The Great Wheel of London – Ein Vorgänger des London Eye

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Das Riesenrad London Eye am Themseufer ist mittlerweile schon zu einem Wahrzeichen der Hauptstadt und zu einem Touristenmagneten geworden. Das 135 Meter hohe London Eye hatte schon einmal einen Vorgänger, der es allerdings „nur“ auf eine Höhe von 94 Metern brachte und damit seinerzeit das höchste Riesenrad der Welt war.

Erbaut wurde The Great Wheel of London 1894/95 anlässlich der Empire of India Exhibition, die im Stadtteil Earl’s Court stattfand. Vorbild für das Riesenrad war das 80 Meter hohe Ferris Wheel in Chicago, das George Washington Gale Ferris Jr. 1893 zur World’s Columbian Exposition errichten ließ. Das Londoner Pendant war nicht nur größer, es hatte auch mehr Gondeln, nämlich 40, in die jeweils 40 Personen hineinpassten. 20 Minuten dauerte eine komplette Fahrt (das London Eye braucht 30 Minuten), also Zeit genug, um das Panorama Londons von luftiger Höhe aus genießen zu können. 2,5 Millionen Menschen konnten das Spektakel damals erleben, bis das Great Wheel im Jahr 1907 wieder abgebaut wurde, weil es die Unterhaltskosten nicht mehr einspielte.

So wie das London Eye im Oktober 2016 durch einen technischen Defekt für mehrere Stunden außer Gefecht gesetzt wurde, und die Passagiere in den Gondeln ausharren musste, so hatte auch The Great Wheel bzw. dessen Fahrgäste zweimal Probleme. Im Mai 1896 kam es zu einem Kabelschaden, wodurch die Riesenradreisenden vier Stunden lang in ihren Gondeln eingesperrt waren. Wesentlich schlimmer erwischte es die Passagiere bei einem anderen technischen Defekt, als ca 70 von ihnen die ganze Nacht in den oberen Gondeln des Great Wheel verbringen mussten. Man schaffte zwar heißen Tee und Sandwiches nach oben, aber es dauerte bis zum Morgen, bis die Eingeschlossenen von der Feuerwehr befreit werden konnten… doch einige von ihnen hatten eine nicht ganz so unangenehme Nacht hoch über London verbracht. Eine Dame und ein Herr kamen miteinander ins Gespräch und schlossen später den Bund fürs Leben, und es ging das Gerücht um, dass sich in der einen oder anderen Gondel recht lustvolle Begegnungen zugetragen haben sollen. Ob es da Spätfolgen gegeben hat, ist nicht bekannt.