Chief Long Wolf und das leere Grab eines Sioux-Indianers auf dem Londoner Brompton Cemetery

Der Brompton Cemetery, mitten in London gelegen, gehört zu den sogenannten Magnificent Seven, den sieben schönsten Friedhöfen der Stadt. 1839 wurde er eröffnet, und er soll rund 35 000 Gräber beherbergen. Eines davon ist einem Mann gewidmet, der 1892 in London starb und eigentlich wo ganz anders hingehörte: Es handelt sich um das Grab von Long Wolf, einem Oglala-Sioux-Häuptling, der 1876 bei der Schlacht von Little Bighorn gegen General Custer und seine Truppen kämpfte. Wie kam der Mann vom Schlachtfeld in Montana in die britische Hauptstadt? Long Wolf schloss sich, um Repressalien nach der Schlacht zu entgehen, Buffalo Bill Cody’s Wild West Show an, die durch die USA und Europa tourte. Die Show war auch in Großbritannien zu sehen und erfreute sich großer Beliebtheit. Während des Aufenthaltes in London, wo Buffalo Bill und seine Mannen in Earl’s Court auftraten, starb Long Wolf, wahrscheinlich an den Auswirkungen einer Lungenentzündung. Das Londoner Klima ist seiner Gesundheit wohl nicht bekommen, war er doch die klare Luft der Great Plains in Nordamerika gewöhnt war.

Long Wolf wurde also auf dem Brompton Cemetery beigesetzt. Ein Wolf auf dem Grabstein erinnerte an den einstigen Indianerhäuptling, wofür Buffalo Bill seinerzeit sorgte. Und da würde er wohl noch heute liegen, wenn nicht zufällig Elizabeth Knight, eine Hausfrau aus Worcestershire, ein Buch von  Robert Cunningham Grahame über nordamerikanische Indianer gelesen und darin die Geschichte von Long Wolf gefunden hätte. Sie besuchte das Grab in London und war von dem Schicksal des Indianers so berührt, dass sie seine Enkelin Jessie Black Feather in den USA kontaktierte. Diese setzte sich sofort dafür ein, dass die sterblichen Überreste ihres Großvaters in den Wolf Creek Community Cemetery im Pine Ridge Reservat im Bundesstaat South Dakota überführt wurden, was 1997 geschah. Als man das Grab in London öffnete, fand man über dem Sarg von Long Wolf noch einen weiteren, in dem ein kleines Indianermädchen namens White Star lag, die ebenfalls zu Buffalo Bill’s Wild West Show gehörte und damals vom Pferd gefallen war und starb. Man nahm auch ihre Überreste mit nach South Dakota und setzte sie zusammen mit Long Wolf in dem selben Grab bei.

Long Wolfs leere Grabstätte liegt noch heute auf dem Brompton Cemetery und ist an dem in den Grabstein eingelassenen Wolf zu erkennen.

Hier ist ein Film über die Feierlichkeiten anlässlich von Long Wolfs Überführung, die in der Londoner St Luke’s Church stattfanden.

 

Published in: on 25. März 2019 at 02:00  Comments (2)  
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