Die Herne Bay Pier in Kent – Vom Schicksal gebeutelt

Die Pier von Herne Bay, im Hintergrund der stehengebliebene Brückenkopf.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

Ich kenne den Badeort Herne Bay an der Nordküste von Kent nur von einem Besuch an einem trübgrauen Herbsttag und da sah er alles andere als einladend aus; aber bei Sonnenschein ist es dort sicher viel schöner. Schon seit 1832 gibt es in Herne Bay eine Pier, die für £50,000 erbaut wurde und über einen Kilometer ins Meer hinausragte, in der Hoffnung, zahlreiche Besucher an die Nordküste zu ziehen.

Piers sind anfällige Gebäude, die recht häufig von Stürmen und Bränden heimgesucht werden; einige sind auch schon von Schiffen mit unaufmerksamen Kapitänen gerammt worden. Die Herne Bay Piers (es hat bisher drei gegeben) sind besonders schlimm gebeutelt worden. Die Holzpfeiler der ersten Pier wurden von Schiffsbohrwürmern angefressen, das sind unangenehme Gesellen, die erhebliche Schäden anrichten können, was sie in Herne Bay auch taten. Die Holzpfeiler wurden durch metallene ersetzt bzw. mit Kupferhüllen umzogen, aber irgendwie war alles schon zu spät. Als auch noch die Passagiere ausblieben, die per Schiff an der Pier anlegten, und stattdessen mit der Eisenbahn anreisten, war das Schicksal der Herne Bay Pier besiegelt. Sie wurde im Jahr 1871 abgerissen.

Da man im Ort aber unbedingt eine neue Pier haben wollte, baute man schnell Pier Nummer 2, die schon 1873 der Öffentlichkeit übergeben wurde, allerdings nur 100 Meter lang war. Sie stieß leider auf kein großes Interesse, vielleicht weil sie so kurz war, und erwirtschaftete kein Geld. Also musste eine weitere Pier her. Jetzt klotzte man und kleckerte nicht, denn Pier Nummer 3 war mit 1154 Metern die zweit längste in England, die 1899 eröffnet wurde. Am 9. September 1928 schlug das Schicksal zu; bei einem Feuer brannten das Theater und einige Läden am Eingang ab. Im Zweiten Weltkrieg übernahm das Militär die Pier und sprengte Teile davon, damit bei einem feindlichen Angriff keine Schiffe anlegen konnten. Bei schweren Stürmen Anfang 1953 setzten die Wellen der Pier zu und richteten Schäden an. Als man im Juni 1970 den Grand Pavilion wieder neu aufbauen wollte, löste bei Schweißarbeiten ein Funke ein Feuer aus, und das Gebäude brannte komplett ab.
Weitere schwere Stürme 1978 und 1979 verursachten so große Schäden, dass der größte Teil der Pier abgerissen wurde. Der Brückenkopf draußen im Meer ist stehengeblieben.

Heute ist die Mini-Pier von Herne Bay nur noch 98 Meter lang, aber Pläne für eine richtig lange Version sind noch nicht vom Tisch und wenn das entsprechende Geld vorhanden ist, wird es vielleicht eines Tages eine Pier Nummer 4 geben.

Der Film „French Dressing“ aus dem Jahre 1964 ist übrigens zu großen Teilen an der Seebrücke von Herne Bay gedreht worden. Hier ist ein Ausschnitt zu sehen.

Der Piereingang.
Photo © David Kemp (cc-by-sa/2.0)

Der einsame Brückenkopf.
Photo © Hywel Williams (cc-by-sa/2.0)