ bezeichnet und als „reddest village in England„.

Der Streik dauerte damals mehr als siebzehn Monate und den Bergarbeiterfamilien ging es richtig schlecht. Ohne das Einkommen der Bergleute war es fast nicht möglich zu überleben. So hatten die Männer keine andere Wahl, als schließlich doch nachzugeben und für längere Arbeitszeiten weniger Geld zu bekommen… Details über diese furchtbare Zeit zeigt dieser Film.

1966 schloss die Chopwell Colliery, weil die Kohlevorräte unter Tage aufgebraucht waren. Von da ab ging es dramatisch mit dem Ort bergab, da es hier nichts mehr zu verdienen gab. Viele Bewohner zogen weg und fast alle Institutionen und Vereine wurden geschlossen. Heute hat Chopwell noch rund 3000 Einwohner, von den Förderanlagen ist nichts mehr zu sehen, nur noch ein Gedenkstein und die Hälfte eines Förderrades erinnern an die Colliery.

Bergarbeiterhäuser in Chopwell.
Photo © Robert Graham (cc-by-sa/2.0)

Das Colliery Memorial.
Photo © Anthony Foster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The UK Heritage Awards 2018

Am 6. März wurden die diesjährigen Preisträger der UK Heritage Awards 2018 in der Londoner Goldsmith’s Hall bekanntgegeben. Die Jury, unter der Leitung von Norman Hudson, der sich darauf spezialisiert hat, Besitzer von historischen Häusern über deren Management zu beraten, hat die Preise in dreizehn Kategorien vergeben. Hier sind einige der Preisträger in Wort und Bild:

Alnwick Castle in Northumberland, Wohnsitz des Dukes of Northumberland, siegte in der Kategorie „Best Family Day Out„. Die Burg bekam als der Drehort der beiden Harry Potter-Filme „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ und „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ einen Besucherschub, und man versteht sich auf Alnwick Castle, das alte Gebäude für Kinder und Erwachsene attraktiv zu gestalten. Für Kinder werden Kurse im Besenreiten angeboten, Ritterspiele finden auf dem Burggelände statt und der eine oder andere berühmte Popstar gibt in diesem Jahr hier Konzerte wie Tom Jones und die Bands Madness und Il Divo. Und das ist nur eine kleine Auswahl an Veranstaltungen für dieses Jahr im Alnwick Castle. In wenigen Tagen, am 29. März öffnet die Burg für Besucher wieder ihre Pforten.

Das Castle Howard in North Yorkshire, eines der großartigsten Gebäude in Großbritannien, wurde in der Kategorie „Great Places to Eat“ ausgezeichnet. Das Haus ist also nicht nur für Architektur-Fans interessant, sondern auch für Gourmets. Gleich vier Lokalitäten buhlen um die Gunst der Besucher, das Fitzroy Restaurant, das Courtyard Café, das Boathouse Café und der Coffee Shop. Besonders gefiel der Jury der angebotene Afternoon Tea in der Grecian Hall, die auch gern für Hochzeiten gebucht wird.

Den Preis in der Kategorie „Wonderful Places to Stay“ erhielt in diesem Jahr The Victoria Inn in Holkham in der Grafschaft Norfolk. Grund dafür sind die besondere Lage in Küstennähe und das nur wenige hundert Meter entfernte im palladianischen Stil erbaute Country House Holkham Hall. 20 Zimmer stehen den Gästen zur Verfügung, die ab £160 pro Nacht im Doppelzimmer kosten.

In der Kategorie „Best Event“ ist der diesjährige Preisträger The International Autojumble in Beaulieu (Hampshire). Dort wo das National Motor Museum untergebracht ist, treffen sich seit 50 Jahren Autoenthusiasten aus der ganzen Welt, um auf dem Gelände alles rund um das Auto und das Motorrad zu kaufen, zu verkaufen und zu tauschen. In diesem Jahr findet die Veranstaltung am 1. und 2. September statt.

Auch der berühmte Hampton Court Palace wurde mit einem Heritage Award versehen…und zwar die Toiletten, in der Kategorie „Best Loos„. Was die Jury so preiswürdig fand: „the designers have given visitors a chance to keep learning about Henry and his wives during time spent in the loo. Specially designed graphics reveal Tudor beauty tips and silhouette you in costume in the mirror.“ Also beim nächsten Besuch im Palast in Richmond bei London nicht vergessen, den Toiletten einen Besuch abzustatten!

 

Published in: on 19. März 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Die übelsten Pubs, die abschreckendsten Dörfer, die schlimmsten Städte, und Seebäder, die man meiden sollte

Portsmouth in Hampshire.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Als Besucher Englands fährt man in der Regel dorthin, wo es besonders schön und besonders interessant ist. Auch in meinem Blog befasse ich mich schwerpunktmäßig mit der angenehmen Seite Englands. Doch das Land besteht natürlich nicht nur aus Bilderbuchdörfern, pittoresken Pubs und heimeligen Kleinstädten. Es gibt da auch die dunklen Seiten, mit denen der Tourist möglichst nicht konfrontiert werden möchte.

In meinem heutigen Blogbeitrag stelle ich zur Abwechslung einmal einige dieser negativen Dinge im Film vor.

Über „Crap Towns“ habe ich schon dreimal geschrieben. Portsmouth an der Südküste in der Grafschaft Hampshire gilt als eine der „toughest towns“ Großbritanniens, besonders die Hooligans des örtlichen Fußballvereins gelten als sehr gewalttätig. Dieser Film zeigt Bilder, die die Besucher der Mary Rose und der HMS Victory hoffentlich nicht zu sehen bekommen. Teil 1 und Teil 2.

Auch Dörfer können ziemlich schlimm sein, vor allem im Norden des Landes, dort, wo früher einmal Bergbau betrieben wurde und deren einzige Einnahmequelle nicht mehr existiert. Eines dieser „toughest villages“ ist Skinningrove an der Küste von North Yorkshire wie dieser Film zeigt.

Viele englische „seaside resorts“ genießen keinen sehr guten Ruf. Amüsierbetriebe, Fast Food Imbisse und Kneipen beherrschen das Stadtbild. Am Beispiel von Margate in Kent kann man in diesem Film sehen, dass es hier schon in den 1960er Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockern gekommen ist. Auch Hastings in East Sussex gehört, wie obiger Film zeigt, zu den „toughest seaside resorts„.

Ich glaube jeder Englandbesucher hat eine Schwäche für Country Pubs, in denen man in Ruhe sein Pint trinken und dazu vielleicht noch einen Ploughman’s Lunch essen kann. Leider gibt es auch Pubs, von deren Besuch dringend abzuraten ist. Wenn genug Alkohol geflossen ist, kommt es hier oft zu blutigen Auseinandersetzungen, denen man lieber nicht beiwohnen möchte. Am Beispiel der Tavern on the Hill im Londoner Stadtteil Walthamstow kann man in diesem Film sehen wie es in den „toughest pubs“ zugeht. Sollte sich jemand trotzdem zur Tavern hingezogen fühlen, sorry, die gibt es nicht mehr. Dort in der Higham Hill Road 318 steht jetzt ein Gastro-Pub namens The Warrant Officer.

Ich hoffe, dass diese Bilder in meinem heutigen Blogeintrag nicht zu abschreckend waren!

Skinningrove in North Yorkshire.
Photo © Anne Burgess (cc-by-sa/2.0)

Margate in Kent.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Crazy Coffins in Bulwell (Nottinghamshire) – Die Sargspezialisten

Blick auf Bulwell bei Nottingham, Heimat der Crazy Coffins.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Besonders viel gibt es in der Marktstadt Bulwell, nordwestlich von Nottingham, nicht zu sehen. Ein paar Pubs, einige Fast Food-Restaurants, ein Boxverein und das war’s schon. Einen besonders guten Ruf hat der Ort nicht, denn hier haben sich in den letzten 15 Jahren mehrere spektakuläre Verbrechen ereignet, die landesweit für Schlagzeilen gesorgt haben. Vielleicht passt es da ganz gut ins Bild, dass sich in der Hemphill Road eine Firma etablierte, die sich auf die Anfertigung von Särgen spezialisiert hat.

Victor Harry Fearn und Leonard Gill haben 1958 die Firma übernommen, die schon seit den Zeiten Königin Victorias hier in Nottinghamshire Särge hergestellt hat. Die beiden kauften Land in Bulwell und errichteten eine Werkstatt, die Crabtree Mill (hier im Bild zu sehen). Die Vic Fearn & Company Ltd bzw. Crazy Coffins fabriziert in erster Linie „Standardsärge“, doch in in den letzten 25 Jahren nahm man sich eines Marktsegmentes an, das recht ungewöhnlich ist: Es werden auch Särge nach den Wünschen der (noch lebenden) Kunden angefertigt bzw. der der Hinterbliebenen. Warum sich in einer langweiligen Bretterkiste unter die Erde bringen lassen, wenn es auch anders geht, sagen sich manche Menschen. Der Fantasien sind da keine Grenzen gesetzt. Sehr interessant fand ich die Idee, sich in einem Narrowboat bestatten zu lassen (natürlich nicht in Originalgröße) oder in einem Sarg in der Form einer Jack Daniels Whiskyflasche. Wie wäre es mit einem pinkfarbenen Smartphone, auf dessen Display eine SMS zu lesen ist oder mit einem Skateboard-Sarg?

Die Produkte der Firma Crazy Coffins waren auch auf Fachausstellungen zu sehen wie u.a. bei “Death: Southbank Centre’s Festival for the Living” oder bei der Six Feet Under Convention in Bournemouth.

Hier ist ein Film über die Firma in Nottinghamshire.

 

 

 

Published in: on 17. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Meine Lieblings-Pubs: The Black Swan in Middleham (North Yorkshire)

Über das hübsche Middleham in North Yorkshire habe ich in meinem Blog schon mehrere Male geschrieben (zum Beispiel hier). Im Schatten der Burg, in der einst Richard III. wohnte, am Marktplatz liegt das Hotel/der Pub The Black Swan. Im 16. Jahrhundert wurde der „Schwarze Schwan“ erbaut und selbstverständlich gibt es dort jede Menge Eichenbalken und im Herbst/Winter offenes Kaminfeuer; also so richtig zum Wohlfühlen. Ich empfand es jedenfalls so bei meinem Lunch dort.

Natürlich gibt es hier das ganze Jahr über als „Stammbier“ Old Peculier aus der nahe gelegenen Theakston Brewery in Masham, aber auch das Black Sheep Bitter von der ebenfalls in Masham zu findenden Black Sheep Brewery und das in Yorkshire häufig anzutreffende Bier aus der John Smith Brewery in Tadcaster bekommt man im Black Swan frisch gezapft.

Kürzlich hat es einen Besitzerwechsel gegeben. Die Inhaber des Richard III Hotels/Pubs, Ken und Sharon Ward, drei Häuser weiter am Markplatz, haben The Black Swan übernommen.

Meine Empfehlung für einen Aufenthalt in der hübschen und sehenswerten Kleinstadt Middleham im Wensleydale!

The Black Swan
Market Place
Middleham
North Yorkshire
DL8 4NP

Published in: on 16. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Der Doktor und das liebe Vieh“ und die Titelmelodie der TV-Serie

Im Vorspann der TV-Serie zu sehen: Bleaberry Gill Ford.
Photo © John Walton (cc-by-sa/2.0)

Am 8. Januar 1978 strahlte die BBC die erste Folge der TV-Serie „All Creatures Great and Small“ aus, basierend auf den Büchern des Tierarztes Alf Wight, der sie unter dem Pseudonym James Herriot geschrieben hatte. Auch in Deutschland waren diese Bücher sehr populär, was auch für die Fernsehserie galt, die unter dem Titel „Der Doktor und das liebe Vieh“ von der ARD gezeigt wurde. Hin und wieder gibt es immer noch Wiederholungen zu sehen. Gedreht wurde die Tierarztserie in den Yorkshire Dales, überwiegend in Askrigg im Wensleydale. Im Mittelpunkt der Serie standen James Herriot (gespielt von Christopher Timothy), Siegfried Farnon (Robert Hardy), Tristan Farnon (Peter Davison) und Helen Herriot (Carol Drinkwater bzw. Lynda Bellingham).

Wer die Serie gesehen hat, erinnert sich sicher auch noch an die Titelmelodie und den Vorspann. Der Zuschauer wird schon von Anfang an auf die Landschaft eingestimmt, in der die Tierärzte wirken. Gezeigt werden James und Siegfried wie sie gut gelaunt mit ihrem schwarzen Auto durch die Dales fahren, begleitet von ihrem Golden Retriever. Die Szene, in der sie durch den kleinen Bach fahren, der die Straße überquert, wurde am Bleaberry Gill Ford auf dem Reeth Low Moor gedreht, zwischen dem Swaledale und dem Arkengarthdale gelegen.

Die hübsche, eingängige Titelmelodie wurde von Johnny Pearson geschrieben und heißt „Piano Parchment„. Pearson und sein Orchester spielten diese Melodie wie auch die andere Musik in den Episoden (sehr schön ist auch sein „Over the Hedge Rows„). Johnny Pearson lebte von 1925 bis 2011 und arbeitete 16 Jahre lang mit seinem Orchester für die legendäre Musiksendung „Top of the Pops“. 1972 kam er selbst in die britischen Charts, als er mit der Titelmelodie einer anderen TV-Sendung, „Owen, M.D.“, die „Sleepy Shores“ hieß, bis auf Platz 8 vorstieß.

Alle 89 Episoden von „All Creatures Great and Small“ sind auf einer Boxset noch erhältlich; ebenfalls als Komplettbox in deutscher Synchronisation als „Der Doktor und das liebe Vieh“.

Askrigg im Wensleydale: Hier wurde ein großer Teil der Episoden gedreht.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Tom Kerridge und die Restaurantszene von Marlow in Buckinghamshire

Die West Street in Marlow, an der zwei von Tom Kerridges Restaurants liegen.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Über Marlow in Buckinghamshire, wunderschön an der Themse gelegen, habe ich in meinem Blog schon vielfach geschrieben. Die kulinarische Szene der Kleinstadt wird seit einigen Jahren von Tom Kerridge geprägt, der hier mittlerweile drei Restaurants eröffnet hat. Der 1973 in Salisbury (Wiltshire) geborene Koch hat im Laufe seiner Karriere in vielen englischen Restaurants gearbeitet, in London zum Beispiel beim Spitzenkoch Gary Rhodes.
Sein Ziel aber war es immer schon gewesen, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Im Jahr 2005 war es dann soweit, als er gemeinsam mit seiner Frau, der Bildhauerin Beth Cullen-Kerridge, The Hand and Flowers in Marlow aufmachte. Der an der West Street gelegene Gastro-Pub bekam schon ein Jahr später einen Michelinstern und 2012 sogar einen zweiten, womit The Hand and Flowers der erste britische Pub war, der jemals eine so hohe Auszeichnung bekommen hat. Nach den eigenen Worten ist die Ausrichtung der Küche: „built on strong French foundations, using the highest quality fresh British produce“. In der Woche gibt es mittags einen dreigängigen Luch für £29.50, einen speziellen Sunday Lunch à la Carte, und wenn man „ganz normal“ von der Karte bestellen möchte, liegen die Vorspeisen zwischen £11.50 und £19.50, die Hauptgänge zwischen £31.50 und £42 und die Desserts bei rund £13.50. Hier ist ein Film über den Gastro-Pub.

Tom Kerridge ist ein Mann mit viel Energie und so zog es ihn auch ins Fernsehen, wo er bei der BBC mehrere Kochsendungen hatte bzw. moderierte, zuletzt in diesem Jahr bei BBC2 sein „Tom Kerridge: Lose Weight For Good„.

In Marlow wollte Kerridge es aber nicht mit The Hand and Flowers beruhen lassen, und deshalb eröffnete er 2014 in der West Street Nummer 3 The Coach, ein Restaurant das täglich von 8 Uhr morgens bis 22.30 Uhr geöffnet ist (sonntags bis 21 Uhr). Das mitten im Zentrum von Marlow gelegene Restaurant, in dem man übrigens nicht reservieren kann, wurde im Michelin Guide Great Britain & Ireland 2018 erstmals mit einem Stern versehen. Dieser Film zeigt das Restaurant.

Und Tom Kerridge hatte immer noch nicht genug: In der High Street von Marlow entstand unter seiner Regie The Butcher’s Tap, eine Kombination von Lokal und Fleischerei. Seit dem 17. November 2017 kann man hier Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung kaufen, aber auch ein Bier, ein Glas Wein und/oder Snacks zu sich nehmen.

Man darf gespannt sein, ob Tom Kerridge sein Imperium in Marlow noch weiter ausbauen wird.

Mein Buchtipp – Em Marshall: Music in the Landscape – How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers

Foto meines Exemplares.

Britische Komponisten sind, mit wenigen Ausnahmen, fast nur im eigenen Land bekannt: der „Rest Europas“ kennt Benjamin Britten, Gustav Holst und Edward Elgar, aber das war es wohl auch schon.

Wer sich näher mit britischer klassischer Musik beschäftigen möchte, dem kann ich ein Buch empfehlen, das den Einfluss der britischen Landschaft auf  Kompositionen untersucht.
Em Marshall ist Vorsitzende der Ralph Vaughan Williams Society und häufig in Klassiksendern zu hören. In ihrem Buch „Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired our Greatest Composers“ zeigt sie, dass die meisten britischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Landschaft, in der sie aufwuchsen bzw. wohnten, inspiriert wurden, so beispielsweise Edward Elgar von den Malvern Hills und Benjamin Britten von der Küste Suffolks.

Doch Em Marshall nimmt sich auch weniger bekannter Komponisten an und so erfahren wir von Arnold Bax, der von Tintagel an der Nordküste Cornwalls seine Inspirationen bezog, Ivor Gurney von der Landschaft South Gloucestershires und John Ireland vom Maiden Castle in Dorset und von der Insel Guernsey.
Ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch!

Em Marshall ist auch Chefin des Plattenlabels EM Records in Wimbledon (London) und hat kürzlich eine Doppel-CD mit Aufnahmen zeitgenössischer englischer Komponisten zum Thema „König Richard III“ veröffentlicht. Der Titel der CD lautet „Richard III“ und beinhaltet u.a. Kompositionen von Paul Carr („Sonatina“), Richard Pantcheff („King Richard III: Suite for solo violin“) und Paul Lewis („Threnody“).

Em Marshall: Music in the Landscape: How the British Countryside Inspired Our Greatest Composers. Robert Hale 2011. 272 Seiten. ISBN 978-0709084686.

Published in: on 13. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Joe Brown, ein englischer Popsänger der 1960er Jahre

Für mich ist die Musik der 1960er Jahre immer noch die interessanteste und hörenswerteste. Einer der englischen Popsänger in dieser Zeit war Joe Brown, dessen erfolgreichste Single, „A Picture of You„, 1962 bis auf Platz 2 der UK Charts kletterte. Joe Brown hatte damals auf seiner Tournee 1962 in Liverpool sogar die Beatles als Vorband, die allerdings noch am Anfang ihrer Karriere standen.

So war ich etwas überrascht, als ich vor einigen Tagen in einem englischen Magazin las, dass Joe Brown in diesem Jahr erneut auf Tournee unterwegs ist, und das im Alter von immerhin 77 Jahren. „Just Joe“ heißt seine Show, und heute Abend tritt er in Solihull (West Midlands) im The Core Theatre auf.

Geboren wurde Joe Brown am 13. Mai 1941 in dem kleinen Dorf Swarby in der Grafschaft Lincolnshire. Dann zog er als Kind zusammen mit seinen Eltern in den Osten Londons, wo er bei seinem Onkel in Plaistow in der Grange Road 112 in dessen Pub The Sultan wohnte (der 2005 abgerissen wurde). Ende der 1950er Jahre arbeitete er in den Plaistow Locomotive Werkstätten der British Railways, dann wurden seine musikalischen Fähigkeiten entdeckt, und Joe Brown hatte die Ehre die US-Rockstars Gene Vincent und Eddie Cochran auf ihren Tourneen durch Großbritannien zu begleiten. Dann begann seine eigene Karriere.

Brown war eng mit dem Beatle George Harrison befreundet, und die beiden spielten gern gemeinsam auf der Ukulele. Verheiratet war Joe Brown mit einer Kollegin aus der Musikbranche, Vicki Brown, die in den Mädchenbands The Vernon Girls und The Breakaways spielte. Hier ist sie gemeinsam mit Ehemann Joe in „Jackson“ zu sehen. Leider starb Vicki schon sehr früh 1991 mit 50 Jahren.
Joes und Vickis Tochter Sam ist auch im Musikgeschäft tätig; ihr größter Erfolg war 1988 der Titel „Stop„, der es auf Platz 4 der UK Charts brachte, hier zu hören.

Joe Brown heiratete im Jahr 2000 noch einmal, die Lebensgefährtin des 1991 verstorbenen Steve Marriott (s. dazu meinen Blogeintrag), Manon Pearcey. Trauzeuge bei der Hochzeit war übrigens George Harrison. Joes Stieftochter Mollie Marriott ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und arbeitet ebenfalls als Sängerin. Hier ist sie mit „Ship of Fools“ zu sehen und zu hören.

Bei der „Concert For George“ Memorial Show am 29. November 2002 in der Royal Albert Hall, anlässlich des ersten Todestages von George Harrison, spielte Joe Brown auf der Ukulele „I’ll See You In My Dreams„.

Published in: on 12. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die erste Rolltreppe der Londoner U-Bahn in Earl’s Court und der Mann mit dem Holzbein

Ohne Rolltreppen kann man sich die Londoner U-Bahnstationen kaum vorstellen, transportieren sie doch täglich unzählige Menschen von unten nach oben und umgekehrt. Die ersten beiden Rolltreppen wurde im Jahr 1911 in der Station Earl’s Court in Betrieb genommen, gebaut von der Otis Elevator Company. Viele der U-Bahnbenutzer misstrauten der neuen Technik, manche sprachen von Teufelszeug und es gab in den ersten Tagen auch gleich einige kleine Zwischenfälle, so zerrissen sich einige Damen ihre langen Kleider, einer klemmte sich den Finger ein und ein Mann auf Krücken fiel hin. Um den Reisenden die Scheu vor der neuen Errungenschaft in der Station zu nehmen, stellten die Betreiber der U-Bahn einen Mann ein, der nichts anderes zu tun hatte, als den ganzen Tag lang die Rolltreppen hinauf und wieder hinunter zu fahren, um zu demonstrieren wie einfach und wie sicher das Ganze doch war, zumal der Mann, William „Bumper“ Harris genannt, auch noch ein Holzbein hatte (sein „richtiges“ Bein war von einer Kutsche zerquetscht worden). Ob das wirklich eine gute Idee war, sei dahingestellt, denn einige Zyniker stellten die Frage, wo denn Bumper Harris sein Bein verloren hatte…

Die Londoner U-Bahnpassagiere verloren aber schnell das Misstrauen gegenüber der Otis-Technik und in den nächsten vier Jahren wurden 22 weitere Rolltreppen in die Stationen eingebaut. Die mit 60 Metern längste befindet sich in der U-Bahnstation Angel an der Northern Line. Ungewöhnlich ist, dass man in der Londoner Tube rechts steht und links geht bzw. überholt, also anders als im Straßenverkehr.

Übrigens: Ob die Geschichte mit dem Mann und seinem Holzbein stimmt, ist nicht so ganz klar. Anthony Lambert bezweifelt sie zum Beispiel in seinem Buch „Lambert’s Railway Miscellany„.

Ein Blick aus einer ganz besonderen Perspektive (Tottenham Court Road Station).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Geheimnis um die Häuser 23/24 Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater

Die Straße Leinster Gardens im Londoner Stadtteil Bayswater liegt in unmittelbarer Nähe des Hyde Parks und sie macht den Eindruck, dass hier viele wohlhabende Menschen wohnen. Es gibt hier zwei 4*-Hotels, das Henry VIII und das Blakemore Hyde Park Hotel, die beide einige mehrstöckige, zusammenhängende Wohnhäuser in die Mitte nehmen. Geht man daran vorbei, fällt dem Spaziergänger eigentlich nichts Besonderes daran auf. Sieht man sich die Häuser mit den Nummern 23/24 jedoch etwas genauer an, fällt auf, dass die Fenster keine Gardinen haben, und dass die Eingangstüren irgendwie merkwürdig aussehen, sie haben keine Türgriffe, es fehlen Briefkästen und ein Klingelbrett mit den Namen der Bewohner sucht man auch vergebens. Sonst sieht die Fassade genauso aus wie die der benachbarten Häuser. Was ist hier los?

Des Rätsels Lösung findet man, wenn man auf die rückwärtige Seite der Häuserreihe geht, zu einer Straße, die Portchester Terrace heißt. Dort, hinter einer Ziegelmauer, sieht man, dass es sich bei den Häusern 23/24 Leinster Gardens nur um eine vorgesetzte Fassade handelt, dahinter ist …nichts; nur einige Verstrebungen, die die beiden Nachbarhäuser abstützen. Durch eine Tunnelöffnung kann man U-Bahnzüge der Circle und der District Line vorbeifahren sehen.

Als man in den 1860er Jahren das Londoner U-Bahnnetz erweiterte, mussten die beiden Häuser an den Leinster Gardens abgerissen werden; man brauchte eine Tunnelöffnung, damit die dampfbetriebenen Zugwagen hier ihren Dampf ablassen konnten. Die Nachbarn der beiden abgerissenen Häuser waren „not amused“, sie fanden die Baulücke in ihrer schicken Häuserfront einfach nur schrecklich. Die Betreiber der U-Bahn kamen dann auf die Idee, einfach eine falsche Fassade hochzuziehen, die exakt so aussah wie die der umgebenden Häuser. Voila – Problem gelöst!

Dass im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere Schabernack mit den unbewohnten Häusern gespielt wurde, liegt natürlich auf der Hand. Taxifahrer oder Pizzaboten lassen sich heute nicht mehr hinters Licht führen, wenn sie Aufträge mit der Adresse in den Leinster Gardens bekommen.

Wer die dritte Episode der dritten Staffel der TV-Serie „Sherlock„, die den Namen „The Last Vow“ (dt. „Sein letzter Schwur“) trägt, gesehen hat, wurde mit den Fassaden in den Leinster Gardens konfrontiert, als Sherlock (Benedict Cumberbatch) Mary Watson (Amanda Abbingdon) dorthin führt und Marys Gesicht auf die Hauswand projiziert wird. Hier ist der Trailer zu der Episode.

Dieser kurze Film zeigt Leinster Gardens 23/24 von vorn und von hinten.

Ein Blick hinter die Fassade von der Portchester Terrace aus.
Photo © Kevin Leach (cc-by-sa/2.0)

Der Komponist und Dichter Ivor Gurney (1890-1937) und seine Liebe zu der Grafschaft Gloucestershire

Das Ivor Gurney gewidmete Glasfenster in der Kathedrale von Gloucester.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Der englische Dichter und Komponist Ivor Gurney, der von 1890 bis 1937 lebte, dürfte in Deutschland kaum bekannt sein. Seine Gedichte sind nie ins Deutsche übertragen worden und auch seine Kompositionen werden wohl eher selten, wenn überhaupt, hierzulande gespielt.

Ivor Gurney wurde 1890 in der Queen Street in Gloucester geboren und zog bald darauf mit seinen Eltern in die Barton Street, beide Häuser existieren nicht mehr. Der junge Mann entwickelte schon früh eine sehr enge Beziehung zu Gloucestershire; so unternahm er häufig nächtliche Spaziergänge durch die Landschaft. Seine beiden Lieblingsorte waren der Cooper’s Hill (der Berg der rollenden Käse; s. dazu meinen Blogeintrag) und der kleine Ort Framilode, direkt am River Severn, wo er häufig zu Gast bei seinen Freunden, den Harrises, im Lock House war.

Im Alter von 21 Jahren ging er an das Royal College of Music nach London, aber er plagte sich dort ständig mit seinem Heimweh nach Gloucestershire herum. Im Laufe seines Lebens arbeitete Ivor Gurney als Organist in mehreren Kirchen in Gloucestershire; 1912 zog er nach Twigworth, einem Dorf nördlich von Gloucester an der A38, auf dessen Friedhof er später auch beigesetzt werden sollte.

Im Februar 1915 ging Gurney im Ersten Weltkrieg als Soldat an die Front nach Frankreich, wo er Schreckliches erlebte, verwundet und Opfer eine Gasangriffs wurde, der starke Auswirkungen auf seine Gesundheit hatte. Sein Geisteszustand verschlimmerte sich ständig, so dass er die letzten 15 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte.

In Ivor Gurneys musikalischem Werk ist immer wieder die Liebe zu seiner Heimat-Grafschaft Gloucestershire zu spüren: sie gipfelte in „A Gloucestershire Rhapsody„, die der englische Komponist Philip Lancaster  “a great sweeping landscape that portrays the nobility of Gurney’s Gloucestershire” bezeichnete. Hier ist die selten gespielte Rhapsodie zu hören.

In der Kathedrale von Gloucester, in der der junge Ivor im Chor sang, hat man ihm im Jahr 2014 ein von Thomas Denny entworfenes Glasfenster gewidmet. Sein Grabstein auf dem Kirchhof der St. Matthew’s Church, zwischen Twigworth und Longford an der A38 gelegen,  trägt die Inschrift „Composer – Poet of the Severn and Somme“.

Die BBC zeigte im Jahr 2014 eine Dokumentation über Gurney mit dem Titel „The poet who loved the war„, hier zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Eleanor Rawling: Ivor Gurney’s Gloucestershire. The History Press 2011. 176 Seiten. ISBN 978-0752453538.

Einer der Lieblingsorte Gurneys in Gloucestershire: Cooper’s Hill (im Hintergrund).
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

…und ein weiterer Lieblingsort des Komponisten: Framilode am River Severn, hier die Kirche St Peter’s.
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

Ivor Gurneys Grabstein auf dem Friedhof von St Matthew’s bei Twigworth.
Photo © Roger Davies (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Buckinghamshires Best Kept Villages 2017

Die Dorfkirche St Nicholas in dem preisgekrönten Dorf Cuddington.
Eigenes Foto.

Über die Auszeichnungen „Best Kept Villages“ in meiner Lieblings-Grafschaft Buckinghamshire des Jahres 2015 habe ich in meinem Blog bereits einmal geschrieben. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Sieger des Jahres 2017. Im Vergleich 2015 – 2017 fällt auf, dass es einigen Dörfern immer wieder gelingt, die begehrten Trophäen nach Hause bringen können.

Das hübsche Dorf Cuddington, in dem ich kürzlich wieder einmal war, erhielt wie schon 2015 den Morris Cup (Dörfer mit 500 – 1500 Einwohnern). Darüberhinaus auch noch den begehrten Sword of Excellence Award, das ist der Sieger aller Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl. Cuddington wurde mehrfach für Dreharbeiten der „Inspector Barnaby“-TV-Serie verwendet. Ich mag den kleinen Ort mit seinem hübschen Pub The Crown sehr. Hier geht es zu meinem Blogartikel.

Auch der De Fraine Cup für Dörfer mit 1501–3000 Einwohner scheint in festen Händen zu sein. Stewkley, westlich von Leighton Buzzard gelegen,  gewann ihn schon mehrere Male, so auch 2017.

Den Pushman Cup (Dörfer über 3000 Einwohner) erhielt 2017 Chalfont St Peter und konnte damit Haddenham überholen, das zweiter wurde. Haddenham wäre mein Favorit gewesen; ich war neulich dort und ärgerte mich aber etwas über die grässlichen Karussells und Jahrmarktsbuden, die den wunderschönen Kirchenvorplatz und das Village Green vollgestellt hatten.

Den Gurney Cup für Dörfer unter 500 Einwohnern  erhielt dieses Mal Oving (2015 war es Stoke Goldington). Das Dörfchen liegt zwischen Waddesdon und Winslow, hat eine Kirche namens All Saints, einen Pub, The Black Boy, und ein Village Green, also alles, was ein englisches Dorf benötigt, um als „best kept village“ ausgezeichnet werden zu können. Oving erhielt darüberhinaus auch noch die Community Trophy.

Für Kleinstädte ist der Michaelis Cup gedacht, den 2017 Winslow erhielt, ein Ort mit rund 4500 Einwohnern, der zwischen Buckingham und Aylesbury liegt.

Die High Street von Stewkley.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Chalfont St Peter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

So sah es leider bei meinem letzten Besuch vor der Kirche von Haddenham aus.
Eigenes Foto.

The Black Boy in Oving.
Photo © Virginia Knight (cc-by-sa/2.0)

Die Sheep Street in Winslow.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. März 2018 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Jamie Manners: The Seven Noses of Soho

Foto meines Exemplares.

Seit Juni 2014 schreibt Jamie Manners in seinem Blog The Baedeker Raids über seine Reisen durch ganz Europa. Am 1. Oktober 2015 erschien sein erstes Buch „The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London„, in dem er sich mit Kuriositäten aus seiner Wahlheimat London beschäftigt. Manners stammt aus Belfast und arbeitet zurzeit in einer Londoner Bibliothek.

In seinem Buch über die sieben Londoner Nasen (s. dazu auch meinen Blogeintrag) stellt uns Manners in kurzen, meist nur eine Seite langen Artikeln verborgene, ungewöhnliche Dinge der Hauptstadt vor. „While the masses crowd around icons such as St Paul’s and the Tower of London, there are other layers of the city that are often overlooked„; ein Buch also, das sich nicht an den Erstbesucher der Stadt richtet, sondern an den, der schon an alle „must see“-Sehenswürdigkeiten ein Häkchen gesetzt hat und nun die Touristenpfade verlassen möchte. Selbst viele Londoner werden in dem Buch Dinge entdecken, von denen sie bisher noch nichts wussten. „This book is populated with tigers and flamingos, Roman emperors and Crusader knights, elves and devils, dead rock stars and Soviet spies„, so fasst es Jamie Manners in dem Vorwort zu seinem Buch zusammen. Entlang der U-Bahnlinien machen wir Spaziergänge durch die Stadt und begegnen dabei an der Bakerloo Line Eric Gills Prospero and Ariel am Broadcasting House, an der Piccadilly Line dem Swiss Glockenspiel, an der Circle Line dem Anglo-Belgian Memorial und an der Jubilee Line einer V2-Rakete an einer Hauswand in der Tooley Street.

Ein sehr interessantes und empfehlenswertes Buch!

Jamie Manners: The Seven Noses of London and 191 Other Curious Details From the Streets of London. Michael O’Mara 2015. 256 Seiten. ISBN 978-1-78243-461-0.

Das Swiss Glockenspiel zwischen Leicester Square und Piccadilly Circus.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Das Anglo-Belgian Memorial am Victoria Embankment.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Die V2-Rakete in der Tooley Street.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. März 2018 at 02:00  Comments (1)  

Ernest Arthur Lough (1911-2000) und Felix Mendelssohn Bartholdys „O for the Wings of a Dove“ – Ein Verkaufshit aus dem Jahr 1927

Die Londoner Temple Church.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Im Jahr 1927 hörte man in England kein Musikstück lieber als Felix Mendelssohn BartholdysO for the Wings of a Dove„, das aus dem Anthem „Hear my prayer“ (dt. „Hör‘ mein Bitten“) stammt, das der deutsche Komponist 1844 geschrieben hatte und welches in der Londoner Crosby Hall am 8. Januar 1845 uraufgeführt wurde. Gesungen wurde es von dem 16jährigen Ernest Arthur Lough, der über eine herausragende Sopranstimme verfügte. Bis 1962 wurden von der Schallplatte eine Million Stück verkauft, die erste klassische Schallplatte der Firma EMI, die diese „Schallgrenze“ überschritten hatte.

Ernest Arthur Lough wurde 1911 in dem Ost-Londoner Stadtteil Forest Gate geboren. Er sang im Chor seiner Heimatkirche St Peter’s, bis er sich 1924 dem Chor der Temple Church in der Londoner City anschloss. Schnell erkannte man hier die stimmlichen Fähigkeiten des jungen Arthur, und seine Stunde schlug am 15. März 1927, als die 1898 gegründete Gramophone Company mit einem der ersten mobilen Aufnahmestudios zur Temple Church kam, um hier Mendelssohn Bartholdys „Hear my prayer“ mit dem Kirchenchor aufzunehmen. Dabei durfte Ernest das Solo „O for the Wings of a Dove“ singen. Der Rest ist Geschichte. Der junge Mann sorgte mit seiner Stimme dafür, dass die Temple Church an Sonntagen gut gefüllt war, viele wollten ihn einmal live erleben.

Die Aufnahme von „Hear my prayer“ ist bis heute als CD erhältlich und von ihr wurden mittlerweile sechs Millionen Exemplare verkauft.

Mit 18 Jahren bekam Ernest einen Stimmbruch und aus dem Sopran wurde ein Bariton; er blieb dem Chor der Temple Church noch eine Weile erhalten. Ernest Arthur Lough arbeitete später bei der Plattenfirma HMV im Marketing und nach dem Krieg bei einer großen internationalen Werbeagentur. Er starb am 22. Februar 2000; an ihn erinnert ein Plakette in der Temple Church.

Hier ist eine kurze Dokumentation über den Chorknaben zu sehen, in der auch Ausschnitte aus „O for the Wings of a Dove“ zu hören sind.

Die Erinnerungsplakette in der Temple Church.
Author: Carol.
Creative Commons 2.0

Die Crosby Hall, in der „Hear my prayer“ 1845 erstmals aufgeführt wurde.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

 

Spire FM – Eine Radiostation in Salisbury, die South Wiltshire und West Hampshire bedient

Nach dem höchsten Kirchturm Englands in Salisbury wurde Spire FM benannt.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Aus den City Hall Studios im Malthouse Lane in Salisbury (Wiltshire) sendet die Radiostation Spire FM und bedient damit in erster Linie die Regionen Süd-Wiltshire und West-Hampshire. Gleich rechts neben dem Eingang ist an der Wand eine blaue Plakette der Salisbury Civic Society angebracht mit dem Hinweis: „Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich – In recognition of their outstanding contribution to popular music and celebrating their 40th anniversary of their chart-topping hit single „The Legend of Xanadu“ 1968-2008″. Die Band wurde 1961 in Salisbury gegründet.

Der Malthouse Lane ist eine Sackgasse im Stadtzentrum, die von der Fisherton Street abgeht. Von den Studios hat man einen sehr schönen Blick auf den 123 Meter hohen Kirchturm der Kathedrale von Salisbury, dem höchsten von ganz England; so lag es auf der Hand, dass man bei der Gründung der Radiostation diese nach dem Turm (=spire) benannte. Seit dem 20. September 1992 ist Spire FM auf Sendung und erfreut sich in der Region großer Beliebtheit.

Der Radiosender gehört zur UKRD Group (UKRD=UK Radio Developments), deren Portfolio 16 Rundfunkstationen umfasst, u.a. Yorkshire Coast Radio, Minster FM in York und Sun FM in Sunderland (Tyne and Wear) und deren Hauptsitz in Redruth in Cornwall liegt.

Im Laufe ihres Bestehens hat Sire FM mehrere Auszeichnungen erhalten wie zum Beispiel den Sony Radio Award. Das Programmschema ähnelt dem vieler anderer Radiostationen im Land, so gibt es wochentags  von 6 Uhr bis 10 Uhr eine Breakfast Show, mittags von 14 Uhr bis 15 Uhr eine Oldies Hour und von 19 Uhr bis 23 Uhr eine Evening Show. Wer außerhalb der Region South Wiltshire und West Hampshire wohnt, kann sich Spire FM auch per Internet anhören. Hier ist der Link.

In den City Hall Studios im Malthouse Lane in Salisbury residiert Spire FM.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. März 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Jan Bondeson: Murder Houses of London

Foto meines Exemplares.

Jan Bondeson ist ein schwedischer Arzt, der sich auf Rheumaerkrankungen spezialisiert hat und an der Universität von Cardiff lehrt. Nebenbei interessiert er sich auch für ein ganz anderes Thema: Londoner Häuser, in denen Morde begangen wurden. So schrieb er bisher die Bücher „Murder Houses of South London“ (2015),  „Murder Houses of Greater London“ (2015) und „Murder Houses of London“ (2014), das ich heute vorstellen möchte.
Bondeson nimmt sich Mordfälle aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert vor, beschreibt diese detailliert und geht der Frage nach, was aus den Häusern geworden ist, in denen sich die Taten ereignet haben. Viele der „murder houses“ stehen noch heute, einige wurden abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Manche der Morde waren so schrecklich und erregten so viel Aufmerksamkeit, dass niemand mehr darin wohnen wollte. So kam es sogar hin und wieder vor, dass die Straßen umbenannt und die Hausnummern ausgetauscht wurden, um die Standorte der Mordhäuser zu verschleiern.

Hier sind einige Beispielsfälle aus Jan Bondesons Buch:

Die Zwillinge Ronnie und Reggie Kray gehören zu den schillerndsten und berühmtesten Figuren der Londoner Kriminalgeschichte. In den 1960er Jahren verbreiteten sie Angst und Schrecken in der Stadt.  Der Pub The Blind Beggar in der Whitechapel Road war der Ort, wo Ronnie Kray einen anderen Kriminellen namens George Cornell vor den Augen anderer Pubbesucher erschoss. Keiner der Anwesenden konnte sich anschließend an Einzelheiten der Tat erinnern… Den Blind Beggar gibt es noch heute im Londoner East End.

In 25 Noel Road in Islington wohnten in den 1960er Jahren der Dramatiker Joe Orton und sein Lebensgefährte, der Schauspieler und Schriftsteller Kenneth Halliwell. Am 9. August 1967 kam es zu einem Streit zwischen den beiden Männern, wobei Halliwell seinen Freund mit neun Hammerschlägen tötete. Anschließend nahm er eine Überdosis Nembutal und starb. Eine blaue Plakette an der Hauswand erinnert an Joe Orton (nicht an Kenneth Halliwell). Siehe dazu meinen Blogeintrag.

10 Rillington Place gehörte zu den berüchtigsten Adressen in London, wo der Serienmörder John Christie in den 1940er und 1950er Jahren mehrere Frauen ermordete. Rillington Place wurde, nachdem die Polizei Christie geschnappt hatte, in Ruston Place umbenannt. Das Mordhaus in Notting Hill wurde 1970 abgerissen. Siehe dazu meinen Blogeintrag.

Jan Bondesons Buch ist mit vielen Fotos bzw. mit zeitgenössischen Zeichnungen, überwiegend aus den Illustrated Police News, versehen.

Jan Bondeson: Murder Houses of London. Amberley Publishing 2014. 474 Seiten. ISBN 978-1-4456-4706-7.

The Blind Beggar in der Whitechapel Road.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

25 Noel Road in Islington.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

St Sepulchre-without-Newgate in Holborn – The National Musicians’ Church

Schon um das Jahr 1137 herum wurde die Kirche St Sepulchre-without-Newgate in London erbaut, 1666 beim Großen Brand von London bis auf wenige Mauern von den Flammen zerstört und danach an der selben Stelle wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg kam die Kirche noch einmal mit einem blauen Auge davon, nur das Wachhäuschen wurde zerstört.
St Sepulchre-without-Newgate wird auch The National Musicians‘ Church genannt, da sie viele Verbindungen zur Musikwelt des Landes hatte. Und so gab es im vorigen Jahr laute Proteste, als die Kirchenoberen eine weitere Nutzung für nicht-religiöse Zwecke ab dem Jahr 2018 untersagten. Viele Jahrzehnte diente St Sepulchre als Ort, in dem Konzerte aufgeführt wurden (hier fanden auch einmal Teile der London Fashion Week statt), und gegen die Anordnung protestierten namhafte Musiker wie Julian Lloyd-Webber und die Komponisten John Rutter und James MacMillan. Mit einer Unterschriftensammlung versuchte man das Ende der National Musicians’ Church zu verhindern. Hier ist ein Film über eine dieser Protestveranstaltungen.

Es gibt schon seit längerem eine starke Bindung der Kirche zur Musik. So findet man in der  Musicians‘ Chapel vier Fenster, auf denen John Ireland, Dame Nellie Melba, Walter Carroll und Sir Henry Wood gedacht wird.
John Ireland (1879-1962) war ein Komponist, der vorwiegend durch seine Chormusik und Klaviermusik bekannt ist; über seinem Fenster findet man die Schlusstakte seines Liedes „Sea Fever„. Dame Nellie Melba lebte von 1861 bis 1931 und war eine australische Opernsängerin. Walter Carroll (1869-1955) kennt man als Komponisten und Musiklehrer und Sir Henry Wood (1869-1944) ist in die englische Musikgeschichte eingegangen als Schöpfer der jährlich stattfindenden Londoner Promenadenkonzerte, die immer mit der Last Night of the Proms ihren Abschluss und Höhepunkt finden. Seine Büste in der Royal Albert Hall wird jedes Jahr beim Abschlusskonzert mit einem Lorbeerkranz geschmückt, der nach Beendigung der Proms wieder zurück in die Kirche St Sepulchre gebracht wird, wo der Musiker getauft und beigesetzt wurde.

Ein weiterer berühmter Mann ist in der Kirche in Holborn bestattet worden, der aber mit Musik nichts zu tun hat: John Smith (1580-1631), ehemaliger Gouverneur von Virginia, der vor allem durch seine Liaison mit der Häuptlingstochter Pocahontas in Erinnerung geblieben ist. Auch ihm ist ein Kirchenfenster gewidmet.

St Sepulchre-without-Newgate steht gegenüber dem Gerichtsgebäude Old Bailey am Holborn Viaduct.

 

Das Dame Nelly Melba gewidmete Kirchenfenster.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. März 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Stephen und Stitt – Zwei Löwen, die vor dem Londoner HSBC-Gebäude Wache halten

Der aggressive Stephen.
Author: Daisyng
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Die Engländer hatten immer schon eine Vorliebe für Löwen, was sich beispielsweise auf Wappen und Pubschildern widerspiegelt (The Red Lion ist der häufigste Pubname im Königreich). Auf Plätzen und an Brücken trifft man die Könige des Tierreichs in steinerner oder bronzener Form an und so kommen sie hin und wieder auch in meinem Blog vor. Ich schrieb u.a. über den riesigen Maiwand Lion in Reading (Berkshire), den South Bank Lion an der Westminster Bridge und natürlich über die berühmtesten Löwen überhaupt, die vier Artgenossen auf dem Londoner Trafalgar Square, die es tagein, tagaus über sich ergehen lassen müssen, dass Touristenscharen sie besteigen und sich dort fotografieren lassen. Fotos von ihnen füllen millionenfach die Fotoalben bzw. die Festplatten in Fernost.

Da haben es die beiden Löwen Stephen und Stitt erheblich leichter, deren Aufgabe es ist, den Haupteingang der HSBC-Bank in der Londoner Canary Wharf zu bewachen. Sie werden mehr oder weniger in Ruhe gelassen, da es die meisten Besucher der Hauptstadt nicht gerade in Scharen zu dem Bankgebäude am Canada Square zieht. HSBC steht für The Hongkong and Shanghai Banking Corporation Limited, eine Bank, die 1865 in dem unter britischer Verwaltung stehenden Hongkong gegründet wurde. Die Bankzentrale ist in dem 200 Meter hohen 45stöckigen Wolkenkratzer in London untergebracht, der nach 16jähriger Bauzeit 2002 fertiggestellt wurde.

Da es vor den beiden Bankgebäuden in Shanghai und in Tokio jeweils zwei Löwen vor den Haupteingängen gab, die Stephen und Stitt genannt wurden, ließ man vor der Londoner Bankzentrale auch zwei Mähnenträger installieren, denen man die selben Namen gab. Benannt wurden sie nach zwei Topmanagern in Shanghai, deren Namen A G Stephen und G H Stitt waren. Stephen ist der aggressive Löwe mit dem offenen Maul, während Stitt der ruhigere und besonnenere der beiden ist. Man sagt, dass sich die Temperamente der beiden Manager in den beiden Löwen wiederfinden.

Gegossen wurden Stephen und Stitt in Mark Kennedys Bronze Age Sculpture Casting Foundry im nahe gelegenen Stadtteil Limehouse (die Gießerei kann besichtigt  werden). Mark Kennedy war auch der Schöpfer der  umstrittenen Prinzessin Diana/Dodi Fayed-Statue im Londoner Kaufhaus Harrod’s, die den Namen „Innocent Victims“ trägt. Diese von Mohamed Al-Fayed in Auftrag gegebene Bronzestatue wird jetzt aus dem Kaufhaus entfernt und an den Auftraggeber zurückgegeben.

Der ruhige Stitt.
Author: LeonGo
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Die HSBC-Bank in der Canary Wharf, die von Stephen und Stitt bewacht wird.
Author: Michael Pead.
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Published in: on 2. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen