John Ruskin (1819-1900), ein englischer Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker, der durch den Anblick weiblicher Schamhaare, die Lust am Sex verloren haben soll

John Ruskin (1819-1900) war ein vielseitig begabter Mann, der in der viktorianischen Zeit durch seine Arbeiten als Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker auf sich aufmerksam machte. Zu seinen Hauptwerken zählt das mehrbändige Werk  „Modern Painters„, eine Geschichte der modernen Malerei.

So großartig sein Werk damals im 19. Jahrhundert auch gewesen war, so stellt sich Ruskins Privatleben etwas merkwürdig dar. 1848 heiratete er im Alter von 29 Jahren die 19-jährige Euphemia Chalmers Gray, kurz Effie Gray genannt. Nun sollte man annehmen, dass, wenn ein Bräutigam seine Braut zum ersten Mal nackt sieht, sich bei ihm deutliche Regungen zeigen und es ihn danach drängt, mit ihr ins Bett zu gehen. Bei dem lieben John war die Reaktion eine ganz andere: Er war geschockt von dem Anblick, der sich ihm bot, denn er war nicht darauf gefasst, dass seine Ehefrau Schamhaare hatte. Offenbar, wie manche seiner Biografen behaupten, kannte Ruskin nackte Frauen nur in Form von Statuen, und diese von Bildhauern geschaffenen Damen hatten üblicherweise keine Schamhaare. Auf jeden Fall fand er seine behaarte Frau so abtörnend, dass er niemals in der gemeinsamen Zeit „die Ehe vollzog“, was ihm aber nicht besonders schwer gefallen ist, im Gegensatz zu Effie, der das schon zu schaffen machte.
Auf ihrer Venedigreise interessierte sich Ruskin nur für seine Malerei, während Effie von der Männerwelt umworben wurde, denn sie war eine attraktive, junge Frau. Doch sie war standhaft und ließ sich auf keine Affäre ein, denn als sie sich 1854 von ihrem Mann scheiden ließ, war sie noch immer Jungfrau, was sich aber bald ändern sollte, denn schon ein Jahr später ging sie die Ehe mit dem Prä-Raffaeliten John Everett Millais ein und da ging es wohl richtig zur Sache (Effie hatte Nachholbedarf), denn sie gebar von 1856 bis 1868 acht Kinder.

Ruskins Privatleben war nach wie vor recht problematisch, denn er hatte offensichtlich eine Vorliebe für sehr junge Mädchen. Rose La Touche war neun Jahre alt, als Ruskin ihr Privatlehrer war und es entwickelte sich im Lauf der Jahre eine romantische Beziehung zwischen den beiden, die darin gipfelte, dass er um ihre Hand anhielt. Roses Eltern lehnten das aber ab, weil sie von Effie gewarnt worden waren. Aus der Ehe wurde also nichts.
Auch Ruskins spätere Freundschaft mit Kate Greenaway schien sich auf rein platonischer Ebene abgespielt zu haben.

Das Thema Ruskin/Gray/Millais wurde mehrfach in Büchern, Filmen und sogar in einer Oper aufgegriffen („Modern Painters“, von dem US-Komponisten David Lang, 1995 uraufgeführt); zuletzt in dem atmosphärisch sehr dichten Film „Effie Gray“ (2014), hochkarätig besetzt mit Dakota Fanning als Effie, Greg Wise als John Ruskin und Tom Sturridge als John Everett Millais. Hier ist der Trailer.

Published in: on 30. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ein Besuch im Leeds Castle bei Maidstone in Kent, das in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert.

Wie oft bin ich schon am Leeds Castle in der Nähe von Maidstone in Kent vorbeigefahren, ohne es jemals zu besichtigen? Die Burg liegt dicht an der Autobahn M20, die zum Eurotunnel führt, und die Gelegenheit ergab sich auf der Rückfahrt einfach nie. So habe ich es mir bei meinem letzten Besuch in England im März vorgenommen, dort gleich nach der Ankunft einmal vorbeizuschauen. Leeds Castle nennt sich etwas großspurig „The loveliest castle in the world„, und das durfte ich mir nicht mehr länger entgehen lassen.

Leider war der Sonntagvormittag total verregnet und es pfiff ein eiskalter Wind durch das Parkgelände. An der Rezeption, die ziemlich weit von der Burg entfernt ist, wurde ich erst einmal £48 los, also ca 55 Euro für zwei Personen, ein ganz schön happiger Eintrittspreis. Die freundliche Dame an der Kasse sagte mir aber, dass die Tickets ein Jahr lang ihre Gültigkeit behalten, so dass man damit so oft man mag, Leeds Castle besuchen kann. OK, das relativiert den Ticketpreis natürlich.

Zur Burg kann man entweder zu Fuß über gewundene Wege im Park gehen (was mir empfohlen wurde) oder mit einer kleinen Bahn fahren. Wir entschieden uns trotz des schlechten Wetters auf die Empfehlung einzugehen. Der Park ist wirklich sehr hübsch und muss bei Sonnenschein noch sehr viel schöner aussehen. Nach ca 20 Minuten erreichten wir die von Wasser umgebene Burg und freuten uns, wieder ins Warme zu kommen. Im Gatehouse wird man über die Geschichte des alten Gemäuers informiert, das in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert. Dann musste man (leider) wieder ins Freie, um über mehrere Treppen ins Haupthaus zu gelangen. Für Gehbehinderte wird sich der Besuch der Burg als schwierig erweisen. Wieder im Trockenen angelangt, unternahmen wir die Besichtigung der vielen, attraktiven Räumlichkeiten der Wasserburg. Überall standen freundliche und mitteilsame Damen und Herren bereit, Fragen zu beantworten.

Auf die Geschichte von Leeds Castle möchte ich nicht weiter eingehen, die kann man in der Wikipedia nachlesen; was mich vor allem interessierte, war die Zeit der 1930er Jahre, als die damalige Besitzerin Olive, Lady Baillie (1899-1974) in der Burg rauschende Feste abhielt, bei denen jede Menge Prominenz aus Adel, Politik und Showbusiness anwesend war. Beispiele: Der Prince of Wales und Wallis Simpson, Antony Eden, Charlie Chaplin, Erroll Flynn und zahllose andere. Nach dem Ableben von Lady Baillie ging die Burg in den Besitz der Leeds Castle Foundation über, die Dame wollte sie nicht dem National Trust überlassen, der sicher nichts dagegen gehabt hätte.

Viele Filme, meist mit historischen Themen, wurden auf dem Gelände gedreht, der berühmteste sicher „Kind Hearts and Coronets“ (1949) mit Alec Guinness, in Deutschland als „Adel verpflichtet“ bekannt., zuletzt die „Games of Throne“-Parodie „Purge of Kingdoms“ (2019).

Anlässlich der 900-Jahr-Feier werden in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen angeboten wie ein Medieval Jousting Tournament (25. bis 27. Mai), ein Carnival of History (27. und 28. Juli) und ein Fireworks Spectacular (2. und 3. November). Gut, dass die Eintrittskarten ein Jahr lang gültig bleiben!

Im Leeds Castle befindet sich auch das kuriose Hundehalsbandmuseum, über das ich in meinem Blog einmal berichtete. Siehe auch meinen Bericht über die unterschiedlichen Übernachtungsarten auf de Gelände.

Leeds Castle
Maidstone, Kent ME17 1PL

In einem der Burgzimmer.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

 

Published in: on 29. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mozart, Beethoven & Co. im Einsatz gegen jugendliche Unruhestifter

Hier auf der District Line setzte Transport for London erstmals klassische Musik im Kampf gegen jugendliche Unruhestifter ein.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Es gibt bestimmte Plätze in einer Stadt, an denen sich gern jugendliche Unruhestifter versammeln und dazu gehören unter anderem U-Bahnhöfe, das ist auch in London so. In einer besonders betroffenen Station am Ende der District Line, Elm Park, wo sich häufig Gangmitglieder und Hoodies trafen, unternahm man im Jahr 2003 ein Experiment: Transport for London (TfL) spielte dort über Lautsprecher klassische Musik ein…und siehe da: Mozart, Beethoven & Co vertrieben die Jugendlichen, das „Anti-social behaviour“ wurde eingedämmt, Straftaten gingen zurück. Warum? Offensichtlich war diese Musik nichts für auf Gangsta Rap eingestellte Ohren, also zogen viele von dannen, um sich irgendwo anders zu treffen. Die U-Bahnpassagiere atmeten auf und fanden die Idee großartig. TfL weitete diese Maßnahme auf zahlreiche andere Stationen aus, mit dem gleichen Effekt. Die Idee wurde übernommen vom Tyne and Wear Metro System im Nordosten Englands, das schon 1997 damit experimentierte und gute Resultate erzielt hatte.

Aber nicht nur in U-Bahnen wurde die „Waffe“ Klassische Musik eingesetzt, auch bei McDonald’s, einem weiteren beliebten Hotspot für Vandalen und Krawallmacher, war das der Fall. In einem Burger Restaurant in Shepherd’s Bush ging es besonders schlimm zu. Dort wurden Drogengeschäfte abgewickelt, es kam zu Schlägereien und immer wieder wurde die Polizei gerufen, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.. Nachdem die Geschäftsführung von McDonald’s in dieser Filiale das kostenfreie W-LAN abgestellt und klassische Musik eingespielt hatte, gingen die Straftaten und das Rowdytum drastisch zurück, und die „Normalgäste“ konnten ihre Big Macs wieder in Ruhe essen (hier ist ein Film über diese Filiale). Die Restaurantkette weitete diese Maßnahme auf andere Filialen im Land aus, und so kamen Gäste in Cambridge, Liverpool und Huddersfield, um nur einige zu nennen, ab dem frühen Abend in den Genuss der Musik von Mozart, Bach und anderen Meistern der klassischen Musik.

Dieser Film zeigt ein Beispiel aus der Londoner U-Bahnstation Kilburn Park.

Published in: on 28. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Whipsnade Tree Cathedral – Eine Kathedrale aus Büschen und Bäumen in Bedfordshire

Der kleine Ort Whipsnade im Süden Bedfordshires hat drei Besonderheiten vorzuweisen: Hier liegt der berühmte ZSL Whipsnade Zoo, auf einem Hügelhang findet sich der Whipsnade White Lion (s. hierzu meinen Blogeintrag) und dann gibt es hier noch die Tree Cathedral zu sehen, nicht schlecht für ein Dorf mit ca 500 Einwohnern.

Die Whipsnade Tree Cathedral ist ein Park, der in der Form einer Kathedrale gestaltet ist. 1932 wurde mit der Anlage begonnen. Ein gewisser Edmond K. Blyth baute sie unter dem Motto „Glaube, Hoffnung und Versöhnung“ in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, in dem er mehrere seiner Freunde verloren hatte.
Die Waldkathedrale wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht weiter gepflegt und verwilderte schnell. Nach Kriegsende nahm man sich ihr wieder an, so dass im Jahr 1953 der erste Gottesdienst abgehalten werden konnte. 1960 ging das grüne Gotteshaus in die Hände des National Trusts über und steht heute allen Religionen für Andachten zur Verfügung.

Unterschiedliche Baumarten symbolisieren die Teile der Kathedrale, Rosskastanien bilden z.B. das Querschiff, Eichen den südlichen Eingang und das Hauptschiff und Eschen die Kreuzgänge. Den besten Überblick über die Anlage erhält man sicher, wenn man die Tree Cathedral von der Luft aus sieht.

Verwaltet wird diese besondere Kathedrale vom Whipsnade Tree Cathedral Fund.

Trustees c/o Chapel Farm
Whipsnade
Dunstable, Bedfordshire, LU6 2LL

 

Published in: on 27. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Purdey & Sons – Londons berühmter Hersteller von Jagdwaffen

Audley House in Mayfair.
Author: Joshua Wood
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57-58 South Audley Street (Audley House), London, lautet die Adresse des Waffenherstellers Purdey & Sons im noblen Stadtteil Mayfair und das schon seit 1882, obwohl die Firma schon länger existiert und zwar seit 1814. James Purdey war der Gründer der Firma, die bis zum Jahr 1946 in der Hand der Familie blieb. Heute ist sie im Besitz des Schweizer Luxusgüterkonzerns Compagnie Financière Richemont.

Wer sich den Jagdfreuden hingab bzw. noch heute hingibt, für den ist eine Waffe aus dem Hause Purdey das Nonplusultra, wenn er sich es denn leisten kann, denn die „bespoke rifles“, also die nach den Wünschen des Auftraggebers hergestellten Waffen, sind sehr teuer. Für eine neue Purdey Gun sollte man schon ein Minimum von rund £90 000 einkalkulieren. Zum Service der Firma gehört auf Wunsch auch die sichere Aufbewahrung der Gewehre, die Wartung und Pflege und die Wertermittlung älterer Modelle.

Royal Warrants sind für eine Firma natürlich Gold wert. Hoflieferant ist auch Purdey & Sons, und zwar gleich dreimal: Für die Queen, ihren Ehemann Prinz Philip und für Prinz Charles. Schon 1868 erkor der damalige Prince of Wales (der spätere Edward VII.) Purdey zum royalen Waffenlieferanten, 1878 folgte Queen Victoria.

Die Firma bietet neben ihren Schusswaffen auch noch andere „Jagdaccessoires“ an wie Jagdmesser (deren Preise schon einmal vierstellig sein können), Ferngläser, Handschuhe, Kappen und entsprechende Kleidung für die Dame und den Herrn, alles zu recht hohen Preisen, aber wer sich ein Purdey-Gewehr leisten kann, für den spielt das keine so große Rolle.

Hier ist ein Film, der die Firma vorstellt.

Das Buch zum Artikel:
Donald Dallas: James Purdey & Sons – Gun & Riflemakers: Two Hundred Years of Excellence. Quiller Publishing 2013. 472 Seiten. ISBN 978-1846891649.

Ein Blick in das Schaufenster von Purdey & Sons in der Audley Street.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Eine sidelock shotgun der Firma Purdey.
Photo © Des Colhoun (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Theodor Fontanes Traumorte – Eine besondere Zeitreise von England über Dänemark und Frankreich nach Italien

Foto meines Exemplares.

2019 ist das Theodor Fontane-Jahr, denn der Schriftsteller wurde vor 200 Jahren geboren, genauer gesagt am 30. Dezember 1819 in Neuruppin. Allein in Brandenburg, in dem Neuruppin liegt, gibt es in diesem Jahr eine Fülle von Veranstaltungen, die man hier einsehen kann.

Aus Anlass des  Fontane-Jahres hat Luise Berg-Ehlers kürzlich ein Buch veröffentlicht, das den Titel „Theodor Fontanes Traumorte – Eine besondere Zeitreise von England über Dänemark und Frankreich nach Italien“ trägt und in dem sie sich mit den Aktivitäten des Schriftstellers außerhalb Deutschlands beschäftigt. Die Autorin des Buches ist Fontane-Spezialistin, sie hat über ihn promoviert und war Gründungsmitglied der Theodor-Fontane-Gesellschaft Potsdam. Mehrere Jahre lang war sie die 2. Vorsitzende der Gesellschaft.

Wir erfahren also in diesem Buch aus berufenem Mund, dass Fontane auch einige Reisen nach England unternommen hat und von 1855 bis 1859 in London lebte. Diese Zeit hatte einen starken Einfluss auf Fontane, denn „Das Leben in der Millionenstadt ändert seinen Blick auf die Welt nachhaltig und bewirkt, dass er märkischer Provinzialität entwächst„. Vieles gefiel ihm in diesem Land, einiges aber auch nicht, wozu unter anderem die englische Küche gehörte, die er ziemlich verabscheut. Zu seinen Stammlokalen in der britischen Hauptstadt gehörte das Simpson’s-in-the-Strand, das noch heute existiert und eine Institution in London ist. „British classics perfected since 1828“ liest man auf der Homepage des Restaurants, wozu zum Beispiel der Sunday Roast gehört, doch auch dem konnte Fontane nicht viel abgewinnen.

Von 1857 bis 1858 wohnte der Schriftsteller in der St Augustine’s Road Nummer 6 im Norden Londons, einem kleinen schmalen Haus, das mit einer blauen Plakette verziert ist, die an den Wohnort des Schriftstellers erinnert. Der deutsche Botschafter in London Thomas Matussek (von 2002 bis 2006) nahm an der Enthüllung der Plakette teil.

Das erste Kapitel „Die Insel der Briten nicht nur mit der Seele suchend“ beschäftigt sich also mit Fontanes Beziehung zu Großbritannien, die folgenden Kapitel begleiten den Schriftsteller auf seinen Reisen nach Dänemark, Frankreich und Italien.

Wie immer sind die Bücher von Luise Berg-Ehlers auch visuell sehr ansprechend gestaltet und beinhalten zahlreiche Fotos, die sie auf ihren Reisen selbst aufgenommen hat. Ich stellte in meinem Blog bereits drei ihrer auf England bezogenen Bücher vor: „Mit Virginia Woolf durch England„, „Extravagante Engländerinnen“ und „Mit Miss Marple aufs Land„.

Luise Berg-Ehlers: Theodor Fontanes Traumorte – Eine besondere Zeitreise von England über Dänemark und Frankreich nach Italien. Elisabeth Sandmann-Verlag 2019. 136 Seiten. ISBN 978-3-945543-63-4.

Fontanes Haus in der St Augustine’s Road.
Copyright: London remembers.

 

Copyright: London remembers.

Fontanes Stammlokal in London: Simpson’s-in-the-Strand.
Author: Elisa.rolle
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Published in: on 25. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Churchill Arms in Kensington (London) – Einer der ungewöhnlichsten Pubs Englands

Truly British Eccentricity“ – Diese Worte prangen auf der Homepage des The Churchill Arms im Londoner Stadtteil Kensington, an der Ecke Kensington Church Street/Campden Street gelegen. Wenn man den Pub zum ersten Mal sieht, sei es im Sommer, sei es im Winter, reibt man sich die Augen und mag es kaum glauben: Im Sommer ist das Eckhaus über und über mit blühenden Pflanzen geschmückt, so dass die Hausmauern kaum noch zu erkennen sind, dazu wehen mehrere Union Jacks im Winde. Schon mehrere Male war The Churchill Arms Sieger im Wettbewerb London in Bloom. Zur Weihnachtszeit sieht der Pub nicht weniger überwältigend aus: Fast 100 Weihnachtsbäume und über 20 000 Lämpchen zieren ihn und machen ihn zu einem echten Hingucker. Das Pubschild zeigt Sir Winston Churchill mit seinem für ihn typischen Siegerzeichen und im Inneren des Hauses wird dem Staatsmann mit zahllosen Memorabilien gehuldigt. Seine Großeltern waren Stammgäste.

Hinter all dieser Exzentrität steckt Gerry O’Brien, der nach über 32 Jahren Landlord-Tätigkeit 2017 in den Ruhestand ging. Er machte The Churchill Arms zu dem, was er heute ist, zu einem der ungewöhnlichsten Pub des Landes. Gerry O’Brien fiel ständig etwas Neues ein, mit dem er seine Stammgäste bei der Stange hielt bzw. neue Gäste anlockte; so veranstaltete er am Geburtstag des Pub-Namensgebers Churchill Nights mit Live-Musik aus der Kriegszeit; viele Gäste kamen entsprechend uniformiert und es herrschte eine „Bombenstimmung“.

Im Laufe seiner Zeit als Gastwirt will Gerry O’Brien über zwei Millionen Pints von Fuller’s London Pride ausgeschenkt haben, das immer vorrätig ist, doch auch andere Biersorten der Brauerei Fuller’s sind an der Bar zu haben.

The Churchill Arms war der erste Londoner Pub, der in seinem Restaurant Thaispezialitäten anbot, serviert im nicht minder exzentrisch eingerichteten Butterfly Conservatory mit Mini-Wasserfall und lebenden Fischen.

Pubs wie dieser machen das Leben bunter, fröhlicher und genussreicher! Dieser Film zeigt mehr.

The Churchill Arms
119 Kensington Church Street
London W8 7LN

Christmas time is coming…
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

 

Lacock in Wiltshire – Ein National Trust Bilderbuchdorf und die hier gedrehten Filme

Die High Street mit dem Red Lion.
Photo © Michael Dibb (cc-by-sa/2.0)

Bei vielen Busrundreisen durch Südengland ist das Dorf Lacock in Wiltshire ein fester Bestandteil wie Stonehenge und Avebury. Kein Wunder, denn hier sieht es genauso aus wie man sich ein typisch englisches Dorf vorstellt. Es gibt eine hübsch anzuschauende Parish Church, die dem Heiligen Cyriacus gewidmet ist, einige Pubs wie den Red Lion an der High Street, einen Dorfladen mit Postamt, ebenfalls an der High Street, und jede Menge fotogener Häuser. Dieser Film vermittelt einen ersten Eindruck.

Bekannt war Lacock ursprünglich  durch seine Abtei, die unter Heinrich VIII. aufgelöst wurde, und später durch den berühmten Fotopionier William Henry Fox Talbot (1800-1877), der in dem Dorf wirkte und auch starb (sein Grab findet man auf dem Kirchhof des Ortes). 1944 ging Lacock in den Besitz des National Trust über. Ein N.T. Shop liegt gleich gegenüber vom Red Lion.

Der Name Lacock ist in den Gehirnwindungen wohl aller britischen Location Manager fest verankert, die dafür verantwortlich sind, Orte auszukundschaften, in denen Filme gedreht werden sollen. Werden für Straßenszenen historischer Filme entsprechende Plätze gesucht, so bieten sich die High Street, die West Street und die Church Street an, die ihren Charakter erhalten haben. Hier habe ich einmal einige (wenige) Filme zusammengestellt, die zum Teil in Lacock gedreht wurden.

Die „Harry Potter„-Filmcrews waren mehrfach in dem Dorf zu Gast, um hier zu drehen, für den „Stein der Weisen“, die „Kammer des Schreckens“ und den „Halbblutprinz“ wie in diesem Clip zu sehen ist.

Für die Verfilmungen von Janes Austens Romanen drängt sich Lacock förmlich auf, und so drehte die BBC hier 1995 „Pride and Prejudice“ (alle Drehorte zeigt dieser Film).

Für die TV-Serie „Wolf Hall“ (2015), nach dem gleichnamigen Roman von Hilary Mantel, wurde die Abtei des Ortes für Aufnahmen verwendet.

Im vorigen Jahr kam der Fantasyfilm „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald„, in Deutschland „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“, in die Kinos und da mussten die Location Manager nicht lange suchen…

Die populäre und mit mehreren BAFTA-Preisen ausgezeichnete BBC-TV-Serie „Cranford“ (2007) wurde zu großen Teilen in der High Street und in der Church Street von Lacock gedreht. Für die dreiteilige Fernsehserie „Doctor Thorne“ aus dem Jahr 2016 (ich berichtete in meinem Blog darüber) kamen Filmcrews hierher wie auch für die 2. Episode der 6. Staffel von „Downton Abbey“ (2015).

Den National Trust freut es, dass an ihrem Dorf so großes Interesse von Seiten der Filmindustrie besteht, denn es bringt Geld in seine Kasse… und die Besucherströme reißen nicht ab.

Dorfladen und Postamt in der High Street.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Die Church Street.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Lacock Abbey.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. April 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Oldbury-on-Severn (South Gloucestershire) – Ein Dorf mit einer schönen und mit einer hässlichen Seite

St Arilda’s Church in Oldbury-on-Severn. – Eigenes Foto

Nur wenige Kilometer hinter meinem englischen Lieblingshotel, dem Thornbury Castle in South Gloucestershire, schlängeln sich kleine Straßen zur Mündung des Severn. Hier liegt ein kleiner Ort namens Oldbury-on-Severn, der Heimat eines großen Atomkraftwerks ist/war, der Oldbury Nuclear Power Station. 1967 ging der erste der beiden Reaktoren ans Netz, der zweite folgte ein Jahr später. Vor einigen Jahren ist es dem Kraftwerk an den Kragen gegangen, denn ein Reaktor wurde am 30. Juni 2011 abgeschaltet, der zweite folgte am 29.02.2012. Der wenig schöne Anblick des Kraftwerks wird aber noch viele Jahr erhalten bleiben, denn es dauert sehr lange, bis so eine Power Station komplett abgetragen ist. Die Energieriesen E.ON und RWE wollten zwar ein neues Atomkraftwerk, nur ein kleines Stück weiter nördlich von der alten Anlage entfernt, bauen, gaben ihre Pläne aber glücklicherweise auf.

Oldbury hat auch seine schönen Seiten, zum Beispiel die Kirche St Arilda’s, die oberhalb des Ortes liegt und von der aus man einen wunderschönen Blick auf die umliegende Landschaft, die Severnmündung und die Waliser Berge hat. Die Heilige Arilda soll im 5. Jahrhundert gelebt haben und ist eine örtliche Heilige, die sonst im Land unbekannt ist. Es gibt ganz in der Nähe, in Oldbury-on-the-Hill, noch eine weitere Kirche, die ebenfalls dieser Heiligen gewidmet ist, St Arild’s Church, die aber nicht mehr „in Betrieb“ ist. Achtung Verwechslungsgefahr!!

Ich kann diesen kleinen Ausflug zu St Arilda’s sehr empfehlen. Ein kleiner Friedhof umgibt die Kirche, es sind Bänke aufgestellt und es ist sehr ruhig hier oben. Wunderschön!!

Das Buch zum Artikel:
The Churchyard Book of Oldbury-on-Severn – A survey of the memorials with their inscriptions, situated in the upper churchyard and Church of St Arilda, Oldbury-on-Severn, South Gloucestershire. Oldbury-on-Severn Village History Group 2009. 350 Seiten. ISBN 978-0956286000.

Oldbury Power Station, die hässliche Seite…
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

…und die schöne Seite von Oldbury. Blick von St Arilda’s auf den Severn und die Waliser Berge. Eigenes Foto.

Reiter am Kriegerdenkmal, eine idyllische Szene im Dorf.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schriftsteller John Buchan (1875-1940) und Elsfield in Oxfordshire

The Manor in Elsfield (Oxfordshire) – Hier wohnte John Buchan.
Photo © Jon S (cc-by-sa/2.0)

Hätte John Buchan (1875-1940) im Jahr 1915 nicht den Roman „The Thirty-Nine Steps“ (dt. „Die neununddreißig Stufen“) geschrieben und hätte Alfred Hitchcock 1935 das Buch nicht verfilmt (hier ist der Trailer), würde möglicherweise heute kaum noch jemand den Schriftsteller kennen, der 1935 den Titel 1. Baron Tweedsmuir erhielt. Dieses Buch machte ihn berühmt.

Der gebürtige Schotte war u.a. Kriegsberichterstatter im 1. Weltkrieg, Chef des Britischen Geheimdienstes und Generalgouverneur von Kanada; seine besondere Liebe gehörte aber der Schriftstellerei. Buchan schrieb zahlreiche Abenteuer- und Kriminalromane, aber auch Sachbücher, so z.B. Bücher über Julius Caesar, Augustus und Oliver Cromwell. Eine ganze Reihe seiner Bücher sind heute noch im englischen Buchhandel lieferbar, in Deutschland nur noch „Die neununddreißig Stufen“.

John Buchan ließ sich von 1919 bis 1935 im Elsfield Manor in dem winzigen Dorf Elsfield nördlich von Oxford nieder. Über sein Leben in Oxfordshire ist einiges in seiner Autobiografie „Memory Hold the Door“ (1940) nachzulesen, das zu John F. Kennedys Lieblingsbüchern gehörte.
John Buchan starb 1940 in Kanada; seine Asche wurde nach England zurückgebracht und auf dem Friedhof von St Thomas of Canterbury in Elsfield, ganz in der Nähe seines früheren Wohnhauses, beigesetzt.

Um sein Andenken kümmert sich heute die John Buchan Society: „The Society is dedicated to providing a resource for those who want to know more about John Buchan, to provide information to scholars and to those who have recently discovered his works alike.“

Die kleine Gemeinde von Elsfield unterhält eine exzellente Homepage, auf der man vieles über das Leben der Buchan-Familie im Dorf nachlesen kann.

Das Buch zum Artikel:
Mildred Masheder: Carrier’s Cart to Oxford – Growing Up in the 1920s in the Oxfordshire Village of Elsfield. Wychwood Press 2008. 140 Seiten. ISBN 978-1902279282 (Im Buchhandel vergriffen, aber problemlos antiquarisch erhältlich).

John Buchans Grab auf dem Kirchhof von St Thomas of Canterbury.
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Londoner Caxton Hall, in der zahlreiche Prominente heirateten

Sir Winston Churchill spoke here at the former Caxton Hall 1937-1942“ kann man auf einer Plakette lesen, die rechts neben der Eingangstür eines imposanten Hauses in der Londoner Caxton Street angebracht ist, die sich im Stadtteil Westminster befindet. Sir Winston Churchill hielt zu dieser Zeit hier Pressekonferenzen ab.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trafen sich die Frauenrechtlerinnen der Women’s Social and Political Union regelmäßig in der Caxton Hall zu Beginn der Parlamentssitzungen, um hier ein Frauenparlament zu veranstalten.
1967 wurde in dem Haus in der Caxton Street die rechtsradikale National Front-Partei gegründet.
In den Blickpunkt der Öffentlichkeit geriet die Caxton Hall aber vor allem, weil in der Zeit von 1933 bis 1978 hier das Standesamt untergebracht war, das sich viele Prominente für ihre Eheschließungen aussuchten. Einige Beispiele:

1937 schloss der berühmte Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin mit der 19jährigen Nola Nicholas den Bund fürs Leben, ein Bund, der aber nur 10 Jahre hielt.

Sir Winston Churchills Sohn Randolph heiratete in zweiter Ehe 1948 June Osborne in der Caxton Hall.

Anthony Eden, der zukünftige Premierminister, und Clarissa Spencer-Churchill, Tochter des jüngeren Bruders von Sir Winston Churchill,  traten 1952 vor den Standesbeamten der Caxton Hall und schlossen eine Ehe, die bis zu seinem Tode 1977 hielt.

Am 11. Februar 1965 schlossen der 24jährige Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr und die 18jährige Maureen Cox die Ehe, die zehn Jahre später wieder aufgelöst wurde.

Der Popsänger Adam Faith heiratete Jackie Irving im Jahr 1967, und die beiden blieben bis zu Adams Tod im Jahr 2003 zusammen.

Barry Gibb von den Bee Gees und Linda Gray heirateten am 3. September 1970 und die Ehe hält nach fast 50 Jahren noch immer

Am 27. August 1970 betraten der Schauspieler Peter Sellers und Miranda Quarry das Standesamt, um es miteinander zu versuchen. Die Ehe dauerte nur bis 1974.

In der TV-Serie „Downton Abbey“ heiratet in der 8. Episode der 5. Staffel Rose MacClare ihren Atticus Aldridge in der Caxton Hall. Freunde der Serie erinnern sich vielleicht noch.

Heute sind in dem Gebäude Wohnungen und Büros untergebracht.

Published in: on 20. April 2019 at 00:00  Comments (2)  
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Meine Lieblings-Pubs: The Old Swanne Inne in Evesham (Worcestershire)

Eigenes Foto.

Ich glaube, ich habe mich in einem keinen anderen Ort Englands so häufig aufgehalten wie in Evesham in der Grafschaft Worcestershire, mehrere Male im Bengeworth Manor, einem Cottage, und mehrere Male im Evesham Hotel, das wohl exzentrischste Hotel auf der Insel, dessen Besitzer es leider vor wenigen Jahren verkauft hat. Wenn ich in der Nähe von Evesham bin, mache ich gern wieder einmal einen Abstecher in die Stadt, so auch vor kurzem im März. Verändert hat sich kaum etwas im Laufe der Jahre, es gibt nach wie vor so einige Leerstände von Geschäften, das Aldi im Swan Lane scheint zu florieren und der Pub The Old Swanne Inne an der Ecke Swan Lane/High Street war zur Mittagszeit an einem Sonntag randvoll. Wer mag, kann bei schönem Wetter draußen vor der Tür sitzen und sich den Verkehr auf der High Street ansehen oder drinnen an einem der Tische Platz nehmen und sich die Speisekarte vornehmen. Im Pub gibt es Thementage, an denen jeweils spezielle Speisen angeboten werden: Am Dienstag Steaks, am Mittwoch Chicken, am Freitag Fisch und am Sonntag gibt es einen Brunch. Zusätzlich enthält die Karte eine Vielzahl an Currygerichten.

The Old Swanne Inne gehört zu der Kette der Wetherspoon Pubs, einem börsennotierten, 1979 gegründeten Unternehmen, das stark expandiert und rund 900 Pubs im Portfolio hat. Der Gasthof kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und überall in den Räumen sind Dokumente aufgehängt, die von Eveshams Vergangenheit erzählen. Wir saßen gegenüber von einem eingerahmten Bild von George May, einem Geschäftsmann aus dem 19. Jahrhundert, der 1834 die erste Geschichte der Stadt Evesham schrieb und dem man im Jahr 2012 ein Memorial errichtet hat.

Es ging zwar an diesem Sonntagmittag recht laut zu, ein Tisch nebenan mit unentwegt laut lachenden Mädchen störte etwas, aber ich mag den Pub und kann einen Besuch empfehlen.

The Old Swanne Inne
66 High Street
Evesham
WorcestershireWR11 4HG

Published in: on 19. April 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Peter Ackroyd: Die Themse – Biographie eines Flusses

Foto meines Exemplares. Ich besitze nur die deutsche Übersetzung.

Foto meines Exemplares 

In meinem Blog habe ich schon mehrere Bücher vorgestellt, die sich mit der Themse beschäftigen, so z.B. Christopher Winn, Derry Brabbs und Hans-Günter Semsek.  Das Nonplusultra aller Themse-Bücher bisher ist aber sicher Peter Ackroyds umfangreiche Darstellung „Thames, Sacred River“ aus dem Jahr 2007, die auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Die Themse: Biographie eines Flusses“ (Knaus-Verlag 2008) vorliegt.

Der mit Literaturpreisen überhäufte Peter Ackroyd hat u.a auch eine „Biografie“ über London geschrieben und sich in seinen Büchern mit Thomas More und Charles Dickens auseinandergesetzt.

In seinem Themse-Buch präsentiert er den Fluss von seiner Quelle bei Cirencester bis zur Mündung in die Nordsee, von den Anfängen vor 170 Millionen Jahren bis heute. Unter allen erdenklichen Gesichtspunkten hat Ackroyd die Themse untersucht:
– Der Fluss in der Kunst
– Der Fluss des Kommerzes
– Der Fluss der Arbeit
– Der Fluss des Todes

Ackroyds Themse-Biografie ist ein gewaltiges Werk von über 500 Seiten, davon 7 Seiten Bibliografie; darin steckt ein enormer Aufwand an Recherchearbeit, aber das kennt man ja von dem Autor, dessen Buch über London 800 Seiten umfasst.
Wer sich für die Themse interessiert, dem kann ich dieses Standardwerk sehr empfehlen!

In diesem Film stellt Peter Ackroyd sein Buch vor.

Peter Ackroyd: Thames, Sacred River. Chatto & Windus 2007. 512 Seiten. ISBN 978-0701172848.

Die Themse bei Water Oakley in Berkshire. – Eigenes Foto.

Published in: on 18. April 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Hampstead Heath (London) und seine drei Badeseen

Der Badesee für alle Geschlechter.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Hampstead Heath im Norden Londons ist ein großes Erholungsgebiet, in dem man Spazierengehen, Joggen, Nordic Walken und viele andere Sportarten ausüben kann. Auch für Schwimmer hat Hampstead Heath einiges zu bieten. Wer die gechlorten Schwimmbecken der Stadt nicht mag, der kann einen der drei Badeseen aufsuchen und dort in freier Natur seine Bahnen ziehen.

Die Hampstead Ponds werden von dem River Fleet gespeist, der sich etwas später in den Untergrund absetzt und sich schließlich in die Themse ergießt. Das Besondere an den drei Badeseen ist, dass zwei von ihnen geschlechtergetrennt sind und einer sowohl für weibliche als auch für männliche Badegäste freigegeben ist. Kinder unter 8 Jahren sind hier „off limits“, 8- bis 15-jährige müssen in Begleitung eines Erwachsenen sein. Die City of London Corporation, in deren Zuständigkeitsbereich die Badeseen fallen, wollte sie Mitte der 1980er Jahre schließen, weil sie ihrer Meinung nach ein Gesundheitsrisiko für die Schwimmer darstellten, wogegen diese aber energisch protestierten und gerichtlich gegen diese Entscheidung vorgingen. Sie erhielten Recht und konnten weiterhin die kleinen Seen benutzen.

Noch einmal gab es Ärger mit der City of London Corporation und zwar mit einigen Damen des „female ponds“. Die Behörde wollte diesen Badesee auch für Transgender-Frauen zulassen, wogegen sich ein Teil der in der Kenwood Ladies‘ Pond Association organisierten  Mitglieder sträubten und gegen diese Regelung protestierten; sie wollten ihren See auch weiterhin für „Ladies Only“ haben und keine Transsexuellen akzeptieren, womit sie sich aber nicht durchsetzen konnten. Der See ist der einzige seiner Art in Großbritannien, der nur für Damen zugelassen ist.

Es gibt übrigens eine ganze Reihe von Schwimmern, die auch im Winter in Hampstead Heath in das eiskalte Wasser steigen wie dieser Film zeigt.

Der „Men Only“ Pond.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Der Ladies‘ Pond.
Author: Denni Schnapp
Creative Commons 2.0

Published in: on 17. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Dawlish Sea Wall in Devon – Gebaut von Isambard Kingdom Brunel

„Für einen Ingenieur gibt es das Wort Unmöglich nicht“, war ein Leitsatz Isambard Kingdom Brunels, der im 19. Jahrhundert Eisenbahnlinien, Brücken und Schiffe baute. So war er auch für den Bau der South Devon Railway verantwortlich, einer Linie, die von Exeter nach Plymouth führte und deren erstes Teilstück 1846 eröffnet wurde. Die Strecke von Exeter nach Newton Abbot war als atmosphärische Eisenbahn geplant, eine neue Technik, die sich aber bald als zu kostspielig im Unterhalt erwies. Auf diesem Abschnitt findet sich auch die Dawlish Sea Wall, eine landschaftlich besonders schöne Strecke, die direkt an der Küste entlangführt. Eisenbahnenthusiasten meinen sogar, dass es sich hier um eine der eindrucksvollsten Linien der Welt handelt.

Es liegt auf der Hand, dass der Unterhalt der Bahnlinie sehr teuer ist, die so dicht am Meer und an den Klippen vorbeiführt. Die Rede ist von von £9 Millionen, die in den letzten Jahren für die Sicherheit ausgegeben wurden. Bei stürmischen Wetter kann es vorkommen, dass die Wellen bis über die Schienen, ja sogar bis über die Eisenbahnwaggons schlagen und bei besonders extremen Wetterlagen muss die Strecke geschlossen werden.

Am 4 Februar 2014 war es besonders schlimm. Ein Sturm und ein sehr hoher Wellengang spülten 40 Meter von der Mauer weg, so dass die Bahnlinie geschlossen werden musste. Nach zwei Monaten konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Ein Pub in Starcross, der direkt an der Eisenbahnlinie liegt, erinnert noch an die frühen Brunelschen Tage und seine damals aufsehenerregende Antriebstechnik: The Atmospheric Railway Inn.

Wie die Dawlish Sea Wall bei Sturm aussieht, zeigt dieser Film und hier ist noch ein Ausschnitt aus der großartigen BBC-Dokumentation „Coast„.

Das Buch zum Artikel:
Colin J. Marsden: Dawlish Sea Wall – The Railway between Exeter and Newton Abbot. Ian Allen 2009. 96 Seiten. ISBN 978-0711033740.

The Atmospheric Railway Inn in Starcross (Devon).
Photo © Richard Rogerson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Suffolk Punch – Eine Pferderasse, die schon fast ausgestorben war

Um ein Haar war die Suffolk Punch genannte Pferderasse in den 1960er Jahren ausgestorben. Die schweren Arbeitspferde waren in der Landwirtschaft eingesetzt und je mehr Maschinen ihre Arbeit übernahmen, umso weniger wurden sie gebraucht. Bis zu einer Tonne schwer können diese Pferde werden, und sie besitzen eine enorme Zugkraft, daher waren sie bei Farmern sehr beliebt.

Heute kümmert sich der Suffolk Punch Trust in Hollesley bei Woodbridge um diese Tiere, die hier am Woodbridge Walk gezüchtet werden (die Straße führt zum Gefängnis Ihrer Majestät HMP Hollesley Bay). Der Trust unterhält ein Besucherzentrum, in dem ein kleines Museum untergebracht ist mit Ausstellungsstücken rund um die Pferderasse und mit landwirtschaftlichen Maschinen und anderen Gegenständen. Die Besucher können sich die Suffolk Punch Pferde ansehen, die Namen tragen wie Easton Bill („will accept a cuddle when nobody is looking“), Colony Calypso („one cheeky little girl“) und May („lovely little girl who has a big heart“). Für £15 kann man auch einige der Pferde adoptieren, das heißt, man wird dann regelmäßig über die Verfassung „seines“ Pferdes informiert, erhält ein Adoptionszertifikat und ein Foto des Tieres. Hier ist ein Film über den Trust.

Eine weitere Organisation, die sich mit der Zucht dieser besonderen Pferde befasst, ist die Suffolk Horse Society, die 1877 gegründet wurde und deren Büro in Rendlesham, nordöstlich von Woodbridge, zu finden ist. Sie definiert u.a. die Zuchtstandards und führt das Zuchtbuch für die Rasse.

Das Logo des Fußballvereins Ipswich Town F.C. in Suffolk, der in der English Football League Championship spielt, zeigt ein Suffolk Punch Pferd.

Dieser Film zeigt weitere Informationen über die Pferderasse.

Es gibt auch Pubs, die nach der Pferderasse benannt sind. Hier das Schild eines Pubs in Ipswich (Suffolk).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Winchester in Hampshire – Die glücklichste Stadt Englands

Winchester Cathedral.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Ende März wurde er wieder einmal veröffentlicht, der Happiness Index, von der Royal Mail erstellt. Dieser Index listet die Städte und Regionen in England, Schottland, Wales und Nordirland auf, in der sich die Menschen am wohlsten fühlen. Folgende Faktoren wurden in die Untersuchung einbezogen:

  • reported personal well-being
  •  life expectancy
  •  earnings
  •  inequality
  •  carbon emissions
  •  crime
  •  deprivation
  •  access to health services

And the winner is…Winchester in der Grafschaft Hampshire. Hier leben also die glücklichsten Menschen in England. Die Kathedralenstadt schneidet bei ihren Bewohnern hervorragend ab, sie haben ein relativ hohes Einkommen, es gibt nur wenig Armut und sie fühlen sich rundum wohl, trotz des innerstädtischen starken Verkehrsaufkommens. Winchester wurde schon mehrmals als ein besonders empfehlenswerter Wohnort ausgewiesen. So war die Stadt schon 2016 in der Channel 4 Sendereihe „The Best And Worst Places To Live In The UK“ Spitzenreiter, zehn Jahre später stand Winchester auf Platz 1 in der „Sunday Times Best Places To Live“-Liste.

1966 machte die New Vaudeville Band die Stadt auch außerhalb Großbritanniens mit ihrem Song „Winchester Cathedral“ bekannt. Auch in Frank TurnersWessex Boy“ steht die Stadt im Hampshire im Mittelpunkt. In diesem Film wird sie vom Tourist Information Centre vorgestellt.

Winchester hat rund 45 000 Einwohner, ist nur etwa hundert Kilometer von London entfernt und erfreut sich einer Partnerschaft mit der deutschen Stadt Gießen. Ein Besuch in der glücklichsten Stadt Englands ist also sehr zu empfehlen!

Auf Platz 2 des Happiness Index steht die Region Babergh in Suffolk, Platz 3 nimmt Rushcliffe in Nottinghamshire ein, der Chiltern District in Buckinghamshire ist auf Platz 4 zu finden und der fünfte Platz gehört dem Ribble Valley in Lancashire.

Impression aus der Altstadt.
Photo © Robin Drayton (cc-by-sa/2.0)

Das Butter Cross in der High Street.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Iain Sinclair: London Overground – A Day’s Walk around the Ginger Line

Foto meines Exemplares.

Man nennt das 2007 in Betrieb genommene Londoner S-Bahnnetz Overground auch Ginger Line, und entlang dieser Eisenbahnlinie geht, wandert, flaniert der Schriftsteller Iain Sinclair, in Gesellschaft von Andrew Kötting, dem wir in meinem Blog schon zweimal begegnet sind, als Produzent der Filme „Gallivant“ und „Swandown„. Iain Sinclair machte sich einen Namen, als er in seinem Buch „London Orbital“ seine Wanderung entlang der Autobahn M25 um London herum beschrieb.

Nun also hat er sich in seinem Buch „London Overground – A Day’s Walk around the Ginger Line“ also die London S-Bahnlinie vorgenommen. Die Zeitung The Independent nennt Sinclair treffend einen „peerless literary wanderer  and street-level cultural archaeologist“ und Scotland on Sunday seinen Schreibstil „edgy and hard-edged prose„. Das Buch ist streckenweise für den Nicht-Briten eine nicht ganz leichte Lektüre, denn Sinclairs Stil ist wortgewaltig und steckt voller Anspielungen, die manchmal nicht sofort nachvollziehbar sind.

Auf der Strecke treffen wir auf lebende und bereits verstorbene Künstler und Schriftsteller wie zum Beispiel auf J. G. Ballard (1930-2009), dessen frühe Werke „The Drowned World“ (dt. „Karneval der Alligatoren“ bzw. „Paradiese der Sonne“) und „Crystal World“ (dt. „Kristallwelt“) ich faszinierend fand. Sinclair begegnet dem Skulpturenkünstler Antony Gormley (Angel of the North), dem expressionistischen Maler Leon Kossoff, und er setzt sich mit Sigmund Freund auseinander, dessen ehemalige Wohnung, 20 Maresfield Gardens in Hampstead, in ein Museum umgewandelt wurde.

Das Buch ist eine hoch interessante Lektüre und erfordert Geduld und Bereitschaft, sich auf Sinclairs Stil einzustellen; ich benötigte einige Zeit, um in das Buch richtig einzutauchen.

Iain Sinclair: London Overground – A Day’s Walk around the Ginger Line. Penguin 2016. 257 Seiten. ISBN 978-0-241-97149-9. (Die gebundene Ausgabe erschien 2015 bei Hamish Hamilton).

Ein Zug der London Overground.
Author: mattbuck.
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Published in: on 13. April 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Clara Butt (1872-1936) – Eine Sängerin, deren Stimme bis über den Ärmelkanal zu hören gewesen sein soll

According to the Library of Congress, there are no known restrictions on the use of this photo.

Meine erste Begegnung mit der Altistin Clara Butt (1872 – 1936) war im The Springs Hotel bei North Stoke in Oxfordshire, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe und das leider 2014 geschlossen wurde. Dort war ein Zimmer nach ihr benannt, und ihr Geist sollte hin und wieder im Hotel gesehen worden sein.

Im The Springs las ich auch, dass man von Clara Butt sagte, ihre Stimme sei so gewaltig, dass man sie an einem klaren Tag bis über den Ärmelkanal hinweg hören konnte.
Geboren wurde Clara 1872 in Southwick in West Sussex und nachdem sie mit ihren Eltern nach Bristol gezogen war, erkannte man dort in ihrer Schule, dass sie eine großartige Stimme hatte und förderte sie dementsprechend. Ihre musikalische Ausbildung genoss sie u.a in Berlin und Paris.

Am 7. Dezember 1892 gab sie schließlich ihr Debut an der Londoner Royal Albert Hall mit Arthur Sullivans „The Golden Legend“. Der damalige Musikkritiker George Bernard Shaw äußerte sich von ihrem Auftritt begeistert: “ She far surpassed the utmost expectations that could reasonably be entertained„.

Clara Butt trat nur äußerst selten in Opern auf; sie bevorzugte Konzerthallen, die sie mit ihrer gewaltigen Stimme zum Erbeben bringen konnte. Ihr wurde nach dem 1. Weltkrieg der Titel DBE verliehen, Dame Commander of the Order of the British Empire, für ihre Verdienste, die sie sich während des Krieges erworben hatte.
Ihre letzten Lebensjahre standen unter keinem guten Stern: Ihre beiden Söhne starben sehr jung und sie selbst erkrankte an Krebs, wodurch sie an den Rollstuhl gefesselt war. Clara Butt starb am 23. Januar 1936 in ihrem Haus in North Stoke; ihre letzte Ruhestätte fand sie dort auf dem Kirchhof von St Mary’s.

Hier ist sie mit Elgars „Land of Hope and Glory“ zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Winifred Ponder: Clara Butt – Her Life Story. Da Capo Press 1978. 261 Seiten. ISBN 978-0306775291. (Reprint der Ausgabe von 1928).
Meines Wissens ist das die einzige Biografie, die über sie geschrieben wurde.

St Mary’s in North Stoke (Oxfordshire).
Photo © Bill Nicholls (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 12. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Eine Besichtigungstour durch die Greene King Brauerei in Bury St Edmunds (Suffolk)

Das Brauereigebäude in der Westgate Street.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Nachdem wir uns an einem eiskalten Märzvormittag in Bury St Edmunds (Suffolk) die Abbey Gardens und die Kathedrale angesehen und in der Pilgrim’s Kitchen auf dem Kathedralengelände geluncht hatten, gingen wir in das Brauereigebäude der Greene King Brewery, wo wir uns für eine Besichtigungstour angemeldet hatten (und tatsächlich einen Parkplatz direkt vor der Brauerei fanden). Startpunkt der Tour war das Beer Café, wo man alle Biere von Greene King kaufen und auch einige an der Theke probieren konnte. Wir wurden vom Personal sehr freundlich empfangen, was auch auf den Tourguide zutraf, ein ehemaliger Angestellter der Brauerei, der die Führung sehr humorvoll aufzog. Die fast nur aus Frauen bestehende Gruppe (bis auf zwei Ausnahmen) folgte interessiert den Ausführungen des Guides, der einiges über die Entstehungsgeschichte der Brauerei erzählte und uns dann auf einen Rundgang durch die Westgate Brewery mitnahm. Was sofort auffiel, war, dass kaum ein Mensch zu sehen war, das heißt, vieles von den Brauvorgängen läuft automatisch ab, so dass meistens pro Schicht nur drei Brauer erforderlich sind.

Greene King wird vorgeworfen, eine aggressive Übernahmepolitik kleinerer Brauereien zu betreiben; unser Führer meinte jedoch, dass die übernommenen Betriebe wie zum Beispiele Morland, Ridley’s und Belhaven selbst darum gebeten hätten, unter das Dach der Brauerei in Bury St Edmunds zu kommen.

Greene King unterhält im ganzen Land rund 2900 Pubs, Restaurants und Hotels, gehört also zu den Schwergewichten der Branche.

Auf der Tour wurde uns auch der MG gezeigt, nach dem eine der Biersorten, Old Speckled Hen benannt ist. Ich schrieb darüber vor einigen Jahren in meinem Blog.

Die Besichtigungstour, die £16 kostet, endete in einem Raum, in dem jeder nach Herzenslust alle Greene King-Biersorten ausprobieren konnte. Da mein Auto vor der Tür stand, kam das für mich leider nicht in Frage.

Greene King Brewery
Westgate Street
Bury St Edmunds
Suffolk
IP33 1QT

Drei Biersorten der Greene King Brewery.
Eigenes Foto.

Published in: on 11. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Warleggan in Cornwall und der exzentrische Reverend Frederick W. Densham

St Bartholomew's in Warleggan heute.   © Copyright roger geach and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Bartholomew’s in Warleggan heute.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright roger geach and
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Warleggan am Rande des Bodmin-Moores war einmal eines der abgelegensten Dörfer Cornwalls, bis man 1953 eine Straße dorthin baute. Wahrscheinlich hätte kein Mensch jemals etwas von diesem Mini-Dorf gehört, wenn es nicht einen Pastor gegeben hätte, der eindeutig in die Kategorie „Exzentriker“ gehörte.
Reverend Frederick W. Densham kam 1931 im Alter von 61 Jahren als neuer Pastor nach Warleggan und war von nun an für die Gemeinde St. Bartholomew’s zuständig. Probleme zeichneten sich schnell ab. Die religiösen Vorstellungen der konservativen Gemeindemitglieder deckten sich nicht mit denen des Reverends.
Der Pastor schaffte den traditionellen Kartenspieltag im Pfarrhaus ab, ebenso wie die Sonntagsschule. Er weigerte sich, seinen Schäfchen die Hand zu geben, und als er auch noch die Kirchenorgel abschaffen wollte, weil er keine Orgelmusik mochte, war das Maß voll für die Bewohner Warleggans. Von jetzt ab boykottierten sie die Kirche des Reverends. Einige besuchten anglikanische Kirchen in der Nachbarschaft, andere wiederum wandten sich der methodistischen Kirche zu. Auch eine Eingabe beim Bischof von Truro, Densham abzulösen, wurde abschlägig beschieden.
Reverend Densham störte sich nicht weiter an dem Boykott. Er ließ einen Stacheldrahtzaun um sein Haus ziehen und predigte sonntags eben allein in seiner Kirche, das heißt, er soll Pappkameraden auf die Kirchenstühle gesetzt haben, um dem Gottesdienst einen „normalen“ Anstrich zu geben.

Eines Tages fand man den einsiedlerischen Pastor tot in seinem Haus vor; er wurde 83 Jahre alt. Wieder ein Exzentriker weniger. Die damalige Rectory ist mittlerweile in Wohnungen aufgeteilt worden und soll „badly haunted“ sein.

Diese Geschichte bildete übrigens die Grundlage für den Spielfilm „ A Congregation of Ghosts(hier ein kurzer Ausschnitt), der im Jahr 2009 unter der Regie von Mark Collicott entstand, mit Edward Woodward in der Hauptrolle.

Der Kirchhof von St Bartholomew’s.
Photo © Eric Foster (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. April 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Meine Lieblings-Pubs: The Queen Victoria Inn in Priddy (Somerset)

Eigenes Foto.

Den kleinen Ort Priddy in den Mendip Hills in Somerset, ganz in der Nähe der berühmten Cheddar Gorge gelegen, suchte ich vor vielen Jahren einmal auf, um dort in The Miner’s Arms dessen Spezialität, das Champagnerbier, zu probieren. Leider gibt es den Pub heute nicht mehr, er wurde geschlossen. Daher besuchte ich jetzt im März einen anderen Pub in Priddy, The Queen Victoria Inn, der mir auch gut gefiel. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es das Gasthaus schon, von dessen ursprünglicher Einrichtung einiges erhalten geblieben ist wie die Deckenbalken und die großen Kamine. Ein Schild mit der Aufschrift „All Welcome. Children, Dogs & Muddy Boots“ zeigt, dass hier jeder gern gesehen wird. The Queen Victoria Inn gehört der Butcombe Brewery und ist an Mark Walton verpachtet. Priddy wird gern „The Butcombe capital of the universe!“ genannt, die Brauerei liegt nicht weit entfernt im Norden der Grafschaft Somerset.

Vor der Tür des Gasthauses steht manchmal ein rot gestrichenes, gut erhaltenes, altes Vehikel mit der Aufschrift „Queen Victoria Inn Priddy Somerset“.

Leider war ich im März und nicht im Dezember in dem Pub, denn um die Weihnachtszeit herum wird der Inn in ein von Tausenden von Lämpchen erleuchtetes Pfefferkuchenhaus verwandelt, eine Idee des Landlords, über die sogar in der nationalen Presse berichtet wurde (selbst die Stuttgarter Zeitung verfasste einen Artikel über diese Illumination). Zu Weihnachten 2018 kam noch ein sieben Meter hoher Schneemann hinzu, der aus 2000 leeren Flaschen zusammengebaut wurde. Mark Walton lässt sich jedes Jahr etwas Neues einfallen.

The Queen Victoria Inn
Pelting Drove
Priddy
Wells, BA5 3BA

Gleich kommt der nächste Wolkenbruch…
Eigenes Foto.

The Queen Vic zur Weihnachtszeit.
Photo © Neil Owen (cc-by-sa/2.0)

Es war einmal… Das ehemalige The Miner’s Arms in Priddy.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Kinks und einige ihrer Songs mit typisch englischen Themen

Die britische Band The Kinks, 1964 von den Brüdern Ray und Dave Davies in London gegründet, zählte in den 1960er Jahren zu den erfolgreichsten Rockgruppen ihres Landes, die mit Songs wie „You Really Got Me“, „Tired of Waiting For You“ und „Sunny Afternoon“ bis auf Platz 1 der UK Charts gelangten.
Mit diesen Hits möchte ich mich in meinem heutigen Blogeintrag nicht beschäftigen, sondern mit einigen weniger bekannten Titeln, die sich mit typisch englischen Themen befassen.

Das Village Green in The Lee (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Was wäre ein Dorf in England ohne sein Village Green? Mal liegt es in der Mitte, mal am Rande, mal wird es für Dorffeste genutzt, manchmal für Cricketmatches oder, wie im Song der Kinks, als Ort, um seine Geliebte zu treffen und sie unter der alten Eiche zu küssen.. „I miss the village green, The church, the clock, the steeple“, heißt es wehmütig in dem Lied.

Das Village Green in Westlington (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Sollte es dem Village Green einmal an den Kragen gehen und dort vielleicht Häuser darauf gebaut werden, dann wird eine „Village Green Preservation Society“ ins Leben gerufen, die sich dagegen zur Wehr setzt. „Preserving the old ways from being abused“ singen die Kinks in diesem Song, in dem auch eine Draught Beer Preservation Society und ein Custard Pie Appreciation Consortium erwähnt wird. Sie alle stemmen sich gegen die Abschaffung von Dingen, die man auf gar keinen Fall missen möchte.

Eigenes Foto.

Der Afternoon Tea ist eine Institution in England, der für viele zum Tagesablauf einfach dazu gehört; sei es nur eine Tasse Tee oder die üppigere Version mit Scones usw. In Ray Davies‘ Song geht es um ein tägliches Treffen zum Nachmittagstee mit einem Mädchen namens Donna, die plötzlich nicht mehr zur gewohnten Zeit erscheint:
„They said that Donna walked away You’d think at least she might have stayed To drink her afternoon tea“. Obwohl dem verlassenen Liebhaber der Tee ohne Donna nicht mehr so recht schmeckt, nimmt er auch weiterhin regelmäßig seinen Afternoon Tea ein.

This work is released into the public domain.

Die Kinks nehmen in ihrem Song „Have a Cuppa Tea“ noch einmal das Thema „Tee“ auf und singen ein Loblied auf das Getränk. Tee ist gut für alle möglichen Wehwehchen, kennt keine Rassen- und Klassengrenzen, er schmeckt bei Regen und bei Sonnenschein: „For Christ sake have a cuppa tea.“

Cricket gilt als die britische Sportart schlechthin. Für die meisten, die nicht auf der Insel wohnen, sind die Regeln ein Buch mit sieben Siegeln. In dem Song bringen die Kinks diese Cricketregeln mit den 10 Geboten Gottes in Einklang und warnen vor dem Demon Bowler, der sich im Auftrag des Teufels in das Spiel (das Leben heißt) einmischt.

Published in: on 8. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Thornbury Castle Hotel revisited 2019

Eigenes Foto.

Nach wie vor ist das Thornbury Castle in Thornbury (South Gloucestershire) mein absolutes Lieblingshotel in England. Mein allererster Blogeintrag vor mehr als neun Jahren galt diesem Hotel und im Laufe der Zeit habe ich mehrfach über diese wunderschöne, romantische Burg geschrieben. Für mich ist ein Englandurlaub eigentlich erst perfekt, wenn ich einige Tage in dem Hotel nördlich von Bristol verbracht habe.

Im März wohnte ich wieder einmal drei Tage und Nächte in dem alten Gemäuer, zum achten Mal, in dem schon Heinrich VIII und Anne Boleyn einige Zeit residierten. Die jungen Damen an der Rezeption empfingen uns sehr freundlich, und wir wurden in unsere „bedchamber“ geführt, dieses Mal war es „Henry VIII“ (die Zimmer haben hier keine Nummern, sondern Namen), in diesem waren wir noch nicht. Der Zugang erfolgte über eine sehr steile Treppe, für Menschen mit Gehschwierigkeiten wäre das nichts. Ein großes Himmelbett sorgte für die entsprechende Atmosphäre in dem Raum, in dem wir uns sofort wohlfühlten.

Nach dem Abendessen zeigte uns auf meinen Wunsch hin, die Dame an der Rezeption die Tower Suite ganz oben in der Burg, die über mehr als 70 Stufen zu erreichen ist. Hier steht also Englands größtes Hotelbett, mit einer Breite von drei Metern, in dem eine ganze Familie unterkommen kann (was auch hin und wieder wahrgenommen wird).

Um noch einmal auf das Abendessen zurückzukommen: Der Küchenchef, Andrew Chan, ist großartig und zaubert hervorragende Gerichte auf den Teller (seine Vorgänger hatten doch einige Schwächen). Er hatte schon früher im Castle gearbeitet, kam dann wieder als Head Chef zurück. Auch im Restaurant trafen wir auf freundliches, kompetentes Personal.

Während unseres Aufenthaltes nahmen wir erstmalig an einer Burgführung teil, die auf Wunsch von Valerie vorgenommen wird, die früher an der Rezeption gearbeitet hat und das Hotel in und auswendig kennt. In der Lounge erzählte sie von der Geschichte des Thornbury Castles und führte uns durch das Haus und durch die schönen Tudorgärten, die von Kate, der Chefgärtnerin gepflegt werden, die wir auch kennenlernten und die mit Begeisterung von ihrer Aufgabe sprach.

Wer in der Zeit von Mai bis September hier wohnt, kann am „Dining in the Dungeon“ teilnehmen, an einem Abendessen bei Kerzenlicht, dass in dem ehemaligen, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kerker serviert wird, allerdings nur für Gruppen von sechs bis acht Personen (ein Mindestumsatz von £300 ist erforderlich). Dort ist auch der Weinkeller untergebracht, in dem, neben vielen anderen Flaschen, Wein aus eigenem Anbau lagert, dem Thornbury Castle Wein, den wir im Restaurant probieren konnten.

Nach drei Übernachtungen haben wir schweren Herzens unser Lieblingshotel wieder verlassen, das wir mit Sicherheit bald wieder aufsuchen werden (vielleicht dann in der Tower Suite).

Thornbury Castle
Castle Street
Thornbury, South Gloucestershire, BS35 1HH

Unsere Henry VIII Bedchamber.
Eigenes Foto.

Unser Lieblingsplatz in der Lounge.
Eigenes Foto.

Thornbury Castle vom angrenzenden Kirchhof aus gesehen.
Eigenes Foto.

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Published in: on 7. April 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Lumberjills – Die Holzfällerinnen im Zweiten Weltkrieg

Eine Lumberjill-Statue im Queen Elizabeth Park bei Aberfoyle in Schottland…
Photo © James Allan (cc-by-sa/2.0)

Lumberjack ist der englische Begriff für Holzfäller; ein körperlich anstrengender Beruf, der weitestgehend von Männern ausgeübt wird. Doch es gibt auch einen Namen für das weibliche Pendant: „Lumberjill„, so wurden im Zweiten Weltkrieg die Frauen bezeichnet, die in den Wäldern Großbritanniens Bäume fällten, weil ein großer Teil der Männer, die diese Arbeit bisher verrichteten, an der Front kämpften. Im Women’s Timber Corps arbeiteten Tausende von Frauen, weil die britische Wirtschaft, die stark von importierten Holz abhängig war, diesen Rohstoff dringend in der Produktion benötigte und die Vorräte an gelagertem Holz schnell zu Ende gingen. Also machten sich die Frauen an die Arbeit, gingen in die Wälder, fällten Bäume und betrieben die Sägemühlen. Es war eine gefährliche Arbeit, die die Lumberjills da verrichteten, doch richtig anerkannt wurde das nicht. Nachdem der Krieg beendet war, gerieten die Holzfällerinnen schnell wieder in Vergessenheit und kaum jemand wusste in den folgenden Jahrzehnten von ihnen. Erst im Jahr 2000 wurde es den Frauen gestattet, am Remembrance Day in London teilzunehmen und acht Jahre später erhielten einige von ihnen Auszeichnungen.
Im Queen Elizabeth Park bei Aberfoyle in Schottland findet man eine Statue, die an die Frauen des Women’s Timber Corps erinnert, ebenso im Dalby Forest in North Yorkshire.

Im März diesen Jahres ist ein Buch erschienen, das sich den vergessenen Frauen des Zweiten Weltkriegs widmet: „Lumberjills: Britain’s Forgotten Army“ von Joanna Foat (The History Press, ISBN: 9780750990905), meines Wissens das erste und einzige Buch zum Thema. Die Autorin kontaktierte bei ihren Recherchen die noch lebenden Lumberjills und ließ sich von ihnen von ihrer damaligen Arbeit erzählen.

Hier ist ein Film über die Holzfällerinnen aus dem Jahr 1942.

…und im Dalby Forest in North Yorkshire.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Meine Lieblings-Pubs: Inn For All Seasons an der A40 in den Cotswolds

Eigenes Foto.

Kürzlich entdeckte ich einen wirklich sehr schönen Pub in den Cotswolds, an der A40 in der Nähe von Little Barrington gelegen, westlich von Burford in Oxfordshire. Inn For All Seasons lautet sein Name (es gibt noch einen weiteren Pub mit diesem Namen bei Redruth in Cornwall). Der Pub sieht von außen hübsch aus und auch das Innere ist sehr ansprechend, vor allem das Restaurant mit seinen schön gedeckten Tischen. Der Inn For All Seasons bietet sich eigentlich mehr für eine Mahlzeit an, als um dort nur ein Bier zu trinken. Wir nahmen  einen leichten Lunch zu uns und merkten gleich, dass der Küchenchef, Christophe Arcalis, sein Handwerk versteht, der auch schon im Lower Slaughter Manor in den Cotswolds gearbeitet hat. Ich hatte das Trio of Salmon, meine Frau bestellte das Oxford Blue Cheese Soufflé. Wir erlebten einen sehr netten Empfang und eine freundliche Bedienung. Den Pub kann ich wirklich sehr empfehlen.

Noch ein paar Worte zum Namen. Das im 18. Jahrhundert als Kutschenstation eröffnete Gasthaus hieß bis in die 1960er Jahre Barrington New Inn. Als Jeremy Taylor das Haus übernahm, benannte er es in Inn For All Seasnons um, weil er 1966 einmal als Pferdetrainer an dem vielfach ausgezeichneten Spielfilm „A Man For All Seasons“ mitgewirkt hatte, der die Lebensgeschichte des Thomas Morus zeigt.

Inn For All Seasons
Little Barrington
Burford
OX18 4TN

Published in: on 5. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Maggi Hamblings „A Conversation With Oscar Wilde“ – Eine Skulptur in der London Adelaide Street

Hinter der Londoner Kirche St. Martin-in-the-Fields und gegenüber dem Charing Cross Bahnhof befindet sich seit 1998 in der Adelaide Street eine Skulptur, die an den großen Schriftsteller Oscar Wilde erinnert. Maggi Hambling hat „A Conversation With Oscar Wilde„, wie das Kunstwerk heißt, geschaffen; eine 1945 in Sudbury (Suffolk) geborene Künstlerin, deren Werke nicht ganz unumstritten sind. So sorgte die Skulptur „Scallop„, die sie am Strand von Aldeburgh in Suffolk aufstellte, bei einigen der Bewohner des Ortes für Aufregung, die das Kunstwerk als Beleidigung für die Augen bezeichneten.

Doch zurück zu dem aus Bronze und Granit gefertigten Oscar Wilde. Kopf und Arme scheinen aus einem Sarg herauszuragen, in der einen Hand hält er eine Zigarette und das Monument soll einladen, sich zu ihm zu setzen und inmitten der hektischen Umgebung, nicht weit vom Trafalgar Square, einige Minuten lang eine stille Konversation mit dem Schriftsteller zu halten.

In den 1980er und frühen 1990er Jahren waren die Anhänger Oscar Wildes der Meinung, dass es höchste Zeit wäre, ihm in der Stadt, in der er so lange Zeit verbracht hat, ein Denkmal zu setzen. Ein Kommitee wurde eingesetzt, das 12 Künstler aufforderte, Vorschläge für solch ein Monument einzureichen;  der überzeugendste Entwurf kam von Maggi Hambling. Viele Londoner und mehrere Organisationen spendeten kleinere und größere Summen, bis schließlich das Geld zusammenkam, um die Skulptur zu finanzieren.

Hoffen wir, dass die Einladung zu einer Unterhaltung mit O.W. auch weiterhin angenommen wird, und dass die Vandalen der Hauptstadt einen großen Bogen um das Monument machen.
Übrigens steht auch am Gefängnis von Reading eine Oscar Wilde-Skulptur (s. hierzu meinen Blogeintrag)

Hier ist ein Film über Maggi Hambling zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Maggi Hambling: The Works. Unicorn Press 2014. 240 Seiten. ISBN  978-1906509699.

Published in: on 4. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Public Footpaths – Öffentliche Wege, die manchmal ins Nirgendwo zu führen scheinen

Ein Public Footpath auf der Isle of Wight. Wo mag der wohl hinführen?
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

In England nimmt man es mit dem öffentlichen Wegerecht sehr genau. Immer wieder sieht man die Hinweisschilder „Public Footpath„, die das Recht garantieren, dass man darauf auch gehen darf; Reiten und Fahrradfahren ist darauf aber nicht gestattet. Kinderwagen, Hunde an der Leine und Rollstühle sind erlaubt.
Es gab immer mal wieder Auseinandersetzungen mit Grundstückseigentümern, an oder durch deren Besitz ein solcher Public Footpath führt und die damit nicht einverstanden waren. Am bekanntesten war sicher der Mass Trespass of Kinder Scout vom 24. April 1932 im Peak District, über den ich in meinem Blog einmal schrieb.

Einige dieser frei zugänglichen Wege, so sah ich es immer wieder, waren zwar in der Theorie frei zugänglich, nicht aber in der Praxis, denn die Hinweisschilder wiesen auf vollkommen zugewachsene, von Dornenbüschen blockierte Wege hin. Da frage ich mich, wer dann da bitteschön entlanglaufen soll. Menschen mit Gehproblemen haben es auf den Public Footpaths auch nicht ganz leicht, denn oft muss man noch die „stiles“ überwinden, Zauntritte, mit deren Hilfe zwar Menschen, nicht aber Vieh oder Wild über ein Hindernis klettern können. Konfrontiert wird man auf den öffentlichen Fußwegen manchmal auch mit den sogenannten Kissing Gates, die ebenfalls nur Zweibeiner, aber keine Vierbeiner hindurchlassen.

Hier sind einige Bilder von diesen manchmal recht abenteuerlichen Public Footpaths und den Hindernissen, auf die man trifft:

Lädt dieser Weg wirklich zum Wandern ein?
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Public Footpath in Essex.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Ein Stile in Dorney Wood (Buckinghamshire).
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Ein Kissing Gate.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. April 2019 at 02:00  Comments (9)  
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Das Greater London House im Londoner Stadtteil Camden, das von zwei schwarzen Katzen bewacht wird

Im Londoner Stadtteil Camden steht ein großes Gebäude im Art Déco-Stil, dessen Eingang von zwei großen schwarzen Katzen bewacht wird. Die Egyptian Revival Architecture war Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt (nachdem Howard Carter das Grab des Tutanchamun entdeckt hatte) und so wurde das Greater London House, wie es heute heißt, 1928 von den Architekten M.E und O.H Collins in dieser Form erbaut. Die Carreras Cigarette Factory war hier als erstes untergebracht und man eröffnete das Gebäude mit einem ägyptischen „Happening“, d.h. viel Sand wurde extra aufgeschüttet, Schauspieler in ägyptischen Kostümen traten auf und ein Wagenrennen wurde durchgeführt.

Die beiden großen Katzen standen bis 1959 vor dem Eingang des Hauses, als die Zigarettenfabrik ihre Tore schloss und nach Essex zog. Eine der beiden ging mit nach Basildon in Essex, die andere wurde nach Jamaica geschafft und vor eine andere Fabrik der Firma Carreras gestellt.

Da man in den 1960er Jahren den ägyptischen Stil des Hauses nicht mehr mochte, entfernte man alle Ornamente, so dass sich das Gebäude kaum noch gegenüber den anderen in der Nachbarschaft hervorhob.

Erst als das Greater London House 1996 verkauft wurde, besannen sich die neuen Besitzer auf den ursprünglichen Stil und ließen es nach den alten Plänen wieder herrichten. Auch die beiden Katzen fanden wieder ihren Platz am Eingang, so dass das Gebäude erneut ein Blickfang geworden ist.

Greater London House beherbergt eine Vielzahl von Büros und ist nicht zu besichtigen.
Hier ist ein etwas ungewöhnlicher, aber ganz witziger Film über das Haus, der auch erklärt, was es mit den schwarzen Katzen auf sich hat.

Greater London House
180, Hampstead Road
London NW1 7AW

Die Redcar British Steel Railway Station – Der Bahnhof mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien

In den Jahren 2016/17 war der Bahnhof von Barry Links in Schottland, zwischen Dundee und Carnoustie gelegen, der mit dem geringsten Passagieraufkommen in Großbritannien; gerade einmal 24 Menschen nutzten ihn in diesem Zeitraum, ein Rekord. Da sich dort aber plötzlich die Passagierzahlen verdoppelt hatten, rutschte Barry Links auf Platz 2 ab; der neue Spitzenreiter heißt Redcar British Steel Railway Station in der Grafschaft North Yorkshire, die 2017/18 von 40 Personen aufgesucht wurde. Der Bahnhof war einmal für Stahlarbeiter gedacht, die in den daneben liegenden Stahlwerken ihr Brot verdienten, doch als die Werke 2015 schlossen, benötigte man den Bahnhof eigentlich nicht mehr, doch trotzdem wurde er offen gehalten.
Hier gibt es weder einen Parkplatz, noch einen Warteraum oder einen Fahrkartenautomaten, von Toiletten ganz zu schweigen. Viermal am Tag, außer sonntags, hält ein Zug an der Redcar British Steel Railway Station, doch so gut wie niemand steigt hier ein oder aus. Sollte tatsächlich einmal jemand aussteigen, käme der nicht weit, denn er dürfte das überschaubare Bahnhofsgelände nicht verlassen, weil drum herum alles in Privatbesitz ist.
So frage ich mich, was denn diese 40 Passagiere hier eigentlich gemacht haben. Vielleicht sind sie irrtümlich eine Station zu früh oder zu spät ausgestiegen? Es sollen einige Eisenbahnfanatiker darunter gewesen sein, die nur aus- und wieder eingestiegen sind, um die Passagierzahlen in die Höhe zu treiben. Sollte das Schule machen, würde Redcar bald wieder von seinem Spitzenplatz verdrängt werden und vielleicht von Denton (Greater Manchester) überholt werden, wo nur einmal in der Woche, immer freitags, ein Zug anhält, oder von der Teesside Airport Railway Station (County Durham), die im Zeitraum 2017/18 von 74 Passagieren benutzt wurde (2013/14 waren es ganze 8).

Dieser witzige Film zeigt wie zwei Männer sich auf den Weg nach Redcar machen, um dem Bahnhof einen Besuch abzustatten.

Barry Links Railway Station in Schottland.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Denton (Greater Manchester) Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Teesside Airport Railway Station
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)