Die erste Rolltreppe der Londoner U-Bahn in Earl’s Court und der Mann mit dem Holzbein

Ohne Rolltreppen kann man sich die Londoner U-Bahnstationen kaum vorstellen, transportieren sie doch täglich unzählige Menschen von unten nach oben und umgekehrt. Die ersten beiden Rolltreppen wurde im Jahr 1911 in der Station Earl’s Court in Betrieb genommen, gebaut von der Otis Elevator Company. Viele der U-Bahnbenutzer misstrauten der neuen Technik, manche sprachen von Teufelszeug und es gab in den ersten Tagen auch gleich einige kleine Zwischenfälle, so zerrissen sich einige Damen ihre langen Kleider, einer klemmte sich den Finger ein und ein Mann auf Krücken fiel hin. Um den Reisenden die Scheu vor der neuen Errungenschaft in der Station zu nehmen, stellten die Betreiber der U-Bahn einen Mann ein, der nichts anderes zu tun hatte, als den ganzen Tag lang die Rolltreppen hinauf und wieder hinunter zu fahren, um zu demonstrieren wie einfach und wie sicher das Ganze doch war, zumal der Mann, William „Bumper“ Harris genannt, auch noch ein Holzbein hatte (sein „richtiges“ Bein war von einer Kutsche zerquetscht worden). Ob das wirklich eine gute Idee war, sei dahingestellt, denn einige Zyniker stellten die Frage, wo denn Bumper Harris sein Bein verloren hatte…

Die Londoner U-Bahnpassagiere verloren aber schnell das Misstrauen gegenüber der Otis-Technik und in den nächsten vier Jahren wurden 22 weitere Rolltreppen in die Stationen eingebaut. Die mit 60 Metern längste befindet sich in der U-Bahnstation Angel an der Northern Line. Ungewöhnlich ist, dass man in der Londoner Tube rechts steht und links geht bzw. überholt, also anders als im Straßenverkehr.

Übrigens: Ob die Geschichte mit dem Mann und seinem Holzbein stimmt, ist nicht so ganz klar. Anthony Lambert bezweifelt sie zum Beispiel in seinem Buch „Lambert’s Railway Miscellany„.

Ein Blick aus einer ganz besonderen Perspektive (Tottenham Court Road Station).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. März 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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