Das Portcullis House in London – Eine luxuriöse Herberge für Parlamentsmitglieder in London und ein Millionengrab

Was haben die Hamburger Elbphilharmonie und der irgendwann einmal in Betrieb gehende Berliner Flughafen mit dem Londoner Portcullis House gemein? Sie sind alle weit teurer geworden als ursprünglich vorgesehen. Als das Londoner Gebäude 1992 geplant war, veranschlagte man die Kosten auf £165 Millionen, ein ganz schöner Batzen Geld, doch als es 2001 fertiggestellt war, kam man auf eine Endsumme von £235 Millionen. Wer hat sich denn da wohl so grob verschätzt?

Das Portcullis House, gegenüber vom Elizabeth Tower mit Big Ben, wurde gebaut, weil es den Abgeordneten des britischen Parlaments in ihren damaligen Büros zu eng geworden war. Also riss man 1994 die Häuser ab, die dem Neubau im Wege standen, und beauftragte das Architektenbüro Michael Hopkins and Partners mit der Erstellung des Portcullis House. Kosten spielten keine Rolle, man schöpfte aus dem Vollen. Allein die Fassadenverkleidung aus Bronze kostete £30 Millionen; nebenbei wurden noch fast £10 Millionen für Entschädigungen und Gerichtskosten ausgegeben, weil die Firma, die ein günstigeres Angebot abgegeben hatte, nicht berücksichtigt worden war.

Aufsehen erregte auch die Anschaffung von einem Dutzend Feigenbäumen, die aus Florida importiert wurden und die stolze £150,000 kosteten. Damit sich die Abgeordneten in ihrem Restaurant auch wirklich wohlfühlen, wurden £500 000 für die Einrichtung und £200 000 für Pflanzen ausgegeben.

So ganz sauber wurde beim Bau wohl nicht gearbeitet, denn es gab immer wieder Probleme. Schon ein Jahr nach Fertigstellung hatte das National Audit Office, eine Prüf- und Aufsichtsbehörde, sage und schreibe 7500 Beanstandungen am Portcullis House gefunden. Allein das Dach musste 2004 und 2009 wegen Undichtigkeiten repariert werden.

Die Members of Parliament, die in das Haus einzogen, schienen auch nicht zu 100% glücklich gewesen zu sein, denn auch sie bemängelten so einiges an ihrem neuen Zuhause. Eine von ihnen, die Abgeordnete Edwina Currie, verglich Portcullis House mit einer auf dem Rücken liegenden Kakerlake, die ihre Füße in die Luft streckt.

Das Café im Portcullis House.
Author: User:Colin
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Published in: on 14. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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