Der Schriftsteller Laurence Sterne (1713-1768) und der Leidensweg seines Leichnams

Hier in der Old Bond Street 41, wo jetzt die Cartierfiliale untergebracht ist, starb Laurence Sterne.
Photo © Enttauscht (cc-by-sa/2.0)

Der Schriftsteller Laurence Sterne lebte von 1713 bis 1768, und sein Hauptwerk, der Roman „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman„, in deutscher Übersetzung „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman„, ist sowohl in seinem Heimatland als auch in Deutschland nach wie vor lieferbar, und das nach mehr als 250 Jahren. Sterne hat sich damit einen festen Platz in der Weltliteratur gesichert, umso trauriger, dass sein Leben ein so tragisches Ende gefunden hat, denn er starb mittellos und einsam in London in der Old Bond Street Nummer 41. Heute ist in dem Haus eine Filiale des französischen Schmuck- und Uhrenhändlers Cartier untergebracht.

Die Trauerfeier für Laurence Sterne fand in kleinem Kreis am 22. März 1768 in der St Georges Kirche am Hanover Square statt, auf deren Kirchhof er auch beerdigt wurde. Es sollen nicht einmal die Kirchenglocken geläutet haben als sein Leichnam in das Grab gesenkt wurde. Da St George’s Field nicht gut einsehbar war, bestand hier immer wieder die Gefahr, dass gerade erst beerdigte Menschen von Leichenräubern wieder ausgebuddelt wurden, um diese Anatomen an Universitäten anzubieten, die einen ständigen Bedarf an Leichnamen für ihre Vorlesungen hatten.
Genau das geschah auch mit dem Körper von Laurence Sterne, dessen Grab kurz nach der Beerdigung geöffnet und sein Leichnam nach Cambridge gebracht wurde, wo er auf dem Seziertisch von Professor Charles Collignon landete, einem anerkannten Anatomen und Chirurgen. Jetzt gibt es mehrere unterschiedliche Aussagen, wer dort Laurence Sterne wiedererkannte, ein Student oder ein zufällig Anwesender, auf jeden Fall unterbrach der Professor daraufhin die Sektion. Die Leiche des Schriftstellers wurde klammheimlich wieder zurück nach London geschickt, wo sie ein zweites Mal auf dem Kirchhof von St George’s beerdigt wurde. Man munkelte damals, dass der Anatomieprofessor den Kopf als Erinnerungsstück behalten hatte. Das muss aber nicht stimmen, denn als St George’s Field Ende der 1960er Jahre aufgegeben wurde, suchte der Laurence Sterne Trust nach den Überresten des Schriftstellers, wobei sie auf einen Schädel stießen, dessen Oberteil, wie bei einer Sektion üblich, abgesägt war. Der Trust vermutete, dass es sich hierbei tatsächlich um Sternes Kopf handelte, und er schaffte den Schädel mitsamt den dazugehörenden Knochen nach Coxwold in North Yorkshire, wo Laurence Sterne auf dem Kirchhof von St Michael’s ein neues Grab mit einem neuen Grabstein bekam.

Über Sterne und Coxwold habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Die St George’s Kirche am Londoner Hanover Square, wo die Trauerfeier für den Schriftsteller stattfand.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Kirchhof von St Michael’s in Coxwold (North Yorkshire) fand Lawrence Sterne seine letzte Ruhe.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: