The English Wine Week vom 25. Mai bis zum 2. Juni 2019

Albury Organic Vineyard in Surrey.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Der Weinanbau in England boomt! Im vorigen Jahr wurden so viele Flaschen abgefüllt wie niemals zuvor: 15.6 Millionen. Über 500 Weinanbauer gibt es zur Zeit und es werden immer mehr. Die meisten Weinanbaugebiete sind im Süden Englands zu finden, doch im Zuge der Klimaerwärmung werden in Zukunft auch im Norden des Landes immer mehr Gebiete für den Weinanbau erschlossen. In Nordengland existieren bereits 19, in Schottland 4 und in Wales 23.
Vielleicht wird der Konsum eigener Weine nach dem Brexit (wenn er denn kommt) noch mehr angekurbelt, falls dann Einfuhrzölle auf europäische Gewächse kommen sollten.

Um den englischen Wein zu fördern, gibt es auch in diesem Jahr wieder eine English Wine Week, die vom 25. Mai bis zum 2. Juni stattfindet. Viele Winzer öffnen in diesen Tagen ihre Pforten und lassen Besucher einen Blick auf die Weinberge werfen, und selbstverständlich kann man dann auch ihre Weine probieren. Hier nur einige wenige Beispiele:

Das Hanwell Wine Estate, zwischen Nottingham und Melton Mowbray in Nottinghamshire gelegen, veranstaltet am 1. Juni einen Open Day, bei dem man bei freiem Eintritt alle Weine und Sekte kostenlos probieren kann.

Ebenfalls am 1. Juni bietet der Albury Organic Vineyard, östlich von Guildford in Surrey, geführte Touren mit Weinprobe an, die allerdings £20 kosten. Die Firma produziert Wein und Sekt im oberen Preissegment.

Hattingley Valley Winery bei Alresford in Hampshire, eine Firma, die vor allem durch ihre Sekte bekannt geworden ist (und die ich in meinem Blog demnächst näher vorstellen möchte) bietet am 31. Mai um 18 Uhr eine Spezialführung mit Firmengründer Simon Robinson an.

Bei über 15 Millionen Flaschen pro Jahr frage ich mich immer wieder, wo denn die alle geblieben sind. Nach wie vor findet man englischen Wein nur selten in Supermärkten, Weinhandlungen und Restaurants des Landes, ganz zu schweigen von Deutschland, wo ich in Großstädten wie Hamburg vergeblich danach gesucht habe. Vielleicht ist der Ruf englischer Weine und Sekte in Europa noch immer negativ besetzt, obwohl viele von ihnen schon mit Auszeichnungen überhäuft worden sind. Bei einigen Blindverkostungen konnten sich englische Sekte sogar gegen französische Champagner durchsetzen.

Published in: on 31. Mai 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Das Wettbuch des Brooks’s Club in der Londoner St James’s Street

In den vornehmen Gentlemen’s Clubs in der Londoner City spielten früher einmal Wetten eine große Rolle. Jules Verne hat das sehr schön in seinem Roman „In 80 Tagen um die Welt“ dargestellt, als der reiche Müßiggänger Phileas Fogg im Reform Club 20.000 Pfund Sterling darauf wettete, dass er es in 80 Tagen schaffen würde, die Erde einmal zu umrunden, was ihm auch gelang.

Den Reform Club in der Straße Pall Mall 104 gibt es noch immer; nicht weit davon entfernt, in der St James’s Street 61 findet man einen weiteren Gentlemen’s Club, in dem Wetten an der Tagesordnung waren, der Brooks’s Club, benannt nach einem Weinhändler namens William Brooks. Hier trafen sich regelmäßig Herren aus den oberen Gesellschaftsschichten, die nichts Besseres zu tun hatten, als dort zu essen, zu trinken…und eben Wetten auf alles Mögliche oder Unmögliche abzuschließen. Alles wurde fein säuberlich in einem „Betting Book“ festgehalten.

Der Politiker Charles James Fox (1749-1806) war einer der „regulars“ des Clubs, er hatte Probleme mit seiner Spielsucht und offenbar auch Wettsucht, denn sein Name taucht immer wieder im Wettbuch des Clubs auf. So ist eine Eintragung aus dem Jahr 1776 zu finden, die besagt, dass Charles Fox fünf Guineas gegen Lord Bolingbroke wettet, dass Amerika in exakt zwei Jahren nicht mehr zum britischen Königreich gehören würde. Bingo! Mr Fox gewann die Wette.

Am 7. April 1778 ging es um 50 Guineas, und da behauptete Lord Derby in einer Wette gegen einen Mr. Townshend, dass Lord Chatham in genau 14 Tagen nicht mehr am Leben sein würde (nachdem besagter Lord bei einer Rede im Oberhaus zusammengebrochen war). Irgendwie schleppte sich Lord Chatham noch bis zum 11. Mai hin, bis er starb, so dass Lord Derby die 50 Guineas herausrücken musste.

Eine etwas ungewöhnliche Wette wurde 1785 im Brookes’s Club abgeschlossen, die so lautete: „Lord Cholmondeley has given two guineas to Lord Derby, to receive 500 Gs whenever his lordship fucks a woman in a balloon one thousand yards [900 m] from the Earth„. Da stellt sich natürlich die Frage, wer denn das bezeugen könnte? Vielleicht wenn eine dritte Person in dem Ballon mitführe? Ob die 500 Guineas damals tatsächlich den Besitzer wechselten, ist meines Wissens nicht festgehalten worden. Wäre es wirklich zu der sexuellen Begegnung zwischen dem Lord und einer Dame in luftiger Höhe gekommen, könnte man von einer Vorstufe des heutigen Mile High Clubs sprechen.

Published in: on 30. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Sexual Freedom Awards – Preise, die an Menschen vergeben werden, die sich auf den Themenfeldern Erotik und Sexualität hervorgetan haben

Author: Timeless 181
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Wer würde sich nicht darüber freuen, einen künstlerisch gestalteten Penis mit Flügeln zuhause auf seinen Kaminsims stellen zu können? Das kann man haben, dazu muss man aber einen der jährlich vergebenen Sexual Freedom Awards gewinnen. Ausgedacht hat sich diesen Preis 1994 Rosalind Mary Owens, besser bekannt als Tuppy Owens, eine Schriftstellerin und Sexualtherapeutin, die sich hauptsächlich mit dem Thema „Sex und Behinderte“ auseinandergesetzt hat. So fließen auch bei der Preisverleihung in London, dem „Sex Maniacs Ball„, Einnahmen an eine Wohltätigkeitsorganisation, The Outsiders Club, die sich darum bemüht, dass Menschen mit Behinderungen einen Partner/eine Partnerin finden.

In mehreren Kategorien werden die Auszeichnungen verliehen, und ich möchte einmal einige der Sieger und Nominierten des Jahres 2018 vorstellen (die Preise für 2019 werden Ende des Jahres verliehen).

In der Kategorie „Publicist of the Year“ gab es 2018 zwei Siegerinnen. Da war einmal die US-Amerikanerin Erica Moen, eine Comicbuch-Autorin, die mit ihre Comicserie „Oh Joy Sex Toy“ bekannt geworden ist, und Juno Roche, die sich mit dem Thema Transgender beschäftigt und das Buch „Queer sex: A trans and non-binary guide to intimacy, pleasure and relationships“ geschrieben hat.

In der Kategorie „Stripper of the Year“ wurde Bunni Morretto mit dem Sexual Freedom Award ausgezeichnet; die Begründung: „By introducing her Jamaican heritage to the mainstream burlesque scene with pride. Her burlesque acts diversely range from brilliant satire to contrasting traditional strip tease.“

Nominiert in der Kategorie „Pioneer of the Year“ (aber nicht der Sieger) war Eve Elliots Website, auf der sie unter dem Namen Eve’s Garden nicht das visuelle Element in der Erotik in den Mittelpunkt stellt, sondern das auditive.

Weitere Kategorien sind u.a. Activist of the Year, Event of the Year und Performer of the Year. Jeder kann bei der Jury Vorschläge einreichen, die dann geprüft werden. Ins Finale kommen drei Nominierte in jeder Kategorie, aus denen dann jeweils der Sieger bzw. die Siegerin ermittelt wird.

 

John Lobb – Ein Schuhmacher der Extraklasse in London

So wenig man bei der High Street-Ladenkette Boots, trotz des Namens, Schuhe kaufen kann, so wenig kann man bei John Lobb Bootmaker in der Londoner St James’s Street Nummer 9 Schuhe „von der Stange“ kaufen. Wer schnell ein paar Schuhe benötigt, ist bei der Firma Lobb am falschen Platz, denn man muss in der Regel ca sechs Monate warten, bis sie fertig werden, hier wird alles von Hand hergestellt. Der Edelschuhmacher hat sogar Repräsentanten, die regelmäßig durch die Welt fahren und die Maße der Füße ihrer wohlhabenden Klientel nehmen. Bei diesem Aufwand ist es nicht verwunderlich, dass die „hand-made shoes“ nicht unter tausend Pfund zu haben sind. Der Käufer muss schon tief in die Tasche greifen, wenn er bei John Lobb etwas erwerben möchte, dafür halten dann die Schuhe auch ein Leben lang.

Prince Charles, Frank Sinatra, Rex Harrison, Aristoteles Onassis und Margaret Thatcher gehören/gehörten zum Kundenkreis der Firma, die schon 1849 von besagtem John Lobb (1829-1895) gegründet wurde. Bis heute ist die Firma erstaunlicherweise noch immer in der Hand der Familie. Es gibt noch einen zweiten Strang, John Lobb Paris, der 1976 von der Firmengruppe Hermès  übernommen worden ist (der Firmengründer hatte im Jahr 1900 einen weiteren Laden in der französischen Hauptstadt eröffnet) und dort kann man „ready-to-wear shoes“ kaufen.

Natürlich hat das Unternehmen in der St James’s Street auch Royal Warrants; es ist Hoflieferant für Prince Charles und den Duke of Edinburgh.

Dieser Film der British Pathé aus dem Jahr 1945 zeigt wie damals die Schuhe angefertigt wurden und in diesem Film kann man sehen wie es heute bei der Firma John Lobb zugeht (auch nicht viel anders).

John Lobb
9 St. James’s Street
London
SW1A 1E

„The most beautiful shop in the world“, so das Esquire Magazine.
Author: OlafJanssen
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 28. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Der Police Memorial Trust, der sich für im Dienst ums Leben gekommene Polizisten einsetzt

Das Yvonne Fletcher Memorial am Londoner St James’s Square.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Im Januar 2013 stellte ich in meinem Blog die Autobiografie des englischen Filmregisseurs Michael Winner (1935-2013) vor, dessen provokante Restaurantkritiken in der Sunday Times ich immer besonders gern las. Michael Winner ist aber nicht nur durch seine zahlreichen Filme in Erinnerung geblieben, sondern und vor allem dadurch, dass er den Police Memorial Trust ins Leben rief, „einer Organisation, die sich dafür einsetzt, für im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamten ein Denkmal zu setzen. Er war sehr engagiert und setzte sich immer wieder für die Polizei ein. Für dieses Engagement sollte er den Order of the British Empire verliehen bekommen, doch Michael Winner lehnte ab und sagte der Sunday Times „An OBE is what you get if you clean the toilets well at King’s Cross Station“. Typisch M.W.“ So schrieb ich damals in meinem Blog, und heute möchte ich auf diese Organisation näher eingehen.

Die Aufgabe des 1984 gegründeten Trusts ist es, für die Polizistinnen und Polizisten eine Erinnerungsstätte zu schaffen, möglichst ganz in der Nähe der Stelle, wo sie ums Leben gekommen sind. Die Idee dafür kam Michael Winner, als die 25-jährige Polizeibeamtin Yvonne Fletcher am 17. April 1984 vor der libyschen Botschaft am Londoner St James’s Square von einer Kugel tödlich getroffen wurde, die aus der Botschaft abgefeuert worden war. Winner machte sich dafür stark, der jungen Frau dort am St James’s Square ein Denkmal zu setzen, was auch geschah. Am 1. Februar 1985 weihte Margaret Thatcher den Gedenkstein ein, der die Inschrift trägt „Here fell WPC Yvonne Fletcher 17th April 1984“.

Es sollten noch weitere Memorials für Polizistinnen und Polizisten folgen, „killed in the line of duty“. Der 40-jährige PC Keith Blakelock wurde am 6. Oktober 1985 im Londoner Stadtteil Tottenham während der Unruhen in einem Problem-Wohngebiet namens Broadwater Farm ermordet. Der Police Memorial Trust errichtete für ihn einen Gedenkstein an einem Kreisverkehr in Muswell Hill, dort, wo er regelmäßig auf Streife gegangen war.

Am 9. Januar 2003 starb der 42-jährige PC Ged Walker, der zwei Tage zuvor bei einem Einsatz schwer verletzt worden war. Sein Einsatzort: Die Kleinstadt Bulwell in Nottinghamshire und dort, an der Ecke St. Albans Road und Cantrell Road wurde im September 2005 sein Gedenkstein aufgestellt, in Anwesenheit von Michael Winner.

Vor dem Gebäude der Old Admiralty am St James’s Park hat der Police Memorial Trust ein Denkmal errichtet, das für alle im Dienst getöteten Polizisten des Landes steht, das National Police Memorial. Die UK Police Roll of Honour dort verzeichnet die Namen von mehr als 4000 Männern und Frauen, die dieses Schicksal erlitten.

Nach Michael Winners Tod wurde auf seinen Wunsch hin am National Police Memorial für ihn eine Gedankfeier veranstaltet, besucht von mehr als 300 Gästen.

Noch eine kleine Kuriosität am Rande: In Carlisle in Cumbria ehrte man PC George Russell mit einem steinernen Konterfei an der Kathedrale der Stadt, der im Februar 1965 in Oxenholme (Cumbria) einen Verbrecher dingfest machen wollte und dabei erschossen wurde.

Keith Blakelocks Denkmal in Muswell Hill.
Author: Philafrenzy.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Das National Police Memorial am Rand des St James’s Park in London.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

PC George Russells Konterfei an der Kathedrale von Carlisle (Cumbria).
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Gary Cooper und Dunstable – Ein Hollywoodschauspieler und eine Kleinstadt in Bedfordshire

This photo is in the public domain, taken from Open Plaques.

Woran denkt man zuerst, wenn man den Namen Gary Cooper hört? Ich meine, an den Film „High Noon“ bzw. „Zwölf Uhr mittags“ und an einen der berühmtesten Filmhelden in Hollywood…aber kaum an die Kleinstadt Dunstable in der Grafschaft Bedfordshire. Doch der 1901 in Helena, Montana, geborene Frank James Cooper, so sein richtiger Name, verbrachte zusammen mit seinem Bruder Arthur die Jahre von 1910 bis 1913 genau hier in der englischen Provinz. Sie wohnten in der Zeit bei Verwandten, den Bartons, in einem kleinen Reihenhaus in der High Street, Ecke Waterlow Road, dort, wo heute ein Telefonladen untergebracht ist. Eine blaue Plakette erinnert an Gary Cooper mit der Inschrift
„GARY COOPER FILM STAR and Dunstable Grammar School Pupil lived here 1910 – 1913“.

Der spätere Hollywoodliebling ging in die auf der Plakette genannte Schule, die nur ein paar Schritte entfernt ebenfalls an der High Street lag. 1973 wurde aus der Dunstable Grammar School die Ashton Middle School, und die wiederum schloss im Jahr 2016 ihre Pforten für immer; auf dem Gelände werden Wohnhäuser errichtet.

Es gibt in Dunstable auch noch einen Pub, der den Namen des Schauspielers trägt: The Gary Cooper, der zu der Gruppe der Wetherspoon Pubs gehört.

Frank James und Arthur wurden während ihres Aufenthaltes in Bedfordshire im Dezember des Jahres 1911 auch getauft und zwar in der Church of All Saints im benachbarten Houghton Regis.

Dunstable gehört zu den vielen englischen Städten mit einer ziemlich desolaten High Street, wo ein Schaufensterbummel kein Vergnügen ist. Hier reihen sich Charity Shops und Billigläden aneinander, ein türkischer Friseurladen liegt zwischen einer Subway-Filiale und einem Büro, in dem man sein Testament aufsetzen lassen kann, dazwischen Leerstände von ehemaligen Geschäften. Gary Cooper hätte mit Sicherheit keine Freude an dieser High Street.

Dieser Film zeigt einige der Orte in Dunstable und Houghton Regis, die mit Gary Cooper in Zusammenhang stehen.

Die Ashton Middle School, die frühere Dunstable Grammar School, die Gary Cooper besuchte.
Photo © Paul Buckingham (cc-by-sa/2.0)

Der nach dem Schauspieler benannte Wetherspoon-Pub.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Church of All Saints: In dieser Kirche in Houghton Regis wurden die beiden Cooper-Brüder getauft.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Dunstable High Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: ,

Cross Bones Graveyard – Ein ehemaliger Friedhof für Prostituierte im Londoner Stadtteil Southwark

Im Schatten des riesigen Londoner Hochhauses The Shard, im Stadtteil Southwark, findet der Wanderer durch die Straßen des Viertels einen ehemaligen Friedhof, der zu einem Schrein umgebaut worden ist, und der Cross Bones Graveyard heißt. Hier sind einmal über 15 000 Menschen beigesetzt worden, vor allem Prostituierte, Kleinkinder und arme Leute. Die Damen des ältesten Gewerbes der Welt nannte man seinerzeit „Winchester Geese„, da sie die Lizenz zur Ausübung ihres Berufes vom Bischof von Winchester erhielten, der die Hoheit in diesem Teil Londons hatte. Die Behörden der City of London besaßen für diese Region keinen Zugriff, daher siedelten sich hier Bordelle, Spielhöllen und andere Betriebe an, die in anderen Teilen Londons nicht zugelassen waren; der Bischof von Winchester nahm es mit der Moral nicht so genau, dafür spülten diese Gewerbe viel Geld in seine Kasse.

Im Jahr 1853 wurde der Friedhof wegen Überfüllung geschlossen, man hatte die Leichen aus Platzmangel in mehreren Schichten übereinander zur letzten Ruhe gebettet. Viele von ihnen brachte man später auf den Riesenfriedhof von Brookwood in Surrey (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Da Cross Bones sehr zentral in London lag, warfen Bauherren begehrliche Blicke auf das Grundstück, doch die Bewohner des Stadtteils wehrten Bebauungspläne immer wieder ab. Es bildete sich eine Interessengemeinschaft, die Friends of Cross Bones, die diesen kleinen Streifen Land am Red Cross Way in einen Garden of Remembrance umgestalteten, in Erinnerung an die Außenseiter der Gesellschaft, die hier einmal ihre letzte Ruhe fanden. An dem Geländer, das Cross Bones umzäunt, ist eine Plakette angebracht, dessen Inschrift mit den Worten „The Outcast Dead – R.I.P.“ endet. Dieses Geländer ist geschmückt mit unzähligen bunten Schleifen, Blumen, Ketten und kleinen Botschaften. Einmal im Monat, immer am 23., findet eine Art Mahnwache an dieser Stelle statt, die letzte war am 23. Mai, die 180. seit Beginn im Juni des Jahres 2004.
Ganz besonders hat sich der Schriftsteller John Constable für Cross Bones eingesetzt, der in Southwark wohnt und schon seit Jahren Vorträge hält und Führungen zu unterschiedlichen Themen durch den Stadtteil veranstaltet (Ghost Walks, Auf den Spuren von Charles Dickens usw.).

Hier ist ein sehr stimmungsvoller Film über Cross Bones Graveyard.

Published in: on 25. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Musikvideos – „Stand and Deliver“ von Adam and the Ants (1981)

Hatfield House in Hertfordshire, Drehort für Adam Ants Video.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Stand and Deliver!“ hieß es früher in der Szene der Straßenräuber, als Kutschen überfallen und die Passagiere mit diesen Worten konfrontiert wurden. „Stehen bleiben und Geld her!“, und dann mussten die Überlandreisenden ihre Taschen entleeren.

Stand and Deliver“ heißt auch ein Song aus dem Jahr 1981, der die britische Band Adam and the Ants bekannt machte und der sich lange auf Platz 1 der UK Charts hielt. Der Song wurde 1982 mit einem Ivor Novello Preis ausgezeichnet.

Das dazugehörende Musikvideo zeigt einen solchen Überfall, der von Adam Ant (Stuart Leslie Goddard ist sein richtiger Name) als Highwayman ausgeübt wird, und da hat man offensichtlich auf den Modus operandi  von Katherine Ferrers, einer berüchtigten Straßenräuberin aus dem 17. Jahrhundert, zurückgegriffen, die oft auf einem Baum auf die Kutschen wartete und dann mit gezogenen Pistolen herabsprang, um die Passagiere um ihre Reichtümer zu erleichtern (ich berichtete über die räuberische Dame in meinem Blog).

Im Video ist neben Adam Ant auch seine damalige Freundin Amanda Donohue zu sehen, die eine der Kutscheninsassinnen spielt. Gedreht wurde es im Hatfield House in Hertfordshire.

Adam Ants Autobiografie, die 2007 erschien, trägt ebenfalls den Titel „Stand and Deliver„.

Hier ist das Musikvideo zu sehen.

Published in: on 24. Mai 2019 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Das Knaresborough Bed Race – Ein verrücktes Straßenrennen in North Yorkshire

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Wer am diesjährigen Knaresborough Bed Race teilnehmen möchte, das am 8. Juni stattfinden wird, der ist schon zu spät dran, denn der Anmeldeschluss ist lange vorbei und mehr als 90 Teams werden nicht zugelassen.
Zum 54. Mal wird in diesem Jahr dieses spektakuläre Ereignis in der hübschen Stadt am Nidd in North Yorkshire stattfinden. Dann werden wieder die Harrogate Harriers gegen die Ripon Runners und die Meadowside Malingerers gegen die Stephenson’s Rockets antreten.

Bei dieser Wohltätigkeitsveranstaltung geht es darum, dass ein Team, das aus sechs Anschiebern und einem im Bett sitzenden Passagier besteht, das herausgeputzte Bett so schnell wie möglich auf einem Kurs quer durch Knaresborough schiebt und dabei, als Höhepunkt, den Fluss Nidd durchqueren muss.
Neben dem schnellsten Team wird auch das am schönsten dekorierte Bett mit einem Preis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren das die 1st Scriven Scouts, die ihr Bett  als Willy Wonka Mobile gestaltet hatten, nach der Geschichte „Charlie and the Chocolate Factory“ von Roald Dahl. Das Most Entertaining Team war im Jahr 2018 die Mannschaft Knaresborough Silver Band.

Das Knaresborough Bed Race steht in jedem Jahr unter einem bestimmten Motto; in diesem Jahr heißt das Motto Yorkshire. Jedes Team muss das Bett und die Verkleidung der Mannschaft dementsprechend gestalten.

Also, bitte vormerken: Am 8. Juni um 11 Uhr geht es los mit der Preisverleihung des Best Dressed Bed, dann folgt die Prozession der teilnehmenden Rennbetten durch Knaresborough; es folgt die Vergabe des Preises für das Most Entertaining Team und um 15 Uhr startet das Rennen. Mit der Preisverleihung für die schnellsten Teams endet die Veranstaltung (die dann sicher noch in den Pubs von Knaresborough fortgesetzt wird).

Hier ist ein Film über das Rennen des vergangenen Jahres. Zu Knaresborough siehe auch diesen Blogeintrag.

Das Buch zum Artikel:
Arnold Kellet: A to Z of Knaresborough History. Amberley Publishing 2011. 128 Seiten. ISBN 978-1848681880.

 

Published in: on 23. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Rum Story in Whitehaven (Cumbria) – Ein Ziel für alle Rumfreunde

Im rechten Gebäude ist das Rum-Museum untergebracht.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Wer sich für Rum interessiert, sollte bei einem Aufenthalt in Nordengland unbedingt den Küstenort Whitehaven in Cumbria besuchen, denn dort ist in der Lowther Street die „Rum Story – The Dark Spirit of Whitehaven“ zu finden. Seit 1785 hatten hier die Jeffersons einen Laden, einen Vorratskeller und ein Lagerhaus für Rum, der aus der Karibik importiert wurde. Viele Teile des Hauses sind noch im Original erhalten und vermitteln einen Eindruck wie es im Rumgeschäft damals zuging.

Die Rundreise beginnt im karibischen Regenwald von Antigua, zeigt die Arbeit der Sklaven in den Zuckerrohrplantagen; dann geht es in die Gewölbe, wo die noch unverzollten Rumfässer gelagert wurden. Im ersten Stock ist ein afrikanisches Dorf aufgebaut worden, von wo die Sklaven damals auf Schiffe verfrachtet wurden. Dann ist ein Londoner Punch House zu sehen, wo der Rum getrunken wurde, ein Raum ist der Jefferson-Familie gewidmet und im zweiten Stock gibt ein Raum Auskunft über die Bedeutung des Rums in der Royal Navy. Weiter geht es über eine Ausstellung über die Herstellung von Rumfässern und über die illegale Tätigkeit von Rumschmugglern an der Küste von Cumbria. Am Ende des Rundgangs zeigt ein Fernsehkoch in einem Video, was man mit Rum alles machen kann.

Da seit der Eröffnung der „Rum Story“, wie sollte es in einem so alten Haus auch anders sein, mehrere paranormale Erscheinungen aufgetreten sind, kann man hier auch die Nacht verbringen und mit Geisterexperten Untersuchungen anstellen. Hier ist ein Film.

Im Rum Shop kann man nach Herzenslust Rum einkaufen und sich anschließend im Café erfrischen.

Teile des Films „Miss Potter“  (2007) mit Renée Zellweger in der Rolle der Beatrix Potter wurden übrigens in der „Rum Story“ in Whitehaven gedreht.

Dieser Film stellt das Rum-Museum vor.

 

Published in: on 22. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die nackten Damen von Twickenham und andere kuriose Biernamen der ältesten Mikrobrauerei Londons

Die Naked Ladies of Twickenham.
Author: Jonathan Cardy.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die Namen deutscher Biersorten sind in den meisten Fällen ziemlich einfallslos; ganz anders in England, dort existiert ein unerschöpflicher Einfallsreichtum wie man seine Biere nennen kann. Am Beispiel der Twickenham Brewery möchte ich das einmal zeigen. Die Brauerei nennt sich zwar Londons älteste Mikrobrauerei, sie wurde aber erst im Jahr 2004 von Steve Brown gegründet und zwar in Twickenham, jenem südwestlichen Londoner Stadtteil, der vor allem durch den Rugbysport bekannt ist. Das Twickenham Rugby Stadium ist für 82.000 Zuschauer gebaut worden und ist damit nach dem Wembley-Stadion das zweitgrößte in ganz Großbritannien. Vor den Spielen versammeln sich die Fans gern in den Räumen der Brauerei, um schon einmal „vorzuglühen“.

Kommen wir zu den Biernamen. 20 verschiedene Biere werden pro Jahr hergestellt und zu den „regulars“ gehören die „Naked Ladies“ mit 4,4% Alkoholgehalt und schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Der Name kommt von einer Gruppe von Statuen in den Gärten des York House in Twickenham.

Schön finde ich auch den Namen des im Januar hergestellten Bieres „Summer Down Under„, das auf dem Etikett einen Surfer zeigt und aus dem Hopfen Neuseelands und Australiens gebraut wird.

Wolf of the Woods“ heißt das Aprilbier, für das ausschließlich britischer Hopfen verwendet wird. Der Name leitet sich aus dem Lateinischen „Humulus lupulus“ ab = Echter Hopfen.

Daisy Cutter“ wird im Monat Juni gebraut. „Gänseblümchenschneider“ ist der Name einer von den USA entwickelten Fliegerbombe, und so beschreibt die Brauerei ihr 6,1%  alkoholstarkes Bieres als „A veritable Hop Bomb“.

Im Oktober ist das „Strange Brew“ an der Reihe, dessen Etikett einen Halloween-Kürbis zeigt und an den gleichnamigen Song der britischen Band Cream aus dem Jahr 1967 erinnert.

Im Dezember schließlich kann man sich an den Bieren „Starry Night“ und „Winter Warmer“ erwärmen.

Unter dem Oberbegriff „Small Batch“ werden einige Biere hergestellt, die sicher nicht jedermanns Sache sind. Da gibt es ein „Sour Cherry & Chocolate Stout„, ein „Sticky Toffee Stout“ und ein „Chilly Cherry Stout“. Richtige Biertrinker werden wahrscheinlich um diese Sorten einen großen Bogen machen.

An jedem zweiten Mittwoch eines Monats werden für £17.50 Touren durch die Brauerei angeboten (von 19 Uhr bis 21 Uhr). Zu finden ist die Brauerei in der Mereway Road Nummer 18.

Eine Daisy Cutter-Bombe.
This image is in the public domain.

 

Published in: on 21. Mai 2019 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Ettington Park Hotel in Warwickshire – Revisited 2019

Eigenes Foto.

Vor kurzem verbrachte ich wieder einmal drei Tage im Ettington Park Hotel bei Alderminster in Warwickshire, ein idealer Ausgangspunkt für Besuche in der Shakespeare-Stadt Stratford-upon-Avon, für diejenigen, denen es dort zu trubelig ist. In meinem Blog berichtete ich vor einigen Jahren über meine bisherigen Erfahrungen mit diesem Hotel. Dieses Mal gefiel mir alles besser und ich fühlte mich hier sehr wohl. Bei der Ankunft erfuhren wir, dass während unseres Aufenthaltes eine Hochzeitsmesse stattfinden würde, die aber nicht wirklich störte, abgesehen davon, dass die Parkplätze restlos belegt waren. Nach dem freundlichen Empfang an der Rezeption wurden wir auf unser Zimmer geführt; wir hatten die Shakespeare-Suite (Zimmer 49) im ersten Stock gebucht, die uns sehr gut gefiel. Auf dem Bett erwartete uns ein Stoff-Elch, dem das Hotel die Aufgabe übertragen hatte, dafür zu sorgen, dass die Gäste ungestört bleiben konnten, indem sie ihn vor die Tür stellten (anstelle des Schildes „Do not disturb“). Da wir aber gleich merkten, dass unser Elch lieber im Bett bleiben würde, als sich nachts auf den harten Boden vor die Tür zu legen, behielten wir ihn auch im Bett. Der Blick von unserer Suite ging auf die Ruine der Kapelle hinaus und auf das satte Grün des Rasens.

Das Frühstück und das Abendessen werden sowohl im Oak Room als auch in der Library serviert. Die Bibliothek ist mein Lieblingsraum im Hotel, wunderschön eingerichtet mit einem großen Kamin und darüber liegenden Buntglasfenstern. Hier gibt es eine Geheimtür und es wird die Geschichte erzählt, dass immer wieder ein ganz bestimmtes Buch aus dem Regal fällt, das mit den selben aufgeschlagenen Seiten auf dem Boden liegen bleibt. Ettington Park gilt als das „most haunted hotel in England„, in dem 21 Geister umgehen sollen (in Zimmer 6 spukt es ganz besonders).
1963 wurden die Außenaufnahmen des Gruselfilms „The Haunting“ (dt. „Bis das Blut gefriert“) hier gedreht.

In unserer Shakespeare-Suite hatten wir keine Störungen durch Geister, vielleicht hat der Stoff-Elch dafür gesorgt.

Ich kann das Hotel jetzt nach dem dritten Aufenthalt vorbehaltlos empfehlen. Nach Möglichkeit sollte man lieber eine der Suiten buchen, das Standardzimmer bei unserem vorletzten Aufenthalt gefiel mir nicht so gut.
Zu den Übernachtungspreisen: Es spielt eine große Rolle, wann man hier wohnt; so zahlten wir für unsere Suite von Samstag auf Sonntag  £379, von Sonntag auf Montag £219, jeweils mit Frühstück.

Ettington Park Hotel
Alderminster
Stratford-upon-Avon
Warwickshire 
CV37 8BU

Eigenes Foto.

Unsere Shakespeare-Suite.
Eigenes Foto.

Unser Bettgenosse.
Eigenes Foto.

Eine etwas unheimliche Abendstimmung.
Eigenes Foto.

Published in: on 20. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Woodbridge Tide Mill (Suffolk) und Eling Tide Mill (Hampshire) – Die letzten verbliebenen, aktiven Gezeitenmühlen Englands

Die Woodbridge Tide Mill.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Das Innere der Mühle.
Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Tide Mills, auf Deutsch Gezeitenmühlen, gab es früher häufiger an den englischen Küsten, heute sind nur noch zwei aktiv, die Woodbridge Tide Mill an der Mündung des Flusses Deben in der Grafschaft Suffolk und die Eling Tide Mill am Eling Creek in der Grafschaft Hampshire. Das Prinzip dieser Mühlen ist einfach, man nutzt den Tidenhub aus, das heißt, wenn die Flut kommt, öffnen sich automatisch Tore, die zu dem hinter der Mühle gelegenen Teich führen, so dass das Wasser dort aufgestaut wird. Wenn die Flut zurückgeht, wird das Wasser vom Teich genutzt, um die Mühlräder anzutreiben. Aus den beiden Tide Mills in England hat man Touristenattraktionen gemacht.

An der Stelle, an der die Woodbridge Tide Mill steht, gab es schon vor über 800 Jahren Gezeitenmühlen, die jetzige wurde 1793 erbaut. 1957 wurde sie stillgelegt, doch glücklicherweise nach einer Komplettrestaurierung im Jahr 1973 wieder in Betrieb genommen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Besucher des Tide Mill Living Museums können zu bestimmten Tageszeiten bei Milling Demonstrations und dem Wheel Turning zuschauen. Das hier hergestellte Mehl kann man in Bäckereien und Bauernläden der Umgebung kaufen.
Hier ist ein Film über die Mühle.

Die Mühle ist von Ende März bis Anfang Oktober täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt £5.

The Tide Mill Living Museum
Tide Mill Way
Woodbridge
Suffolk
IP12 1BY

 

Die Eling Tide Mill.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Die Eling Tide Mill Experience in Hampshire lockt ebenfalls Besucher an. Seit rund 900 Jahren wird an dieser Stelle schon Mehl gemahlen, die heutige Mühle existiert seit 1785. Dank einer Finanzspritze des Lottery Heritage Funds konnten umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen werden; ein Besucherzentrum, ein Café und ein Lernzentrum wurden angeschlossen. Der Gezeitenmühle ging es ähnlich wie ihrer Schwester in Suffolk: Nachdem sie in den 1940er Jahren den Betrieb eingestellt hatte, konnte sie vor dem Verfall gerettet und zwischen 1975 und 1980 restauriert und der Öffentlichkeit übergeben werden. Das hier gemahlene Mehl bzw. die daraus hergestellten Kekse sind im Visitor Centre käuflich zu erwerben.
Dieser Film zeigt die Mühle.
De Mühle ist ganzjährig geöffnet, im Sommerhalbjahr täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr, im Winterhalbjahr donnerstags bis sonntags von 11 Uhr bis 16 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £6.

Eling Tide Mill Experience
24 Lexby Road
Totton
Hampshire 
SO40 9HD

 

Das Restoration House in Rochester (Kent) oder Wie ein Emu ein historisches Haus vor dem Abriss rettete

Mitten in der Charles Dickens-Stadt Rochester in Kent steht in der Crow Lane, gegenüber vom Park The Vines, ein Haus, das den Namen Restoration House trägt. König Charles II war hier zu Gast, kurz bevor die während des Englischen Bürgerkriegs abgeschaffte Monarchie  wiederhergestellt wurde, eine Zeit die Restoration genannt wird. Im 17. Jahrhundert verband man zwei nebeneinander stehende Gebäude und machte daraus eines, so entstand ein schönes Stadtpalais in Rochester. Der allgegenwärtige Charles Dickens, der nicht weit vom Restoration House wohnte, integrierte es in seinen Roman „Great Expectations“ (dt. „Große Erwartungen“) unter dem Namen Salis House und ließ darin seine Miss Havisham wohnen.

So stand das schöne, alte Haus, das direkt an die Vines Church grenzt, friedlich vor sich hin, als Mitte der 1980er Jahre die gefürchteten „developer“ auf die Idee kamen, das Haus platt zu machen und auf dem entstehenden Freiraum einen Parkplatz anzulegen; was auch um ein Haar geklappt hätte, wäre da nicht plötzlich ein Mann auf der Bildfläche erschienen, den in Großbritannien jedes Kind kannte und der durch seine Fernsehsendungen, in denen er mit seinem Emu auftrat, berühmt geworden war: Rod Hull (ich berichtete über ihn in meinem Blog). Der Emu, der durch seine Beißlust jeden zur Verzweiflung bringen konnte, hatte seinem Herrn und Meister sehr viel Geld eingebracht, und so kaufte Rod Hull 1986 Restoration House für £270,000, um es zu retten, außerdem war er ein großer Fan der Romane von Charles Dickens. Rod Hull zog in den bewohnbaren Teil des Gebäudes ein und gab eine sehr aufwendige Restaurierung des Hauses in Auftrag, die etwa eine halbe Million Pfund kosten sollte. Und dann zogen schwarze Wolken für Rod Hull am Horizont auf: Seine Fernsehsendungen wurden abgesetzt, sein Einkommen verringerte sich dramatisch, seine Steuerschulden türmten sich auf, und er konnte die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Restoration House war zu dieser Zeit, in der eine schwere Rezession herrschte und der Immobilienmarkt danieder lag, nicht verkäuflich. Ein Konkursverwalter übernahm das Gebäude, der Mann mit dem Emu war pleite. Seine Frau verließ ihn mit ihren gemeinsamen Kindern und zog nach Australien. Ein Freund überließ ihm ein Cottage in der Nähe von Rye, wo Rod Hull 1999 bei einem häuslichen Unfall starb (er stürzte vom Dach, als er dort oben eine Fernsehantenne richten wollte, um einen besseren Empfang eines Champion League-Fußballspiels zu bekommen).

Das Restoration House ist besuchbar, im Sommerhalbjahr immer donnerstags und freitags von 10 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £8.50. Hier ist ein Film über das Haus.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Die Verfilmung des Charles Dickens-Romans „Great Expectations“ aus dem Jahre 2012 fand zu großen Teilen auf der Isle of Sheppey in Kent statt…und dort wurde Rod Hull am 13. August 1935 geboren und dort ging er auch zur Schule.

The Restoration House
17-19 Crow Lane
Rochester
Kent ME1 1RF

 

Die Widecombe Fair im Dartmoor (Devon)

 

   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

  © Copyright Derek Harper and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Widecombe-in-the-Moor feiert einmal im Jahr am zweiten Dienstag im September ein großes Fest, die Widecombe Fair, zu dem Besucher aus ganz England in das Dorf strömen. Der hübsche Ort liegt im Dartmoor und ist im Sommer oft überlaufen, wenn sich ganze Busladungen von Touristen auf das Dorf stürzen. Das restliche Jahr geht es hier aber ruhiger zu, bis natürlich auf den zweiten Dienstag im September.
So um 1850 soll die Fair erstmals abgehalten worden sein; damals als eine Art Rinderauktion. Nach und nach wurde das Spektrum erweitert und heute findet man dort u.a. Stände mit Produkten aus der Region, eine Hundeshow, Tauziehwettkämpfe, Schafscherwettbewerbe und eine Ausstellung von alten Treckern und Dampfmaschinen.

Es gibt auch ein altes Volkslied in Devon mit dem Titel „Widecombe Fair„, dessen erster Vers so lautet:

Tom Pearce, Tom Pearce, lend me your grey mare.
All along, down along, out along lee.
For I want for to go to Widecombe Fair,
With Bill Brewer, Jan Stewer, Peter Gurney,
Peter Davy, Dan’l Whiddon, Harry Hawke,
Old Uncle Tom Cobley and all,
Old Uncle Tom Cobley and all

Der letzte Satz „Uncle Tom Cobley and all“ hat Eingang in die englische Sprache gefunden und bedeutet etwa „und viele andere“.
Die Widecombe History Group hat ein Buch zusammengestellt, in dem man sich ganz genau über den Werdegang der Fair informieren kann: „The History of Widecombe Fair„.
Die Widecombe Fair 2019 findet am 10. September statt.

Hier sind einige Impressionen von einer früheren Widecombe Fair.

   © Copyright Lewis Clarke and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

   © Copyright Lewis Clarke and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aus Widecpmbe mitgebracht. Eigenes Foto.

Aus Widecombe mitgebracht.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 17. Mai 2019 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Ghost signs in London – Alte Fassadenreklamen, die wieder eine Fangemeinde gefunden haben

In der Tottenham High Road.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Um wieder einmal auf eine Wikipedia-Definition zurückzugreifen: „A ghost sign is an old hand-painted advertising sign that has been preserved on a building for an extended period of time. The sign may be kept for its nostalgic appeal, or simply indifference by the owner“. Ghost signs sind also alte Fassadenreklamen, die mehr oder weniger verblichen sind, die aber einen gewissen Charme entwickelt haben. Die Firmen oder Fabriken für die sie geworben haben, existieren längst nicht mehr an der Stelle, man hat sich aber nicht mehr darum gekümmert, die Schriftzüge zu entfernen.
Diese Art „Industriekunst“ hat inzwischen Interessenten gefunden und in London werden Führungen angeboten, bei denen in bestimmten Stadtteilen diese ghost signs vorgestellt werden. Am 23. Mai bietet beispielsweise Jane Parker von 11 Uhr bis 12.30 Uhr die Tour „Ghost Signs of Holloway – handpainted history of N7“ an, bei der sie die Besucher durch den nördlichen Londoner Stadtteil Holloway führt und ihnen mehr als zehn ghost signs zeigt. Bereits am 17. Mai unternimmt sie eine Tour durch Islington mit dem Titel „Boxes, Babies, Beans and Bras… ghostsigns above and around the Regents Canal„.

Man kann sich auch eine App herunterladen, um auf eigene Faust eine Tour auf den Spuren von alten Fassadenreklamen zu unternehmen.

Der History of Advertising Trust hat ein Ghostsigns Archive zusammengestellt, in dem über 1100 Fassadenreklamen aus ganz Großbritannien dokumentiert sind.
Seine ganz persönlichen Londoner Top 10 hat der Experte Sam Roberts auf den Webseiten von „londonist.com“ veröffentlicht.

Man findet übrigens beide Schreibweisen im Englischen, einmal „ghost sign“ in zwei Wörtern und einmal „ghostsign“ zusammengeschrieben.

Im Stadtteil Highgate.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

In der Union Street in Southwark.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Am Acton Lane in Acton.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)

…und noch einmal an der Tottenham High Road.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Mai 2019 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Mein Buchtipp – Paul Adams, Eddie Brazil & Peter Underwood: The Borley Rectory Companion

Foto meines Exemplares.

Wer sich mit englischen „haunted houses“ beschäftigt, kommt an einem Haus nicht vorbei: Borley Rectory in Essex. Dieses am 27. März 1939 abgebrannte Gebäude, das fünf Jahre später komplett abgerissen wurde, hat im Laufe von Jahrzehnten so viel Aufmerksamkeit erregt wie kein anderes in ganz Großbritannien. Ich habe mich darüber bereits in einem Blogartikel ausgelassen und darin von meinem Besuch in Borley berichtet. Da das Pfarrhaus nicht mehr existiert, sollen sich einige unerklärliche Phänomene in die Dorfkirche verlagert haben. Noch heute kommen Leute aus dem ganzen Land nach Borley, in der Hoffnung, dort irgendetwas Gruseliges zu erleben (zum Leidwesen der Dorfbewohner). Hier ist ein Film über die Rectory.

Kein Thema in der Welt der englischen Geisterjäger ist so gut und so umfangreich dokumentiert worden wie der Fall Borley Rectory. Zweifler und „Gläubige“ haben Bücher darüber geschrieben, bis in die heutige Zeit. So etwas wie das ultimative Buch zum Thema ist „The Borley Rectory Companion: The Complete Guide To The Most Haunted House in England„, das im Jahr 2009 im Verlag The History Press erschienen ist. Die Autoren sind:

Paul Adams, ein 1966 geborener Schriftsteller, der sich speziell mit paranormalen Phänomenen beschäftigt
Eddie Brazil, in Dublin geboren, jetzt in Buckinghamshire lebend. Schon seit seiner Kindheit interessiert er sich für alles was mit Übernatürlichem zu tun hat
Peter Underwood (1923-2014), einer der ganz Großen in der Welt der englischen Geisterjäger. Er war viele Jahre Präsident des Ghost Clubs.

Die drei Autoren haben alles zusammengetragen, was man über das Phänomen Borley Rectory weiß und daraus eine Enzyklopädie erstellt. Das „Encyclopaedic Dictionary“ beginnt mit „A“ wie Robert Fordyce Aickman, einem Freund der Geisterjäger Harry Price und Peter Underwood und Mitglied des Ghost Clubs, und endet mit „W“ wie Robert Wood, der 1992 ein Buch mit dem Titel „The Widow of Borley“ veröffentlichte, in dem es um Marianne Foyster geht, die in den 1930er Jahren in der Rectory wohnte.

Auf die rund 280 Seiten lange Enzyklopädie folgt eine sehr detaillierte Chronologie der Vorfälle in Borley. Angereichert ist das Buch mit vielen Originalfotos. Hochinteressant für alle, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen möchten!

In diesem Jahr wurde der Film „The Haunting of Borley Rectory“ veröffentlicht, der zum Teil auch in Borley gedreht wurde. Hier ist der Trailer.

Paul Adams, Eddie Brazil & Peter UnderwoodThe Borley Rectory Companion: The Complete Guide To The Most Haunted House in England. The History Press 2009. 384 Seiten. ISBN 978-0-7509-8812-4.

 

 

Published in: on 15. Mai 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Ripon Hornblower – Eine der ältesten Zeremonien der Welt

Seit über 1100 Jahren wird in Ripon in North Yorkshire allabendlich eine Zeremonie ausgeführt, die noch nie unterbrochen worden ist. Der sogenannte Ripon Hornblower bläst exakt um 21 Uhr am Obelisken auf dem Marktplatz viermal in sein Horn „to set the night watch„. Grob geschätzt hat das etwa 410 000 mal stattgefunden.

Der Hintergrund der Zeremonie: Im Mittelalter war der Wakeman von 21 Uhr bis zum Morgengrauen, in Zusammenarbeit mit einigen Hilfskräften, für die Sicherheit und die Bekämpfung der Kriminalität in der Stadt zuständig. Der Stoß ins Horn signalisierte also den Beginn der Nachtwache. Später musste der Hornblower noch eine zusätzliche Aufgabe übernehmen: Nachdem er auf dem Marktplatz seine Pflicht erfüllt hatte, musste er auch vor dem Haus des Bürgermeisters oder dort, wo sich der Bürgermeister gerade aufhielt, noch dreimal in sein Horn blasen. In  diesem Film ist der Hornblower bei der Arbeit zu sehen.

Bis zum Jahr 2015 war George Pickles der alleinige Hornblower, danach hat der Rat der Stadt Ripon entschieden, mehrere Bläser einzustellen, die sich die Aufgabe teilen. £8.72 ist das „Gehalt“ pro Abend, bei Auftritten zu anderen Festivitäten gibt es £21.12.

Ripon ist heute stolz auf diese uralte Tradition und man findet das berühmte Horn natürlich auch im Wappen der Stadt.
Es gibt auch ein Lied, in dem die Geschichte des Hornblowers besungen wird, hier von Barry Sellers zu hören.

Der Arbeitsplatz des Hornblowers: Der Obelisk auf dem Market Place von Ripon.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Auch einen Pub gibt es in Ripon, der nach dem Bläser benannt ist.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Mai 2019 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Die Poppy Factory in Richmond (Surrey) – Seit 1922 im Zeichen der Klatschmohnblüte

Author: Nickeaglesfield.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Seit 1921 wird in England jedes Jahr am 11. November der Remembrance Day gefeiert. Zur Erinnerung an den 1. Weltkrieg steckt man sich dort an diesem Tag eine Klatschmohnblüte, eine Poppy, aus Papier ans Revers. Die Poppies sind in der englischsprachigen Welt zum Symbol für den „Großen Krieg“ geworden.
John McCrae schrieb in seinem Gedicht „In Flanders Fields„:

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below

Die künstlichen Klatschmohnblüten werden seit 1922 in der Poppy Factory hergestellt, die zuerst in London an der Old Kent Road lag, 1933 aber nach Richmond (Surrey) umzog.
Die nach dem 1. Weltkrieg gegründete Disabled Society hatte das Ziel, den im Krieg verwundeten und dadurch behinderten Soldaten zu helfen und so kam man auf die Idee, die Poppies durch diese Menschen herstellen zu lassen. Nach Absprache mit der Royal British Legion entwickelte man Poppies, die auch ein Behinderter mit nur einer Hand herstellen konnte. Schon nach wenigen Monaten stieg die Zahl der Beschäftigten von 5 auf 50.

Auch heute werden die Poppies von Männern und Frauen hergestellt, die einmal in der Armee gedient haben und behindert sind. 50 davon arbeiten in der Fabrik und etwa 50 sind Heimarbeiter. Viele Millionen Poppies für den Remembrance Day werden hier jährlich hergestellt, sowie 86 000 Kränze und Sträuße und 900 000 Remembrance Kreuze.

Man kann die Poppy Factory auch besichtigen: Zweimal am Tag werden Führungen für Gruppen durchgeführt, die jeweils zwei Stunden dauern.

Hier ist ein Film über die Factory.

In Schottland gibt es etwas Vergleichbares: Lady Haig’s Poppy Factory in Edinburgh.

The Poppy Factory
20 Petersham Road
Richmond, Surrey, TW10 

Published in: on 13. Mai 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Lord Toby Jug (1965-2019) und die Eccentric Party of Great Britain

Author: Robbowolf101
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Am 2. Mai verstarb ein englischer „Politiker“, dessen Tod in Deutschland nicht für Schlagzeilen sorgte, auch sein Heimatland verfiel nicht in tiefe Trauer. Sein Name lautet Brian Borthwick, aber etwas besser bekannt ist er als Lord Toby Jug, ein exzentrischer Mann, der jahrelang eine Rolle in der Official Monster Raving Loony Party spielte und dort vor allem in Cambridgeshire wirkte. Diese kuriose Partei wurde 1983 von dem Rock ’n‘ Roll-Sänger Screaming Lord Sutch gegründet. Lord Toby Jug war ein guter Freund des Sängers, der in dessen Band The Savages Bass spielte.
Der exzentrische „Lord“ erregte in seiner Heimatstadt St Ives in Cambridgeshire Aufsehen, als er sich 2009 dafür stark machte, die Statue von Oliver Cromwell durch eine von Lord Sutch zu ersetzen (womit er nicht durchkam), in den Great Ouse River Krokodile auszusetzen, damit mehr Touristen in die Stadt kämen, und das Rathaus von St Ives auf Rollen zu setzen, um es flexibler innerhalb der Gemeinde einsetzen zu können. Aus Toby Jugs Plänen wurde nichts.

Im Jahr 2014 überwarf er sich mit der Parteiführung der Loony Party, an dessen Spitze ein nicht minder exzentrischer Mann stand und noch steht: Alan „Howling Laud“ Hope, bekannt dafür, dass er sich die Parteiführung mit seiner Katze Catmando geteilt hatte (ich berichtete in meinem Blog darüber). Lord Toby Jug wurde aus der Partei geworfen, woraufhin dieser eben seine eigene neue Partei gründete, und wie sollte diese anders heißen als…The Eccentric Party of Great Britain, die unter dem Motto „Everyone knows that politics is a joke, but it’s a joke we want to be in on“ steht. Einen ersten Erfolg konnte Lord Toby Jugs Partei bereits erringen, denn ein Mitglied, Lady Jezebel Luxury Yacht, ist in den Rat der Stadt St Ives gewählt worden. Einen finanzkräftigen Sponsor hat die Eccentric Party of Great Britain, den Lotto-Multimillionär Adrian Bayford (er gewann £148.6 Millionen). Bayford hat nach eigenen Worten, die Schnauze voll von den „Mainstream-Politikern“ und meint, dass die Leute der Eccentric Party wenigstens zugeben, dass sie völlig überkandidelt sind. Seine Stimme haben sie sicher.

Einige Vorschläge der Partei:
Erziehung: Für jeweils zehn gemachte Selfies muss jeder dazu verpflichtet werden, ein Buch zu lesen.

Einwanderungspolitik: Auf Flughäfen sollen riesige Plakate von „Prominenten“ wie Russell Brand oder Jeremy Clarkson aufgestellt werden, um Fremde davon abzuhalten, ins Land einzureisen bzw. zu lange zu bleiben.

Alle Schwimmbäder des Landes sollen einmal pro Woche das Wasser ablassen, um auch Nichtschwimmern die Gelegenheit zum Baden zu geben.

Alle kostenpflichtigen Toiletten sollen verstaatlicht werden.

Am 2. Mai ist nun Lord Toby Jug leider verstorben. Alle, die einen Nerv für britische Exzentrizität haben, werden ihn vermissen!!

Diese Cromwell-Statue in St Ives (Cambridgeshire) sollte nach Plänen von Lord Toby Jug einer von Screaming Lord Sutch weichen.
Photo © David Bartlett (cc-by-sa/2.0)

Der River Great Ouse in St Ives: Hier wollte der Lord Krokodile ansiedeln.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Das Rathaus von St Ives (ohne Rollen).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

…und Blackpool in Lancashire zum zweiten: Der Comedy Carpet

Schräg gegenüber vom Pub The Albert and the Lion an der Promenade in Blackpool, den ich gestern in meinem Blog erwähnte, findet der Besucher des Seebades etwas Außergewöhnliches: The Comedy Carpet. Der Blackpool Council gab das £2.6 Millionen teuere Kunstwerk in Auftrag, das 2011 von dem mittlerweile verstorbenen Comedian Ken Dodd der Öffentlichkeit übergeben wurde (in diesem Film zu sehen). Der 2,200m² große „Teppich der Komiker“ erinnert an über 1000 Comedians, Männer und Frauen, die über Jahrzehnte die Besucher von Blackpool zum Lachen gebracht haben. Kreiert wurde das Kunstwerk von Gordon Young, der dafür im Jahr 2012 mit dem  Marsh Award for Excellence in Public Sculpture ausgezeichnet wurde. Es steckt wirklich eine Unmenge an Arbeit in diesem Werk (ca 5 Jahre), bei dem 160 000 Buchstaben auf Betonplatten angebracht wurden. Auch die Recherchearbeit hat viel Zeit in Anspruch genommen, denn zu den Comedians mussten „jokes, songs and catchphrases“ herausgesucht werden, durch die sie bekannt geworden sind. Die Typografie ist sehr speziell, es gibt kleine Buchstaben, große Buchstaben, mal kann man den Text von der einen Seite, mal von der anderen Seite lesen.

Das begehbare Kunstwerk bietet sich auch an, um zu raten, von wem die Sprüche wohl stammen könnten. Hier sind einige Beispiele:

„Doctor, I have broken my arms in several places“, Doctor: „Well, don’t go to those places“ (Tommy Cooper)

„It was a perfect marriage. She didn’t want to and he couldn’t“ (Spike Milligan)

„He’s not the Messiah, he’s a very naughty boy“ (Monty Python)

„She was so cross-eyed, when she cried the tears ran down her back“ (Les Dawson)

„I thought coq au vin was love in a lorry“ (Victoria Wood)

Dieser Film zeigt wie der Comedy Carpet hergestellt wurde.

Blackpool in Lancashire zum ersten… Marriott Edgar (1880–1951) und seine bitterböse Geschichte von Albert und dem Löwen

Der Wetherspoon-Pub an der Strandpromenade von Blackpool.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

An der Strandpromenade von Blackpool, direkt neben dem berühmten Turm, findet man einen Pub der Wetherspoon-Kette, der The Albert and the Lion heißt. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Name für einen Pub und man fragt sich sofort, woher der Name wohl kommt. Der geht auf einen Comedian zurück, und zwar auf Marriott Edgar, der von 1880 bis 1951 lebte und auch in Blackpool auftrat. Edgar stammte aus Schottland und man kannte ihn vorwiegend durch seine Darstellung von „pantomime dames„, das sind Frauen in den Pantomimes, die durch Männer personifiziert werden. Damit tourte er durch mehrere Kontinente und war sehr erfolgreich. Und dann waren da noch die Monologe, die er schrieb und die er selbst vortrug bzw. sein Bühnenkollege Stanley Holloway. Einer dieser Monologe hieß „The Lion and Albert„, der möglicherweise auf einer wahren Begebenheit basiert und etwas für Freunde rabenschwarzen britischen Humors ist. Stanley Holloway wurde damit berühmt.

Worum geht es in diesem Gedicht? Die Ramsbottoms (Vater, Mutter und ihr kleiner Sohn Albert) machen Urlaub in Blackpool, und da sie sich nicht besonders für Meer und Strand interessieren, gehen sie zusammen in den Zoo. Albert hält einen Stock in der Hand und als sie am Löwenkäfig vorbeikommen, in dem ein Löwe namens Wallace friedlich schläft, stößt ihm Albert seinen Stock tief ins Ohr. Wallace gefällt das überhaupt nicht, er schnappt sich den frechen kleinen Jungen, zieht ihn in seinen Käfig und frisst ihn mit Haut und Haaren auf (inklusive seines Sonntagsanzuges). Was nun folgt ist wirklich rabenschwarzer Humor und gipfelt in der Bemerkung eines Polizeibeamten, er hoffe, dass die Ramsbottoms noch weitere Söhne hätten (so dass ihnen der Verlust Alberts nicht so besonders schwer fiele).

Man muss diese böse Geschichte selbst hören und hier ist sie, von Stanley Holloway vorgetragen, und hier zum Nachlesen.

Den Blackpool Zoo gibt es natürlich heute noch und einer der Bewohner ist ein Löwe namens Wallace…

Apropos „Wallace“: Marriott Edgars Vater Richard hatte 1874 eine Affäre mit einer verwitweten Schauspielerin namens Mary Jane „Polly“ Richards. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, der den Namen Richard Horatio Edgar Wallace trug. Ja, das war der spätere berühmte Autor von zahlreichen Kriminalromanen.

Wallace the Lion im Zoo von Blackpool.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Die Great Coxwell Barn in Oxfordshire – Eine der schönsten und ältesten Zehntscheunen Englands

Man nennt sie „tithe barns“ im Englischen, im Deutschen Zehntscheunen, jene Lagerhäuser, in denen die Zehnt aufbewahrt wurden, also der zehnte Teil der Ernte, die ein Bauer als Steuer im Mittelalter an die Kirche abtreten musste. Es sind noch eine ganze Menge dieser Scheunen übrig geblieben, eine der schönsten steht in Oxfordshire, in dem Dörfchen Great Coxwell, nordöstlich von Swindon (Wiltshire), an der A420 gelegen. Die Great Coxwell Barn liegt etwas außerhalb des Ortes und sieht ein bisschen wie eine Kirche ohne Fenster und Turm aus. Die Scheune wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut und zwar für den Zisterzienserorden, dessen Abtei sich in Beaulieu in Hampshire befand. Schon im Jahre 1205 hatte King John (1166-1216) dem Orden einige Manors zugesprochen, zu denen auch Great Coxwell gehörte.

Die Scheune hat eine Länge von 46 Metern, ist 13 Meter breit und 15 Meter hoch; hier passte also eine Menge an Getreide und anderen Gütern hinein, die die Bauern abgeben mussten. Nachdem die Abtei 1538 aufgelöst wurde, kam die Scheune immer wieder die Hände wechselnder Besitzer bis sie schließlich 1956 der National Trust übernahm.

Die Great Coxwell Barn hatte einige berühmte Bewunderer, darunter den Dichter und Textildesigner William Morris, der sie mit einer Kathedrale verglich, den Kunsthistoriker Sir Nikolaus Pevsner, der besonders für die Innenarchitektur schwärmte, und den Architekten Ludwig Mies van der Rohe.

Man kann sich die Scheune täglich ansehen, sie ist von morgens bis abends zugänglich, und der Eintritt ist kostenlos.

Dieser Film zeigt die Scheune von innen und von außen.

Meine Lieblings-Pubs: The Royal Oak in Marlborough (Wiltshire)

Eigenes Foto.

Kürzlich suchte ich, als ich in Wiltshire unterwegs war, einen Pub, um dort einen Lunch zu mir zu nehmen. In Marlborough wurde ich fündig und fand einen Parkplatz direkt vor der Royal Oak. Marlborough ist eine hübsche lebhafte Kleinstadt mit rund 8000 Einwohnern, deren Mittelpunkt die High Street bildet, die laut einem Ranking in diesem Jahr Platz 10 unter Großbritanniens besten Einkaufsstraßen einnimmt. Die High Street zählt zu den breitesten Straßen im ganzen Land.

Hier also, zwischen etwa 200 kleinen Geschäften (viele davon gehören nicht zu Ketten), liegt The Royal Oak, in dem es in der Mittagszeit recht ruhig zuging. Der Pub gehört zur Greene King Brauerei, über deren Besuch ich in meinem Blog berichtete. Der einstige Coaching Inn ist täglich jeweils ab 10 Uhr geöffnet und schließt nie vor 23 Uhr.

Die Speisekarte ist sehr umfangreich und bietet neben Pub-Classics wie Steak and Kidney Pie und Fish and Chips auch etwas ausgefallenere Gerichte an wie die Halloumi Platter, Pulled Pork Nachos und das Philly Steak Sandwich. Dazu werden die Biere der Greene King Brewery aus Bury St. Edmunds in Suffolk serviert. Bei warmem Wetter, das wir leider nicht hatten, können die Gäste auf der Rückseite des Hauses im Biergarten sitzen. Parkmöglichkeiten gibt es in der Mitte und am Rand der High Street. Dieser Film zeigt eine Fahrt mit dem Auto durch Marlborough, die auch an der Royal Oak vorbeiführt.

The Royal Oak
111 High Street
 Marlborough Wiltshire SN8 1LT

Die High Street von Marlborough in Wiltshire.
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Mai 2019 at 02:00  Comments (5)  
Tags:

Seven Dials, „Covent Garden’s Hidden Shopping Village“ – Vom Slum zum Einkaufsviertel

The Sundial Pillar.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Wer Agatha Christies Roman „Der letzte Joker“ gelesen hat, ist schon einmal mit dem Begriff „Seven Dials“ konfrontiert worden; der Originaltitel lautet „The Seven Dials Mystery“ und ist 1929 erschienen. In dem Krimi spielen, wie der englische Titel schon zum Ausdruck bringt, Uhren eine Rolle und da ist der Bezug zu dem Londoner Viertel, das noch heute Seven Dials genannt wird. Verfilmt wurde der Roman 1981 unter dem Titel „The Seven Dials Mystery“ (dt. „Das Geheimnis der sieben Zifferblätter“); hier sind einige Ausschnitte.

Die Geschichte beginnt um 1690 herum, als Thomas Neale, ein Unternehmer und Parlamentsabgeordneter, diesen Teil von London durch entsprechende Baumaßnahmen attraktiv gestalten und finanzkräftige Bewohner anlocken wollte. Sieben Straßen kamen hier zusammen und in der Mitte stand eine Säule, die oben an der Spitze von sechs Sonnenuhren verziert war; die Säule selbst diente ebenfalls als Sonnenuhr.
Konzipiert wurde der „Sundial Pillar“ von Edward Pierce, einem der damals bekanntesten Steinmetze.
Leider verlief alles nicht so wie sich Thomas Neale das vorgestellt hatte, denn die reichen Leute siedelten sich hier nicht an blieben aus. Im Laufe der Jahre verkam diese Gegend total. Die Säule wurde zum Treffpunkt zwielichtiger Gestalten, Taschendiebe übten ihre Geschäfte aus und Prostituierte lasen hier ihre Freier auf. 1773 riss man die Säule ab, um vielleicht auf diesem Wege die unerwünschten Personen los zu werden. Die Gegend versank in Armut und das blieb auch viele Jahre so, auch noch als Agatha Christie ihren Roman konzipierte. Erst in den 1970er Jahren ging es mit Seven Dials aufwärts. Viele Gebäude wurden wieder hergerichtet und es siedelten sich Geschäfte an. Man besann sich wieder auf die damals abgerissene Säule und konstruierte nach den alten Plänen eine neue, die dem Seven Dials Trust gehört, der sich auch um das Wohlergehen des Distrikts kümmert. Die Straßenschilder der auf den Platz führenden Straßen führen alle, neben dem Schriftzug „London Borough of Camden“, den Zusatz „Seven Dials“.

Zwei blaue Plaketten sind in dem Viertel zu finden. In der Monmouth Street Nummer 13 erinnert eine von ihnen daran, dass hier das Büro des Beatles-Managers Brian Epstein war, die andere, im Neal’s Yard, trägt die Inschrift „Monty Python, Filmmaker, lived here, 1976-1987”.

Seven Dials ist heute eine lebhafte Zone mit vielen Geschäften und Restaurants und nennt sich „Covent Garden’s Hidden Shopping Village„, in dessen Mittelpunkt der Sundial Pillar steht.

Foto meines Exemplares.

The Memorial to Heroic Self Sacrifice im Londoner Postman’s Park

In der Londoner City, unweit der St Paul’s Kathedrale, liegt der Postman’s Park, der nach dem Hauptpostamt benannt wurde, das hier einmal untergebracht war.
Auf dem Gelände des Parks, der früher einmal ein Friedhof war, steht seit dem Jahr 1900 das Memorial to Heroic Self Sacrifice, eine Idee des viktorianischen Malers und Bildhauers George Frederic Watts (1817-1904).

Geschützt von einem 15m langen Dach besteht das Memorial aus einer Wand mit 120 Kacheln von denen jede einem Helden gewidmet ist, der bei dem Versuch andere Menschen zu retten, dabei selbst ums Leben gekommen ist. Neben dem Namen des Helden ist auch kurz beschrieben, wofür er geehrt worden ist.
Bei der Einweihung waren lediglich vier dieser Kacheln „besetzt“, bis zum Jahr 1908 kamen noch etliche dazu, in den 1930er Jahren wurden weitere vier Helden geehrt und dann war Schluss; lediglich am 11. Juni 2009 widmete man eine weitere Gedenktafel einem gewissen Leigh Pitt, der einem ertrinkenden Jungen das Leben rettete, dabei aber selbst ertrank.
54 Kacheln sind bis heute besetzt, Platz genug für weitere Helden wäre also da.

Dieser Film zeigt das Memorial to Heroic Self Sacrifice und die Namen der aufopferungsvollen Menschen.

Die Dry Stone Walling Association – Eine Gesellschaft, die sich für den Erhalt von Trockenmauern stark macht

Eine Dry Stone Wall in Lancashire.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

Wenn man durch die Yorkshire Dales fährt, sieht man, dass die Weiden dort zum großen Teil durch Trockenmauern und nicht durch Zäune umfasst werden. Diese Dry Stone Walls werden in Großbritannien schon seit mehr als 3000 Jahren verwendet und erfreuen sich eben auch heute noch großer Beliebtheit, denn sie sind robust und umweltfreundlich. Es müssen für die Umzäunung keine Bäume gefällt werden, die in den Regionen, in denen die Trockenmauern gebaut werden, sowieso nicht im Überfluss vorhanden sind.

Die 1968 gegründete Dry Stone Walling Association (DSWA) propagiert den Einsatz der Natursteine in der Landwirtschaft, veranstaltet Seminare und gibt Trainingskurse für Interessierte.
The main aims of the Association are to promote a greater understanding and knowledge about the traditional craft of dry stone walling and to encourage the repair and maintenance of dry stone walls throughout the country„.

Es gibt Zweigstellen der DSWA in Schottland, Wales und vielen Teilen Englands, die sich auf regionaler Ebene für den Einsatz der Dry Stone Walls stark machen.

HRH The Prince of Wales ist übrigens ein Befürworter des Trockenmauerbaus und ist Schirmherr der DSWA.

Es gibt in Großbritannien eine Fülle von Büchern und DVDs, die sich alle mit diesem Thema beschäftigen. Der Bau von Trockenmauern, bei denen kein Mörtel zur Anwendung kommt, erfreut sich auch in Privatgärten zunehmender Beliebtheit.

Hier ist ein Film über Dry Stone Walling in Derbyshire.

Das Buch zum Artikel:
Andy Radford: A Guide to Dry Stone Walling. The Crowood Press 2001. 128 Seiten. ISBN 978-1861264442.

…und eine Mauer in North Yorkshire.
Photo © Christopher Hall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Mai 2019 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Famous Graves – William Blighs Grab im Garden Museum in Lambeth (London)

Das  Museum of Garden History, das jetzt Garden Museum heißt und im Londoner Stadtteil Lambeth liegt, war das einzige Museum der Welt, das sich ausschließlich der Geschichte des Gartens widmete. Nach umfangreichen Umbauten öffnete es 2017 wieder die Tore für die Öffentlichkeit. Untergebracht ist das Museum in der 1972 aufgelassenen Church of St Mary-at-Lambeth, auf deren Kirchhof ein Grab zu finden ist, in dem einer der berühmtesten Seeleute aller Zeiten zu finden ist, der durch eine Meuterei bekannt geworden ist. Es handelt sich dabei um William Bligh (1754-1817), Kapitän auf der „Bounty„, deren Matrosen am 28. April 1789 im Südpazifik die Gewalt über das Schiff übernahmen und Bligh samt 18 seiner Getreuen im offenen Meer in einem Boot aussetzten. Bligh gelang die unglaubliche Leistung, mit diesem Boot etwa 6500 Kilometer zum rettenden Ufer zurückzulegen. Als er wieder in England eintraf, sprach ein Gericht Bligh von jeder Schuld an der Meuterei frei. Er wurde befördert, nahm an den napoleonischen Kriegen teil und schließlich zum Gouverneur der britischen Kolonie New South Wales in Australien ernannt. Seine Karriere endete mit der Beförderung zum Vizeadmiral im Jahr 1814.
Am 7. Dezember 1817 starb der Mann, der bis heute durch die Meuterei auf der Bounty weltberühmt geblieben ist. Seine Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 1984 unter dem Titel „The Bounty“ (dt. „Die Bounty“), mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle; hier ist ein Ausschnitt.

William Blighs Grabmal liegt nur einen Steinwurf von der Themse entfernt. Die Inschrift auf dem Grab lautet:

SACRED

TO THE MEMORY OF
WILLIAM BLIGH ESQUIRE FRS
VICE ADMIRAL OF THE BLUE
THE CELEBRATED NAVIGATOR
WHO FIRST TRANSPLANTED THE BREAD FRUIT TREE
FROM OTAHETTE TO THE WEST INDIES
BRAVELY FOUGHT THE BATTLES OF HIS COUNTRY
AND DIED BELOVED RESPECTED AND LAMENTED
ON THE 7th DAY OF DECEMBER 1817
AGED 64

Das „FRS“ steht für „Fellow of the Royal Society“. Hier ist ein Film über einen Besuch am Grab des Seemannes.

Blighs Londoner Wohnsitz liegt nicht weit entfernt in der Lambeth Road Nummer 100. Das Haus ist mit einer entsprechenden Plakette versehen.

William Blighs Haus in der Lambeth Road Nummer 100.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

William Huskisson (1770-1830) – Das erste prominente Opfer eines Eisenbahnunglücks

An dieser Stelle ereignete sich das Unglück. Ein Denkmal erinnert daran.
Photo © David Ashcroft (cc-by-sa/2.0)

Am 15. September 1830 kam erstmals in der Geschichte des englischen Eisenbahnwesens ein Mensch ums Leben, der in die Kategorie „Prominenter“ einzuordnen ist. Vorher starben schon Eisenbahner, die im technischen Betrieb tätig waren, aber an diesem Tag im September erwischte es einen Politiker und Parlamentsmitglied namens William Huskisson (1770-1830), der bei der Eröffnung der neuen Liverpool and Manchester Railway anwesend war. Die 56 km lange Eisenbahnstrecke verband die Industriestadt mit der Hafenstadt.

An diesem denkwürdigen Tag starteten acht Züge von Liverpool aus; in einem fuhr der damalige Premierminister Arthur Wellesley, Duke of Wellington, mit.

Bei Newton-le-Willows in Lancashire (jetzt Merseyside) musste der Zug, in dem die Prominenz saß, anhalten, damit die Lokomotive Wasser aufnehmen konnte. Man stieg aus, um sich die Beine zu vertreten; William Huskisson wechselte ein paar Worte mit dem Premierminister und achtete nicht besonders auf das parallel verlaufende Gegengleis auf dem sich die Dampflokomotive Rocket näherte. Als er sich der Gefahr bewusst wurde, versuchte Huskisson noch, sich in den Waggon zu flüchten, doch die Wagentür schwang auf und der daran hängende Politiker geriet genau in den Weg der heranrauschenden Lokomotive. Huskisson stürzte und sein linkes Bein wurde von den Rädern der Lok zertrümmert.
Der berühmte Eisenbahnpionier George Stephenson fuhr den Schwerverletzten mit einem Zug in das nächstgelegene Krankenhaus nach Eccles, wo man versuchte, dem Parlamentsmitglied das Leben zu retten. Die Verletzung war aber zu schwerwiegend und Huskisson starb noch am selben Tag.

Huskisson wurde auf dem St James Cemetery in Liverpool beerdigt und an dem Ort, an dem er ums Leben kam, errichtete man eine Gedenktafel, die heute im National Railway Museum in York untergebracht ist.

Hier ist die Geschichte noch einmal im Film zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Simon Garfield:  The Last Journey of William Huskisson – How a Day of Triumph Became a Day of Despair at the Turn of a Wheel. Faber and Faber 2003. 256 Seiten. ISBN 978-0571216086.

Das Huskisson Mausoleum auf dem St James’s Cemetery in Liverpool.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Nicola Metcalfe: „The Ghost of Thomas Streckton“ – Eine wahre Geistergeschichte

Die Autorin der Kurzgeschichte: Nicola Metcalfe.
With friendly permission of the author.

Im März diesen Jahres traf ich mich mit der Künstlerin Nicola Metcalfe in ihrem Wohnort in Marlow (Buckinghamshire), über die ich in meinem Blog schon einmal berichtet habe. Sie stellt wunderschöne Dinge her, die man sich auf ihren Webseiten ansehen kann. In meinem Wohnzimmer hängen zwei ihrer Kunstwerke und auf dem Rücksitz meines Autos liegt ein ganz tolles Kissen mit Motiven aus Marlow.

Während unserer Unterhaltung kamen wir zufällig auf das Thema Seckford Hall Hotel (ich stellte es in meinem Blog bereits vor) zu sprechen, und da erzählte sie mir, dass sie verwandtschaftliche Verbindungen nach Woodbridge in Suffolk hat, wo dieses Hotel steht, und dass sie einmal eine kleine Geistergeschichte geschrieben hat, die sich um dieses  Hotel und die St Mary’s Parish Church dreht. Es ist eine wahre Begebenheit aus ihrer Kindheit, und das Besondere daran ist, dass ihr Vater, der ein sehr pragmatischer Mensch ist, der eher nicht an Übernatürliches glaubt, es so erlebt hat. Die Geschichte hat sich also tatsächlich so abgespielt wie Nicola es in ihrer Geschichte erzählt. Ich finde die Ghost Story sehr gut geschrieben, und sie erinnert mich an die Erzählungen von Montague Rhodes James. Mit Nicola Metcalfes Genehmigung darf ich „The Ghost of Thomas Streckton“ hier in meinem Blog wiedergeben. Streckton Hall ist also gleich Seckford Hall und den Tudor Room gibt es wirklich. Hier ist ein kurzer Film über das Hotel.

The Ghost of Thomas Streckton

My father is a total sceptic. He’s an ex-engineer with a perfectly rational explanation for everything. 
But even he admits, something very odd happened late that evening in 1978.

Our family name is Strexton, a straightforward, yet slightly obscure English surname that most people misspell. A keen genealogist, Dad had always been interested in researching his origins. His mother was born on the borders of Devon and Cornwall but looked every bit the Celt, with her plume of jet black hair and dark twinkling eyes. His father, a fine chapel man, was also the owner of a thriving village shop in deepest Sussex which provided a hub for the local, mainly farming, community. Through his research, Dad discovered that Strexton was not a local Sussex name though. Indeed, Strexton’s origins were in Suffolk. It was a pioneering Jack Strexton, a miller by trade who upped sticks from the comparatively flat environs of Woodbridge to down sticks near the rolling Sussex Downs. The cause of this move was unclear but encouraged Dad to pursue our Woodbridge connections

A family outing was arranged. I was a child of nine and probably displayed little interest in anything, especially decaying relatives who lay at the end of a long car journey. My parents, my two brothers and I arrived in Woodbridge on a damp, cold November morning and, having visited a little tea shop, headed immediately for the Parish Church. I cannot remember the name of the church, but I do recall the temperature dipping a couple of degrees upon entering. There was hard, artificial light which opened up the belly of the Nave to thorough scrutiny by a small party of Strextons. Thus, we began the study of wall plaques, floor slabs and the mottled Parish register which lay, somewhat vulnerably, in a chapel, on the northern side of the church. Two ladies arrived and busied themselves with flower arranging and a little light dusting. Dad was bent low over the register.

‘Who are you looking for?’ said the lady with the duster.

My Dad explained that we were pursuing a ‘Jack Strexton’ and we had reason to believe he was born in Woodbridge.

‘Strexton!’ the lady said, rather excitedly. ‘Is he any relation to Thomas Streckton? Thomas Streckton is a very famous man in Woodbridge, a great benefactor and influential citizen. That’s his tomb, just there and in the North window of the West wall, you can see his coat-of-arms. Come and have a look.’

This was a development in his research my Dad had not anticipated. Could we really be related to such an lofty figure and if so, at what point did Streckton become Strexton? We learned from the duster lady that the Streckton’s had enjoyed the benefits of a family seat no more than a mile from Woodbridge, which was now a hotel and therefore, open to the public. It seemed an appropriate place to adjourn for lunch.

Streckton Hall lay in a natural hollow, beyond a towering gate house and winding drive. Very much an Elizabethan property, the brickwork of this beautiful house was a soft red colour and was topped with a multitude of chimneys and crenellations. The monumental front door opened into a reception room bedecked with sumptuous carved beams and joists and a unique, medieval looking partition with the most intricate latticing, gently screened the Great Hall beyond. We enjoyed hot soup in the bar, observed by perhaps sixty faces, which were carved into doors, over fireplaces and on wooden panelling. The hotel literature told us that Thomas Streckton was not only a man of importance locally but nationally. He had been one of the Masters of the Court of Requests to Elizabeth I. Indeed, Elizabeth I had held court at Streckton Hall. Hotel guests could, if they chose to, sleep in The Tudor Room, home to a four poster bed circa 1587 and decorated with vast oil paintings and suits of armour. Also a feature of this room was the ghost of Thomas Streckton himself, a nightly visitor, by all accounts, who wafted benignly across the foot of the bed! Needless to say, this really captured our imaginations and heading home later that day the atmosphere in the car was taut with possibilities. Could we, the Strextons, really have such an impressive ancestor?

Suffolk is a long way by car from Marlow, and being November, daylight soon vanished and most of the drive was undertaken in chilly darkness. Us children were fed and put to bed and my parents opened a bottle of wine and sat down to contemplate the days events. Mum noticed it first, a sudden dip in temperature. She adjusted the thermostat. The whole fabric of the house creaked as the boiler trickled heat into the radiators.

‘What do you think about a night in the Tudor Room?” said Dad. “Could be rather exciting.”

There was no reply. Mum was holding her glass of wine with a look of incredulity. When she had picked it up, it had left the stem behind on the coaster. She fetched another glass from the kitchen and transferred the wine into the new glass. She shivered.

“It’s not getting any warmer,” she said. Despite the creaking of the radiators, the temperature did indeed appear to be dropping. Dad felt the radiator.

“This one’s scorching,” he said.

They sat in silence. The big wall clock ticked. The room felt like the inside of a church. They expected to see their breath clouding out in front of them.

“I’ll put the fire on,” said Dad after a while. He lit the gas fire, sat down and picked up his glass. As he tipped it, to drink, the whole rim of his glass fell cleanly into his lap.

“Now, that is odd,” he said, but ever the engineer, attributed this to a sudden change in temperature. The curtains at the far end of the room drifted open slightly.

“Oh, well there you are,” said Dad. “It’s no wonder it’s cold. We’ve left a window open!”

He drew back the curtains but all windows were soundly shut.

“Are you going to get another glass?” said Mum.

“I don’t know,” said Dad.

They lapsed back into silence. The lights dimmed very slightly. They looked at each other.

“I’ll get another glass,” said Dad.

“I’ll come with you,” said Mum not wanting to be left alone.

They returned with the new glass and tentatively sat down. It was hard to know what to talk about so they continued their spell of quiet contemplation.

“The clock’s stopped!” said Dad, suddenly.

“So it has,” said Mum. She shivered violently and said, “When is it going to warm up in here?”

“Have another drink,” said Dad. Mum picked up her glass. As her fingers applied gentle pressure to it, the whole vessel seemed to fold in on itself and she was left holding great chunks of glass with wine pooling on the carpet.

“I don’t think I want any wine now,” she said, looking ashen-faced. She felt a strand of her hair alight briefly on her cheek, fanned by a sudden sighing in the air. “I don’t like this!” she cried and stood up, panting, her eyes flying from one object to the next, her hand still grasping the broken glass which was digging into her skin, though she was oblivious. They looked at each other again and listened, their ears probing the silence for some kind of clue as to what was going on.

“Perhaps we shouldn’t stay in the Tudor Room?” said Dad slowly. He awaited a response, not necessarily from Mum. Silence again. He ran a hand round the neck of his jumper. “The gas fire’s done the trick,” he whispered. “I’m sweating now.”

The temperature had suddenly risen and was almost intolerably hot and the lights glowed a little brighter. The clock chimed midnight. The door opened. I stood there, complaining I was hot.

My parents knocked off the heat and went to bed though I’m not sure they slept.

It is no surprise that we have never returned to Streckton Hall. We have never dared to even discuss returning there. For some reason he didn’t want us. Perhaps there was some dark family secret to which we were indubitably linked. Whatever it was, I like to believe that he was protecting us in death as he had benefitted those in life. But protecting us from what? I don’t want to know.

The End

Copyright: Nicola Metcalfe

Seckford Hall bei Woodbridge in Suffolk.
Eigenes Foto.

The Parish Church of St Mary’s in Woodbridge.
Author: Martin Pettitt.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

 

Published in: on 2. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags: