Die National Piers Society – Hüterin einer britischen Tradition

Der Southsea South Parade Pier, der den Pier of the Year Award 2018 erhielt.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Zu einem richtigen englischen Seebad gehört auch ein Pier, also eine Seebrücke, möglichst mit einem Showtheater auf dem Brückenkopf, einer Fish & Chips-Bude und Vergnügungsständen.
Leider gibt es davon nicht mehr besonders viele. Einige sind abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden, einige fielen Stürmen zum Opfer. Von einst etwa 100 Piers sind nur noch die Hälfte übrig geblieben, von denen einige eine unsichere Zukunft vor sich haben.

Die, die es aber noch gibt, werden aber sehr geliebt und gepflegt, z.B. von der National Piers Society, die 1979 von Sir John Betjeman gegründet wurde. Sie setzt sich für den Erhalt der Piers ein und macht Lobbyarbeit. Die Gesellschaft gibt den „Guide to British Piers“ heraus und veröffentlicht viermal im Jahr ein eigenes Magazin names „PIERS“.

Seit 1996 wird jährlich der „Pier of the Year“-Preis vergeben, den als erster der Eastbourne-Pier in East Sussex erhielt. Aktueller Preisträger für das Jahr 2018 ist der Southsea South Parade Pier in Hampshire.

Brightons Palace Pier gehört sicher zu den bekanntesten und schönsten Piers Englands. Der dabenliegende West Pier ist leider 2003 fast komplett abgebrannt; es stehen nur noch einige Reste im Meer. Es gibt aber immer wieder Bestrebungen, den West Pier zu seiner alten Größe erneut aufzubauen.

Hoffentlich gelingt es der NPS auch weiterhin, den Verfall dieser typisch britischen Einrichtung zu verhindern, denn ob man nun das Angebot auf den Piers mag oder nicht, schön sehen diese Seebrücken doch aus.

Hier ist ein Film mit Anthony Wills von der National Piers Society.

Das Buch zum Artikel:
Anthony Wills & Tom Phillips: British Seaside Piers. Historic England 2014. 304 Seiten. ISBN  978-1848022645.

Der erste Preisträger des Pier of the Year Awards: Der Eastbourne Pier. Hier ein aktuelles Bild nach dem großen Feuer von 2014, das Teile der Seebrücke zerstörte.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Der Brighton Palace Pier.
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Der West Pier in Brighton.
Eigenes Foto.

Published in: on 31. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The Lincolnshire Poacher – Die inoffizielle Hymne von Lincolnshire

Plakette am Lincoln Castle.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Das alte Volkslied „The Lincolnshire Poacher„, also der Wilderer aus Lincolnshire, ist ein Ohrwurm, der, einmal gehört, immer im Gedächtnis bleibt. Die erste gedruckte Version des Liedes stammt aus dem Jahr 1775  und es wird als die inoffzielle „county anthem“ von Lincolnshire betrachtet. Der „Wilderer“ ist auch das Regimentslied des 2. Bataillons des Royal Anglian Regiments.

BBC Radio Lincolnshire benutzte viele Jahre lang einige Takte aus dem Lied als Jingle vor dem Beginn der Nachrichtensendungen. Es gibt einige Pubs, die sich des Namens bedienen und ein Magazin namens „The Lincolnshire Poacher„, das vierteljährlich in Lincoln erscheint. Ja, es gibt sogar eine Käsesorte mit dem Namen, der in Alford hergestellt wird.

Die Eisenbahnlinie von Grantham nach Skegness in Lincolnshire wird auch The Poacher Line genannt.

Hier ist eine Version des Liedes, das von Chris Sarjeant vorgetragen wird.

The Kinks haben der Grafschaft Lincolnshire (und ihrer hübschen Mädchen) mit „Lincoln County“ ebenfalls ein Denkmal gesetzt.

Pub in Metheringham (Lincolnshire)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – John Osborne: Radio Head

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

John Osborne ist ein Radio-Besessener. Er hört stundenlang Tag und Nacht englische Rundfunksender und hat aus dieser Begeisterung ein Buch gemacht: „Radio Head: Up and Down the Dial of British Radio“ (bei Simon & Schuster 2009 erschienen).  Einen Monat lang hörte er jeden Tag einen anderen Sender und dabei entdeckte er auch weniger bekannte wie z.B.  BBC Asian Network, Resonance 104.4 FM oder The Jazz.
John Osborne schreibt über Piratensender, den legendären BBC Radio 1-Moderator und DJ John Peel und führt Interviews mit Mark Radcliffe (BBC Radio 2) und Nicholas Parsons (BBC Radio 4).

Osborne reizte es, auch selbst bei einem Rundfunksender tätig zu werden, was ihm auch gelingt und so arbeitet er für Future Radio 96.9 in Norwich (Norfolk), wo er zum Beispiel „The People’s Playlist“ moderiert.

Eine sehr interessante und amüsante Reise durch die englische Rundfunklandschaft!

Siehe auch meine Buchempfehlung von John Osbornes „Don’t Need The Sunshine„, in dem er sich mit britischen Seebädern beschäftigt.

John Osborne: Radio Head: Up and Down the Dial of British Radio. 289 Seiten. ISBN 978-1-84737-230-7.

Published in: on 29. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

„Village Stocks“ – Eine Art Fußfessel, die per Gesetz in Dörfern und Kleinstädten vorrätig gehalten werden musste

Litton in Derbyshire.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Seit dem 14. Jahrhundert schon gibt es die „village stocks“ in England, im Deutschen Fußblock oder auch Stock genannt. Diese meist hölzernen Vorrichtungen dienten dazu, Trunkenbolde oder Vagabunden festzuhalten und ihnen eine Lehre zu erteilen. Dabei wurden die Füße durch dafür vorgesehene Löcher im Stock gesteckt und fest verankert, so dass an eine Flucht nicht zu denken war. Passanten konnten nach Lust und Laune beispielsweise verrottetes Obst oder Gemüse auf die armen Kerle werfen. Jede Stadt und jedes Dorf war per Gesetz verpflichtet, diese „stocks“ vorrätig zu halten. Im Gegensatz zu den „stocks“ standen die „pillories„, die Pranger, bei denen der Kopf und die Arme durch Löcher gesteckt wurden. Während der Pranger in England 1837 abgeschafft wurde, sind die „stocks“ noch immer legal. Viele sind im Laufe der Jahre verottet oder abgebaut worden, doch eine ganze Menge sind noch erhalten und dienen dazu, den Dörfern oder Kleinstädten einen gewissen historischen Anstrich zu geben. Im Folgenden habe ich einige Beispiel für „village stocks“ zusammengestellt:

Hier in Haveringland in Norfolk wurden die stocks in das Dorfschild integriert.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St George’s in Bicknoller (Somerset).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

In Weston-on-the Green in Oxfordshire.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

In Eyam, dem „Pestdorf“, in Derbyshire.
Photo © Peter Church (cc-by-sa/2.0)

In Market Overton in Rutland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Ostrich Inn in Colnbrook (Berkshire) – Einer der „most haunted“ Pubs in England

An- und abfliegende Flugzeuge vom nahegelegenen Flughafen Heathrow sind mehr als deutlich in Colnbrook in Berkshire zu hören und der Lärm der viel befahrenen Autobahnen M25 und M4 ist auch nicht weit. Man erwartet in so einem verkehrstechnisch ungünstig gelegenen Ort  nicht unbedingt den drittältesten Pub Englands, aber hier ist er, der Ostrich Inn.  Der „Straußengasthof“ ist auch ein gruseliges Anwesen, denn hier sollen sich unheimliche Dinge abspielen.

Der Hintergrund: Im 17. Jahrhundert war Thomas Jarman der Inhaber des Gasthofs. Im besten Zimmer des Hauses, dem Blue Room, hatte Jarman unter dem Bett eine Falltür angebracht, die direkt über der Küche lag. Kam jetzt ein wohlhabender Gast, so öffnete  Jarman in den frühen Morgenstunden die Falltür, der arme Schlafende stürzte in die Küche und mitten in einen großen Behälter mit kochendem Wasser. Der Gast überlebte dieses „Bad“ nicht und wurde in einem nahegelegenen Fluss entsorgt. Die Wertsachen und das Pferd des (ehemaligen) Gastes wurden umgehend veräußert.
Etwa 60 Menschen kamen auf diese Weise ums Leben, bis man schließlich Jarman und seiner Frau, die an dem bösen Spiel beteiligt war, auf die Schliche kam und beide aufhängte.
Es ist also kein Wunder, dass es in einem Pub, der so viel Blutvergießen miterlebt hat, spukt. „Strange noises, ghostly figures and objects moving by themselves are all in a days work if you‘ re employed at the Ostrich Inn„, so die Aussage eines Pubmanagers.
Das Team von LivingTVs „Most Haunted“ besuchte den Inn natürlich auch und hier sind seine Erlebnisse in Colnbrook.

The Ostrich Inn
High Street, 
Colnbrook, 
Slough, Berkshire 
SL3 0JZ 

 

Der Comedian Rod Hull (1935-1999) und sein gefürchteter Emu

Rod Hull war ein Comedian der besonderen Art, den man eigentlich nur zusammen mit seinem Emu kannte, auch im deutschen Fernsehen.
1935 wurde Rod Hull auf der Isle of Sheppey in Kent geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. In den frühen 60er Jahren zog es ihn nach Australien, wo er als Elektriker arbeitete. Er bekam einen Job als Techniker beim Fernsehen und arbeitete dann auch bald im Kinderfernsehen vor der Kamera. Dort hatte er auch den ersten Kontakt mit Emu, dem bösartigen Vogel, der dann für den Rest seines Lebens zu seinem Markenzeichen wurde.

1971 zog Rod Hull nach England zurück und arbeitete an mehreren Fernsehshows mit. Da ging es immer turbulent zu, denn Rod Hulls Emu attackierte die anderen Gäste, die sicher froh waren, wenn Hull mitsamt Emu dann wieder verschwand.
Der Journalist und Radiomoderator Michael Parkinson bekam den Zorn des Tieres einmal in einer Sendung zu spüren, die damit endete, dass sich alle auf dem Boden wälzten (hier der Film). Auch Rudi Carrel lud die beiden in seine Show ein und das Ergebnis kann man sich auf dem Video unten ansehen.

Rod Hull starb schon früh am 17. März 1999 in seinem Haus in Winchelsea (East Sussex), als er dort bei einem Versuch, seine Fernsehantenne auf dem Dach zu richten, herunterfiel und sich so schwere Verletzungen zuzog, dass er daran starb.
Ich fand Rod Hull, der meistens in einer Art Tropenanzug auftrat, und seinen Emu immer sehr witzig; ein derber Humor, aber er kam beim internationalen Publikum gut an.

Hier einer seiner Auftritte im deutschen Fernsehen. und hier ist ein Besuch des Emus beim Tierarzt angesagt.

Published in: on 26. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Das Londoner Kaufhaus Selfridges und die Queen of Time Clock

Den Eingang des Londoner Kaufhauses Fortnum & Mason in Piccadilly ziert eine Uhr, neben der zwei Türen angebracht sind, aus der zu jeder vollen Stunde die Herren William Fortnum und Hugh Mason erscheinen, begleitet von Glockenspiel und Musik (ich berichtete in meinem Blog darüber). Über 30 Jahre vorher wurde über dem Haupteingang des Konkurrenz-Kaufhauses Selfridges in der Oxford Street etwas Ähnliches installiert: Die Queen of Time Clock, aus Anlass des 21. Geburtstages des Kaufhauses. Die Uhr hat zwei Zifferblätter und schlägt zu jeder Viertelstunde. Sie ist über einer aufwendig gestalteten geflügelten Bronzefigur, der Queen, angebracht, die auf dem Bug eines Schiffes steht, umgeben von weiteren Art Deco-Figuren wie Meerjungfrauen und anderen geflügelten Gestalten. In ihrer rechten Hand hält die Queen of Time eine Kugel, auf der eine weitere Figur mit Flügeln angebracht ist, die linke Hand umfasst Olivenzweige. Oberhalb der beiden Zifferblätter sieht man ein Segelschiff.

Der Bildhauer, der die Queen of Time angefertigt hat, heißt Gilbert Bayes (1872-1953). Der renommierte Künstler war u.a. für seine vielen Kriegerdenkmäler bekannt geworden. Gordon Selfridge war ein großer Bewunderer von Bayes, und so findet man an anderen Stellen des Kaufhauses weitere Kunstwerke des Bildhauers. Ursprünglich wollte Gilbert Bayes die rund vier Meter hohe Queen of Time aus Terracotta anfertigen, entschied sich dann aber doch für Bronze. Die Figur ist teils vergoldet und mit Fayencen und Steingut aus dem Hause Doulton verziert. Dieser Film zeigt den Künstler und einige seiner Werke, auch die Queen of Time.

Panopticons – Vier Kunstwerke im Osten der Grafschaft Lancashire

The Singing Ringing Tree bei Burnley.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Gestern schrieb ich in meinem Blog über das „After Life“ von Jeremy Bentham. In seinem richtigen Leben hatte der Philosoph u.a. auch das sogenannte Panopticon entwickelt, das ist ein Überwachungssystem, das vor allem in Gefängnissen eingesetzt wurde. Von einem zentralen Beobachtungsturm aus, hat ein einzelner Gefängniswärter alle Zellen und Gänge im Blick und sieht genau, was da so getrieben wird, während er selbst nicht gesehen werden kann. Dieses System wurde auch in einigen Fabrikgebäuden angewendet.

In den Jahren 2006/07 hat das East Lancashire Environmental Arts Network ein Kunstprojekt ins Leben gerufen, dem man ebenfalls den Namen Panopticon gegeben hat. Mit Hilfe von vier Kunstwerken, die auf Hügeln in Lancashire aufgestellt wurden, und die eine Rundumsicht wie das Benthamsche Panopticon bieten, soll der Besucher auf die außergewöhnliche Landschaft in dieser Region aufmerksam gemacht werden.

Da ist einmal der Singing Ringing Tree über der Stadt Burnley auf dem Crown Point, über den ich in meinem Blog früher schon einmal geschrieben habe und auf den ich deshalb nicht näher einzugehen brauche.

Oberhalb des Ortes Wycoller wurde The Atom platziert, eine Idee von  Peter Meacock. Das Kunstwerk bietet einen tollen Ausblick auf die sagenumwobenen Pendle Hills und ist gleichzeitig Unterschlupf bei schlechtem Wetter. In diesem Film erfährt man alles über die Installation The Atom.

Oberhalb von Blackburns Corporation Park steht Colourfields, wobei die ehemalige Kanonenbatterie genutzt wurde, 1857 bei der Eröffnung des Parks installiert, auf der zwei russische, im Krimkrieg erbeutete Kanonen standen. Diese schon fast verfallene Anlage integrierte die Künstlerin Sophie Smallhorn in ihr Projekt. Von hier oben hat man einen Panoramablick auf Blackburn und kann in der Ferne die Küstenstädte Southport und Fleetwood sehen.

The Halo ist die vierte Installation des Panopticon-Projekts. Sie steht auf einer ehemaligen aufgeschütteten Deponie bei Haslingden und bietet einen Blick auf das Tal von Rossendale und die Region Greater Manchester. Es handelt sich dabei um eine Stahlgitterkonstruktion von 18 Metern im Durchmesser, die 5 Meter über dem Boden steht. Im Dunkeln verbreitet The Halo eine besondere Atmosphäre, da die Installation beleuchtet ist. Entworfen hat sie John Kennedy von der schottischen Firma LandLab, die sich auf Landschaftsarchitektur spezialisiert hat.

The Atom bei Wycoller.
Photo © michael ely (cc-by-sa/2.0)

Colourfields bei Blackburn.
Photo © Tony Mercer (cc-by-sa/2.0)

The Halo bei Haslingden.
Photo © Paul Anderson (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 24. Juli 2018 at 07:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Leben des Jeremy Bentham…nach seinem Tode

Jeremy Bentham (1748-1832) war der „Begründer des klassischen Utilitarismus“ und „gilt als Vordenker des Feminismus, als Vorkämpfer der Demokratie, des Liberalismus und des Rechtsstaats“, um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren. Er war aber auch exzentrisch veranlagt und darum geht es heute in meinem Blogartikel. Der Philosoph vermachte dem Londoner University College (UCL) eine hübsche Summe Geld, unter der Voraussetzung, dass nach seinem Ableben sein Körper mumifiziert werden sollte und zwar so wie es die neuseeländischen Ureinwohner, die Maori, taten. Das University College nahm die Geldspende gern an und ging auch Benthams Wunsch nach, indem sie sein Skelett aufbewahrte, es mit seinen Kleidern umhüllte und in einem Mahagonischrank mit Glastür im South Cloister des Universitätsgebäudes aufbewahrte.
Leider gab es ein Missgeschick bei der Prozedur der Mumifizierung des Kopfes, die gründlich daneben ging, und so wurde ein Wachsmodell angefertigt, das seitdem Jeremy Benthams Körper ziert. So sitzt er nun auf einem Stuhl in seinem Schrank mit einem Hut auf dem Kopf und seinem geliebten Spazierstock in der Hand, den er Dapple nannte. Hin und wieder hat Bentham aber auch „Ausgang“ und darf seinen Schrank verlassen. So war er zum Beispiel bei der einen oder anderen Kuratoriumssitzung der UCL anwesend und saß an einem Tisch mit eigenem Tischkärtchen auf dem „Professor Jeremy Bentham“ stand.

In diesem Jahr wurde ein Wunsch des Professors erfüllt, der zu seinen Lebzeiten nie wahr werden konnte: Er ging auf Reisen nach Amerika. Im New Yorker Met Breuer Museum wurde er vom März bis jetzt in den Juli zur Schau gestellt, im Rahmen der Ausstellung „Like Life: Sculpture, Color and the Body, 1300-now”. Ich glaube, dass Mr. Bentham aber froh sein wird, wenn er wieder in London zurück ist und es sich erneut in seinem Mahagonischrank bequem machen kann.

Noch ein paar Worte zu Benthams verunstaltetem Originalkopf, der nur selten ausgestellt wird. Studenten des Londoner King’s College, Rivalen des UCL, kidnappten ihn 1975 und verlangten ein Lösegeld von £100, das an eine Wohltätigkeitsorganisation gezahlt werden sollte. Das UCL bot £10 und erhielt den Kopf zurück. Seitdem ist er an einem sicheren Ort untergebracht und vor weiteren Kidnapversuchen geschützt.

Hier ist ein Film über den Mann im Schrank.

Published in: on 23. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – David McKie: McKie’s Gazetteer – A Local History of Britain

Foto meines Exemplares.

1374 Gramm wiegt „David McKie’s Gazetteer: A Local History of Britain„, zwar schon 2008 erschienen, aber nach wie vor sehr zu empfehlen. Ein richtig schweres Buch, aber leicht zu lesen. Wer meinen Blog verfolgt, merkt vielleicht, dass ich eine Schwäche für die Bücher David McKies habe; kürzlich stellte ich sein „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain vor, früher schon „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“. 

Sein Gazetteer (=lexicon of geographical places) beinhaltet „A treasure trove of fascinating and unfamiliar stories from the localities of Britain, born of a lifetime exploring our country’s hidden history„, so steht es im Buch zu lesen. Die Reise durch Großbritanniens Geschichte, festgemacht an geografischen Orten, beginnt in alphabetischer Reihenfolge mit dem Flüsschen Aan in den schottischen Grampians (heute Water of Aven genannt) und endet mit dem Zoze Point (heute Zone Point) an der Südspitze der Roseland Peninsula in Cornwall. Auf 668 Seiten werden wir mit Geheimnissen, Skandalen, exzentrischen Menschen konfrontiert, viele der in dem Buch wiedergegebenen Geschichten sammelte der Autor während seiner jahrzehntelangen Arbeit als Journalist (er war lange beim Guardian beschäftigt). Fast alle in seinem Buch vorgestellten Orte hat er extra für sein schwergewichtiges Werk noch einmal aufgesucht und dabei Tausende von Meilen zurückgelegt. Das Buch kann man in einem Rutsch von vorn bis hinten lesen, wie ich es getan habe, oder darin einfach nur darin blättern und sich überraschen lassen, was David McKie alles so zu erzählen hat. Es lohnt sich wirklich! Das Buch ist zwar vergriffen, doch man kann es gebraucht schon für wenige Euros bekommen.

David McKie: McKie’s Gazetteer – A Local History of Britain. Atlantic Books 2008. 668 Seiten. ISBN 978-1- 84354-654-2.

Der erste Eintrag des Buches: Der River Aan bzw. Water of Aven in Schottland.
Photo © William Starkey (cc-by-sa/2.0)

Der letzte Eintrag des Buches: Zoze Point bzw. Zone Point in Cornwall.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 22. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  

Brightwell-cum-Sotwell – Das Doppeldorf in Oxfordshire, das durch die Bachblüten berühmt wurde

Mount Vernon.
Author: HennyGieles.
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Als ich einmal auf der A4130 in Oxfordshire von Didcot nach Wallingford fuhr, kam ich auch durch den Ort Brightwell-cum-Sotwell, ein hübsches Dorf mit einem netten Pub, dem Red Lion„, und zwei Kirchen, St. Agatha’s in Brightwell und St. James’s in Sotwell.
Früher waren das einmal zwei separate Dörfer, aber 1946 entschied man sich, beide zusammenzuführen, da die Grenzen der Orte sowieso kaum noch auszumachen waren, so dicht waren sie zusammengewachsen.

Heute sind Häuser in Brightwell-cum-Sotwell gesucht und entsprechend hochpreisig. Viele der Bewohner des Ortes haben ihre Arbeitsplätze in Didcot, Wallingford und Oxford, die alle in kurzer Zeit erreichbar sind.

Das Doppeldorf ist über die Grenzen Oxfordshires und auch Großbritanniens hinweg bekannt geworden, weil hier ein gewisser Edward Bach wohnte, arbeitete und auch starb. Dr. Edward Bach (1886-1936) ist der,  der die nach ihm benannte Bach-Blütentherapie entwickelte. 1934 zog Dr. Bach nach Sotwell in ein Haus namens Mount Vernon, in dem sich noch heute das Dr Edward Bach Centre befindet.  Bis vor wenigen Jahren hat das Bach Centre in Mount Vernon nicht nur die Urtinkturen zubereitet, sondern diese auch für die Vorratsflaschen verdünnt und abgefüllt, die dann zum Verkauf verschickt wurden. Die Nachfrage wurde aber immer größer, so dass man den Vertrieb einer Firma überlassen hat. Das Bach Centre überwacht aber weiterhin die Herstellung der Urtinkturen, um zu gewährleisten, daß alles so ist, wie es sein soll.

Dr. Bach wurde nur 50 Jahre alt und liegt auf dem Friedhof von Sotwell begraben.

The Red Lion.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

St James‘ Church.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

St Agatha’s.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Old Amersham (Buckinghamshire) – Das Kirchenfest von St Mary’s am 21. Juni 2008

Eigenes Foto.

Wir bleiben heute noch einmal in Old Amersham in Buckinghamshire und begeben uns rund 50 Meter weiter von der Market Hall, die ich gestern vorstellte, in die Church Street, wo die St Mary’s Church emporragt, deren Ursprünge im 13. und 14. Jahrhundert zu finden sind. Ich habe sie und die beiden Kirchhöfe erst kürzlich besucht. Die anglikanische Kirche dient sowohl Old Amersham als auch dem moderneren Amersham als Parish Church.

Alljährlich im Sommer begeht man hier ein Kirchenfest, bei dem allerhand geboten wird wie Musik, Spiele, Speisen und Getränke usw. usw. Eine ganz besondere Church Fete fand am 21. Juni 2008 rund um St Mary’s statt. Es war der Midsummer’s Day, und da kam man auf die Idee, einige der Schauspieler von Midsomer Murders (dt. „Inspector Barnaby“) einzuladen, die schon häufig in Old Amersham gedreht haben, und einige von ihnen kamen der Einladung auch gern nach. Der damalige Produzent der TV-Serie, Brian True-May, hatte die Ehre das Kirchenfest zu eröffnen. Mutter und Tochter Barnaby, also Jane Wymark („Joyce“) und Laura Howard („Cully“) waren u.a. anwesend, die Theremin wurde gespielt, dieses eigenartige berührungsfreie Musikinstrument, das in der Titelmelodie der Krimiserie zu hören ist und auch sonst häufig in den Filmen zum Einsatz kommt (immer wenn es unheimlich wird). Für weitere musikalische Unterhaltung sorgte die Chalfont Wind Band aus Chalfont St Peter. Es gab eine Fancy Dress Parade, eine Hundeshow und Führungen zum Kirchturm von St Mary’s, wo die Amersham Bell Ringer zu Hause sind (hier zu hören, feste Läutzeiten sind immer sonntags um 9.45 Uhr und 17.15 Uhr).

Glücklicherweise wurde an diesem Tag bei der Church Fete kein Mord begangen (was in der Region Midsomer bei solcherart Festen eigentlich eher ungewöhnlich ist), so dass DCI Tom Barnaby nicht eingreifen musste.

St Mary’s in Old Amersham.
Eigenes Foto.

St Mary’s noch einmal bei Nacht.
Eigenes Foto.

Published in: on 20. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Die Market Hall in Old Amersham (Buckinghamshire)

Über einen meiner Lieblingsorte in England, Old Amersham in Buckinghamshire, habe ich schon mehrere Male in meinem Blog geschrieben. Entlang der High Street reihen sich hübsche alte Häuser aneinander, dominiert von dem Hotel King’s Arms, dem Crown Hotel und der Market Hall am Anfang der High Street. Die Markthalle steht unter Denkmalschutz und wurde 1682 erbaut, ein Geschenk von Sir William Drake an Amersham, dessen Member of Parliament er war. Das Wappen der Familie Drake, die damals schon sehr lange in der kleinen Stadt ansässig war, ist in der Market Hall zu finden. Im Erdgeschoss des Gebäudes spielte sich das Markttreiben ab, die Räume darüber dienten und dienen noch für Versammlungen. Das Backsteinhaus wird von einem Türmchen gekrönt, in dem eine Glocke hängt und an dem eine Uhr angebracht ist. Im Jahr 1911 wurde die Market Hall generalüberholt, wofür William Wykeham Tyrwhitt Drake, ein Nachfahre von Sir William Drake, verantwortlich zeichnete. Eine Zeit lang wurde in dem Gebäude ein Feuerwehrfahrzeug untergestellt und es diente eine Weile als Gefängnis.

Der Amersham Town Council vermietet das Obergeschoss, das 1993 komplett renoviert wurde, für Veranstaltungen, Parties, Abendgesellschaften usw.

Old Amersham ist ideal als Drehort für Filme und so waren in den letzten Jahrzehnten immer wieder Filmcrews in der High Street zu sehen. Auch die Market Hall tauchte hin und wieder als Schauplatz in Filmen und TV-Serien auf, so zum Beispiel in „Circus of Horrors“ (dt. „Der rote Schatten“) aus dem Jahr 1960, in dem u.a. Donald Pleasance mitspielte.
1965 wurden Szenen des Musicalfilms „Three Hats for Lisa“ mit Joe Brown und Sophie Hardy in den Hauptrollen an der Market Hall gedreht. Auch in der zweiten Staffel der BBC3-Comedy-Serie „Cuckoo“ dt. („Cuckoo“), die 2012 vom Stapel lief, sind Old Amershams High Street und die Market Hall zu sehen.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, wurden bisher neun Folgen der „Inspector Barnaby„-Krimiserie, zumindest in Teilen, in Old Amersham gedreht.

Ich wohnte bei meinen Aufenthalten dort immer im King’s Arms Hotel, einem uralten Haus mit viel Atmosphäre, das auch schon mehrfach für Filmaufnahmen genutzt wurde. Einen Aufenthalt in Old Amersham kann ich sehr empfehlen. Nur ein paar Meter von der Market Hall entfernt, liegt eines der besten Restaurants Englands, artichoke, daneben ein ebenfalls sehr gutes Restaurant, Gilbeys, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

Hinweistafel auf das Jahr der Erbauung der Market Hall.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zur Gefängniszelle.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Blick durch einen der Torbögen der Market Hall. Gleich links sind die beiden von mir empfohlenen Restaurants zu finden.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Bei einem meiner Besuche erstrahlte der Union Jack an der Market Hall.
Eigenes Foto.

 

 

Streaker bei britischen Sportereignissen

Das Twickenham Stadium, wo William O’Brien und Erica Roe ihre großen Auftritte hatten.
Photo © Keith Williams (cc-by-sa/2.0)

Streaking is the act of running naked through a public place as a prank, a dare, for publicity or an act of protest„, so definiert die Wikipedia das plötzliche Auftauchen nackter oder halbnackter Männer und Frauen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf sich aufmerksam machen möchten, in Deutschland Blitzer oder auch Flitzer genannt. Ray Stevens widmete dieser Spezies einen Song mit dem Titel „The Streak„.

Häufig sind diese „Streaker“ bei Sportereignissen anzutreffen, in England gern auch bei Golf-, Cricket- und Rugbymatches. Im April 1974 soll erstmals ein Flitzer bei einem Rugbyspiel gesichtet worden sein. Der Australier William O’Brien rannte plötzlich bei der Begegnung England gegen Frankreich im Londoner Twickenham Stadium nackt auf den Platz. Polizisten fingen den zeigefreudigen Mann ein; ein Foto von damals zeigt wie ein Polizist seinen Helm vor die Genitalien des Mannes hält.
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Noch berühmter wurde der Auftritt von Erica Roe im Januar 1982 im selben Stadion bei dem Rugbymatch England gegen Australien. Die 25 jährige, die in einer Buchhandlung in Petersfield in Hampshire arbeitete, und zusammen mit ihrer Freundin das Spiel besuchte, zog während der Halbzeitpause ihre Bluse aus (ihre Freundin tat es ihr gleich) und rannte zur Freude der johlenden männlichen Zuschauer mit schwingenden Brüsten auf den Platz. Einige Offizielle bemächtigten sich der beiden jungen Frauen und verhüllten ihre Oberkörper mit einer Englandfahne. Merkwürdigerweise ist nur der Auftritt von Erica Roe, The Twickenham Streaker, in Erinnerung geblieben und nicht der ihrer Freundin. Hier ist ein Film von diesem Ereignis und folgendes Foto ging um die Welt.
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Erica Roe gilt nach wie vor als die berühmteste britische Flitzerin. Sie fand Nachahmer wie die 23jährige Studentin Melissa Johnson, die 1996 in Wimbledon beim Finale der Herren im Tennis für Aufsehen sorgte, als sie, nur mit einer kleinen Schürze bekleidet, auf den Platz lief. Nikki Moffat suchte sich im Juli 1997 die British Open aus, die bei dem Royal Troon Golf Club in Schottland ausgetragen wurden. Sie lief auf den Golfplatz, trug nur ein  Höschen und war am ganzen Körper wie ein Tiger bemalt, wohl um den Golfer Tiger Woods zu beeindrucken.

Published in: on 18. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Penelope Keiths TV-Serie „Hidden Villages“

Milford in Surrey: Wohnort von Penelope Keith.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

Ich glaube, die englische Schauspielerin Penelope Anne Constance Keith, Dame Commander of the Most Excellent Order of the British Empire, ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt. In England wurde sie durch zwei Sitcoms sehr populär, die im deutschen Fernsehen nie gezeigt worden sind: „The Good Life“ (1975-1978) und „To the Manor Born“ (1979-1981). Sie spielte aber auch auf Theaterbühnen die Klassiker wie William Shakespeare, Bernard Shaw und Oscar Wilde.

Auf Channel 4 wurden von 2014 bis 2016 drei Staffeln von „Penelope Keith’s Hidden Villages“ ausgestrahlt, eine Doku-Serie, die das Herz eines jeden höher schlagen lässt, der sich für die Idylle britischer Dörfer interessiert. In jeder Staffel nimmt sich Penelope Keith einer bestimmten Region Großbritanniens an und bereist die „versteckten Dörfer“, die sie dann im Film vorstellt. Ständige Begleiter ihrer Reisen sind die Batsford Travel Guides, jene wunderschön gestalteten Reiseführer aus den 1930er Jahren.

In der ersten Staffel stehen East Anglia,  Nordwest-England und Nord-Wales und die Grafschaften Dorset, Somerset und Wiltshire im Mittelpunkt.
Gestern habe ich mir noch einmal die Episode „The Cotswolds“ aus der dritten Staffel angesehen, in der sie u.a. Bibury, Slad, Blockley, Hook Norton, Kelmscott und Down Ampney besucht.
Ideal ist diese TV-Serie, um sich vor einer Englandreise Tipps und Anregungen zu holen. „Penelope Keith’s Hidden Villages“ gibt es auf DVDaber auch auf Youtube bzw. Dailymotion sind einige Folgen zu sehen. Ein Begleitbuch zu der Serie erschien 2017 unter dem Titel „Hidden Villages of Britain„, das ich gerade lese und demnächst in meinem Blog separat vorstellen werde.

Da die Channel 4-Serie so erfolgreich war, setzte Penelope Keith sie mit einem anderen Schwerpunkt fort. 2017 war sie unter dem Titel „Penelope Keith’s Coastal Villages“ zu sehen und in diesem Jahr wurde in „Village of the Year with Penelope Keith“ Großbritanniens schönstes Dorf gesucht, das Broughshane im County Antrim in Nordirland wurde.

Penelope Keith lebt übrigens selbst auch in einem hübschen Dorf, in Milford in Surrey.

Bibury in Gloucestershire, vorgestellt in der „Cotswolds“-Episode von „Penelope Keith’s Hidden Villages“.
Photo © Alan Hughes (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 17. Juli 2018 at 02:00  Comments (6)  
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Pineapples – Die Ananas in der englischen Architektur

Schottland liegt zwar nicht in meinem Berichtsbereich, aber The Dunmore Pineapple, südöstlich von Stirling gelegen, muss ich einfach anführen, denn das Gebäude gilt als eines der kuriosesten Follies im ganzen Königreich.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Über The Pineapple als Pubnamen habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Man trifft auf die Ananas aber auch in der Architektur als Verzierungselement auf Säulen, Dächern, Brücken usw.

Die Frucht galt viele Jahre lang, weil sie so selten war, als Symbol des Reichtums. Nur sehr wohlhabende Leute konnten sie sich leisten, und so wurde die Ananas häufig auf Landsitzen als architektonisches Stilmittel verwendet, aus Gips, Holz oder anderen Materialien.
Ich habe hier einmal einige Beispiele zusammengestellt:

Hier im Mount Edgcumbe House and Country Park in Cornwall wird ein Brückengeländer mit den exotischen Früchten verziert.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Die Spitze der Corn Exchange in Bridgwater (Somerset) wird von einer Ananas verschönert.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Zwei mit „pineapples“ gekrönte Obelisken zieren die Zufahrt zur Londoner Lambeth Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Steinerne Früchte auf einer Balustrade im Godmersham Park bei Chilham in Kent.
Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Das Manor Farmhouse in Urchfont, südlich von Devizes in Wiltshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Und auch in Kirchen ist die Ananas zu finden wie hier auf einem Taufstein in der Holy Trinity Church in Wensley bei Leyburn in North Yorkshire.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Juli 2018 at 02:00  Comments (6)  
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Daniel Defoes Memorial auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields

This Monument is the result of an appeal in the „Christian World“ newspaper to the boys and girls of England for funds to place a suitable memorial upon the grave of Daniel De-Foe. It represents the united contributions of seventeen hundred persons. Septr. 1870„, so steht es zu lesen auf dem Monument, das zu Ehren des Schriftstellers Daniel Defoe (1660-1731) auf dem Londoner Friedhof Bunhill Fields im Stadtteil Islington errichtet wurde. Daniel Defoes berühmtestes Buch „Robinson Crusoe“ erschien 1719 und sein genauer Titel lautet „The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver’d by Pirates. Written by Himself“. Es ist ein Werk der Weltliteratur, das bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist.

In den letzten Jahren seines Lebens war Defoe hoch verschuldet, und er versteckte sich vor den Leuten, deren Kredit er nicht zurückzahlen konnte. Wann genau er in London starb, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, am häufigsten wird das Datum 24. April 1731 genannt. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Bunhill Fields und auf seinem unscheinbaren Grabstein stand der Name „Mr. Dubow“ (wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Schreibfehler). 1853 wurde der Friedhof geschlossen und 1870, nachdem „Robinson Crusoe“ zu einem großen Erfolg geworden war, kam man zu der Ansicht, dass dem Schriftsteller ein größeres Andenken gebührte. In dem Magazin „Christian World“ erfolgte ein Spendenaufruf, durch den £150 gesammelt wurden, was damals sehr viel Geld war. Der Bildhauer Samuel Horner wurde beauftragt, einen Obelisken zu schaffen, der dann am 16. September 1870 in Anwesenheit von drei Urenkelinnen des Schriftstellers eingeweiht wurde.

Das Monument steht übrigens nur drei Schritte von dem Grabstein des ebenfalls berühmten Dichters William Blake entfernt, der 1827 starb.

Bunhill Fields liegt mitten in London zwischen den Straßen Bunhill Row und City Road; der Friedhof ist frei zugänglich und täglich geöffnet.

Wer den Roman „Robinson Crusoe“ gelesen hat und davon angetan war, ist herzlich willkommen, sich bei Daniel Defoe mit einer Blume zu bedanken und diese an seinem Monument zu hinterlegen.

Dieser Film zeigt den Friedhof Bunhill Fields und auch Daniel Defoes Obelisken.

Daniel Defoe und sein direkter Nachbar, William Blake.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain

Foto meines Exemplares.

David McKies Buch „Great British Bus Journeys: Travels Through Unfamous Places“ habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt. Darin schreibt er von seinen Reisen quer durch Großbritannien, bei denen er ausschließlich Linienbusse benutzt.
Auch in McKies aktuellem Buch „Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain“ reist er mit Linienbussen durch das Land, allerdings nur mit denen, die eine Route befahren, in der die Nummer „94“ vorkommt, wobei auch „394“, „494“ oder „594“ zulässig sind. Er hätte auch jede andere Busroute mit einer anderen Nummer wählen können, aber McKie meinte, dass die „94“ am besten passen würde.

„This is a book not about buses, it’s a book about where they take you“, so beginnt „Riding Route 94“ und beschreibt, was den Leser erwartet. Links und rechts am Straßenrand begegnen wir Dörfern und Städten, über die es viel zu sagen gibt, und David McKie macht das auf eine äußerst interessante Weise. Hier sind einige Beispiele:

Eine der Linien 94 führt von Oxford über Charlton-on-Otmoor nach Bicester und in diesem Kapitel stehen die Otmoor Riots im Mittelpunkt, bei denen die Menschen in dieser Region in den Jahren 1829 bis 1835 dagegen protestierten, dass man ihnen ihr Recht entzog, auf „common land“ ihre Tiere weiden zu lassen.

Die Linie 494 verbindet Selby und Tadcaster in North Yorkshire und führt an dem Schlachtfeld von Towton vorbei, wo am 29. März 1461 eine der blutigsten Schlachten der englischen Geschichte ausgetragen wurde, und die Truppen des Hauses York auf die des Hauses Lancaster stießen. McKie geht ausführlich auf dieses Ereignis ein.

Im Nordosten Englands führt eine Buslinie 94 von Gateshead über Team Valley, Low Fell, Felling und Heworth wieder nach Gateshead zurück. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Stadt Gateshead und die Rivalität mit Newcastle, beide durch den River Tyne getrennt. Gateshead gilt als das hässliche Entlein, auf das das stolze Newcastle mit Verachtung von der anderen Flussseite herüberblickt.

Ein richtig interessantes und empfehlenswertes Buch!!

David McKie: Riding Route 94 – An Accidental Journey through the Story of Britain. Pimpernel Press 2017. 246 Seiten. ISBN 978-1-910258-34-7.

Auch mit diesem Bus der Linie 94 von Gloucester nach Cheltenham war David McKie unterwegs.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Charlton-on-Otmoor.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Das Schlachtfeld von Towton mit einer Erinnerungsstätte.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Gateshead (links) und Newcastle (rechts) am River Tyne.
Photo © Andrew Tryon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  

Westwood Quarry – Ein Steingruben-Tunnelsystem in Wiltshire

Ein Blick in einen der Tunnel.
Photo © Noel Jenkins (cc-by-sa/2.0)

Schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in Westwood in Wiltshire, ein paar Kilometer westlich von Bradford-on-Avon, Stein abgebaut, um damit Häuser in Bath zu bauen. Auch die Holy Trinity Church in Trowbridge, ebenfalls in Wiltshire gelegen, wurde aus den Steinen vom Westwood Quarry gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte entstand so ein weit verzweigtes Tunnelsystem, das für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet wurde. So legte die Agaric Mushroom Company hier eine Champignonzucht an, da die Pilze das feuchte Klima lieben und entsprechend gut gedeihen. Im Zweiten Weltkrieg musste ein Teil der Pilzzucht weichen, um Platz zu machen für Werkstätten, in denen die Firma Royal Enfield spezielle Geräte für Luftabwehrgeschütze (anti-aircraft predictors), produzierte (hier ist ein Film wie die ehemaligen Produktionsanlagen heute aussehen).

Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg beherbergte der Westwood Quarry riesige Kunstsammlungen, die hierher gebracht wurden, um sie vor den deutschen Luftangriffen zu schützen. London war das bevorzugte Ziel der Luftwaffe, die über der Stadt Unmengen an Bomben abwarfen. In den großen Museen fürchtete man, dass die dort untergebrachten Kunstschätze zerstört werden könnten und so suchte man im ganzen Land nach sicheren Unterbringungsmöglichkeiten. Abgelegene Landsitze boten sich dafür an, aber bei genauerem Hinsehen stellte man fest, dass die Sicherheit dort nicht immer gewährleistet war, und die Besitzer der Country Houses waren von dieser Idee nicht ganz so begeistert, als sie erfuhren, dass sie für die Unterbringung der Schätze kein Geld erhalten sollten.
So bot sich der Westwood Quarry an, in den Kunstgegenstände aus dem British Museum, dem Victoria & Albert Museum und der National Portrait Gallery gebracht wurden. Die weltberühmten Elgin Marbles aus dem British Museum fanden in den Höhlen eine Zeit lang sicheren Unterschlupf, das Flugzeug der Brüder Wright, das damals im London Science Museum untergebracht war, transportierte man nach Wiltshire, damit es den Krieg unbeschadet überstehen konnte, und auch die Kronjuwelen wurden in Westwood sicher gelagert, wovon sich Queen Mary bei einem Besuch im Jahr 1943 überzeugen konnte. Damit die wertvollen Gegenstände in der feuchten Luft keinen Schaden nahmen, installierte man eine Klimaanlage und sicherte das Tunnelsystem mit Spezialtüren ab.

Der Westwood Quarry wird auch heute noch als Lagerstätte für Archiv- und Dokumentationsmaterial genutzt.

Erbaut aus Steinen aus dem Westwood Quarry: Die Holy Trinity Church in Trowbridge (Wiltshire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Cartmel – Ein Gourmet-Dorf im Süden der Grafschaft Cumbria

The Square in Cartmel.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Cartmel ist ein Dorf im äußersten Süden der Grafschaft Cumbria, vielleicht denjenigen bekannt, die die nicht weit entfernte Holker Hall besucht haben. Der Ort rühmt sich einiger kulinarischer Besonderheiten, von denen eine der sehr süße Sticky Toffee Pudding ist, eine Art Biskuitkuchen mit Datteln und Toffee, der auch gern mit Vanillesauce serviert wird. Ursprünglich soll das Rezept aus Kanada stammen, im luxuriösen Sharrow Bay Hotel am Ullswater Lake in Cumbria weiterentwickelt und verfeinert worden sein.

Im Cartmel Village Shop am Hauptplatz des Ortes, The Square, wird der Sticky Toffee Pudding seit über 20 Jahren hergestellt. In dem Laden war auch einmal das Postamt untergebracht, von dem sich die Besitzer aber trennten, als sich das Geschäft mit der Süßigkeit immer weiter entwickelte und mehr Zeit in Anspruch nahm. Heute gibt es noch weitere Varianten wie den Sticky Banana Pudding und den Sticky Toffee Apple Crumble, die auch alle online geordert werden können. Aber einige der großen Supermarktketten haben die Süßspeise aus Cartmel auch im Angebot. In diesem Film zeigt Nigella Lawson wie man den Sticky Toffee Pudding herstellt, der besonders gern zu Weihnachten verspeist wird.

Die zweite kulinarische Besonderheit von Cartmel ist, dass es hier eines der besten Restaurants im ganzen Land gibt, in das Gourmets von weit her angereist kommen, um die Kochkunst von Simon Rogan zu probieren. Sein L’Enclume, in einem schlichten Steinbau am Ufer des River Eea untergebracht, wurde 2014 zum Restaurant of the Year ausgerufen, vom Good Food Guide schon viermal zum besten Restaurant Großbritanniens ernannt und es hat bereits zwei Michelin-Sterne bekommen. Simon Rogans Schwester-Restaurant Rogan & Co befindet sich ebenfalls in Cartmel, ein paar Schritte vom Village Store entfernt, wo man auch ein Geschäft findet, das Produkte aus der Region von der Farm des Chefkochs kaufen kann.

Cartmel ist wirklich schon ein richtiges Gourmet-Dorf geworden, im Unsworth’s Yard findet man Spezialitätenläden, zum Beispiel für Käse und Wein, und die Unsworth’s Yard Brewery stellt Biere her wie das Cartmel Peninsula und das Land of Cartmel. Wer also Interese an diesen schönen Dingen hat, sollte auf jeden Fall in dem Dorf vorbeischauen.

The Village Store – Von hier kommt der Sticky Toffee Pudding.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Das Sharrow Bay Country House Hotel am Ullswater Lake, wo der Sticky Toffee Pudding weiterentwickelt wurde.
Photo © Anthony Parkes (cc-by-sa/2.0)

Simon Rogans L’Enclume.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Unsworth’s Yard.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„London’s Swinging 60s Experience“ – Nostalgische Stadtrundfahrten auf den Spuren eines prägenden Jahrzehnts

Die King’s Road in Chelsea.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

In den 1960er Jahren war London Europas Mittelpunkt, was die Musik und die Mode anging. Die Beatles und unzählige weitere Bands, die im Kielwasser der vier Boys aus Liverpool mit schwammen, Mary Quant, die Erfinderin des Minirocks, das Model Twiggy, sie alle prägten das Lebensgefühl der Swinging 60s. Dieser Film stimmt zum Thema ein.

Nostalgische Stadtrundfahrten auf den Spuren der 60er Jahre bietet die Firma Music Heritage London an, mit einem roten Routemaster Doppeldeckerbus und untermalt mit Musik aus dieser Zeit. Drei Touren stehe auf dem Programm:

Swinging 60s London. Eine einstündige Tour, die zu den neuralgischen Punkten jener Zeit führt wie zur King’s Road, wo man sich traf, zur Royal Albert Hall, zu Mary Quants Laden „Bazaar“, wo der Minirock das Licht der Welt erblickte. Musik des damaligen Piratensenders Radio Caroline trägt zur Verstärkung der nostalgischen Atmosphäre an Bord des Busses bei. Der Preis: £20.

Rock and Roll London. Zwei Stunden dauert diese Tour, auf der ebenfalls Musik und Mode der 1960er Jahre im Mittelpunkt stehen. Die Fahrt geht vorbei an den damaligen Wohnhäusern der Stars und endet in Londons Rock Museum neben dem Hard Rock Café, wo Erinnerungsstücke der Großen der Rockszene aufbewahrt werden. Der Preis: £30.

The Rolling Stones and Beatles in West London. Eine dreistündige Tour, die u.a. durch Chelsea führt, wo die Bandmitglieder früher einmal wohnten, zur Eel Pie Island, einer Insel in der Themse, wo die berühmtesten Stars der 60s auftraten und zu den Twickenham Studios, in denen die Beatles ihre Filme „A Hard Day’s Night“ und „Help!“ drehten. Der Preis: £35.

Hier ist ein kurzer Werbeclip für die Touren.

Eel Pie Island.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Gondola – Ein in venezianischem Stil gebautes Boot, das auf dem Coniston Water im Lake District unterwegs ist

Coniston Water ist einer der malerisch gelegenen Seen im Lake District im Nordwesten Englands, etwas über acht Kilometer lang, fast 800 Meter an seiner breitesten Stelle und bis zu 56 Meter tief. Bekannt wurde Coniston Water als der See, auf dem immer wieder Geschwindigkeitsrekorde mit Booten aufgestellt wurden. Am 4. Januar 1967 starb Donald Campbell hier, als sich sein Boot Bluebird bei einer Geschwindigkeit von über 500 km/h überschlug.

Sehr viel langsamer ist das Schiff Gondola, das auf dem Coniston Water mit nur 15 km/h bis 20 km/h die Fluten durchpflügt und Touristen auf mehreren Routen über den See transportiert. Die Form des Schiffes ist ungewöhnlich und erinnert, wie es der Name vermuten lässt, an eine venezianische Gondel. Am 30. November 1859 erfolgte der Stapellauf des 200 Passagiere fassenden Schiffes Steam Yacht (SY) Gondola, das nach dem damaligen neuesten Stand der Technik gebaut wurde. Bis zum Jahr 1936 war das Boot im Einsatz, dann wurde es stillgelegt und als Hausboot benutzt. Mehrere Jahrzehnte dämmerte Gondola am Südufer des Sees vor sich hin, verfiel und wurde um ein Haar verschrottet. Doch dann trat Mitte der 1970er Jahre der National Trust auf den Plan und nahm sich des Schiffes an. Es wurde mit sehr viel Aufwand von Grund auf renoviert, mit einer neuen Maschine versehen, und SY Gondola lief am 25. März 1980 zum zweiten Mal vom Stapel. Die Jungfernfahrt erfolgte im folgenden Jahr am 8. Juni.

Der National Trust als Eigentümer lässt das Schiff jedes Jahr von März bis Oktober über das Coniston Water gleiten und bietet einmal die Full Lake Cruise ( £21) an, die 105 Minuten dauert und am Coniston Pier im Norden des Sees startet, und die Head of the Lake Cruise (£11), die 45 Minuten dauert. Darüber hinaus werden noch weitere Spezialtouren angeboten.

Hier sind Impressionen von Bord des Schiffes zu sehen.

Photo © John M (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Juli 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Simon Leyland: A Curious Guide to London – Tales of a City

Foto meines Exemplares.

Wie Simon Leyland im Vorwort zu „A Curious Guide to London – Tales of a City“ berichtet, entstand die Initialzündung zu seinem Buch an einem regnerischen Tag in London, als er in einem Pub zufällig auf einen Mann trifft, der seit zwanzig Jahren an einer Straßenecke Zeitungen verkauft und der ihm im Laufe der Unterhaltung, garniert mit einigen Pints, kuriose Geschichten über London erzählt, die Leyland erst einmal für nicht recht wahrscheinlich hält. Doch später stellt sich heraus, dass der Zeitungsverkäufer keine „tall tales“ verbreitet hat, sondern, dass alles stimmte. Von diesem Treffen im Pub inspiriert, macht sich Simon Leyland auf die Suche nach weiteren Londoner Kuriositäten und hat diese in seinem Buch zusammengefasst.

Der ehemalige Aktienhändler in der Londoner City hat eine Menge Witziges, Skurriles und Kurioses ausgegraben wie etwa

Mr Crapper’s Bottom Slapper, die Erfindung von Thomas Crapper, einem Experten für Sanitärinstallationen (ja, der hieß wirklich so!), bei der es sich um einen neuartigen Toilettensitz handelte, der aber nicht so funktioniertr wie er eigentlich sollte (der Name „Bottom Slapper“ deutet auf die Fehlfunktion hin).

Londons smuttiest windows, bei denen es um den Penis von Prince Albert geht, eingeritzt in die Milchglasfenster eines Pubs (ich berichtete in meinem Blog davon, in meinem erotischen Spaziergang durch London).

Die kleine Londoner Straße Carting Lane, die aus gutem Grund gern auch Farting Lane genannt wird. Näheres in meinem früheren Blogeintrag.

Mr Kessler’s Birthday Party, die legendäre Geburtstagsfeier eines reichen Amerikaners im Luxushotel Savoy, wobei die Lagunenstadt Venedig als Thema gewählt wurde, Enrico Caruso sang und ein Elefant eine riesige Geburtstagstorte zu den Gästen brachte.

Wer Kurioses mag und eine andere Seite der Stadt London kennen lernen möchte, wird dieses sehr empfehlenswerte Buch mit viel Vergnügen lesen!

Simon Leyland: A Curious Guide to London – Tales of a City. Bantam Press 2014. 218 Seiten. ISBN 978-0-59307-323-0.

Published in: on 9. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  

Blencathra, der Berg im Lake District, der verkauft werden sollte

Der Blencathra in Cumbria.
Photo © Walter Baxter (cc-by-sa/2.0)

Hugh Lowther, der 8. Earl of Lonsdale bekam ein Problem, als der Staat im Jahre 2014 £9 Millionen Erbschaftssteuer von ihm haben wollte. So eine Summe bezahlt auch ein englischer Earl nicht mal so eben aus der Portokasse. Rund 120 qkm² umfasst das Lonsdale Estate in der Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands und darin befindet sich der 868 Meter hohe Berg Blencathra, der auch Saddleback genannt wird, und dessen hervorstechendstes Merkmal die Sharp Edge, ein rasiermesserscharfer Grat ist, dessen Begehung nur schwindelfreien Bergwanderern zu empfehlen ist.

Diesen schönen Berg wollte der Earl of Lonsdale verkaufen und bot ihn für £1.75 Millionen an, um seine Schuldenlast zu minimieren. Eigentlich ist das nicht zuviel für diese Naturschönheit, doch was würde ein potentieller Käufer damit machen, fragten sich viele Menschen aus der Umgebung? Würde ihnen vielleicht der Zugang verweigert? Die Friends of Blencathra gründeten sich, mit dem Ziel, so viel Geld wie möglich zu sammeln, um dem Earl ein Kaufangebot zu unterbreiten. Leider bekamen sie nur die relativ klägliche Summe von £246,650 zusammen, was natürlich bei weitem nicht reichte. Die Zahl der Interessenten an dem Berg war sehr überschaubar, obwohl der Käufer automatisch den Titel Lord of the Manor of Threlkeld erhalten würde (Threlkeld ist der nächstgelegene Ort), was ja nicht schlecht klingt.

Kurz und gut, es fand sich niemand, der den imposanten Berg haben wollte; der Earl of Lonsdale überlegte es sich anders und zog sein Angebot zurück. Blencathra war nicht mehr auf dem Markt.

Im vorigen Jahr drehte Terry Abraham für die BBC den einstündigen Dokumentarfilm „Life of a Mountain: A Year on Blencathra„, eine Hommage an den Berg in Cumbria, der auch als DVD vorliegt. Hier ist ein Trailer zu sehen.

Die Sharp Edge.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 8. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Cornhill Devils in der City of London – Ein erbsenzählerischer Vikar und ein rachsüchtiger Architekt

St Peter upon Cornhill, rechts daneben das braune Haus mit den Teufeln.
This work has been released into the public domain by its author, Bashereyre .

Es war einmal…ein pedantischer Vikar an der Kirche St Peter upon Cornhill in der City of London. Die Kirche wurde 1666 beim Großen Feuer von London zerstört und von Sir Christopher Wren (von wem auch sonst?) wieder aufgebaut. Im Jahr 1893 sollte die Kirche ein neues Nachbargebäude bekommen und zwar ein mehrstöckiges Bürohaus. Schon damals ging es dort ziemlich eng zu, und der Architekt des neuen Hauses, Ernest Augustus Runtz (1859-1913), gab sich die größte Mühe, auf seinen Plänen das Gebäude neben die Kirche zu platzieren. Als der Vikar die Pläne sah, bemerkte er, dass das Haus ein ganz kleines Stückchen auf das der Kirche gehörende Gelände ragen würde. Sofort legte er wutschnaubend bei dem Architekten Protest ein. Das geht ja nun gar nicht, meinte der Kirchenmann, und sprach von Diebstahl. Zähneknirschend musste Mr. Runtz seine bisherigen Pläne in die Tonne treten und wieder von vorn anfangen, was natürlich Zeit und Geld kostete. Schließlich wurde das Bürohaus fertiggestellt in einem „asymmetrical Loire Château style“ wie Nikolaus Pevsner in seinem Buch „Architectural Guide to the City of London“ schreibt.

Ernest Augustus Runtz ließ es sich aber nicht nehmen, sich an dem Vikar von St Peter upon Cornhill zu rächen. Er brachte an seinem Gebäude, das die Adresse 54-55 Cornhill trägt, drei Teufel an, die furchterregende Fratzen haben und die böse von dem Runtzschen Haus herunter auf den Eingang der Kirche starren. Das Gesicht des grässlichsten Teufels soll sogar die Züge des Vikars tragen, der dem Architekten so viel Ärger bereitet hatte.

St Peter’s ist regelrecht eingeklemmt zwischen den Häusern an der Gracechurch Street und Cornhill.

 

Tadcaster – Die Brauereistadt am River Wharfe in North Yorkshire

Die Tower Brewery.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Fährt man in die Stadt Tadcaster hinein, auf halbem Weg zwischen Leeds und York in North Yorkshire gelegen, riecht man sofort, dass hier Bier gebraut wird. Die Stadt am River Wharfe (ich berichtete in meinem Blog über die große Weihnachtsflut 2015, bei der die Tadcaster Bridge außer Gefecht gesetzt wurde) beherbergt drei große Brauereien, früher waren es sogar einmal vier.

Da ist zuerst einmal die Tower Brewery an der Wetherby Road, der A659, die 1882 hier gegründet wurde, vorher aber in York ansässig war. Im Laufe ihres Bestehens wechselte die Brauerei mehrfach die Besitzer, was in England häufig vorkommt. Jahrelang gehörte sie zu dem riesigen Bass Charrington-Konzern, bis dieser dann von der noch größeren Molson Coors Brewing Company aus den USA übernommen wurde. Will Swales hat einmal ein Buch über die Geschichte der Brauerei geschrieben, „The History of the Tower Brewery in Tadcaster“, die allerdings nur bis zum Jahr 1991 reicht.

Dann haben wir an der High Street, ebenfalls die A659, die Samuel Smith Brewery, Yorkshires älteste, die, oh Wunder, nicht zu einem der großen Braukonzerne gehört. 1758 gegründet, ist sie noch heute in Familienbesitz. Eine breite Palette an Bieren werden bei Samuel Smith hergestellt, vom Klassiker, dem Old Brewery Bitter, bis hin zu Exoten wie dem Organic Chocolate Stout. 200 Pubs gehören zu Samuel Smith, nicht nur in Yorkshire, sondern auch im ganzen Land, darunter 20 Pubs in London; dort bekommt man ausschließlich Biere der Brauerei aus Tadcaster angeboten. Eine Besonderheit: In den Pubs sind Radio, Fernsehen oder Hintergrundmusik verpönt. Man kann sich dort also in Ruhe unterhalten.

Und schließlich gibt es in Tadcaster noch die John Smith’s Brewery, 1852 gegründet, die heute zum Heineken-Konzern gehört und das meistverkaufte Bitter weltweit produziert. John Smith’s Original und John Smith’s Extra Smooth sind die beliebtesten Biere, die hier gebraut werden. Man bekommt sie eigentlich überall im Vereinigten Königreich.

Samuel Smith’s Old Brewery.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Bristol Hum – Ein Brummton-Phänomen, das die Bewohner der Stadt Bristol nervt

Die M32 in Bristol. Kommt das merkwürdige Geräusch von hier?
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Im November 1989 wurde in Großbritannien die Low Frequency Noise Sufferers Association gegründet, in der sich Menschen zusammentaten, die sich von dem Brummton-Phänomen genervt fühlten, das sich in einigen Städten des Königreichs manifestierte, vor allem in Bristol im Südwesten des Landes. Der sogenannte Bristol Hum ist dort schon seit mehreren Jahrzehnten zu hören und niemand weiß, wo das Geräusch herkommt. Nicht jeder kann es hören, doch viele Bristolians stört es vor allem nachts, wenn der niederfrequente Ton deutlicher zu hören ist. Er ist auch nicht ständig da, manchmal herrscht eine Zeit lang Ruhe und dann ist das Geräusch plötzlich wieder zu hören.

Die Behörden der Stadt haben schon alles Mögliche unternommen, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, auch Wissenschaftler haben sich darüber den Kopf zerbrochen und die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, aber bis heute gibt es noch keine endgültige Auflösung des Rätsels. Hier sind einige dieser Theorien:

Französische Wissenschaftler, die sich auf die Spur des Bristol Hums gesetzt haben, sind der Überzeugung, dass sich das Phänomen durch  Wellen auf dem Boden des Meeres erklären lässt, durch die eine Vibration erzeugt wird.

Windparks in der Umgebung der Stadt, die Autobahn M32 und Hochspannungsleitungen wurden als Verursacher ins Gespräch gebracht.

Einem großen Lüfter auf einem Industriegelände in Avonmouth schob man die Schuld in die Schuhe, und als dieser abgeschaltet wurde, herrschte eine Weile Ruhe, doch dann war das Geräusch wieder zu hören.

Dann kam man auf die Idee, dass das Brummton-Phänomen gar nicht existiert, und dass diejenigen, die das Geräusch hören, unter Tinnitus leiden.

Ist etwa das Filton Aerodrome schuld, auf dem British Aerospace geheime Forschungen betreibt?

Eine recht absonderliche Theorie ist die, dass riesige Schwärme des Nördlichen Bootsmannfisches verantwortlich sein sollen und zwar durch die Paarungsgeräusche der Männchen und Weibchen, die es gern laut beim Sex haben.

Ich habe hier zwei Beispiele für den Bristol Hum, so dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann, was dieses Geräusch wohl bedeuten mag: Beispiel 1 und Beispiel 2.

Windräder in Avonmouth bei Bristol. Auch die können eigenartige Geräusche verursachen.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Der Nördliche Bootsmannfisch: Sind er und seine Artgenossen und -genossinnen schuld am Bristol Hum?
This work is in the public domain.

 

Published in: on 5. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charity Shops in englischen High Streets

Zwei Charity Shops nebeneinander in Exeter (Devon).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich finde es grundsätzlich eine sehr gute Sache, wenn Leute ihre nicht mehr benötigten Sachen nicht wegwerfen, sondern zur weiteren Verwendung an Wohltätigkeitsläden, im Englischen „charity shops„, weitergeben, die aus dem Verkaufserlös entsprechende Organisationen fördern und unterstützen. In vielen Fällen werden Kleidungsstücke, Bücher, CDs usw. zu den Läden gebracht.

In Deutschland fallen diese Charity Shops im Straßenbild kaum auf, in England ist das ganz anders. Wenn irgendwo in der High Street einer Stadt ein Geschäft schließt, zieht dort häufig einer dieser Läden ein, was dazu führt, dass die Haupteinkaufsstraße allmählich einen ganz anderen Charakter bekommt, denn besonders schön anzusehen sind die Schaufenster und Auslagen der Charity Shops nicht. Zusammen mit  Billigläden wie Poundland, Poundworld etc., wo man einen Großteil der angebotenen Waren für £1 kaufen kann, bekommen die High Streets ein unattraktives Image und sie laden nicht mehr zum Schaufensterbummeln ein. Die Folge: Immer mehr wandern zu den großen Supermarktketten oder Shopping Malls an den Rändern der Städte ab, und die High Streets veröden weiter.

Am 15. April diesen Jahres schrieb ich in meinem Blog über meinen Kurzbesuch in der Kleinstadt Uckfield in East Sussex, ein Beispiel für den Niedergang der englischen Einkaufsstraßen. Auf einer Strecke von wenigen hundert Metern traf ich auf sage und schreibe 7 Charity Shops (vielleicht habe ich auch noch einige übersehen):

The British Heart Foundation. Sie unterhält über 700 Läden im ganzen Land mit steigender Tendenz. Wie bei anderen Organisationen auch arbeiten in den Shops unbezahlte Kräfte, lediglich der Manager und ggf. sein Vertreter werden bezahlt.

Wenige Schritte weiter fand ich einen Laden der Cancer Research UK, von denen es im Königreich fast 600 gibt.

Dann war da ein Charity Shop des St Peter & St James Hospice, einem Hospiz, das sich sterbenskranker Menschen in der Region Haywards Heath, Burgess Hill, Uckfield und Lewes annimmt.

Es folgte ein Laden des Kit Wilson Trusts for Animal Welfare, einer Organisation, die 1975 gegründet wurde und die sich speziell um Hunde und Katzen, aber auch um wild lebende Tiere kümmert.

Weiter ging es mit einem Laden des Chestnut Tree House, einem Kinderhospiz für East und West Sussex, 2003 gegründet, das in Arundel (West Sussex) zu finden ist.

Als nächstes folgte ein Charity Shop des St Wilfrid’s Hospice, das in Chichester ansässig ist.

Und schließlich fand ich einen Laden des Hospice in the Weald, einem Hospiz, das am Stadtrand von Tunbridge Wells in Kent liegt.

Ich gönne diesen Organisationen wirklich jeden Penny, den sie durch die Charity Shops einnehmen. Eine Bereicherung des Straßenbildes sind sie leider nicht.

Saffron Walden in Essex.
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Zwei Charity Shops Tür an Tür in Cinderford (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Die Calendar Girls des Rylstone & District Women’s Institute aus North Yorkshire

Cracoe Village Hall, wo sich die Damen des Rylstone Women’s Institute regelmäßig treffen.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Im allgemeinen verbindet man der Aktivitäten der britischen Women’s Institutes (WI), berechtigt oder auch nicht, mit Kuchenbacken, Rezepte austauschen, gemeinsamem Teetrinken usw. Einige Damen des WI Rylstone and District in der Grafschaft North Yorkshire machten von sich reden, als sie am 12. April 1999 einen Kalender veröffentlichten, der nicht aus netten Katzen- oder Blumenfotos bestand, sondern aus Nacktfotos von sich selbst. Die WI-Damen waren keine ganz jungen Frauen mehr, sondern schon etwas fortgeschrittenen Alters (45-66), also gehörte  etwas Mut dazu, sich hüllenlos ablichten zu lassen. Allerdings ging man etwas diskreter vor, wie beispielsweise auf Playboy-Fotos, und verdeckte die intimeren Zonen der Körper. Der Kalender wurde im Devonshire Arms in Cracoe der Öffentlichkeit vorgestellt. Geplant war ursprünglich, dass er nur in dieser Region von North Yorkshire zum Verkauf angeboten werden sollte, doch, wer hätte das gedacht, binnen einer Woche war er ausverkauft. 10 000 Exemplare wurden nachgedruckt und auch die gingen in wenigen Wochen über die Ladentische. Ende 1999 hatte man tatsächlich 88 000 Stück verkauft. Es gab sogar eine Version des Kalenders für den US-Markt, der ebenfalls in hohen Stückzahlen abgesetzt werden konnte. Die Ladies aus der abgeschiedenen Region der Yorkshire Dales waren international im Gespräch und wurden zu Talkshows eingeladen, wo sie auch erklärten, warum sie die freizügigen Aufnahmen von sich hatten lassen machen.

Der Ehemann einer der WI-Damen war an dem Non-Hodgkin-Lymphom gestorben, und ihre Freundinnen wollten ihr durch den Verkauf des Kalenders finanziell etwas unter die Arme greifen. Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass sie insgesamt rund £3 Millionen einsammeln konnten, Geld, das sie der Leukaemia & Lymphoma Research (heute Bloodwise genannt) zur Verfügung stellten.

Diese Kalender-Aktion inspirierte den englischen Regisseur Nick Cole, daraus einen Spielfilm zu machen, für den er hochkarätige Schauspielerinnen gewinnen konnte wie Helen Mirren, Julie Walters, Celia Imrie und Penelope Walton (die Isobel Crawley in „Downton Abbey“). Der Film erhielt den British Comedy Award und die beiden Akteurinnen Helen Mirren und Julie Walters wurden für mehrere Preise nominiert. Gedreht wurde „Calendar Girls“ (dt. „Kalender Girls“) in der näheren Umgebung des Originalschauplatzes, u.a in Kettlewell, Settle und Buckden. Hier ist der Trailer zum Film.

Weiterhin wurde aus dem Stoff ein Musical gemacht, das im November 2015 im Grand Theatre in Leeds seine Premiere feierte und ein Theaterstück, das im Londoner Noel Coward Theatre aufgeführt wurde.

Hier, im Devonshire Arms in Cracoe (North Yorkshire) wurde der Kalender vorgestellt.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Einer der Drehorte des Films „Calendar Girls“: Die Autowerkstatt von Kettlewell in North Yorkshire.
Photo © Doug Elliot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Spukorte – Racton Ruin bei Racton in West Sussex

Als ich Dave Hamiltons Buch „Wild Ruins“ in meinem Blog vorstellte, erwähnte ich ganz kurz das Racton Folly in West Sussex, auf das ich heute etwas ausführlicher eingehen möchte. Der romantische, verfallene Turm wird auch Racton Ruin und Racton Monument genannt. George Montagu-Dunk, 2nd Earl of Halifax, ließ den 24 Meter hohen, auf einem Hügel stehenden Turm zwischen 1766 und 1775 erbauen. Welches seine Beweggründe gewesen sein mögen, ist unklar. Möglicherweise wollte der Earl oben vom Turm die nahe Küste beobachten wie seine Handelsschiffe, aus Nordamerika kommend, dort im Hafen anlegten.

Seit mehr als 100 Jahren kümmerte sich niemand mehr um diese immer noch eindrucksvolle Ruine, die aber inzwischen wieder in privater Hand ist. Da der Turm sehr einsam in einem kleinen Wäldchen steht, ist er zu einem bevorzugten Ziel für einige zwielichtige Elemente geworden, die dort Drogen nehmen. Auch einige Okkultisten haben sich diesen Ort erwählt, um ihre Rituale an dem alten Gemäuer durchzuführen. Selbstmörder nutzten das Racton Monument, um sich hier vom Leben zu verabschieden.

Geisterjäger haben sich des Nachts mehrere Male am Turm eingefunden, denn es heißt, die Racton Ruin wäre „haunted“. Da ist die Rede davon, dass Steine von oben herunter geworfen werden, eine geisterhafte Frau soll um den Turm herumlaufen und einige nächtliche Besucher berichteten, dass sie plötzlich gestoßen worden sind.

Hier ist ein Film, der die geheimnisvolle Atmosphäre des Turms zeigt, von einer Drohne aus aufgenommen.

Wer jetzt Lust verspürt, die Racton Ruin einmal aufzusuchen: Sie liegt am Monument Lane, einem Weg, der von der B2147 bei Racton abzweigt, ein Ort der nur aus einer Handvoll Häusern besteht und wenige Kilometer von den Küstenorten Emsworth und Havant entfernt ist.

Haunted Racton Ruin.
Photo © Pete Diaper (cc-by-sa/2.0)