Englische Exzentriker – Stanley Green, der einsame Kämpfer gegen die fleischliche Lust auf der Londoner Oxford Street

Author: Sean Hickin. This work is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 License.

Author: Sean Hickin.
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Stanley Green (1915 – 1993) war 25 Jahre lang ein Original, ohne das man sich die Londoner Oxford Street kaum vorstellen konnte. Diese Straße war nämlich sein Arbeitsplatz, auf der er tagaus, tagein entlang marschierte und sein Anliegen vorbrachte, das ihn sein Leben lang beschäftigte: Der Verzicht auf Protein.
Auf einer großen Tafel, die er inmitten der vielen Menschen auf der Londoner Shopping-Meile hochhielt, stand:
Weniger Lust durch weniger Protein: Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Käse, Erbsen, Bohnen, Nüsse…und Sitzen„.

Der „Protein-Mann“ sah in der „fleischlichen Lust“ (hier ist nicht das Essen gemeint!) das Grundübel der Menschheit. Enthaltsamkeit bis zur Hochzeit forderte er, und das wäre viel leichter zu erreichen, wenn man auf proteinhaltige Nahrungsmittel ganz oder zumindest teilweise verzichtet, und auf das Sitzen (?).

Er kam mit dieser Forderung natürlich nicht bei allen Menschen gut an, so zog er sich den Zorn so mancher jungen Dame zu, die er belehrte „In Deiner Hochzeitsnacht wird es zu spät sein, Deinen Mann davon zu überzeugen, dass Du noch Jungfrau bist, obwohl das nicht mehr zutrifft„.

Stanley Green verkaufte auf seiner „Oxford-Street-Missions-Tour“ auch eine kleine Broschüre, in der er die Vorzüge des Verzichts auf proteinreiche Nahrung noch einmal erläuterte. „Eight Passion Proteins with Care„, so der Titel der Broschüre, die er selbst herstellte, und von der er in 20 Jahren 87 000 Exemplare absetzte.

Der „Protein-Mann“ schaffte es sogar in das renommierte „Oxford Dictionary of National Biography„, in dem ein Eintrag über ihn zu finden ist. Nach seinem Ableben erschienen in einigen großen englischen Tageszeitungen Nachrufe auf ihn.

Was wäre England ohne seine mal mehr, mal weniger liebenswerten Exzentriker? In diesem Film ist Stanley bei einem Interview auf der Oxford Street zu sehen (ab 30.55 Minuten).

Der englische Musiker Martin Gordon schrieb im Jahr 2013 einen Song mit dem Titel „Stanley Green“, hier zu hören.

Published in: on 30. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Fawlty Towers – Das Schicksal des berühmt-berüchtigten Hotels in der englischen Comedyserie

12 Episoden wurden in den 1970er Jahren von der TV-Comedyserie „Fawlty Towers“ gedreht, die unter dem Titel „Fawltys Hotel“ auch im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. In den Hauptrollen: John Cleese als chaotischer Hotelier Basil Fawlty, Prunella Scales als seine dominante Frau Sybil, Connie Booth als Polly, das Mädchen für alles, und Andrew Sachs als Manuel, der tollpatschige spanische Kellner.

Das Hotel Fawlty Towers steht in der Fernsehserie in Torquay; das Gebäude, das in den Filmen als Hotel diente, war in Wirklichkeit der Wooburn Grange Country Club und stand in der Ortschaft Bourne End in Buckinghamshire, das ist nur einige Kilometer von Marlow entfernt. Ich fuhr einmal durch Bourne End auf dem Weg nach Little Marlow und von dem Haus, in dem Basil Fawlty sein Hotel betrieb, ist in Bourne End nichts mehr zu sehen.

Nach dem Ende der Dreharbeiten wurde das Haus verkauft und es diente eine Zeit lang als Restaurant, dann war darin ein Nachtclub untergebracht, der passenderweise „Basil’s“ hieß. Im März 1991 schließlich brannte das Gebäude ab und was noch davon übrig geblieben war, wurde abgerissen. Ursprünglich sollte ein Hotel an der gleichen Stelle gebaut werden, aber man entschied sich anders. Die Eigentümer des Grundstücks bauten darauf stattdessen acht Wohnhäuser. Hier ist ein Film über die traurigen Reste des Hauses, nachdem es den Flammen zum Opfer gefallen war.

Die Idee zu der Fernsehserie hatten John Cleese und Connie „Polly“  Booth, die damals verheiratet waren. Beide wohnten 1972 einmal in dem Hotel „Gleneagles“ in Torquay (Devon), dessen Besitzer, ein gewisser Donald Sinclair, durch sein exzentrisches Verhalten den beiden in Erinnerung geblieben war. Auch ein spanischer Kellner soll dort beim Aufenthalt von John Cleese und seiner Frau gearbeitet haben (s. hierzu meinen Blogeintrag zu „Manuel“). Das Gleneagles Hotel existiert nicht mehr; es wurde abgerissen und an der Stelle entstand ein Wohnkomplex, der Sachs Lodge heißt, in Erinnerung an den Kellner Manuel, der von Andrew Sachs gespielt wurde und der 2016 starb.

„Fawlty Towers“ war eine der erfolgreichsten Comedyserien der BBC, die auch heute immer noch im Fernsehen wiederholt wird. Hier sind einige der schönsten Szenen aus der Serie zu sehen.

 

Das ehemalige Gleneagles Hotel in Torquay.
Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

 

Sachs Lodge in Torquay (Devon), wo früher das Gleneagles Hotel stand.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juni 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Wentworth Woodhouse in South Yorkshire – Großbritanniens größtes Stately Home und seine Renovierungskosten

Zu den bekanntesten und größten englischen Stately Homes zählen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Chatsworth House in Derbyshire. Diese imposanten Gebäude sind aber gar nichts im Vergleich zu dem weniger bekannten Wentworth Woodhouse in der Grafschaft South Yorkshire. Es hat die längste Fassade eines Landhauses in ganz Europa,184 Meter, und eine Wohnfläche von 23.000 m². Für jeden Tag des Jahres gibt es ein Zimmer, also 365; ob wohl jemand die alle schon einmal betreten hat? 1000 Fenster sind zu putzen und 14 Treppenhäuser führen in die jeweiligen Stockwerke. Die Korridore im Wentworth Woodhouse erstecken sich über acht Kilometer, so dass man sich darin ohne weiteres verlaufen kann.

Die Familie Watson-Wentworth benötigte im 18. Jahrhundert offensichtlich so viel Platz, die das Haus erbauen ließen; vererbt wurde es an die Fitzwilliams, deren Familiensitz Wentworth Woodhouse wurde. Unter dem Anwesen entdeckte man riesige Kohlelagerstätten, die abgebaut wurden. Der Abbau zog sich direkt bis zum Herrenhaus vor, wobei große Flächen Natur zerstört wurden.

Auf die Geschichte des Hauses näher einzugehen, würde den Rahmen meines Blogs sprengen, darum verweise ich hier auf die Artikel in der deutsch- bzw. englischsprachigen Wikipedia.

Wentworth Woodhouse ist in einem sehr schlechten Zustand; es wurde immer wieder zum Verkauf angeboten und schließlich im Jahr 2016 für £7 Millionen vom Wentworth Woodhouse Preservation Trust übernommen, der jetzt vor der gewaltigen Aufgabe steht, das Haus zu renovieren, was nach Schätzungen £130 Millionen kosten soll. In vielen Teilen des Gebäudes sieht es schlimm aus, durch Undichtigkeiten im Dach ist Wasser eingedrungen, wertvolle Tapeten haben sich abgelöst, Teppichböden sind ruiniert und Schimmel hat sich breitgemacht.

Der Staat hat bisher £7.6 Millionen zur Verfügung gestellt, ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Trust hat als erstes mit der kompletten Dacherneuerung begonnen, damit nicht noch mehr Wasser von oben in das Haus dringt. Mehr als 350 Tonnen Schutt sind bereits abtransportiert worden, es gibt viele Freiwillige aus der Region, die mithelfen. Wie lange die Renovierungsarbeiten dauern werden, kann noch niemand präzise voraussagen.
Trotzdem bleibt das eingerüstete Wentworth Woodhouse für Besucher offen. Außer Montag finden täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr geführte Touren statt. Man braucht sicher das Geld aus den Einnahmen für die Renovierung.

Natürlich wird auch Wentworth Woodhouse von Geistern heimgesucht, was das TV-Team von „Most Haunted“ beweisen wollte.

Hier ist ein Film über das beeindruckende Gebäude.

Wentworth Woodhouse
Preservation Trust
Wentworth
Rotherham
S62 7TQ

Published in: on 28. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Parkverbotsbäume im Norden der Grafschaft Devon

Ein Exemplar des No Parking Trees
Photo © Patrick Roper (cc-by-sa/2.0)

Watersmeet SSSI ist eine Region im Norden der Grafschaft Devon, wobei das SSSI für „Site of Special Scientific Interest“ steht. Gebiete mit diesem Zusatz stehen unter besonderem Naturschutz. Die Watersmeet Road, die A39, windet sich durch diese wildromatische Region, bis hin zu den beiden Küstenorten Lynton und Lynmouth.

In den 1930er Jahren wurde an einer kleinen Ausweichstelle entlang der Watersmeet Road eine Baumart entdeckt, die bis dahin noch niemand so recht wahr genommen hatte und die daher auch keinen Namen besaß. Da an diesem Baum ein Schild mit der Aufschrift „No Parking“ genagelt war, nannte man den Baum kurzerhand „No Parking Tree„.

Verwandt ist er offenbar mit dem Devon Whitebeam, das ist ein Mehlbeerbaum. Die Wissenschaft beschäftigte sich erst Jahrzehnte später mit dieser speziellen Baumart aus Devon, von der es nur wenige Exemplare gibt, die Schätzungen bewegen sich zwischen 50 und 110 Bäumen in der Gegend von Watersmeet, dazu noch einige mehr im Land verstreut und daher steht der Parkverbotsbaum auch auf der Roten Liste mit dem Vermerk „Gefährdet„.

Im Jahr 2009 bekam der Baum auch einen „richtigen“ Namen und zwar Sorbus admonitor, doch ich finde den ursprünglichen Namen origineller und witziger.

Die Watersmeet Road (A39) in North Devon.
Photo © David Smith (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Englische Wassertürme im Bild

Sieht aus wie ein Burgturm, ist aber keiner: Der Croydon Water Tower (Greater London).
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Um wieder einmal eine Definition der Wikipedia zu zitieren: „Wasserturm ist die Bezeichnung für ein Betriebsbauwerk der Wasserversorgung, das einen Hochbehälter zur Speicherung von Trinkwasser oder Brauchwasser besitzt“.
Es gibt in England einige dieser Türme zu sehen, von denen ich bereits zwei in meinem Blog vorgestellt habe, den Jumbo Water Tower in Colchester (Essex) und den als House in the Clouds umgebauten Turm in Thorpeness (Suffolk). Wie so ein Wasserturm funktioniert, zeigt dieser Film.

In meinem heutigen Blogeintrag möchte ich einmal Bilder von den unterschiedlichen Bauweisen dieser Türme vorstellen.

1914 erbaut: Der Water Tower in East Grinstead (West Sussex).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Auch das ist ein Wasserturm: In Rye (East Sussex).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Dort wird heute kein Wasser mehr gespeichert, sondern darin gewohnt: Der Water Tower von Kilverstone Hall am Ortsrand von Thetford (Norfolk).
Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Keine Kirche: Der Carshalton Water Tower bei Sutton (Surrey).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

1962 errichtet: Ein Wasserturm bei Droitwich (Worcestershire), der auch gleichzeitig als Mobilfunk-Sendeanlage genutzt wird.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 26. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Pubschilder – The Smoking Dog in Malmesbury (Wiltshire)

Eigenes Foto

Eines meiner Lieblings-Restaurants in Paris, im Hallenviertel am Ende der rue du Pont-Neuf gelegen, heißt „Au Chien Qui Fume“ (Zum rauchenden Hund). Hier habe ich schon mindestens ein dutzendmal zu Mittag und zu Abend gegessen. (Nachtrag vom 04.07.2019: Leider hat sich hier einiges sehr zum Negativen verändert wie ich gerade bei einem Parisbesuch erfahren musste).
In Malmesbury in der Grafschaft Wiltshire traf ich jetzt auf einen Pub, der genauso hieß „The Smoking Dog„. Am Ende der High Street hängt das Pubschild mit dem pfeiferauchenden Hund, der auf das Gasthaus aufmerksam machen soll. Warum der Pub so heißt, konnte ich nicht ausfindig machen, aber ich fand das Schild sehr schön.

Der kleine Barraum des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Hauses konnte mich allerdings nicht überzeugen. Ich trank mein Butcombe Best Bitter an einem ungemütlichen großen Holztisch. Weitere Tische dieser Art standen in dem Raum, zum Teil mit an Notebooks arbeitenden Leuten belegt. Man könnte aus diesem Pub, der vor einigen Jahren in einem Pubguide mit „a warm and cozy atmosphere“ beschrieben wurde, erheblich mehr machen. Es gibt wohl im hinteren Teil noch einen weiteren Raum, den ich aber nicht gesehen habe; vielleicht ist es ja dort gemütlicher.

Jedes Jahr im Mai wird hier ein „Sausage and Beer Festival“ durchgeführt, mit über 30 Bier- und 15 verschiedenen Wurstsorten.

The Smoking Dog
62 High Street
Malmesbury, Wiltshire
SN16 9AT
 

Eigenes Foto

„Au Chien Qui Fume“, Zum Rauchenden Hund, in der rue du Pont Neuf in Paris.
Author: Reinhardhauke
Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

The Great Court Run im Trinity College in Cambridge

Bei meiner ausgiebigen Tour durch die Colleges von Cambridge unter der fachkundigen Leitung unseres Freundes, eines ehemaligen Jura-Professors, machten wir auch im Trinity College Station. Dort ist der Great Court etwas, das man gesehen haben muss, einer der größten Innenhöfe Europas, der Anfang des 17. Jahrhunderts fertiggestellt worden ist.
Dieser gewaltige Platz, umgeben von historischen Gebäuden, ist Schauplatz eines Rennens, des sogenannten Great Court Run. Dabei geht es darum, eine etwa 370 Meter lange Strecke um den Innenhof zurückzulegen. Einmal im Jahr, an dem Tag an dem das Matriculation Dinner stattfindet, wird dieses Rennen ausgetragen und zwar exakt zur Mittagsstunde, wenn die Turmuhr des Colleges zu schlagen beginnt. Sie benötigt für die Schläge zwischen 43 und 44½ Sekunden und in dieser Zeit muss der Great Court von den Teilnehmern des Rennens umrundet werden. Der Startpunkt ist unter der Uhr des King Edward’s Tower.

Nur wenige haben es bisher geschafft, die Strecke zurückzulegen, während die Uhr noch schlägt. 1927 gelang das Lord Burghley, David George Brownlow Cecil, der ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Amsterdam die Goldmedaille beim 400-Meter-Hürdenrennen gewann. Er benötigte 43.6 Sekunden für die Umrundung des Great Court. Dieses Rennen mit Lord Burghley bildete die Vorlage für die entsprechende Szene in dem Film „Chariots of Fire“ (dt. „Die Stunde des Siegers“) aus dem Jahr 1981, der ein Jahr später mit dem Oscar prämiert wurde. Ben Cross spielte die Rolle des Harold Abrahams, des Siegers in dem Rennen. Gedreht wurden diese Filmsequenzen allerdings nicht auf dem Originalschauplatz in Cambridge, weil das College die Drehgenehmigung verweigerte, sondern in einem anderen weltberühmten College, dem von Eton. „Chariots of Fire“ ist auch durch die berühmte Titelmelodie von Vangelis bekannt geworden.

Hier ist ein Film über das Rennen und die dafür so wichtige Collegeuhr.

Der King Edward’s Tower mit der Collegeuhr am Great Court.
Eigenes Foto.

Published in: on 24. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Wem in Shropshire – The Sweet Pea Capital of the UK

Die Kleinstadt Wem liegt nördlich von Shrewsbury in Shropshire. Wenn man in Wem hineinfährt, wird man von einem Ortsschild begrüßt, das einen Wappenvogel zeigt, der von Wicken umrahmt ist und darunter steht „WEM – Home of Eckford sweet pea„. Sweet peas sind Wicken und die spielen in der Marktstadt eine große Rolle.

Seit 30 Jahren schon veranstaltet die lokale Eckford Sweet Pea Society eine jährlich stattfindende Wicken-Show, bei der immer die schönsten Exemplare ausgezeichnet worden sind. Leider findet diese Show in diesem Juli zum letzten Mal statt (am 20. und 21. 07.), denn der Gesellschaft fehlt es an Nachwuchs. Von der jüngeren Generation interessiert sich niemand mehr so recht für diese hübschen Blumen, und so wird die Veranstaltung nicht mehr fortgeführt werden, obwohl die Sweet Pea Society bestehen bleibt. Hier sind einige Bilder von der Sweet Pea Show 2016.

Kommen wir auf den Namen Eckford Sweet Pea Society zurück. Henry Eckford (1823-1905) war ein Gärtner, den es 1888 aus Gloucestershire nach Wem zog, um sich hier seiner Leidenschaft, dem Züchten von Wicken, hinzugeben. Ihm gelang es, eine größere Farbenpalette dieser zarten Blumen zu produzieren mit etwas größeren Blüten.

Man zollt dem Gärtner und den Pflanzen in Wem Respekt, indem man einerseits das Wicken-Festival ins Leben rief, durch das Ortsschild und durch die Verzierung der Straßenschilder mit jeweils einer stilisierten Wicke.

Schon im Jahr 1900 wurde die National Sweet Pea Society gegründet, deren Schirmherr zur Zeit der berühmte Alan Titchmarsh ist.

Published in: on 23. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Die beiden Chinatown Löwen in Londons Gerrard Street

Löwenliebhaber kommen in London voll auf ihre Kosten. Man muss nicht lange suchen, um einen der vielen steinernen Löwen zu finden, die über die ganze Stadt verstreut sind. Auf der Webseite von All For London wird behauptet, dass es über 10 000 Exemplare gibt. Wer mag die wohl alle gezählt haben?

In meinem Blog habe ich im Laufe der Jahre den einen oder anderen der Mähnenträger vorgestellt, heute möchte ich mit einem Pärchen bekannt machen, das sich in Londons Chinatown bequem gemacht hat und zwar an der Hauptachse in diesem Viertel, der Gerrard Street. Ich finde, die beiden gucken ziemlich grimmig und scheinen keine besonders angenehmen Zeitgenossen zu sein.
Die Steinlöwen stehen hier offiziell seit dem 29. Oktober 1985, und die Inschrift auf der Plakette auf der rechten Seite, die in Englisch verfasst ist, lautet:

This plaque is presented with much pleasure by China Travel Services (H.K.) Ltd to commemorate the unveiling of two Chinese Lions by HRH the Duke of Gloucester on the 29 October 1985 (during the quatercentenary year of the City of Westminster) at the formal opening of Gerrard Street China Town. The unveiling ceremony was attended by His Excellency Hu Ding Yi the Ambassador of The People’s Republic of China, the Right Worshipful the Lord Mayor of Westminster Councillor Roger Bramble, Mr Colvyn Haye, CBE, the Hong Kong Commissioner and Mr Harry Chi-Cheung Lee President of the China Town Chinese Association (London)„.

Zwischen den beiden Löwen findet sich eine weitere Plakette, teils in Chinesisch, teils in Englisch, mit den Worten:

This plaque was unveiled on 7th February 2000 by HRH the Prince of Wales on the occasion of the Royal Visit to London Chinatown to celebrate the Chinese Lunar New Year of the Dragon Millennium 2000„.

Die beiden steinernen Gesellen, ein Geschenk der Volksrepublik China, haben sich also schon mehrfach in illustrer Gesellschaft befunden.

Published in: on 22. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Eine traurige Nachricht für alle „Inspector Barnaby“-Freunde: John und Sarahs Hund Sykes ist in dieser Woche gestorben

With friendly permission of Gil Raddings.

Fünf Jahre lang „arbeitete“ Sykes als Hund der Barnabys in der TV-Serie „Inspector Barnaby“ und erfreute sich riesiger Beliebtheit bei den Fernsehzuschauern, auch in Deutschland. Mein Blogeintrag über ihn ist von allen meinen 3200 bisherigen Posts der am häufigsten aufgerufene mit mehr als 40 000 Hits.

Jetzt ist Sykes, der 16 Jahre alte Jack Russell, Anfang der Woche gestorben. In 29 Episoden war er zu sehen, dann wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Neil Dudgeon und Gwilym Lee schenkten ihm ein Hundebett, bevor er für immer den Midsomer Murders Set verließ und durch Paddy ersetzt wurde.

Sykes spielte auch in einigen Hollywood-Filme mit wie “ Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ und „Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl„.
Seinen Ruhm hatte Sykes Gil Raddings zu verdanken, einer Hundetrainerin, die ihn als Streuner auflas und ihn zu einem weltweit beliebten Filmhund machte.

Sykes‘ letzter Auftritt in der TV-Serie war in Episode 110 „Harvest of Souls“ (dt. „Der Jahrmarktsmörder“), in der er stirbt. Nun ist er nicht nur im Film, sondern auch wirklich von uns gegangen.

REST IN PEACE, SYKES

Published in: on 21. Juni 2019 at 02:00  Comments (3)  
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The Bear Inn in Oxford – Der „Krawatten-Pub“

Colin Dexters Romanfigur Inspector Morse ist meistens durstig, und er hat kein Problem damit, im Dienst das eine oder andere Pint zu trinken. So geht er auch in dem Roman „Death is now my neighbour“ (in meinem Exemplar auf den Seiten 77 bis 79), dessen deutscher Übersetzungstitel „Der Tod ist mein Nachbar“ lautet, zu dem Oxforder Pub The Bear, Ecke Alfred Street/Blue Boar Street, um seinen Durst zu löschen und um Ermittlungen anzustellen. Morse sucht nämlich einen Spezialisten für Krawatten auf, Steven Lowbridge im Roman, der ihm bei der Suche nach einem ganz besonderen Schlips helfen soll.

Wie so vieles in den Oxford-Krimis von Colin Dexter, der leider am 21. März 2017 verstorben ist, existiert der Pub auch in Wirklichkeit, und es gibt dort die größte „Gasthaus-Krawattensammlung“ der Welt. The Bear Inn gehört zu den ältesten Pubs des Landes, dessen Ursprünge bis in das Jahr 1242 zurückreicht. Die Idee mit dem Krawattensammeln hatte 1952 der damalige Landlord Alan Course; er schnitt mit einer Schere einen Teil der Krawatte seiner Gäste ab, wenn sie es denn zuließen, und sie bekamen dafür einen Drink auf Kosten des Hauses. So sind mittlerweile rund 4500 „Schlipsabschnitte“ zusammengekommen, die in 24 Glaskästen an den Wänden und an der Decke zur Schau gestellt werden. Morse sieht da zum Beispiel eine Krawatte des Yale University Fencing Clubs, eine der Welsh Schoolboys‘ Hockey Association und eine der Kenya Police. Es sind schon besondere Exemplare, die im Bear Inn gesammelt worden sind.

Alan Course war ein sehr vielseitiger Mensch. Bekannt wurde er vor allem durch seine Karikaturen in der Oxford Mail; er war aber auch 12 Jahre lang Polizist in Oxford, Feuerlöscher-Verkäufer, Entertainer und eben Landlord, nicht nur vom The Bear, sondern auch noch vom White Hart in Wytham (hier wurde für die TV-Serie „Inspector Morse“ die Episode „The Way Through the Woods“ gedreht) und The Star in Woodstock. Er starb 1975 im Alter von 62 Jahren.

Der Pub an der Albert Street gehört zu der Brauerei Fuller’s, und so bekommt man hier selbstverständlich auch deren berühmtes London Pride vom Fass zu trinken.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 1955, der Alan Course bei der Arbeit zeigt.

The Bear Inn
6 Alfred Street
Oxford
Oxfordshire OX1 4EH

Die Krawattensammlung im Bear Inn.
Author: Jorge Royan
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Published in: on 20. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Herbert Adams – Ein fast vergessener Klassiker des englischen Kriminalromans

Eigenes Foto

Herbert Adams ist ein britischen Krimiautor, dessen Romane bereits in den 1930er Jahren ins Deutsche übersetzt wurden, später dann in den 1950er und 1960er Jahren noch einmal im Goldmann-Verlag erschienen und danach in Vergessenheit geraten sind, was leider auch für sein Heimatland gilt.

Über Adams‘ Leben ist nur sehr wenig bekannt. Er wurde 1874 geboren und über seinen Geburtsort gehen die Meinungen auseinander; London bzw. die Grafschaft Dorset werden da genannt. Auch über das Todesjahr gibt es unterschiedliche Auffassungen, die zwischen 1952 und 1958 schwanken. Verheiratet war er mit Jessie Louise Cooper. Die deutsche Wikipedia gibt an, dass Adams als Immobilienmakler tätig war; er war aber auch Mitglied des britischen Surveyors Institute. Alles sehr mysteriös wie seine Krimis, deren erster 1924 unter dem Titel „The Secret of the Bogey House“ erschien, in dem erstmals Amateurdetektiv Jimmie Haswell auftrat. Adams‘ zweiter Serien-Detektiv, Roger Bannion,  wurde 1928 in dem Roman „Exit the Skeleton“ eingeführt. Die Figur des Jimmie Haswell verschwand bald wieder, während Roger Bennion seinen letzten Fall 1958 in „Death of a Viewer“ löste.

Die Romane gehören in die Kategorie der „cozies“, also der gemütlichen Krimis und spielen oft auf Golfplätzen wie z.B. „The Nineteenth Hole Mystery“ (1939), „The Body in the Bunker“ (1935) oder „Death Off the Fairway“ (1936).

Susan Oleskiw schreibt in „Twentieth Century Crime and Mystery Writers“ zutreffend: „Despite the changes in the mystery novel that left Adams’s works dated, his stories contain a cleanness of vision and integrity of form that makes them attractive to many readers“.

Ich besitze glücklicherweise ein Dutzend seiner Werke und mir hat die Lektüre immer sehr viel Spaß gemacht. Die Romane sind schon seit langer Zeit, sowohl vom britischen wie vom deutschen Markt verschwunden, antiquarisch kann man sie natürlich zum Teil noch bekommen.

Published in: on 19. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Sir Arthur Conan Doyle und eine Gedenkfeier nach seinem Tod in der Londoner Royal Albert Hall

Die Royal Albert Hall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) ist in Deutschland fast ausschließlich durch seine Romane und Kurzgeschichten um Sherlock Holmes populär geworden; eine andere Seite des Schriftstellers ist bei uns weniger bekannt, er war ein Mann, der sich sehr für Spiritismus interessierte und zu dem Thema auch das Buch „The History of Spiritualism“ (1926) schrieb. Doyle war Mitglied zum Beispiel im Ghost Club und in der Society for Psychical Research. Er war der Meinung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

Am 7. Juli 1930 starb Sir Arthur in seinem letzten Wohnort Crowborough in der Grafschaft East Sussex. Sechs Tage später fand in der Londoner Royal Albert Hall eine Großveranstaltung statt, zu der die Spiritualist Association geladen hatte. Es war ein Memorial Service der besonderen Art, zu dem Tausende gekommen waren. Auf der Bühne der Hall nahmen Familienmitglieder der Doyles Platz, darunter auch Lady Doyle, Jean Elizabeth Leckie. Auf ihrer rechten Seite blieb ein Stuhl frei, auf dem ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen lag. Mit auf der Bühne befand sich Mrs. Estelle Roberts, ein Medium, das mit dem Jenseits und mit Sir Arthur Kontakt aufnehmen sollte (sie schrieb 1959 ein Buch über ihr Leben mit dem Titel „Forty Years a Medium„).
Unter den erwartungsvollen Zuschauern machte sich Unruhe breit, als es Mrs Roberts allem Anschein nach gelang, den Kontakt herzustellen. Sie blickte auf den leeren Stuhl und rief laut „Er ist hier!“ und murmelte „Er trägt Abendkleidung“. Dann ging sie zu Lady Doyle und flüsterte ihr etwas ins Ohr, eine Mitteilung des Verstorbenen, die sie ihr ausrichten sollte. Die Anwesenden in der Royal Albert Hall erhoben sich und spendeten laut Beifall, während die Orgel, gespielt von Alford Armstrong, laut ertönte. Sie waren (überwiegend) der Meinung, dass der große Sir Arthur Conan Doyle ein Zeichen aus dem Jenseits gesendet hatte. Einige Skeptiker äußersten sich hingegen, dass sie gern Sherlock Holmes bei der Veranstaltung gehabt und seine Meinung über die Glaubwürdigkeit des Mediums gehabt hätten.

Der Schriftsteller wurde nicht in London beigesetzt, sondern erst in Crowborough; später wurden seine sterblichen Überreste in das kleine Dorf Minstead in Hampshire, auf den All Saints Churchyard, überführt (s. dazu meinen Blogeintrag).

Die Orgel in der Royal Albert Hall.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Sir Arthur Conan Doyles Statue in Crowborough (East Sussex).
Photo © E Gammie (cc-by-sa/2.0)

Doyles letzte Ruhestätte in Minstead (Hampshire).
Photo © Peter Whitcomb (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juni 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Die Agapemoniten – Eine skurrile, religiöse Sekte, die im ländlichen Somerset gegründet wurde

Die Agapemone Chapel. Hier in Four Forks bei Spaxton in Somerset hatte sich die Sekte niedergelassen.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Agapemoniten, das klingt wie der lateinische Name für irgendwelche Urzeittierchen; stimmt aber nicht, das war ein Name, den sich Reverend Henry Prince 1846 ausgedacht hatte und was soviel wie „Heimstätte der Liebe“ bedeutet. Der Reverend hatte sich mit der anglikanischen Kirche in die Haare gekriegt, weil er behauptete er sei der Messias, was wiederum die Church of England gar nicht lustig fand. Also ging der Reverend seiner eigenen Wege und gründete in dem kleinen Dorf Spaxton (genauer gesagt in Four Forks) im ländlichen Somerset seine eigene Kirche. Warum auch immer fand der selbsternannte Messias eine ganze Menge Anhänger, besser gesagt Anhängerinnen, die sich wie 120 Jahre später im Fall Charles Manson in Kalifornien, um ihn scharten.

Da gab es einmal die älteren, wohlhabenden Frauen, die für eine solide finanzielle Basis der Sekte sorgten und die auf dem Anwesen in Spaxton in Cottages wohnten, und dann gab es die jungen hübschen Frauen, die bei dem Reverend im Haupthaus bleiben durften. Und da seine Sektenanhänger ja den netten Namen Agapemoniten trugen, sorgte Prince dafür, dass die „Heimstätte der Liebe“ auch zu einer solchen wurde, indem die jungen Damen das Bett mit ihm teilen durften, was sie wohl auch gern taten. Dass dabei das eine oder andere Kind entstand, störte den Messias nicht.

Vielleicht war es dem Reverend in dem entlegenen Spaxton zu ruhig geworden, denn er übersiedelte mit seiner Fangemeinde Ende des 19. Jahrhunderts nach London, in den Stadtteil Upper Clapton, wo er, jetzt schon über 80 Jahre alt, eine Kirche erbauen ließ, The Ark of Covenant. Das Geld dafür spendeten zwei ältere Damen. 1899 starb Prince im Alter von 88 Jahren.

Seinen Platz nahm schnell ein anderer Reverend ein, der sich als „The Heavenly Bridegroom“ bezeichnete: John Hugh Smyth-Pigott. Auch er sammelte ein Heer von jungen Frauen um sich, denen er im Bett seinen messianischen Segen spendete. London war aber nicht Spaxton, und so regte sich in der Bevölkerung der Stadt Widerstand gegen ihn, daher musste er aufpassen, dass es ihm nicht an den Kragen ging. Sicherheitshalber zog er mit seinen jungen „Bräuten“ zum Gründungsort der Agapemoniten zurück, wo man die Sekte in Ruhe ließ. Nach Smyth-Piggots Tod im Jahr 1927 gab es niemanden mehr, der in die Fußstapfen der beiden abtrünnigen Reverends treten wollte, und so dämmerten die verbliebenen Agapemoniten vor sich hin, bis ihr letztes Mitglied 1956 verstarb.

Im Jahr 2016 geriet die Sekte noch einmal kurz in die Schlagzeilen, als die Urenkelin von Reverend Smyth-Piggott die £1 Million für sich beanspruchte, die der Verkauf der Kirche in Upper Clapton eingebracht hatte, doch ein Gericht sah das anders, und überließ das Geld  Wohlfahrtsorganisationen. In der Kirche in der Rockwod Road ist heute die Georgian Orthodox Church untergebracht.

Das Buch zum Thema:
Aubrey Menen: The Abode of Love: The Conception, Financing and Daily Routine of an English Harem in the Middle of the 19th Century. Penguin 1990. 176 Seiten. ISBN  978-0140123463.

The Ark of Covenant, jetzt die Georgian Orthodox Church in der Rookwood Road in Upper Clapton (London).
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Autobahn M6 – Englands „most haunted road“

Junction 17 auf der M6.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Auf Platz 1 einer Untersuchung über die „most haunted roads“ Großbritanniens steht erstaunlicherweise eine der befahrendsten Autobahnen des Landes, die M6, von der ein 43 km langes Teilstück gebührenpflichtig ist, die M6 Toll Road (s. dazu meinen Blogeintrag).

Die Straße führt von Rugby in Warwickshire bis kurz vor die schottische Grenze und ist damit die längste Autobahn in Großbritannien. Und auf dieser sechsspurigen Strecke soll es spuken? Ja, das behaupten zahlreiche Autofahrer, die auf der M6 schon alle möglichen gruseligen Begegnungen gehabt haben. So wurden mehrfach des Nachts römische Soldaten gesichtet, die in voller Montur neben der Autobahn herliefen. Da ist von einem Phantom-Lastwagen die Rede, der Autofahrern auf der falschen Straßenseite entgegenkommt, von Fahrzeugen, in denen keine Fahrer sitzen und von einer weiblichen Anhalterin, die sich in Luft auflöst. Von keiner anderen Straße des Landes wurden so viele mysteriöse Beobachtungen gemeldet, die hin und wieder in Unfälle münden.

Ganz besonders gefährlich ist die Autobahn zwischen den Junctions 16 und 19 in Cheshire. Hier ereignen sich immer wieder schwere Verkehrsunfälle und diese Strecke wird auch als „Britain’s Bermuda Triangle“ bezeichnet, denn hier geht es möglicherweise nicht mit rechten Dingen zu. Zwischen Januar und August 2017 ereigneten sich nur auf diesem Teilstück über 70 schwere Unfälle. Zwei Theorien sind da im Gespräch wie es dazu kommen kann: Die erste besagt, dass die Autobahn hier über eine einstige römische Grabanlage führt, und die zweite, dass an dieser Stelle eine blutige Schlacht stattgefunden hat, bei der die schottische Armee vernichtet worden ist. Behauptungen, die Mike Brooker aufgestellt hat, ein Mann mit medialen Fähigkeiten (der im Februar diesen Jahres verstorben ist). Fühlen sich die Toten, die unter der Autobahn begraben liegen, in ihrer Ruhe gestört? Können diese Dinge Auswirkungen auf die Sicherheit der Straße haben? Viele Autofahrer glauben das, denn die Berichte über sonderbare Phänomene auf der M6 reißen nicht ab.

Junction 18 auf der M6.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. Juni 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Julian Hunt: A History of Amersham

Foto meines Exemplares.

Über die Kleinstadt Amersham in Buckinghamshire habe ich in meinem Blog schon viele Beiträge geschrieben, weil sie einer meiner Lieblingsorte in England ist. Darum interessiere ich mich auch sehr für die Bücher, die über Amersham veröffentlicht worden sind. Eines stellte ich schon einmal vor: „Amersham At Work – People and Industries Through the Years“ von William Parker, das im Jahr 2017 erschien.

Bereits 2001 wurde „A History of Amersham“ von Julian Hunt publiziert, das auf 124 Seiten die Geschichte des Ortes zusammenfasst. Amersham besteht ja aus Old Amersham und dem neueren Amersham-on-the-Hill. Der attraktivere Ort ist Old Amersham, der in dem Buch die weitaus größte Rolle spielt.

Julian Hunt beginnt seine Biografie der Kleinstadt in Buckinghamhire mit seiner ersten Erwähnung im Domesday Book und geht sehr ausführlich auf die Familie Drake, später Tyrwhitt-Drake, ein, die über Jahrhunderte den Ort prägte und die bis zum Zweiten Weltkrieg in Shardeloes ihren Wohnsitz hatte, am Ortsrand von Amersham gelegen (heute in Wohnungen aufgeteilt).

Das Buch beinhaltet  jeweils ein Kapitel über die Kirchen (St Mary’s ist heute die Parish Church), über die Coaching Inns (über The King’s Arms habe ich in meinem Blog berichtet), über die Schulen und über die Eisenbahnlinie, die nach Amersham-on-the Hill eingerichtet wurde und die in etwa 40 Minuten Fahrzeit nach London Marylebone führt.

Das Buch ist sehr interessant für alle, die schon einmal in dieser Region von Buckinghamshire waren und die Old Amersham lieb gewonnen haben. Viele historische Fotos veranschaulichen die Geschichte der Stadt.

Julian Hunt: A History of Amersham. Phillimore 2001. 124 Seiten. ISBN 1-86077-187-4.

Shardeloes: Ehemaliger Familiensitz der Drakes.
Photo © Bikeboy (cc-by-sa/2.0)

St Mary’s.
Eigenes Foto.

The King’s Arms.
Eigenes Foto.

Der Bahnhof.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 15. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Portcullis House in London – Eine luxuriöse Herberge für Parlamentsmitglieder in London und ein Millionengrab

Was haben die Hamburger Elbphilharmonie und der irgendwann einmal in Betrieb gehende Berliner Flughafen mit dem Londoner Portcullis House gemein? Sie sind alle weit teurer geworden als ursprünglich vorgesehen. Als das Londoner Gebäude 1992 geplant war, veranschlagte man die Kosten auf £165 Millionen, ein ganz schöner Batzen Geld, doch als es 2001 fertiggestellt war, kam man auf eine Endsumme von £235 Millionen. Wer hat sich denn da wohl so grob verschätzt?

Das Portcullis House, gegenüber vom Elizabeth Tower mit Big Ben, wurde gebaut, weil es den Abgeordneten des britischen Parlaments in ihren damaligen Büros zu eng geworden war. Also riss man 1994 die Häuser ab, die dem Neubau im Wege standen, und beauftragte das Architektenbüro Michael Hopkins and Partners mit der Erstellung des Portcullis House. Kosten spielten keine Rolle, man schöpfte aus dem Vollen. Allein die Fassadenverkleidung aus Bronze kostete £30 Millionen; nebenbei wurden noch fast £10 Millionen für Entschädigungen und Gerichtskosten ausgegeben, weil die Firma, die ein günstigeres Angebot abgegeben hatte, nicht berücksichtigt worden war.

Aufsehen erregte auch die Anschaffung von einem Dutzend Feigenbäumen, die aus Florida importiert wurden und die stolze £150,000 kosteten. Damit sich die Abgeordneten in ihrem Restaurant auch wirklich wohlfühlen, wurden £500 000 für die Einrichtung und £200 000 für Pflanzen ausgegeben.

So ganz sauber wurde beim Bau wohl nicht gearbeitet, denn es gab immer wieder Probleme. Schon ein Jahr nach Fertigstellung hatte das National Audit Office, eine Prüf- und Aufsichtsbehörde, sage und schreibe 7500 Beanstandungen am Portcullis House gefunden. Allein das Dach musste 2004 und 2009 wegen Undichtigkeiten repariert werden.

Die Members of Parliament, die in das Haus einzogen, schienen auch nicht zu 100% glücklich gewesen zu sein, denn auch sie bemängelten so einiges an ihrem neuen Zuhause. Eine von ihnen, die Abgeordnete Edwina Currie, verglich Portcullis House mit einer auf dem Rücken liegenden Kakerlake, die ihre Füße in die Luft streckt.

Das Café im Portcullis House.
Author: User:Colin
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Published in: on 14. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Temple of Convenience – Eine Szenekneipe in Manchester

In meinem Blog-Beitrag vor mehr als zwei Jahren über „Loo Tours“ in London erwähnte ich einige Lokale, die sich in der Hauptstadt in ehemaligen Toiletten installiert haben wie das Attendant Café, WC Wine & Charcuterie und die Cellar Door Bar.
Auch Manchester kann so etwas vorweisen, eine Szenekneipe mit dem wohlklingenden Namen The Temple of Convenience oder auch nur kurz The Temple genannt. Man findet den Eingang, der eine Treppe hinunterführt, mitten auf der Great Bridgewater Street. Dort, wo früher Menschen ihre Notdurft verrichteten, stehen heute dicht gedrängt Besucher dieses Etablissements, um ihr Bier zu trinken und der Musik zu lauschen, die aus der Music Box dröhnt, die überwiegend mit Songs von Manchester-basierten Bands bestückt ist. Es ist gar nicht selten, dass man einige der Mitglieder dieser Bands im Temple trifft, die sich in der Kneipe ebenfalls wohlfühlen, beispielweise die Band Elbow wie dieses Interview zeigt. Im Text ihres Songs „Grounds for Divorce“ heißt es „There’s a hole in my neighborhood Down which of late I cannot help but fall“ und mit diesem „Loch in meiner Nachbarschaft“ soll The Temple of Convenience gemeint sein.

The Temple of Convenience
100 Great Bridgwater Street
Manchester M1 5JW

 

 

 

Mein Buchtipp – John Higgs: Watling Street – Travels Through Britain and Its Ever-Present Past

Foto meines Exemplares.

Die Römer hatten damals ganz schön zu tun, als sie in England Fernstraßen anlegten wie den Fosse Way und die Watling Street. Um letzere geht es in dem Buch „Watling Street – Travels Through Britain and Its Ever-Present Past“ von John Higgs. Der Autor bereist diese Strecke vom Beginn in Dover an der Südküste von Kent bis zum Endpunkt, Anglesey im Norden von Wales. Heute sind es hauptsächlich die A2 und die A5, die dem Verlauf der Watling Street folgen.

Im Klappentext des Buches wird der Inhalt sehr präzise wiedergegeben: „Watling Street is a road of witches and ghosts, of queens and highwaymen, of history and myth, of Chaucer, Dickens and James Bond. Along this road Boudica met her end, the Battle of Bosworth changed royal history, Bletchley Park codebreakers cracked Nazi transmissions and Capability Brown remodelled the English landscape„.
Es ist also eine Menge passiert entlang der alten Römerstraße.

John Higgs beginnt seine Reise in dem Second World War Tunnelsystem in Dover, er trifft auf interessante Menschen wie zum Beispiel in Northampton auf den berühmten Comicautor Alan Moore, in Atherstone (Warwickshire) verfolgt er das kuriose und beinharte Ball Game (ich berichtete in meinem Blog darüber)und in Weston Park (Staffordshire) besucht er die von Lancelot „Capability“ Brown angelegten Landschaftsgärten.

Ein wirklich hochinteressantes Buch, das viele Anregungen bietet, sich mit den einzelnen angesprochenen Themen weiter auseinanderzusetzen.

John Higgs, 1971 in Rugby geboren (er besucht die Stadt auch auf seiner Reise entlang der Watling Street), hat weitere Bücher zu unterschiedlichen Themen geschrieben, u.a. über die ehemalige Band KLF: „The KLF: Chaos, Magic and the Band who Burned a Million Pounds“ und über den US-amerikanischen Psychologen Timothy Leary: „I Have America Surrounded: The Life of Timothy Leary„.

John Higgs: Watling Street – Travels Through Britain and Its Ever-Present Past. Weidenfeld & Nicolson 2017. 371 Seiten. ISBN 978-1-4746-0347-8.

Teil der alten Watling Street bei Gravesend in Kent.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Ein Tunnel aus dem Zweiten Weltkrieg in Dover.
Photo © Ian Taylor (cc-by-sa/2.0)

Die von Capability Brown gestalteten Parkanlagen in Weston Park (Staffordshire).
Photo © Simon Huguet (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sheriff Hutton Castle – Eine romantische Burgruine in North Yorkshire

Viele Male bin ich durch das Dorf Sheriff Hutton in North Yorkshire gefahren, meist auf dem Weg von bzw. nach York, und dabei die eindrucksvollen Ruinen der nach dem Ort benannten Burg gesehen. Meines Wissens konnte man sich früher in der Farm, auf deren Gelände die Burg lag, einen Schlüssel besorgen, um Zugang zum Gelände zu bekommen, was ich aber nie getan habe, obwohl meine Frau, eine glühende Ricardianerin, neben mir saß. Richard III. hielt sich nämlich in der Zeit von 1471 bis zu seinem Tod im Jahr 1485 häufig auf der Burg auf. Er erhielt sie, nachdem sein Schwiegervater, Richard Neville, 1471 gestorben war, und da Sheriff Hutton Castle nicht allzu weit von York entfernt ist, war die Lage für Richard III. sehr günstig. Der sogenannte Council of the North, der von 1472 bis 1537 existierte, versammelte sich eine Zeit lang regelmäßig in Sheriff Hutton.

Nach Richards Tod in der Schlacht von Bosworth wechselten die Besitzer der Burg mehrfach; doch zu Beginn des 17. Jahrhunderts verfiel sie allmählich. Viele Steine wurden abgetragen, um damit Häuser zu bauen, und das Burggelände wurde zum Teil eines Bauernhofes. Im Jahr 2007 kam die Burg samt Farmgebäuden und umgebenden Land auf den Markt und wurde von seinem Besitzer Dr Richard Howarth (der auch eine kurze Geschichte seiner Burg geschrieben hat), für £1,5 Millionen angeboten. Da es zu keinem Verkauf kam, zog er das Angebot 2011 wieder zurück, nur um es 2017 erneut, dieses Mal für  £1,1 Millionen, auf den Markt zu bringen. Anfang 2019 fand Sheriff Hutton Castle endlich einen neuen Besitzer, der es für eine unbekannte Summe erwarb.

Dieser von einer Drohne aus aufgenommene Film zeigt die Burg  aus der Vogelperspektive.

Der Bennerley Viaduct – Ein imposantes Bauwerk, das Nottinghamshire mit Derbyshire verbindet

Gut, wenn man Freunde hat! Das gilt auch für den Bennerley Viaduct, eine ehemalige Eisenbahnbrücke, die das Tal des River Erewash überquert zwischen den Ortschaften Ilkeston in Derbyshire und Awsworth in Nottinghamshire.
Nachdem der Zugverkehr 1968 über den Viadukt eingestellt worden ist, sollte das 443 Meter lange imposante Bauwerk eigentlich abgerissen werden, aber das erwies sich als komplizierter und vor allem viel teurer als gedacht, denn die aus schmiedeeisernen Gitterträgern gebaute Brücke hätte man Niete für Niete auseinander nehmen müssen. Und dann kommen die Freunde ins Spiel: The Friends of Bennerley Viaduct, die sich vehement gegen einen Abriss der 1877 von der Great Northern Railway gebauten Brücke aussprachen. Jetzt steht der Bennerley Viaduct unter Denkmalschutz und so kann ihm jetzt eigentlich nichts mehr passieren. Doch der Viadukt soll nicht nutzlos vor sich hinstehen, er soll zu einem Radfahr- und Fußweg umgestaltet werden, was natürlich eine ganze Menge Geld kostet, aber bisher sind schon £485,000 zusammengekommen und man plant, gegen Ende des Jahres 2020 mit den Arbeiten fertig zu sein. Radfahrer und Spaziergänger werden sich freuen.

Dieser Film, von einer Drohne aus aufgenommen, vermittelt einen sehr schönen Eindruck von der Brücke.

Hier wird in einiger Zeit ein Rad- und Fußweg verlaufen.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Der River Erewash mit dem Viadukt im Hintergrund.
Photo © Tim Glover (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Meine Brighton-Trilogie Teil 3: Der analoge und der digitale Walk of Fame

Der Brighton Walk of Fame à la Hollywood.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Was Hollywood kann, das können wir in Brighton auch; gesagt, getan, und so gibt es seit 2002 in der Stadt am Meer ebenfalls einen Walk of Fame, der, wie das große Vorbild in Kalifornien, aus in das Pflaster eingelassenen Steinen besteht. Auf die Idee kam David Courtney, ein in Brighton geborener Komponist und Produzent, der eine Zeit lang in Los Angeles lebte und den Brighton Walk of Fame initiierte, der am Yachthafen der Stadt zu finden ist. Zur Zeit sind es über 100 Tafeln, die auf Prominente aufmerksam machen, die in irgendeiner Form mit dem Küstenort in Verbindung stehen/standen. Da haben wir beispielsweise Georg IV, der als Prince of Wales den Royal Pavilion erbauen ließ, die Schauspielerin Julie Christie, die Kunst am Technical College studierte, den Schriftsteller Graham Greene, der durch seinen Roman „Brighton Rock“ bekannt ist, die Sängerin Dusty Springfield, die einmal in der Wilbury Road im benachbarten Hove wohnte und den Boxer Chris Eubank, der seinen Wohnsitz in der Stadt am Meer hat.

Das ist sozusagen der „analoge“ Walk of Fame von Brighton, es gibt aber auch noch eine „digitale“ Variante, den Brighton Music Walk of Fame, der auf der Palace Pier angesiedelt ist und am 27. Juni 2018 eröffnet wurde. So etwas hat selbst Hollywood noch nicht (soviel ich weiß). Damit wurde die Attraktivität der Seebrücke noch gesteigert. Dieser ebenfalls von David Courtney initiierte Walk of Fame besteht aus interaktiven Tafeln, die jeweils einem Gesangsstar bzw. einer Musikgruppe gewidmet sind, die mit Brighton in Verbindung gestanden haben. Wenn man mit seinem Smartphone einen auf der Tafel angebrachten Code scannt, erhält man Informationen über den Künstler bzw. die Künstlerin und kann sich Songs von ihnen anhören (das funktioniert über die Shazam mobile App). Eine wirklich gelungene und interessante Idee. Auf den an der Pier angebrachten Tafeln finden wir u.a. The Who, Jeff Beck, Rod Stewart, Leo Sayer, David Gilmour, Jimmy Page, den Rag and Bone Man und viele andere.

Den Brighton Music Walk of Fame kann man sich an jedem Tag des Jahres ansehen bzw. anhören, denn die Pier ist täglich geöffnet.

Hier ist ein Film über den MWOF.

Brighton Palace Pier: Home of the Music Walk of Fame.
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Meine Brighton-Trilogie Teil 2: The Upside Down House an der Strandpromenade

Nach Bournemouth, Christchurch und Intu Lakeside in Essex hat seit dem 13. Mai auch Brighton sein Upside Down House an der Strandpromenade, und das wird richtig gut besucht. Schon kurz nach der Eröffnung bildeten sich lange Schlangen vor dem kuriosen, auf dem Kopf stehenden Haus.

Das Kuriose an dem voll eingerichteten Gebäude ist, dass man Fotos oder Selfies machen kann, bei denen es aussieht, als hänge man von der Decke herunter oder mache einen Handstand auf dem Esszimmertisch, denn das Mobiliar des Upside Down House ist an der Decke befestigt, und wenn man das Foto um 180° dreht, entsteht dieser witzige Effekt. Am besten, man sieht sich das einmal im Film an.

Das Haus soll den Jahreszeiten entsprechend jeweils umdekoriert werden, so wird es zu Ostern anders aussehen als zum Beispiel zu  Halloween und zu Weihnachten.

Man findet das Haus an der Strandpromenade zwischen dem i360-Turm und dem Brighton Bandstand.

Der Eintrittspreis beträgt bei der Online-Vorausbuchung £7, und das Ticket ist einen ganzen Tag lang gültig. Also: Die ideale Attraktion für die Selfie-Generation.

Published in: on 8. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Meine Brighton-Trilogie Teil 1: Max „The Cheeky Chappie“ Miller (1894-1963) – Ein Comedian aus der guten alten Zeit

Max Millers Statue in den Pavilion Gardens.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Max Miller, dessen richtiger Name Thomas Henry Sargent  lautet, wurde 1894 im südenglischen Brighton geboren, wo er auch 67 Jahre später starb. Er war ein fester Bestandteil der englischen Varieté- und Unterhaltungsszene von den 1920er bis in die 1950er Jahre. Er tourte viel durch die Lande, trat auch in Übersee auf, doch Brighton war sein zuhause, und sofern es seine Engagements zuließen, hielt er sich bevorzugt in seiner Geburtsstadt auf. Bekannt war er durch seine schrillen Anzüge und durch seine manchmal etwas gewagten, mehr oder weniger doppeldeutigen „saucy jokes„, die ihn hin und wieder mit der Zensurbehörde in Konflikt brachten. Sein Publikum liebte aber gerade diese Art von Unterhaltung wie zum Beispiel diesem Spruch:

„Have you heard about the girl of eighteen who swallowed a pin, but didn’t feel the prick until she was twenty-one?“

Nun, man muss diese Art von Humor mögen.

Die Stadt Brighton liebt ihren Comedian wie er Brighton liebte. Am 1. Mai 2005 errichtete man zu seinem Gedenken ein Denkmal in den Pavilion Gardens an der New Road.  An der Burlington Street Nummer 25, dem Haus, in dem Max Miller starb, ist eine blaue Plakette angebracht, ebenso an der Marine Parade Nummer 160, dort, wo er viele Jahre lang lebte. Am Walk of Fame an der Marina, wo man ähnlich wie in Hollywood, den Personen einen Gedenkstein ins Pflaster gesetzt hat, die in irgendeiner Form mit Brighton verbunden waren, ist auch einer, der dem Comedian gewidmet ist. Eine Straße trägt den Namen des Varietékünstlers, der Max Miller Walk am Strand von Brighton.

Einer der Linienbusse der Brighton and Hove Bus Company (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist nach Max Miller benannt.

Die Max Miller Appreciation Society, die über 1000 Mitglieder zählt,  sorgt dafür, dass der Name des Comedians nicht in Vergessenheit gerät. Sie hat in Bardsley’s Fish and Chips Restaurant in der 22-23a Baker Street eine Dauerausstellung mit Erinnerungsstücken von Max Miller eingerichtet; dazu gehört auch einer seiner schrillen Anzüge.

Hier ist ein Film über den Cheeky Chappie.

Das Buch zum Artikel:
John M. East: Max Miller: The Cheeky Chappie. Robson Books 1998. 224 Seiten. ISBN 978-0860518556.

160 Marine Parade, wo Max Miller wohnte, mit blauer Plakette links neben der Haustür.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Der Max Miller Walk am Strand von Brighton.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Kathryn Ferry – Eine Expertin für englische Seebäder und Strandhütten

Strandhütten in Broadstairs (Kent).
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Mein heutiger Blogeintrag schließt hautnah an meinen gestrigen an, es geht um das Thema Seebäder. Eine Spezialistin dafür ist Dr. Kathryn Ferry, deren Publikationen ich hier vorstellen möchte.

Kathryn Ferry gilt als Großbritanniens erste Expertin für „Beach huts„, jene bunten Miniaturhäuschen, die man überall an den Stränden von Seebädern finden kann. Zwei Bücher hat sie bereits darüber geschrieben: „Sheds on the Seashore: A Tour Through Beach Hut History“ (2009) und „Beach Huts and Bathing Machines“ (2009). Im erstgenannten Buch berichtet sie über ihre zweimonatige Tour durch Großbritannien, oder, besser gesagt, entlang den Küsten Großbritanniens, immer auf der Suche nach Informationen über die kleinen Hütten, die oft von Generation zu Genration vererbt werden und die schon einmal einen sechsstelligen Betrag beim Verkauf bringen können.

In ihrem zweiten Buch beschäftigt sich Kathryn Ferry mit den Vorgängern der Beach Huts, den Bathing Machines, das waren Badekarren, die ins Meer geschoben wurden, von wo aus dann die Badenden so diskret wie möglich ins Wasser steigen konnten. Im 18. Jahrhundert kamen diese Bademaschinen auf, die sich dann allmählich zu Strandhütten weiter entwickelten.

Ein Name, der mit Strandferien sehr eng verbunden ist, ist die Firma Butlin’s, die seit 1936 große Ferienanlagen für Familien zur Verfügung stellt und von denen nur noch drei in Betrieb sind, in Skegness, in Bognor Regis und in Minehead. Kathryn Ferris schreibt in ihrem 2016 erschienen Buch „The Nation’s Host: Butlin’s and the Story of the British Seaside“ über diese Art ,Ferien zu machen. Butlin’s kam durch das Aufkommen von Flugpauschalreisen nach Südeuropa in große Schwierigkeiten und musste viele ihrer Anlagen schließen.

In ihrem Buch „Holiday Camps“ (2010) geht es noch einmal um das Thema Ferienanlagen und die damit verbundenen Namen Butlin’s,  Pontin’s und Warner’s, in denen All-inclusive-Ferien für Familien angeboten wurden und werden (Warner’s hat sich auf Adults-Only Hotels umgestellt).

Kathryn Ferry hat ihren Doktortitel an der Universität von Cambridge erworben. Sie ist Jurorin bei der jährlich stattfindenden Towergate Beach Hut of the Year Competition, bei der die schönsten Strandhütten Großbritanniens prämiert werden.

Butlin’s in Minehead (Somerset).
Photo © Ian S (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Sarah Freeman: Beside the Sea – Britain’s Lost Seaside Heritage

Foto meines Exemplares.

In dem Londoner Verlag Aurum Press erschien vor einigen Jahren ein wunderschönes, großformatiges Buch von Sarah Freeman, in dem sie sich mit dem Niedergang der britischen Seebäder beschäftigt: „Beside the Sea – Britain’s Lost Seaside Heritage“ (über das Thema habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben).
Die Autorin erzählt darin von der Blütezeit dieser Orte, als die Menschen scharenweise in den Ferien oder an den Wochenenden aus den Industrieregionen bzw. aus den Großstädten ans Meer strömten, um dort frische Seeluft zu atmen und sich zu vergnügen. In Blackpool, Morecambe, Margate, Hastings, Southport, Scarborough und in vielen anderen Küstenstädten baute man Schwimmbäder, Freizeitparks und Ball Rooms, das Baden im Meer spielte nicht die erste Rolle. Die Menschen wollten sich lieber Vergnügen, tanzen, bei Schönheitswettbewerben zusehen, die Kinder auf Eseln am Strand reiten und bei Punch and Judy-Shows in Begeisterung geraten. Bei schönem Wetter saßen die Besucher zu Tausenden dicht aneinander gedrängt im Sand, aber das schien niemanden zu stören.

Sarah Freeman hat in ihrem Buch viele Bilder zusammengestellt, die dieses muntere Strandleben abbilden. Männer sind darauf erstaunlicherweise häufig im Anzug mit Krawatte zu sehen, auf einem der Fotos spielt ein kleiner Junge, mit kurzen Hosen und ebenfalls mit Jackett und einer Krawatte bekleidet, mit anderen Kindern im Sand. Die Kleiderordnung war früher in britischen Seebädern schon merkwürdig.
Dieser Film zeigt das Strandleben von Blackpool in den 1950er Jahren.

Die Buchautorin schildert in den einzelnen Kapiteln wie es jeweils in den Seebädern zum Niedergang kam. Es waren letztendlich immer die selben Gründe wie das Aufkommen von Billigflügen nach Südeuropa, wo das Wetter in der Regel besser war. Schade, dass viele der historischen Seebädergebäude abgerissen worden sind.

Ich kann das Buch sehr empfehlen; es steckt viel Nostalgie darin, und es macht einfach Vergnügen, sich die vielen Fotos anzusehen.

Sarah Freeman: Beside the Sea – Britain’s Lost Seaside Heritage. Aurum Press 2015. 190 Seiten. ISBN 978-1-78131-305-3.

 

 

Published in: on 5. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Downham in Lancashire, das schilder- und antennenlose Dorf am Rande des Pendle Hill

Wenn man nach Downham, einem kleinen Dorf in Lancashire nördlich des Pendle Hills kommt, fragt man sich : Hier fehlt doch irgendetwas?
Ja, es fehlt vieles, was zum normalen Erscheinungsbild eines Dorfes gehört. Es gibt auf den Dächern weder Antennen noch Satellitenschüsseln, auch Stromleitungen sucht man hier vergebens (die sind unterirdisch verlegt). Straßenschilder? Verkehrsschilder? Gelbe Streifen am Fahrbahnrand? Alles Fehlanzeige.

Downham Village gehört zum Besitz der Assheton Familie und Ralph John Assheton, 2nd Baron Clitheroe, untersagt jegliche Verschandlung der Häuser und der Straßen, so dass das Dorf, wenn man die Autos verschwinden ließe, noch genauso aussieht wie vor 100 oder 200 Jahren.

So ein Dorf ist natürlich der Traum eines jeden Film- oder Fernsehproduzenten. Wenn man hier einen historischen Film dreht, braucht man keine Antennen von den Dächern abmontieren oder die gelben Fahrbahnrandstreifen abkleben: das spart Arbeit und Kosten und so wurden in Downham auch schon Filme und Fernsehserien gedreht.
Schon 1961 produzierte hier Richard Attenborough „Whistle Down the Wind“ mit Hayley Mills in der Hauptrolle. Die BBC-TV-Serie „Born and Bred„, die von 2002 bis 2005 ausgestrahlt wurde, drehte man überwiegend in Downham, in der Serie Ormston genannt.

Der Mittelpunkt des „gesellschaftlichen Lebens“ von Downham ist, wie es auch sein sollte, der Pub, der The Assheton Arms heißt.

Downham Hall ist der Wohnsitz der Assheton Familie, die Kirche des Ortes ist dem Heiligen Leonard geweiht, es gibt ein Postamt und das war’s denn auch schon. Ein unverfälschtes Dorf am Hang des berüchtigten Pendle Hills (siehe dazu auch meinen Blogeintrag).

Hier ist ein Film, der das idyllische Downham zeigt.

The Assheton Arms in Downham.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Der Pendle Hill von der St Leonard’s Church aus gesehen.
Photo © Carroll Pierce (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 4. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Die englische High Street: Deprimierendes und Positives

Ein Beispiel für eine High Street wie wir sie nicht mögen: Wisbech (Cambridgeshire).
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Über die Problematik der englischen High Street habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben. Es sieht nicht gut aus für sie, weil immer mehr Geschäfte schließen, die entweder leer bleiben oder von Charity Shops oder  Billigstläden eingenommen werden. Kürzlich hat das Unternehmen PricewaterhouseCoopers, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, alarmierende Zahlen für das Jahr 2018 vorgelegt, wonach so viele Geschäftsschließungen stattgefunden haben wie lange nicht mehr: 5833. Rechnet man die Neueröffnungen dagegen (3372), so haben wir ein Minus von fast 2500 Läden. Besonders hart hat es Bankfilialen und Modeläden getroffen, auch Geschäfte, die zu Ketten gehören, verschwinden immer mehr aus dem Straßenbild.

Die Ursachen für das langsame Sterben der High Street sind bekannt: Der zunehmende Onlinehandel, die Zurückhaltung der Menschen beim Geld ausgeben, fehlende Parkplätze in den Städten. Es ist eine Abwärtsspirale: Je unattraktiver die High Streets werden, umso weniger ziehen sie Kunden an und sie bleiben weg. Ein Einkaufsbummel in Straßen, die von Oxfam, Poundstretcher und Kebap-Imbissen dominiert werden, macht einfach keinen Spaß mehr. Auch Restaurants und Pubs leiden unter Kundenmangel; viele essen und trinken lieber zuhause, um Geld zu sparen. Wie das alles nach einem Brexit weiter gehen wird? Kommt dann ein Aufschwung wie Nigel Farage nicht müde wird, es immer wieder zu prophezeien? Oder wird dann alles noch viel schlimmer?

Doch es gibt Bemühungen gegen die desolaten Einkaufsstraßen vorzugehen wie zum Beispiel die alljährliche Verleihung der Great British High Street Awards. Sehen wir uns die Gewinner des letzen Jahres an:

Der Champion Award Winner für England (es gibt die Auszeichnungen auch für Schottland, Wales und Nordirland) war das Town Centre von Altrincham, einer Stadt mit etwa 53 000 Einwohnern im Dunstkreis von Manchester. Der Preis ist verbunden mit einem Scheck über £5,000. Altrincham konnte sich gegen die Konkurrenten St Albans, Royal Tunbridge Wells und Guildford (um nur einige zu nennen) durchsetzen. “Altrincham is a fantastic example of a high street that has made huge strides in transforming itself and significantly improving the environment for locals and visitors alike”, so die Aussage eines der Jurymitglieder.

Der Rising Star Awards Winner 2018 war die Burnley Road in Todmorden (West Yorkshire). Die etwa 16 000 Einwohner beherbergende Stadt setzt sich immer wieder für Umweltschutz ein. “Burnley Road was specifically chosen to represent the town for its diversity, with the market winning a national award, plans on-going for a Community Hub from the old Community College, and improvements to public transport. New shops are opening along this road and some existing shops are giving themselves a make-over, it was the perfect combination to for the rising star category“, so hieß es bei der Bewerbung der Stadt um den begehrten Preis.

Die Auszeichnung High Street Hero 2018 schließlich wurde Jennifer Crowther zugesprochen, die sich um die Küstenstadt Scarborough in North Yorkshire verdient gemacht hat und zwar durch die beiden Kampagnen Totally Locally und  Love Local, die dazu dienten die Geschäftswelt der Stadt näher zusammenzubringen und durch gemeinsames Marketing Kunden in die High Street zu bringen.

Siehe zum Thema auch meinen früheren Blogeintrag über die High Street Awards.

Altrincham Town Centre.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Die Burnley Road in Todmorden (West Yorkshire).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Scarborough Town Centre.
Photo © Christopher Hall (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 3. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Reading Rooms und Village Halls im Bild

Reading Room and Village Hall in Great Gransden in Cambridgeshire.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Bei Spaziergängen in englischen Dörfern trifft man hin und wieder auf sogenannte Reading Rooms, das sind Gebäude, die früher einmal von wohlhabenden Männern und Frauen aus der Region der Dorfbevölkerung zur Verfügung gestellt wurden, um einen kulturellen Beitrag zu leisten. Heute sind diese Reading Rooms manchmal mit Village Halls verschmolzen oder dienen anderen Zwecken. In den den deutschen Dorfgemeinschaftshäusern entsprechenden Village Halls trifft man sich bei Feierlichkeiten oder anderen Veranstaltungen, Theateraufführungen können darin stattfinden und Musikabende. Sie sind wie der Pub, die Kirche oder der Village Store ein wichtiger Teil eines funktionierenden Dorflebens.

Ich habe hier einmal einige Beispiele für ehemalige Reading Rooms herausgesucht, die zu Village Halls umfunktioniert wurden.

Früher Reading Room, jetzt Village Hall: Grantchester in Cambridgeshire.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Betley in Staffordshire.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Tirril Village Hall in Cumbria.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ewelme in Oxfordshire.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Goodrich Village Hall in Herefordshire.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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St Peter’s Barge – Die einzige schwimmende Kirche Londons

Am West India Dock im Bereich der Canary Wharf liegt sie, die einzige schwimmende Kirche Londons und wohl auch ganz Großbritanniens. St Peter’s Barge war einmal ein Frachtkahn, der auf den niederländischen Kanälen eingesetzt war, bevor er 2003 als Kirche umgebaut und von den Niederlanden nach London gebracht wurde. Die Church of England installierte dann hier einen hauptamtlichen Pastor, der von vier Mitarbeitern unterstützt wird.

Ziel der St Peter’s Gemeinde ist, den Menschen, die in der  Canary Wharf arbeiten und leben, einen Anlaufplatz zu bieten, wo sie ihrem Glauben nachgehen können. Zweimal pro Woche jeweils in der Mittagszeit werden Lunchtime Services angeboten für die Menschen, die in den großen Bürogebäuden arbeiten, während sonntags um 11 Uhr ein Gottesdienst für diejenigen stattfindet, die hier wohnen.

Es gibt in dem ganzen Canary Wharf-Komplex keine einzige Kirche, was sicher u.a. auch an den immens hohen Mieten liegt, die hier gefordert werden, so war die Lösung mit der schwimmenden Kirche die preiswerteste. An die 100 000 Menschen arbeiten hier in den Docklands, von denen sich bis zu 60 – 70 zu den mittäglichen Andachten einfinden. Marcus Nodder, der zurzeit verantwortliche Pastor von St Peter’s Barge, ist zufrieden mit der Nutzung seiner Kirche.

Hier ist ein Film über die schwimmende Kirche.

St Peter’s Barge
West India Quay
Hertsmere Road
London E14 4AL

Published in: on 1. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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