Shirley Pitts (1934-1992) – Die Londoner Königin der Ladendiebstähle

Der Lambeth Walk in London, wo Shirley Pitts das Licht der Welt erblickte.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

An einem Märztag im Jahr 1992 fuhr eine Kolonne von 21 schwarzen Daimler-Limousinen durch London mit dem Ziel Lambeth Cemetery, einem der kleineren Friedhöfe der Stadt südlich der Themse. Nanu, mag sich mancher gefragt haben, ist da ein Staatsoberhaupt gestorben oder jemand von der High Society Londons? Nein, alles falsch.
Shirley Pitts wurde an diesem Tage beigesetzt. Shirley wer? Die 1934 auch im Stadtteil Lambeth geborene Shirley Pitts war eine Königin, die Königin der Ladendiebstähle, gefürchtet von den Londoner Edelkaufhäusern, in denen sie ihre Diebestouren mit Vorliebe beging, Harrods, Selfridges und wie sie alle heißen. Stilgemäß wurde die Dame in einem £5,000 teuren Kleid der Modedesignerin Zandra Jones begraben, das sie möglicherweise nicht auf regulärem Weg bezahlt hatte. Gespielt wurde bei der Feier auf ihren Wunsch hin Irving Berlins „Cheek to Cheek„, dessen Text mit der Zeile „Heaven, I’m in heaven“ beginnt. Bei der Beerdigungsfeier waren einige Größen der Londoner Unterwelt anwesend wie zum Beispiel der „Great Train Robber“ Buster Edwards.
Die Kray Zwillinge, Ronald und Reginald, die das organisierte Verbrechen Londons in den 1950er und 1960er Jahren beherrschten, hatten Shirley Pitts unter ihre Fittiche genommen, die aus sehr problematischen Verhältnissen stammte. Die Mutter war Alkoholikerin, der Vater saß im Gefängnis, wo er auch starb, einer ihrer Brüder war Bankräuber, ein anderer saß wegen Entführung im Gefängnis. So begann die kleine Shirley schon in jungen Jahren zu stehlen, eine Kunst, die sie später als „Queen of Shoplifting“ zur Vollendung brachte. Sie hatte sieben Kinder von drei Vätern.

Lorraine Gammon schrieb eine Biografie über sie mit dem Titel „Gone Shopping: The Story of Shirley Pitts – Queen of Thieves„, das 1995 in der legendären Londoner Krimibuchhandlung „Murder One“ in der Charing Cross Road seine Premiere feierte (leider wurde die Buchhandlung vor Jahren geschlossen, ich habe sie noch besuchen können). Kurz vor ihrem Tod hatte Shirley Pitts ihre Lebensgeschichte Lorraine Gammon erzählt. Teure Kleider, edler Champagner bildeten einen Eckpfeiler ihres Lebens, mehrere Gefängnisaufenthalte den anderen.
Hier ist ein Film über Shirley Pitts.

Harrod’s, wo Shirley Pitts gern auf ihre Weise einkaufte.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: