Songs about London – A Nightingale Sang in Berkeley Square

Der Berkeley Square: Schauplatz des romantischen Liebeslieds.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Die Geschichte zu „A Nightingale Sang in Berkeley Square“ beginnt im Jahr 1939 in dem Badeort Le Lavandou an der Côte d’Azur. Ich erinnere mich an warme Sommerabende, Al Fresco Dining, Roséwein und Boulespieler. Dort trafen Albert Eric Maschwitz (1901-1969), ein vielseitiger Engländer, der im Radio, später im Fernsehen und in den Printmedien sein Geld verdiente, und Manning Sherwin (1902-1974), ein US-amerikanischer Komponist, aufeinander. Beide schrieben gemeinsam einen Song, der international noch viele Jahrzehnte lang zum Standardrepertoire renommierter Sängerinnen und Sänger gehörte, eben das Lied von der Nachtigall, die auf dem Londoner Berkeley Square singt. Die Uraufführung fand in einer Bar in Le Lavandou statt, wobei Maschwitz sang und von Sherwin am Klavier begleitet wurde.

Einer der ersten, der den Song aufnahm, war der legendäre Glenn Miller mit seinem Orchester, Gesang Ray Eberle. Die Schallplatte erreichte 1940 Platz 2 der US Charts. Es folgten Aufnahmen mit Frank Sinatra, Perry Como, Nat King Cole, Bing Crosby usw usw. Doch nicht nur Amerikaner waren mit dem Song erfolgreich, auch in England gab es zahlreiche Aufnahmen, u.a. mit Vera Lynn und Twiggy.

„A Nightingale Sang in Berkeley Square“ ist ein romantisches Liebeslied, das an dem Londoner Platz im Stadtteil Mayfair angesiedelt ist. Die besungene Nachtigall wird sicher auf einer der Platanen auf der Mitte des Platzes gesessen und dem Liebespaar ein Ständchen gebracht haben. In der ersten Strophe heißt es „There were angels dining at the Ritz“; nun das Ritz Hotel liegt nicht am Berkeley Square, sondern ein paar hundert Meter weiter die Berkeley Street hinunter.
Der Song hat leider einen Haken: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich jemals eine Nachtigall ins Zentrum von London verirrt haben könnte, denn das Habitat dieser Vögel sind nicht Großstadtplatanen, sondern dichte Wälder und Buschwerk. Aber für die beiden Liebenden passte nun einmal eine Nachtigall am besten als Begleitmusik für ihre romantische Begegnung.

Hier dinierten die Engel in Maschwitz und Sherwins Song.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

In Le Lavandou entstand das Lied mit der Nachtigall.
Author: Ladislaus Hoffner
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Published in: on 31. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Radio Walkham – Eine Radiostation in Horrabridge (Devon), die aus einem Pub sendet

Wir bleiben heute ganz in der Nähe von Meavy in Devon, über deren Royal Oak ich gestern in meinem Blog berichtete. Nur wenige Kilometer nordwestlich liegt Horrabridge, ein Dorf mit etwas über 2000 Einwohnern, das vom River Walkham durchquert wird. Das Flüsschen entspringt im Dartmoor und mündet in den River Tavy, mit dem es sich dann gemeinsam in den Tamar Estuary bei Plymouth ins Meer ergießt. Horrabridge ist stolz auf seine eigene Radiostation, die sich nach dem Fluss Radio Walkham benannt hat und am 2. Oktober 2017 auf Sendung gegangen ist. Das Besondere an Radio Walkham: Das Studio liegt direkt in einem Pub, The London Inn, an der Station Road und behauptet von sich, der einzige derartige Sender in England zu sein. Radio Boogaloo in London behauptet von sich das gleiche; der Sender startete im Januar diesen Jahres im Boogaloo in der Archway Road im Stadtteil Highgate.

Zurück zu Radio Walkham. Der Gastwirt des London Inns hat der Mannschaft des Senders Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die als Studio umgebaut wurden und von denen aus eine enthusiastische Crew ein buntes Programm in die Region Horrabridge und in die ganze Welt sendet, denn Radio Walkham ist auch online zu hören. Der Sender ist ein non-profit community radio, dessen Moderatoren sich The Godfather, The Timelord und The Potty Postman nennen; auch eine Barmaid des London Inns, Sara Cruickshank, hat eine eigene Show.

Mit einem kleinen Wohnwagenanhänger ist Radio Walkham mobil, besucht Feste in der Region und sendet von dort aus. Dieser Film zeigt wie locker und fröhlich es bei dem Radiosender in Horrabridge zugeht.

Der River Walkham in Horrabridge, Namensgeber der Radiostation.
Photo © M J Roscoe (cc-by-sa/2.0)

Die Meavy Oak – Eine uralte Eiche in Devon

Die Meavy Oak, davor das Village Cross, dahinter die „Tochter“ der Eiche.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Schauplatz meines heutigen Blogeintrags ist das kleine Dorf Meavy in der Grafschaft Devon, nördlich von Plymouth und im südlichen Dartmoor gelegen. Auf dem Village Green stehen zwei Eichen, von denen die eine zu den ältesten Bäumen in England zählt und zur Zeit von King John (1167-1216) angepflanzt worden sein könnte. Ein weiterer König wird mit dem Baum in Zusammenhang gebracht: König Charles II soll sich auf der Flucht vor den Gefolgsleuten von Oliver Cromwell in der Eiche versteckt haben. Er hat offensichtlich das dichte Laub von Eichen gern als Versteck gewählt, denn zuvor entzog er sich schon nach der Schlacht von Worcester im Jahr 1651 den Schergen Cromwells in der Eiche von Boscobel. Die Meavy Oak wird daher auch Royal Oak genannt.

Bei den früheren Dorffesten kam man auf eine witzige Idee: Die Eiche wurde oben ganz plan geschnitten und darauf eine große Plattform angebracht; man schleppte Tische und Stühle nach oben, machte es sich dort in luftiger Höhe bequem, aß und trank und ließ es sich gut gehen. Dieser Brauch wird heute nicht mehr praktiziert. Die zweite Eiche auf dem Village Green ist übrigens ein Ableger der Royal Oak, die aus einer Eichel des Mutterbaumes entstanden ist. Die Meavy Oak ist von einem Eisengitter umfasst, unter ihr lädt eine Bank zum Pausieren ein und davor steht das Village Cross, das aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Das Dorffest, die Meavy Oak Fair, wird noch immer gefeiert und zwar auf dem Village Green am dritten Samstag des Monats Juni. Neben den üblichen Vergnügungen bei einem Dorffest wie Hundeshow, Hüpfburgen, Gesichterbemalen etc. wird jedes Jahr der Burrator Horseshoe Run ausgetragen, der zehn Kilometer über Stock und Stein des Dartmoors führt; der Rekord steht bei 37 Minuten und 47 Sekunden.

Gleich neben der alten Eiche steht der Dorfpub von Meavy und wie sollte der anders heißen als The Royal Oak? In diesem Jahr wurde er als Country Pub of the Year 2018  von der Plymouth-Sektion der CAMRA ausgezeichnet. Sehr schön finde ich folgenden Satz auf der Homepage der Royal Oak: „Whether you have 4 paws, hoofs or muddy boots you are always welcome.“ Das Gebäude ist im Besitz des Burrator Parish Councils, und damit ist The Royal Oak wohl der einzige Pub in England, der einem Kirchengemeinderat gehört.

The Royal Oak am Village Green.
Photo © Phil Gaskin (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Berkshire Tales of Mystery & Murder

Foto meines Exemplares.

Zum wiederholten Male möchte ich ein Buch von David Kidd-Hewitt vorstellen, der es versteht, mysteriöse Vorfälle auf spannende und interessante Art zu erzählen. „Berkshire Tales of Mystery & Murder“ heißt es,  aus der „Tales of Mystery & Murder“-Serie des Verlages Countryside Books, der in Newbury in Berkshire ansässig ist.

13 Geschichten sind in dem Band versammelt, von denen mich die letzte, „A Brief Moment of Time„, besonders angesprochen hat, da sie sich in der High Street von Cookham ereignet hat, wo ich erst im letzten Jahr war und dort das Stanley Spencer Museum besuchte (ich berichtete in meinem Blog). Hier soll sich im Oktober 1993 ein Fall von „timeslip“, also Zeitverwerfung, zugetragen haben, bei dem ein junges Paar auf dem Weg nach Marlow betroffen war. In Cookham hielten sie Ausschau nach einem indischen Restaurant, in dem sie auf dem darauf folgenden Abend feiern wollten. Als sie schon wieder eine Weile auf der Straße in Richtung Bourne End und Marlow unterwegs waren, befanden sie sich plötzlich wieder auf der High Street von Cookham, genau dort, wo sie gerade eben erst nach dem Restaurant geschaut hatten. Beide waren erschüttert, konnten sich diesen Zeitsprung nicht erklären und werden diese höchst eigenartige Situation bis ans Ende ihres Lebens nicht vergessen.

Dann schreibt Kidd-Hewitt über den bis heute ungeklärten Fall des „Man in the Blue Suit„, der sich am 22. Juni 1929 in der Cross Street in Reading ereignete. Der Inhaber des kleinen Tabakwarenladens Alfred Oliver wurde am Abend von einer unbekannten Person in dem Laden ermordet. Es gab mehrere Passanten, die an dem Abend in der Cross Street einen Mann in einem blauen Jacket gesehen haben wollen, doch dieser Mann (der Mörder?) wurde nie gefunden.

Ein drittes Beispiel: „The Night Lambourn Was Set on Fire„. 1832 wäre um ein Haar das Dorf Lambourn im Westen Berkshires abgefackelt worden, als der Brandstifter John Carter mehrere Brände legte, einen im Red Lion am Market Place und einen in Mr Spicer’s Malthouse Barn. Glücklicherweise konnte das Feuer rechtzeitig bekämpft werden; John Carter wurde für seine Taten am 16. März 1933 in Reading hingerichtet, der letzte in England, der für Brandstiftung die Todesstrafe erhielt.

Ich kann dieses Buch von David Kidd-Hewitt wieder sehr empfehlen, für alle, die einen Nerv für Mysteriöses haben.

David Kidd-Hewitt: Berkshire Tales of Mystery & Murder. Countryside Books 2004. 126 Seiten. ISBN 1-85306-880-2.

Die High Street von Cookham, in der sich der „timeslip“ ereignet haben soll.
Photo © Robert Eva (cc-by-sa/2.0)

Die Cross Street in Reading, Schauplatz eines ungeklärten Mordes.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

Der ehemalige Red Lion am Market Square von Lambourn, in dem 1832 ein Brand gelegt wurde.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Aldbourne Dabchicks – Spitzname für die Bewohner eines Dorfes in Wiltshire

Der Dorfteich von Aldbourne (leider ohne Zwergtaucher)
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Nordöstlich von Marlborough in der Grafschaft Wiltshire liegt das Dorf Aldbourne, dessen Bewohner mit dem merkwürdigen Spitznamen Dabchicks belegt worden sind. Wie kam es dazu?

Man erzählt sich die Geschichte in Aldbourne folgendermaßen: Eines Tages soll auf dem Dorfteich ein Vogel gesichtet worden sein, den man bisher in dem Dorf noch nie gesehen hatte. Keiner der gerade anwesenden Männer konnte das Federtier identifizieren, bis man auf die Idee kam, Thomas Moore zu befragen, den ältesten Mann im Dorf, nur leider konnte der nicht mehr richtig laufen, weil er so dick geworden war; also schickte man jemanden mit einer Schubkarre los, der Thomas da hinein verfrachtete und zum Teich brachte. Nach längerem Überlegen konnte der alte Herr das Rätsel lösen. „Das ist ein Dabchick“ rief er, und alle freuten sich, so einen klugen Mann in ihren Reihen zu haben. Die Geschichte von dem seltenen Teichbesucher machte die Runde, und der Name Dabchick blieb von nun an an den Dorfbewohnern von Aldbourne hängen, wohl auch weil die Leute aus dem benachbarten Ort Ramsbourne sich gern über die Aldbourner lustig machten und ihnen „Dabchick“ hinterher riefen.

Lösen wir das Rätsel um den mysteriösen Vogel auf: Ein Dabchick, auch Little Grebe genannt, ist ein Zwergtaucher, der zur Familie der Lappentaucher gehört und vorwiegend in Asien und Afrika heimisch, aber auch in Europa anzutreffen ist.

In Aldbourne findet der Name Dabchick noch heute vielfache Verwendung: Der örtliche Cricket Club nennt sich Albourne Dabchicks, ebenso die Golfer, die sich in der Dabchick Golf Society zusammengefunden haben. In der Methodistenkirche treffen sich regelmäßig die Little Dabchchicks, die dort ihre Freizeit verbringen. Die 1860 gegründete Aldbourne Band nennt sich ebenfalls The Dabchicks. Am Square lädt ein indisches Restaurant namens Dabchchicks Delight die Gäste zu asiatischen Genüssen ein, und das Parish Magazine nennt sich The Dabchick.

Der Dorfteich, auf dem der Zwergtaucher seinerzeit in Erscheinung trat, existiert noch immer am Ende der South Street, der B4192.
Gwen Ellis, eine Dichterin aus Wiltshire, die die Mundart der Grafschaft pflegt, hat ein Gedicht mit dem Titel „Aldbourne Dabchicks“ geschrieben, das in der Sammlung „All my Moonshine“ (2003) enthalten ist.

Dieser Film zeigt Aldbourne vom Turm der St Michael’s Church.

Ein Dabchick.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Blick auf das Dorf mit der Kirche St Mary’s im Hintergrund und einige Nicht-Dabchicks im Vordergrund.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Alte Taufbecken in den Kirchen von Buckinghamshire

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass ich eine Vorliebe für englische „country churches“ habe, wobei ich besonders viele in der Grafschaft Buckinghamshire aufgesucht habe, wenn ich auf den Spuren von Inspector Barnaby wandelte, denn Kirchen spielen in dieser TV-Serie häufig eine wichtige Rolle. Heute möchte ich speziell einige alte Taufbecken (englisch=font) vorstellen, die mir in den Kirchen Buckinghamshires aufgefallen sind. Diese meist steinernen Becken bilden einen wichtigen Bestandteil der Gotteshäuser, und sie haben schon unzählige mehr oder weniger schreiende Babies erlebt, die erstmals (widerwillig) mit dem geweihten Wasser in Berührung gekommen sind.

Die Holy Trinity Church in Bledlow beherbergt einen sogenannten Aylesbury font, das sind dem Taufbecken der St Mary’s Church in Aylesbury nachempfundene Taufbecken, von denen es 22 geben soll. Leider ist diese Kirche, die in mehreren Inspector Barnaby-Episoden zu sehen ist, meist geschlossen, nur am Samstag- und Sonntagnachmittag ist sie in den Sommermonaten geöffnet.
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Ein weiterer Aylesbury font befindet sich in der Kirche St Nicholas in Chearsley, einem kleinen Dorf in der Nähe von Thame. Aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts soll dieser Taufstein stammen, der über einen schönen hölzernen Deckel verfügt.
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Und noch einen weiteren Aylesbury font kann man in St Mary’s in Pitstone in der Nähe von Tring betrachten, der im Jahr 1190 angefertigt worden sein soll und zwar, wie auch die anderen, aus Totternhoe Stein, der in Steinbrüchen bei Dunstable (Bedfordshire) abgebaut wurde.
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Das idyllische Haddenham darf sich auch eines Aylesbury Fonts rühmen, der in St Mary’s zu finden ist. Verziert ist das Taufbecken mit drachenartigen Wesen, die sich unterhalb des Beckenrandes zu jagen scheinen.Hoffentlich haben sich die Haddenhamschen Babies bei der Taufe nicht zu sehr vor ihnen gefürchtet.
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Zu guter Letzt ein Taufbecken aus dem späten 12. Jahrhundert, das sich in St Nicholas in Great Kimble befindet, südlich von Aylesbury; es ist reich verziert und wird mit einem Holzdeckel abgeschlossen.

 

Published in: on 26. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Nomansland – Ein Dorf im New Forest in Wiltshire

Der Dorfpub.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Nomansland als Name eines Dorfes klingt nicht sehr vielversprechend. Es gibt eines in der Grafschaft Wiltshire im nördlichen New Forest und da das Dorf recht abgelegen an der Grenze zu Hampshire liegt, hat man ihm wohl diesen seltsamen Namen gegeben.
Was erwartet nun den Besucher von Nomansland?

Da gibt es erst einmal einen Pub an der Forest Road, The Lamb Inn, was schon einmal für die Bewohner des Ortes von großer Bedeutung ist. Der Pub liegt genau auf der Grenze von Wiltshire und Hampshire, was früher zu der kuriosen Situation führte, dass die Trinker abends, wenn es auf der Hampshireseite „Last orders, please“ hieß, alle auf die andere, die Wiltshirseite der Bar zogen, wo sie eine Stunde länger trinken konnten. Heute gibt es das nicht mehr, um 23 Uhr ist Schluss, dann schließt der Pub seine Pforten.

Gegenüber vom The Lamb ist das Village Green mit dem Well of Sacrifice, ein hübsches kleines Gebäude, das wohl über einer Quelle errichtet worden ist, und als Gedenkstätte für die Soldaten aus dem Dorf fungiert, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind bzw für ihr Land gedient haben. Die Familien Hood und Judd tauchen darauf jeweils fünf- bzw. viermal auf und beide hatten einen Gefallenen zu beklagen.

Direkt neben dem Dorfpub steht die einzige Kirche des Ortes; sie gehört nicht zur Church of England, sondern ist eine Methodistenkirche mit der Inschrift 1901, in diesem Jahr wurde sie neu erbaut.

Ein kleines Stück den North Lane hinunter finden wir eine weitere „Attraktion“ von Nomansland, den Reading Room, der laut einer an der Wand angebrachten blauen Plakette auf einem Grundstück errichtet wurde, das ein gewisser Reverend H. M. Livens 1910 zur Verfügung gestellt hat.

Es gibt auch noch eine Zwergschule in der School Lane, die New Forest Church of England Primary School, die anglikanische Kirche ist wenigstens auf diese Weise in Nomansland vertreten.

Da wir uns hier in einem Grenzgebiet zweier Grafschaften bewegen, weiß man nie so genau, ob man nun in Wiltshire oder in Hampshire ist, aber ich vermute, dass die Dorfbewohner wissen, zu welchem County sie gehören.

Das Village Green von Nomansland.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

The Well of Sacrifice auf dem Village Green.
Photo © Brendan and Ruth McCartney (cc-by-sa/2.0)

Der Reading Room am North Lane.
Photo © Brendan and Ruth McCartney (cc-by-sa/2.0)

Die Dorfschule.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine persönlichen Top 5 Gastropubs in England

Gastropubs sind nicht ganz unumstritten in England. Die einen würden niemals einen Fuß in einen solchen Edelpub setzen, weil sie einen traditionellen Pub immer vorziehen, die anderen haben damit kein Problem und genießen die vorzügliche Küche, die ihnen hier meistens geboten wird. Die Grenzen zwischen Gastropub und Restaurant sind fließend; der bisher am höchsten und mit zwei Michelinsternen bewertete Pub ist The Hand in Flowers in Marlow (Buckinghamshire), den Tom Kerridge in diese kulinarischen Höhen gebracht hat,

Hier sind meine persönlichen fünf Favoriten:

The Angel in Long Crendon (Buckinghamshire).
Hier ist der Besitzer gleichzeitig auch der Koch. Trevor Bosch bewirtet seine Gäste in dieser ehemaligen Kutscherstation an der Bicester Road. Wir haben hier ein vorzügliches Abendessen eingenommen. Long Crendon ist einer meiner Lieblingsorte in England, über den ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe.
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Crown in Bray (Berkshire)
Heston Blumenthals drittes Etablissement im Gourmetdorf Bray an der Themse, nach The Fat Duck und The Hind’s Head. Rustikale Einrichtung und eine interessante Menukarte, auf der zwei Edelburger zu finden sind: The Crown Burger und Treacle & Ale Cured Bacon Burger. Wir haben unser Dinner hier sehr genossen. Eine Reservierung ist zu empfehlen.
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Boot in Lapworth (Warwickshire)
In diesem Pub dicht an der Autobahn M40 hat es uns ganz besonders gut gefallen. Die Küche ist international ausgerichtet, u.a. mit Gerichten aus Korea, Malaysia und Indien. Very stylish!
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Crabmill in Preston Bagot (Warwickshire)
Dieser Gastropub liegt ganz allein für sich an der A4189 in der Nähe von Henley-in-Arden in Warwickshire. Fünf verschiedene Champagner werden hier angeboten, da können viele andere Restaurants bei weitem nicht mithalten. Die Küche hat eine leichte Vorliebe für italienische Speisen. Elegante Einrichtung.
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs
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The Nags Head in Great Missenden (Buckinghamshire)
Etwas außerhalb von Great Missenden liegt dieser sehr empfehlenswerte Gastropub, in dem hin und wieder berühmte Staatsmänner aus aller Welt vorbeischauen, die zu Gast im nahe gelegenen Landsitz des britischen Premierministers sind. Französisch-englisch ausgerichtete Küche (einer der beiden Köche ist Franzose). Meine volle Empfehlung!
-> Mein Blogartikel
-> Homepage des Pubs

 

Published in: on 24. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die kurze Karriere des Fußballstars Paul John „Gazza“ Gascoigne als Sänger

Hier im St James‘ Park Stadion in Newcastle upon Tyne begann die fußballerische Karriere von Paul John Gascoigne.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

1967 wurde Paul John Gascoigne geboren, und da seine Eltern damals für die Beatles schwärmten, nannten sie ihren Sohn nach Paul McCartney und John Lennon. Er wurde im Nordosten Englands geboren und ging in Gateshead zur Schule, war also ein echter Geordie. Nach einer nicht ganz leichten Kindheit wurde er als Teenager für den Fußball entdeckt; die Jugendmannschaft von Newcastle United war seine erste Station. Paul Gascoigne, der auch unter seinem Spitznamen Gazza bekannt wurde, vielleicht weil der französisch klingende Nachname für englische Zungen etwas schwer auszusprechen war, entwickelte sich zu einem der besten Fußballspieler des Landes, der für viele Vereine spielte, u.a für Tottenham Hotspur, Middlesborough F.C. und Everton F.C., aber auch im Ausland für Lazio Rom und den chinesischen Club Gansu Tianma F.C. im Einsatz war. Seine Karriere beendete Gascoigne beim Verein Boston United F.C. in Lincolnshire.

Leider machte er nicht nur durch sportliche Erfolge von sich reden, häufig stand er wegen Skandalen in den Schlagzeilen der Presse, er hatte Alkohol- und Drogenprobleme, wurde mehrfach wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet und litt unter psychischen Erkrankungen.

1990, als Gazza auf dem Höhepunkt seiner fußballerischen Karriere stand und in England außerordentlich beliebt war, versuchte er sich auch als Sänger und hatte sogar mit dem Titel „Fog on the Tyne (Revisited)“ großen Erfolg; die Single schaffte es bis auf Platz 2 der britischen Charts. Die Folkrockband Lindisfarne aus Newcastle upon Tyne hatte den Song schon 1971 geschrieben, ein echter Geordie-Song. Im gleichen Jahr veröffentlichte er auch die LP „Gazza and Friends – Let’s Have a Party“, auf der der singende Fußballer neben „Fog on the Tyne“ noch mit „Geordie Boys“ und „All You Need Is Love“ zu hören ist. Das war es dann aber auch mit Gazzas Ausflug in die Welt der Popmusik.

Paul Gascoigne war aber nicht der einzige Fußballer, der es auch mit Gesang versuchte; da waren zum Beispiel noch Kevin Keegan, der 1979 „Head Over Heels in Love“ aufnahm, die beiden Stars Glenn Hoddle und Chris Waddle, die 1987 mit „Diamond Lights“ auf Platz 12 der britischen Charts gelangten oder Andy Cole, dessen „Outstanding“ 1999 nur unter „ferner liefen“ einzuordnen ist.

Auch im deutschen Fußball gab es (schaurige) Gesangsversuche einiger Spieler, die zum Fremdschämen animierten; ich denke nur an Franz Beckenbauers „Gute Freunde kann niemand trennen„, Gerd Müllers „Das gibt ein Schützenfest“ oder Charly Dörfels „Das kann ich dir nicht verzeih’n„.

…und hier im York Street Stadium (das mittlerweile in The Jakemans Stadium umbenannt ist) in Boston in Lincolnshire beendete Gazza seine Karriere.
Photo © Stuart Shepherd (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Thames Valley Police Museum in Sulhamstead (Berkshire)

Das Thames Valley Police Training Centre in Sulhamstead (Berkshire), in dem auch das Museum untergebracht ist.
Author: Cam5179.
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In meinem gestrigen Blogeintrag zum Thema „Inspector Morse“ erwähnte ich, dass der TV-Polizist für die Thames Valley Police (TVP) arbeitete. Das ist eine Polizeiorganisation, die für die Grafschaften Buckinghamshire, Oxfordshire und Berkshire zuständig ist und die ihren Hauptsitz in Kidlington (Oxfordshire) hat, vor den Toren Oxfords gelegen. Das Ausbildungszentrum der TVP liegt in Sulhamstead in Berkshire und darin befindet sich das kleine Thames Valley Police Museum. Momentan ist das Museum auf Grund von Renovierungsarbeiten im Sulhamsted House ausgelagert in das alte Polizeigebäude in Theale, wenige Kilometer nordöstlich; dort findet man es hinter der Öffentlichen Bibliothek an der Church Street. Das Museum ist nach vorheriger Anmeldung für Gruppen bis zu 10 Personen zugänglich, allerdings ist es auch mittwochs von 10 Uhr bis 12 Uhr für jedermann geöffnet.

Was gibt es hier zu sehen? Unter anderem werden drei besonders schwere Verbrechen dokumentiert, die einst für internationales Aufsehen sorgten und die im Zuständigkeitsbereich der TVP lagen.
Da ist einmal der Fall Amelia Dyer (1837-1896), „The Ogress of Reading“, eine der berüchtigsten Serienmörderinnen der englischen Geschichte, die über 20 Jahre lang bis zu 400 kleine Kinder ermordet haben soll und dafür 1896 im Londoner Newgate Prison erhängt worden ist.

Interessante Objekte, die mit dem großen Postzugraub vom 8. August 1963 bei Mentmore in Buckinghamshire zusammenhängen, werden ausgestellt (s. dazu meine Blogeinträge über die Bridego Bridge, den Schauplatz des Verbrechens, und die Reunion der damaligen Akteure in Oakley in Buckinghamshire).

Am 19. August 1987 ereignete sich in Hungerford (Berkshire) der Amoklauf des Michael Ryan, der hier 16 Menschen erschoss, viele verwundete und sich schließlich selbst mit seiner Waffe tötete (s. dazu meinen Blogeintrag). Auch dieser Fall wird im Thames Valley Police Museum dargestellt, dessen Exponate dieser Film zeigt.

Published in: on 22. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Krimiautor Colin Dexter (1930-2017) und die Inspector Morse Society

Oxford Police Station St Aldate’s.
Photo © David Hillas (cc-by-sa/2.0)

Die TV-Krimiserie „Inspector Morse„, von 1983 bis 2000 gedreht, spielte im deutschen Fernsehen so gut wie keine Rolle; ein paar Folgen  liefen merkwürdigerweise nur im DDR-Fernsehen, das war es dann auch. Die Spin-offs dagegen, „Lewis“ und „Der junge Morse“ (im Original „Endeavour“), wurden im ZDF bzw ZDFneo gezeigt.
Colin Dexter
schrieb die Romane über den schrulligen, dem Whisky, Wagneropern und Kreuzworträtseln zugeneigten Inspektor aus Oxford, der auch eng an deren Verfilmung mitwirkte. Leider ist Colin Dexter am 21. März 2017 in seiner geliebten Universitätsstadt verstorben. Morse, dessen Vornamen Endeavour die Zuschauer der Serie erst in der letzten Folge erfuhren, war außerordentlich beliebt in Großbritannien, verkörpert wurde er im Film von John Thaw (1942-2002), an seiner Seite stand Sergeant Lewis (Kevin Whateley), der später nach seiner Beförderung seine eigene TV-Serie bekam.

Colin Dexter trat, wie seinerzeit Alfred Hitchcock, in den meisten Episoden für wenige Sekunden selbst auf; man musste schon sehr genau hinschauen, um ihn zu entdecken. Manchmal war er ein Chormitglied oder ein Passant. Die Inspector Morse Society hält die Erinnerung sowohl an den Mann hoch, der für die Thames Valley Police arbeitete, als auch an seinen Schöpfer, Colin Dexter, für den bald in Oxford ein Denkmal errichtet werden soll und zwar in Summertown, wo Dexter von 1966 bis 1988 für das Oxford Examining Board arbeitete. Das Denkmal wird ihn in Lebensgröße auf einer Säule zeigen, mit einer Ausgabe der Times in der Hand, auf der das tägliche Kreuzworträtsel zu sehen sein wird. Auf der einen Seite der Säule wird ein Kreuzworträtsel eingraviert sein, auf der anderen Seite findet man dann die Lösung. Der Bildhauer Alex Wenham wurde mit dem Denkmal beauftragt, das voraussichtlich Ende diesen oder Anfang des nächsten Jahres enthüllt wird. Der Colin Dexter Memorial Fund kümmert sich um die Beschaffung des Geldes; das Denkmal ist mit  £50 000 veranschlagt.

Es gibt in Oxford übrigens eine Plakette, die an Morse erinnert, angebracht am Hauptquartier der Oxford City Police St Aldate’s, wo viele Außenaufnahmen der Dreharbeiten für die TV-Serie stattfanden. Am 23. Juli 2006 enthüllte Colin Dexter diese Plakette selbst.

Die Inspector Morse Society widmete dem Morse-Darsteller John Thaw eine Bank im Londoner Covent Garden Viertel; neben der „Schauspielerkirche“ St Paul’s steht diese Bank, die am 21. März 2009 ebenfalls von Colin Dexter eingeweiht wurde.

Siehe zum Thema auch meinen Blogeintrag über geführte Touren durch Oxford auf den Spuren von Inspector Morse.

Die Plakette am Hauptquartier der Polizei von Oxford.
Public domain photo by Open Plaques.

Die John Thaw gewidmete Bank in London.
Copyright: Matt Brown
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Oktober 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire – Stories of the Supernatural

Foto meines Exemplares.

Von David Kidd-Hewitt habe ich bisher seine beiden Bücher „Buckinghamshire: Tales of Mystery and Murder“ und „Buckinghamshire Heroes“ vorgestellt. In „Buckinghamshire: Stories of the Supernatural“ beschäftigt sich der Autor und Kriminologe mit dem Übernatürlichen in der Grafschaft in der er lebt und da gibt es eine Menge zu berichten. Kidd-Hewitt hat versucht, möglichst Berichte aus erster Hand zu bekommen und diese dann auch zu verifizieren. Herausgekommen ist eine Sammlung sehr ungewöhnlicher Geschichten, in denen Menschen mit Ereignissen konfrontiert worden sind, für die es keine natürliche Erklärung gibt.

In „The Haunted Taplow Hospital“ erzählt Kidd-Hewitt von einem ehemaligen Krankenhaus, dem Canadian Red Cross Memorial Hospital, auf dem Gelände des Cliveden Estates auf dem jetzt das Cliveden Village steht. Dieses Krankenhaus wurde 1986 geschlossen und stand bis zu seinem Abriss im Jahr 2006 leer. In den Räumlichkeiten waren während dieser Zeit noch medizinische Geräte und Betten zu finden, Aktenordner mit persönlichen Unterlagen und Röntgenbilder lagen verstreut auf dem Boden herum und es herrschte eine düstere Atmosphäre. Ideal für Geisterjäger, denn Geschichten häuften sich von unheimlichen Geschehnissen in den Korridoren und Gängen. Ein Wesen, dem man den Namen The Flincher gab, soll sein Unwesen hier getrieben und die Menschen, die sich in das Hospital hineinwagten, zu Tode erschreckt haben.

In einem Kapitel unternimmt der Autor einen „Buckinghamshire Supernatural Pub Crawl“ auf dem wir „haunted pubs“ kennenlernen wie den berüchtigten The Chequers in Old Amersham (ich berichtete bereits ausführlich in meinem Blog über diesen Pub), den Greyhound Inn in Chalfont St Peter, in dem der Hanging Judge George Jeffries im 17. Jahrhundert seine Urteile gesprochen hat.

Ganz besondes mysteriös ist die Geschichte vom Quarrendon Centaur aus dem Jahr 1988, in der zwei Männer und ihr Hund an einem warmen Sommerabend in der Nähe von Aylesbury auf einem Gelände, auf dem einmal ein mittelalterliches Dorf gestanden hat, eine Gestalt sahen, die halb Mensch halb Pferd war. Beide schworen Stein und Bein, dass es sich bei der Kreatur um keine Halluzination gehandelt hatte, und dass ihr Hund in panischer Angst davongelaufen war. Bei seinen Recherchen stellte David Kidd-Hewitt fest, dass es ähnliche Geschichten über solche Zentauren auch in anderen Teilen der Welt gibt.

Ein sehr interessantes Buch, ob man nun an Übernatürliches glaubt oder nicht.

David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire: Stories of the Supernatural. Countryside Books 2008. 128 Seiten. ISBN 978-1-84674-118-0

The Chequers in Old Amersham.
Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)

The Greyhound Inn in Chalfont St Peter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Quarrendon bei Aylesbury.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Little Berkhamsted in Hertfordshire

St Andrew’s.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Little Berkhamsted in Hertfordshire ist ein richtig hübsches kleines Dorf. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die Bewohner anglikanischen Glaubens können sonntags die St Andrew’s Church aufsuchen, in der aber zur Zeit nur jeden zweiten Sonntag ein Gottesdienst abgehalten wird, denn die Stelle des Pfarrers ist momentan nicht besetzt, so dass ein Gastgeistlicher Little Berkhamsted einen Besuch abstattet. Für diejenigen, die eher weltlichen Genüssen zugeneigt sind, gibt es auf der Church Road die Five Horseshoes, einen Pub, der zu der Gruppe Chef & Brewer gehört. Der Pub ist täglich durchgängig vom mittags bis spätabends geöffnet, wer also im Ort durstig oder hungrig ist, findet in den Five Horseshoes immer eine offene Tür bzw. kann bei schönem Wetter im Biergarten sitzen.

Direkt gegenüber vom Pub steht der Dorfladen Emmie Murphy’s Village Store, in dem es nicht nur Lebensmittel zu kaufen gibt, hier werden auch Snacks angeboten wie Suppen, Scotch Eggs und Quiches (alles selbst gemacht).

Ebenfalls an der Church Road findet man das große Village Green und die Village Hall, die für Veranstaltungen zur Verfügung steht.

Über die Sicherheit des kleinen rund 550 Einwohner zählenden Dorfes wacht die Neighbourhood Watch.

Die Church Road stößt auf eine Straße, die den schönen Namen Robins Nest Hill trägt und an der steht ein merkwürdiger Turm, Stratton’s Tower. Dieses sich in Privatbesitz befindende, zu einem Wohnturm umgebaute Gebäude, wurde um das Jahr 1789 von einem gewissen John Stratton errichtet. Um bis zum obersten Stockwerk, der Aussichtsplattform, zu gelangen, muss man 147 Stufen erklimmen. Warum damals John Stratton den Turm gebaut hat, darüber gibt es unterschiedliche Vermutungen. Die weit verbreitete Ansicht, dass Stratton ein Admiral war, der von der Spitze seines Turmes die Themse sehen wollte, ist offenkundig falsch, denn der Mann war erstens kein hochrangiger Befehlshaber der Marine und zweitens hätte man die Themse von dort oben niemals sehen können. Um die 100 Jahre stand der Turm unbenutzt am Robins Nest Hill herum und drohte zu zerfallen, doch dann kam 1971 der Architekt William Tatton Brown und richtete ihn wieder her.

Wer dem kleinen Ort einen Besuch abstatten möchte: Little Berkhamsted liegt nur ein paar Kilometer östlich von Hatfield, sicher vielen durch das Hatfield House bekannt.

Der Dorfpub Five Horseshoes.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)

Das Village Green.
Photo © Talisman (cc-by-sa/2.0)

Stratton’s Tower am Robins Nest Hill.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Radio Scilly – Eine der kleinsten Radiostationen der Welt

Hier ist das Studio von Radio Scilly untergebracht.
Photo © Bob Embleton (cc-by-sa/2.0)

107.9 MHz lautet die Frequenz der kleinsten Radiostation der Welt, die sich auf den Scilly Inseln vor der Küste von Cornwall befindet, genauer gesagt auf der Insel St. Mary’s. Am 3. September 2007 wurde der Sender ins Leben gerufen und er erreicht etwa 2100 Inselbewohner; in Cornwall ist er nur schwer zu empfangen.

Keri Jones war der Gründer von Radio Scilly, ein erfahrener Radiomann, der schon für viele Sender im ganzen Land gearbeitet hat. Nach 10 Jahren beim Sender hat er die Leitung an Zoe Parry übergeben

Die Mittel für den Unterhalt erhält der Sender durch eine wöchentliche Lotterie. Das Lotterielos kostet ein Pfund und der Hauptgewinn liegt zurzeit bei £1000. Alles, was über bleibt, erhält der Radiosender.

Auf dem Programm stehen überwiegend Musiksendungen, in denen die Moderatoren des Senders sowohl Oldies als auch aktuelle Hits spielen. Radio Scilly ist 24 Stunden „on air“.

Die Scilly-Inseln gehören zu den einsamsten Regionen Englands mit einer geringen Einwohnerzahl, wo das Leben sehr gemächlich und ruhig verläuft.

Radio Scilly liegt aber nicht hinter dem Mond: Der Sender ist auch online zu hören und ist bei Facebook vertreten.

DJ  bei Radio Scilly – Ein Traumjob?

Weitere Infos in deutscher Sprache über die Scilly Inseln gibt es hier.

Hier ist ein (schon etwas älterer) Film über die Radiostation.

Published in: on 18. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Alles was man schon immer über die Autobahn M 25 wissen wollte

Wer kennt ihn nicht den Motorway 25, Londons 188 Kilometer lange, stets verstopfte Ringautobahn. Margaret Thatcher eröffnete die M 25 im Oktober 1986. Ich bin die Autobahn in Teilstrecken viele Male gefahren und besonders im Westen, dort wo die M 4 auf die M 25 stößt, war immer ein gewaltiger Verkehr. Viel von der Landschaft  kann man nicht sehen, da man stets konzentriert den Verkehr beobachten muss.

Es gibt zwei Bücher, die sich mit der M 25 beschäftigen und die hoch interessant zu lesen sind.

Da ist einmal Iain Sinclairs „London Orbital: A Walk Around the M 25„. Sinclair ist ein Jahr lang mit Unterbrechungen die gesamten 188 Kilometer Autobahn entlang gewandert, was sich manchmal als schwierig erwies, da die Straße teilweise durch Industrieansiedlungen für Fußgänger gar nicht erreichbar war und der Autor Umwege machen musste. In diesem Buch lernt man die Ortschaften näher kennen, deren Namen  man man nur von den Ausfahrtschildern her kennt. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Das zweite Buch heißt „M 25: Travelling Clockwise“ und wurde von Roy Phippen geschrieben. In diesem Buch erfährt man so ziemlich alles, was man über die Ringautobahn wissen sollte. Wer sich z.B. dafür interessiert, wie viele Nieten in der Dartford Bridge verbaut worden sind oder welcher Fluß die M 25 überquert, hier wird er fündig.

Siehe auch meinen Buchtipp Ray Hamilton: „M25 – A Circular Tour of the London Orbital„.

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

 

Published in: on 17. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Monkey Island Hotel bei Bray (Berkshire) – Ein Update

Vor fast genau drei Jahren stellte ich in meinem Blog das Monkey Island Hotel bei Bray in Berkshire vor, das kurz danach seine Pforten schloss.
Monkey Island ist eine Insel auf der Themse, ganz in der Nähe von Maidenhead. Bray ist ja das Gourmetdorf Englands; nirgendwo im Land gibt es auf so engem Raum so viele Sterne-Restaurants. Der Waterside Inn bietet neben seinem 3*-Restaurant auch noch luxuriöse Hotelzimmer, und bis Ende 2015 gab es ein weiteres Hotel bei Bray, eben das besagte Monkey Island Hotel. Der Ruf des Themsehotels hatte stark nachgelassen, die Bewertungen wurden immer schlechter. Sehr schade, denn es hat eine außergewöhnlich schöne Lage.

Glücklicherweise wird es demnächst wieder unter neuem Management und neuen Besitzern öffnen. Die Hotelgruppe YTL-Hotels aus Malaysia hat Monkey Island übernommen und komplett umgestaltet. Damit beauftragt wurde die New Yorker Firma Champalimaud Design, die bereits u.a. für das The Ritz-Carlton Kuala Lumpur, The Carlyle in New York und das Dorchester in London gearbeitet hat. Die Eröffnung des Monkey Island Hotels hat sich immer wieder verzögert, aber jetzt soll es bald so weit sein. 38 Zimmer und drei Suiten werden den Gästen zur Verfügung stehen. Einen kleinen Probelauf gab es schon im Sommer bei einem Empfang für den High Sheriff von Berkshire. YTL Hotels hat sich einige namhafte Leute aus London für ihr neues Etablissement geholt; als General Manager wird Lee Kelly fungieren, bisher Gastronomieleiter im Savoy Hotel. Der neue Chefkoch, Will Hemming, war ein direkter Nachbar von Lee Kelly, er war der Head Chef im legendären Simpson’s in the Strand, das neben dem Savoy Hotel liegt.

Bray wird also in Kürze noch mehr zu bieten haben, als es das jetzt schon tut.

Hitler’s Black Book – Eine Sammlung von Adressen missliebiger Menschen in Großbritannien, die die Nazis eliminert haben wollten

Das Senate House an der Malet Street in London, das für die Nazi-Hauptverwaltung vorgesehen war.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Der Größenwahn Adolf Hitlers und seiner Regierung umfasste immer wieder auch eine Invasion Großbritanniens, die Gott sei Dank nie zustande kam. Wie weit die Pläne schon gediehen waren, zeigt sich daran, dass man sich schon bestimmte Gebäude ausgeguckt hatte, die man mit deutschen Besatzern belegen wollte. Das Nazi-Hauptquartier sollte das Senate House werden, das jetzt die University of London beherbergt. Für seine eigenen Büros in London soll sich Hitler das Ibex House am Tower Hill ausgesucht haben. Das Eton College war verplant, um dort die Kinder von Nazi-Größen und Offizieren zur Schule gehen zu lassen, und viele Stately Homes und Landhäuser waren vorgesehen, um dort Generäle und Parteiführer unterzubringen.

Weiterhin wollte man nach der Invasion in großem Stil missliebige Menschen auf der Insel aus dem Verkehr ziehen und verhaften; diese waren in der sogenannten Sonderfahndungsliste G.B. erfasst, die in Großbritannien Hitler’s Black Book bezeichnet wurde. Minutiös waren darin deren Namen, Geburtsdaten, Berufe und, wenn bekannt, die Adressen aufgelistet; zusätzlich gab es einen Vermerk, welche Referate des Reichssicherheitshauptamtes an der jeweiligen Person interessiert waren. 2820 Positionen umfasste Hitler’s Black Book, darunter waren Leute aus der hohen Politik, aber auch viele Kulturschaffende, Journalisten und Emigranten. Sehen wir uns einige dieser auf der Fahndungsliste stehenden an:

Winston Churchill stand natürlich darauf, angegeben mit seinem Wohnsitz Chartwell House bei Westerham in Kent. Interessiert an seiner Verhaftung war das Amt VI A (Allgemeine auslandsnachrichtendienstliche Aufgaben), das ab 1942 SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Walter Schellenberg unterstellt war.

Die „Dienststelle Dr. Wilfried Krallert“ (Referat VI G) wollte den Schriftsteller und Schauspieler Noël Coward einkassieren, der damals für den britischen Inlandgeheimdienst arbeitete und den Nazis ein Dorn im Auge war.

Den jüdischen Schriftsteller Stefan Zweig wollten die Nazis nach einer Invasion schnell aus dem Verkehr ziehen, was auch für den britisch-jüdischen Verleger und Hitlerhasser Victor Gollancz galt, an dessen Verhaftung ebenfalls das Referat VI G Interesse bekundete.

Weiterhin standen im Black Book: Der Physiker Wolfgang Berg, der französische General Charles de Gaulle, der Bildhauer Jacob Epstein, die Schriftsteller Edward Morgan Forster, Aldous Huxley und Herbert George Wells, der Philosoph Bertrand Russell und der Politiker und spätere Premierminister Harold Macmillan.

Das ist nur ein winzig kleiner Auszug aus der Sonderfahndungsliste G.B. Wäre es tatsächlich zu einer deutschen Invasion gekommen, hätten wohl die meisten der im Black Book genannten Personen nicht lange überlebt.

Das in den 1930er Jahren gebaute Ibex House, mit der Adresse 42-47 The Minories, in der City of London sollte Hitlers Büros beherbergen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Jack the Ripper Museum in der Londoner Cable Street

Author: Mike Prior.
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Seit August 2015 gibt es im Londoner East End in der Cable Street ein Museum, das dem wohl berühmtesten Verbrecher der Stadt, Jack the Ripper, gewidmet ist, der im Jahr 1888 fünf Frauen ermordete und möglicherweise noch weitere Morde auf dem Gewissen hat. Es war in London höchst umstritten, ob man diesem brutalen Menschen, der nie gefasst wurde, mit diesem Museum ein Denkmal setzten sollte. Ursprünglich ging man davon aus, dass hier in der Cable Street Nummer 12 ein Museum entstand, dessen Thema die Geschichte der Frauenbewegung war, umso entsetzter reagierten die Feministinnen der Stadt, als sie erfuhren, dass dort ein Mann im Mittelpunkt steht, der Frauen abgeschlachtet hatte. Es hagelte Proteste, aber das Jack the Ripper Museum blieb erhalten.

Was wird dem Besucher dort geboten? Auf mehreren Stockwerken sind Schauplätze nachgebaut worden wie sie damals zu den Zeiten des Rippers aussahen. Im Keller findet man Leichenhalle, an deren Wänden Autopsiefotos der ermordeten Frauen hängen. Zartbesaitete sollten besser nicht hier herabsteigen. Im ersten Stock erwartet den Besucher ein Nachbau des Mitre Squares, wo Catherine Eddowes vom Ripper ermordet wurde. Heute ist das ein kleiner, von Hochhäusern umgebener Platz. Im zweiten Stock sehen wir das Wohnzimmer von Jack the Ripper…so wie es sich die Museumsbetreiber vorgestellt haben. Der dritte Stock beinhaltet die Polizeistation, wo man einige echte Ausstellungsstücke von damals findet wie die Pfeife mit der Constable Watkins Hilfe herbei rief, nachdem er Catherine Eddowes‘ Leiche gefunden hatte. Heute würde man den Raum Incident Room bzw. Einsatzzentrale nennen. Wer noch eine Treppe weiter nach oben steigen möchte, dem wird im vierten Stock ein Schlafzimmer gezeigt, so wie es sie Ende des 19. Jahrhunderts zuhauf gab, in dem die arme Bevölkerung Londons, also auch die Opfer Jack the Rippers, die Nächte verbrachte.

Zum Abschluss des Besuches werden wohl die meisten noch einen Blick in den Shop werfen, wo es Dinge zu kaufen gibt, die das Herz eines jeden Ripperologen höher schlagen lassen: T-Shirts, Schlüsselanhänger, Trinkbecher, Totenköpfe mit Polizeihelm, Radiergummis usw. usw. Wem der Weg nach London zu weit ist, kann diese Ripper-Andenken auch bequem von zuhause aus im Online-Shop bestellen.

Die Cable Street erstreckt sich über fast zwei Kilometer durch das London Borough of Tower Hamlets; das Museum liegt am westlichen Ende.
Die Öffnungszeiten: Täglich von 9.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £12, bei vorheriger Onlinebuchung £10.

Hier ist ein Film über das Museum und die Kontroverse, die es auslöste.

Published in: on 14. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Tixall Gatehouse in Staffordshire – Ein historisches Torhaus, das man mieten kann

Wer keine Lust hat in Hotels, B&Bs oder in Mietcottages zu wohnen, dem bietet der Landmark Trust eine Fülle von Apartments an, die alle in historischen Häusern untergebracht sind (über den Landmark Trust berichtete ich in meinem Blog).
Ein besonders schönes dieser Landmark Trust-Objekte ist das Tixall Gatehouse, östlich von Stafford in der Grafschaft Staffordshire. 1968 hat der Trust das vollkommen heruntergekommene Torhaus übernommen, das seit 1927 ungenutzt herumstand, nachdem die Tixall Hall abgerissen worden war. Sowohl die Hall als auch das Gatehouse wurden im 16. Jahrhundert errichtet. Ein besonderes historisches Ereignis für die Hall fand im Jahr 1586 statt, als Maria Stuart zwei Wochen lang hier eingesperrt war.

1975 begannen die Restaurierungsarbeiten am Torhaus, die der Architekt Lawrence Bond vornahm, unterstützt von einem außerordentlich fähigen Spezialisten für Maurerarbeiten, der zwei Jahre lang auf sehr schonende Weise die Erneuerungsarbeiten am Mauerwerk vornahm.

Das Tixall Gatehouse bietet auf zwei Stockwerken Platz für maximal 6 Personen, verfügt über eine große Küche und hat als Besonderheit eine Dachterrasse, auf der man neben den Türmchen mit ihren goldverzierten Wetterfahnen bei schönem Wetter Platz nehmen kann.

Die Übernachtungspreise hängen stark von der Saison ab, so bekommt man das Gatehouse im Januar für £994 für 7 Nächte; im Juni kostet das dann schon £1,798. Wenn man das aber durch 6 teilt, bleiben pro Nacht und Person in der Hauptsaison nur noch rund £43 über. Dafür wohnt man aber in einem außergewöhnlichen historischen Gebäude.

Hier ist das Tixall Gatehouse von einer Drohne aus gefilmt zu sehen.

Dorneywood in Buckinghamshire – Landsitz des britischen Schatzkanzlers

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Theresa Mays Chequers Brexit Plan stieß sowohl im Inland wie auch im Ausland auf keine große Gegenliebe. Vorgestellt wurde der Plan in Chequers, das den britischen Premierministern als Landsitz zur Verfügung steht (s. dazu meinen Blogeintrag). Auch der Außenminister hat seinen Landsitz, auf den er sich manchmal am Wochenende zurückzieht, der heißt Chevening House und liegt bei Sevenoaks in Kent (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Damit der Schatzkanzler (Chancellor of the Exchequer) in dieser Hinsicht nicht zu kurz kommt, hat man auch ihm einen Landsitz zur Verfügung gestellt: Dorneywood in Buckinghamshire, am Rande der Burnham Beeches. Seit 2016 verbringt Philip Hammond, wenn es ihm seine knappe Zeit zulässt, seine Wochenenden hier; vor ihm war es George Osborne.

Dorneywood (nicht zu verwechseln mit Dorney Court bei Windsor) ist ein Haus, das im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Nach einem Brand im Jahr 1910 wurde es von dem namhaften schottischen Architekten Sir Robert Lorimer neu gestaltet. Ein Geschäftsmann mit dem schönen Namen Courtauld Greenwood Courtauld-Thomson, 1st Baron Courtauld-Thomson war der letzte Besitzer von Dorneywood, der seinen Landsitz dem National Trust übertrug und ihn der Regierung zur Verfügung stellte. Namhafte Bewohner des Hauses am Rande des Naturschutzgebietes Burnham Beeches waren John Prescott, Alec Douglas-Home und John Major.

Dorneywood liegt in einem Park, und die Bewohner können sich an einem sehr schönen Garten erfreuen, der zu bestimmten Zeiten auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Ganz in der Nähe von Dorneywood liegen zwei Pubs, die hin und wieder von vom Schatzkanzler und seinen illustren Gästen aufgesucht werden: The Blackwood Arms und The Jolly Woodman in Littleworth Common.

Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – John Wade: London Curiosities

Foto meines Exemplares.

Bücher über Londons Kuriositäten gibt es viele, von denen ich in meinem Blog einige vorgestellt habe wie:

Simon Leyland: A Curious Guide to London

David Long: Tunnels, Towers & Temples: London’s 100 Strangest Places

Tom Quinn: Eccentric London

Jamie Manners: The Seven Noses of Soho

Auch John Wade hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und „London Curiosities: The Capital’s Odd & Obscure, Weird & Wonderful Places“ geschrieben, für Besucher der Metropole, die nicht nur den Buckingham Palast, den Trafalgar Square und die St Paul’s Kathedrale sehen wollen. John Wade ist sowohl Journalist als auch Fotograf und war an mehr als 30 Büchern beteiligt, die in Großbritannien und den USA erschienen sind.

Einige der Kapitelüberschriften in John Wades Buch lauten „Weird Houses“, „Windmills and Lighthouses“, „Peculiar Parks “ und Tunnels under London“. Als kleine Appetithäppchen für dieses Buch nenne ich hier einige Beispiele:

Auf einer kleinen Insel im See des St James’s Park liegt die Duck Island und darauf das Duck Cottage, in dem einmal der Dichter Stephen Duck gewohnt hat.

An der Old Bond Street in Mayfair steht eine Bank, die ständig besetzt ist: Von Winston Churchill und Franklin Roosevelt, beide in Lebensgröße und in Bronze. Es bleibt zwischen ihnen etwas Platz, auf den sich gern jemand setzt und sich dort fotografieren lässt.

Im Stadtteil Bermondsey findet man am Mandela Way auf einem kleinen Grundstück einen ausgemusterten russischen Panzer, dessen Rohr in Richtung Stadtverwaltung zeigt. Über die Hintergründe dieser Kuriosität habe ich in meinem Blog geschrieben.

John Wade: London Curiosities: The Capital’s Odd & Obscure, Weird & Wonderful Places. Pen & Sword Books 2017. 211 Seiten. ISBN 978-1-47387-911-9. 

Das Duck Cottage auf Duck Island im St James’s Park.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)

Churchill und Roosevelt machen es sich auf dieser Bank in Mayfair gemütlich.
Photo © John Allan (cc-by-sa/2.0)

Der russische Panzer am Mandela Way.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 11. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Café Royal in der Londoner Regent Street

Das ehemalige Café Royal, bevor es zum Hotel umgebaut wurde.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Nicht nur Paris hatte seine Literaten- und Künstlercafés, auch in London gab es diese Stätten, in denen sich Schriftsteller und Maler zusammenfanden, um dort miteinander ihre Zeit zu verbringen. Das Café Royal in der Regent Street Nummer 68 war eines davon. Es wurde von einem französischen Ehepaar  Daniel Nicholas und Célestine Thévenonin in den 1860er Jahren gegründet. Daniel nannte sich in Daniel Nicols um, und er sah in den folgenden Jahren, dass viele seiner Landsleute in London sein Café aufsuchten, weil es sie an die Pariser Cafés  erinnerten. Einige Jahre später entdeckte auch die Londoner Künstler- und Literatenszene das Lokal an der im Zentrum gelegenen Regent Street und fand sich hier regelmäßig ein.

Die illustren Gäste des plüschigen Cafés waren u.a. Oscar Wilde (nach dem eine Lounge im heutigen Hotel Café Royal benannt ist) und Aubrey Beardsley, die sich hier immer um Punkt 13 Uhr zum Mittagessen einfanden. Der Karikaturist Max Beerbohm war hier häufig anzutreffen wie später Winston Churchill, George Bernard Shaw, Noel Coward und Elizabeth Taylor. Auch der Adel war vertreten wie Edward, Prince of Wales, der spätere Edward VIII, und Diana, Princess of Wales. Irgendwann ließ dann die Attraktivität des Regent Street Cafés nach und es wurde im Jahr 2008 geschlossen.

Ich kannte es noch als Café und Restaurant. Nach der Schließung erfolgte ein kompletter Umbau in den Jahren 2008 bis 2012 und es entstand ein Hotel, das den Namen beibehielt, das 5*-Haus Hotel Café Royal. 160 Zimmer und Suiten stehen den Gästen zur Verfügung, die für eine Übernachtung ein Minimum für rund €450 für ein Standardzimmer einplanen müssen.

Seit kurzem, dem 20. September, gibt es im Hotel die Bar Ziggy’s, eine Hommage an David Bowie und seinen Ziggy Stardust. Der Sänger war gern und häufig im Café Royal, und die Bar ist mit vielen Fotos von ihm dekoriert. Es werden Cocktails angeboten, deren Namen auf Bowies Textpassagen basieren wie zum Beispiel „Tongue Twisting Storm“, „Electric Dream“ und „Tigers on Vaseline“ aus dem Song „Hang on to Yourself„, der auf dem Album „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ zu hören ist.

Hier ist ein Film über das Hotel Café Royal.

Published in: on 10. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Incredible Edible – Eine Organisation, deren Ursprung in Todmorden in West Yorkshire liegt

Der Markt von Todmorden.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Mit der Kleinstadt Todmorden in West Yorkshire habe ich mich vor einiger Zeit in meinem Blog beschäftigt. Hier entstand im Jahr 2008 eine Bewegung, die sich Incredible Edible nennt, die sich zu 100% aus freiwilligen und unbezahlten Bewohnern der Stadt zusammensetzt, die sich alle das Ziel gesetzt haben, Todmorden zur ersten Stadt in Großbritannien zu machen, die soweit wie möglich unabhängig ist von der Versorgung mit Lebensmitteln, vor allem mit Obst und Gemüse…und das auch noch kostenlos.

Wie das funktioniert? Man hat dort alle unbebauten und hässlichen Flecken in der Stadt umfunktioniert; da, wo sich neben Parkplätzen, Supermärkten und verwahrlosten Grundstücken Müll und Dreck angesammelt hatte und wo Hunde ihre Geschäfte verrichteten, hat man Essbares angepflanzt wie Obst, Gemüse, Kräuter, Salate und vieles andere mehr. Das sieht zum einen schon sehr viel schöner aus und zum anderen kann sich dort jedermann bedienen, ohne etwas bezahlen zu müssen. Eine wirklich tolle Idee! Auf dem Parkplatz des Todmorden Health Centres kann man sich den neu angelegten Apothecary Garden ansehen, auf dem Heilkräuter angepflanzt worden sind.

Incredible Edible unterstützt auch die Bewegung Shop Local, deren Motto „Put your money where your house is“ lautet. Man versucht in Todmorden weitgehend lokale und regionale Produkte zu verwenden, sei es in den Geschäften oder auf den Marktständen.

Ein weiteres Ziel von Incredible Edible ist es, durch diese Pflanzaktionen und auch durch Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Stadt zu fördern. Dieser CNN-Film zeigt die Aktivitäten in Todmorden.

Die hier in West Yorkshire entstandene Bewegung hat Schule gemacht: Über 100 Gruppen sind in Großbritannien gegründet worden, die zum Incredible Edible Netzwerk gehören, weltweit sind es sogar schon über 1000. In England machen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, folgende Ort mit: Hook Norton in Oxfordshire, Ludlow in Shropshire, Swindon in Wiltshire, Totnes in Devon, aber auch einzelne Stadtteile in  London wie Barnet und Lambeth.

In Deutschland nennt sich das Projekt Essbare Stadt; Kassel und Andernach waren die ersten Städte, die auf den in Todmorden gestarteten Wagen aufgesprungen sind.

Die Burnley Road in Todmorden; links, angebautes Gemüse.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)

Die All Saints Parish Church in Houghton Conquest (Bedfordshire) und der Diebstahl ihres Daches

Vor wenigen Tagen machte eine Pressemeldung die Runde, auch durch deutsche Tageszeitungen, dass in einem englischen Ort namens Houghton Conquest das Dach der Dorfkirche gestohlen worden ist. Etwa 20 Tonnen Blei erbeuteten die dreisten Diebe bei dieser Aktion, die nicht bei Nacht und Nebel, sondern am helllichten Tag über die Bühne gegangen ist. Wie konnte das passieren?

Erst einmal zur Lage von Houghton Conquest. Der 1500 Einwohner umfassende Ort liegt mitten in der Grafschaft Bedfordshire, südlich von Bedford, dicht an der A6, die die Grafschaftshauptstadt mit Luton verbindet. Die Parish Church All Saints findet man an der Straße The Grove, der Verlängerung der High Street; direkt gegenüber steht der Pub The Knife and Cleaver. Da fragt man sich, wie es möglich ist, ein komplettes Kirchendach abzuräumen, ohne dass irgendjemand merkt, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, direkt vor den Augen der Pubbesucher und der Pubangestellten. In so einem winzigen Dorf spricht es sich doch eigentlich schnell herum, dass eine Kirchendachreparatur ansteht, denn als solche haben es die Diebe wohl aussehen lassen, die sich als Handwerker ausgaben und mit ihren Transportfahrzeugen mehrere Tage lang an der Kirche parkten. Sie müssen dabei Leitern und ein Gerüst verwendet haben. War denn in dieser Zeit weder der Pfarrer noch jemand vom Kirchenvorstand dort und hat die merkwürdigen Vorgänge auf dem Dach beobachtet?

Bemerkt wurde das fehlende Bleidach erst, als jemand im Inneren der Kirche nach oben schaute und das Tageslicht durch die Decke sehen konnte. Jetzt reiben sich die wirklich sehr dreisten Diebe die Hände und freuen sich über den Erlös, den der Verkauf der 20 Tonnen Blei gebracht hat, und die Kirchenleute stehen jetzt bedeppert da und müssen zusehen wie sie an ein neues Dach kommen, dessen Reparatur mehrere £10 000 kosten wird; die Versicherung will nicht alle Kosten übernehmen.

All Saints wurde im 14. Jahrhundert erbaut und gilt als die größte Parish Church in Bedfordshire.

Ob es sich wohl um die gleichen Diebe handelt, die Ende Juli in Houghton Regis, ebenfalls in Bedfordshire, vom Dach eines Firmengebäudes in der Blackburn Road Blei im Wert von £600 gestohlen haben und dabei einen Schaden anrichteten, der sich auf etwa £40,000 beläuft? Vielleicht haben sie erst in Houghton Regis geübt, um dann in Houghton Conquest richtig zuzuschlagen.

Der Pub gegenüber der Kirche.
Photo © Alex McGregor (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Die Katastrophe in der Londoner U-Bahnstation Bethnal Green am 3. März 1943

Das Bethnal Green Memorial Stairway to Heaven.
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

An der Londoner U-Bahnstation Bethnal Green, im Bethnal Green Garden, steht das Monument Stairway to Heaven, geschaffen von Harry Paticas, das in diesem Jahr sowohl mit dem RIBA London Award als auch mit dem RIBA National Award ausgezeichnet worden ist. Das Denkmal erinnert an die Opfer des tragischen Unglücks vom 3. März 1943, bei dem binnen weniger Minuten 173 Menschen zu Tode kamen.
Es ereignete sich in der U-Bahnstation Bethnal Green an der Cambridge Heath Road im Stadtteil Bethnal Green. Neben den Toten gab es noch viele Verletzte, die in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert wurden und wie viele Menschen ihr Leben lang ein Trauma erlitten, ist nicht bekannt. Kurz nach 20 Uhr ertönten an diesem Tag die Sirenen und warnten vor einem bevorstehenden Luftangriff. Die Menschen gingen zu der U-Bahnstation, die noch gar nicht fertig war und noch keine Geleise hatte, aber als Luftschutzbunker diente. Bis dahin lief noch alles ganz ruhig ab; der Eingang zur U-Bahn hatte aber einige Tücken: Es gab zwar seitliche Handläufe, aber keinen in der Mitte, er war nur schwach beleuchtet, die Stufen waren uneben, so dass man darauf leicht abrutschen konnte, und es gab niemanden, der dort Aufsicht führte. Als es plötzlich einen extrem lauten Knall gab, dachten alle, dass jetzt eine Bombe eingeschlagen hatte, und es machte sich Panik breit. Die Schutzsuchenden stürzten sich in den engen Eingang und dann geschah es: Jemand fiel auf der Treppe hin und die nachfolgenden Männer, Frauen und Kinder wurden von der Masse zu Tode getrampelt. Es müssen sich dort unten dramatische Szenen abgespielt haben.

Später kam heraus, dass es sich bei dem lauten Knall nicht um eine Bombe gehandelt hatte, die von einem Flugzeug der deutschen Luftwaffe abgeworfen worden war, sondern um ein neuartiges Flugabwehr-Raketensystem namens Unrotated Projector, das im Victoria Park, nur einige hundert Meter entfernt, eingesetzt wurde.

Eigenartigerweise hielten die Behörden das Unglück 36 Stunden lang geheim (soweit man eine Katastrophe diesen Ausmaßes überhaupt geheim halten kann), und man vermutete, dass da irgendetwas vertuscht werden sollte.

Neben dem Stairway to Heaven-Denkmal erinnert noch eine Plakette an die vielen Opfer, die 50 Jahre nach dem Unglück im Jahr 1993 im Treppenhaus der U-Bahnstation Bethnal Green angebracht wurde, dort, wo die Menschen zu Tode gekommen waren.

Dieser Film dokumentiert das Geschehen an diesem denkwürdigen Tag und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen.

Der Eingang zur U-Bahnstation Bethnal Green. Hier ereignete sich die Katastrophe am 3. März 1943. Die Erinnerungsplakette ist oben links an der Stirnseite der Mauer zu sehen
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Der Bahnsteig von Bethnal Green heute.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hue and Cry auf Burgh Island in Devon

Die Reste der Kapelle bzw. die Huer’s Hut auf Burgh Island.
Photo © Rob Purvis (cc-by-sa/2.0)

Über das nostalgische Burgh Island Hotel vor der Südküste Devons bei Bigbury habe ich in meinem Blog schon berichtet. Burgh Island ist bei Ebbe zu Fuß zu erreichen, bei Flut holt bzw. bringt der Sea Tractor des Hotels seine Gäste hin und zurück. Dann gibt es noch den Pilchard Inn auf der kleinen Insel und das war es denn auch…bis auf die Mauerreste einer kleinen Kapelle auf der höchsten Stelle von Burgh Island.
Diese Ruinen dienten eine Zeit lang als „Huer’s Hut„, als Beobachtungsposten für jemanden mit scharfen Augen, der im Auftrag der lokalen Fischer eingerichtet worden war, um von dort oben nach Sardinenschwärmen (pilchards) Ausschau zu halten, die hin und wieder vor der Südküste Devons vorbeizogen. Sobald der Ausguck einen Schwarm im Meer gesichtet hatte, veranstaltete er einen Riesenlärm, woraufhin die Fischer zu ihren Booten liefen, in See stachen und ihre Netze mit den zappelnden Tieren füllten. Heute gibt es diese Fischschwärme nicht mehr.

Der von dem Ausguck verursachte Lärm ging in die englische Sprache ein und heißt „hue and cry„, wobei das „hue“ aus dem Altfranzösischen übernommen wurde (huer=rufen). Im Deutschen spricht man „Zeter und Mordio schreien“, ein nur noch selten verwendeter Ausdruck. Ich kann mir vorstellen, dass der Ausguck oben in der sturmumtosten Huer’s Hut, nachdem er Feierabend hatte, erst einmal im Pilchard Inn einkehrte, um sich dort aufzuwärmen und das eine oder andere Pint zu trinken.

Hue and Cry“ war auch der Titel eines Films, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gedreht wurde, mit Burgh Island und seinen Fischern aber nichts zu tun hat. Hier ist ein Ausschnitt.

Ein Gesangsduo aus Schottland, die Brüder Pat und Greg Kane, nennen sich auch Hue and Cry. Sie wurden 1987 mit „Labour of Love“ bekannt.

Die Ruine noch einmal aus einer anderen Perspektive.
Photo © Debbie J (cc-by-sa/2.0)

Burgh Island bei Ebbe.
Photo © Kate Jewell (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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M(K)ein Buchtipp – Jon Bounds and Danny Smith: Pier Review – A Road Trip in Search of the Great British Seaside

Foto meines Exemplares.

Als ich von dem Buch „Pier Review – A Road Trip in Search of the Great British Seaside“ von Jon Bounds und Danny Smith erstmals hörte, musste ich es mir unbedingt kaufen, denn ich fand die Idee der beiden Autoren interessant, binnen zwei Wochen sämtliche Piers in England und Wales aufzusuchen, insgesamt 55 Stück. Mit einem alten Renault Clio brechen sie auf, am Steuer ihr Kumpel Midge, und beginnen die Rundreise in Weston-super-Mare (Somerset) am Grand Pier (Westons Birnbeck Pier ist seit 1994 für die Öffentlichkeit geschlossen). Die Drei beenden ihre Tour gegenüber von Weston-super-Mare an der Seebrücke im walisischen Penarth.

Das klingt alles sehr interessant, aber eigentlich haben Jon, Danny und Midge gar keine richtige Lust auf ihre Fahrt. Sie haken eine Pier nach der anderen ab, finden viele „boring“ (was sicher auch für einige zutrifft); überhaupt findet sich das Wort „boring“ erstaunlich häufig in dem Buch, nur noch getoppt von „fuck“ und „fucking“ („fucking boring as shit“). Die Sprache, mit der die drei Männer untereinander kommunizieren, ist gewöhnungsbedürftig. Sie sind sehr viel mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit dem eigentlichen Thema, den Piers, und weil vieles für sie so langweilig ist, suchen sie immer wieder Trost in Pubs und trinken dort jede Menge Bier („We’re drinking to kill time“).

Mit Hilfe von Crowdfunding haben die Männer ein wenig Geld gesammelt und können damit keine großen Sprünge machen; sie übernachten bei Freunden, Bekannten oder im Zelt. Beim Übernachten auf dem kleinen Zeltplatz am Castle Inn in Ramsey (Essex) werden sie von einer Gruppe übler Typen überfallen. Dort im Pub ereignete sich am 22. März 1979 eine Schießerei, bei der der 18jährige flüchtige Verbrecher Paul Howe von einem Polizisten niedergestreckt wurde.

Mein Fazit: Wenn ich noch nie in England war und dieses Buch gelesen habe, würde ich es mir sehr genau überlegen, ob ich wirklich dort hinfahren möchte. Bei den Amazon Customer Reviews kommt „Pier Review“ erstaunlich gut weg, lediglich zwei Rezensenten sind meiner Meinung (“ bad language“, „More interested in talking about themselves than the places that they visit“).

Jon Bounds and Danny Smith: Pier Review – A Road Trip in Search of the Great British Seaside. Summersdale 2017. 319 Seiten. ISBN 978-1-84953-811-4

The Grand Pier in Weston-super-Mare – Beginn der Reise.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Der Penarth Pier – Ende der Reise.
Photo © John Lord (cc-by-sa/2.0)

The Castle in Ramsey (Essex).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sir Winston Churchills Spielzeugladen in Whitchurch (Buckinghamshire)

Die High Street von Whitchurch. Links hinter der Mauer liegt The Firs, rechts The White Swan.
Photo © Colin Pyle (cc-by-sa/2.0)

MD1, oder auch Ministry of Defence, 1 war im Zweiten Weltkrieg eine geheim gehaltene Einrichtung, in der hoch spezialisierte Männer ungewöhnliche Waffen entwickelten, die gegen Deutschland eingesetzt werden sollten. Die zentralen Figuren von MD 1 waren Millis Rowland Jefferis und Robert Stuart Macrae. Sir Winston Churchill interessierte sich sehr für das, was da hinter verschlossenen Türen alles ausgetüffelt wurde, denn Jefferis und Macrae ware außerordentlich findige Männer. So wurde MD 1 auch Churchill’s Toy Shop genannt, zuerst in London angesiedelt, doch nach den Bombenangriffen auf die Stadt ging die Abteilung nach Whitchurch in Buckinghamshire, einige Kilometer nördlich von Aylesbury. Dort wurde ein Haus namens The Firs an der High Street requiriert, das gut verborgen hinter einer Mauer und hohen Bäumen lag. The Firs, ein sehr schönes großes Fachwerkhaus, steht noch heute in Whitchurch, gegenüber vom Dorfpub The White Swan.

Zu Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 250 Menschen bei MD 1 und was dachten sich diese Spezialisten hier in der Idylle von Whitchurch nicht alles für Waffen aus:

Am bekanntesten war wohl die Sticky Bomb, eine Art Handgranate, die gegen Panzer eingesetzt werden sollte. Gegen den Widerstand des Kriegsministeriums setzte sich Churchill für diese Waffe ein, die in Stückzahlen von etwa 2,5 Millionen hergestellt wurde.

Die W-Bomb war für den Einsatz in Flüssen geplant, wo sie knapp unter der Wasseroberfläche ihre Ziele suchte. Auf dem Rhein verursachten diese Waffen schwere Schäden bei Schiffen und Brücken.

Weniger bekannt, aber äußerst unangenehm, war The Castrator, eine mit Patronen gefüllte Röhre, die in den Boden eingelassen wurde. Wenn ein Soldat darauf trat, wurde das Geschoss ausgelöst und traf genau auf die empfindlichsten Teile des Mannes.

The Great Eastern, eine mobile, von Panzern selbst gelegte Brücke, bei der Raketen zum Einsatz kamen.

Sir Winston hatte seine helle Freude an diesen technischen Neuerungen, die in seinem Toy Shop entwickelt wurden. In dieser Dokumentation kann man sich das alles noch einmal ansehen.

Stuart Macrae hat ein Buch über das Thema geschrieben: „Winston Churchill’s Toy Shop: The Inside Story of Military Intelligence (Research)„, 2012 bei Amberley Publishing erschienen.

Heute ist in The Firs in Whitchurch die Firma Plenham Limited untergebracht, „Publishing of consumer and business journals and periodicals“, die u.a. das Bodyshop Magazine herausgibt.

Eine der Erfindungen von MD 1: The Sticky Bomb.
This work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

 

Published in: on 4. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Tenbury Wells (Worcestershire) – The Mistletoe Capital of the UK

Ein von Misteln befallener Baum.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Tenbury Wells ist eine Kleinstadt am River Teme im Nordwesten der Grafschaft Worcestershire. Anfang Dezember eines jeden Jahres ist hier die Mistel (mistletoe) das alles beherrschende Thema, denn Tenbury Wells ist die Mistletoe Capital of the UK. Die Mistel ist ein Halbparasit, der sich gern auf Bäumen ansiedelt, die dann wie mit Adlernestern bestückt aussehen. Diese Bäume sind gar nicht glücklich über diese ungebetenen Gäste, sind aber froh, wenn die Misteln im Spätherbst „geerntet“ werden, denn dann haben sie wieder ihre Ruhe. In der Region um Tenbury Wells gibt es viele Misteln, die vornehmlich in den Obstplantagen wachsen, und die stehen am ersten Samstag nach dem ersten Dezember beim Mistletoe Festival im Mittelpunkt.  Die 2004 gegründete Tenbury Mistletoe Association hat es im Parlament in London durchgesetzt, dass der 1. Dezember der offizielle National Mistletoe Tag ist.

Bei dem Festival in Tenbury Wells wird eine  Mistletoe Queen gewählt, die nach der Krönung zum Mistletoe Kissing Tree geführt wird, wo dann das Kiss-a-thon eröffnet wird (in den angelsächsischen Ländern gibt es den weihnachtlichen Brauch sich unter Mistelzweigen zu küssen), ein Massenküssen, an dem zuletzt weit über 200 Menschen teilgenommen haben. Nachmittags zieht die Santa Parade durch die Stadt, überall gibt es Stände, im Mistletoe Shop werden aus Misteln angefertigte Gegenstände angeboten und im Kings Head Pub findet eine Christmas Fayre statt. Vor und nach dem Festival gibt es in den Burford House Garden Stores drei Auktionen, bei denen Misteln ersteigert werden können, in diesem Jahr am 27. November, 4. und 11. Dezember. Diese Auktionen sind in erster Linie für Großhändler gedacht, aber jedermann kann dabei zuschauen und auch mitbieten.

Hier ist ein Film über Tenbury Wells und seine Misteln.

Bei InterMISTLETOE kann man im Internet alles Mögliche und Unmögliche rund um Misteln bestellen.

Hier ist ein Film über das Küssen unter einem Mistelzweig. Justin Bieber hat einmal einen Song namens „Mistletoe“ aufgenommen.

Die Teme Street in Tenbury Wells, auf der sich auch ein Teil des Festivals abspielt.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

The Kings Head, Schauplatz der diesjährigen Christmas Fayre.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 3. Oktober 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Die Top Ten der britischen Buchbestsellerlisten am 1. Oktober 2018

Hin und wieder werfe ich in meinem Blog einen Blick auf die aktuellen Bücherbestsellerlisten in Großbritannien. Heute nehme ich die Top Ten bei W.H. Smith unter die Lupe, in der Rubrik Sachbücher. Wie so oft werden die Bestsellerlisten auch in dieser Woche wieder von Kochbüchern dominiert, vier Stück finden wir unter den ersten zehn. Hier ist die Liste vom Stand 1. Oktober 2018:

Platz 1. Adam Kay: This is Going to Hurt – Secret Diaries of a Junior Doctor.
Das Buch erscheint auf Deutsch am 17. Dezember 2018 im Goldmann-Verlag unter dem Titel „Jetzt tut es gleich ein bisschen weh: Die geheimen Tagebücher eines Assistenzarztes“. „Kays Tagebücher bringen alles ans Tageslicht, was Sie jemals über den Krankenhausalltag wissen wollten – und auch einiges, was besser im Verborgenen geblieben wäre“, so heißt es in der Vorschau zur deutschen Ausgabe. Adam Kay war Assistenzarzt in einem NHS-Krankenhaus, bevor er unter die Comedians gegangen ist und sich in diesem Genre eine Karriere aufgebaut hat.

Platz 2. The Hubb Community Kitchen: Our Community Cookbook.
Nach dem verheerenden Brand in dem Londoner Hochhaus Grenfell Tower, taten sich Frauen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, die in diesem Viertel wohnen, um für die Nachbarschaft zu kochen und damit auch die Gemeinschaft zu fördern. The Hubb Community Kitchen nennen sie sich, und sie sind über die Grenzen Londons bekannt geworden, als sie kürzlich von Meghan Markle, der Herzogin von Sussex, besucht wurden, die auch das Vorwort zu dem Buch geschrieben hat.

Platz 3. Bob Woodward: Fear – Trump in the White House.
Das Buch erscheint am 8. Oktober 2018 bei Rowohlt auf Deutsch unter dem Titel „Furcht: Trump im Weißen Haus“.
Einer der berühmtesten Journalisten der USA wirft  einen Blick hinter die Kulissen des Weißen Hauses und kommt zu erschreckenden Ergebnissen. Ich habe das Buch gerade gelesen und war davon fasziniert.

Platz 4. Joe Wicks: Joe’s 30 Minute Meals – 100 Quick and Healthy Recipes.
Fitness-Guru Joe Wicks alias The Body Coach beschäftigt sich in seinem Buch erneut mit gesunder Ernährung.

Platz 5. Jamie Oliver: Jamie Cooks Italy.
Das Buch liegt in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Jamie kocht Italien: Aus dem Herzen der italienischen Küche“ im Verlag Dorling Kindersley vor. Einer der bekanntesten Köche Großbritanniens mit seinem aktuellen Buch über Italiens kulinarische Genüsse, basierend auf seiner TV-Serie.

Platz 6. Sir Max Hastings: Vietnam – An Epic Tragedy 1945-1975.
Der Kriegsreporter und Auslandskorrespondent Sir Max Hastings schreibt über die Vietnamkriege, deren letzten er selbst hautnah miterlebte.

Platz 7. Guinness World Records 2019.
Das Buch erschien im September 2018 auf Deutsch unter dem selben Titel im Ravensburger Buchverlag.

Platz 8. Yotam Ottolenghi: Simple.
Gerade vor wenigen Tagen in deutscher Übersetzung unter dem selben Titel bei Dorling Kindersley erschienen.
Die Bücher des israelisch-britischen Kochs werden alle zum Bestseller. Sein aktuelles Buch: „S – short on time: less than 30 minutes I – 10 ingredients or less M – make ahead P – pantry L – lazy E – easier than you think“.

Platz 9. Peter Crouch: How to be a Footballer.
Der ehemalige Fußballnationalspieler Peter Crouch („The funniest man in British sport“), der jetzt für Stoke City spielt und immer für seine Körpergröße auffiel (er misst 2,01 Meter) schreibt über die Welt des Fußballs.

Platz 10. Yuval Noah Harari: Sapiens – A Brief History of Humankind.
Deutsch: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, bereits 2015 im Pantheon-Verlag erschienen.
Der Buchtitel des israelischen Autors spricht für sich selbst.

Published in: on 2. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar