Englische Exzentriker(innen) – Margaret Thompson und der Schnupftabak

Author: Hellahulla
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

In meiner Blogkategorie „Exzentriker“ findet man fast nur männliche Vertreter; Exzentrikerinnen wie Hannah Beswick, eine Dame, die sich davor fürchtete, lebendig begraben zu werden und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriff, damit ihr das nicht passierte, sind eher selten. Gewisse Parallelen gibt es zwischen Hannah Beswick aus Manchester und der Londonerin Margaret Thompson, die beide im 18. Jahrhundert lebten. Auch Margaret Thompson beschäftigte sich mit ihrem Ableben und gab in ihrem Testament präzise Anweisungen wie ihre Begräbnisfeier auszusehen hatte. Die Dame war süchtig nach Schnupftabak und leidenschaftliche „Schnupferin“, eigentlich eher eine männliche Domäne. Und dieser Schnupftabak (englisch „snuff“) sollte bei ihrer Beerdigung, die 1776 stattfand, eine alles dominierende Rolle spielen.
Margaret Thompsons Anweisung bezüglich ihres Sarges gingen dahin, dass dieser mit sämtlichen Schnupftabaks-Taschentüchern ausgelegt werden sollte, die sich zum Zeitpunkt ihres Todes ungewaschen in einer Wäschetruhe befanden. Ihre Leiche sollte nicht wie allgemein üblich mit Blumen, sondern mit dem besten schottischen Schnupftabak (den sie besonders liebte) bedeckt werden. Auch was die Sargträger anbelangt, gab es im Testament genaue Vorgaben; sechs Männer aus der Kirchengemeinde St James in Westminster sollten es sein und zwar die begeistertsten „Schnupfer“; jeder von ihnen musste einen aus Biberhaar gefertigten Filzhut in der Farbe von Schnupftabak tragen. Das Sargtuch trugen sechs Frauen, die zusätzlich noch eine Kiste mit dem oben schon erwähnten besten schottischen „snuff“ zum eigenen Bedarf bei sich hatten. Margaret Thompsons treue Bedienstete Sarah Stewart erhielt den Auftrag, vor dem Sarg herzugehen und alle zwanzig Meter Schnupftabak auf den Boden zu streuen und ihn an die Menschenmenge zu verteilen, die der Prozession beiwohnte. Auch der Pfarrer sollte bei der Feier kräftig schnupfen und erhielt für diese Bemühungen noch fünf Guineen extra. Und schließlich verfügte sie, dass eine bestimmte Menge Schnupftabak vor ihrem Haus in der Boyle Street Nummer 8 an Passanten verteilt werden sollte (die Boyle Street sah damals bestimmt sehr viel besser aus als heute).

Sollte Margaret Thompson vom Himmel aus ihrer Beerdigungsfeier zugesehen haben, wäre sie sicher mit dem Ablauf sehr zufrieden gewesen.

Published in: on 27. März 2018 at 02:00  Comments (1)  

The URI to TrackBack this entry is: https://maricopa1.wordpress.com/2018/03/27/englische-exzentrikerinnen-margaret-thompson-und-der-schnupftabak/trackback/

RSS feed for comments on this post.

One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Ziemlich interessant soe iene beerdigung möchte ich auch


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: