Mein Buchtipp – Paul Maunder: The Wind At My Back: A Cycling Life

Foto meines Exemplares

In Paul Maunders Leben spielen vor allem zwei Dinge eine entscheidende Rolle: Schreiben und Radfahren. Beides konnte er in seinen bisher publizierten Büchern zusammenfassen. 2017 erschien „Rainbows in the Mud: Inside the Intoxicating World of Cyclocross“ (Bloomsbury Sport); darin beschäftigt er sich mit der Sportart Cyclocross bzw. Querfeldeinrennen, in Deutschland nicht so weit verbreitet.

In diesem Jahr im Mai veröffentlichte Paul Maunder Buch Nummer 2: „The Wind At My Back: A Cycling Life„, eine Autobiografie, die stark geprägt wird von dem Thema Fahrradfahren. Der Autor wächst in Watlington in Oxfordshire auf und zieht mit seinen Eltern nach Henley-on-Thames (ebenfalls in Oxfordshire gelegen). Die Umgebung beider Orte werden von ihm mittels Fahrrad weitläufig erkundet; die Landschaftsbeschreibungen sind sehr gut gelungen. Was mir an dem Buch aber am besten gefällt (ich habe keine besondere Affinität zum Radfahren) sind die Beobachtungen und Gedanken des Autors, die er in sein Buch einfließen lässt. Er schreibt zum Beispiel über seinen Besuch in Greenham Common in Berkshire, Schauplatz der Demonstrationen der Campaign for Nuclear Disarmament, und dem Atomic Weapons Establishment in Aldermaston, nur ein paar Kilometer weiter, zuständig für den Bau und die Entwicklung britischer Atomwaffen.

Paul Maunder macht uns mit den Werken der Naturschriftsteller Richard Jefferies (1848-1887), Adrian Bell (1901-1980) und Harold John Massingham (1888-1952) bekannt. Maunder, der inzwischen in London wohnt, greift immer wieder den Themenbereich Landleben/Stadtleben auf und meint dazu „It’s easy to dismiss Midsomer Murders as cosy Sunday evening viewing, but the programme says a lot about  our troubled modern relationship with the countryside… For most of us, a pastoral life like this isn’t possible, so it’s quite reassuring when someone gets brutally murdered – it gives us a reason to be thankful for living inside the ring road“.

Eine sehr interessante und empfehlenswerte Lektüre!

Paul Maunder: The Wind At My Back: A Cycling Life. Bloomsbury Sport 2018. 266 Seiten. ISBN 978-1-4729-4813-7.

 

Published in: on 31. Dezember 2018 at 02:00  Comments (2)  

Dwyle Flunking – Ein Pubspiel, bei dem es schwer ist, trocken und nüchtern zu bleiben

Dwyle Flunking vor dem Lewes Arms in Lewes (East Sussex).
Photo © Roz South (cc-by-sa/2.0)

Ein Pubspiel der besonderen Art, das im Freien zelebriert werden sollte, ist das Dwyle Flunking, ein feuchtes Spiel, in dem ein Eimer Bier im Mittelpunkt steht. Die Regeln sind einfach: Zwei Teams spielen gegeneinander, wobei jedes Team aus 12 Spielern besteht. Team 1 bildet einen Kreis und tanzt um einen in der Mitte stehenden Eimer mit Bier. Ein Teilnehmer von Team 2 steht in der Mitte des Kreises mit einer Art Besenstiel in der Hand, an dessen Ende ein Lappen oder Schwamm hängt (natürlich mit Bier vollgesogen). Der außerhalb des Kreises stehende Schiedsrichter pfeift und in diesem Moment klatscht der Mann oder die Frau mit dem Besenstiel (der Flonker) irgendeinem der im Kreis Tanzenden den Bierlappen ins Gesicht oder an den Körper. Ein Gesichtstreffer zählt 3 Punkte, ein Körpertreffer 2 Punkte und ein Beintreffer 1 Punkt. Wenn der Flonker keinen Treffer erzielt, muss er schnell ein Pint Bier trinken.
Jeder im Team ist einmal als Flonker dran, danach wechseln die Teams. Am Ende werden die Punkte zusammengerechnet. Das Siegerteam erhält als Preis einen Nachttopf aus Zinn.
Oft soll das Dwyle Flunking aber enden, ohne dass jemand weiß, wer wieviel Punkte erreicht hat und dass es eigentlich auch allen Beteiligten egal ist. Der Spaß an dem Pubgame ist wichtiger.

Wie man Dwyle Flunking vor dem Lewes Arms in Lewes (East Sussex) spielt, ist hier zu sehen.

Published in: on 30. Dezember 2018 at 02:00  Comments (3)  
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The Rose & Crown in Bainbridge (North Yorkshire)

AD 1445 steht über der Eingangstür des Rose & Crown Hotels und Pubs am Ortseingang von Bainbridge in North Yorkshire. Bainbridge liegt an der A684, mitten im Yorkshire Dales National Park. Das hübsche Haus, „The Pride of Wensleydale“, gehört mit zu den ältesten Hotels/Pubs in der Grafschaft und war früher einmal eine Kutschenstation. Dass wir uns hier in einem Country Pub befinden, sagt schon das vor dem Haus aufgestellte Schild „Dirty boots and muddy paws very welcome any time“. In den drei Bars kann man u.a. Biere der Black Sheep Brewery in Masham probieren; es ist aber ein Free House, also an keine Brauerei gebunden. Es gibt ein hübsch eingerichtetes Restaurant und einige Zimmer mit Übernachtungspreisen von ca £70 bis £80.

Über eine Besonderheit verfügt The Rose & Crown, das Bainbridge Forest Horn, das in einer Glasvitrine untergebracht ist. Leider wird die Tradition des „hornblowing“ zur Zeit nicht weitergeführt. Vor sehr langer Zeit war Bainbridge vom Forest of Wensleydale umgeben, einem weitläufigen dichten Waldgebiet. Jeden Abend vom 27. September bis zum Shrove Tuesday, also dem Faschingsdienstag, war der Hornblower tätig, der kräftig ins Horn blies, um Reisenden und Arbeitern, die sich im Wald befanden, den Weg zurück in die Zivilisation zu weisen, wo sie im Rose & Crown eine Mahlzeit und etliche Pints Bier erwarteten.

The Rose and Crown Hotel
Bainbridge
Wensleydale, North Yorkshire, DL8 3EE 

Bainbridge und The Rose & Crown.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Pinfolds in englischen Dörfern

In Norwell (Nottinghamshire)
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Es gab vor langer Zeit einen Beruf, der sich „pinder“ nannte und von der Wikipedia so beschrieben wird: „One who impounds cattle, or takes care of the cattle impounded.“ Der pinder war eine Art Viehhüter, aber mit besonderen Aufgaben. Wenn sich Vieh von nicht umzäunten  Weiden entfernte und herrenlos durch die Gegend irrte, war es die Aufgabe des pinders, die Tiere einzufangen und im örtlichen „pinfold„, oder auch „animal pound„, genannt, einzusperren, bis der Eigentümer auftauchte und sie wieder abholte. Dafür musste der natürlich eine Art Strafgebühr oder Aufbewahrungsgebühr bezahlen, was er dann auch, mehr oder weniger widerwillig, tat. Wahrscheinlich bekamen die ausgebüchsten Tiere ihrerseits eine Strafe auferlegt, vielleicht zwei Tage lang kein Heu oder so etwas ähnliches.

Die pinfolds waren meistens von Steinmauern umgeben, abschließbar und „ausbruchssicher“, sehr zum Ärger der dort inhaftierten Tiere. Es gab runde, viereckige, große und kleine pinfolds, von denen noch so manche in den Dörfern Englands erhalten geblieben sind. Ich stelle hier einmal einige im Bild vor:

In diesem ehemaligen pinfold in Screveton (Nottinghamshire) hat man jetzt einen Kräutergarten angelegt.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Ein pinfold in Askham (Nottinghamshire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Der Swainby Pinfold in North Yorkshire.
Photo © Mick Garratt (cc-by-sa/2.0)

Huttons Ambo in North Yorkshire. Die Telefonzelle war nicht dafür gedacht, dass die eingesperrten Tiere ihre Besitzer zur Hilfe holten.
Photo © John Illingworth (cc-by-sa/2.0)

Dieser pinfold in Chellaston (Derbyshire) diente für Tiere im offenen Vollzug…
Photo © Ian Calderwood (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Dezember 2018 at 02:00  Comments (5)  
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Das Gebrüll in der Höhle der Löwen – Der Millwall Football Club und seine Fans

Die Höhle der Löwen – The Den of the Lions.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Der Millwall F.C. kann es fußballtechnisch nicht mit den großen Londoner Clubs wie Chelsea, Arsenal oder Tottenham aufnehmen, er spielt in der English Football League Championship, das ist vergleichbar mit der 2. Bundesliga in Deutschland, dafür sind seine Fans aber berühmt-berüchtigt für die lautstarke Unterstützung ihres Vereins. Man spricht da vom Millwall Roar, mit dem die Fans ihre „Lions„, so der Spitzname des Clubs, im Stadion The Den, die Höhle, anfeuern und die Gäste verunsichern, ja manchmal sogar ängstigen.

Der in Bermondsey im Südosten Londons angesiedelte Fußballverein genießt in Fußballkreisen keinen guten Ruf. Gerry Robson hat sich mit diesem Thema schon 2001 in seinem Buch „No One Likes Us, We Don’t Care: The Myth and Reality of Millwall Fandom“ auseinandergesetzt („No One Likes Us, We Don’t Care“ heißt der Fangesang des Millwall F.C., gesungen, oder besser gegröhlt, nach der Melodie von Rod Stewarts „Sailing“) und kommt zu dem Schluss: „The roar brings the collective and its world alive, and can overwhelm both participants and observers“.

Immer wieder kam und kommt es nach Spielen des Millwall F.C. zu Ausschreitungen, die Hooligans sind gefürchtet. Es gibt wohl keine Mannschaft in England, die gern in das Stadion The Den kommt; der junge Gary Linneker sagte einmal, dass den Spielern dort der blanke Hass entgegen schlägt und es keine gute Idee der gegnerischen Mannschaft sei, ein Tor zu schießen.

Zurzeit liegt der Millwall F.C. in der Tabelle der English Football League Championship nur auf Platz 22 (von 24 teilnehmenden Vereinen).

No one likes us, no one likes us
No one likes us, we don’t care!

We are Millwall, super Millwall
We are Millwall from The Den!

In The Den passen über 20 000 Zuschauer.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Diagram Prize – Auszeichnung für das Buch mit dem merkwürdigsten Titel des Jahres – Ein Update

Auf der Frankfurter Buchmesse des Jahres 1978 hatten sich wohl einige der teilnehmenden Aussteller gelangweilt, denn man kam auf die Idee einen neuen Preis zu stiften, den das Buch mit dem merkwürdigsten Titel erhalten sollte. Die britische Fachzeitschrift The Bookseller und die Londoner Diagram Visual Information Limited riefen den Diagram Prize ins Leben, den als erster das Buch „Proceedings of the Second International Workshop on Nude Miceerhielt, also „Berichte der Zweiten Internationalen Arbeitstagung über nackte Mäuse“.

Seit dem Jahr 2000 erfolgt die Wahl des Siegertitels durch Abstimmung im Internet auf der Homepage des „Booksellers“. Geld bekommt der Preisträger nicht, lediglich derjenige, der den Siegertitel vorgeschlagen hat, erhält eine Magnumflasche Champagner.

Ich schrieb vor einigen Jahren schon einmal in meinem Blog über diesen witzigen Literaturpreis und stellte später einen der Preisträger, „Too Naked For the Nazis“ von Alan Stafford, vor. Heute möchte ich den Blogartikel weiter führen und die Preisträger der letzten Jahre vorstellen.

In diesem Jahr gewann erstmals ein nichtenglischer Autor den Diagram Prize, nämlich der Deutsche Thomas Götz von Aust mit seinem Buch „The Joy of Waterboiling: 100 köstliche Rezepte für den Wasserkocher„. Das Buch mit dem englischen Titel gibt es nur auf Deutsch und ist nicht in englischer Übersetzung erschienen. „Künstlerinnen und Künstler des Berliner und Wiener Milieus arbeiten in einem gemeinschaftlichen, interdisziplinären, europäischen Projekt an der visionären visuellen Realisierung und unkonventionellen Verbreitung dieser neuartigen Rezeptsammlung“, heißt es in dem Buch.

Der Preisträger für das Jahr 2017 war „The Commuter Pig Keeper: A Comprehensive Guide to Keeping Pigs when Time is Your Most Precious Commodity“ von Michaela Giles, eine Anleitung wie man am besten eine kleine Herde Schweine hält und dabei so wenig Zeit wie möglich aufwendet.

Den Preisträger 2016 „Too Naked For the Nazis“ erwähnte ich oben schon.

Strangers Have the Best Candy: How Talking To Strangers Leads to a Life of Crazy Adventure and Lasting Friendship“ ist der Siegertitel für das Jahr 2015, geschrieben von Margaret Meps Schulte. Die Autorin schreibt darin von ihren Begegnungen mit Fremden bei ihren Reisen durch die USA.

Mein Favorit ist der Preisträger des Jahres 2014: „How to Poo on a Date: The Lover’s Guide to Toilet Etiquette“ von Mats & Enzo. Die beiden Toilettenexperten geben wertvolle Tipps, wie man sich verhalten sollte, wenn man plötzlich bei einem intimen Treffen mit seiner/seinem Geliebten ein menschliches Bedürfnis verspürt.

Published in: on 26. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – Brian Hoey: We Are Amused – A Royal Miscellany

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Die Hochzeit des Jahres mit Prince Harry und Meghan Markle ist vorbei, auch Princess Eugenie, oder HRH Princess Eugenie Victoria Helena, Mrs. Brooksbank wie sie jetzt heißt, ist in diesem Jahr unter die Haube gekommen.

Wer nach all diesen royalen Festlichkeiten noch immer nicht genug vom britischen Königshaus hat, dem kann ich das Buch „We Are Amused: A Royal Miscellany“ von Brian Hoey empfehlen. Hoey hat schon über 20 Bücher geschrieben, davon die meisten über die Royals wie „At home with the Queen“ oder „Life with the Queen“.

Sein neues Buch ist ein Lexikon nach dem Motto „Alles, was Sie schon immer über das Königshaus wissen wollten“. Es beginnt mit „A“ wie „Abdication and Accession„, also „Abdankung und Thronbesteigung“ und endet mit „Z“ wie „Zara Phillips„, der ältesten Enkelin der Queen. Dazwischen gibt es viel Interessantes zu lesen z.B. über die Gartenparties im Buckingham Palace, die Gehälter, die den Bediensteten bezahlt werden und die (unrühmliche) Rolle der königlichen Corgies.

Eine informative Lektüre für alle Freunde des englisches Königshauses.

Brian Hoey: We Are Amused – A Royal Miscellany. JR Books 2010. 256 Seiten. ISBN 978-1-906779-85-6.

Published in: on 25. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Villages in the snow

Grantchester in Cambridgeshire.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Die Wettervorhersage für Weihnachten sieht in England etwa so aus wie hier in Deutschland: regnerisch und mild, von Schnee ist weit und breit nichts zu sehen. Die einen freut’s, weil sie keinen Schnee wegschieben müssen, die anderen sind traurig, weil dann keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommt.
Englische Dörfer sehen schneebedeckt besonders schön aus wie ich das einige wenige Male selbst erleben konnte. Dieser Film zeigt winterliche Szenen aus West Sussex.

Hier sind einige stimmungsvolle „Villages in the snow“ zu sehen:

Snowshill in Gloucestershire.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Old Bolingbroke in Lincolnshire.
Photo © Dave Hitchborne (cc-by-sa/2.0)

Boldron (County Durham).
Photo © Andy Waddington (cc-by-sa/2.0)

Ledgemoor (Herefordshire).
Photo © Philip Pankhurst (cc-by-sa/2.0)

The Merry Harriers in den Blackdown Hills (Somerset)
Photo © Noel Jenkins (cc-by-sa/2.0)

Agatha Christies Grabstein auf dem Kirchhof von St Mary’s in Cholsey in Oxfordshire.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Dezember 2018 at 02:00  Comments (5)  

Pubschilder – The Live & Let Live Inn in Bringsty Common (Worcestershire)

Was für ein wunderschöner Pub mit dem ungewöhnlichen Namen The Live & Let Live! Wir finden ihn in der Nähe von Bringsty, einem kleinen Dorf im Grenzbereich Worcestershire/Herefordshire, und er ist nicht ganz leicht zu finden und nur über einen sogenannten  „Byway Open To All Traffic“ zu erreichen („A byway open to all traffic (or BOAT) is a highway over which the general public have a right to travel for vehicular and all other kinds of traffic, but which is used by the public mainly as footpaths and bridleways are used“).

Der Pub mit dem Reetdach wurde etwa um 1700 gebaut und war einmal eine Produktionsstätte für Cider. Das Haus ist im Jahr 2007 komplett restauriert worden, nachdem es einige Zeit leer gestanden hatte und ziemlich verfallen war.
Das einsam gelegene Gasthaus ist sehr hundefreundlich; die Vierbeiner sind nicht nur im Biergarten, sondern auch im Pub selbst willkommen.

Ich finde das Pubschild sehr gelungen, das den Namen „The Live & Let Live“ wunderschön illustriert: Eine Katze ist so tolerant und lässt ihre Lieblingsspeisen, eine Maus und einen Vogel, unangetastet, obwohl ihr das nicht ganz leicht zu fallen scheint (ihrem Gesichtsausdruck nach zu schließen).

Hier sind einige Bilder vom Pub zu sehen.

The Live & Let Live
Bringsty Common
Bringsty
Worcestershire WR6 5UW

 

Published in: on 23. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Stokenchurch Gap – Ein Durchbruch durch die Chiltern Hills auf der Autobahn M40

Auf einer Fahrt von Dorchester-on-Thames in Oxfordshire nach London fuhr ich über die B4009 in Richtung Autobahn M40, die ich bei Lewknor, ebenfalls in Oxfordshire gelegen, bei Junction 6 erreichte. Nach kurzer Fahrt führte die Autobahn durch einen canyonartigen Einschnitt durch die Chiltern Hills, der Stokenchurch Gap genannt wird oder auch Aston Rowant Cutting, da die M40 hier durch die Aston Rowant National Nature Reserve geleitet wird. Die Einheimischen nennen den Streckenabschnitt auch nur The Canyon. Das 1200 Meter lange Teilstück wurde damals beim Bau der Autobahn bis zu einer Tiefe von 47 Metern durch Kalkstein gebrochen und ist sicher für Geologen sehr interessant anzusehen, für den Autobahnbenutzer aber auch.

Der Stokenchurch Gap heißt so, weil der kleine Ort Stokenchurch in Buckinghamshire direkt neben der Autobahn liegt. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre wurde die M40 zwischen den Ab-/Auffahrten 5 und 6 gebaut und da gab es jede Menge Zündstoff, denn Naturfreunde und Umweltschützer wendeten sich vehement gegen den Durchbruch durch die Chiltern Hills, zerstörte er doch einen Teil des Naturschutzgebietes Aston Rowant National Nature Reserve, das eigentlich unantastbar war. Gegenvorschläge der Naturschützer wischte man vom Tisch; diese sahen einen Tunnel unter den Chiltern Hills vor bzw. einen Ausbau der bereits bestehenden A40 (die hier parallel zur Autobahn verläuft).
Gleich am Anfang des Vorspanns zur TV-Serie „The Vicar of Dibley“ ist der Stokenchurch Gap aus der Vogelperspektive zu sehen.

Das Thema Untertunnelung der Chilterns stellt sich jetzt erneut beim Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnlinie HS2. Voraussichtlich Ende 2019 soll damit begonnen werden, und der Chiltern Tunnel wird nach Fertigstellung eine Länge von 15,8 Kilometern haben.

Published in: on 22. Dezember 2018 at 02:00  Comments (7)  
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Hambleden in Buckinghamshire – Ein Dorf im Besitz eines Schweizer Milliardärs

Das Manor House wird für eine „Miss Marple“-Folge vorbereitet.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Wenn man ein Musterbeispiel für ein englisches Bilderbuchdorf sucht, dann eignet sich Hambleden in Buckinghamshire dafür hervorragend. Ich habe das Dorf in meinem Blog schon zweimal im Zuge meiner „Inspector Barnaby“-Spurensuche vorgestellt (hier und hier). Es ist ein Paradies für Location Manager, darum wurden hier schon viele Filme gedreht.

Viele, die Hambleden besuchen, wissen sicher nicht, dass der Ort in Privatbesitz ist und dem Schweizer Milliardär Urs Schwarzenbach gehört, der das komplette Dorf mit 44 Häusern, einem Pub und einem Dorfladen 2007 für £38 Millionen dem W.H. Smith-Erben Henry Smith, 5th Viscount Hambleden, abgekauft hatte, dessen Familie hier lange ansässig war. Schwarzenbach hat noch zwei weitere Besitztümer nicht weit von Hambleden entfernt: Thames Side Court in Shiplake in Berkshire, das dem Bahnhof von St Moritz nachempfunden sein soll, und Culham Court in Berkshire, in der Nähe von Henley-on-Thames.

Jedesmal wenn ein historischer Film hier in Hambleden gedreht wird, werden die Bewohner der Cottages gebeten, ihre Fernsehantennen vorübergehend abzubauen; man hat sich wohl inzwischen daran gewöhnt, dass Filmcrews den Ort für eine gewisse Zeit übernehmen und man sich eine Zeit lang nicht frei bewegen kann. „Chitty Chitty Bang Bang“ und „101 Dalmatiner„, um nur zwei Beispiele zu nennen, wurden in den Straßen von Hambleden gedreht.

Auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin finden wir die Gräber von Jon Lord (1941-2012), Gründungsmitglied der Rockband Deep Purple, und William Henry Smith (1825-1891), der das Unternehmen W.H. Smith bekannt machte.

Hier ist ein Film über den hübschen kleinen Ort.

St Mary the Virgin.
Eigenes Foto.

Culham Court in Berkshire.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Dezember 2018 at 02:00  Comments (1)  
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„Come Fly with Me“ – Eine Sketchshow der BBC mit David Walliams und Matt Lucas

London Stansted Airport.
Photo © Thomas Nugent (cc-by-sa/2.0)

Nachdem David Walliams und Matt Lucas mit ihrer Sketchshow „Little Britain“ Erfolg im britischen Fernsehen hatten, sahen sich die beiden Verwandlungskünstler nach neuen Ufern um und begannen 2010 die neue Serie „Come Fly with Me“ zu drehen, die ein Jahr später in deutscher Synchronisation bei Comedy Central gezeigt wurde. David Walliams wurde von Oliver Welke, Matt Lucas von Oliver Kalkofe synchronisiert. Als Schauplatz suchten sich den beiden einen Flughafen aus, auf dem sie in unterschiedlicher Mission agierten. Einmal spielte David Walliams den Besitzer der Billigfluglinie FlyLo Omar Baba, einmal die Chefstewardess Penny Carter, Matt Lucas war u.a. als schwuler Flugbegleiter Fearghal O’Farrell und als Burger-Verkäufer Tommy Reid zu sehen. Die Fluggesellschaften auf dem Airport heißen Our Lady Air, Great British Air und FlyLo. Man muss schon, wie bei „Little Britain“ auch, eine Vorliebe für diesen schrägen Humor haben, um diese Serie zu mögen, die nur aus sechs Episoden bestand.

Gedreht wurde auf zwei richtigen Flughäfen, auf dem großen London Stansted Airport und dem kleineren Doncaster Sheffield Airport, der den Bereich South Yorkshire bedient. Letzerer bietet Charterflüge nach Osteuropa, zu Ferienzielen im Mittelmeerraum und in einige europäische Metropolen an.

Hier ist die erste Folge von „Come Fly with Me“ im Original und hier in deutscher Synchronisation zu sehen.

Der Doncaster Sheffield Airport.
Photo © Martin Dawes (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Burlington Arcade in London – Luxuriöses Einkaufen unter einem Glasdach

Nicht nur in Paris und in Mailand gibt es Einkaufspassagen, die unter einem verglasten Dach einen Einkausbummel in luxuriösen Geschäften bieten, auch London kann mit so etwas aufwarten und zwar im vornehmen Stadtteil Mayfair mit der Burlington Arcade, die die Bond Street mit Piccadilly verbindet.

Am 20. März 1819 wurde die Einkaufspassage eröffnet, deren Geschäfte überwiegend Waren für Leute mit einem größeren Geldbeutel anboten, was auch heute noch zutrifft. So finden sich hier z.B. mehrere Juweliere und Uhrengeschäfte. Die Firma The Vintage Watch Company bietet mit mehr als 800 restaurierten Rolex-Uhren das weltweit größte Angebot in diesem Segment. Wer sich eine Luxusuhr der Marke Rolex aus dem Jahr 1915 zulegen möchte, kann das hier tun, vorausgesetzt man ist in der Lage  £ 7000 bis  £10 000 dafür auszugeben.
Bei den alt eingesessenen Firmen Church’s und Crockett & Jones kann man edle Schuhe erwerben und die St. Petersburg Collection offeriert Kreationen von Theo Fabergé.

Eine Besonderheit der Burlington Arcade sind die Beadles, das sind elegant gekleidete Herren, deren Aufgabe es ist, für Ruhe und Ordnung in der Passage zu sorgen. So sehen es diese Herren gar nicht gern, wenn dort gepfiffen oder gerannt wird; auch aufgespannte Regenschirme sind in der Arcade unerwünscht. So erzählt Mark Lord, der oberste Beadle auf den Webseiten der Burlington Arcade, das einmal einer seiner Vorgänger einem vor sich hin pfeifenden Mann auf die Schulter tippte und ihn darauf aufmerksam machte, dass Pfeifen in den heiligen Hallen der Arcade nicht gestattet ist. Es stellte sich heraus, dass der Pfeifer niemand anderes als Paul McCartney war, der sich sofort dafür entschuldigte. Der Beadle aber sagte: „As it’s you, Paul, it’s all right“ und von da ab pfiff Paul McCartney jedesmal wenn er die Einkaufspassage betrat, vergnügt vor sich hin.

Hier ist ein filmischer Rundgang durch die Passage.

Auch wenn man keine Vintage Rolex-Uhr kaufen möchte, ist ein Besuch in der Burlington Arcade schon ein besonderes Erlebnis.

Die St Peter’s Brewery in Elmham (Suffolk)

In dem kleinen Dorf St Peter South Elmham südlich von Bungay in Suffolk liegt die St Peter’s Brewery, die erst 1996 von John Murphy gegründet wurde. Die Brauerei benutzt weitestgehend Produkte aus der nahen Umgebung und holt das Wasser aus einem eigenen Brunnen auf dem Gelände.
St Peter’s stellt ausschließlich Real Ales her und der Anteil an Flaschenbieren liegt bei 90%.
Die Flaschen unterscheiden sich von Bieren aus anderen Brauereien dadurch, dass sie oval sind. Die Form beruht auf einer Flasche, die etwa 1770 für den Gastwirt Thomas Gerrard hergestellt wurde, der einen Gasthof am Delaware River in Nordamerika betrieb.

St Peter’s stellt eine breite Palette an Bieren her, darunter auch Exoten wie Grapefruit Bier und glutenfreies Bier, aber auch Organic Ale und Organic Best Bitter. Ich habe drei Sorten probiert: Best Bitter, Old Style Porter und Cream Stout, die ich alle sehr gut fand.

Wie die meisten Brauereien stellt auch St Peter’s saisonale Biere her wie das Summer Ale und das Winter Ale. Das neueste Produkt, das erst am 24. Oktober in den Handel kommt, nennt sich The Saints Whisky Beer und ist eine Kooperation mit The English Whisky Co im nahegelegenen Roudham in Norfolk.

Wer die Brauerei einmal besichtigen möchte, der kann das jeden Samstag und Sonntag zwischen 11 Uhr und 14 Uhr tun, dann finden stündlich geführte Touren statt. Einen Shop gibt es hier auch, wo man die ganze Palette der Biere kaufen kann.

Hier ist eine Bierprobe des Old Style Porters zu sehen und hier ist ein Film über die Brauerei.

Das Buch zum Artikel:
Roger Protz & Steve Sharples: Country Ales & Breweries. Weidenfeld & Nicholson 1999. 160 Seiten. ISBN 978-0297836254 (nur noch antiquarisch erhältlich).

St. Peter’s Brewery Co Ltd.
St. Peter’s Hall,
St. Peter South Elmham,
Bungay, Suffolk.
NR35 1NQ

Eigenes Foto.

 

Published in: on 18. Dezember 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Der Dichter Thomas Gray und eine Katze, die im Goldfischbecken ertrank

Das Grabmal von Thomas Gray neben dem Friedhof von St Giles in Stoke Poges (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Den englischen Dichter Thomas Gray (1716-1771) erwähnte ich schon einmal in meinem Blog, als ich sein Grabmal in Stoke Poges in Buckinghamshire besuchte. Sein berühmtestes, stimmungsvolles Gedicht ist „Elegy written in a country church-yard„, 1751 erschienen. Drei Jahre früher veröffentlichte er ein anderes Gedicht mit dem kuriosen Titel „Ode on the death of a favourite cat, drowned in a tub of gold fishes„, das in der deutschen Übersetzung „Ode auf den Tod einer Lieblingskatze, die in einer Goldfisch-Vase ertrank“ heißt.

Der Titel des Gedichts sagt schon aus, worum es inhaltlich geht. Bei der Katze handelt es sich um Selima, die einem Freund Thomas Grays gehörte, und die dieses Schicksal erleiden musste. Der Freund war niemand Geringeres als Horace Walpole (1717-1787), der Schöpfer des Schauerromans „The Castle of Otranto“ (dt. „Das Schloss von Otranto“), der die beiden Katzen Selima und Zara besaß. Thomas Gray lernte die beiden bei einem Besuch bei Horace Walpole kennen und erhielt etwas später die Nachricht, dass Selma, die unvorsichtigere der beiden Katzen, in einem Becken, in dem Walpole Goldfische hielt, ertrunken war. „So frevelnd beugt sie, unverwandt sich über des Gewässers Stand zum Abgrund stets gelenkt. Bis ach! (der Böse sieht’s vergnügt), ausgleitend sie die Sohle trügt, und in die Fluth versenkt„, so beschreibt Thomas Gray den Tod des armen (aber hungrigen) Kätzchens. Das tödliche Goldfischbecken stellte Walpole später in seinem Haus Strawberry Hill in Twickenham im Südwesten Londons auf einen Sockel.

Das Gedicht endet mit den Worten „Drum Mädchen! nehmt die Täuschung wahr; oft bringt ein einz’ger Schritt Gefahr, und seyd mit Vorsicht dreist. Nicht alles, was in’s Auge fällt, und Herzen täuscht, ist wohlbestellt, nicht alles Gold was gleißt„. Thomas Gray geht da weiter, als nur von dem Tod einer Katze zu erzählen, er gibt jungen Frauen Ratschläge mit auf den Weg, die Augen immer offen zu halten und nicht auf jede Versuchung einzugehen, denn nicht alles was glänzt ist Gold.

Horace Walpole, der Besitzer der ertrunkenen Katze. Das Porträt von John Giles Eccardt hängt in der National Portrait Gallery in London.
This work is in the public domain.

Horace Walpoles Strawberry Hill House in Twickenham bei London.
Author: Chiswick Chap
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Published in: on 17. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Tomb-chests – Kistenförmige Grabmäler in Kirchen und auf Kirchhöfen

Tomb-chests auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Leighterton (Gloucestershire).
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

In vielen Kirchen und Kathedralen Englands findet man tomb-chests, „rectangular stone funerary monument above a tomb, often found in churches, with recumbent effigies on top or suggested by figures outlined (incised) on the top slab or cut into inserts of metal (brasses)„, so die Definition von Encyclopedia.com. Diese großen kastenförmigen Grabstätten gehören in der Regel zu adeligen oder wohlhabenden Menschen, deren Körper häufig in Form von Steinplastiken darauf liegen. Die Steinmetze haben die tomb-chests auch gern reich verziert, zum Beispiel mit „weepers„, weinenden, trauernden Menschen an der Seite der Gräber. Hin und wieder fügte man auch die steinerne Figur des Lieblingstieres des Verblichenen am Fußende dazu. Manchmal ist die Grabstätte auch von einem Eisengitter umgeben, damit der Bewohner mehr „privacy“ hat.
Aber nicht nur in Kirchen, sondern auch auf Kirchhöfen sind die tomb-chests zu finden, allerdings meist in vereinfachter Form, ohne die Nachbildung des/der Verstorbenen.

Ich habe zur Veranschaulichung hier einige Beispiele zusammengestellt:

Das Grab von Sir Robert Broke, umrahmt von seinen zwei Frauen, beweint von seinen sechzehn Kindern an der Seite des tomb-chests. Er war Speaker im Unterhaus und liegt hier in der All Saints Church in Claverley (Shropshire) begraben.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

Hier in der St Andrews’s Church in Wroxeter (Shropshire) ruhen Sir Thomas Bromley, einst Chief Justice of England, und seine Frau Mabel.
Photo © Mike Searle (cc-by-sa/2.0)

„Weepers“ am Grabmal von Henry Sacheverell III in der Holy Trinity Church in Ratcliffe on Soar (Nottinghamshire).
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Das Grab von Sir Sampson und seiner Frau Lady Elizabeth de Strelley in der All Saints‘ Church bei Strelley (Nottinghamshire). Zu ihren Füßen sind zwei Hündchen platziert, während seine Füße auf einem Löwen ruhen.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Dezember 2018 at 02:00  Comments (2)  
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„N or M?“ oder Wie Agatha Christie einmal vom britischen Inlandgeheimdienst MI5 unter die Lupe genommen wurde

Foto meines Exemplares.

Den Namen Bletchley Park kannte im Zweiten Weltkrieg kaum jemand, was auch absolut im Sinn der Bewohner bzw der dort arbeitenden war, denn was hier hinter verschlossenen Türen passierte, war Top Secret. In das Herrenhaus in Buckinghamshire hatte man die fähigsten und kreativsten Köpfe des Landes zusammengezogen, um den Enigma-Code zu knacken, mit dem der Nachrichtenverkehr der deutschen Wehrmacht verschlüsselt war… und es gelang ihnen. Unter vielen anderen waren Alan Turing und Dillwyn Knox an der Entschlüsselung des Codes beteiligt. Erst viele Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde bekannt, was sich da in Bletchley Park abgespielt hatte. Einige Militärhistoriker sind sogar der Meinung, dass durch die Entschlüsselung, der Krieg etwa zwei Jahre abgekürzt werden konnte.

1941 wurde der britische Inlandsgeheimdienst MI5 auf ein Buch aufmerksam, das in diesem Jahr veröffentlicht worden war und den Titel „N or M?“ trug (vier Jahre später erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Das Haus der Mrs. Perenna„, 1960 in „Rotkäppchen und der böse Wolf“ umbenannt). Autorin war die berühmte Agatha Christie. Das Buch gehört zu der in Deutschland weniger bekannten Tommy und Tuppence Beresford-Serie und ist ein Spionagethriller.

Sehr merkwürdig fand der Geheimdienst, dass eine der Personen im Roman Major Bletchley heißt, ein unangenehmer Mensch, der früher in Indien gedient hatte. War der Name zufällig von Agatha Christie gewählt worden oder steckte mehr dahinter? Als der MI5 herausbekam, dass die Dame auch noch freundschaftliche Beziehungen zu Dillwyn Knox hatte, einem der führenden Codeknacker in Bletchley Park, schrillten die Alarmglocken bei den Geheimdienstmitarbeitern. Hatte Knox da aus dem Nähkästchen geplaudert und der Queen of Crime einige Informationen zugesteckt? An Agatha Christie selbst mochte man nicht herantreten und sie befragen, bestand doch die Gefahr, dass dann das Geheimnis von Bletchley Park in die Öffentlichkeit getragen wurde, was man unter allen Umständen vermeiden wollte. Also nahm man sich Dillwyn Knox vor, der abstritt, jemals mit ihr über seine Arbeit gesprochen zu haben. Er erklärte sich bereit, ein Gespräch mit der Schriftstellerin zu führen, um vorsichtig auszuloten, ob sie etwa zuviel wusste und warum sie ihre Romanfigur Major Bletchley genannt hatte. Knox lud sie zum Tee in sein Haus in Naphill in Buckinghamshire ein und erfuhr zu seiner großen Erleichterung, dass der Name des Majors auf einer kleinen Begebenheit beruhte, die die Crime Lady auf dem Bahnhof von Bletchley erlebt hatte. Sie war mit dem Zug von Oxford nach London unterwegs gewesen und strandete dort für eine erhebliche Zeit, weil ihr Zug nicht weiterfahren konnte. Der unfreiwillige Aufenthalt auf dem Bahnsteig von Bletchley erzürnte Agatha Christie, und sie wollte auf ihre Weise Rache an dem Ort nehmen, indem sie eine ihrer weniger erfreulichen Romanfiguren nach ihm benannte. Das klang für Dillwyn Knox sehr glaubhaft, und er konnte den MI5-Leuten Entwarnung geben. Dort war man ebenso erleichtert, und Bletchley Park blieb auch weiterhin eine Einrichtung, die unter höchster Geheimhaltungsstufe arbeiten konnte.

Bletchley Park Mansion.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Eine alte Aufnahme des Bahnhofs von Bletchley, auf dem Agatha Christie gestrandet war.
Photo © Ben Brooksbank (cc-by-sa/2.0)

Bletchley Railway Station heute.
Photo © Roy Hughes (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 15. Dezember 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The White Hart Hotel in Lincoln (Lincolnshire)

Wer die sehenswerte Stadt Lincoln besucht und dort auch übernachten möchte, dem kann ich das White Hart Hotel im historischen Teil der Stadt empfehlen. Bereits im 14. Jahrhundert war das Haus ein „coaching inn“ und ist bis heute im gleichen Gewerbe geblieben. Der „White Hart“ liegt nur wenige Schritte von der gewaltigen Kathedrale entfernt, die zusammen mit dem York Minster und der Londoner St. Paul’s Cathedral zu den größten Kirchen Englands gehört. Dort wurden auch einige Szenen für den Film „The Da Vinci Code“ gedreht.

Das modern gestylte Grille Restaurant & Bar wird von Chefkoch Michael House geleitet, der einige Jahre für Raymond Blanc gearbeitet hat, dem legendären Chef des Le Manoir aux Quat’Saisons in Great Milton, Oxfordshire.

Die Zimmer des Hotels, von einigen hat man einen Blick auf die Kathedrale, sind modern eingerichtet und kosten pro Nacht zwischen €150 für ein Standard-Doppelzimmer und knapp €200 für eine große Suite. Hotelparkplätze sind vorhanden; sehr angenehm bei der problematischen Parkplatzsituation in Lincoln.

The White Hart Hotel
Bailgate
Lincoln LN1 3AR

Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 14. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„The Tractate Middoth“ – Ein Gruselfilm nach der Erzählung von Montague Rhodes James

Montague Rhodes James, oder kurz M.R. James, ist einer berühmtesten, und nach meiner Ansicht besten, Verfasser von Gespenstergeschichten. Er lebte von 1862 bis 1936, und glücklicherweise ist sein Werk seit zwei Jahren wieder in deutscher Übersetzung im Festa-Verlag erhältlich. Eine seiner bekanntesten Geschichten „Whistle and I’ll Come to You“ stellte ich zu den Anfangszeiten meines Blogs einmal kurz vor.

Die Gespenstergeschichten von James werden gern im britischen Fernsehen zur Weihnachtszeit gesendet, zuletzt war das 2013 der Fall, als die Geschichte „The Tractate Middoth“ (dt. „Der Traktat Middoth“) verfilmt wurde. 1911 erschien sie erstmals in der Sammlung „More Ghost Stories„. Es geht darin um ein mysteriöses Buch, das in einer Bibliothek aufbewahrt wird, und um ein Testament, das darin versteckt sein soll. Der verstorbene Verfasser des Testaments spielt in der Geschichte eine unheimliche Rolle.

1951 wurde die Story von M.R. James erstmals in den USA unter dem Titel „The Lost Will of Dr Rant“ verfilmt. Die Hauptrolle des Bibliotheksangestellten William Garrett spielte damals der junge Leslie Nielsen (1926-2010). Wie schön, dass der Film noch erhalten geblieben und bei youtube zu sehen ist.

Mark Gatiss verfilmte „The Tractate Middoth“ im Jahr 2013 für die BBC für die Reihe „A Ghost Story for Christmas„. Die Rolle des William Garrett übernahm Sacha Dhawan (zuletzt in den TV-Serien „Marvel’s Iron Fist“ und „In the Club“ zu sehen). John Castle (spielte den Charles King in der Episode 54 „Ein Sarg aus China“ in der TV-Serie „Inspector Barnaby“) ist in dem Film als John Eldred zu sehen, der das geheimnisvolle Buch in der Bibliothek zwar findet, aber ein schlimmes Ende nimmt.

Die Filmaufnahmen in der Bibliothek fanden in der Chetham’s Library in Manchester statt, der ältesten Öffentlichen Bibliothek in der Englisch sprechenden Welt (so heißt es auf ihrer Homepage). Bretfield Hall im Film ist Browsholme Hall, ein elisabethanisches Haus im Ribble Valley in Lancashire.

Hier ist „The Tractate Middoth“ in voller Länge (36 Minuten) zu sehen.

Chetham’s Library in Manchester.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Browsholme Hall in Lancashire.
Photo © Charles Rawding (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Dixe Wills: Tiny Britain – A Collection of the Nation’s Overlooked Little Treasures

Foto meines Exemplares.

Dixe Wills hat eine Vorliebe für alles was klein ist und schreibt darüber in seinen Büchern wie „Tiny Churches, „Tiny Campsites„, „Tiny Islands„, „Tiny Stations„, „Tiny Histories“ und das in diesem Jahr erschienene „Tiny Britain – A Collection of the Nation’s Overlooked Little Treasures„. Letzteres habe ich gerade gelesen und es hat wieder viel Spaß gemacht. „Often overlooked in favour of their bigger, brasher neighbours, these diminutive attractions remind us that small really is beautiful„, so steht es auf der Rückseite des Buches zu lesen.

Ich habe in meinem Blog im Laufe der Jahre schon einige dieser „kleinen Attraktionen“ vorgestellt, die mich immer wieder faszinieren und von denen es im Königreich eine ganze Menge gibt. Hier sind einige Beispiele, die Dixe Wills in seinem Buch näher beschreibt:

The Nutshell in Bury St Edmunds (Suffolk) ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein „Tiny Pub“, der von sich behauptet, der kleinste in ganz Großbritannien zu sein, was das Guinness Book of Records auch bestätigt.

Burnham-on-Sea in Somerset besitzt den kleinsten Pier im Land, der gerade einmal 35 Meter lang ist und nur aus einem Pavillon besteht, in dem man Erfrischungen zu sich nehmen und an Automaten spielen kann.

Die Poohsticks Bridge im Ashdown Forest in East Sussex ist eine „Tiny Bridge“, die durch A.A. Milnes Kinderbuch „Winnie-the-Pooh“ bekannt geworden ist und wo noch heute Wettbewerbe ausgetragen werden, bei denen Stöckchen auf der einen Seite der Brücke in das Flüsschen geworfen werden und Sieger ist, wessen Stöckchen auf der anderen Seite als erstes wieder herauskommt.

Das Buch beinhaltet auch „tiny things“ in Schottland und Wales, wie immer unterhaltsam vom „champion of all things tiny“ geschrieben.

Ein ideales Geschenk für jeden, der Großbritannien mag!

Dixe Wills: Tiny Britain – A Collection of the Nation’s Overlooked Little Treasures. AA Publishing 2018. 320 Seiten. ISBN 978-0-7495-7922-7.

The Nutshell in Bury St Edmunds (Suffolk).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Burnham-on-Sea in Somerset.
Photo © Rob Newman (cc-by-sa/2.0)

Die Poohsticks Bridge im Ashdown Forest in East Sussex.
Photo © David BROOKER (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 12. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das weltweit erste Ministerium für Einsamkeit gibt es in Großbritannien

Vor einigen Jahren schrieb ich in meinem Blog über den Ort Birstall in West Yorkshire und erwähnte darin den Mord an der Unterhausabgeordneten Jo Cox, der sich dort ereignete. Die Frau hatte sich in ihrer politischen Laufbahn stark für einsame Menschen eingesetzt und kurz vor ihrem Tod die Jo Cox Commission on Loneliness eingesetzt. Die Kommission erstellte im Jahr 2017 einen Report, der u.a. die Schaffung eines eigenen Ministeriums empfahl, das sich mit der Problematik befassen sollte. Nach Angaben dieses Reports gibt es in Großbritannien neun Millionen Menschen, die häufig oder immer unter Einsamkeit leiden; das sind sowohl Ältere, die ihren Partner oder ihre Partnerin verloren haben, aber auch Jüngere, die zum Beispiel mit den Folgen einer Scheidung kämpfen. Für etwa 3,6 Millionen Menschen über 65 Jahren ist das Fernsehgerät der wichtigste und einzige Partner in ihrem Leben.

PM Theresa May nahm Anfang diesen Jahres die Empfehlung der Jo Cox Commission auf und fügte dem Minister for Sport and Civil Society das Ressort Loneliness hinzu, so dass es in Großbritannien das weltweit erste Ministerium für Einsamkeit gibt. Tracey Crouch war die zuständige Ministerin, die den Wahlkreis Chatham and Aylesford in Kent im Parlament vertritt. Sowohl Jo Cox als auch Tracey Crouch hatten nach der Geburt ihrer jeweiligen Kinder selbst die Erfahrung der Einsamkeit gemacht, obwohl sie Partner und Familie hatten; sie fühlten sich in irgendeiner Form von der Welt abgeschnitten.

Tracey Crouch gab ihr Ministeramt am 1. November 2018 auf und ihr folgte Mims Davies, Parlamentsabgeordnete für Eastleigh in Hampshire. Die geschiedene Mutter von zwei Kindern ist Brexit-Befürworterin.

Published in: on 11. Dezember 2018 at 02:00  Comments (3)  
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Uttoxeter in Staffordshire und der berühmte Dr Samuel Johnson

Das Johnson-Denkmal auf dem Marktplatz von Uttoxeter.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Wer sich mit der englischen Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts beschäftigt, kommt an einer Person nicht vorbei: Dr Samuel Johnson (1709-1784), meist nur kurz Dr Johnson genannt. Weltberühmt wurde er durch sein „Dictionary of the English Language„, an dem er neun Jahre arbeitete, bis es 1755 veröffentlicht wurde. Der in Lichfield in Staffordshire geborene Lexikograf wirkte überwiegend in London, wo wir ihm auf literarischen Spaziergängen häufig begegnen, doch auch in Uttoxeter, ebenfalls in Staffordshire gelegen, hat Dr Johnson seine Spuren hinterlassen. Der Katzenliebhaber war ein recht exzentrischer Mensch, dessen Vorlieben in Essen, Trinken und Lesen bestanden. Wenn er im Kreise von Freunden sein Abendessen zu sich nahm, war er nicht ansprechbar, da er seinen großen Appetit mit äußerster Intensität stillte und sich ausschließlich auf die Nahrungsaufnahme konzentrierte. Da Samuel Johnsons Vater in Lichfield eine Buchhandlung betrieb, war er schon von Kindesbeinen an mit Büchern vertraut, die in seinem Leben eine große Rolle spielten.

Kommen wir zurück auf Uttoxeter. Michael Johnson, Samuels Vater, hatte in dieser Stadt einmal einen Bücherstand am Marktplatz. Als er damals seinen halbwüchsigen Sohn bat, ihm beim Buchverkauf zu helfen, lehnte der das ab, wohl weil er keinen Bock auf die Arbeit hatte. Erst nach vielen Jahren, als Dr Johnson schon ein alter Mann war, regte sich bei ihm das schlechte Gewissen. Hätte er doch bloß damals seinem Vater den Gefallen getan. So überlegte er sich, wie er Buße leisten konnte und kam auf die ziemlich schräge Idee, sich an einem regnerischen Tag auf den Marktplatz von Uttoxeter zu stellen, dort, wo einmal der Bücherstand seines Vaters war, den Hut abzunehmen und mehrere Stunden lang gebeugten Hauptes im strömenden Regen zu stehen. Ob er sich dabei eine Erkältung geholt hatte, ist nicht bekannt.

Die Stelle, an der Samuel Johnson Buße tat, ist noch heute leicht zu finden, denn am Marktplatz ist ein Denkmal errichtet worden, dass auf der einen Seite ein Relief des büßenden Lexikografen zeigt. Jedes Jahr im September an einem Montag, der Johnsons Geburtstag, dem 18. September, am nächsten liegt, findet an dem Denkmal eine Feierstunde statt, bei der an Dr Johnson gedacht wird.

Übrigens gibt es auch ein Denkmal für Samuel Johnson auf dem Marktplatz in seinem Geburtsort Lichfield wie hier zu sehen ist (der Eindruck, dass der Mann gerade telefoniert, täuscht):

Published in: on 10. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Carnarvon Arms – Ein Pub mit Hotelbetrieb vor den Toren des Highclere Castles in Berkshire

Am 13. September 2019 kommt in Großbritannien ein Film in die Kinos, der für hohe Besucherzahlen prädestiniert ist: Die Fortsetzung der TV-Serie „Downton Abbey„, eine der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Wieder haben sich all die bekannten Schauspieler im Highclere Castle zusammengefunden, um der eigentlich schon tot gesagten Serie neues Leben in Form eines abendfüllenden Spielfilms einzuhauchen. Und alle freut’s, die Seriendarsteller, die Zuschauer und natürlich auch die Carnarvons, die Besitzer des Schlosses, in deren Kasse wieder neues Geld klingelt, denn die Besucherströme ins Highclere Castle werden nach der Premiere des Films wieder stark zunehmen.

Nicht weit von der Zufahrt zum Schloss entfernt liegt The Carnarvon Arms, ein Pub mit Hotelbetrieb, der nach der Besitzerfamilie des Castles benannt ist und der auch durch seine ideale Lage von „Downton Abbey“ profitiert hat. Die ehemalige Kutschenstation wurde im Jahr 2015 von Marco Pierre White übernommen und komplett renoviert, was sich ausgezahlt hat, denn ein Jahr später wurde der Gasthof mit der Auszeichnung Historic Luxury Hotel of the Year versehen, „providing exemplary hospitality and service, innovative design and excellent food“. Hier ist ein Film über das Haus.

The Carnarvon Arms hat schon viele prominente Gäste willkommen geheißen wie zum Beispiel den Dichter Alfred, Lord Tennyson, General Dwight D. Eisenhower, den 34. Präsidenten der USA, und natürlich auch die Filmcrew von Downton Abbey.
Dame Maggie Smith wohnte während der Dreharbeiten vorzugsweise in dem edlen The Vineyard Hotel, nicht weit entfernt In Newbury, das für seinen großartigen Weinkeller im ganzen Land bekannt ist.

The Carnarvon Arms
Winchester Road
Newbury
RG20 9LE

Der Dachs – Von den einen geliebt und von anderen gehasst

Meles meles heißt der Europäische Dachs in der zoologischen Fachsprache, und dieses hübsche Tier sorgt in England immer wieder für Schlagzeilen. „Badger culling„, also das Töten von Dachsen, bringt die Freunde der Tiere auf die Barrikaden; das war vor allem im Jahr 2014 in Gloucestershire und in Somerset der Fall, wo es dem Grimbart, wie der Dachs in der Fabel heißt, an den Kragen gehen sollte. Der Badger Trust schickte seine Anwälte los, die das Töten unterbinden sollten, was ihnen leider nicht gelang, in anderen Fälle wiederum waren sie erfolgreich.

Der Trust wurde 2015 gegründet und entstand aus der National Federation of Badger Groups mit dem Ziel „to enhance the welfare, conservation and protection of badgers, their setts, and their habitats„. Der Dachs hat heute besonders unter dem Straßenverkehr, dem legalen und illegalen „culling“ und dem Verlust seines Lebensraums zu leiden.

Leider hat das Tier aus der Familie der Marder eine unangenehme Eigenschaft: Es buddelt leidenschaftlich gern Löcher in die Erde, um dort seine Baue anzulegen. Das wäre in unbewohnten Gegenden kein so großes Problem, aber es kommt gar nicht selten vor, dass er seine Bautätigkeit unter Straßen ausübt, die dann irgendwann einmal nicht mehr passierbar sind wie ein Teilstück der Birkby Road bei Muncaster in Cumbria, die im vorigen Jahr im Dezember für ein Jahr  gesperrt werden musste, weil sich immer wieder Löcher auftaten. £50,000 kosteten bisher die Reparaturarbeiten. Vertreiben darf man die Dachse nicht, weil sie durch den Protection of Badgers Act aus dem Jahr 1992 geschützt sind. Also müssen sich die Straßenbauer etwas ausdenken wie sie die Oberfläche so stabil hinbekommen, dass sie immun gegen den unterirdischen Baumeister ist. Nur die Organisation Natural England darf Ausnahmeregelungen im Umgang mit Dachsen erlassen wie auch das lizensierte Keulen.

Mit dem Badger Vaccination Project versucht der Badger Trust übertragbare Krankheiten einzudämmen, indem Dachse geimpft werden.

 

Mitten auf dem South West Coast Path in Devon hat ein Dachs den Eingang zu seinem Bau platziert.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Diese Straße in Cheshire musste gesperrt werden, da Herr Grimbart hier seiner unterirdischen Bauleidenschaft frönte.
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)

Protestplakate gegen das Keulen von Dachsen an einem Haus in Derbyshire.
Photo © Peter Barr (cc-by-sa/2.0)

Hier hatte jemand ein Herz für Dachse. Grab eines überfahrenen Tieres in Torbay (Devon).
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Conisbrough (South Yorkshire) und Sir Walter Scotts Roman „Ivanhoe“

Blick auf Conisbrough von der Burgruine aus.
Photo © Bob Pearce (cc-by-sa/2.0)

Die Romane von Sir Walter Scott (1771-1832) werden heute wohl nur noch wenig gelesen. In Deutschland wurde der schottische Schriftsteller vor allem durch „Ivanhoe“ bekannt, einem Roman, der 1820 veröffentlicht wurde und erstaunlicherweise noch heute in deutscher Übersetzung bei mehreren Verlagen im Programm ist. 1958 startete die britische ITV eine Fernsehserie über den Ritter, der von dem damals noch nicht so bekannten Roger Moore gespielt wurde (ich berichtete in meinem Blog über die Serie).

Der Roman Sir Walter Scotts spielt im Conisbrough Castle, einer alten Burg aus dem 11. Jahrhundert, deren Ruinen in dem gleichnamigen Ort in der Nähe von Doncaster in South Yorkshire zu finden sind. Die Burgruine auf dem Castle Hill ist noch heute beeindruckend und dominiert die Kleinstadt, die sich die Erinnerung an den Roman „Ivanhoe“ auf ihre Fahnen geschrieben hat, denn man begegnet dem Namen des Ritters und einigen seiner Zeitgenossen im Ort immer wieder.

Da gibt es zum Beispiel die Conisbrough Ivanhoe Primary Academy in der Old Road, eine Schule, die auf ihren Webseiten stolz über ihre herausragenden Leistungen berichtet und auf deren Homepage der Ritter in voller Aktion zu sehen ist. Angeschlossen an die Schule ist die Conisbrough Ivanhoe Nursery.

The Ivanhoe Centre am Gardens Lane ist eine Art Gemeindehaus, in dem Veranstaltungen stattfinden und deren Räume zu mieten sind, die nach Figuren aus dem Roman benannt sind wie Rowena Room und Locksley Hall.

Der Name von Rowena, Ivanhoes Geliebter, taucht noch einmal in der Schule Rowena Academy auf, ebenfalls am Gardens Lane gelegen. Nach Locksley, dem Robin Hood im Roman, wurde eine Straße benannt, die Locksley Avenue, von der die Cedric Avenue abgeht, die den Namen von Ivanhoes Vater Cedric of Rotherwood trägt. Ein Stückchen weiter zweigt die Scott Avenue ab. Es gibt natürlich auch eine Ivanhoe Road, an der der Conisbrough Ivanhoe Working Mens Club liegt, und eine Rowena Road, gleich daneben, die in die Athelstane Road übergeht, benannt nach Lord Athelstane in Scotts Roman.

Es gibt noch ein paar weitere Assoziationen zwischen Conisbrough und dem Scott-Roman, aber damit möchte ich es jetzt gut sein lassen.

Conisbrough Castle.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Mein Buchtipp – D.J. Kelly: Buckinghamshire Spies and Subversives

Foto meines Exemplares.

„Buckinghamshire has a 600 year history of subversion, sedition and espionage…Many of our stately homes housed wartime codebreakers, eavesdroppers, boffins, intelligence chiefs and even Nazi officers“, so steht es auf D.J. Kellys Buch „Buckinghamshire Spies and Subversives“ zu lesen. Die Autorin, die selbst in Buckinghamshire lebt, in Chalfont St Peter, hat ein hoch interessantes Buch geschrieben, in dem sie sich mit Spionage, Gegenspionage, Umstürzlern und Unruhestiftern beschäftigt, die die Grafschaft jahrhundertelang in Atem gehalten haben.

Männer aus Buckinghamshire waren maßgeblich beim Gunpowder Plot im Jahr 1605 und bei den Swing Riots 1830 beteiligt. Im Ersten Weltkrieg waren zahlreiche Spioninnen im Gefängnis von Aylesbury eingesperrt. Joachim von Ribbentrop, deutscher Botschafter von 1936 bis 1938 in London, der nach der geplanten Invasion Duke of Cornwall werden wollte, residierte im Fulmer Rise Manor in Fulmer. Mehrere Landhäuser in Buckinghamshire dienten britischen, aber auch Abwehrdiensten aus anderen Ländern als Hauptquartier. Die Tschechen nutzten beispielsweise Chicheley Hall als Trainingszentrum, um Agenten auf ihren Einsatz vorzubereiten. Polnische Agenten wurden wiederum in Pollards Park House und in Pollards Wood Grange in Chalfont St Giles ausgebildet.

Das GCHQ, das Government Communications Headquarters, ging aus der Government Code and Cipher School hervor, die im Zweiten Weltkrieg in Bletchley Park angesiedelt war, wo der Enigmacode entschlüsselt wurde.

Abdullah Shaheed Jamal, einer der vier Terroristen, durch deren Anschläge am 7. Juli 2005 in London viele Menschen ums Leben kamen und verletzt wurden, stammte aus Aylesbury. Mehrere Jihadisten, deren geplante Terroranschläge von der Polizei gerade noch verhindert werden konnten, hatten ihren Wohnsitz in High Wycombe.

Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus Kellys Buch, das ich allen empfehlen kann, die sich für dieses Thema interessieren.

D.J. Kelly: Buckinghamshire Spies and Subversives. FeedARead Books 2015. 302 Seiten. ISBN 978-1785108471.

Eingang zum Fulmer Rise Manor in Fulmer.
Photo © Shazz (cc-by-sa/2.0)

Chicheley Hall.
Photo © Stuart Taylor (cc-by-sa/2.0)

Bletchley Park, wo der Enigmacode entschlüsselt wurde.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 6. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Altrinchams Chapel Street – Englands tapferste Straße im Ersten Weltkrieg

Altrincham (Greater Manchester) ist eine kleine Marktstadt südwestlich von Manchester, in jenem Speckgürtel gelegen, in dem sich wohlhabende Fußballspieler, Schauspieler und Medienleute angesiedelt haben. Im Ersten Weltkrieg war König George V. besonders stolz auf diese Stadt, genauer gesagt auf eine kleine Straße in Altrincham, die Chapel Street. Es handelte sich dabei um eine Sackgasse mit etwa 60 kleinen Reihenhäusern, in denen 400 Menschen wohnten, vorwiegend mit irischem Hintergrund, aber auch Schotten, Waliser und Italiener mit ihren Familien. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldeten sich 161 Männer aus der Chapel Street zum Militärdienst, um in den Schützengräben Frankreichs und Belgiens oder in anderen Regionen Europas für ihr Land zu kämpfen. George V. war so beeindruckt, als er davon hörte, dass er die Straße „bravest little street in England“ nannte. Leider kamen nicht alle Männer nach Altrincham zurück, 29 von ihnen waren gefallen und 20 erlagen nach ihrer Heimkehr ihren schweren Kriegsverletzungen. Als der Krieg zu Ende war, breitete sich Armut in der Chapel Street aus, da in vielen Familien der Brotverdiener nicht mehr da war. Jemand, der sich besonders für die Witwen und Waisen einsetzte, war Reverend Hewlett Johnson, der sich allerdings bei einigen Bewohnern Altrinchams auch unbeliebt machte, weil er deutschen Kriegsgefangenen, die dort in Arbeitslagern gestorben waren, eine würdige Beerdigung zukommen ließ.

Heute erinnert in der Chapel Street, die nur noch aus wenigen Metern Pflastersteinen besteht und von der Regent Road abgeht, eine Plakette an die tapferen Männer. Sie ist an der Außenmauer des Thai-Restaurants Phantong angebracht, gegenüber liegt ein Toilettenhäuschen. Das ist alles, was von der „bravest little street in England“ übriggeblieben ist.

Das Buch zum Artikel:
Sheila Brady: Chapel Street – the „bravest little street in England“: The History Press 2017. 256 Seiten. ISBN 978-0750970426.

Published in: on 5. Dezember 2018 at 02:00  Comments (1)  
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River Avon – Ein häufiger Flussname in Großbritannien

Hier ist die temperamentvolle Seite des River Avon bei Stratford zu sehen.
Eigenes Foto.

Achtmal gibt es den Flussnamen Avon in Großbritannien, dreimal in Schottland, fünfmal in England. In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich die fünf englischen Avons kurz vorstellen. Avon leitet sich aus dem Wort „abona“ = Fluss ab, die Flüsse heißen also nichts anderes als „Ein Fluss namens Fluss“; kann man sich leicht merken.

Der bekannteste River Avon dürfte der sein, an dem die Stadt Stratford-upon-Avon in Warwickshire liegt. 137 Kilometer ist er lang und seine Quelle liegt bei Naseby in Northamptonshire, dort wo die berühmte Schlacht am 14. Juni 1645 stattfand. In Tewkesbury (Gloucestershire) trifft er auf den River Severn, wo beide zusammen schon häufig für Überschwemmungen gesorgt haben. Friedlich vereint machen sich dann die beiden gemeinsam auf den Weg zum Bristol Channel.
Ich habe diesen Avon eine Zeit lang mit einem Narrowboat von Evesham nach Stratford und zurück begleitet, und dabei auch einmal die wilde Seite des sonst meist ruhig dahingleitenden Flusses kennengelernt; s. dazu meinen Blogeintrag.

River Avon Nummer 2 fließt durch die Städte Bradford-on-Avon, Bath und Bristol und wird zur Unterscheidung von seinem Namensvetter ganz in der Nähe auch Bristol Avon genannt. Dieser „Fluss Fluss“ ist 121 Kilometer lang und entspringt nahe des Dörfchens Acton Turville in Gloucestershire. Bei Avonmouth ergießt er sich in die Flussmündung, die sein großer Bruder, der River Severn, dort geschaffen hat und sich Severn Estuary nennt. Auch der Bristol Avon ist nicht ganz unschuldig an einigen Überflutungen, die die Anlieger gar nicht gut aufgenommen haben.

Wesentlich kürzer als seine beiden bereits genannten Namensvettern ist der River Avon Nummer 3, dessen Existenz sich in der Grafschaft Devon abspielt. Bei Ryder’s Hill im Dartmoor erblickt er das Licht der Welt und schon 42 Kilometer weiter bei Bigbury-on-Sea ist sein kurzes, ereignisarmes Leben vorüber. Er wirft noch einen kurzen Blick auf das schicke Burgh Island Hotel auf seiner rechten Seite, bevor er in den Fluten des Meeres versinkt.

Wer schon einmal in Salisbury in Wiltshire war, der wurde dort mit River Avon Nummer 4 konfrontiert, der sich durch die Stadt schlängelt und manchmal deshalb auch als Salisbury Avon bezeichnet wird. Sein Geburtsort ist Pewsey (Wiltshire) und, nachdem er rund 96 Kilometer zurückgelegt hat, wurde der Fluss zuletzt bei der hübschen Stadt Christchurch in Dorset gesehen, wo sich jede Spur von ihm verliert.

River Avon Nummer 5 schließlich ist der kleinste von allen, auch Avon Water genannt. Sein Leben spielt sich auf 14 Kilometern im New Forest im Hampshire ab. Schnell ist es mit ihm schon wieder vorbei, wenn er sich in den Solent ergießt, begleitet von seinen Artgenossen, dem Beaulieu River und dem Lymington River. Alle drei haben nie etwas anders als den New Forest gesehen, und die Höhepunkte in ihrer Existenz waren vielleicht die wild lebenden Ponies dort, die sich in den (schmalen) Fluten gespiegelt haben.

River Avon Nummer 2, der Bristol Avon. Hier in Bradford zu sehen.
Photo © Bob Jones (cc-by-sa/2.0)

River Avon Nummer 3 im Dartmoor in Devon.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

River Avon Nummer 4 in Salisbury bei Hochwasser.
Photo © Gillian Thomas (cc-by-sa/2.0)

River Avon Nummer 5, Avon Water, im New Forest.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. Dezember 2018 at 02:00  Comments (5)  
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Mein Buchtipp – Dixe Wills: At Night – A Journey Round Britain From Dusk to Dawn

Foto meines Exemplares.

Ich bin ein großer Fan der Bücher von Dixe Wills und habe in meinem Blog schon mehrere vorgestellt, zuletzt „Tiny Histories„. Gerade habe ich die Lektüre seines „At Night – A Journey Round Britain From Dusk to Dawn“ beendet und bin auch von diesem Buch wieder begeistert. Dixe Wills pflegt einen sehr guten Stil und hat einen trockenen Humor. In „At Night“ bewegt er sich im nächtlichen Großbritannien. „Britain by night is a magical kingdom few of us know. A place familiar to us in daylight can seem suddenly strange and unknowable at night„.

Wenn andere Menschen sich die Bettdecke über die Ohren ziehen, hält sich Dixe Wills an unwirtlichen Orten auf wie im Wistman’s Wood mitten im einsamen Dartmoor; das ist ein kleines Wäldchen voller krummer und vom Wind gebeutelter Eichen, in dem es nicht mit rechten Dingen zugehen soll und wo der Teufel angeblich höchstpersönlich residiert. Der Autor berichtet von seiner einsamen Nacht dort oben und erzählt noch die eine und andere Geschichte über die geheimnisvolle Moorlandschaft.

Die nächste Station der nächtlichen Reise ist die Insel Skomer vor der Küste von Pembrokeshire in Wales, die als Brutstätte von unzähligen Atlantiksturmtauchern („Manx shearwater“) bekannt ist. In deren Gesellschaft verbringt Dixe Wills eine Nacht, die von kreischenden, Nahrung herbeischaffenden Vögeln bestimmt ist, die ständig auf der Hut sein müssen, um nicht von den großen Seemöwen attackiert zu werden.

Dann steht eine nächtliche Tour durch den Sherwood Forest an, wo Robin Hood und seine Mannen einst gewirkt haben sollen. Mit seinem Fahrrad macht sich der Autor auf den Weg durch den stockdunklen Wald, wo er eine Reifenpanne erleidet (ohne einen Ersatzschlauch dabei zu haben) und wo, wie durch ein Wunder, mitten in der Einsamkeit des Waldes, ein hilfsbereiter moderner Robin Hood erscheint und ihm mit einem Reserveschlauch aushilft.

Mit dem „Caledonian Sleeper“ unternimmt Dixe Wills eine nächtliche Zugfahrt von Fort William in Schottland nach London, wobei er in seinem Schlafwagenabteil aber nicht die Augen zumacht, sondern die ganze Nacht hindurch wach bleibt und von seinen Eindrücken auf der langen Reise erzählt.

Im letzten Kapitel spaziert der Autor in einer kalten Winternacht auf den Spuren von Charles Dickens durch London. Start- und Endpunkt ist Bethnal Green im East End der Stadt. Während der Tour erfahren wir so manches über den großen Literaten, was wir bisher vielleicht noch nicht wussten.

Mein Fazit: Ein großartiges Buch!!

Dixe Wills: At Night – A Journey Round Britain From Dusk to Dawn. AA Publishing 2015. 272 Seiten. ISBN 978-0-7495-7709-4.

Wistman’s Wood im Dartmoor.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Skomer Island vor der Küste von Pembrokeshire.
Photo © Hugh Venables (cc-by-sa/2.0)

Robin Hood im Sherwood Forest.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Der „Caledonian Sleeper“ im Bahnhof von Inverness.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

London bei Nacht. Hier: Die St Paul’s Cathedral.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 3. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  

Dark Sky Places oder Wo man in England den besten Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel hat

Der Wimbleball Lake im Exmoor. Von hier aus hat man nachts einen besonders schönen Blick auf den Sternenhimmel.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Jeden Abend, bevor ich den Tag beende, werfe ich noch einen Blick aus dem Fenster meines Arbeitszimmers, das unter dem Dach unseres Hauses liegt. Obwohl ich nicht in der Stadt wohne, ist doch die Lichtbeeinflussung der Umgebung so groß, dass ich vom Nachthimmel nur die großen Sterne sehen kann. Lichtverschmutzung, oder light pollution im Englischen, ist der Fachbegriff für diese Form der Umweltverschmutzung, der besagt, dass künstliche Lichtquellen den uneingeschränkten Blick auf den Sternenhimmel weitgehend verbauen.

Die International Dark-Sky Association, 1988 gegründet, mit Sitz in Tucson in Arizona, hat sich dem Kampf gegen die Lichtverschmutzung verschrieben und bisher weltweit über 100 Dark Sky Places zertifiziert; das können Städte sein, die sich ernsthaft Gedanken um die nächtliche Beleuchtung ihrer Kommunen machen, oder auch öffentliche oder private Parks, in denen man einen ungehinderten Blick auf den Sternenhimmel hat.

Wie sieht das nun in England  mit den Dark Sky Places aus?

Den Status International Dark Sky Reserve erhielt im Jahr 2011 der Exmoor National Park in Devon und Somerset. In dieser dünn besiedelten Region im Südwesten des Landes kann man den nächtlichen Himmel mit seinen unzähligen Sternen besonders gut beobachten. Holdstone Hill, County Gate, Brendon Two Gates, Webbers Post, Anstey Gate, Haddon Hill und Wimbleball Lake sind Orte, die sich für einen nächtlichen Besuch empfehlen. Die Parkverwaltung hat einen Dark Skies Guide herausgegeben, der hier zu sehen ist.

Im Jahr 2013 erhielt der Northumberland National Park, gemeinsam mit dem benachbarten Kielder Water & Forest Park die Auszeichnung International Dark Sky Park. Sowohl das Kielder Observatorium als auch das Battlesteads Observatorium bieten regelmäßige „star-gazing events“ an, denn hier oben im hohen Norden hat die Lichtverschmutzung noch nicht Einzug gehalten.

Eine Dark Sky Discovery Site ist das Sutton Bank National Park Centre in North Yorkshire. Schon am Tage ist der Blick von hier oben atemberaubend, nachts hat man einen großartigen Blick auf den Himmel wie dieses Video zeigt.

Auch der Peak District National Park hat den Status Dark Sky Discovery Site erhalten. Surprise View, Parsley Hay und Minninglow sind die Orte, von denen man nachts den besten Blick auf den Sternenhimmel hat.

Das eigenartig gestaltete Kielder Observatory in Northumberland.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Sutton Bank in North Yorkshire.
Photo © Malcolm Neal (cc-by-sa/2.0)

Surprise View im Peak District National Park.
Photo © Neil Theasby (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Dezember 2018 at 02:00  Comments (1)  
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