Follies – Das Penshaw Monument bei Washington (Tyne and Wear)

Was macht ein griechischer Tempel im Norden Englands in der Nähe des Ortes Washington im County Tyne and Wear? Das Penshaw Monument oder The Earl of Durham’s Monument, wie es offiziell heißt, ist eines jener Follies, die es überall in England gibt und die man dort heiß und innig liebt.

Das Monument ist eine Replika des Hephästos-Tempels in Athen, 30 Meter lang, 16 Meter breit und 20 Meter hoch.
Am 28. August 1844 wurde der Grundstein des Tempels gelegt, dem man John George Lambton, dem 1. Earl of Durham, der zeitweise Generalgouverneur der Provinz Kanada war, widmete.

Nachdem im Jahr 1926 ein 15jähriger Junge vom Tempel zu Tode stürzte, hatte man das Dach für Besucher geschlossen. Erst ab 2011 kann man den Tempel wieder über eine Wendeltreppe in einer der Säulen besteigen

1939 schenkte der 5. Earl of Durham das Penshaw Monument dem National Trust. Vielleicht wusste er nicht so recht, was er damit anstellen sollte.

Das Penshaw Monument bildete den Hintergrund für das Musikvideo „Dig that groove baby“ der Gruppe Toy Dolls.

Hier ist ein mit einer Drohne aufgenommener Film.

Published in: on 28. Februar 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Fine Young Cannibals: „Good Thing“ – Ein Hit aus dem Jahr 1989

Natalie Woods Spielfilm „All the fine young cannibals“  (deutscher Titel: Früchte einer Leidenschaft“) aus dem Jahr 1960 lieferte den Namen der britischen 3-Mann-Band Fine Young Cannibals, die von 1984 bis 1992 zusammen spielten, sich dann auflösten. 1996 erschien noch einmal ein Greatest Hits-Album.

Aus Birmingham stammten Roland Gift, der Leadsänger,und die Gitarristen David Steele und Andy Cox, die mit „Johnny come home“ und „Suspicious minds“ ihre ersten großen Erfolge verzeichnen konnten.

Aus ihrem Album „The raw and the cooked„, 1989 erschienen,  stammten ihre größten Hits „She drives me crazy“ und „Good thing„; letzterer erreichte Platz 1 der US-Charts. „Good thing“ war auch in dem Spielfilm „Tin Men“ (deutscher Titel: Tin Men – Zwei haarsträubende Rivalen) zu hören, der in Baltimore im Jahre 1963 spielt.

Hier ist „Good Thing“ zu sehen, mit Filmausschnitten aus „Tin Men“.

Der Sänger Roland Gift spielte übrigens in dem Film „Scandal“ mit, den ich kürzlich in meinem Blog vorstellte.

Published in: on 27. Februar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Eccles Cake – Eine Süßspeise aus dem Raum Manchester

 

Eccles ist eine Stadt im Bereich Greater Manchester und der Name wird wohl für immer mit dem Eccles Cake verbunden bleiben.
Im Jahr 1793 verkaufte hier James Birch in seinem Laden kleine flache, mit Rosinen gefüllte Kuchen und die fanden reißenden Absatz. Woher genau das Rezept dafür stammt, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eine davon ist, dass eine gewisse Elizabeth Raffald ein sehr ähnliches Rezept in ihr Kochbuch „The Experienced English Housekeeper“ aufgenommen hatte.

Wie auch immer, der Name Eccles Cake hat sich durchgesetzt und war sogar einmal  Thema einer Parlamentsdebatte, in der es darum ging, ob ein Eccles Cake, der nicht in Eccles hergestellt wird, sich auch Eccles Cake nennen darf.

Der Volksmund hat dem Eccles Cake noch andere Namen gegeben, die allerdings wenig appetitlich klingen wie Fly’s Graveyard oder Squashed Fly Cake. Warum? Die Rosinen oder Korinthen in dem Kuchen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit toten Fliegen.

Eine neue Art den Kuchen zuzubereiten, wurde einmal mit Erfolg in Eccles propagiert. Whittaker’s Fish and Grill Bar in der Church Street bot ihn fritiert an. Wenn man Mars-Schokoriegel fritiert, warum nicht auch den Eccles Cake?

Die Firma Lancashire Eccles Cake mit Sitz in Ardwick bei Manchester stellt pro Woche ca 600 000 Kuchen her, die in alle Welt, auch nach Deutschland, exportiert werden. Ich habe hier in Deutschland allerdings noch keine gesehen.

Dieser Film zeigt wie man die Süßspeise herstellt.

Freunde des Eccles Cakes: Bitte hier links abbiegen.
Photo © Andy Farrington (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die National Shire Horse Show im März 2019

Der Staffordshire County Showground.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Über die „gentle giants“, die Shire Horses, schrieb ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit den Brauereien, für die die Tiere noch tätig sind. Die Pferde, die schon einmal eine Widerristhöhe von zwei Metern haben können, sind ausgesprochen schöne und geduldige Tiere, die in England eine große Anhängerschaft haben.

Einmal im Jahr im Monat März findet die weltgrößte Show statt, in der die Pferde im Mittelpunkt stehen: Die National Shire Horse Show, in diesem Jahr vom 22. bis zum 24. März. Schauplatz ist Bingley Hall, der Staffordshire County Showground, an der A518, nordöstlich der Grafschaftshauptstadt Stafford. Veranstalter ist die 1878 gegründete Shire Horse Society. Eine Fülle von Wettbewerben steht auf dem diesjährigen Programm, darunter die Vergabe des King George V. Cups an den schönsten Hengst der Show.

An vielen Ständen kann man Dinge kaufen, die die Herzen von Shire Horse Besitzern (und möglicherweise auch die der Tiere) höher schlagen lassen wie Jacken, Krawatten, Kaffeetassen, Kappen, Schlüsselanhänger usw. usw. Hier ist eine Film über die National Shire Horse Show.

Wo werden Shire Horses heute noch bzw. schon wieder eingesetzt? Auf einigen kleinen Bauernhöfen verrichten sie Feldarbeit, sie eignen sich gut in Wäldern zum Abtransport von gefällten Baumstämmen, sie ziehen Hochzeitskutschen und Touristenboote an Kanälen entlang. Ob ihnen das Spaß macht, kann ich nicht beurteilen, aber die Tiere verrichten die ihnen übertragenen Arbeiten zuverlässig und klaglos.

Ein besonders schönes Exemplar eines Shire Horses.
Photo © Barbara Carr (cc-by-sa/2.0)

Ein Shire Horse bei der Feldarbeit.
Photo © Garth Newton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Ring o’Bells – Ein Pub in Kendal (Cumbria), der auf geweihtem Boden steht

Dass alte Pubs oft ganz in der Nähe von Kirchen stehen, liegt mit daran, dass früher beim Bau der Gotteshäuser die Handwerker dort untergebracht waren, wo sie auch aßen und tranken. Es gibt allerdings nur ganz wenige Pubs in England, die direkt auf geweihtem Boden stehen. Einen von ihnen, The Mug House in Claines in Worcestershire stellte ich in meinem Blog einmal vor. Ein anderer ist The Ring o’Bells, der dicht an der Holy Trinity Parish Church von Kendal in Cumbria errichtet wurde, der größten Kirche der Grafschaft.

Es gibt unterschiedliche Meinungen, wann der Pub gebaut worden ist, wahrscheinlich in den 1740er Jahren. Stammgäste waren neben dem Küster, dem Gemeindevorsteher auch die bell-ringer, denn das anstrengende Glockenläuten machte durstig, so dass anschließend einige Pints erforderlich waren. Das Pubschild zeigt denn auch die Glockenläuter bei der Arbeit, mit einem Bierkrug vor ihnen. Das alte Schild wird in der Kirche aufbewahrt, ein neues, modernisiertes Schild schmückt heute The Ring o’Bells. Im Bellringer’s Snug sollen früher einmal die Leichen aufgebahrt worden sein, bevor sie nebenan beigesetzt wurden. Von einen Geheimgang vom Pubkeller in die Kirche ist auch die Rede, aber gesehen bzw. begangen hat ihn wohl in der letzten Zeit niemand (wenn es ihn denn je gegeben hat).

Ich habe mal eine kurze Zeit in der Nähe von Kendal verbracht und bin oft zum Abendessen in die Stadt gefahren. Es ist ein hübscher Ort am River Kent, Pub und Kirche stehen ganz nahe am Fluss.

The Ring o’Bells
39 Kirkland
Kendal
Cumbria LA9 5AF 

Holy Trinity Parish Church in Kendal, die größte Kirche in Cumbria.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

Was der River Soar in Leicestershire und der indische Ganges gemeinsam haben

Von hier aus in Barrow on Soar starten die Fahrten der Firma Barrow Boating.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Der River Soar ist etwa 95 Kilometer lang und fließt überwiegend in der Grafschaft Leicestershire. Er entspringt in der Nähe von Hinckley und mündet in den River Trent. Ich bin ihm einmal in der Stadt Leicester begegnet, wo angeblich der Leichnam von König Richard III. nach der Schlacht von Bosworth hineingeworfen worden sein soll, was sich aber vor wenigen Jahren als Irrtum erwies, als man sein Skelett unter einem Parkplatz mitten in der Stadt fand.

Im Vergleich zu dem über 2600 Kilometer langen Ganges in Indien ist der Soar natürlich nicht der Rede wert, aber beide Flüsse haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden als Ort benutzt, in denen die Asche verstorbener Hindus verstreut wird. Es gibt eine große asiatische Gemeinde in England und nicht viele können es sich leisten, die Asche ihrer Verstorbenen nach Indien zu bringen, um sie dort dem Ganges zu übergeben, also suchte man in England nach einer Alternative und fand sie im River Soar bei dem Dorf Barrow on Soar. Dort betreibt die Firma Barrow Boating am Ende des Mill Lane einen Bootsverleih und hat sich auf die Ausführung von Flussbestattungen spezialisiert. In einer ruhigen, etwas abgeschiedenen Biegung des Flusses wird die Asche in den Soar verstreut und das geschieht mit den gleichen Zeremonien wie sie in Indien üblich sind.

Natürlich musste erst die Environment Agency ihre Einwilligung für die Flussbestattungen geben, aber diese sah keine grundsätzlichen Probleme, erließ aber einige Auflagen, die zu beachten sind, so dürfen bei den Zeremonien keine Gegenstände ins Wasser geworfen werden, die an das Ufer getrieben werden können. Barrow Boating setzt ein Boot ein, auf das bis zu zwölf Personen passen, die Zeremonie dauert in der Regel bis zu einer Stunde. Diese Form der Beisetzung ist nicht nur auf Hindus und Sikhs beschränkt, sie kann von jedermann in Anspruch genommen werden.

Die Environment Agency hat noch einige andere Stellen an englischen Flüssen freigegeben, an denen Bestattungen dieser Art durchgeführten können wie zum Beispiel auf der Themse bei Kingston, Richmond und der Lambeth Bridge im Zentrum von London.

Der River Soar bei Barrow in Leicestershire.
Photo © Roger Kidd (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Shirley Pitts (1934-1992) – Die Londoner Königin der Ladendiebstähle

Der Lambeth Walk in London, wo Shirley Pitts das Licht der Welt erblickte.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

An einem Märztag im Jahr 1992 fuhr eine Kolonne von 21 schwarzen Daimler-Limousinen durch London mit dem Ziel Lambeth Cemetery, einem der kleineren Friedhöfe der Stadt südlich der Themse. Nanu, mag sich mancher gefragt haben, ist da ein Staatsoberhaupt gestorben oder jemand von der High Society Londons? Nein, alles falsch.
Shirley Pitts wurde an diesem Tage beigesetzt. Shirley wer? Die 1934 auch im Stadtteil Lambeth geborene Shirley Pitts war eine Königin, die Königin der Ladendiebstähle, gefürchtet von den Londoner Edelkaufhäusern, in denen sie ihre Diebestouren mit Vorliebe beging, Harrods, Selfridges und wie sie alle heißen. Stilgemäß wurde die Dame in einem £5,000 teuren Kleid der Modedesignerin Zandra Jones begraben, das sie möglicherweise nicht auf regulärem Weg bezahlt hatte. Gespielt wurde bei der Feier auf ihren Wunsch hin Irving Berlins „Cheek to Cheek„, dessen Text mit der Zeile „Heaven, I’m in heaven“ beginnt. Bei der Beerdigungsfeier waren einige Größen der Londoner Unterwelt anwesend wie zum Beispiel der „Great Train Robber“ Buster Edwards.
Die Kray Zwillinge, Ronald und Reginald, die das organisierte Verbrechen Londons in den 1950er und 1960er Jahren beherrschten, hatten Shirley Pitts unter ihre Fittiche genommen, die aus sehr problematischen Verhältnissen stammte. Die Mutter war Alkoholikerin, der Vater saß im Gefängnis, wo er auch starb, einer ihrer Brüder war Bankräuber, ein anderer saß wegen Entführung im Gefängnis. So begann die kleine Shirley schon in jungen Jahren zu stehlen, eine Kunst, die sie später als „Queen of Shoplifting“ zur Vollendung brachte. Sie hatte sieben Kinder von drei Vätern.

Lorraine Gammon schrieb eine Biografie über sie mit dem Titel „Gone Shopping: The Story of Shirley Pitts – Queen of Thieves„, das 1995 in der legendären Londoner Krimibuchhandlung „Murder One“ in der Charing Cross Road seine Premiere feierte (leider wurde die Buchhandlung vor Jahren geschlossen, ich habe sie noch besuchen können). Kurz vor ihrem Tod hatte Shirley Pitts ihre Lebensgeschichte Lorraine Gammon erzählt. Teure Kleider, edler Champagner bildeten einen Eckpfeiler ihres Lebens, mehrere Gefängnisaufenthalte den anderen.
Hier ist ein Film über Shirley Pitts.

Harrod’s, wo Shirley Pitts gern auf ihre Weise einkaufte.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The George Hotel in Stamford (Lincolnshire)

Wie alt genau „The George“ in Stamford ist, weiß keiner so genau. Die Schätzungen gehen von 900 bis zu 1000 Jahren aus. Der frühere Gasthof war eine Station auf der Strecke von London nach York und unzählige Kutschen hielten hier an, um die Pferde zu wechseln und ihren Passagieren eine Ruhepause auf der langen Fahrt zu gönnen.

„The George“ brüstet sich damit, dass in seiner langen Geschichte lediglich ein Mord in seinen Mauern stattgefunden hat und dass Sir Walter Scott das Gasthaus mehrfach aufgesucht hat.

Ich selbst habe im Gegensatz zu Sir Walter nur zweimal hier gewohnt und beide Male war ich mit dem Hotel und vor allem auch seinem Restaurant sehr zufrieden. Man kann zwischen dem Oak Room Restaurant und dem Garden Room Restaurant wählen; ersteres ist das Hauptrestaurant, das andere ist ganztägig geöffnet und informeller.

Es gibt sehr schöne Zimmer im „George“; die einfacheren Doppelzimmer sind ab £225 zu haben, die schöneren Four-Poster-Rooms beginnen bei £305.

Hier ist ein Film über das Hotel.

Stamford ist eine sehr schöne alte Stadt, dicht an der A1 gelegen und hat als Besonderheit das schönste elisabethanische Haus Englands zu bieten, Burghley House.

Siehe auch meinen Blogeintrag über Stamford als Drehort für Filme.

Weihnachten im The George.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 21. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Seaside Rock – Der Alptraum aller Zahnärzte

Es gibt wohl kein englisches Seebad, an dessen Promenade oder Pier kein Seaside Rock verkauft wird, jene extrem süßen quietschbunten Zuckerstangen, in deren Ende oft der Name des Seebades zu lesen ist wie „Brighton Rock“ oder „Blackpool Rock„. Zur viktorianischen Zeit wurde auch gern „Kiss me quick“ in die Stangen „eingraviert“. Heute findet man auch exotische Geschmacksrichtungen wie Chili in den Rocks. Die Süßigkeiten sind beliebte Mitbringsel aus dem Urlaub an der See für die Daheimgebliebenen.

Ben Bullock aus Lancashire gilt als der Erfinder der Seaside Rocks, der 1887 in Dewsbury (West Yorkshire) eine eigene Süßwarenfabrik gründete. Der ehemalige Bergmann produzierte rosafarbene Zuckerstangen, schickte sie nach Blackpool, wo sie schnell zu einem großen Verkaufserfolg in den Läden wurden. Es dauerte nicht lange, bis sich die Seaside Rocks auch in den anderen englischen Seebädern etablierten.

Whoa Emma“ stand auf den ersten Stangen zu lesen, der Titel eines beliebten Music Hall Songs, der von George Leybourne komponiert worden war. Das Anbringen der Buchstaben an bzw. in den Stangen ist gar nicht so einfach und wird noch heute von Hand vorgenommen.

Weltberühmt wurde Graham Greenes 1938 veröffentlichter Roman „Brighton Rock“, dessen Titel sich auf die Zuckerstangen bezieht. Zweimal wurde das Buch bereits verfilmt.

George Formby (1904-1961) hatte 1938 einen Hit mit seinem Song  „With My Little Stick of Blackpool Rock„, der die zweideutigen Textzeilen hatte (die die BBC gar nicht mochte und das Lied nicht spielte):

„With my little stick of Blackpool Rock, along the promenade I stroll
In the ballroom I went dancing each night
No wonder every girl that danced with me, stuck to me tight“.

Dieser Film zeigt wie man in Blackpool Seaside Rock herstellt.

Ein Rock Shop in Bournemouth.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

In Margate (Kent).
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 20. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Songs About London – „Pretty Polly Perkins of Paddington Green“, ein Lied aus dem Jahr 1864, das von Harry Clifton komponiert wurde

Harry Clifton war ein Komponist und Sänger, dessen Spezialität Music Hall Songs waren. Er wurde 1832 in Hoddeston in der Grafschaft Hertfordshire geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in London. Bis heute ist er vor allem durch seinen Song „Pretty Polly Perkins of Paddington Green“ bekannt, der 1864 veröffentlicht wurde.

Das Lied hat auch den Nebentitel „Broken Hearted Milkman„; darin geht es um die unerwiderte Liebe eines Milchmanns zu einem wunderschönen Mädchen in Paddington Green, zu dessen Haus er täglich seine Milchflaschen bringt. Nur zu gern würde er sie heiraten, doch das stolze Mädchen erklärt:

„The man that has me must have silver and gold
A chariot to ride in and be handsome and bold
His hair must be curly as any watch spring
And his whiskers as big as a brush for clothing“.

Traurig und mit einer großen Träne im Auge verlässt er Polly. Sechs Monate später heiratet das Mädchen, aber nicht jemanden, der ihrer Wunschliste entspricht, es ist kein gut aussehender Earl und kein reicher Baron, sondern „It was a bow-legged conductor of a twopenny bus“.

Dahin all die Träume, jetzt muss sie sich mit einem o-beinigen Busschaffner zufrieden geben; vielleicht wäre sie mit dem verliebten Milchmann besser gefahren.

Hier ist das Lied in der Version von Nigel Leach zu hören.

Hoddesdon in Hertfordshire, Geburtsort von Harry Clifton.
Photo © Chris Hunt (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 19. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

„Gallivant“ – Ein Dokumenarfilm des exzentrischen Filmemachers Andrew Götting

Hier am De La Warr Pavilion in Bexhill-on-Sea in East Sussex beginnt die Reise rund um Großbritannien.
Photo © Chris Whippet (cc-by-sa/2.0)

1997 kam der erste Film von Andrew Kötting in die Kinos, der den Titel „Gallivant“ trug. Ich berichtete in meinem Blog bereits über Köttings Film „Swandown„, in dem es um eine 160 Meilen lange Reise mit einem Tretboot in der Form eines Schwans von Hastings bis in den Londoner Stadtteil Hackney geht, die Kötting gemeinsam mit dem Schriftsteller Iain Sinclair unternimmt.

Das Wort „gallivant“ heißt in der englischen Sprache so viel wie „durch die Gegend ziehen, ohne ein festes Ziel im Auge zu haben“ und das trifft auf die Handlung dieses Dokumentarfilmes auch zu. Andrew Kötting, seine 85jährige Großmutter Gladys und seine 7jährige Tochter Eden fahren mit dem Wohnmobil einmal im Uhrzeigersinn an der Küste entlang um ganz Großbritannien herum, begleitet von einem Kamerateam, das die ungleichen Drei in manchmal wackligen, an Home Movies erinnernden Bildern filmt. Das Kind ist behindert, es leidet an dem Joubert Syndrom, einer „genetisch bedingten komplexen zentralnervösen Entwicklungs- und Funktionsbesonderheit beim Menschen auf der Grundlage einer Genmutation“, so die Wikipedia. Kötting hat eine Art Road Movie auf britische Art erschaffen, ein Film, der Begegnungen mit allerlei interessanten Menschen zeigt. Im Mittelpunkt diese faszinierenden Films aber stehen die drei Reisenden,wobei sich die Großmutter rührend um ihre kleine Enkelin kümmert.

„Gallivant“ erlebte seine Uraufführung 1996 beim Edinburgh International Film Festival, wobei Regisseur Kötting mit einem Preis ausgezeichnet wurde.

Der Film ist in ganzer Länge auf youtube zu sehen, hier ist der Trailer.

Published in: on 18. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Major General Sir William Casement in Kensal Green Cemetery in London

Der Friedhof von Kensal Green hat viele Ähnlichkeiten mit dem Père Lachaise in Paris, dichtbewachsene Wege ziehen sich durch die riesige Anlage, romantisch-morbide Grabmäler reihen sich aneinander, man trifft auf berühmte Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das Grabmal von Major General Sir William Casement (1778-1844) ist eines jener bombastisch gestalteten Bauwerke, das auf einer Platte aus Portlandstein ruht. Darauf steht der Sarkophag, bedeckt mit dem Mantel des Generals, und darauf sein Schwert und sein Zweispitz. Das Grabmal wird von einem Baldachin überdacht, der auf den Köpfen von vier indischen Säulenträgern steht. Casement war in Indien stationiert und sollte eigentlich in sein Heimatland zurückkehren, als er einen Brief erhielt, der ihn aufforderte in Indien zu bleiben, da es in der Madras Army Unruhen gab. Er erkrankte bald darauf an Cholera und starb 1844 in Cossipore.

Das unter Denkmalschutz stehende Grabmal ist in keiner guten Verfassung mehr und soll möglichst bald restauriert werden.

This image is in the public domain because its copyright has expired. However it must not be used  for commercial purposes.

 

Published in: on 17. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Great Stone of Fourstones – Ein einsamer Felsbrocken im Moorgebiet des Forest of Bowland an der Grenze von Lancashire und North Yorkshire

Im Grenzbereich von Lancashire und North Yorkshire liegt einsam und allein ein merkwürdiger Felsbrocken, der The Great Stone of Fourstones heißt; folglich müssen irgendwann einmal vier Steine hier gewesen sein. Niemand weiß genau, was mit ihnen passiert ist. In fernen Zeiten wird der Great Stone wohl von Gletschern hierher transportiert worden sein und als diese sich zurückzogen, blieb er hier liegen. In den ca fünf Meter hohen Felsen am Rande des Forest of Bowland hat irgendjemand 15 Stufen hineingemeißelt, um es denjenigen leicht zu machen, die keine Lust haben, sich als Kletterer zu betätigen und so halbwegs bequem nach oben steigen zu können, um die Aussicht auf das Moorgebiet von Tatham Fells zu genießen, das sich südlich der kleinen Ortschaft Bentham hinzieht. Um zu dem „Big Stone“ zu gelangen, fährt man aus Bentham auf der Straße mit dem schönen Namen Thickrash Brow hinaus, die dann zur Slaidburn Road wird. Von hier aus kann  man den Felsbrocken liegen sehen. Dieser Film vermittelt einen Eindruck von ihm.

Natürlich rankt sich auch eine Legende um den Great Stone of Fourstone. Als der Teufel einmal die Brücke von Kirkby Lonsdale, einige Kilometer nördlich von Bentham gelegen, bauen wollte, schleppte er Baumaterial heran und dabei ließ er den besagten Stein fallen, vielleicht weil er ihm zu schwer geworden war. Die Devil’s Bridge in Kirkby Lonsdale, die den River Lune überquert, gibt es noch heute.

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, erinnert sich vielleicht noch an meinen Eintrag über den High Bentham Incident, der sich ganz in der Nähe ereignete. Auch der Ort Dunsop Bridge, der als das geografische Zentrum Großbritanniens bezeichnet wird, ist nur wenige Kilometer entfernt.

Die Devil’s Bridge über den River Lune in Kirkby Lonsdale (Cumbria).
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Lieblings-Pubs – The New Inn in Gloucester (Gloucestershire)

 

Man sollte sich nicht von dem Namen des Pubs irritieren lassen: Der New Inn in Gloucester ist keinesfalls neu, denn er wurde bereits im 14. Jahrhundert erbaut. Das Haus fungiert gleichzeitig auch als Hotel mit 33 Zimmern. Ich habe bei meinem Besuch im New Inn allerdings nur den Bereich „Essen und Trinken“ benutzt. 4 Bars gibt es in dem weitläufigen Gebäude und etwa 12 verschiedene Real Ales werden angeboten.

Gebaut wurde der Inn damals um Pilger zu beherbergen, die den Schrein König Edwards II in der nahe gelegenen Kathedrale besuchen wollten.
In so einem alten Pub gibt es natürlich auch Geister; so berichtete BBC Radio Gloucestershire einmal von mehreren merkwürdigen Ereignissen im New Inn, u.a. von einem Glas Bier, das sich plötzlich in Bewegung setzte und vom Tisch fiel. Ich habe bei meinem Besuch mein Pint in Ruhe und ohne störende Nebeneinwirkungen genießen können.
Hier ist das „Ghost Pint“ im Film, festgehalten von einer Überwachungskamera.

New Inn
16 Northgate Street
Gloucester
Gloucestershire GL1 1SF

Published in: on 15. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wie die „Französische Revolution“ am Londoner Kensington Square einmal in Flammen aufging

Hier am Kensington Square Nummer 18 wohnte John Stuart Mill.
Author: Spudgun 67
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John Stuart Mill (1806-1873) war einer der ganz großen Denker und Ökonomen des 19. Jahrhunderts. Er wurde in London geboren und lebte am Kensington Square Nummer 18, einer sehr guten Wohngegend mit architektonisch sehenswerten Häusern. 1834 wurde er von seinem Verleger angesprochen, ob er daran interessiert wäre, ein Buch über die Französische Revolution zu schreiben. Interessiert war Mill schon, aber er hatte keine Zeit, da er sich damals gerade mit anderen Dingen beschäftigte. Aber sein Freund, der Historiker Thomas Carlyle (1795-1881), der auch in London lebte, und zwar am Cheyne Walk, die heutige Nummer 24, hätte vielleicht Lust dazu…und der hatte, auch weil er gerade Geld brauchte, und so stürzte sich der Schotte in die Arbeit, den größten Teil des Jahres 1834 recherchierte er und schrieb oft bis in die tiefe Nacht hinein. „The French Revolution“ war auf drei Bände angelegt, und als Carlyle den ersten Band fertig hatte, übergab er das natürlich handgeschriebene Manuskript an seinen Freund John Stuart Mill, mit der Bitte es durchzulesen und seine Meinung dazu zu sagen. Mill kam dem gern nach und nahm es mit nach Hause zum Kensington Square. Dort lag es nicht lange, denn sein Dienstmädchen, die des Lesens unkundig war und den Auftrag hatte, den Kamin anzuzünden, sah die vielen Blätter Papier und dachte sich, die eignen sich doch hervorragend dazu, und so ging die Französische Revolution sozusagen in Rauch und Asche auf. Als Mill das mitbekam, war er außer sich. Wie sollte er das seinem Freund beibringen? Die monatelange Arbeit alles umsonst?

John Stuart machte sich auf zu seinem Canossagang in den Cheyne Walk, wo er Carlyle das Missgeschick beichtete. Der nahm das relativ gefasst auf und musste erst einmal seinen Freund John Stuart trösten, dem das unendlich peinlich war. Mill bot ihm an, Geld für den Verlust zu geben, doch Carlyle lehnte ab. Schließlich ließ er sich doch erweichen, wenigstens Geld für neues Papier anzunehmen (den Carlyles ging es finanziell gar nicht gut) und das Ganze noch einmal neu zu schreiben (seine Notizen hatte er bereits weggeworfen). Doch erst schrieb er die Bände zwei und drei, bis er sich wieder dem ersten zuwandte und vieles noch in Erinnerung hatte.

Thomas Carlyles Monumentalwerk „The French Revolution“, das 1837 im Verlag Chapman&Hall erschien, war seitdem immer lieferbar und erschien gerade erst wieder im Januar bei der Oxford University Press als Reprint. In deutscher Übersetzung gibt es zurzeit mehrere Ausgaben, u.a. eine dreibändige im Golkonda Verlag.

Carlyles Haus am Cheyne Walk gehört heute dem National Trust und kann besichtigt werden. Seine Statue ist in dem Embankment Gardens am Cheyne Walk zu sehen. Nicht weit davon entfernt, in der Temple Sektion, findet man die Statue seines Freundes John Stuart Mill.

Thomas Carlyles Haus am Cheyne Walk.
Author: Spudgun67
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Thomas Carlyle in den Embankment Gardens am Cheyne Walk.
Author: Lonpicman
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John Stuart Mills Statue in den  Embankment Gardens (in der Temple Sektion).
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Bear Hotel in Woodstock (Oxfordshire)

Wenn man den Namen Woodstock hört, denkt man auch gleichzeitig (nein, nicht an das Festival von 1969, das war im US-Bundesstaat New York) an den Blenheim Palace, den Geburtsort Sir Winston Churchills, einen riesigen Palast mit genauso riesigen Parkanlangen. Die meisten Touristen, die nach Woodstock kommen, sind auch in erster Linie wegen dieses sehenswerten Hauses hier. Wenn die ganzen Menschenmassen am späten Nachmittag wieder abgezogen sind, wird es ruhiger in der kleinen Stadt, und der Charme des Ortes, der 12 km nördlich von Oxford liegt, offenbart sich wieder.

Als Übernachtungsmöglichkeit bietet sich in erster Linie The Bear Hotel in der Park Street an, eine alte Postkutschenstation aus dem 13. Jahrhundert. Das Haus gehört zu den Macdonald Hotels (ich berichtete bereits über The Compleat Angler in Marlow und über The Randolph in Oxford, die auch zu der Gruppe gehören). Das efeuumrankte 4*-Hotel ist etwas für Romantiker: Hier gibt es große offene Kamine, uralte Eichenholzbalken, Zimmer mit Himmelbetten… und natürlich Hausgeister, wie sollte es in in so einem alten Haus auch anders ein. Ja, The Bear wird sogar als eines der „most haunted hotels“ in ganz Großbritannien genannt.

54 Zimmer gibt es im Haus, vom einfachen Classic Room bis zu den großen Suiten. Die Preise liegen etwa zwischen £100 (Bed and Breakfast) und £300 (Feature Suite mit Dinner, Bed and Breakfast). Das Restaurant heißt einfach nur The Restaurant (früher The Silk Glove), hat zwei AA-Rosetten und bietet klassische englische Küche.  

Zahlreiche Prominente sind in The Bear abgestiegen, darunter die ehemaligen Premierminister Edward Heath und Harold Wilson und die Schauspieler Elizabeth Taylor und Richard Burton, die sich in den 1960er Jahren in der Marlborough Suite vergnügten, die man auch heute noch buchen kann.

In diesem Film wird The Bear vorgestellt.

The Bear Hotel
Park Street
Woodstock
OX20 ISZ

 

Published in: on 13. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Herring Lassies – Wanderarbeiterinnen aus dem hohen Norden, die sich auf das Ausnehmen von Heringen spezialisiert hatten

Am Kai von Great Yarmouth, wo die Heringstrawler anlandeten.
Photo © Glen Denny (cc-by-sa/2.0)

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Meere um die britischen Inseln noch voller Fische (statt Plastikmüll), und die Trawler brachten ihre Fänge täglich in die Häfen an der englischen Ostküste wie Great Yarmouth und Lowestoft. Nach der Anlandung mussten die Fische, in den meisten Fällen Heringe, möglichst schnell ausgenommen und weiterverarbeitet werden. Eine Arbeit, die sicher nicht jedermanns Sache ist. In den Häfen in East Anglia fanden sich nicht genügend Leute, die willens waren, diese Arbeit zu verrichten. Aber im Nordosten Englands und in Schottland suchten Frauen Arbeit, und so machten sich jedes Jahr zur Fischfangsaison zahllose Frauen (manche von ihnen waren erst 14 Jahre alt) auf den Weg nach Süden, um sich dort als Wanderarbeiterinnen ihr Geld zu verdienen. „Herring Lassies“ wurden sie genannt, nach der schottischen Bezeichnung für Mädchen. Es war ein hartes Leben für die „lassies“; früh morgens wurden sie geweckt und ein Arbeitstag konnte sich schon einmal bis in den späten Abend hinziehen. Der Fisch musste im Freien ausgenommen werden, egal, was für ein Wetter herrschte, die Gefahr sich an den scharfen Messern zu verletzen war groß. Die Unterkünfte der Frauen waren spartanisch eingerichtet, doch die „herring lassies“ konnten das alles ertragen und standen die Strapazen durch.
Hier sind einige Bilder von der Arbeit der Frauen am Hafen.

Viel verdienten die Frauen nicht, daher kam es im Jahr 1938 zu einem Streik. Die Frauen wollten mehr Lohn und bessere Lebensbedingungen. Sie konnten sich mit ihren Forderungen auch durchsetzen, doch die Situation der Fischindustrie am Vorabend des Zweiten Weltkrieges hatte sich verschlechtert, da einige Absatzmärkte wegfielen.

Die „Herring Lassies“ gab es schon im 19. Jahrhundert, in den 1960er Jahren war dann Schluss. Weniger Fisch, keine Mädchen mehr aus dem hohen Norden in East Anglia.

In diesem Song werden die Heringsfrauen besungen.

Das Buch zum Artikel:
Rosemary Sanderson: The Herring Lassies – Following the Herring. Bard Books 2008. 56 Seiten. ISBN 978-0954796068. Leider zur Zeit vergriffen.

Published in: on 12. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Radio Sutch – Ein Piratensender der 1960er Jahre, der von Shivering Sands in der Themsemündung aus sendete

Die Shivering Sands Towers in der Themsemündung.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

In den 1960er Jahren war die britische Rundfunklandschaft in einem Strukturwandel. Die Musik, die die BBC ausstrahlte, gefiel den Teenagern des Landes nicht, also taten sich Piratensender auf, die in diese Marktlücke sprangen und die Rock ’n’Roll-Musik spielte, die die junge Bevölkerung hören wollte. Da das aber nur außerhalb der Landesgrenzen möglich war, wurden Schiffe gechartert, von denen aus gesendet wurde. Radio Caroline war der bekannteste Sender. Auch der umtriebige, skurrile Lord Sutch (1940-1999), der erst die National Teenage Party und dann die merkwürdige, noch heute existierende Official Monster Raving Loony Party  gründete, betätigte sich 1964 als DJ und nannte seinen Sender Radio Sutch und natürlich liefen seine eigene Songs rauf und runter. Es hieß, Radio Sutch wäre auf einem Trawler stationiert, der tagsüber Fische fing und anschließend als Rundfunkstation diente. Die Zustände an Bord sollen aber ziemlich unmöglich gewesen sein, so daß Radio Sutch auf eines der sogenannten Maunsell Forts in der Themsemündung umzog. Dabei handelte es sich um auf stakeligen Beinen stehende Plattformen, die im Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurden, um feindliche Schiffe und Flugzeuge  davon abzuhalten, die Themsedocks anzugreifen.

Shivering Sands war der Name eines dieser Forts, das sich Lord Sutch als Sendestation ausgesucht hatte, was natürlich illegal war, aber niemand machte so recht ernsthafte Versuche, ihn und seine Mit-DJs von dort zu vertreiben. Neben der Teenager ansprechenden Musik wurden auch Lesungen von besonders erotischen Textstellen aus umstrittenen Bücher  wie „Fanny Hill“und „Lady Chatterley“ gesendet, bei denen die aus der Profumo-Affäre bekannte Mandy Rice-Davies mitwirkte.

Lord Sutch verlor nach wenigen Monaten das Interesse an dem Projekt und verkaufte den Sender an seinen Manager Reg Calvert. Sein Interesse galt von da an mehr der Politik. Nach dem Abgang des Lords benannte Reg Calvert die Station in Radio City um, die noch bis 1967 von Shivering Sands aus sendete, dann war Schluss. Reg Calvert war ein Jahr zuvor bei Streitigkeiten mit einem Kontrahenten erschossen worden.
Hier sind dokumentarische Aufnahmen von der Radiostation.

Colin Dale, ein Freund Lord Sutchs, der auch kurzfristig in der Radiostation involviert war, kam im Jahr 2009 auf die Idee, Radio Sutch als Internetradio neu zu beleben; unter dem Slogan „Retro Sounds for Monster Rockers“ werden hier vorwiegend Songs aus den 1950er und 1960er Jahren gespielt (Listen Live).

 

Published in: on 11. Februar 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Oliver Tearle: Britain by the Book – A Curious Tour of Our Literary Landscape

Foto meines Exemplares.

Dr. Oliver Tearle ist Programme Director for English an der Loughborough University, und der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Forschung zur Literatur in der Zeit von 1880-1930, und da beschäftigt er sich speziell mit der Dichtkunst des 20. Jahrhunderts und mit Ghost Stories. Seine Doktorarbeit wurde unter dem Titel „Bewilderments of Vision“ 2013 veröffentlicht. Hier ist er in einem Film zu sehen.

2017 erschien sein Buch „Britain by the Book – A Curious Tour of Our Literary Landscape„, in dem er sich in kurzen Kapiteln mit der literarischen Topografie Großbritanniens beschäftigt, das heißt, er ordnet bestimmte Orte Dichtern und Schriftstellern zu. Schon im Vorwort erfahren wir einige interessante Fakten wie zum Beispiel, dass Sir Arthur Conan Doyle seine Augenarztpraxis in der Nähe der Londoner Baker Street hatte, dort, wo sein berühmter Detektiv Sherlock Holmes wohnte, und dass ihn dort nicht ein einziger Patient aufsuchte.

Ich nenne hier nur einige wenige Schriftsteller-Stadt-Verbindungen, mit denen sich Dr. Tearle in seinem Buch auseinandersetzt:

Bram „Dracula“ Stoker und Whitby im Osten von Yorkshire

Lawrence „Tristram Shandy“ Sterne und Coxwold (North Yorkshire)

Alfred Edward „A Shropshire Lad“ Housman und Ludlow (Shropshire)

John „Paradise Lost“ Milton und Chalfont St Giles (Buckinghamshire)

Anna „Black Beauty“ Sewell und Norfolk

Ein lesenswertes Buch für jeden, der sich für die britische Literaturgeschichte interessiert!

Oliver Tearle: Britain by the Book – A Curious Tour of Our Literary Landscape. John Murray 2017. 230 Seiten. ISBN 978-1-473-66603-0.

The Dracula Experience in Whitby.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Shandy Hall in Coxwold.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Ein A.E. Housman Memorial an der St Laurence Church in Ludlow.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

John Miltons Cottage in Chalfont St Giles.
Author: MortimerCat
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Anna Sewells Haus in Great Yarmouth in Norfolk, in dem sie „Black Beauty“
schrieb.
Photo © Paul Shreeve (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  

Sea Tractors – Merkwürdige, hochbeinige Gefährte an der Küste von Devon

Der Sea Tractor von Burgh Island.
Eigenes Foto.

In meinem Blogeintrag über das Burgh Island Hotel vor der Südküste von Devon erwähnte ich bereits einmal einen der wenigen, noch im Einsatz befindenden Sea Tractors, merkwürdige, hochbeinige Gefährte, mit denen man durch Wasser fahren kann. Der Sea Tractor von Burgh Island wird immer dann eingesetzt, wenn die Insel von der Flut vom Festland abgeschnitten ist und Gäste an- bzw. abreisen möchten. Auf einer erhöhten Plattform sitzen die Passagiere und der Fahrzeuglenker, ein Dach schützt sie vor Regen, seitlich aber ist der Traktor offen, so dass bei stärkerem Wellengang alle ganz schön nass werden können wie dieser Film zeigt. Bei Sturm und einer gewissen Höhe des Wassers muss aber auch der Fahrbetrieb des Sea Tractors eingestellt werden, dann ist man im Burgh Island Hotel von der Außenwelt abgeschnitten und muss auf die Ebbe warten. Übrigens wurde das Art Déco-Hotel („the best hotel West of The Ritz“) im vorigen Jahr verkauft. Der neue Besitzer will viel Geld in die Erweiterung  des Hauses und in die Renovierung des benachbarten Pilchard Inns stecken. Der Sea Tractor wird hoffentlich beibehalten werden.

Gar nicht weit von Burgh Island entfernt, am South Sands Beach, ebenfalls in Devon, ist ein weiterer Einsatzort eines Sea Tractors. Er dient dort als verlängerter Arm des kleinen Fährschiffs, das Passagiere vom gegenüberliegenden Salcombe zu den Stränden bringt. Da das Boot nicht direkt am Beach anlegen kann, kommt ihm der Sea Tractor entgegen und übernimmt bzw. übergibt die Fahrgäste. 2014 wurde der alte Traktor ausgemustert, der 30 Jahre lang im Einsatz war und durch einen neuen ersetzt, der aber genauso wie sein Vorgänger aussieht. In diesem Film ist die Prozedur des Anlegemanövers South Sands Ferry/Sea Tractor zu sehen.

An Bord des Traktors.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Der Sea Tractor von South Sands.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Übergabe der Passagiere von der Fähre zum Traktor am South Sands Beach.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 9. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Leopard in Burslem (Staffordshire) – Pub, Spukort und ehemaliges Hotel

Leerstehende, verlassene Hotels haben immer etwas Unheimliches an sich. Ich denke da zum Beispiel an das Overlook Hotel in Stephen Kings Roman „The Shining“ bzw. an den gleichnamigen Film von Stanley Kubrick oder an das seit Jahren verlassene Hotel Schneeweiss am Ortsrand von Seefeld in Tirol, das jedesmal, wenn ich dort vorbeigehe, ein Stückchen mehr verfallen ist.

In Burslem, einer Kleinstadt in der Grafschaft Staffordshire, gibt es auch so ein Hotel, das schon in den 1950er Jahren geschlossen wurde, aber als Pub überlebt hat: The Leopard, ein etwas ungewöhnlicher Name für einen Pub, doch es gibt noch mehrere in England, die so heißen, beispielsweise in Nantwich (Cheshire) und in Doncaster (South Yorkshire).
Die 65 Hotelzimmer stehen also schon lange leer und gammeln vor sich hin. In dem Haus haben sich früher berühmte Leute eingefunden wie die Schauspielerin Ava Gardner und die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy. Der Naturforscher Erasmus Darwin (Großvater von Charles Darwin) war im Leopard zu Gast wie auch der im Ort geborene Tonwarenfabrikant Josiah Wedgwood. Es sollen sich auch Morde in dem Hotel ereignet haben, also alles beste Voraussetzungen dafür, dass es hier angeblich spukt. Ghost Tours können nach Vereinbarung vorgenommen werden. Der an übernatürlichen Dingen interessierte und in Burslem aufgewachsene Robbie Williams war schon hier (er nahm einmal den Song „Burslem normals“ auf), und das Team der TV-Serie „Most Haunted“ filmte im Leopard. Hier ist eine Ghost Tour im Hotel zu sehen.

Eine kleine Notiz am Rande: Nur ein paar Schritte vom Pub entfernt, verläuft die Waterloo Road, die in den 1960er Jahren im Mittelpunkt des gleichnamigen Songs der Band Jason Crest (hier zu hören) stand. Dieser Song wurde 1969 weltberühmt in der französischen Version von Joe Dassin unter dem Titel „Les Champs-Élysées„.

The Leopard
21 Market Place
Burslem
Stoke-on-Trent  ST6 3AA

Die Waterloo Road.
Photo © David Weston (cc-by-sa/2.0)

Scarecrows – Die schönsten Vogelscheuchen Englands

Beim Muston Scarecrow Festival in North Yorkshire.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Wie der Name „scarecrow“ schon sagt, sollten diese auf Feldern aufgestellten Gebilde in Menschenform Krähen abschrecken, die Saat aufzufressen und sich ihre Nahrung lieber anderswo suchen lassen. Vor langer Zeit hatten Kinder diese Aufgabe übernehmen müssen, indem sie den ganzen Tag lang auf den Feldern schrien bzw. mit irgendwelchen Krachinstrumenten die Vogelwelt fernhielten. Demgegenüber waren dann die nichtmenschlichen Vogelscheuchen sozusagen „state of the art“.

In England gibt es in mehreren Orten „Scarecrow Festivals“, von denen ich in meinem Blog das von Kettlewell in North Yorkshire schon einmal vorstellte. Ich denke da auch noch u.a. an Muston, ebenfalls in North Yorkshire, und an Dyke in Lincolnshire.

Ich habe hier einmal einige Bilder von meiner Ansicht nach besonders gelungenen Vogelscheuchen zusammengestellt:

Dracula als Vogelscheuche, ebenfalls in Muston (North Yorkshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Goudhurst in Kent.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

In Halmer’s End (Staffordshire).
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Bugs Bunny scarecrows in Flamborough (East Riding of Yorkshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

In Wray (Lancashire).
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

In der Kirche von St Chad’s in Pattingham (Staffordshire).
Photo © Gordon Griffiths (cc-by-sa/2.0)

…und zu guter Letzt: Ein besonders farbenfrohes Exemplar in Mottisfont (Hampshire).
Photo © Brian Robert Marshall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Februar 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Christopher Somerville: The January Man – A Year of Walking Britain

Foto meines Exemplares.

Christopher Somerville ist Experte für alles, was mit Wandern zu tun hat und schreibt als Reisejournalist für die Times. Mehrere Dutzend Bücher und hunderte von Artikeln hat er schon verfasst. Im April erscheint sein neues Werk, in dem er sich mit einem anderen Thema befasst: „Ships of Heaven: The Private Life of British Cathedrals„.

Im Januar vorigen Jahres veröffentlichte er die Taschenbuchausgabe seines Buches „The January Man – A Year of Walking Britain„, das ich gerade gelesen habe und an dieser Stelle vorstellen möchte. „Month by month, season by season and region by region, Christopher Somerville walks the British Isles„, so steht es auf der Rückseite des Buches zu lesen, wobei er sich an dem Lied „The January Man“ orientiert, das in den 1960er Jahren von Dave Goulder geschrieben wurde und hier zu hören ist.

Christopher Somerville beginnt seine Reise durch Großbritannien im Monat Januar und sie beginnt mit einer Rückerinnerung an seine Kindheit, die er in dem Dorf The Leigh am River Severn in Gloucestershire verbrachte. Hier am überfluteten Blacksmith Lane nimmt er uns mit „down memory lane“; immer wieder hören wir von seiner nicht ganz unkomplizierten Beziehung zu seinem Vater John Somerville, der beim GCHQ, dem Government Communications Headquarters in Cheltenham arbeitete.

Christopher Somerville verfügt über eine wunderschöne Sprache, er interessiert sich sehr für die Tier- und Pflanzenwelt Großbritanniens. und man sollte sich Zeit nehmen für dieses Buch, das vom hohen Norden, der Isle of Foula, eine der abgelegensten Shetlandinseln, bis zur englischen Südküste führt. Hier in Lyme Regis endet das Buch, an einem stürmischen Tag, bei dem die aufgepeitschten Wellen über das Bollwerk The Cobb schlagen.

Ein wirklich sehr schönes Buch! Ich freue mich schon auf die „Ships of Heaven“ (erscheint bei Doubleday am 11. April).

Christopher Somerville: The January Man – A Year of Walking Britain. Black Swan 2018.381 Seiten. ISBN 978-1-7841-6124-8.

Hier am Blacksmith Lane in The Leigh (Gloucestershire) beginnt Christopher Somervilles Buch.
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Die einsame Shetlandinsel Foula ist der nördlichste Punkt der Reise.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

The Cobb in Lyme Regis (Dorset): Das Ende der Reise.
Eigenes Foto.

Published in: on 6. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Old Mother Hubbards Cottage in Yealmpton (Devon)

Mir tut es immer in der Seele weh, wenn ich in England wunderschöne alte Häuser sehe, in denen zum Beispiel ein amerikanischer Burgerladen oder ein asiatischer Takeaway untergebracht sind. In strohgedeckte Cottages oder andere geschichtsträchtige Häuser würde ich viel lieber einen englischen Tearoom oder so etwas Ähnliches sehen.

In Yealmpton in Devon, an der A379 gelegen, die von Plymouth nach Kingsbridge führt, steht an der Market Street (das ist die A379) ein richtig schönes uriges Haus, reetgedeckt, mit einem kleinen Hund auf dem Dach, das Old Mother Hubbards Cottage, und darin ist ein chinesischer Takeaway zu finden. Das gegenüberliegende Rose & Crown würde da viel besser hineinpassen.

In dem rund 400 Jahre alten Haus soll einmal eine Frau gewohnt haben, die als Vorbild für den Kinderreim „Old Mother Hubbard“ gedient hat. In diesem im Jahr 1805 publizierten Reim steht ein Hund im Mittelpunkt (daher der Hund auf dem Dach), für den Mother Hubbard alles Mögliche ins Haus bringt und der daraufhin jeweils unterschiedlich reagiert, Ein Beispiel:

„She went to the alehouse
To get him some beer;
When she came back
The dog sat in a chair“.

Der „nursery rhyme“ endet:

„This wonderful dog
Was Dame Hubbard’s delight,
He could read, he could dance,
He could sing, he could write;
She gave him rich dainties
Whenever he fed,
And erected this monument
When he was dead.“

Der Reim soll aus der Feder von Sarah Catherine Martin (1768-1826) stammen, die ihn schrieb, während sie sich im Haus ihrer Schwester (Kitley House, heute ein Country House Hotel) in Yealmpton aufhielt, die später den Parlamentsabgeordneten mit dem schönen Namen John Pollexfen Bastard heiratete. Es gibt auch noch eine andere Version wie Mrs Martin auf die Idee mit dem Kinderreim kam, und zwar soll sie von der Haushälterin ihrer Schwester inspiriert worden sein, die in dem Cottage an der Market Street wohnte.

Was auch immer stimmen mag oder auch nicht, der Reim ist nett zu lesen und das Old Mother Hubbards Cottage in Yealmpton ist sehr schön anzusehen…wenn nur nicht dieser chinesische Imbiss darin wäre.

Hier ist der Kinderreim in voller Länge im Film zu sehen.

Kitley House in Yealmpton, wo „Old Mother Hubbard“ geschrieben wurde.
Photo © Darrin Antrobus (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Spukorte – Nunnington Hall (North Yorkshire) und seine Proud Lady

Es gibt in England nicht allzu viele Burgen, Schlösser und alte Gemäuer, die sich nicht eines Geistes rühmen können, der des Nachts, manchmal auch bei Tag, dort spukt.
Auch Nunnington Hall in North Yorkshire, ein Haus aus dem 17. Jahrhundert am Rande der Howardian Hills, östlich von Oswaldkirk, kann mehrere Ghosts vorweisen, von denen die Proud Lady of Nunnington der bekannteste ist. Sie pflegt die Treppen des Hauses hinauf und herunter zu gehen, wobei man das Rascheln ihrer Röcke hören kann. Warum ist die Dame so ruhelos und kann sich von der Hall nicht trennen?

Folgende Geschichte wird erzählt: Lady Nunnington war die zweite Frau des Besitzers des Hauses, sie hatte einen eigenen Sohn, den sie sehr liebte, und einen Stiefsohn, den sie absolut nicht mochte. Nachdem ihr Mann gestorben war, sperrte sie ihren Stiefsohn hoch oben unter dem Dach in einen Raum ein. Ihr eigener Sohn war der einzige, der ihn besuchen durfte und der ihm zu essen und zu trinken brachte. Die beiden verstanden sich gut und spielten gern miteinander. Eines Nachts verschwand der Stiefsohn aus seinem Dachbodenraum, möglicherweise half ihm dabei einer der Bediensteten, und wurde nie wieder gesehen. Lady Nunnington war froh, den Jungen los zu sein, sein Halbbruder aber nicht, der seinen Spielgefährten sehr vermisste. Immer wieder hielt er nach ihm Ausschau, in der Hoffnung, dass er zurückkehren würde. Einmal lehnte er sich dabei so weit aus einem der Fenster der Hall, dass er hinunterstürzte und starb. Die Lady war untröstlich und wanderte oft stundenlang durch die Gänge und Flure von Nunnington Hall. Nach ihrem Tode wollen die neuen Besitzer des Hauses gehört haben wie die Lady weiterhin ihre ruhelosen Wanderungen durch das Haus fortsetzte, was auch heute noch der Fall sein soll.

Das Fernsehteam von „Most Haunted“ stattete Nunnington Hall einen Besuch ab und dieser Film zeigt, was sie innerhalb 24 Stunden dort erlebten.

Nunnington Hall gehört seit 1952 dem National Trust und kann besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind hier zu sehen.

Einer der Räume im Dachgeschoss.
Photo © Carol Walker (cc-by-sa/2.0)

Einer der Kamine in Nunnington Hall.
Photo © Mark Anderson (cc-by-sa/2.0)

The Coach & Horses – Ein Pub in Soho und Londons unhöflichster Gastwirt

The West End’s Best known Pub“ heißt es an der Fassade des Gebäudes an der Greek Street 29 im Londoner Stadtteil Soho, wo seit 1847 The Coach & Horses untergebracht ist; „a proper pub, real London, real people, proper conversation”, so kann man es auf der Webseite des Pubs lesen, der sich seit einiger Zeit Norman’s Coach & Horses nennt und Londons erster vegetarischer und veganer Pub ist. Warum „Norman’s“?

Norman Balon war jahrzehntelang Gastwirt hier an der Greek Street, genauer gesagt 63 Jahre lang. Im Alter von 16 Jahren begann er am 1. Februar 1943 im Coach & Horses, dem Gasthof seiner Eltern, zu arbeiten und erst am 22. Mai 2006 zog er sich in den Ruhestand zurück. Norman Balon war eine Institution in Soho, auch auf unrühmliche Weise, denn er war der unhöflichste Gastwirt der Stadt, der seine Gäste manchmal auf rüde Art seines Hauses verwies. „You’re barred, you bastards!“ war ein Spruch, den sich so einige anhören mussten, mit deren Verhalten Balon nicht einverstanden war, zum Beispiel wenn sie in kurzen Hosen sein Etablissement betraten oder in anderer Kleidung, die ihm nicht passte. Es gab viele Gründe, um von Balon hinausgeworfen zu werden. Doch viele der brüskierten „regulars“ kamen immer wieder, auch viele Prominente aus der Kulturszene der Stadt, darunter die Journalisten des „Private Eye“ Satiremagazins, dessen Redaktionsräume ebenfalls in Soho liegen.

1991 schrieb Norman Balon seine Autobiografie, die natürlich „You’re barred, you bastards: The memoirs of a Soho publican“ hieß (bei Sidgwick & Jackson erschienen).

Nach der Übernahme des Pubs hat sich nur wenig geändert, ein Klavier wurde installiert, um Sing-a-Longs zu veranstalten, und der Umgangston ist deutlich zivilisierter geworden.

Hier ist Norman Balon im Film zu sehen (wo er eigentlich sehr freundlich wirkt).

The Coach & Horses
29 Greek Street
Soho
London W1D 5DH

Thomas Hardys Beisetzung in der Londoner Westminster Abbey und seine prominenten Sargträger

Die Londoner Westminster Abbey.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Nachdem der Schriftsteller Thomas Hardy am 11. Januar 1928 in Dorchester (Dorset) gestorben war, kam es am 16. Januar zu zwei zeitgleichen Beerdigungsfeiern. Eine fand auf dem Kirchhof von St Michael’s in Stinsford (Dorset) statt, die andere in der Londoner Westminster Abbey. Eigentlich wollte Thomas Hardy in Stinsford beigesetzt werden, doch sein Testamentsvollstrecker Sir Sydney Cockerell entschied, dass ein so berühmter Literat in die Poet’s Corner der Westminster Abbey gehört. So wurde zwischen ihm und Hardys Familie ein Kompromiss geschlossen: Hardys Herz wird in Stinsford beigesetzt (ich schrieb in meinem Blog darüber), die Asche seines Körpers in der Westminster Abbey.

Die Beerdigungsfeier in der Hauptstadt war ein nationales Ereignis, was man daran erkennen kann, dass die Sargträger alle VIPs waren. Dazu gehörten
Rudyard Kipling, berühmt geworden durch das „Dschungelbuch“
George Bernard Shaw, Nobelpreisträger und Verfasser der Komödie „Pygmalion“
John Galsworthy, der Schriftsteller, der die „Forsyte-Saga“ verfasste
Alfred Edward Housman, der Dichter, der durch „A Shopshire Lad“ die Herzen vieler Engländer eroberte
James Matthew Barrie, der die Figur des „Peter Pan“ erschuf
Stanley Baldwin, 1st Earl Baldwin of Bewdley, Politiker und Premierminister von 1935 bis 1937
Edmund Gosse, Literaturhistoriker und Dichter

In der Poet’s Corner in der Westminster Abbey ist die Grabplatte von Thomas Hardy direkt neben der von Charles Dickens und von Rudyard Kipling zu finden.

Thomas Hardys Grabstein in Stinsford (Dorset).
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Dramatiker Alan Ayckbourn und sein Schauspiel „Standing Room Only“

Verkehrsstau auf der Londoner Shaftesbury Avenue.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Küstenstadt Scarborough im Osten der Grafschaft Yorkshire ist eigentlich nicht der ideale Ort, um Theaterstücke uraufzuführen, da eignet sich das Londoner West End besser dafür. Doch der 1939 geborene Dramatiker Alan Ayckbourn ließ alle seine Schauspiele hier oben im Nordosten Englands zuerst aufführen, anfangs im Library Theatre (so genannt, weil das Theater im Haus der Öffentlichen Bibliothek untergebracht war), später im Stephen Joseph Theatre, benannt nach dem Leiter des Library Theatres, der auch der Mentor Ayckbourns war.

Am 13. Juli 1961 kam es zur Premiere von Alan Ayckbourns „Standing Room Only„. Stephen Joseph hatte ihn angeregt, einmal ein Theaterstück zum Thema Überbevölkerung zu schreiben, und Ayckbourn nahm die Anregung auf. Er siedelte das Stück im Jahr 1997 an, also 38 Jahre später, eine lange Zeit, die nun auch schon wieder 22 Jahre zurückliegt. „Standing Room Only“ spielt in London in der Shaftesbury Avenue, in der das totale Verkehrschaos herrscht. Auch im ganzen Land gibt es auf den Autobahnen permanent Staus, auf der Strecke von Birmingham nach London geht gar nichts mehr (vielleicht ein kleiner Vorgeschmack, was bei einem harten Brexit auf der M20 von London nach Dover passieren könnte?). Um sein Fahrzeug auf der Shaftesbury Avenue zu verlassen, benötigt man eine Genehmigung, ein Problem mit dem eine junge Frau kämpft, denn sie ist schwanger (was sie von rechts wegen nicht sein darf) und muss ihr Baby in einem Doppeldeckerbus, der ebenfalls im Dauerstau festsitzt, heimlich zur Welt bringen.

Ayckbourns Schauspiel schaffte es nicht, wie eigentlich geplant, auf die großen Bühnen im Londoner Westend, stattdessen wurde es noch einmal in der Provinz, im Victoria Theatre in Stoke-on-Trent (gibt es heute nicht mehr) im April 1963 aufgeführt, dann nie wieder. Im Ayckbourn Archive an der University Of York werden die einzelnen, mehrfach umgeschriebenen Versionen des Theaterstücks aufbewahrt. Wird es jemals wieder zu einer Aufführung kommen?

Das Stephen Joseph Theatre in Scarborough, wo viele von Ayckbourns Schauspielen uraufgeführt wurden.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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