Der Dichter John Clare (1793-1864), „The Peasant Poet“, und sein Heimatort Helpston (Cambridgeshire)

Das John Clare Cottage am Woodgate in Helpston.
Photo © Paul Bryan (cc-by-sa/2.0)

Die Einwohner des kleinen Ortes Helpston wussten lange Zeit nicht so recht, zu welcher Grafschaft sie nun eigentlich gehörten, mal war es Northamptonshire, dann Huntingdonshire und jetzt ist es (bis auf weiteres) Cambridgeshire. In diesem nördlich von Peterborough gelegenen Dorf mit weniger als 1000 Bewohnern erblickte am 13. Juli 1793 John Clare das Licht der Welt, der später als „The Peasant Poet“ in die englische Literaturgeschichte eingehen sollte.
Er wurde in einem Cottage geboren, das nur ein paar Schritte vom Dorfpub, The Bluebell, entfernt ist und dort arbeitete er als Dreizehnjähriger, wobei eine seiner Aufgaben darin bestand, des Nachts aus dem Nachbardorf Mehl zu holen. Um sich bei seinen einsamen Gängen die Zeit zu vertreiben, verfasste er Gedichte, die er laut vor sich hinsagte. Diese nächtlichen Gänge waren sozusagen die Initialzündung für seine „Karriere“ als Dichter. Im Jahr 1820 erschien seine erste Gedichtsammlung „Poems Descriptive of Rural Life and Scenery„, der mehrere andere folgten wie „The Shepherd’s Calendar with Village Stories and Other Poems„; man sieht an den Titeln, dass John Clare sich am wohlsten auf dem Lande fühlte. Er heiratete, hatte viele Kinder und war hin und her gerissen zwischen seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Gedichten, und der Notwendigkeit, für seine immer größer werdende Familie Geld zu verdienen. Er bekam Depressionen, die noch dadurch verstärkt wurden, dass sich seine Bücher nicht mehr so gut verkauften. Nach und nach verfiel John Clare in geistige Umnachtung und verbrachte die letzten 23 Jahre seines Lebens in mehreren Nervenheilanstalten. Am 20. Mai 1864 verstarb er im Alter von 71 Jahren.

Begraben wurde der „Peasant Poet“ in seinem Heimatdorf Helpston, auf dem Kirchhof von St Botolph’s. Man hat ihn hier nie vergessen und so findet an seinem Todestag jedes Jahr die „Cushion Ceremony“ statt, bei der Kinder von der nach ihm benannten John Clare School Blumenkissen um sein Grab dekorieren. Es gibt eine John Clare Society, sogar mit einem Ableger in den USA, was sich der Poet damals sicher nicht hätte träumen lassen. In diesem Jahr findet in Helpston vom 13. bis zum 15. Juli das John Clare Society Festival statt, wobei die St Botoph’s Church, The Bluebell und das John Clare Cottage eine zentrale Rolle spielen. Letzteres wurde 2005 vom John Clare Trust übernommen und es kann besichtigt werden.

Auf dem kleinen Village Green, gegenüber der Kirche, hat man zur Erinnerung ein Denkmal für John Clare errichtet.

Hier ist John Clares Gedicht „Autumn“, gelesen von Richard Burton.

Das Buch zum Artikel:
Jonathan Bate: John Clare – A biography. Picador, London 2003. 648 Seiten. ISBN 978-0374179908.

Das John Clare Memorial auf dem Village Green.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

John Clares Grab auf dem Kirchhof von St Botolph’s.
Author: Magnus Manske.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

St Botolph’s.
Photo © Chris McAuley (cc-by-sa/2.0)

The Bluebell am Woodgate.
Photo © Rodney Burton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. April 2018 at 02:00  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Als ich vor einiger Zeit das Buch über die Grafschaft Northamptonshire von Arthur Mee gelesen habe, bin ich das erste Mal auf John Clare aufmerksam geworden. Diesem feinfühligen Dichter ist nun auch 2017 in dem bei Matthes & Seitz erschienenen Band „Reise aus Essex“ auf Deutsch ein Denkmal gesetzt worden. In dem Buch beschreibt Clare seine Flucht aus einer Nervenheilanstalt in Essex. Die Herausgeberin E. Kinsky umrahmt diese autobiographischen Notizen mit Gedichten dieses entdeckungswürdigen Autors.
    Vielen Dank dem Blogschreiber für diesen geistigen Zuwachs aus „rural England“!

  2. Auf den ersten Blick hätte ich das Cottage fast für das Haus eines anderen großen Dichters gehalten – Robert Burns. http://www.theburnsideguesthouse.co.uk/robert-burns-birthplace-museum/

  3. […] kurzem stellte ich in einem meiner Blogartikel den Dichter John Clare vor, der in Deutschland nur wenig bekannt ist. Noch unkannter dürfte der […]


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