Cross Bones Graveyard – Ein ehemaliger Friedhof für Prostituierte im Londoner Stadtteil Southwark

Im Schatten des riesigen Londoner Hochhauses The Shard, im Stadtteil Southwark, findet der Wanderer durch die Straßen des Viertels einen ehemaligen Friedhof, der zu einem Schrein umgebaut worden ist, und der Cross Bones Graveyard heißt. Hier sind einmal über 15 000 Menschen beigesetzt worden, vor allem Prostituierte, Kleinkinder und arme Leute. Die Damen des ältesten Gewerbes der Welt nannte man seinerzeit „Winchester Geese„, da sie die Lizenz zur Ausübung ihres Berufes vom Bischof von Winchester erhielten, der die Hoheit in diesem Teil Londons hatte. Die Behörden der City of London besaßen für diese Region keinen Zugriff, daher siedelten sich hier Bordelle, Spielhöllen und andere Betriebe an, die in anderen Teilen Londons nicht zugelassen waren; der Bischof von Winchester nahm es mit der Moral nicht so genau, dafür spülten diese Gewerbe viel Geld in seine Kasse.

Im Jahr 1853 wurde der Friedhof wegen Überfüllung geschlossen, man hatte die Leichen aus Platzmangel in mehreren Schichten übereinander zur letzten Ruhe gebettet. Viele von ihnen brachte man später auf den Riesenfriedhof von Brookwood in Surrey (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Da Cross Bones sehr zentral in London lag, warfen Bauherren begehrliche Blicke auf das Grundstück, doch die Bewohner des Stadtteils wehrten Bebauungspläne immer wieder ab. Es bildete sich eine Interessengemeinschaft, die Friends of Cross Bones, die diesen kleinen Streifen Land am Red Cross Way in einen Garden of Remembrance umgestalteten, in Erinnerung an die Außenseiter der Gesellschaft, die hier einmal ihre letzte Ruhe fanden. An dem Geländer, das Cross Bones umzäunt, ist eine Plakette angebracht, dessen Inschrift mit den Worten „The Outcast Dead – R.I.P.“ endet. Dieses Geländer ist geschmückt mit unzähligen bunten Schleifen, Blumen, Ketten und kleinen Botschaften. Einmal im Monat, immer am 23., findet eine Art Mahnwache an dieser Stelle statt, die letzte war am 23. Mai, die 180. seit Beginn im Juni des Jahres 2004.
Ganz besonders hat sich der Schriftsteller John Constable für Cross Bones eingesetzt, der in Southwark wohnt und schon seit Jahren Vorträge hält und Führungen zu unterschiedlichen Themen durch den Stadtteil veranstaltet (Ghost Walks, Auf den Spuren von Charles Dickens usw.).

Hier ist ein sehr stimmungsvoller Film über Cross Bones Graveyard.

Published in: on 25. Mai 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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