Der Dichter Thomas Gray und eine Katze, die im Goldfischbecken ertrank

Das Grabmal von Thomas Gray neben dem Friedhof von St Giles in Stoke Poges (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Den englischen Dichter Thomas Gray (1716-1771) erwähnte ich schon einmal in meinem Blog, als ich sein Grabmal in Stoke Poges in Buckinghamshire besuchte. Sein berühmtestes, stimmungsvolles Gedicht ist „Elegy written in a country church-yard„, 1751 erschienen. Drei Jahre früher veröffentlichte er ein anderes Gedicht mit dem kuriosen Titel „Ode on the death of a favourite cat, drowned in a tub of gold fishes„, das in der deutschen Übersetzung „Ode auf den Tod einer Lieblingskatze, die in einer Goldfisch-Vase ertrank“ heißt.

Der Titel des Gedichts sagt schon aus, worum es inhaltlich geht. Bei der Katze handelt es sich um Selima, die einem Freund Thomas Grays gehörte, und die dieses Schicksal erleiden musste. Der Freund war niemand Geringeres als Horace Walpole (1717-1787), der Schöpfer des Schauerromans „The Castle of Otranto“ (dt. „Das Schloss von Otranto“), der die beiden Katzen Selima und Zara besaß. Thomas Gray lernte die beiden bei einem Besuch bei Horace Walpole kennen und erhielt etwas später die Nachricht, dass Selma, die unvorsichtigere der beiden Katzen, in einem Becken, in dem Walpole Goldfische hielt, ertrunken war. „So frevelnd beugt sie, unverwandt sich über des Gewässers Stand zum Abgrund stets gelenkt. Bis ach! (der Böse sieht’s vergnügt), ausgleitend sie die Sohle trügt, und in die Fluth versenkt„, so beschreibt Thomas Gray den Tod des armen (aber hungrigen) Kätzchens. Das tödliche Goldfischbecken stellte Walpole später in seinem Haus Strawberry Hill in Twickenham im Südwesten Londons auf einen Sockel.

Das Gedicht endet mit den Worten „Drum Mädchen! nehmt die Täuschung wahr; oft bringt ein einz’ger Schritt Gefahr, und seyd mit Vorsicht dreist. Nicht alles, was in’s Auge fällt, und Herzen täuscht, ist wohlbestellt, nicht alles Gold was gleißt„. Thomas Gray geht da weiter, als nur von dem Tod einer Katze zu erzählen, er gibt jungen Frauen Ratschläge mit auf den Weg, die Augen immer offen zu halten und nicht auf jede Versuchung einzugehen, denn nicht alles was glänzt ist Gold.

Horace Walpole, der Besitzer der ertrunkenen Katze. Das Porträt von John Giles Eccardt hängt in der National Portrait Gallery in London.
This work is in the public domain.

Horace Walpoles Strawberry Hill House in Twickenham bei London.
Author: Chiswick Chap
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Published in: on 17. Dezember 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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