John St John Long (1798-1834), der König der Quacksalber in der Londoner Harley Street

Die Harley Street 84.
Quelle: ResearchGate
Creative Commons 4.0

Weit über 1000 Arztpraxen plus diverse Kliniken gibt es in der Londoner Harley Street und den Nebenstraßen, eine gewaltige Zusammenballung medizinischen Fachwissens. Die Straße liegt im Stadtteil Marylebone im Zentrum der Stadt und macht einen gediegenen Eindruck; viele Häuser sind von Eisengittern umrahmt wie die Nummer 84, wo 1828 ein Mann namens John St John Long (1798-1834) eine Praxis eröffnete. Der Mann hatte keine Ahnung von Medizin; bisher hatte er sich mit künstlerischen Arbeiten durchs Leben geschlagen und dabei durch das Malen einige Anatomiekenntnisse erworben.
In seiner Praxis in der Harley Street spezialisierte er sich auf die Behandlung von Tuberkulose, in dem er seine Patienten geheime Stoffe inhalieren und sie mit Salben einreiben ließ. Fünf bis zehn Tage dauerten diese Anwendungen, häufig bildeten sich auf der Haut nässende Entzündungen, die er mit Kohlblättern abdeckte. Long versuchte seinen Opfern, ich meine natürlich Patienten, klarzumachen, dass diese Entzündungen ein Zeichen dafür sind, dass die Krankheit aus dem Körper heraustritt und sie anschließend geheilt sind. Erstaunlicherweise wirkte die Behandlung bei einigen, bei einigen aber nicht, zum Beispiel behandelte er eine junge Frau, die gar keine Tuberkulose hatte, mit seinen dubiosen Methoden, woraufhin die Patientin starb. John St John Long wurde angeklagt und es kam zu einem Prozess im Old Bailey, wo sowohl richtige Mediziner als auch ehemalige Patienten Longs zu Wort kamen. Die Geschworenen verurteilten den Quacksalber wegen Totschlags, er musste aber nur eine Strafe in Höhe von £250 bezahlen.

Long, der angebliche Tuberkulosespezialist, starb vier Jahre nach dem Prozess im Jahr 1834…angeblich an Tuberkulose, wobei er sich erbittert gesträubt haben soll, sich mit seinen eigenen Wundermitteln behandeln zu lassen. Es gibt aber auch eine andere These für seinen Tod: Er soll an den Folgen eines Reitunfalls gestorben sein.
Was nun auch immer stimmt, Long hatte auch nach seinem Ableben eine ihm gegenüber wohlmeinende Gefolgschaft, die dafür sorgte, dass auf dem Friedhof von Kensal Green, wo er beerdigt worden war, ein aus Portlandstein und Carraramarmor bestehendes Monument errichtet wurde, das der Bildhauer Robert William Sievier gestaltete.

In der Harley Street 84 befinden sich auch heute noch Arztpraxen, die Harley Street Clinic und die Anelca Clinic, die sich auf kosmetische Chirurgie spezialisiert hat.

Das Grabmal von John St John Long.
Photo: Robert Freidus
Quelle: Victorian Web

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