Die geplante Start- und Landebahn 3 des Londoner Flughafens Heathrow und die Auswirkungen auf die umliegenden Ortschaften

Compulsary purchase„, also Zwangsenteignung, ist ein Wort, das seit Jahren wie ein Damoklesschwert über den Bewohnern der Orte Harmondsworth, Sipson und Longford schwebte, die alle im Dunstkreis des riesigen Flughafens London Heathrow liegen. Immer wieder war die Rede davon, dass der Flughafen eine dritte Start- und Landebahn brauche. Noch David Cameron in seiner Zeit als Premierminister versprach den Menschen in den betroffenen Orten, dass es unter ihm keine Flughafenerweiterung geben würde. Auch der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson favorisierte andere Zukunftspläne; aber das ist jetzt alles hinfällig geworden, das Damoklesschwert hat zugeschlagen, denn das Parlament genehmigte vor wenigen Tagen den dritten „runway“. Entsprechend entsetzt war die Reaktion der Menschen, die nun eine Zwangsenteignung ihrer Häuser befürchten müssen. Betroffen werden nach ersten Berechnungen zwischen 700 und 1000 Häuser sein, die abgerissen werden. Doch es kann noch wesentlich schlimmer kommen, denn nach den Planungen von Heathrow Airport gibt es noch eine sogenannte „Wider Property Zone“, das heißt “ residents may have to move out of the area because of new and significantly adverse living conditions.” Im Klartext: Rund 15 000 Menschen müssen wahrscheinlich aus dieser Zone zusätzlich „entfernt“ werden müssen.

Die Hausbewohner sollen bis zu 125% des Marktwertes ihrer Häuser als Entschädigung erhalten, doch reicht das, um sich im Großraum London eine neue Unterkunft zu kaufen? Die meisten wollen natürlich nicht von hier weg, wo manche schon Zeit ihres Lebens gewohnt haben, doch es nützt vielen nichts, sie haben keine andere Wahl. Diejenigen, die bleiben können, werden sich an noch mehr Fluglärm gewöhnen müssen, denn rund 700 Starts und Landungen wird es zusätzlich geben. Das Verkehrsministerium sagt, dass eine knappe Million Menschen von dem Lärm der startenden und landenden Flugzeuge betroffen sind, nach Inbetriebnahme der dritten Bahn werden es bis zu 100 000 mehr sein. £700 Millionen sind eingeplant, um Häuser mit besseren Schallisolierungen zu versehen, aber die Lebensqualität derjenigen, die bleiben (können), wird stark reduziert sein.

Über den Überlebenskampf der Gemeinde Sipson habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben, ebenso über den Ort Harmondsworth, von dem etwa die Hälfte abgerissen werden soll.  Longford wird komplett asphaltiert werden bzw. unter einem neuen Terminal verschwinden.

Die Stadtautobahn M25 wird ein ganzes Stück unterirdisch unter dem „runway“ verlegt. Ich kann mir jetzt schon die endlosen Staus vorstellen, wenn die Bauarbeiten beginnen.

Alles andere als rosige Aussichten für die bemitleidenswerten Menschen, die (noch) am Rande des Flughafens leben.

Harmondsworth (Greater London).
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Wie lange noch??? King William IV in Sipson (Greater London).
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Dieses Idyll in Longford (Greater London) wird bald nur noch in der Erinnerung der Bewohner existieren.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Juli 2018 at 02:00  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Dazu kommt dann auch noch die Laerm- und sonstige Belaestigung fuer die Anwohner, die zwar nicht enteignet werden, aber in der Einflugschneise leben. Ich habe das einmal – vor vielen Jahren – selber miterlebt, als ich bei einem Londonaufenthalt in einer der Einflugschneisen gewohnt habe, und die Flieger wie an einer Perlenkette aufgereiht ueber das Haus kamen. 4 bis 5 mindestens waren immer in Sichtweite.


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