Das kleinste Museum der Welt in Warley (West Yorkshire)

Die Telefonzelle, allerdings noch bevor sie in ein Museum umgewandelt wurde.
Photo © Philip Crossley (cc-by-sa/2.0)

Über die Verwendung von ausgemusterten Telefonzellen habe ich in meinem Blog schon verschiedentlich geschrieben. In Snape in Suffolk wurde darin die kleinste Konzerthalle der Welt installiert, in Kersall in Nottinghamshire steht die „The best kept telephone box in the world“ und in Bromsgrove in Worcestershire findet man The National Telephone Kiosk Collection.

In Warley in West Yorkshire, einer Kleinstadt in der Nähe von Halifax, hat sich die Warley Community Association entschieden, die nicht mehr benötigte rote Telefonzelle neben dem Maypole Inn in ein Museum umzuwandeln, das am 8. Oktober 2016 vom Bürgermeister feierlich eröffnet wurde. Das kleinste Museum der Welt ist so klein/groß, dass gerade einmal ein Besucher hineinpasst, eine Kasse gibt es nicht (wo sollte die auch untergebracht sein), denn der Eintritt ist selbstverständlich kostenlos. Täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr steht es jedem Interessierten frei, das Warley Museum zu besichtigen, an dessen Entstehung  viele Menschen aus dem Ort beigetragen haben.

Nachdem die Telefonzelle komplett renoviert worden ist und einen neuen Anstrich erhalten hat, ging es an die Ausstellungsstücke, die gezeigt werden, und da handelt sich in erster Linie um lokale/regionale Exponate. Episoden aus der Geschichte der Stadt wurden in die Glasscheiben geritzt und Kurzbiografien der bekanntesten Bewohner Worleys sind auf einem Poster versammelt. Als Beispiel für eine renommierte Einwohnerin sei die Romanschriftstellerin Phyllis Bentley genannt, die auch mehrere Biografien über die Brontë-Schwestern geschrieben hat, vielleicht weil deren Vater Patrick Brontë eine Zeit lang im Ort gelebt hat.

Damit es nicht langweilig wird, werden in bestimmten zeitlichen Abständen die Exponate gewechselt.
Dieser Film der MSN zeigt einen Besuch im Warley Museum.

Published in: on 30. November 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Doubletree by Hilton Cambridge City Centre – Ein empfehlenswertes Hotel am River Cam in der Universitätstadt

Früher hieß es Garden House Hotel, jetzt ist es das Doubletree by Hilton Cambridge City Centre, das zu den Doubletree Hotels gehört, die wiederum zur Hilton-Gruppe gehören. Wer bei einem Cambridge-Besuch ruhig und doch relativ zentral wohnen möchte, der ist in diesem modernen Hotel sehr gut aufgehoben. Man sollte sich ein Zimmer geben lassen, das direkt auf den River Cam hinausgeht, denn der fließt direkt hinter dem Haus vorbei. Ein angenehmer Spaziergang entlang des Cam führt dann direkt ins Zentrum der Universitätsstadt Cambridge.

Das Doubletree Hotel verfügt über ein Fitness-Zentrum und ein Hallenbad, viele der 138 Zimmer haben einen Balkon. Das Frühstück und das Mittag- und Abendessen werden in Marco Pierre Whites Steakhouse Bar & Grill Cambridge eingenommen.

Die Übernachtungspreise (inklusive Frühstück) beginnen bei etwa €180 für ein Doppelzimmer, die Juniorsuite kostet um und bei €280. Ich habe hier zweimal gewohnt und kann das Haus sehr empfehlen!

Doubletree by Hilton Cambridge City Centre
Granta Place
Mill Lane
Cambridge CB2 1RT

Blick aus einem der Zimmer auf den River Cam.
Photo © Barbara Carr (cc-by-sa/2.0)

 

Tebay Services – Zwei Autobahnraststätten an der M6 in Cumbria

Tebay West Services.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Wenn man den Motorway M6 in Cumbria in Nord- oder in Südrichtung befährt, sollte man unbedingt einmal eine Rast bei den Tebay Services einlegen, die zwischen den Ausfahrten 38 und 39 liegen.

Diese beiden Autobahnraststätten gehören nicht zu den großen Ketten wie Moto, Welcome Break oder Roadchef, sondern sie sind die einzigen in England in Familienbesitz und gehören der Westmorland Family.
1972 bereits wurde die Raststätte in Nordrichtung eröffnet, 1993 folgte ein paar hundert Meter gegenüber eine Motorway Service Area in Südrichtung.

Die Tebay Services liegen in freier Landschaft inmitten von Bäumen und kleinen Seen; die Gebäude wurden aus Holz und Stein aus der unmittelbaren Umgebung gebaut. Man legt Wert auf umweltbewusstes Verhalten, so bietet das Restaurant überwiegend lokale Produkte an, z.B. Rind- und Lammfleisch von der eigenen Farm, die neben der Raststätte in Südrichtung liegt. Die Farm Shops wurden 2004 sogar von Prince Charles feierlich eröffnet.
Für Trucker gibt es eine eigene Raststätte an der M6, die sich J.38 Services nennt und an der Autobahnausfahrt 38 liegt. Eine weitere Raststätte, die von der Westmorland Motorway Services Limited betrieben wird, liegt an der A5 bei Gloucester zwischen Junction 11a und 12.
Das Familienunternehmen, das die Tebay Services betreibt, wurde vielfach ausgezeichnet, so beispielsweise mit dem Cumbria Family Business Award 2017 und dem Cumbria Life Food and Drink Award 2013.

Hier ist ein Film über die Tebay Services.

Tebay East Services.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 28. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Fan Museum in Greenwich – Fächer, Fächer, Fächer

Author: Visit Greenwich.
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Die meisten Besucher, die es nach Greenwich im Osten von London zieht, kommen hierher, um sich die Cutty Sark, das Royal Observatory oder das National Maritime Museum anzusehen. Es gibt hier aber noch ein Kleinod, das viele nicht kennen und das nicht so spektakulär ist: Das Fan Museum mit der Adresse 12 Crooms Hill ist das einzige Museum weltweit, das sich ausschließlich mit Fächern und deren Herstellung beschäftigt. Die Häuser des Museums liegen im Herzen des historischen Teils von Greenwich und gehören mit zur World Heritage Site.

1991 wurde das Fächer-Museum eröffnet und ist schon mehrfach ausgezeichnet worden für „outstanding contributions to the Arts and to tourism„. Aus dem umfangreichen Fundus an Fächern (mehr als 3500) werden alle vier Monate Sonderausstellungen zu speziellen Themen zusammengestellt. Im Augenblick wird bis zum Ende des Jahres die Ausstellung „The Romantic Age: European Fans 1810-1840“ gezeigt.
Was wäre ein Museum ohne einen Shop? Auch das Fan Museum verfügt über einen und hier kann man alles kaufen, was irgendwie mit dem Thema zusammenhängt: Schmuck, Kalender, Tassen und natürlich Bücher über Fächer.
In der angeschlossenen „Orangery“ kann man Hochzeiten feiern, Empfänge geben oder Konferenzen abhalten. Das Fan Museum ist auf alles eingerichtet und hat hier auch eine weitere Einnahmequelle.
Zu finden ist es ganz in der Nähe des National Maritime Museums und des Greenwich Theatres.

Hier ist ein Film über das Museum, das außer montags täglich geöffnet ist. Der Eintritt kostet £5.

Published in: on 27. November 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mews – Ehemalige Stallungen, die zu Wohnungen umgebaut worden sind

Die Buckingham Mews, ganz in der Nähe des Buckingham Palace.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0).

In London, aber auch in anderen Städten, findet man hin und wieder das Wort Mews in einem Straßennamen wie beispielsweise Buckingham Mews oder Royal Crescent Mews in der Hauptstadt. Mews waren vornehmlich im 17. und 18. Jahrhundert Stallungen, in denen Pferde und Kutschen untergebracht waren, d.h. im vornehmen Vorderhaus wohnten die Herrschaften und im Hinterhaus über den Stallungen die Kutscher. Das war bequem für die wohlhabenden Hausbesitzer, auf Wunsch konnten ihre Kutschen in Minutenschnelle vorgefahren werden und standen zu ihrer Verfügung.

Heute kann man den „Mews-Straßen“ noch immer ansehen, wozu sie früher dienten, nur dass hinter den Toren an Stelle von Pferden und Kutschen häufig Autos untergebracht sind; eine Garage in London zu haben, ist ein hohes Gut. Aus den wenig attraktiven Hinterhäusern  früherer Zeiten sind gesuchte, teuere Apartments und Büros geworden wie dieser Film zeigt.

Im folgenden finden sich einige typische Beispiele für Mews in London.

Die Royal Crescent Mews in Hammersmith.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Die Kynance Mews in Kensington.
Photo © Roger Jones (cc-by-sa/2.0)

Die Bryanston Mews West in Marylebone.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Holland Park Mews in Kensington.
Photo © Janusz Lukasiak (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Dagger of the Mind“ – Eine Episode der „Columbo“ TV-Serie, die 1972 in London gedreht wurde

The Royal Court Theatre am Sloane Square.
Photo © Stacey Harris (cc-by-sa/2.0)

Meine persönliche TV-Lieblingsserie aller Zeiten ist „Columbo„, mit Peter Falk (1927-2011) in der Hauptrolle, von der 69 Episoden im Zeitraum von 1969 bis 2003 gedreht wurden. Inspector Columbo löst seine Mordfälle in der Regel in Los Angeles und Umgebung, doch ein einziges Mal führt sein Weg auch nach Europa. In Episode 13, in der 2. Staffel, die den Originaltitel „Dagger of the Mind“ trägt und im deutschen Fernsehen als „Alter schützt vor Torheit nicht“ gezeigt wurde, bringt eine Dienstreise Columbo von L.A. nach London, wo er Scotland Yard einen Besuch abstatten soll. Voller Aufregung flitzt der Amerikaner durch die britische Metropole, wo er alles fotografiert, was ihm vor die Linse kommt, wobei natürlich der Buckinghampalast, die Wachablösung und die Tower Bridge nicht fehlen dürfen. Columbo begleitet Detective Chief Superintendent William Durk von Scotland Yard, gespielt von dem Waliser Bernard Fox (1927-2016), der zu einem Todesfall in einem Herrenhaus außerhalb der Stadt gerufen wird, wo ein älterer Herr, Sir Roger Haversham, dargestellt von dem englischen Schauspieler John Williams (1903-1983) angeblich die Treppe heruntergestürzt sein soll. Columbo merkt schnell, dass es sich hierbei um einen Mord handelt und löst den Fall schneller als Scotland Yard.

Die im Theatermilieu angesiedelte Episode wurde zum größten Teil auch in London gedreht. Das Theater, in dem der Mord begangen wird, ist das Royal Court Theatre am Sloane Square im Stadtteil Belgravia, wo die Karrieren von Autoren wie John Osborne, Samuel Beckett und Arnold Wesker begannen. 1870 wurde es als The New Chelsea Theatre eröffnet und ist noch heute eines der führenden West End Theater. Als die Columbo-Folge 1972 hier gedreht wurde, spielte man gerade das Stück „Owners“ der englischen Dramatikerin Caryl Churchill. Columbo trifft sich vor dem Theater in strömendem Regen mit dem Hausmeister des Theaters, eigentlich regnet es meistens in dieser Episode, wohl weil die amerikanischen Produzenten London automatisch mit Regen verbanden und ihm so ein Stück Authentizität geben wollten.

Ein weiterer Schauplatz und Drehort war das Royal College of Music in der Prince Consort Road in Kensington, das als Wachsfigurenmuseum herhalten musste. 1883 wurde diese berühmte Musikakademie eröffnet und zählte u.a. Ralph Vaughan Williams, Benjamin Britten und Andrew Lloyd Webber, um nur einige zu nennen, zu ihren Studenten. In diesem Gebäude kommt es bei „Alter schützt vor Torheit nicht“ zum Showdown, wo Columbo die Mörder überführt.

Kommen wir zu dem Landhaus, in dem Sir Roger Haversham am Fuß einer Treppe tot aufgefunden wird, und das mehrfach im Laufe des Films gezeigt wird. Es sieht zwar aus wie ein echtes englisches Manor House, steht aber in…Beverly Hills. Es handelt sich hier um das Greystone Mansion am Loma Vista Drive Nummer 905, das 1928 im Tudor Revival Stil erbaut wurde und in dem zahllose Filme entstanden. Sogenannte Mock Tudor-Häuser waren einmal eine Zeit lang beliebt in Beverly Hills. Ich erinnere mich an eine Fahrt auf dem Benedict Canyon Drive, bei der ich mehrere dieser Häuser sah. Die „Todestreppe“ im Greystone Mansion kann man beispielsweise auch in den Musikvideos „I Want Love“ von Elton John und in Mariah Careys „It’s Like That“ sehen. Vermutlich haben die Columbo-Produzenten aus Kostengründen das Beverly Hills-Mansion verwendet, statt im Dunstkreis von London nach einem echten Landhaus als Drehort Ausschau zu halten.

Hier ist eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Szenen aus „Dagger of the Mind“ zu sehen.

The Royal College of Music in Kensington.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Das Greystone Mansion in Beverly Hills.
Author: Los Angeles
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Published in: on 25. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Tom Thumb Theatre in Margate (Kent) – Eines der kleinsten Theater der Welt

Tom Thumb ist eine Figur der englischen Folklore und entspricht etwa dem Däumling in der deutschen Märchenwelt. Er war so winzig wie der Daumen seines Vaters, und er soll in Tattershall in  Lincolnshire gelebt haben und dort auch gestorben sein. In der Holy Trinity Church existiert eine Grabplatte mit der Inschrift „T. Thumb – Aged 101 – Died in 1620“.

Nach diesem Mini-Wesen benannt ist eines der kleinsten Theater der Welt, das Tom Thumb Theatre in Margate (Kent). 1896 wurde das Gebäude als Schuppen für Kutschen erbaut. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel es allmählich und wurde zuletzt als Garage genutzt, als Lesley und Sarah Parr-Byrne es 1984 vor dem Abriss retteten. Sie kauften das Haus und errichteten darin ein winziges Theater mit einer Bühne, die gerade einmal 3,06 Meter x 2,04 Meter misst. 1985 wurden die beiden Besitzer dafür mit dem Civic Award ausgezeichnet. Das Haus an der Eastern Esplanade ist plüschig in viktorianischem Stil eingerichtet und bietet ein breites Spektrum an Veranstaltungen. Da gibt es Comedyabende, Filmvorführungen, Bands treten auf, experimentelles Theater findet statt usw. usw.

Heute Abend, am 24. November beispielsweise tritt die Londoner Grinch Mountain Bluegrass Band auf, am Tag darauf Paul Jacobs mit seiner Band, am 28. November gibt es wieder das monatliche Filmquiz und am 29. November bietet das Shakespeare Heptet Auszüge aus seinem Repertoire. Hier ist ein Auftritt der Londoner Girlband Abjects zu sehen.

Wer möchte, kann auch das komplette Theater für Geburtstagsparties, Hen Nights, Tagungen usw. buchen. Es steht für fast alles zur Verfügung.

Siehe zum Thema auch meinen Artikel über das Theater in Great Malvern, das einmal eine Herrentoilette war.

Tom Thumb Theatre
2 Eastern Esplanade
Cliftonville
Margate
CT9 2LB

Hier in der Holy Trinity Church in Tattershall in Lincolnshire soll der Namensgeber des Theaters begraben sein.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

St Mary the Virgin in Edlesborough (Buckinghamshire) – Eine aufgegebene, aber liebevoll gepflegte Kirche

Im Jahr 1975 wurde die Kirche St Mary the Virgin in Edlesborough, nordöstlich von Aylesbury in Buckinghamshire, durch den Zusammenschluss zweier Kirchengemeinden überflüssig. Wie schade, denn die „Church on the Hill“ ist wirklich sehr schön. Sie liegt am Ortsrand des 2700 Einwohner zählenden Dorfes, etwas versteckt hinter Bäumen; die Gräber des Kirchhofs reichen bis hinunter an die Leyton Road. Doch glücklicherweise blieb St Mary the Virgin in guten Händen, denn sowohl der Churches Conservation Trust als auch die Friends of St Mary’s kümmern sich liebevoll um den Erhalt der Kirche, deren Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind.

Hier finden keine regulären Gottesdienste mehr statt, aber die Friends organisieren gern musikalische Veranstaltungen in der Kirche wie demnächst im Dezember ein Weihnachtsliedersingen mit Glühwein und Mince Pies. Der Folksänger Chris Wood trat auch schon einmal anlässlich des Edle-Festes in St Mary the Virgin auf.

Die Glocken wurden bei einem verheerenden Feuer im Jahr 1828 komplett zerstört, aber später wieder durch neue ersetzt. Die Londoner Whitechapel Foundry nahm sich 1953 der Glocken noch einmal an, stimmte sie und hängte sie im Turm neu auf. Hier kann man hören wie sie klingen.

Wer einmal Lust verspürt, eine ganze Nacht in der Kirche zu verbringen und sich die vielen schönen Details ganz in Ruhe anzusehen, der kann das tun, denn St Mary the Virgin ist eine „Champing Kirche“ (ich schrieb über Champing schon einmal in meinem Blog). Diejenigen, die aber nur einmal einen Blick hineinwerfen möchten, können sich den Schlüssel beim Edlesborough Post Office abholen (und ihn hoffentlich wieder zurückbringen).

 

Published in: on 23. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The National Perry Pear Centre in Hartpury (Gloucestershire)

Der Eingang zum Orchard Centre.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Die kleine Gemeinde Hartpury in Gloucestershire an der A417 findet man rund 8 Kilometer nördlich von der Grafschaftshauptstadt Gloucester entfernt. Hier gibt es einen Pub, The Royal Exchange, eine Kirche, St Mary the Virgin, eine renommierte Universität und ein College mit über 3000 Studenten…und das National Perry Pear Centre im Orchard Centre.

Perry Pears sind Mostbirnen, und im National Perry Pear Centre hat man sich das Ziel gesetzt, mindestens zwei Bäume von jeder bekannten Art hier anzubauen. Rund 100 verschiedene Birnensorten sind im Centre zu finden, die man aus den Grafschaften Gloucestershire, Herefordshire und Worcestershire zusammengetragen hat; die meisten Namen hat man noch nie gehört.

Es beginnt mit der Arlington Squash, einer Birne, die in dem Ort Arlingham bei Stroud in Gloucestershire entdeckt wurde, und endet mit der Yellow Huffcap, die aus Westbury-on-Severn (ebenfalls Gloucestershire) stammt und aus der sich ein sehr guter Perry herstellen lässt. Perry wird ähnlich wie Cider produziert, nur nicht aus Äpfeln, sondern aus Birnen. Die Cider and Perry Academy führt hier im Orchard Centre in Hartpury regelmäßig Kurse in der Herstellung dieser beiden Getränke durch.

Charles Martell, auf dessen Idee das National Perry Pear Centre beruht, hat ein Standardwerk zum Thema geschrieben: „Pears of Gloucestershire and Perry Pears of the Three Counties„, in dem alle bekannten (und verschollenen) Mostbirnen aufgelistet und exakt beschrieben sind.

Besucher im Centre, das etwa zwei Kilometer westlich von Hartpury liegt, sind willkommen. Dieser Film informiert über Birnen und das National Perry Pear Centre.

The Orchard Centre
Blackwell’s End
Hartpury
Gloucestershire
GL19 3DB

Earthly Messenger – Die David Bowie-Statue auf dem Marktplatz von Aylesbury in Buckinghamshire

In meinem Blogeintrag vom 18. Oktober 2016 schrieb ich über die geplante Statue von David Bowie, die auf dem Marktplatz von Aylesbury in Buckinghamshire aufgestellt werden sollte, für die sich der Musikmanager David Stopps sehr engagiert hatte. Der Bildhauer Andrew Sinclair, dessen Studio früher in Wendover war, einem Nachbarort von Aylesbury, bekam den Auftrag, die Bronzestatue zu erstellen und im März diesen Jahres war es soweit, das Kunstwerk mit dem Titel „Earthly Messenger“ wurde von dem Musiker Howard Jones enthüllt (sein größter Erfolg war „What is love“ aus dem Jahr 1983). Nicht nur David Bowie selbst zeigt das Werk, sondern auch seine Alter Egos wie die Kunstfigur Ziggy Stardust. Über der Gruppe sind Lautsprecher angebracht, über die zu jeder vollen Stunde ein David Bowie-Song zu hören ist (von 9 Uhr bis 21 Uhr). Hier sind Bilder von der Enthüllungsfeier.
David Stopps ging sogar soweit, dass sich die besondere Beziehung Bowies zu Aylesbury darin ausdrücken sollte, dass die Stadt von Aylesbury in Aylesbowie umbenannt werden sollte, und er bei der Stadtverwaltung einen entsprechenden Antrag stellte.

Kurz nach Enthüllung der Gedenkstätte unter den Arkaden des Marktplatzes wurde sie schon Opfer von Vandalismus. Irgendein Graffiti-„Künstler“ beschmierte sie mit den Worten „Feed the homeless first” und „RIP DB“. Mit sehr viel Aufwand reinigte man den „Earthly Messenger“ und jetzt am 11. Oktober, nach Beendigung der Reinigungsarbeiten, passierte dasselbe noch einmal. Wieder kam ein Sprayer in der Nacht vorbei und verunstaltete die Statue, indem er sie mit Farbe besprühte. Überwachungskameras nahmen beide Vorfälle auf und anhand der Bilder jetzt vom Oktober konnte ein Verdächtiger festgenommen werden.

David Bowie-Fans aus aller Welt kommen nach Aylesbury, um dort dem Sänger ihre Ehre zu erweisen.

„Aylesbowies“ Market Square.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Benito Mussolini und sein erster und letzter Besuch in London im Jahr 1922

Das Londoner Claridge’s Hotel in der Brook Street.
Photo © Mr Biz (cc-by-sa/2.0)

Benito Mussolini (1883-1945) war im Jahr 1922 gerade erst Ministerpräsident geworden, als ihn eine Dienstreise nach London führte, wo sich die Alliierten trafen, um über die Reparationszahlungen Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg zu beraten. Mussolini und seine Entourage kamen am 9. Dezember in London an und stiegen im Luxushotel Claridge’s in der Brook Street ab und das erste was der Italiener tat, war sich darüber zu beschweren, dass die französische Delegation, die ebenfalls in dem Hotel wohnte, die besseren Zimmer bekommen hätte, wodurch er sich bei der Hotelleitung nicht gerade beliebt machte. Mussolini war schon damals ein sehr herrischer Mensch gewesen und gehörte nicht in die Kategorie „Angenehme Zeitgenossen“.

Sein Interesse an dem Thema der Konferenz schien nicht sehr ausgeprägt gewesen zu sein, denn er fand es viel interessanter, sich von seinen Schwarzhemden feiern zu lassen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die „Giovinezza“ sangen, die Hymne der faschistischen Bewegung Italiens, deren Londoner Büro in der Noel Street 25 im Stadtteil Soho Mussolini auch besuchte. Hier sind einige historische Bilder.

Auf einer Pressekonferenz fehlte der Italiener ganz, denn er hatte Besseres zu tun; er amüsierte sich stattdessen in seinem Hotelzimmer mit einer Prostituierten. Was Mussolini überhaupt nicht gefiel, war das Londoner Wetter, das sich im Monat Dezember meistens nicht von seiner besten Seite zeigt. Der ständig vorherrschende Nebel ging ihm dermaßen auf die Nerven, dass er sich schwor, nie wieder einen Fuß auf englischen Boden zu setzen, einen Schwur, den er auch einhielt. Ich glaube, dass diejenigen, die mit ihm damals in London zu tun hatten, ihm keine Träne nachweinten und insgeheim „Good Riddance!“ sagten.

 

Published in: on 20. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Bark and Read-Projekt des britischen Kennel Clubs

In vielen Ländern der Welt, auch in Deutschland,  Österreich und der Schweiz, hat man festgestellt, dass Kinder, die Leseprobleme haben, in Anwesenheit von Hunden, besser lesen bzw. vorlesen können. Im US-Bundesstaat Missouri gab es ein Projekt, bei dem Kinder in Tierheime gingen, um dort verängstigten und verstörten Hunden aus Büchern vorzulesen, und der Erfolg war beidseitig. Die Kinder wurden sicherer beim Lesen und die Hunde entspannten sich und fühlten sich ganz offensichtlich wohl. Hier ist ein Film.

Der britische Kennel Club hat ein ähnliches Projekt aus der Taufe gehoben, das den Titel „Bark and Read“ trägt. Manche Kinder fühlen sich verunsichert, wenn sie vor anderen Menschen vorlesen müssen, legen diese Scheu aber ab, wenn der Zuhörer ein Hund ist. Diese speziell ausgebildeten Hunde gehen in Schulen und Bibliotheken und helfen dort durch ihre Anwesenheit Kindern mit Leseschwäche. Die Hunde kritisieren nicht und machen sich nicht lustig (im Gegensatz zu menschlichen Zuhörern), wenn es mal nur etwas holperig mit dem Lesen voran geht und das gibt den Kindern wiederum mehr Sicherheit.

Die Hunde müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, um sich als Vorlesehunde zu qualifizieren: Sie müssen mindestens ein Jahr alt sein, dürfen nicht bellen und Menschen anspringen, müssen auch bei einem erhöhten Lärmpegel ruhig bleiben und überhaupt sehr kinderlieb sein.

Dieser Bericht im Shropshire Star zeigt den Vorlesehund Hector.

Ein tolles Projekt!

Published in: on 19. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Dog in Grundisburgh (Suffolk) – Englands hundefreundlichster Pub

Für viele Hundebesitzer in England ist es wichtig, wenn sie einen Pub aufsuchen wie ihre geliebten Vierbeiner dort aufgenommen werden. Nicht umsonst gibt es mehrere „dogfriendly pubguides“ auf dem Buchmarkt.; siehe dazu meinen früheren Blogeintrag.

Die Webseite“www.dogbuddypubs.com“ zeichnet jedes Jahr landesweit die besten hundefreundlichsten Pubs aus; da gibt es den National Winner und die Regionalsieger. Der Gesamtsieger in diesem Jahr ist: The Dog in Grundisburgh in der Grafschaft Suffolk, einen passenderen Namen kann es wohl nicht geben.

Erst einmal zur Orientierung, wo wir hier eigentlich sind: Grundisburgh ist ein kleiner Ort rund zehn Kilometer nordöstlich von der Grafschaftshauptstadt Ipswich entfernt. The Dog liegt mitten im Ort an der Woodbridge Road neben dem Dorfladen The Old Forge Stores.

Hier also fühlen sich Hundebesitzer und Hunde gleichermaßen wohl, denn Zweibeiner und Vierbeiner sind sowohl in der Bar als auch im Restaurant und im Biergarten willkommen. „Happy dogs, happy owners“ ist das Motto des Pubs, der bei den Hunden des Dorfes so beliebt ist, dass sogar manche dort ohne ihre Herrchen oder Frauchen erscheinen und sich ein Leckerli abholen. Bereitgestellt werden im Pub immer Schalen mit frischem Wasser, Hundebetten für den kleinen Schlaf zwischendurch und eine große Kiste mit Spielzeug. Langeweile kommt für die Vierbeiner nicht auf und während sie schlafen oder spielen, können ihre Besitzer in Ruhe ihre Pints schlürfen.

Der National Winner erhält übrigens eine Plakette für die Außenwand, einen Pokal und einen Einjahresvorrat an Hundeleckerlis.

The Dog
The Green
Grundisburgh
Suffolk IP13 6TA

Published in: on 18. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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National Tree Week vom 24. November bis zum 2. Dezember 2018

Eine Eiche in Herefordshire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich mich in England aufhalte, fällt mir immer wieder auf wie viele schöne, hochgewachsene, wunderbar geformte Bäume dort zu finden sind. Ob als Solitär auf einer Wiese stehend oder in Gruppen in einem der Parks oder Arboreten, ich finde die Bäume immer wieder faszinierend.

In der Zeit vom 24. November bis zum 2. Dezember in diesem Jahr stehen sie in der National Tree Week zu Recht wieder einmal im Mittelpunkt. 1975 wurde diese Idee erstmals vom Tree Council ins Leben gerufen, einer Wohltätigkeitsorganisation für Bäume, die auch eine Tree Care Campaign und eine Hedge Tree Campaign unterhält.

Während der National Tree Week wird dazu aufgerufen, Bäume zu pflanzen und an dieser Aktion beteiligen sich Freiwillige, Schulen, Behörden und kommunale Gruppen, die ein Herz für Bäume haben. Rund eine Million werden in dieser Zeit gepflanzt, initiiert und unterstützt von Tree Wardens („Tree Wardens are volunteers, appointed by parish councils or other community organisations, who gather information about their local trees, get involved in local tree matters and encourage local practical projects related to the trees and woods“).

Es gibt zahlreiche Aktivitäten auf lokaler Ebene wie Vorträge, Waldspaziergänge usw. Das Weald and Downland Living Museum in Singleton bei Chichester (West Sussex) beispielsweise spricht gezielt Schulen an, die ihre Projekte in Zusammenarbeit mit dem Museum durchführen können.

Hier ist ein kurzer Film über die National Tree Week.

Eine Araukarie (Monkey Puzzle Tree) in Derbyshire.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Eine Platane (London plane tree) in Worcestershire.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Gatehouse Lodges – Die Eingangstore zu Herrenhäusern

Viele Herrenhäuser auf dem Land sind nur durch vorgeschaltete Torhäuser zugänglich, in denen früher Pförtner mit ihren Familien wohnten, deren Aufgabe es war, die Zugangskontrolle zum Haupthaus vorzunehmen und die Tore zu öffnen und zu schließen. Manchmal wurden diese Gatehouse Lodges in einem architektonisch imposanten Stil erbaut, um Besuchern schon vorab zu zeigen, was sie dann erst im Manor House erwartet. Hin und wieder sind die Haupthäuser abgerissen worden, die Torhäuser aber sind stehengeblieben.

In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich einige dieser schönen Gatehouses im Bild vorstellen:

Das vielleicht schönste Gatehouse in ganz England: Layer Marney Tower bei Colchester in Essex.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Der Eingang zu Gisburne Park in Lancashire. Die beiden Häuser stehen unter Denkmalschutz.
Photo © Bill Harrison (cc-by-sa/2.0)

Clifton Lodge, ein großartiges Torhaus, das Zugang zum Ashton Court Estate in North Somerset gewährt.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Dieses romantische Haus bewacht nichts mehr, denn das Haupthaus Great Bounds bei Southborough in Kent wurde schon 1958 abgerissen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sauber und herausgeputzt präsentiert sich dieses Lodge House der Warfield Hall bei Bracknell in Berkshire, das heute einem wohlhabenden Saudi gehört.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Die Gate Lodges des Syon Parks im Westen von London.
Photo © John Slater (cc-by-sa/2.0)

Wer einmal in einem Gatehouse wohnen möchte: Der Landmark Trust bietet zum Beispiel Apartments im Wolveton Gatehouse bei Dorchester in Dorset oder im Shute Gatehouse bei Axminster in Devon an.

 

Published in: on 16. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Christmas Adventure in Stockeld Park (West Yorkshire)

Stockeld Park.
Author: GPBG1204.
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5 km von Wetherby in West Yorkshire entfernt liegt Stockeld Park, ein großes Anwesen, auf dem seit 2006 jedes Jahr ein Winterwunderland, The Christmas Adventure,  aufgebaut wird, das für Groß und Klein jede Menge (vor)weihnachtliche Attraktionen bietet. In diesem Jahr ist es seit dem 1. November geöffnet und schließt am am 7. Januar 2019.

Da gibt es z.B. einen großen illuminierten Irrgarten in Form einer Schneeflocke mit 12 Eingängen und 1,5 km Wegen, aus dem herauszufinden nicht ganz leicht ist.
Einer der Höhepunkte ist der Enchanted Forest, das ist ein 1,2 km langer Weg durch ein Waldgebiet, in dem man Trollen, Zauberern und anderen Fantasiefiguren begegnet; am besten man geht nach Einbruch der Dunkelheit in diesen Zauberwald, denn dann sind die Figuren alle illuminiert.

In Santa’s Grotto kommen die kleinen Besucher auf ihre Kosten, denn da begegnen sie dem Weihnachtsmann. Tickets für den Weihnachtsmannbesuch können über das Internet vorab gebucht werden.

Es gibt eine Eislaufbahn, die seit diesem Jahr auch überdacht ist, und einen Nordic Ski Trail, der durch den Zauberwald führt.

Da auf dem Gelände von Stockeld Park auch Weihnachtsbäume angepflanzt werden (die besten von Yorkshire!), bietet es sich an, bei einem Besuch des Christmas Adventures auch geich einen Baum mit nach Hause zu nehmen.

Natürlich gibt es hier auch einen riesigen Christmas Shop, in dem man alles kaufen kann, was das weihnachtliche Herz begehrt.

Dieser Film vermittelt einige Impressionen aus dem Winterwunderland.

Published in: on 15. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bramall Hall – Ein wunderschönes Haus in der Region Greater Manchester

Der Stockport Metropolitan Borough Council betreibt seit 1974 eines der schönsten Tudorhäuser in der Region Greater Manchester: Bramall Hall, das für £1.6 Millionen renoviert wurde, dank eines Zuschusses vom Heritage Lottery Fund.
Gerade einmal drei Familien haben in den letzten 800 Jahren dieses wunderschöne Haus bewohnt: die Davenports, die De Bromales und die Nevills.
Bramall Hall und seine Gärten sind zu besichtigen, es gibt eine ganze Reihe von Aktivitäten, so zum Beispiel in diesem Jahr mehrere Weihnachtskonzerte im Dezember, u.a. mit Gordon Giltrap. Die Hall sieht bei weihnachtlicher Dekoration und beleuchtet besonders schön aus.
Man kann in der Hall seine Hochzeit feiern und dort Konferenzen und Bankette buchen. Irgendwie muss das Geld, das man für den Unterhalt des Gebäudes und seiner Gärten ausgibt, ja wieder hereinbekommen.

Gern stellt man Bramall Hall auch für Filmaufnahmen zur Verfügung. So wurden hier vor Ort schon Folgen von den beliebten TV-Serien „Coronation Street“, „Cash in the Attic“, „The Making of a Lady“ und „Prank Patrol“ gedreht.

Und selbstverständlich gibt es hier auch einen Gift Shop und für Erfrischungen das The Stables Kitchen Café. Was will man mehr?

Wer sich für die Geschichte von Bramall Hall näher interessiert, kann sich in der Wikipedia darüber informieren.

Dieser Film zeigt die Hall, von einer Drohne aus, in unterschiedlichen Perspektiven, und hier sind Innenaufnahmen nach der Renovierung zu sehen.

Bramal Hall Rd
Bramhall
Stockport SK7 3NX

Published in: on 14. November 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Cadbury Angels – Die „Schokoladenfrauen“ im Ersten Weltkrieg

Ein Firmengebäude in Bournville.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

In vielen Teilen Europas wird zur Zeit an das Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 gedacht, das nun hundert Jahre zurückliegt. So liegt es auf der Hand, auch einmal an die sogenannten Cadbury Angels zu erinnern, die ihren Teil an der Unterstützung der Soldaten an der Front beitrugen. Cadbury war damals (und auch heute noch) einer der größten Schokoladeproduzenten in Großbritannien mit Sitz in Bournville, südlich von Birmingham. Auf einem großen Areal standen und stehen noch die Produktionshallen und ein angrenzendes Model Village, das die Firmenbesitzer für ihre Arbeiterinnen und Arbeiter gebaut hatten. Da im Verlauf des Ersten Weltkriegs immer mehr Männer an die Front beordert wurden, mussten Frauen deren Arbeitsplätze einnehmen, so auch bei der Firma Cadbury. Auf Grund ihrer weißen Arbeitskleidung erhielten sie den Namen Cadbury Angels, und sie hatten bald die Gelegenheit ihrem Namen Taten folgen zu lassen. Es handelte sich überwiegend um junge Frauen, denn die Geschäftsführung von Cadbury sah vor, dass Frauen, sobald sie verheiratet waren, die Firma verlassen mussten, weil sie der Meinung war, dass verheiratete Frauen sich um Haus und Kinder kümmern sollten.

Die Angels unterstützten die Männer an der Front, indem sie Pakete für sie packten, in denen neben Cadbury-Schokolade auch selbst gestrickte Kleidung und Bücher zu finden waren, begleitet von einem Brief, in dem die Frauen Grüße an die Front schickten. Rund 30 000 dieser Pakete sind damals gepackt und verschickt worden. Einige der Cadbury Angels betätigten sich auch noch auf einem anderen Feld und zwar als Krankenschwestern, denn die Cadburys hatten zwei Gebäude auf ihrem Gelände zur Verfügung gestellt, um dort verwundete Soldaten zu behandeln und zu pflegen.

Die Cadbury Angels hatten bewiesen, dass auch Frauen „ihren Mann stehen konnten“ und durch ihren Einsatz veränderten sich auch die Rechte der Frauen an ihren Arbeitsplätzen zum Positiven. Hier ist ein Film über die Angels.

Die Schokoladenfirma aus Bournville hat in diesem Jahr den Commemorative Cadbury Dairy Milk Bar auf den Markt gebracht, einen Schokoriegel, von dessen Erlös die Royal British Legion einen gewissen Teil erhält.

Wer sich für Schokolade interessiert, sollte einmal die Cadbury World in Bournville aufsuchen, eine der Besucherattraktionen im Raum Birmingham.

Hier geht es zur Cadbury World.
Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. November 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Sekhmet – Eine mysteriöse ägyptische Göttin über dem Eingang zum Auktionshaus Sotheby’s in der Londoner New Bond Street

Ob wohl die Besucher des Londoner Auktionshauses Sotheby’s in der New Bond Street 34/35 auch einmal nach oben schauen, bevor sie das Haus betreten, um die eigenartige schwarze Figur zu betrachten, die den Eingang zu bewachen scheint? Es handelt sich dabei um eine ägyptische Göttin namens Sachmet bzw. Sekhmet wie es auf dem Sockel steht, auf dem sie befestigt ist. Die aus schwarzem Basalt geschaffene löwenartige Figur war einst die Göttin des Krieges und auch der Heilung. Sie wurde der Legende nach als Tochter des Sonnengottes Ra betrachtet und war die Beschützerin der Pharaonen. Die Büste soll im Jahr 1320 vor Christi Geburt erschaffen worden sein und gilt als älteste Büste in Privatbesitz, die in London außerhalb geschlossener Räume zu finden ist.
In irgendeiner Weise kam sie nach London und wurde, zusammen mit anderen Artefakten, in den 1880er Jahren dem Auktionshaus angeboten; alles zusammen ersteigerte jemand für £40, doch merkwürdigerweise ließ sich dieser Unbekannte nie mehr bei Sotheby’s blicken, um seine Schätze abzuholen. So blieb Sachmet bei den Auktionatoren, die damals noch in der Wellington Street ansässig waren. Als sie 1917 in ihr neues Domizil in die New Bond Street zogen, nahmen sie auch die schwarze Göttin mit und positionierten sie über dem Haupteingang. Da steht sie nun und betrachtet das Kommen und Gehen vor dem wohl berühmtesten Auktionshaus der Welt.

Published in: on 12. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Harry Patch (1898-2009) in Monkton Combe (Somerset)

In Monkton Combe, einem Dorf im Dunstkreis von Bath in Somerset, liegt auf dem Kirchhof von St Michael’s das Grab eines außergewöhnlichen Mannes. Henry John Patch, meist Harry Patch genannt, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er am 25. Juli 2009 im Alter von 111 Jahren gestorben war. Sein Geburtshaus in der Nachbargemeinde Combe Down liegt nur wenige hundert Meter entfernt; Harrys Geburtstag war der 17. Juni 1898.

Unter dem Namen „The Last Fighting Tommy“ ist er in Großbritannien eine Legende, denn er war der letzte überlebende Veteran des Ersten Weltkrieges. Harry Patch kannte die Grauen der schrecklichen Grabenkämpfe an der Westfront; im Jahr 1917 wurde er bei der Dritten Flandernschlacht bei Passendale schwer verwundet und zurück nach England gebracht. Der Mann sagte im Rückblick auf den Krieg einige bemerkenswerte Worte, die mich wirklich sehr beeindruckt haben, zum Beispiel: „Why should the British government call me up and take me out to a battlefield to shoot a man I never knew, whose language I couldn’t speak? All those lives lost for a war finished over a table. Now what is the sense in that?“ oder „Give your leaders each a gun and then let them fight it out themselves„.

Wenige Tage nach seinem Tod veröffentlichte die englische Rockband Radiohead einen Song mit dem Titel „Harry Patch (In Memory Of)„, basierend auf einem Interview, das der Veteran der BBC im Jahr 2005 gab und von dem Thom Yorke, Leadsänger und Komponist der Band, schwer beeindruckt war.

Gemeinsam mit Richard van Emden schrieb Harry Patch seine Autobiografie mit dem Titel „The Last Fighting Tommy: The Life of Harry Patch, the Oldest Surviving Veteran of the Trenches„.

Die Trauerfeier für ihn fand in der Kathedrale von Wells in Somerset statt, deren Glocken für jedes seiner Lebensjahre schlugen, also 111 mal. Sein Sarg wurde begleitet von Soldaten der britischen, belgischen, französischen und auch der deutschen Armee, wobei Harrys ausdrücklicher Wunsch war, dass die Soldaten keine Waffen trugen. Die königliche Familie war vertreten durch Camilla, Herzogin von Cornwall.

Von Wells aus wurden die sterblichen Überreste von Harry Patch auf den Friedhof von St Michael’s nach Monkton Combe überführt, einer ruhig gelegenen kleinen Kirche, die gerade einmal 17 Meter lang ist.

Hier ist eine ausführliche Dokumentation der BBC über das Leben des Harry Patch.

Der Trauerzug durch die Straßen von Wells.
Photo © Sharon Loxton (cc-by-sa/2.0)

St Michael’s Church in Monkton Combe (Somerset).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Gedenkstein für Harry Patch vor der Kathedrale von Wells.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 11. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Toddington (Bedfordshire) – Eine pfannkuchenbackende Hexe und lauschende Kinder

Copyright: Calendar Customs. With friendly permission.

Üblicherweise wurden schon immer am Fastnachtsdienstag (Shrove Tuesday) in England, ein Tag bevor die Fastenzeit (Lent) beginnt, Pfannkuchen gebacken, einfach um noch vorhandene Reste zu verwerten wie Eier, Butter usw., bevor die Zeit des Darbens beginnt.

In manchen Orten wurde zur Mittagszeit eine Glocke geläutet, die Pancake Bell, um die Hausfrauen daran zu erinnern, mit dem Backen der Pfannkuchen loszulegen. Das geschah auch in dem Dorf Toddington in der Grafschaft Bedfordshire, wo die betreffende Glocke in der St George’s Church hängt. Ein nur in diesem Dorf ausgeübter Brauch war, und ist es mittlerweile wieder, dass beim Schlagen der Glocke, Schulkinder zum Conger Hill laufen, sich dort oben hinfallen lassen und ihre Ohren auf den Boden pressen. Warum? Bei genauem Hinhören vernehmen die Kinder ein brutzelndes Geräusch aus dem Hügelinneren, das ist nämlich eine ortsansässige Hexe, die dort wohnt und die sich auch, wie alle anderen in Toddington, ihre Pfannkuchen zubereitet.

Nachdem dieser nette Brauch für einige Zeit nicht mehr ausgeübt worden war, belebten ihn die Mitglieder der Toddington Old Boys Association wieder. Heute ist es so, dass am Shrove Tuesday beim Erklingen der Pfannkuchenglocke die Viertklässler der Toddington St George Church of England School an der Manor Road sich auf den Weg zum Conger Hill machen, um dort, auf dem Boden liegend, der Hexe beim Pfannkuchenzubereiten zu lauschen.

Dieser Film aus dem Jahr 1964 zeigt die Kinder aus Toddington bei der Ausübung des liebenswerten Rituals.

Im vorigen Jahr schrieb ich in meinem Blog schon einmal über das Dorf in Bedfordshire, über den „haunted pub“, The Bell.

Siehe auch meinen Artikel über das Olney Pancake Race.

Die St George’s Church.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die Toddington St George Church of England School.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Watlington White Mark in Oxfordshire – Eine kuriose Idee von Squire Edward Horne vor über 250 Jahren

The White Mark, von der Hill Road aus gesehen.
This work has been released into the public domain.

Über Watlington in Oxfordshire habe ich in meinem Blog in Zusammenhang mit der Inspector Barnaby-TV-Serie geschrieben. Dieser Ort behauptet von sich, die kleinste Stadt Englands zu sein, und das mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern. Im Jahr 1252 erhielt Watlington von König Heinrich III. die Marktrechte und bezeichnet sich von da ab als Market Town.

Bei meinem Besuch dort kam ich auch zur St Leonard’s Church, die in meinem heutigen Beitrag eine Rolle spielt. Die normannische Kirche verfügt über einen Turm, hat aber keine Turmspitze, was vor über 250 Jahren Squire Edward Horne ärgerte. Von seinem Haus aus blickte der Landedelmann auf den flachen Kirchturm und hatte eines Tages eine Idee. Er hätte ja in seine Privatschatulle greifen und St Leonard’s eine Kirchturmspitze spendieren können, doch das wäre sehr teuer geworden. Hornes Idee bestand daraus, in der Sichtachse von seinem Haus zur Kirche, dahinter am Hang des Watlington Hills, eine aus Kalkstein geformte Kirchturmspitze einschneiden zu lassen. Gesagt, getan, seit 1764 ziert den Hang ein 82 Meter hohes geometrisches Gebilde, das für sich allein gesehen nichtssagend ist, von den Fenstern des Squires damals aber die Illusion erweckte, St Leonard’s hätte jetzt auch eine Turmspitze. Man feierte den 250. Jahrestag des „White Mark“ im Jahr 2014, und dank der ständigen Pflege durch die Friends of Watlington Hill sieht die „chalk spire“ aus wie neu. Den Blickwinkel auf die Kirche, den damals Edward Horne hatte, gibt es heute nicht mehr, da er zum großen Teil von Bäumen versperrt ist.

Wer sich den Watlington White Mark von nahem ansehen möchte, der muss die Stadt in Richtung Christmas Common verlassen, an der Chiltern Surgery vorbeifahren und oben auf dem Hügel auf dem Parkplatz des National Trusts sein Auto abstellen.

Dieser Film zeigt einen Flug über den Watlington Hill und den White Mark.

St Leonard’s in Watlington.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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In welcher englischen Stadt gibt es die meisten Pubs? – Eine kleine Übersicht

The George & Dragon in Belper (Derbyshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Die Diskussion über das Thema „Welches ist der älteste Pub Englands“ wird wohl nie zu einem befriedigenden Ende kommen, da es eine ganze Menge Gasthäuser gibt, die diese Ehre für sich beanspruchen.

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, in welcher englischen Stadt bzw. in welchem Dorf es die meisten Pubs gibt, umgerechnet auf die Bevölkerungsgröße. Auch da gibt es viele unterschiedliche Hitlisten und Übersichten, auf denen jeweils immer wieder andere Orte genannt werden. Einige dieser trinkfreudigen Städte/Dörfer tauchen aber häufig auf und von denen möchte ich heute einige nennen.

Belper in Derbyshire hat etwas über 20 000 Einwohner und beansprucht den Titel, die meisten Pubs in ganz Großbritannien zu haben, in Bezug auf seine Größe (vielleicht ein Grund, dass die Monster Raving Loony Party ihre diesjährige Konferenz hier im September abgehalten hat, übrigens im George & Dragon in der Bridge Street). Die Webseite „Beer in the Evening“ listet 20 Pubs für Belper auf.

Ein Name, der in den Pubcharts immer wieder auftaucht, ist Manningtree in Essex, ein Ort ebenfalls der Ansicht ist, die kleinste Stadt Englands zu sein. Im Jahr 2008 gab es für die rund 900 Einwohner fünf Pubs, leider ist die Zahl mittlerweile auf drei gesunken; übrig geblieben sind The Red Lion, The Skinners Arms und The Crown.

St Albans in Hertfordshire, wo Ye Olde Fighting Cocks sich rühmt, der älteste Pub Englands zu sein, beherbergt die meisten Pubs pro Quadratkilometer im ganzen Land (jedenfalls nach Aussage der dort Ansässigen). Das verwundert eigentlich nicht, schließlich liegt das Hauptquartier der Campaign for Real Ale (CAMRA) in der Stadt, in der Hatfield Road 230 um genau zu sein.

Norwich, die Grafschaftshauptstadt von Norfolk, soll angeblich für jeden Tag des Jahres einen Pub haben, nämlich 365, aber so richtig verlässlich durchgezählt hat das wohl noch niemand. Beim jährlichen Norwich City of Ale Festival nahmen zuletzt 48 Pubs teil, das ist ja auch schon eine ganze Menge.

Beenden möchte ich meine kleine Übersicht mit Otley in West Yorkshire, einer Stadt mit etwa 13 000 Einwohnern, die schon immer als trinkfest galten, denn vor mehr als hundert Jahren soll es hier einen Pub an jeder Ecke gegeben haben. 21 Gasthäuser stehen in der Stadt, so heißt es auf der Webseite des Otley Pub Clubs, und der muss es ja eigentlich wissen. Der Ale Trail führt an vielen der Pubs, auch an den nicht mehr existierenden, vorbei.

The Red Lion in Manningtree (Esex).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Ye Olde Fighting Cocks in St Albans (Hertfordshire).
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

The Adam and Eve in Norwich (Norfolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

The Bowling Green in Otley (West Yorkshire).
Photo © Paul Harrop (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. November 2018 at 02:00  Comments (4)  

Stanbrook Abbey Hotel in Worcestershire – Eine ehemalige Benediktinerinnenabtei, die zum Hotel umgebaut wurde

Author: Amanda Retreats
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In England gibt es einige Hotels, deren Gebäude früher einmal für religiöse Zwecke verwendet wurden. Als Beispiel nenne ich hier einmal die Nutfield Priory bei Reigate in Surrey; über meinen Besuch in diesem Hotel berichtete ich in meinem Blog. Auch die Stanbrook Abbey südlich von Worcester in der Grafschaft Worcestershire beherbergte einmal Nonnen des Benediktinerordens, die im Jahr 2009 das Haus verließen und sich in den North Yorkshire Moors niederließen. Auch ihr neues Domizil nennt sich Stanbrook Abbey, ist aber ein wesentlich moderneres (und weniger schönes) Gebäude.

Im Jahr 2015 wurde die ehemalige Abtei, die von den Söhnen des berühmten Architekten Augustus Pugin gestaltet wurde; als Hotel eröffnet und 2017 in die Gruppe der Hand Picked Hotels aufgenommen. 55 Zimmer und Suiten stehen den Gästen zur Verfügung, von den kleinen Small Classic Rooms (ca £84) über die Four Poster Rooms (ca £135) bis zur Master Suite (ca £232). Man kann auch das separat stehende, mit dem Hotel durch einen Kreuzgang verbundene Manor House buchen, das vollständig mit Küche und fünf Schlafzimmern ausgestattet ist. Ideal für Hochzeitsgäste, denn Stanbrook Abbey ist beliebt für Hochzeitsfeiern (wie die meisten Country House Hotels in England).

Das Abendessen wird in Sister Charlotte’s Restaurant eingenommen; verantwortlich für die Küche ist Chefkoch Rhys Stone.

In diesem Film sind Bilder vom Hotel zu sehen.

Stanbrook Abbey Hotel
Jennet Tree Lane
Callow End
Worcester WR2 4TY

Published in: on 7. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Forest Green Rovers in Nailsworth (Gloucestershire) – Der umweltfreundlichste Fußballclub der Welt?

Das New Lawn Stadion der Rovers.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Bei den Forest Green Rovers, einer Fußballmannschaft aus Nailsworth in Gloucestershire, die zur Zeit in der League Two, das ist die vierte Ebene in den englischen Fußballligen, spielt, ist alles grün. Im Vereinsnamen steht das Wort „Green“ und die Spieler tragen grüne Trikots, aber das ist noch lange nicht alles. Seitdem Dale Vince den Club übernommen hat, ist hier im Stadion New Lawn in Nailsworth alles anders geworden. Dale Vince ist Chef des grünen Energiekonzerns Ecotricity, der im benachbarten Stroud angesiedelt ist, und der seine Energie hauptsächlich durch Windanlagen produziert. Der Name prangt denn auch auf den Trikots der Fußballspieler.

Der Verein Forest Green Rovers ist wahrscheinlich der weltweit umweltbewussteste Verein, seitdem Dale Vince ihn übernommen hat. Am Stadion gibt es Aufladestationen für Elektroautos, der Rasen wird von einem solarbetriebenen GPS-gesteuerten Mäher kurz gehalten, auf dem Dach sind 180 Solarpanele installiert worden, wodurch rund 20% des Stromverbrauchs des Vereins abgedeckt werden, Regenwasser wird aufgefangen und dem Stadionrasen wieder zugeführt, der vollkommen frei von Pestiziden ist und mit schottischem Seetang angereichert wird.

Forest Green Rovers F.C. ist der erste Fußballverein der Welt, der komplett vegan ist, das heißt, sowohl die Spieler als auch die Fans bekommen im Stadion ausschließlich veganes Essen vorgesetzt, und die meisten scheinen es zu lieben. Keine fettigen und dick machenden Burger und Pommes mehr, sondern Salate, Pizzen, Fajitas und vieles andere mehr, alles auch noch ansprechend angerichtet; selbst das ausgeschenkte Bier ist vegan.

Dale Vince hat mit seinem Verein noch weitere große Pläne: Er möchte das „grünste“ Stadion der Welt bauen, das den Namen Eco Park tragen soll, wenn die Pläne dafür genehmigt werden. Das renommierte Londoner Architektenbüro Zara Hadid hat den Entwurf für das für 5000 Personen ausgelegte Stadion gemacht, das in einem Parkgelände entstehen soll, in dem Hunderte von Bäumen und neue Heckenanlagen angepflanzt werden.
Mal sehen, was Dale Vince noch alles so einfällt. Sein Verein steht im Moment auf Platz 6 der League Two, vielleicht werden die Spieler durch das grüne Umfeld eines Tages beflügelt, um eine Stufe höher, in die League One, zu klettern.

Hier ist ein Film über die FGRs.

Ein etwas älteres Foto vom Stadion. An dieser Stelle sind jetzt Aufladestationen für Elektroautos installiert worden.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Stand-up Comedians: Chris Addison

Author: Salim Fadhley
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der 1972 in Manchester geborene Chris Addison studierte ursprünglich Englische Literatur an der Universität von Birmingham. Bereits 1995 begann er mit seinen ersten Stand-up Comedy-Auftritten und 1998 wurde er in Edinburgh als Best Newcomer bei den Perrier Awards, jetzt Edinburgh Comedy Awards, ausgezeichnet, dem prestigeträchtigsten Preis für Comedians in Großbritannien.

Addison trat in zahlreichen Sendungen bei BBC Radio 4 auf und war auch im Fernsehen tätig, so bei BBC 2 in der Sitcom „Lab Rats„.

Auch schriftstellerisch betätigte sich Chris Addison, so 2006 mit „Cautionary Tales for Grown Upsund 2008 mit „It Wasn’t Me: Why Everybody is to Blame and You’re Not„.

In der Comedy-Serie „The Thick of it“ (2005-2012) spielte Addison den Oliver „Ollie“ Reeder.

Zur Zeit ist er nicht auf Tour, und ich sehe auch noch keine Pläne für das nächste Jahr.

Hier ist Chris Addison in voller Aktion zu sehen.

 

Published in: on 5. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Newent Onion Fayre – Der Zwiebelmarkt in Newent (Gloucestershire)

Ich bleibe in meinem heutigen Blogeintrag, nachdem ich gestern über die Onion Johnnies berichtete, noch einmal beim Thema Zwiebeln. Diese werden natürlich auch in England angebaut, zum Beispiel in der Grafschaft Gloucestershire, wo in Newent (rund 17 Kilometer nordwestlich von Gloucester gelegen) alljährlich die Onion Fayre stattfindet; in diesem Jahr im September zum dreiundzwanzigsten Mal. Bei den Festivitäten steht die Lauchpflanze im Mittelpunkt des Geschehens. In der Memorial Hall von Newent stellen Züchter aus dem ganzen Land bei der Onion Show ihre Exemplare zur Schau, die dann auch prämiert werden.
Es gibt eine Shop Window Competition, bei der das am schönsten geschmückte Schaufenster ausgezeichnet wird und das in jedem Jahr unter einem anderen Motto steht. „Onions in History“ war das diesjährige Motto, und der Gewinner war das Schaufenster von New Start Rescue, einer Organisation, die sich um herrenlose Katzen kümmert.

Ein weiteres Highlight der Newent Onion Fayre ist die „World Famous Onion Eating Competition„, bei der eine rohe Zwiebel so schnell wie möglich aufgegessen werden muss. Die Damen quälen sich mit einem etwa 140 Gramm schweren Exemplar herum, bei den Männern wiegt die Zwiebel circa 200 Gramm; keine leicht zu lösende Aufgabe wie dieser Film zeigt.

Newent erwartet jedes Jahr rund 15 000 Besucher, die sich in der Stadt amüsieren können, zum Beispiel im Food Village, wo die Zwiebel allerdings keine allzu große Rolle spielt. Die Kinder erwartet die Funion Zone (die Engländer sind immer wieder großartig im erfinden von Wortspielen) und, wie bei Fayres, üblich gibt es in Newent auch eine Dog Show. Hier sind Impressionen von der Fayre im Jahr 2014.

Auch wer keine Zwiebeln mag, kommt bei der Newent Onion Fayre also auf seine Kosten. Der nächste Zwiebelmarkt ist für den 14. September 2019 angekündigt.

Die Innenstadt von Newent.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

The Onion Johnnies – Die fliegenden Zwiebelhändler aus der Bretagne

Einer der wenigen verbliebenen bretonischen Zwiebelhändler, hier in Wales.
Photo © Eric Jones (cc-by-sa/2.0)

Seit etwa Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts sah man sie in ganz Großbritannien, die fliegenden Händler aus der Bretagne, die erst zu Fuß, später mit ihren Fahrrädern England mit Zwiebeln belieferten. Onion Johnnies wurden sie genannt, die Männer aus der Umgebung von Roscoff, wo spezielle rosafarbene Zwiebeln angebaut wurden. Es war für sie profitabler, die Ernte jenseits des Kanals zu verkaufen als auf den heimischen Märkten. So wurden die Zwiebeln tonnenweise über den Ärmelkanal gebracht, wo sie in gemieteten Scheunen und Schuppen gelagert wurden und von wo aus die Onion Johnnies immer wieder Nachschub holten. Von Juli bis Dezember waren sie unterwegs, ihre Fahrräder schwer mit Zwiebelnetzen behangen. Sie klingelten an den Haustüren und verkauften ihre Ware direkt an die Hausfrauen in England, Wales und Schottland, die die rosa Zwiebeln liebten.

1905 ereignete sich eine Katastrophe, als die „Hilda“ kurz vor St Malo sank, wobei etwa 70 Onion Johnnies, die auf der Rückfahrt in ihre Heimat waren, ertranken. Doch die Zwiebelhändler ließen sich von den manchmal recht gefährlichen Überfahrten nicht abschrecken. In den Monaten, in denen sie in Großbritannien unterwegs waren, führten sie ein sehr einfaches Leben; viele schliefen auf Stroh in den Zwiebeldepots. In Spitzenzeiten, wie in den 1920er Jahren, waren bis zu 1400 Johnnies unterwegs, doch dann ging es ständig bergab. Schon in den 1930er Jahren nahm die Zahl der Zwiebelhändler deutlich ab, woran hauptsächlich die schwere Wirtschaftskrise, The Great Depression, schuld war. Immer weniger Johnnies machten sich auf den Weg über den Kanal und Ende des 20. Jahrhunderts existierte nur noch eine Handvoll von ihnen.

In der Heimat der rosa Zwiebeln errichtete man den Onion Johnnies ein eigenes Museum. In Roscoff in der rue Brizeux steht das Maison des Johnnies et de l’oignon de Roscoff, wo die Geschichte der Händler dokumentiert wird.

Hier ist ein Film über die Johnnies.

Published in: on 3. November 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Schriftsteller Laurence Sterne (1713-1768) und der Leidensweg seines Leichnams

Hier in der Old Bond Street 41, wo jetzt die Cartierfiliale untergebracht ist, starb Laurence Sterne.
Photo © Enttauscht (cc-by-sa/2.0)

Der Schriftsteller Laurence Sterne lebte von 1713 bis 1768, und sein Hauptwerk, der Roman „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman„, in deutscher Übersetzung „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman„, ist sowohl in seinem Heimatland als auch in Deutschland nach wie vor lieferbar, und das nach mehr als 250 Jahren. Sterne hat sich damit einen festen Platz in der Weltliteratur gesichert, umso trauriger, dass sein Leben ein so tragisches Ende gefunden hat, denn er starb mittellos und einsam in London in der Old Bond Street Nummer 41. Heute ist in dem Haus eine Filiale des französischen Schmuck- und Uhrenhändlers Cartier untergebracht.

Die Trauerfeier für Laurence Sterne fand in kleinem Kreis am 22. März 1768 in der St Georges Kirche am Hanover Square statt, auf deren Kirchhof er auch beerdigt wurde. Es sollen nicht einmal die Kirchenglocken geläutet haben als sein Leichnam in das Grab gesenkt wurde. Da St George’s Field nicht gut einsehbar war, bestand hier immer wieder die Gefahr, dass gerade erst beerdigte Menschen von Leichenräubern wieder ausgebuddelt wurden, um diese Anatomen an Universitäten anzubieten, die einen ständigen Bedarf an Leichnamen für ihre Vorlesungen hatten.
Genau das geschah auch mit dem Körper von Laurence Sterne, dessen Grab kurz nach der Beerdigung geöffnet und sein Leichnam nach Cambridge gebracht wurde, wo er auf dem Seziertisch von Professor Charles Collignon landete, einem anerkannten Anatomen und Chirurgen. Jetzt gibt es mehrere unterschiedliche Aussagen, wer dort Laurence Sterne wiedererkannte, ein Student oder ein zufällig Anwesender, auf jeden Fall unterbrach der Professor daraufhin die Sektion. Die Leiche des Schriftstellers wurde klammheimlich wieder zurück nach London geschickt, wo sie ein zweites Mal auf dem Kirchhof von St George’s beerdigt wurde. Man munkelte damals, dass der Anatomieprofessor den Kopf als Erinnerungsstück behalten hatte. Das muss aber nicht stimmen, denn als St George’s Field Ende der 1960er Jahre aufgegeben wurde, suchte der Laurence Sterne Trust nach den Überresten des Schriftstellers, wobei sie auf einen Schädel stießen, dessen Oberteil, wie bei einer Sektion üblich, abgesägt war. Der Trust vermutete, dass es sich hierbei tatsächlich um Sternes Kopf handelte, und er schaffte den Schädel mitsamt den dazugehörenden Knochen nach Coxwold in North Yorkshire, wo Laurence Sterne auf dem Kirchhof von St Michael’s ein neues Grab mit einem neuen Grabstein bekam.

Über Sterne und Coxwold habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Die St George’s Kirche am Londoner Hanover Square, wo die Trauerfeier für den Schriftsteller stattfand.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St Michael’s in Coxwold (North Yorkshire) fand Lawrence Sterne seine letzte Ruhe.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John St John Long (1798-1834), der König der Quacksalber in der Londoner Harley Street

Die Harley Street 84.
Quelle: ResearchGate
Creative Commons 4.0

Weit über 1000 Arztpraxen plus diverse Kliniken gibt es in der Londoner Harley Street und den Nebenstraßen, eine gewaltige Zusammenballung medizinischen Fachwissens. Die Straße liegt im Stadtteil Marylebone im Zentrum der Stadt und macht einen gediegenen Eindruck; viele Häuser sind von Eisengittern umrahmt wie die Nummer 84, wo 1828 ein Mann namens John St John Long (1798-1834) eine Praxis eröffnete. Der Mann hatte keine Ahnung von Medizin; bisher hatte er sich mit künstlerischen Arbeiten durchs Leben geschlagen und dabei durch das Malen einige Anatomiekenntnisse erworben.
In seiner Praxis in der Harley Street spezialisierte er sich auf die Behandlung von Tuberkulose, in dem er seine Patienten geheime Stoffe inhalieren und sie mit Salben einreiben ließ. Fünf bis zehn Tage dauerten diese Anwendungen, häufig bildeten sich auf der Haut nässende Entzündungen, die er mit Kohlblättern abdeckte. Long versuchte seinen Opfern, ich meine natürlich Patienten, klarzumachen, dass diese Entzündungen ein Zeichen dafür sind, dass die Krankheit aus dem Körper heraustritt und sie anschließend geheilt sind. Erstaunlicherweise wirkte die Behandlung bei einigen, bei einigen aber nicht, zum Beispiel behandelte er eine junge Frau, die gar keine Tuberkulose hatte, mit seinen dubiosen Methoden, woraufhin die Patientin starb. John St John Long wurde angeklagt und es kam zu einem Prozess im Old Bailey, wo sowohl richtige Mediziner als auch ehemalige Patienten Longs zu Wort kamen. Die Geschworenen verurteilten den Quacksalber wegen Totschlags, er musste aber nur eine Strafe in Höhe von £250 bezahlen.

Long, der angebliche Tuberkulosespezialist, starb vier Jahre nach dem Prozess im Jahr 1834…angeblich an Tuberkulose, wobei er sich erbittert gesträubt haben soll, sich mit seinen eigenen Wundermitteln behandeln zu lassen. Es gibt aber auch eine andere These für seinen Tod: Er soll an den Folgen eines Reitunfalls gestorben sein.
Was nun auch immer stimmt, Long hatte auch nach seinem Ableben eine ihm gegenüber wohlmeinende Gefolgschaft, die dafür sorgte, dass auf dem Friedhof von Kensal Green, wo er beerdigt worden war, ein aus Portlandstein und Carraramarmor bestehendes Monument errichtet wurde, das der Bildhauer Robert William Sievier gestaltete.

In der Harley Street 84 befinden sich auch heute noch Arztpraxen, die Harley Street Clinic und die Anelca Clinic, die sich auf kosmetische Chirurgie spezialisiert hat.

Das Grabmal von John St John Long.
Photo: Robert Freidus
Quelle: Victorian Web