Hitler’s Black Book – Eine Sammlung von Adressen missliebiger Menschen in Großbritannien, die die Nazis eliminert haben wollten

Das Senate House an der Malet Street in London, das für die Nazi-Hauptverwaltung vorgesehen war.
Photo © kim traynor (cc-by-sa/2.0)

Der Größenwahn Adolf Hitlers und seiner Regierung umfasste immer wieder auch eine Invasion Großbritanniens, die Gott sei Dank nie zustande kam. Wie weit die Pläne schon gediehen waren, zeigt sich daran, dass man sich schon bestimmte Gebäude ausgeguckt hatte, die man mit deutschen Besatzern belegen wollte. Das Nazi-Hauptquartier sollte das Senate House werden, das jetzt die University of London beherbergt. Für seine eigenen Büros in London soll sich Hitler das Ibex House am Tower Hill ausgesucht haben. Das Eton College war verplant, um dort die Kinder von Nazi-Größen und Offizieren zur Schule gehen zu lassen, und viele Stately Homes und Landhäuser waren vorgesehen, um dort Generäle und Parteiführer unterzubringen.

Weiterhin wollte man nach der Invasion in großem Stil missliebige Menschen auf der Insel aus dem Verkehr ziehen und verhaften; diese waren in der sogenannten Sonderfahndungsliste G.B. erfasst, die in Großbritannien Hitler’s Black Book bezeichnet wurde. Minutiös waren darin deren Namen, Geburtsdaten, Berufe und, wenn bekannt, die Adressen aufgelistet; zusätzlich gab es einen Vermerk, welche Referate des Reichssicherheitshauptamtes an der jeweiligen Person interessiert waren. 2820 Positionen umfasste Hitler’s Black Book, darunter waren Leute aus der hohen Politik, aber auch viele Kulturschaffende, Journalisten und Emigranten. Sehen wir uns einige dieser auf der Fahndungsliste stehenden an:

Winston Churchill stand natürlich darauf, angegeben mit seinem Wohnsitz Chartwell House bei Westerham in Kent. Interessiert an seiner Verhaftung war das Amt VI A (Allgemeine auslandsnachrichtendienstliche Aufgaben), das ab 1942 SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Walter Schellenberg unterstellt war.

Die „Dienststelle Dr. Wilfried Krallert“ (Referat VI G) wollte den Schriftsteller und Schauspieler Noël Coward einkassieren, der damals für den britischen Inlandgeheimdienst arbeitete und den Nazis ein Dorn im Auge war.

Den jüdischen Schriftsteller Stefan Zweig wollten die Nazis nach einer Invasion schnell aus dem Verkehr ziehen, was auch für den britisch-jüdischen Verleger und Hitlerhasser Victor Gollancz galt, an dessen Verhaftung ebenfalls das Referat VI G Interesse bekundete.

Weiterhin standen im Black Book: Der Physiker Wolfgang Berg, der französische General Charles de Gaulle, der Bildhauer Jacob Epstein, die Schriftsteller Edward Morgan Forster, Aldous Huxley und Herbert George Wells, der Philosoph Bertrand Russell und der Politiker und spätere Premierminister Harold Macmillan.

Das ist nur ein winzig kleiner Auszug aus der Sonderfahndungsliste G.B. Wäre es tatsächlich zu einer deutschen Invasion gekommen, hätten wohl die meisten der im Black Book genannten Personen nicht lange überlebt.

Das in den 1930er Jahren gebaute Ibex House, mit der Adresse 42-47 The Minories, in der City of London sollte Hitlers Büros beherbergen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Oktober 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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