Die Siebenschläfer von Tring in Buckinghamshire

Author: Zwiegel.
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Glis glis heißt der Siebenschläfer im Lateinischen und Edible dormouse im Englischen. Edible, also essbar? Ja, die Römer  verzehrten die kleinen Nager seinerzeit gern, dann verschwand diese „Delikatesse“ aber weitgehend wieder von den europäischen Speisekarten, bis auf einige Regionen im Süden und Südosten, wo man Glis glis noch isst. Vor einigen Jahren sorgte Starkoch Heston Blumenthal für Aufsehen, als er in seinem Weihnachtsmenü einen Siebenschläfer-Lollipop einbaute. Hier ist das Rezept: Man fange einige der Nagetiere, enthäute sie… ach, Quatsch, das ist mir zu unappetitlich, lassen wir den Meister selbst in diesem Film zu Wort kommen.

Rund 30 000 Siebenschläfer soll es nach der letzten „Volkszählung“ in England geben und die meisten davon leben in den Chiltern Hills um die Kleinstadt Tring in Buckinghamshire herum. Warum haben sich die putzigen Tierchen gerade diese Region zu ihrem Wohnsitz auserkoren? Schuld daran ist einer aus der Bankiersfamilie Rothschild und zwar Lionel Walter Rothschild (1868-1937), der seinen Wohnsitz im Tring Park hatte. Viel lieber als mit Geldzählen beschäftigte sich der etwas exzentrische Baron mit dem Sammeln von allerlei Getier aus der ganzen Welt, speziell mit Insekten, Schmetterlingen und Vögeln. Aber auch andere Tiere wie Kängurus und Zebras hielt er auf seinem Landsitz; letztere spannte er gern vor seine Kutsche und ließ sich damit durch die Gegend fahren. Im Natural History Museum at Tring kann man sich heute noch die gesammelten Schätze des Baron Rothschilds ansehen.

Kommen wir auf die Siebenschläfer zurück. Lionel Walter R. hatte 1902 sechs von dieser Spezies von seinen Reisen mitgebracht und einige von ihnen hatten nichts Besseres zu tun, als bald darauf auszubüchsen und sich in den Chilterns eine neue Heimat zu suchen. Sie vermehrten sich kräftig und gehören heute zu den Tieren, die die größte Gefahr für die Natur darstellen, denn eine ihrere Lieblingsbeschäftigungen ist, die Bäume von ihrer schützenden Rinde zu befreien, was sie natürlich tun ohne die Bäume vorher zu fragen. Auch in Obstplantagen werden die Nager nicht gern gesehen. Hausbesitzer in den Chilterns gehören nicht zu den größten Fans der Tiere, wenn die sich in deren Dachböden gemütlich gemacht haben, denn die kleinen Biester machen nachts dort oben einen ziemlich großen Lärm und wetzen ihre Zähne gern an Elektroleitungen…

Zum Abschluss noch ein kleiner Film von einer Verwandten des Siebenschläfers, der Hausmaus, die sich hier verzweifelt mit einem Keks herumschlägt…und gewinnt!

Tring Park. Wohnsitz von Lionel Walter Rothschild.
Photo © Gerald Massey (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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