John Ruskin (1819-1900), ein englischer Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker, der durch den Anblick weiblicher Schamhaare, die Lust am Sex verloren haben soll

John Ruskin (1819-1900) war ein vielseitig begabter Mann, der in der viktorianischen Zeit durch seine Arbeiten als Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker auf sich aufmerksam machte. Zu seinen Hauptwerken zählt das mehrbändige Werk  „Modern Painters„, eine Geschichte der modernen Malerei.

So großartig sein Werk damals im 19. Jahrhundert auch gewesen war, so stellt sich Ruskins Privatleben etwas merkwürdig dar. 1848 heiratete er im Alter von 29 Jahren die 19-jährige Euphemia Chalmers Gray, kurz Effie Gray genannt. Nun sollte man annehmen, dass, wenn ein Bräutigam seine Braut zum ersten Mal nackt sieht, sich bei ihm deutliche Regungen zeigen und es ihn danach drängt, mit ihr ins Bett zu gehen. Bei dem lieben John war die Reaktion eine ganz andere: Er war geschockt von dem Anblick, der sich ihm bot, denn er war nicht darauf gefasst, dass seine Ehefrau Schamhaare hatte. Offenbar, wie manche seiner Biografen behaupten, kannte Ruskin nackte Frauen nur in Form von Statuen, und diese von Bildhauern geschaffenen Damen hatten üblicherweise keine Schamhaare. Auf jeden Fall fand er seine behaarte Frau so abtörnend, dass er niemals in der gemeinsamen Zeit „die Ehe vollzog“, was ihm aber nicht besonders schwer gefallen ist, im Gegensatz zu Effie, der das schon zu schaffen machte.
Auf ihrer Venedigreise interessierte sich Ruskin nur für seine Malerei, während Effie von der Männerwelt umworben wurde, denn sie war eine attraktive, junge Frau. Doch sie war standhaft und ließ sich auf keine Affäre ein, denn als sie sich 1854 von ihrem Mann scheiden ließ, war sie noch immer Jungfrau, was sich aber bald ändern sollte, denn schon ein Jahr später ging sie die Ehe mit dem Prä-Raffaeliten John Everett Millais ein und da ging es wohl richtig zur Sache (Effie hatte Nachholbedarf), denn sie gebar von 1856 bis 1868 acht Kinder.

Ruskins Privatleben war nach wie vor recht problematisch, denn er hatte offensichtlich eine Vorliebe für sehr junge Mädchen. Rose La Touche war neun Jahre alt, als Ruskin ihr Privatlehrer war und es entwickelte sich im Lauf der Jahre eine romantische Beziehung zwischen den beiden, die darin gipfelte, dass er um ihre Hand anhielt. Roses Eltern lehnten das aber ab, weil sie von Effie gewarnt worden waren. Aus der Ehe wurde also nichts.
Auch Ruskins spätere Freundschaft mit Kate Greenaway schien sich auf rein platonischer Ebene abgespielt zu haben.

Das Thema Ruskin/Gray/Millais wurde mehrfach in Büchern, Filmen und sogar in einer Oper aufgegriffen („Modern Painters“, von dem US-Komponisten David Lang, 1995 uraufgeführt); zuletzt in dem atmosphärisch sehr dichten Film „Effie Gray“ (2014), hochkarätig besetzt mit Dakota Fanning als Effie, Greg Wise als John Ruskin und Tom Sturridge als John Everett Millais. Hier ist der Trailer.

Published in: on 30. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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