The National Film and Television School in Beaconsfield (Buckinghamshire)

Die großen Londoner Filmstudios liegen bzw. lagen alle an der Peripherie der Stadt. Die Pinewood Studios sind in Iver Heath (Buckinghamshire), die Elstree Studios in Borehamwood (Hertfordshire) und die Shepperton Studios in Shepperton (Surrey), um nur drei Beispiele zu bringen.
Die Beaconsfield Film Studios westlich von London, in der Grafschaft Buckinghamshire, gehören ebenfalls dazu. Sie begannen 1922 mit der Produktion von Filmen und bis in die 1960er Jahre wurde hier gedreht. Die International Movie Database listet 115 Filme auf, die in den Beaconsfield Studios entstanden, darunter die TV-Serie „Ivanhoe“ mit Roger Moore in der Hauptrolle, „Time Lock“ (dt. „Zwölf Sekunden bis zur Ewigkeit“) mit Robert Beatty und „The Wrong Arm of the Law“ (dt.“Gentlemenkillers“) mit Peter Sellers.

1971 wurde in Beaconsfield die National Film School gegründet, später in The National Film and Television School (NFTS) umbenannt, die auf das Gelände der ehemaligen Filmstudios zog. Die Schule hat hier alle Möglichkeiten, die man benötigt, um professionell Filme zu produzieren und sie gehört zu den renommiertesten ihrer Art weltweit. Wer an der NFTS seinen Abschluss macht, kann so gut wie sicher sind, eine Anstellung in der Filmindustrie zu bekommen. Die Produktionen der etwa 220 Studenten, die hier eingeschrieben sind, haben schon eine ganze Reihe von Preisen gewonnen, einige von ihnen sind sogar schon für einen Oscar nominiert worden.
Unterstützt wird die NFTS u.a von der BBC, der ITV und von Channel 4. Zu den Honorary Fellows zählen so berühmte Leute wie Lord Richard Attenborough, Sir Michael Caine, Sir David Lean und Ken Loach.

Zu den Studiengängen gehören beispielsweise Directing Commercials, Production Design, Screenwriting und Composing for Film & Television.

Im Jahr 2008 wurde ein neues Gebäude eingeweiht, The Oswald Morris Building, benannt nach dem vielleicht berühmtesten Kameramann Englands, Oswald Morris (1915-2014).

Die NFTS liegt in Beaconsfield an der Station Road, deren Verlängerung, Aylesbury End, auf den großen Kreisverkehr mitten im Ort mündet, der von der A40 gekreuzt wird. Die Kleinstadt gehört zu den wohlhabendsten Orten im Londoner Speckgürtel. Mehrere „Inspector Barnaby“-Episoden wurden hier gedreht (s. dazu meinen Blogeintrag). Ich war zuletzt vor einem halben Jahr hier und hatte große Probleme, einen Parkplatz zu finden, die Stadt war komplett zugeparkt. Ich habe den Eindruck, dass es in England wesentlich mehr Autos gibt als in Deutschland.

Author: Simonjon.
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

 

Weston Longville (Norfolk), James Woodforde und die Tagebücher eines Landpfarrers

Parson Woodforde.
This work is in the public domain

The Diary of a Country Parson„, also das Tagebuch eines Landpfarrers, umfasst die Aufzeichnungen des James Woodforde, der von 1776 bis 1803 die Gemeinde von Weston Longville in Norfolk (rund 13 Kilometer nordwestlich der Grafschaftshauptstadt Norwich) betreute. In Auszügen sind die Tagebücher noch heute im Buchhandel erhältlich.
James Woodforde wurde 1740 in der Grafschaft Somerset geboren, er starb 1803 in Weston Longville und ist auch dort beerdigt.

Die Tagebücher beinhalten nichts Aufsehenerregendes oder Sensationelles; der Leser erfährt aber so einiges über das Leben in einem Dorf in East Anglia in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wir begegnen dem Schmuggler Andrew und der Witwe Pratt, hören wie die Winter hier im Osten Englands waren und jede Menge Dorfklatsch. Besonders gern berichtet Parson Woodforde von den gewaltigen Mahlzeiten, die er zusammen mit Freunden einnimmt und beschreibt  detailliert, was da so alles auf den Tisch kam, zum Beispiel ein Kalbskopf, ein Hammelrücken, ein Schwan mit Johannisbeergelee, verschiedene Sorten Wildgeflügel und eine Dessertauswahl mit Pflaumenmus und Früchten. Ja, Woodforde ließ es sich gut gehen in Weston Longville.

Das Pfarrhaus, in dem er wohnte, existiert nicht mehr, es wurde abgerissen und durch ein neues ersetzt. Diese Old Rectory wurde 1971 von der Kirche verkauft, kam in Privathand und war vor zwei Jahren für £1.5 Millionen erneut auf dem Markt.

Parson Woodfordes All Saints‘ Church in Weston Longville steht noch immer, ein paar Schritte davon entfernt liegt der Dorfpub, ein Free House, der sich natürlich The Parson Woodford nennt und in dem man in den Tagebüchern des Pfarrers blättern kann, die für die Gäste bereit liegen.

Damit der Pfarrer nicht in Vergessenheit gerät, sorgt The Parson Woodforde Society, die 1968 gegründet wurde.

Das Buch zum Artikel:
Roy Winstanley: Parson Woodforde – The Life and Times of a Country Diarist. Morrow 1996. ISBN  978-0948903380.

Die All Saints‘ Church, der Wirkungsbereich von James Woodforde.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Hier predigte Parson Woodforde.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfpub.
Photo © Ruth Sharville (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mister Fitzpatrick’s Temperance Bar in Rawtenstall (Lancashire) – Die letzte alkoholfreie Bar Englands

Eine Bar in England, die keinen Alkohol ausschenkt? Gibt es so etwas? Ja, gibt es, aber nur noch eine und zwar in Rawtenstall in Lancashire.

Während der Industriellen Revolution erlebte der Nordwesten Englands eine starken Bevölkerungszuwachs und damit verbunden eine Zunahme an Alkoholismus, da man an jeder Straßenecke Bier oder Gin kaufen konnte. Als Gegenbewegung entstand die Temperance Movement (Abstinenzbewegung), die einen totalen Verzicht auf Alkohol predigte. Es entstanden sogenannte Temperance Bars, in denen man beispielsweise Ingwerbier, Vimto (Saft von Weintrauben, Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren) oder Sarsaparilla (ein Getränk aus Stechwinden) kaufen konnte.

Eine letzte dieser Bars ist übriggeblieben, Mister Fitzpatrick’s Temperance Bar in Rawtenstall in Lancashire. Hier wird nach wie vor kein Alkohol ausgeschenkt, dafür aber die oben erwähnten, exotisch klingenden Getränke.
Malachi Fitzpatrick war der letzte aus der Familie, der die Bar über 50 Jahre lang betrieb, bis ins hohe Alter von 90 Jahren. Danach folgte ein Besitzerwechsel, doch die Bar behielt ihren Namen.

Heute kann man Mister Fitzpatrick’s Produkte auch online kaufen. Wie wäre es einmal mit dem Kräuterlikör Lemon & Ginger Cordial oder mit dem nicht so appetitlich klingenden Blood Tonic oder mit Dandelion & Burdock (ein Mix aus Löwenzahn und Klette)?
Hier ist das alles noch einmal im Film zu sehen.

Mr Fitzpatrick’s
Number 1
Fallbarn Road
Rawtenstall
Rossendale
Lancashire
BB4 7NT

 

 

Published in: on 28. April 2018 at 02:00  Comments (1)  

Charles Darwin (1809-1882) – Einer der berühmtesten englischen Naturforscher und seine Erinnerungsstätten in Shrewsbury (Shropshire)

This work is in the public domain.

Charles Darwins Evolutionstheorie gehört zu den wichtigsten Beiträgen, die England zur Naturforschung beigetragen hat. Noch heute finden wir in seiner Geburtsstadt Shrewsbury (Shropshire) Erinnerungsstätten an den berühmten Forscher, die ich in diesem Beitrag im Bild vorstellen möchte.

Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in The Mount geboren, einem Haus, das seinem Vater, ein wohlhabender Arzt, gehörte. Das Haus existiert noch heute und liegt an der Straße, die ebenfalls The Mount heißt. Es bestand einmal die Gefahr, dass das Gebäude abgerissen werden sollte, um Platz für eine neue Wohnanlage zu schaffen, doch auf Druck der Anwohner der Straße wurde das Projekt beerdigt. In Darwins Geburtshaus ist die Valuation Office Agency von Shrewsbury untergebracht, eine Behörde, die sich mit der Wertermittlung von Gebäuden und Grundstücken befasst.

The Mount.
Photo © Jeremy Bolwell (cc-by-sa/2.0)

Charles Darwin besuchte von 1818 bis 1825 die Shrewsbury School, die er hasste und in der er auch wohnen musste. Heute findet sich in dem Gebäude  an der Castle Street die Shrewsbury Library und direkt davor hat man dem großen Sohn der Stadt ein Bronzedenkmal gesetzt, das 1897 eingeweiht wurde. Geschaffen hat es der Bildhauer Horace Montford, der auch in Shrewsbury geboren wurde. Eine Plakette an der Castle Gates Bibliothek erinnert u.a. auch an Charles Darwin.

Photo © ceridwen (cc-by-sa/2.0)

Getauft wurde Charles Darwin am 15. November 1809 in der St Chad’s Church an der St Chad’s Terrace in Shrewsbury.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Naturforschers im Jahr 2009 erhielt Darwin eine weitere Ehrung in Form der Skupltur The Quantum Leap. die am Ufer des Flusses Severn aufgestellt wurde. Der Architekt Ranbir Lal hat das 113 Tonnen schwere Kunstwerk entworfen. Es wird häufig The Slinky genannt, weil es doch sehr an das Kinderspielzeug erinnert, das Treppen heruntergehen kann.

Natürlich hat man in Shrewsbury auch eine Straße nach dem Forscher benannt. Die Darwin Street ist allerdings recht klein und unscheinbar für einen so bedeutenden Mann.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Shrewsbury auf Darwins Spuren.

Published in: on 27. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Kaspar, die schwarze Holzkatze des Londoner Savoy Hotels, und ihre spezielle Aufgabe

Kaspars Zuhause, das Savoy Hotel.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Im Foyer des Londoner 5*-Hotels The Savoy trifft man auf einem Tischchen auf eine schwarze Holzkatze, ca 60 cm hoch. Ihr Name ist Kaspar und ihr ist eine ganz besondere Aufgabe im Hotel zugedacht. Hin und wieder darf sie ihren Platz verlassen und wird an einen Tisch gebeten, wo sie ein weißes Lätzchen umgebunden bekommt und wo für sie gedeckt ist. An diesem Tisch nehmen jeweils dreizehn Gäste Platz (sind es mehr oder weniger werden Kaspars Dienste nicht benötigt), die sich einen schönen Abend in einem der besten Hotels der Stadt machen möchten. „Dreizehn bei Tisch“ geht gar nicht, denn das bringt Unglück, darum fungiert Kaspar als vierzehnter Gast… und alles ist wieder in bester Ordnung.

Dieses Ritual geht auf ein Vorkommnis aus dem Jahr 1898 zurück, als der südafrikanische Diamantenhändler Woolf Joel  ein Abendessen im Savoy gab. Kurz vorher hatte einer der geladenen Gäste abgesagt, so dass plötzlich dreizehn Gäste am Tisch saßen. Kein Problem meinte der Gastgeber, ich bin nicht abergläubisch. Aber einer der Anwesenden war der Meinung, dass die Zahl 13 Unglück bringt und deutete an, dass der Erste, der den Tisch verlassen auch als Erster in der Runde sterben würde. Woolf Joel stand auf… und nichts passierte. Lachend setzte er sich wieder hin. Kurze Zeit später, am 14. März 1898, wurde Mr. Joel von Baron Von Veltheim erschossen, weil er sich geweigert hatte, an einem Attentat auf den südafrikanischen Präsidenten Paul Kruger mitzuwirken. Woolf Joel war also tatsächlich der Erste aus der Savoy-Runde, der starb.
Das Management des Savoy Hotels entschied, dass es ab sofort kein „Dreizehn bei Tisch“ mehr geben würde und von nun an, sollten sich wieder einmal dreizehn Gäste zusammenfinden, jemand vom Personal dazusetzen sollte, was sich aber als unpopulär herausstellen sollte. 1927 entschied man sich für eine andere Lösung. Der Architekt Basil Ionides, der gerade mit der Umgestaltung des Savoy Theatres beschäftigt war, erhielt den Auftrag, eine schwarze Katze zu entwerfen, der der Name Kaspar gegeben wurde. Bis heute versieht Kaspar ihre Aufgabe einwandfrei und soviel ich weiß, sind nie Klagen über sie gekommen.

Kaspar’s ist auch der Name des Meeresfrüchte-Restaurants des Savoy Hotels. Anlässlich der Eröffnung hat der südafrikanische Künstler Jonty Hurwitz eine neue, anamorphe Version von Kaspar geschaffen, die hier zu sehen ist.

Der englische Kinderbuchautor Michael Morpurgo hat einmal ein Buch mit dem Titel „Kaspar: Prince of Cats“ geschrieben. Er kannte die schwarze Holzkatze persönlich, da er im Jahr 2007 einmal Writer in Residence im Savoy Hotel war. Hier liest der Autor ein Stück aus seinem Buch vor.

 

Published in: on 26. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Jacob Epsteins umstrittene Skulpturen am Zimbabwe House am Londoner Strand

Das Londoner Zimbabwe House. Die Skulpturen Epsteins sind auf halber Höhe des Gebäudes zu sehen.
This work has been released into the public domain.

Im Jahr 1908 bekam der damals 28jährige Architekt Jacob Epstein den Auftrag, das Gebäude der  British Medical Association (BMA) an der Londoner Straße Strand mit Skulpturen zu verzieren, sein erster großer Auftrag. Mit Begeisterung machte er sich an die Aufgabe und schuf achtzehn etwa 2,50 Meter hohe Figuren, die er „Ages of Man“ nannte. Kaum war die Figurengruppe oben am Haus angebracht, brach ein Sturm der Entrüstung los, denn die Skulpturen zeigten die nackten Körper von Männern und Frauen, und das fanden viele Londoner obszön. Je mehr über die Epsteinschen Kunstwerke diskutiert wurde, umso mehr Menschen kamen extra nach London, um sie sich anzusehen. Bestrebungen, die Skulpturen wieder zu entfernen, widerstand die BMA und nach und nach beruhigten sich die Menschen wieder… bis 30 Jahre später, die nackten Damen und Herren erneut ins Rampenlicht rückten. Das Gebäude an der Ecke Strand/Agar Street wurde von der Rhodesian High Commission übernommen und nannte sich von da an Rhodesia House. Die Londoner Abgase hatten in den vergangenen 30 Jahren erbebliche Schäden an den Figuren angerichtet, es bröckelte und bröselte an allen Ecken und Enden. Eines Tages fiel ein Körperteil einer der Skulpturen herunter und traf dabei einen Passanten, und da gibt es unterschiedliche Aussagen, um was es sich da handelte. Da ist einmal die Rede von einem Penis und ein anderes Mal von einem Kopf.  Simon Leyland spricht sich in seinem Buch „A Curious Guide to London“ für die Penisvariante aus und meint sogar, dass der Passant gestorben ist. Was nun auch immer stimmt, die Eigentümer des Gebäudes, die die bröckelnden Nackten sowieso nicht mochten, ließen sämtliche hervorstehenden Körperteile entfernen, damit sich so ein Unfall nicht mehr wiederholen konnte.

Heute sieht man die achtzehn unglücklichen, entmannten und entstellten Skulpturen noch immer in luftiger Höhe in ihren Nischen stehen, und der Zahn der Zeit nagt weiter an ihnen wie dieser Film zeigt. Ihr Schöpfer, Jacob Epstein, der von 1880 bis 1959 lebte, gehört zu den wichtigsten englischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts.

In dem jetzt Zimbabwe House genannten Gebäude befindet sich die Botschaft des Staates Zimbabwe.

Copyright: „LondonRemembers.com

Published in: on 25. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

The Crooked Billet in Stoke Row (Oxfordshire)

Über meinen Besuch in Stoke Row (Oxfordshire), in Zusammenhang mit dem Maharajah’s Well, berichtete ich in meinem Blog vor einigen Jahren. Auch einen der beiden örtlichen Pubs, The Cherry Tree Inn, erwähnte ich in meinem Blogartikel über die englische Band T’Pau, deren Sängerin Carol Decker ihn eine Zeit lang besaß. Nun gibt es in Stoke Row noch einen weiteren Pub, der etwas versteckt am Ortsrand am Newlands Lane liegt und der The Crooked Billet heißt. In dem 1642 erbauten Gasthaus soll der berüchtigte Straßenräuber Dick Turpin früher ein und ausgegangen sein, denn er hatte sich in die hübsche Tochter des Wirts verliebt. Dann gab es einmal einen Landlord, der häufig abends vor dem Kamin im Gastraum einschlief, so dass sich die Gäste ihr Bier selbst zapfen mussten und das entsprechende Geld dafür auf dem Tresen liegen ließen, was offensichtlich gut klappte, weil die Einwohner von Stoke Row ehrliche Leute waren.

1989 wurde The Crooked Billet, der ziemlich heruntergekommen war, von Paul Clerehugh übernommen, der aus dem hässlichen Entlein einen schönen Schwan machte. Im Handumdrehen entwickelte sich der Pub zu einem Treffpunkt für Feinschmecker, und es heißt, dass der Begriff Gastropub erstmals für dieses Gasthaus in Stoke Row verwendet wurde. Aus diesem Grund sind hier auch schon namhafte Sterneköche gesichtet worden.

Als die Schauspielerin Kate Winslet am 22. November 1998 in Reading (Berkshire), wo sie auch geboren wurde, Jim Threapleton heiratete, fuhr die Hochzeitsgesellschaft anschließend nach Stoke Row, wo alle im The Crooked Billet… Bangers and Mash vorgesetzt bekamen, jenes traditionelle britische Essen, das aus Würstchen und Kartoffelmus besteht. Dass die Ehe nur drei Jahre Bestand hatte, ist sicher nicht auf Paul Clerehughs Essen zurückzuführen.

Doch nicht nur Prominente, die in der Region wohnen, sind gern in dem Pub zu Gast, auch Filmcrews haben schon mehrere Male The Crooked Billet als Drehort aufgesucht, zum Beispiel für die TV-Serien „Jeeves&Wooster“, „Land Girls“ und „Midsomer Murders“ (in Episode 12 „Judgement Day“, die in Deutschland als „Der Mistgabelmörder“ gezeigt wurde).

The Crooked Billet
Newlands Lane
Stoke Row
Henley On Thames
RG9 5PU

The Fowey Festival of Arts and Literature – Ein Festival in Cornwall, über dem der Geist von Daphne du Maurier schwebt

Fowey in Cornwall.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

The Daphne du Maurier Festival of Arts and Literature wurde erstmals im Mai 1997 in Fowey (Cornwall) abgehalten, um damit den 90. Geburtstag der 1989 verstorbenen Schriftstellerin zu feiern. Daphne du Maurier hatte einen großen Teil ihres Lebens in der Region Fowey an der Südküste Cornwalls verbracht. Wer sich der kleinen Stadt mit der Autofähre von Bodinnick aus nähert, kommt dort am Fähranleger an dem Haus Ferryside vorbei, in dem die Schriftstellerin mehrere ihrer Bücher verfasste.

Das jährlich im Mai stattfindende Festival, von der du Maurier Festival Society organisiert, wurde im Jahr 2016 in The Fowey Festival of Arts and Literature umbenannt, doch der Geist der Autorin schwebt nach wie vor über den Festivaltagen, was sich auch darin zeigt, dass man sich mit ihr in Vorträgen beschäftigt.

Das diesjährige Festival beginnt am 11. Mai und endet am 19. Mai. Eröffnet wird es mit einem Auftritt der Mädchen-Folkgroup The Wildwood Kin in der St Fimbarrus Church (hier mit „Warrior Daughter“ zu sehen). An den folgenden Tagen finden u.a. folgende Veranstaltungen statt:

Sir Tim Smit, der sich um Cornwall verdient gemacht hat, indem er das Eden Project mit ins Leben rief und die Lost Gardens of Heligan restaurierte, hält in St Fimbarrus einen Vortrag mit dem Thema „Eden and Beyond“.

Ebenfalls in der Kirche zu hören ist John Nettles, als Detective Inspector Tom Barnaby bestens bekannt. In seinem Vortrag „One Career, Four Decades“ spricht er über sein Leben.

Charles Spencer, Bruder von Prinzessin Diana, ist in St Fimbarrus mit dem Vortrag „To Catch a King – Charles II’s Great Escape“ zu hören.

Ein Spaziergang durch Fowey auf den Spuren du Mauriers und ihrer Romangestalten kann am Sonntag, dem 13. Mai gebucht werden und einen Tag später trifft sich im Fowey Hotel eine Diskussionsgruppe, die sich mit Daphne du Mauriers letztem Roman „Rule Britannia“ (dt. „Die standhafte Lady“) beschäftigt.

Die australische Literaturwissenschaftlerin Teresa Petersen wird in ihrem Vortrag „Daphne du Maurier: Looking Inward“ die interessante These aufstellen, dass Inzest in vielen Romanen eine wesentliche Rolle spielt, was sie auf die persönliche Einstellung der Autorin dazu zurückführt.

Das sind nur einige Beispiele für die vielen Veranstaltungen, die während der neun Tage in Fowey geboten werden. Das gesamte Programm ist dieser Webseite zu entnehmen.

Daphne du Mauriers Haus Ferryside am Fähranleger von Bodinnick.
Photo © roger geach (cc-by-sa/2.0)

St Fimbarrus in Fowey.
Photo © John Gibson (cc-by-sa/2.0)

 

Mein Buchtipp – Brian Bailey: The English Village Green

Foto meines Exemplars.

Zu einem richtigen englischen Dorf, wie man sich das so vorstellt und vielleicht auch ein wenig von Miss Marples St Mary Mead beeinflusst worden ist, gehören unbedingt der gemütliche Pub, die Kirche, daneben des Haus des Vikars, das Manor House und der Dorfanger, also das Village Green. Während die Literatur über Pubs, Kirchen und Manor Houses zahlreich ist, gibt es nur ganz wenige Bücher, die sich mit dem Thema „Village Green“ beschäftigen.

Brian Bailey hat bereits 1985 das Buch „The Village Green“ veröffentlicht, danach ist nichts Nennenswertes mehr darüber erschienen. „The village green, whatever its original purpose may have been, remains one of the most ancient and characteristic symbols of Englishness...“. so Brian Bailey. Leider droht auch diesem „symbol of Englishness“ die Ausrottung, denn in vielen Dörfern sind sie bereits verschwunden, zubetoniert, um Parkplätze zu schaffen oder um Straßen anzulegen.

Nach zwei einführenden Kapiteln über den Ursprung und den Sinn und Zweck englischer Dorfanger, stellt Brain Bailey, nach Regionen geordnet, die schönsten und sehenswertesten Greens vor. Manche Grafschaften können eine stattliche Zahl vorweisen, in anderen muss man sie mit der Lupe suchen (wie in Cornwall, Staffordshire oder Shropshire). Der Autor muss riesige Strecken zurückgelegt haben, um sich die (noch) vorhandenen Village Greens anzusehen. Das Buch endet mit dem Kapitel „The Future of Village Greens“ und einer Top Twenty-Liste von Baileys Lieblings-Greens, auf der sich u.a. die von Aldbury in Hertfordshire (bei meinem Besuch im letzten Jahr sah das leider etwas ungepflegt aus), Haddenham in Buckinghamshire (da stimme ich völlig zu), Tolpuddle in Dorset (klein, aber fein) und Finchingfield in Essex (vielleicht das schönste im ganzen Land) befinden.

Obwohl das vergriffene, aber leicht antiquarisch zu bekommene Buch schon 33 Jahre alt ist und einige der erwähnten Greens wohl nicht mehr existieren, kann ich es allen sehr empfehlen, die sich mit dieser Materie näher beschäftigen möchten.

Hier ist eine kleine Auswahl meiner persönlichen Lieblinge.

Brian Bailey: The English Village Green. Robert Hale 1985. 223 Seiten. ISBN 0-7090-2339-1.

Meine persönliche Nummer 1: The Lee in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Littlewick Green bei Maidenhead in Berkshire. Village Green mit Pub, The Cricketers. Hier wird natürlich auch Cricket gespielt. 
Eigenes Foto.

Brill in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Haddenham in Buckinghamshire mit Kirche und Dorfteich.
Eigenes Foto.

Westlington in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Warborough in Oxfordshire: Hier gibt es einen Pub, The Six Bells, und auf dem Green wird Cricket gespielt.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 22. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Begegnungen mit Pumas und anderen Großkatzen in England

Ein Warnhinweis bei Fordham in Essex…
Photo © Andrew Hill (cc-by-sa/2.0)

Die Journalistin und Zeichnerin Merrily Harpur widmet einen Teil ihrer Zeit, um einem Phänomen auf die Spur zu kommen, dass die Grafschaft Dorset schon seit geraumer Zeit bewegt: Der Sichtung von Großkatzen (Panther? Pumas?), die eigentlich im Süden Englands nichts zu suchen haben. Merrily Harpur hat bereits zwei Bücher darüber geschrieben „Roaring Dorset: Encounters with Big Cats“ (2008) und „Mystery Big Cats“ (2006).

Doch nicht nur in Dorset, auch in anderen Grafschaften Englands, sind Panther, Puma und Co. gesehen worden. Die Schwerpunkte liegen in Devon und Yorkshire. Die British Big Cats Society beschäftigt sich intensiv mit dem Phänomen, ebenfalls die UK Big Cats Website, bei der man Sichtungen melden kann.

Was ist dran an diesen merkwürdigen Begegnungen? Sind sie glaubhaft oder nur Hirngespinste? Nach der Verabschiedung des Dangerous Wild Animals Acts im Jahr 1976 wurde es für die Besitzer exotischer Tiere schwieriger, sie zu halten, und so gaben viele diese bei Zoos ab, ließen sie einschläfern oder einige übergaben sie einfach der freien Natur, was bis dahin nicht verboten war. So können möglicherweise einige dieser Tiere überlebt und sich vermehrt haben. Dass es nicht viel mehr Sichtungen im dichtbesiedelten England gibt, liegt vielleicht daran, dass sich die Exoten in Regionen zurückgezogen haben, in denen wenige Menschen leben wie zum Beispiel das Dartmoor und das Exmoor in Devon.
The Beast of Exmoor sorgt immer wieder für Schlagzeilen; es soll allein im Jahr 1983 achtzig Schafe gerissen haben. Einige Jahre später wurden sogar die Royal Marines hinzugezogen, die Jagd auf das Tier machten, allerdings erfolglos. Trevor Beer hat ein Buch über das Phänomen geschrieben: „The Beast of  Exmoor: Fact or Legend?“ (Countryside 1984), ebenso Di Francis: „The Beast of Exmoor and Other Mystery Predators of Britain“ (Jonathan Cape 1993).

Hier ist eine zweiteilige Dokumentation, die sich mit dem Thema beschäftigt:
Teil 1  Teil 2

Published in: on 21. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Morpeth Arms im Londoner Stadtteil Pimlico – Von Spionen und gruseligen Gewölben

The Morpeth Arms ist ein Pub im Londoner Bezirk Pimlico, und er liegt an der Ecke Millbank/Ponsonby Place. Die direkten Nachbarn sind das Chelsea College of Arts und dahinter Tate Britain. Vom an der Themse gelegenen Pub aus hat man einen direkten Blick auf das auf der anderen Seite des Flusses gelegene Gebäude des MI6, in dem der britische Auslandsgeheimdienst untergebracht ist, James Bond-Fans u.a. aus „Skyfall“ bekannt.

Die unmittelbare Nähe zu diesem Gebäude, in dem Agenten ein und ausgehen, hat die  Pubbetreiber veranlasst, im zweiten Stock den „Spying Room“ einzurichten, einen Raum, der für private Feiern gemietet werden kann und dessen Wände mit Fotos von berühmten Spionen dekoriert sind. Es liegen Ferngläser bereit, mit denen man sich das MI6 Building näher heranholen und „ausspionieren“ kann.

The Morpeth Arms steht auf einem Gelände, das früher einmal das berüchtigte Millbank Prison beherbergte. In diesem Gefängnis wurden u.a. auch die zur Deportation nach Australien verurteilten Häftlinge untergebracht. Ein Poller an der Themse erinnert daran und trägt die Inschrift: “ „Near this site stood Millbank Prison which was opened in 1816 and closed in 1890. This buttress stood at the head of the river steps from which, until 1867, prisoners sentenced to transportation embarked on their journey to Australia.“

Unterhalb des Pubs sind noch einige Gewölbe mit Gefangenenzellen vorhanden, in denen es spuken soll und in denen schon Ghost Hunts stattfanden. Dort unten ist eine CCTV-Kamera aufgestellt, die Live-Bilder nach oben in die Bar überträgt.

The Morpeth Arms ist täglich von 10 Uhr bis 23 Uhr geöffnet, nur sonntags von 12 Uhr bis 21 Uhr.

58 Millbank
Pimlico
London
SW1P 4RW

Dieser Poller erinnert an die nach Australien deportierten Häftlinge. Im Hintergrund links das MI6-Gebäude.
Author: Tarquin Binary
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Published in: on 20. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Topiary Gardens in England und die Fantasie der Gartengestalter

In vielen Gärten und Parkanlagen von englischen Herrenhäusern findet man in Form geschnittene Bäume und Hecken, die sogenannten „topiary gardens„; in Deutschland spricht man von Formschnitt, manchmal auch von Topiari. Zu den berühmtesten „topiary gardens“ auf der Insel zählen zum Beispiel die von Levens Hall bei Kendal in Cumbria, die von Chatsworth House in Derbyshire oder die Abbey House Gardens in Malmesbury (Wiltshire). Die Bäume und Hecken werden jedoch nicht nur in geometrischen Formen zugeschnitten, die Gärtner lassen auch häufig ihrer Fantasie freien Lauf und da kommen wirklich außergewöhnliche Figuren zum Vorschein. Ich habe hier einmal einige, wie ich finde, besonders gelungene Kunstwerke zusammengestellt.

Diese Szene stammt aus den Gärten des Knighthayes Courts (National Trust) in Devon: Ein Fuchs wird von zwei Jagdhunden verfolgt.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Drei Schweinchen von Queen Victorias Osborne House auf der Isle of Wight.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Skurrile Figuren im Billesley Manor (Warwickshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Ein Gesicht im Dyrham Park (Gloucestershire).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

The Pied Piper of Kentwell Hall (Suffolk).
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Ein sehr schön gestalteter Vogel im Waddesdon Manor (Buckinghamshire).
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Kunstvoller geht es nicht mehr: Ein Segelschiff bei Hooe Common in East Sussex.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 19. April 2018 at 02:00  Comments (3)  

Der Dichter John Clare (1793-1864), „The Peasant Poet“, und sein Heimatort Helpston (Cambridgeshire)

Das John Clare Cottage am Woodgate in Helpston.
Photo © Paul Bryan (cc-by-sa/2.0)

Die Einwohner des kleinen Ortes Helpston wussten lange Zeit nicht so recht, zu welcher Grafschaft sie nun eigentlich gehörten, mal war es Northamptonshire, dann Huntingdonshire und jetzt ist es (bis auf weiteres) Cambridgeshire. In diesem nördlich von Peterborough gelegenen Dorf mit weniger als 1000 Bewohnern erblickte am 13. Juli 1793 John Clare das Licht der Welt, der später als „The Peasant Poet“ in die englische Literaturgeschichte eingehen sollte.
Er wurde in einem Cottage geboren, das nur ein paar Schritte vom Dorfpub, The Bluebell, entfernt ist und dort arbeitete er als Dreizehnjähriger, wobei eine seiner Aufgaben darin bestand, des Nachts aus dem Nachbardorf Mehl zu holen. Um sich bei seinen einsamen Gängen die Zeit zu vertreiben, verfasste er Gedichte, die er laut vor sich hinsagte. Diese nächtlichen Gänge waren sozusagen die Initialzündung für seine „Karriere“ als Dichter. Im Jahr 1820 erschien seine erste Gedichtsammlung „Poems Descriptive of Rural Life and Scenery„, der mehrere andere folgten wie „The Shepherd’s Calendar with Village Stories and Other Poems„; man sieht an den Titeln, dass John Clare sich am wohlsten auf dem Lande fühlte. Er heiratete, hatte viele Kinder und war hin und her gerissen zwischen seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Gedichten, und der Notwendigkeit, für seine immer größer werdende Familie Geld zu verdienen. Er bekam Depressionen, die noch dadurch verstärkt wurden, dass sich seine Bücher nicht mehr so gut verkauften. Nach und nach verfiel John Clare in geistige Umnachtung und verbrachte die letzten 23 Jahre seines Lebens in mehreren Nervenheilanstalten. Am 20. Mai 1864 verstarb er im Alter von 71 Jahren.

Begraben wurde der „Peasant Poet“ in seinem Heimatdorf Helpston, auf dem Kirchhof von St Botolph’s. Man hat ihn hier nie vergessen und so findet an seinem Todestag jedes Jahr die „Cushion Ceremony“ statt, bei der Kinder von der nach ihm benannten John Clare School Blumenkissen um sein Grab dekorieren. Es gibt eine John Clare Society, sogar mit einem Ableger in den USA, was sich der Poet damals sicher nicht hätte träumen lassen. In diesem Jahr findet in Helpston vom 13. bis zum 15. Juli das John Clare Society Festival statt, wobei die St Botoph’s Church, The Bluebell und das John Clare Cottage eine zentrale Rolle spielen. Letzteres wurde 2005 vom John Clare Trust übernommen und es kann besichtigt werden.

Auf dem kleinen Village Green, gegenüber der Kirche, hat man zur Erinnerung ein Denkmal für John Clare errichtet.

Hier ist John Clares Gedicht „Autumn“, gelesen von Richard Burton.

Das Buch zum Artikel:
Jonathan Bate: John Clare – A biography. Picador, London 2003. 648 Seiten. ISBN 978-0374179908.

Das John Clare Memorial auf dem Village Green.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

John Clares Grab auf dem Kirchhof von St Botolph’s.
Author: Magnus Manske.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

St Botolph’s.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)

The Bluebell am Woodgate.
Photo © Rodney Burton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
Tags: ,

The Randolph – Ein 5*-Hotel in Oxfords Beaumont Street

Für mich ist Colin Dexter einer der besten Krimiautoren, die England je hervorgebracht hat. Sein Chief-Inspector Morse, in Zusammenarbeit mit Sergeant Lewis, hat alle seine Fälle in Oxford geklärt, wo auch Colin Dexter wohnt. Die britische Fernsehserie „Morse“ mit John Thaw in der Hauptrolle war hervorragend, und ich bin froh, sämtliche Folgen als DVD-Box mein Eigen nennen zu können.

In mehreren seiner Romane spielt das Randolph Hotel mitten in der Stadt in der Beaumont Street eine Rolle. In „The Wolverton Tongue“ wird eine amerikanische Touristin sogar in diesem Hotel ermordet.

Bei einem meiner Besuche in Oxford musste ich natürlich im „Randolph“ wohnen (ich hatte allerdings nicht das Mordzimmer!) und auch die „Morse Bar„, benannt nach dem Detektiv, aufsuchen, in der häufig auch Colin Dexter zu Besuch sein soll.

„The Randolph“ ist ein 5-Sterne-Hotel, sicher das beste in der Stadt, und besteht schon seit 1864. Es verfügt über 151 Zimmer, hat mit  „The Restaurant at The Randolph“ ein beeindruckendes Restaurant und verfügt auch über ein eigenes Spa.

Die Übernachtungspreise in diesem zur „MacDonald Hotels & Resorts„-Gruppe gehörenden Haus schwanken sehr je nach Wochentag und Monat. Im Mai zum Beispiel ist kaum ein Standardzimmer unter €300 pro Nacht zu bekommen. Die Suiten kosten meist über €1000. Über die Hotelbuchungsgesellschaften wie booking.com bekommt man aber häufig günstigere Preise.
Das Hotel verfügt zwar über einige Garagenplätze, die aber schnell besetzt sind. Darum ist eine frühzeitige Buchung dafür empfehlenswert.

Ein sehr angenehmes Haus mitten in der Innenstadt von Oxford. In diesem Film sind Bilder aus dem Hotel zu sehen.

Published in: on 17. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Musical Stones of Skiddaw – Eine Rarität im Museum der Stadt Keswick (Cumbria)

Peter Crosthwaite war schon ein verrückter Kerl, ein Exzentriker par excellence. Er erfand allerhand kuriose Dinge wie eine transportable Bademaschine oder ein Rettungsboot mit einem Korkboden, um nur zwei Beispiele zu nennen, aber er hatte es nicht so mit Patentanmeldungen und so verdiente nicht er, sondern andere an seinem Erfindungsreichtum. Was der im Jahr 1735 geborene Crosthwaite noch entdeckte, war, dass sich mit ganz bestimmten Steinen aus der Region von Skiddaw, ein Berg im Lake District, Musik erzeugen lässt. Diese Hornfels genannten Steine sammelte er, nahm sie mit nach Hause nach Keswick in der heutigen Grafschaft Cumbria und bearbeitete sie in seiner Werkstatt, das heißt, er feilte bis zu zwölf Stunden am Tag an ihnen herum, bis sie den gewünschten Ton von sich gaben. Das xylophonartige fertige Instrument installierte er in dem von ihm 1780 gegründeten Museum in Keswick und klimperte auf ihm herum, um damit Besucher hineinzulocken. Im Jahr 1808 starb der Erfinder der Musical Stones of Skiddaw.

Geraume Zeit später fand auch der Steinmetz Joseph Richardson (1790-1855), der ebenfalls in Keswick lebte, heraus, dass man mit den  Hornsteinen von Skiddaw Musik machen kann. Er war davon so fasziniert, dass die Suche nach entsprechenden Steinen und deren Bearbeitung zu seinem Lebensinhalt wurde. Ja, er benötigte sage und schreibe an die dreizehn Jahre, bis er alle zusammen hatte und damit eine Musikinstrument anfertigen konnte. Er vergaß so ziemlich alles wegen seines ehrgeizigen Projekts, so dass seine Familie am Hungertuch nagte, was ihn aber nicht weiter störte. Im Jahr 1840 war sein Instrument endlich fertig. Richardson wollte es aber nicht nur wie sein Vorgänger ins Museum stellen und ab und zu darauf spielen. Er ging zusammen mit seine drei Söhnen und den Musical Stones of Skiddaw auf Tournee. Die „Richardson & Sons Rock, Bell and Steel Band“ zog erfolgreich durch Großbritannien und spielte sogar vor Queen Victoria, die begeistert gewesen sein soll. Vater und Söhne begaben sich anschließend sogar auf den Kontinent und traten mit ihrem sonderbaren Instrument u.a. auch in Deutschland auf. Eine geplante USA-Tournee musste leider abgesagt werden, weil einer der Söhne starb. Das war auch gleichzeitig das Ende der Band. Im Jahre 1917 fanden die Musical Stones ihre letzte Heimat im Museum von Keswick, wo sie heute noch zu bewundern sind. Hin und wieder wird das Instrument aber weiterhin benutzt wie zum Beispiel beim Coniston Water Festival 2005, als der Amerikaner Brian Dewar eine Kostprobe seines Könnens darauf gab.

Das idyllisch gelegene Keswick Museum & Art Gallery findet man an der Station Road auf der anderen Seite des River Greta, gegenüber vom Fitz Park Bowling Club.

In diesem Film ist das Musikinstrument zu sehen.

In Keswick ist auch das Cumberland Pencil Museum beheimatet, über das ich in meinem Blog schon einmal schrieb.

Keswick Museum & Art Gallery.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Der Skiddaw bei Keswick.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Mein Kurzbesuch in Uckfield in East Sussex

Uckfield High Street.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Neulich war ich gezwungen, eine Autowerkstatt aufzusuchen, und da lag die nächstgelegene in Uckfield (East Sussex), das ist eine Kleinstadt mit rund 15 000 Einwohnern. Während sich Craig und seine Leute in der Uckfield Garage um mein Auto kümmerten, hatte ich Zeit, mich in dem Ort umzuschauen, und so schlenderte ich die High Street vom Anfang bis zum Ende hinunter.

Leider begann es zu regnen, deshalb wirkte die Hauptstraße von Uckfield langweiliger und trister als bei Sonnenschein. Es muss unzählige High Streets in englischen Kleinstädten wie diese geben, dominiert von Fast Food-Läden, Charity Shops, Immobilienagenturen, Billig-Textilwarengeschäften und Banken. Ein Schaufensterbummel ist hier kaum möglich.
Die ersten Geschäfte auf die ich traf, waren ein Döner und Pizza-Imbiss, gleich daneben ein winziger indischer Takeaway-Laden, ein paar Schritte weiter konnte man Burger essen und gleich dahinter chinesisches Essen mitnehmen oder dort verzehren; aber in den winzigen Buden ist das mit Sicherheit ziemlich ungemütlich.
Die Fortune Fish Bar, ein Stück weiter die High Street hinunter, sah auch nicht einladender aus; der benachbarte chinesische Takeaway hatte seine Pforten für immer geschlossen. Es folgten noch weitere Imbisse (die Bewohner von Uckfield müssen einen unersättlichen Appetit auf Pizza, Döner, Burger und Fish & Chips haben), und auch die Schaufenster des Bestattungsunternehmens The Co-operative Funeralcare und des Charity-Shops der British Heart Foundation mit ausgestellter Gebrauchtkleidung luden nicht wirklich zum Verweilen ein. Als ich am Ende der High Street angekommen war, mochte ich nicht mehr. Ich wurde aber doch noch positiv von einem sehr schönen Fachwerkhaus überrascht, das zwischen all den gesichtslosen Geschäften stand: Das Bridge Cottage aus dem Jahr 1436. Auch diesem ansprechendsten Haus der gesamten High Street sollte einmal der Garaus gemacht und auf dem freiwerdenden Gelände wohl weitere Imbisse gebaut werden (nur eine Vermutung von mir), doch glücklicherweise gab es in Uckfield genügend Menschen, die sich für den Erhalt des Cottages eingesetzt haben. Der Dank geht an die Uckfield & District Preservation Society.

Der Wikipediaeintrag von Uckfield führt in der Rubrik „Notable People“ den 1985 in der Stadt geborenen Sänger Rory Charles Graham auf, der sich als Rag’n’Bone Man mit dem Hit „Human“ einen Namen gemacht hat, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass der das Image von Uckfield auch nicht wesentlich aufpoliert hat.

Eigentlich war ich ganz froh, als ich mein Auto wieder übernehmen und Uckfield verlassen konnte.

Einige Läden an der High Street.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Bridge Cottage – Das Highstreet-Highlight.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. April 2018 at 02:00  Comments (10)  
Tags:

Ein kleiner erotischer, phalluslastiger Spaziergang durch London

30 St Mary Axe, The Gherkin.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Viel Spaß auf diesem kleinen erotischen Spaziergang durch die Hauptstadt!

30 St Mary Axe ist die Adresse eines der ungewöhnlichsten Gebäude in London (ich berichtete in meinem Blog schon einmal darüber). Es wird auch Swiss Re Building bezeichnet oder einfach nur The Gherkin, was auf Deutsch Gewürzgurke heißt. Das 41stöckige Hochhaus, das im Jahr 2004 bezogen und von dem renommierten Architektenbüro Foster & Partners konstruiert wurde, kann man durchaus mit einer Gurke vergleichen, doch die Ähnlichkeit mit einem erigierten Phallus drängt sich auf, so dass man in London auch vom Erotic Gherkin und  vom Crystal Phallus spricht (gherkin heißt umgangssprachlich auch soviel wie kleiner Penis). War diese Ähnlichkeit vom Architektenbüro geplant oder ist sie nur zufällig entstanden?

Etwas Ähnliches deutet sich in London mit dem Riesenprojekt The Spire auf der Isle of Dogs an. Dieser 67stöckige, im Bau befindliche Wohnturm, der im Jahr 2020 fertiggestellt sein soll, sieht von unten ganz normal aus, bietet aber von oben gesehen, für die den London City Airport anfliegenden Passagiere, einen anderen Anblick. The Londonist titelte „London Is Getting A Massive Cock-And-Balls Skyscaper“. Wie dieses Bild zeigt, ist da was dran.

Wer an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit die Westminster Bridge überquert, wird von einem Schattenphänomen überrascht werden, dass sich eine Zeit lang auf dem Boden gleich unterhalb der Brüstung zeigt. Die Brüstungsmauer ist mit kleeblattförmigen Ornamenten versehen (in der Kunstgeschichte spricht man von Dreipässen) und diese werfen bei einer bestimmten Sonneneinstrahlung einen phallusförmigen Schatten auf den Brückenboden. Viele werden achtlos bzw. ahnungslos darüber hinweg laufen, aber die, die den Blick senken, werden sich sicher amüsieren.

In der Victoria Street Nummer 52 steht The Albert, ein Pub, der nach dem Ehemann Königin Victorias benannt ist. Das 1862 erbaute Gasthaus, dem auch der Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg nichts antun konnte, wurde im Laufe der Zeit von vielen hochrangigen Politikern besucht, wovon die Prime Ministers Gallery zeugt. The Albert ist auch für seine kunstvoll gestalteten Milchglasfenster bekannt. Und wenn man sich eines davon etwas genauer ansieht, zeigt dieses einen von Blättern und Pflanzen umrankten Penis im Moment der Ejakulation. Das hübsche Bild soll den Penis des Namensgebers des Pubs zeigen, angedeutet ist auch das nach ihm benannte Prince Albert Piercing.

Die Westminster Bridge bei entsprechendem Sonneneinfall.
Author: Alex Brown
Creative Commons 2.0

Published in: on 14. April 2018 at 02:00  Comments (2)  

St Giles in Cheadle (Staffordshire) – Eine der schönsten katholischen Kirchen Englands

Ein besonderes Juwel unter Englands Kirchen findet sich in dem kleinen Marktort Cheadle in der Grafschaft Staffordshire, etwa 18 km von Stoke-on-Trent entfernt.
Die katholische Kirche ist im Vergleich zu anderen englischen Bauwerken noch recht jung. Am 31. August 1846 wurde St. Giles in Betrieb genommen“, und die erste Heilige Messe wurde am Tag darauf zelebriert.

Gebaut wurde die Kirche von Augustus Welby Northmore Pugin (1812–1852), der bekannt ist für seine Arbeiten am Londoner Parlamentsgebäude. Den Auftrag dafür erteilte John Talbot, der 16. Earl of Shrewsbury, der über sehr viel Geld verfügte und seinen Kirchenbaumeister mit unbegrenzten Mitteln ausstattete, damit er eine Kirche schuf  „that would have no rival“.

Pugin’s Gem“ nennt man St. Giles auch, denn dem Architekten ist hier wirklich ein Meisterwerk im Stil des Gothic Revival gelungen.

Hier sind Bilder aus der Kirche zu sehen.

Published in: on 13. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The British and World Marbles Championship in Tinsley Green (West Sussex)

Der Austragungsort der Weltmeisterschaften, der Greyhound Pub, mit dem Spielfeld in der Bildmitte.
Photo © Pete Chapman (cc-by-sa/2.0)

Am Karfreitag, dem 30. März, ging es bei strömenden Regen wieder hoch her in Tinsley Green in der Grafschaft West Sussex. Vor dem Greyhound Pub versammelte sich ein buntes Völkchen und immer wieder waren deutsche bzw. sächsische Laute zu hören, denn an diesem Tag finden seit 1932 The British and World Marbles Championship statt, an der auch Murmeln-Spezialisten aus Deutschland teilnehmen…und immer wieder gewinnen.
Mitmachen kann an den Weltmeisterschaften im Murmeln jedermann, egal welcher Herkunft, welchen Alters und welchen Geschlechts. Es gibt in der ganzen Welt unterschiedliche Regeln; bei den Weltmeisterschaften in West Sussex geht es darum, dass zwei Teams mit je sechs Spielern gegeneinander antreten, die versuchen, kleine Murmeln auf einem kreisrunden Spielfeld mit 1,80 Meter Durchmesser mit einer größeren Murmel herauszuschießen. Gewonnen hat, wer als erster 25 von ihnen herauskatapultiert hat.

Um auf die oben erwähnten sächsischen Laute zurückzukommen: In diesem Jahr haben die Saxonia Globe Snippers aus Chemnitz  wieder einmal den Titel geholt wie schon in den Jahren 2002 bis 2004. Ebenfalls sehr erfolgreich war der 1st MC Erzgebirge, der zuletzt 2014 und 2015 Weltmeister wurde. Doch manchmal gewinnen auch englische Teams wie 2017 die Johnson Jets aus dem benachbarten Ort Langley Green oder 2016 die Yorkshire Meds. Die Teams von der Insel tragen bzw. trugen häufig „alkohollastige“ Namen wie Black Dog Boozers, Moonshiners, Pernod Rams oder Brewery Shades. Neben dem Spiel mit den Murmeln dürften also Drinks eine nicht unbedeutende Rolle bei den „Sportlern“ einnehmen.
Die ortsansässigen Tinsley Green Tigers, die in den 1950er Jahren mehrere Male Weltmeister wurden, existieren nicht mehr.

Dieser Film
zeigt die Weltmeisterschaften von 2018.

Der Ort Tinsley Green grenzt unmittelbar an den Gatwick Airport an; der hübsch anzusehende Greyhound Pub liegt an der Radford Road. Auf der anderen Seite des Flughafens, nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt, in Horley, findet man an das ausgezeichnete Hotel Langshott Manor, über das ich in meinem Blog schon zweimal berichtete (hier und hier).

The River & Rowing Museum in Henley-on-Thames (Oxfordshire)

Eigenes Foto.

Wie der Ortsname schon sagt, liegt Henley direkt an der Themse und bei meinen Besuchen in der Stadt hatte ich immer ein Problem, einen Parkplatz zu finden; so voll ist es dort eigentlich immer. Bei Henley denkt jeder sofort an die berühmte Regatta, die dort alljährlich auf der Themse ausgetragen wird. Die „Henley Royal Regatta“ dauert 5 Tage und wird immer über das erste Wochenende im Monat Juli ausgetragen.

In der Stadt gibt es seit 1998 ein Museum, das sich dem Sport des Ruderns, der Themse und Henley selbst widmet, das „River & Rowing Museum„, damals von Queen Elizabeth II eröffnet. Das Museumsgebäude wurde von dem Architekten David Chipperfield entworfen und erhielt 1999 den Building of the Year Award und war im gleichen Jahr das National Heritage Museum of the Year.

Die Schwarzenbach International Rowing Gallery beschäftigt sich mit der Geschichte des Rudersports von den Anfängen im alten Griechenland bis heute.

In der Thames Gallery erfährt man alles über den Fluss, über seine wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Bedeutung.

Die Invesco Perpetual Henley Gallery gibt einen Überblick über die Geschichte der Stadt Henley-on-Thames. Natürlich gibt es im ganzen Museum jede Menge interaktive Betätigungsmöglichkeiten.

Die Wind in the Willows Gallery schließlich ist dem berühmten Buch von Kenneth Grahame und den Illustrationen von Ernest Howard Shepard gewidmet.

Also: Auch, wer am Rudersport kein besonderes Interesse hat, kommt in diesem Museum voll auf seine Kosten.

Mein Tipp für einen Henley-Besuch: Ein Pint Brakspears-Bitter im Pub „Angel on the Bridge“ trinken, der direkt an der Themse liegt.
Übrigens gibt es hier jede Menge Parkplätze und man ist zu Fuß in gut zehn Minuten in der Stadt.

The River & Rowing Museum
Mill Meadows
Henley on Thames
Oxfordshire RG9 1BF

Nur ein paar Schritte von der Themse entfernt, findet man das Museum in Henley.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

St Mary’s Church in Beverley (East Yorkshire) und die Kathedrale von Ripon (North Yorkshire) – Wurde Lewis Carroll hier zu seinem Weißen Kaninchen inspiriert?

 

Das Kaninchen in St Mary’s in Beverley.
Copyright: Spencer Means.
Creative Commons 2.0

Beverley ist eine schöne alte Stadt im Osten Yorkshires und berühmt geworden durch das riesige Beverley Minster. Viele Besucher strömen dorthin und übersehen, dass es im Ort noch eine weitere sehr sehenswerte Kirche gibt, die aus der normannischen Zeit stammende St. Mary’s Church.

Freunde von Lewis Carrolls Geschichte „Alice im Wunderland“ besuchen aber vielleicht doch diese Kirche, weil man in ihr die steinerne Figur eines Kaninchens findet, das Vorbild für Carrolls „White Rabbit“ gewesen sein soll.

Charles Ludwidge Dodgson, so der richtige Name von Lewis Carroll, hat einmal im Verlaufe eines Familienausflugs St. Mary’s besichtigt und dabei das Kaninchen gesehen, das im 13. Jahrhundert seinen Platz in der Kirche gefunden haben soll. Wer das „pilgrim rabbit“ (so genannt, weil es einen Pilgerstab in den Pfoten hält) erschaffen hat und aus welchem Grund ist unbekannt. Ganz leicht zu finden ist die Steinfigur in der Kirche nicht, man muss schon etwas suchen oder jemanden fragen.

Es gibt aber noch eine andere Version wie Lewis Carroll auf die „Kaninchen-Idee“ gekommen sein könnte und auch da spielt Yorkshire eine Rolle und zwar die Kathedrale von Ripon, in der Carrolls Vater eine Zeit lang als Domherr wirkte. Dort gibt es im Chorbereich eine Schnitzarbeit von einem Kaninchen, das sich vor einem Greifvogel in seinen Bau flüchten will.

In diesem Filmausschnitt sind Alice und das weiße Kaninchen zu sehen.

Die Schnitzarbeit im Chor der Kathedrale von Ripon.
Photo © Martyn Gorman (cc-by-sa/2.0)

The White Rabbit aus „Alice im Wunderland“.
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

Published in: on 10. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Outlaws: Ambush – Ein „hinterhältiger“ Instrumentalhit aus den 1960er Jahren

Nein, die Outlaws waren keine US-amerikanische Band, auch wenn der Name und der hier vorgestellte Titel das vermuten lassen. Die Outlaws waren eine englische Instrumentalband, die Anfang der 60er Jahre gegründet wurde und zu der der damals noch unbekannte Ritchie Blackmore gehörte, der mit Deep Purple später in die Annalen der Rockmusik einging.

Der legendäre Joe Meeks benutzte die Band für zahlreiche Aufnahmen in seinem Londoner Studio u.a. als Backing Group für Mike Berry und John Leyton. Den großen Erfolg, den die Shadows als Begleitband für Cliff Richard hatten, konnten die Outlaws allerdings nie erlangen.

Ambush“ (auf Deutsch „Hinterhalt“ oder „Überfall“), ein Instrumentalstück im Western-Stil,  das 1961 veröffentlicht wurde, war in den 1960er Jahren die Erkennungsmelodie einer abendlichen Sendung im englischen Programm von Radio Luxemburg, das danach so gut wie nie wieder in Deutschland zu hören war. Dank „Youtube“ ist es jetzt wieder da. Ein Video dazu existiert wohl nicht mehr, aber hier ist das Stück in voller Länge.

Published in: on 9. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Farmington in Gloucestershire – Ein kleines Dorf mit einer hübschen Kirche und einem interessanten Gebäude auf dem Village Green

St Peter in Farmington.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Farmington ist ein Mini-Dorf in der Grafschaft Gloucestershire mit gerade einmal knapp über 100 Einwohnern. Die A40 (Cheltenham-Oxford) führt in der Nähe vorbei und am Village Green steht ein Wegweiser, der über die Entfernung zu den nächstgelegenen Orten Auskunft gibt: Bourton-on-the-Water 4 Meilen, Stow-on-the-Wold 8 Meilen, Windrush 4 Meilen. In dem kleinen Weiler gibt es eine Kirche, St Peter, die sich über ein besonders schönes Kirchenfenster freuen kann, das „Candles of Life“ genannt wird, und das in Erinnerung an den anglikanischen Bischof Michael Ashley Mann hier installiert wurde. Prinzessin Anne war im Jahr 2014 anwesend, als das Fenster an die Kirchengemeinde übergeben wurde. Sie wohnt nicht allzu weit weg von hier auf ihrem Landsitz Gatcombe Park.

Eine Besonderheit ist auf dem dreieckigen Village Green, dem Dorfanger, von Farmington zu sehen. Dort steht ein Brunnen, der von einem recht prunkvollen Bauwerk geschützt wird. Auch das ist ein Memorial und wurde zum Gedenken an Edmund Waller gebaut, den Lord of the Manor im 19. Jahrhundert, der 1898 starb (in St Peter wird an ihn mit einer Messingplakette gedacht). Die Wallers waren lange in Farmington ansässig und hatten nicht viel Phantasie, was die Vergabe der Vornamen ihrer männlichen Nachkommen anbelangte, denn die meisten von ihnen bekamen den Vornamen Edmund verpasst.
Also, den Brunnen auf dem Village Green errichtete man kurz nach Edmund Wallers Tod und versah das Gebäude mit einem Reetdach. Dieses wurde 1935 durch ein steinernes ersetzt; dafür mussten aber die Dorfbewohner nicht in ihre Taschen greifen, um es zu bezahlen, weil nämlich die Bürger von Farmington im US-Bundesstaat Connecticut dafür aufkamen. Der Grund: Farmington wurde vor 300 Jahren als englische Kolonie an der Ostküste des amerikanischen Kontinents gegründet. Daher wollte man dem Namensvetter im fernen England etwas Gutes tun. Mit rund 25 000 Einwohnern ist Farmington/USA deutlich größer als das kleine verschlafene Farmington/UK und auch da gibt es ein Village Green wie dieser Film zeigt.

Der Brunnen auf dem Village Green.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

…und so sieht St Peter’s Gegenstück in Farmington/Connecticut aus: The 1st Church of Christ.
This work is in the public domain.

Nathaniel Bentley (1749-1809) alias Dirty Dick – Ein Mann, der alle Höhen und Tiefen des Lebens kennengelernt hat

Der Dirty Dicks Pub an der Ecke Bishopsgate/Middlesex Street in der Londoner City.
Photo © Oxfordian Kissuth (cc-by-sa/2.0)

Der 1749 geborene Nathaniel Bentley (sein Geburtsdatum wird in manchen Quellen auch mit 1735 angegeben) wurde in seinen besten Zeiten der „Beau of Leadenhall Street“ genannt, denn er pflegte sich sehr gut zu kleiden und kaufte gern in Paris ein. Der Mann entstammte einer wohlhabenden Familie und führte ein Geschäft in der Londoner City, in der Leadenhall Street, namens „Golden Lyon & Case of Knives„, in dem er Eisenwaren jeglicher Art verkaufte. Alles schien bisher gut für Nathaniel zu laufen, er verliebte sich in eine junge Frau und die beiden wollten heiraten. Dann schlug das Schicksal zu: Am Vorabend der Hochzeit starb die Braut…und das warf den armen Bräutigam für den Rest seines Lebens komplett aus der Spur. Das Zimmer, in dem das Hochzeitsfrühstück angerichtet war, schloss er ab und wurde nie wieder betreten. Er selbst ließ sich völlig gehen, wusch sich und seine Kleider nicht mehr – aus dem Beau of Leadenhall Street wurde im Handumdrehen Dirty Dick. Warum soll ich mir die Hände waschen, soll er einmal gesagt haben, morgen sind sie sowieso wieder dreckig. Seine Katzen, die eine nach der anderen starben, ließ er einfach liegen und sie rotteten vor sich hin. Auch Nathaniels einst gut gehende Eisenwarenhandlung verkam, Staub legte sich auf die Waren, und er zeigte kein Interesse mehr an dem Geschäft.

1804 setzte sich der frühere Beau zur Ruhe und schloss seinen Laden, fünf Jahre später war er tot. Der Inhaber eines Pubs an der Ecke Bishopsgate/Middlesex Street, The Old Jerusalem, übernahm einige von Bentleys Hinterlassenschaften wie das bis dato  verschlossene Hochzeitsfrühstückzimmer und die toten Katzen und stellte alle diese kuriosen Dinge in seinem Pub aus, den er  in Dirty Dicks umbenannte und der noch heute existiert und der Londoner Brauerei Young’s gehört.

Charles Dickens soll die Figur der Miss Havisham in seinem Roman „Great Expectations“ (dt. „Große Erwartungen“) nach Nathaniel Bentley gestaltet haben. Auch sie erlitt an ihrem geplanten Hochzeitstag einen Schock als sie erfuhr, dass ihr Bräutigam sie sitzen gelassen hatte und nur an ihrem Geld interessiert war. So wie Bentley ließ sie das Hochzeitsfrühstück unangerührt auf dem Tisch stehen. In ihrem Haus lief sie von nun an nur noch ihrem Hochzeitskleid herum.

Mr Bentley würde seine Leadenhall Street, wie sie heute aussieht, nicht mehr wiedererkennen. Im Hintergrund das Lloyd’s Building.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Beating the Bounds – Ein alter Brauch, der noch heute ausgeübt wird

Beating the Bounds in Cambridge.
Photo © Tiger (cc-by-sa/2.0)

In einigen dörflichen aber auch städtischen Kirchengemeinden wird auch heute noch ein uralter Brauch ausgeübt, der sich „Beating the Bounds“ nennt und in etwa mit „Schlagen der Grenzsteine“ übersetzt werden kann. Da zieht ein Priester mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern und Kindern durch die Kirchengemeinde, alle mit Stöcken „bewaffnet“, die alle Grenzsteine bzw. Grenzmarkierungen aufsuchen, die dann mit den Stöcken „geschlagen“ werden.
Wozu soll das gut sein? Dieser Brauch sollte ursprünglich dazu dienen, dem kirchlichen Nachwuchs (es waren häufig Chorknaben) zu zeigen, wo sich genau die Grenzen der Gemeinde befinden, und damit die sich das auch gut einprägten, wurden sie an den Grenzsteinen manchmal auch mit den Stöcken geschlagen oder mit dem Kopf dagegen gestoßen. Diese brutale Form der Gedächtnisaufbesserung findet sich glücklicherweise heute nicht mehr.

Benedict le Vay beschreibt in seinem Buch „Eccentric Oxford“ wie Beating the Bounds in der Gemeinde St Michael in Oxford abläuft. Da zieht am Himmelfahrtstag der Vikar mit seiner Gemeinde drei Stunden lang durch die Gegend, um die 30 Grenzsteine aufzusuchen, die dann mit den Worten „Mark! Mark! Mark!“ geschlagen werden. Das kann dann zu so kuriosen Situationen führen, dass die Gruppe mitten durch die Damenunterwäscheabteilung von Marks & Spencer zieht und dort den Fußboden mit ihren Stöcken bearbeitet oder dass die Außenwand einer Filiale der Drogeriekette Boots the Chemist geschlagen wird.

Jede Kirchengemeinde, die Beating the Bounds heute noch praktiziert, hat seine Besonderheiten. Je nach Größe kann das Ganze sogar mehrere Tage dauern. In ländlichen Regionen wie z.B. dem Dartmoor wird bei dieser Prozession auch gleich geprüft, ob die Inschrift der Grenzsteine noch leserlich ist.
Mögen diese alten Traditionen noch möglichst lange beibehalten werden!

Dieser Film zeigt wie Beating the Bounds in der Kirchengemeinde von St Michael in Oxford abläuft.

Ein Boundary Stone bei Greystone in Lancashire.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Salisbury in Wiltshire – Schauplatz eines aufsehenerregenden Verbrechens mit Folgen für die Weltpolitik

The Maltings Shopping Centre vor dem Sergei Skripal und seine Tochter auf einer Bank gefunden wurden.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Am 5. März diesen Jahres hatte ich in meinem Blog über den Radiosender Spire FM in Salisbury in Wiltshire geschrieben, Ein Tag zuvor ereignete sich in der lebhaften Kleinstadt, in die die Touristen hauptsächlich wegen der Kathedrale und des höchsten Kirchturms Englands kommen, ein Anschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und seine Tochter Yulia, durch den Salisbury plötzlich weltweit in den Schlagzeilen stand. Durch den Einsatz des Nervengiftes Nowitschok wurden Vater und Tochter so schwer verletzt, dass man um ihr Leben bangen musste.

Sehen wir uns die Schauplätze in Salisbury einmal an, die mit dem Verbrechen in Zusammenhang stehen:

Sergei Skripal wohnte in der Straße Christie Miller Road, das ist eine Sackgasse in einer ruhigen Wohngegend mit mehreren Seitenarmen. Das Haus von Mr. Skripal mit der Nummer 47 (in der Bildmitte) steht am äußersten Ende der Sackgasse, die nach der Christie-Miller Familie benannt ist, die viele Jahre lang im Clarendon Park vor den Toren Salisburys gewohnt hat. Da nach den bisherigen Ermittlungen das Nervengift wohl auf der Klinke der Eingangstür angebracht worden sein soll, ist es erstaunlich, dass es keine Augenzeugen in der dicht bebauten Straße gibt, zumal die Tür des Skripalschen Hauses gut einsehbar ist.

Gefunden wurden Sergei und Yulia Skripal auf einer Bank vor dem Einkaufszentrum The Maltings, das von einem Sainsbury’s beherrscht wird und mitten im Zentrum von Salisbury liegt. Vorher waren die beiden erst im The Mill Pub, der ebenfalls in The Maltings liegt und der Brauerei Greene King in Bury St Edmunds gehört. The Mill ist zur Zeit immer noch geschlossen. Anschließend gingen Vater und Tochter zum Mittagessen in Zizzi’s Restaurant in der Castle Street. Zizzi’s ist ein italienisches Restaurant, das zu einer Gruppe von Lokalen gehört, die im ganzen Land zu finden sind. Direkter Nachbar von Zizzi ist die Stadtbibliothek von Salisbury und die Young Gallery. Durch die Ermittlungsarbeit der Polizei ist diese Gegend der Stadt besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Sergei und Yulia Skripal wurden in das Salibury District Hospital in Odstock an der südlichen Stadtgrenze gebracht, wo sie weiterhin behandelt werden.

Die Castle Street.
Photo © Jonathan Kington (cc-by-sa/2.0)

Salisbury District Hospital.
Author: Richard Avery
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

Published in: on 5. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Mein Buchtipp – Tom Chesshyre: From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames

Foto meines Exemplares.

Tom Chesshyre, Reisejournalist der Times, hat schon über 90 Länder der Welt bereist und darüber geschrieben. Sein Buch „To Hull and Back: On Holiday in Unsung Britain“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.In seinem aktuellen Buch „From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames„, 2017 erschienen, berichtet Tom Chesshyre von seiner Wanderung auf dem Thames Path, von der Quelle des Flusses bis zur Mündung in die Nordsee; dabei hat er in 21 Tagen insgesamt 590 Kilometer zurückgelegt, einen Tagesdurchschnitt von 28 Kilometern gehabt, 821 722 Schritte getan und 79 623 Kalorien verbrannt.

Der Start seiner Wanderung  ist Trewsbury Mead, eine Wiese nur ein paar Schritte vom Thames Head Inn entfernt, auf der die Themse das Licht der Welt erblickt, nur war davon so gut wie nichts zu sehen („there is no water whatsoever“). Toms erste Übernachtung entlang des Themsepfades  findet auch im Thames Head Inn in der Nähe von Kemble in Gloucestershire statt. Sein wichtigster Führer für die Wanderung wird Joel Newtons „Thames Path: Thames Head to the Thames Barrier“ sein, 2015 bei Trailblazer Publications erschienen, ein Buch mit vielen praktischen Tipps.
In den drei Wochen trifft Tom Chesshyre entlang des Flusses auf viele interessante Menschen, entdeckt mehr oder weniger empfehlenswerte Hotels und Pubs, trifft auf manchen Strecken oftmals nur wenige Leute, dafür wird es bei der Durchquerung Londons erheblich lebhafter. Das Ende der Wanderung liegt auf der Isle of Grain, eine von Touristen eher wenig besuchte Region auf der Hoo Peninsula, dort, wo die Themse endgültig in der Nordsee aufgegangen ist.

Ich habe das Buch mit sehr viel Vergnügen und Interesse gelesen, obwohl ich auf dem Thames Path nur wenige Meter zurückgelegt habe, zuletzt im September bei Cookham in Berkshire. Auch für alle, die nicht vorhaben, die Komplett- bzw. eine Teilwanderung entlang der Themse zu machen, ist Tom Chesshyres Buch sehr zu empfehlen!

Tom Chesshyre: From Source to Sea – Notes From a 215-Mile Walk Along the River Thames. Summersdale 2017. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-921-0.

Der Thames Head Inn bei Kemble in Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Die Themse bei Cookham (Berkshire).
Eigenes Foto.

Die Themse in Marlow (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Einer meiner Lieblingsplätze an der Themse am Oakley Court Hotel in Berkshire.
Eigenes Foto.

The London Stone auf der Isle of Grain, hier ist die Themse in der Nordsee aufgegangen.
Photo © Roger W Haworth (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

Staines-upon-Thames (Surrey) – Eine Stadt, die durch viele Jahrzehnte hinweg durch die Fabrikation von Linoleum weltberühmt war

David Annands Monument „Release Every Pattern“ in der High Street von Staines.
Photo © Mike Smith (cc-by-sa/2.0)

Frederick Walton (1834-1928), in Sowerby Bridge in West Yorkshire geboren, machte im Jahr 1860 eine bedeutende Erfindung, das Linoleum, ein Bodenbelag aus „Leinöl, das neben Korkmehl und Jutegewebe der wichtigste Grundstoff für das Linoleum ist“ (so die Wikipedia). 1867 begann Walton mit der Fabrikation des Produktes mit der Staines Linoleum Company. Seine Firma benannte er nach der Stadt Staines-upon-Thames in Surrey, westlich von London, in der die Fabrik ansässig war. Linoleum entwickelte sich bald zu einem großen Verkaufserfolg und Walton konnte sein Produkt weltweit verkaufen. Selbst auf der Titanic wurde Waltons Linoleum verlegt. Für Staines war die Firma bis in die 1960er Jahre ein wichtiger Arbeitgeber; in Spitzenzeiten waren 350 Menschen hier beschäftigt. Erst 1969 wurden die Produktionsananlagen stillgelegt, die dort standen, wo heute das Two Rivers Shopping Centre an der Mustard Mill Road zu finden ist. Linoleum konnte in anderen Ländern billiger hergestellt werden und das bedeutete das Aus für die Fabrik in Surrey.

In der High Street von Staines erinnert noch ein Monument an das Produkt, das für so lange Zeit für den Ort wichtig war. Es zeigt zwei Arbeiter, die eine lange Rolle Linoleum schleppen, und wurde von dem schottischen Bildhauer David Annand geschaffen. Er nannte sein Werk, das 2003 aufgestellt wurde, „Release Every Pattern„. Die Inschrift auf dem Monument, ein Gedicht von  Richard Price und Leona Medlin, lautet:

„Roll out the lino
from Staines to the world!
Release every pattern
from chessboard to twirl!
In every hopeful kitchen
let life unfurl,
bathrooms are artrooms
from soapsuds to swirl!
Roll out the lino
from Staines to the world!“

Published in: on 3. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

The Biddenden Dole – Eine Ostertradition in Kent

Das Dorfschild von Biddenden (Kent) mit Eliza und Mary Chulkhurst.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Viele Besucher der Sissinghurst Gardens in Kent, die sich dem beliebten Touristenziel von Osten her nähern, sind schon einmal durch den hübschen Ort Biddenden an der A262 gefahren (über die Biddenden Vineyards habe ich vor einigen Jahren in meinem Blog schon geschrieben). Dort, wo die North Street auf die High Street trifft, ist das ungewöhnliche Dorfschild aufgestellt, das zwei siamesische Zwillinge zeigt, Eliza und Mary Chulkhurst, die Biddenden Maids. Die beiden im Jahr 1100 geborenen Mädchen waren an den Schultern und an den Hüften miteinander verbunden und lebten 34 Jahre; sie starben im Abstand von sechs Stunden. Ihre Besitztümer hinterließen die beiden der Kirchengemeinde, mit dem Auftrag, den Ertrag an die Armen des Ortes zu verteilen. Eliza und Mary sind so etwas wie ein Wahrzeichen von Biddenden geworden.

An jedem Ostermontag wird hier eine Tradition gepflegt, bei der die Zwillinge auch eine Rolle spielen. Ab 10 Uhr vormittags können sich die Armen und Bedürftigen des Dorfes die sogenannte Biddenden Dole im Old Workhouse abholen. In diesem an der Ecke Sissinghurst Road/Chulkhurst Road stehenden Haus öffnet sich ein Fenster, aus dem Tüten mit Brot und Käse ausgegeben werden. Wer möchte, kann  auch einen aus Mehl und Wasser hergestellten Biddenden Biscuit erwerben, das ist ein steinharter Keks, den man besser nicht versuchen sollte zu essen, und auf dem Eliza und Mary Chulkhurst abgebildet sind. Hier ist ein Film über die Biddenden Dole.

Die Geschichte der Zwillinge, am Pfosten des Dorfschildes angebracht.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – Graham Uney: Oxfordshire – The Glorious County

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Graham Uney hat schon zahlreiche Bücher geschrieben, speziell Wanderführer für viele Regionen Großbritanniens, aber auch Porträts englischer Counties.
Ein sehr schöner Bildband ist „Oxfordshire: The Glorious County„, in dem Uney die Facetten dieser englischen Grafschaft zeigt. Besonders die Dörfer haben es ihm angetan, so finden sich in dem Buch sehr stimmungsvolle Fotos von Goring, Wroxton, Deddington und Benson, um nur einige Dörfer zu nennen.

„It is a county of light and colour, of big skies and intimate corners. Oxfordshire’s palate runs through warming tones of red and orange stonework in the walls of old farms, villages and towns, topped by earthly tones of thatched cottages“, so Uney in der Einführung zu seinem Buch. Genauso habe ich die Grafschaft auch immer wieder erlebt.

Graham Uney: Oxfordshire – The Glorious County. Halsgrove 2008. 144 Seiten. ISBN 978-1841148113. Bildband im Querformat.

Die Themse bei Wallingford (Oxfordshire). – Eigenes Foto.

Ewelme in Oxfordshire. – Eigenes Foto.

Published in: on 1. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
Tags: