Wentworth Woodhouse in South Yorkshire – Großbritanniens größtes Stately Home und seine Renovierungskosten

Zu den bekanntesten und größten englischen Stately Homes zählen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Chatsworth House in Derbyshire. Diese imposanten Gebäude sind aber gar nichts im Vergleich zu dem weniger bekannten Wentworth Woodhouse in der Grafschaft South Yorkshire. Es hat die längste Fassade eines Landhauses in ganz Europa,184 Meter, und eine Wohnfläche von 23.000 m². Für jeden Tag des Jahres gibt es ein Zimmer, also 365; ob wohl jemand die alle schon einmal betreten hat? 1000 Fenster sind zu putzen und 14 Treppenhäuser führen in die jeweiligen Stockwerke. Die Korridore im Wentworth Woodhouse erstecken sich über acht Kilometer, so dass man sich darin ohne weiteres verlaufen kann.

Die Familie Watson-Wentworth benötigte im 18. Jahrhundert offensichtlich so viel Platz, die das Haus erbauen ließen; vererbt wurde es an die Fitzwilliams, deren Familiensitz Wentworth Woodhouse wurde. Unter dem Anwesen entdeckte man riesige Kohlelagerstätten, die abgebaut wurden. Der Abbau zog sich direkt bis zum Herrenhaus vor, wobei große Flächen Natur zerstört wurden.

Auf die Geschichte des Hauses näher einzugehen, würde den Rahmen meines Blogs sprengen, darum verweise ich hier auf die Artikel in der deutsch- bzw. englischsprachigen Wikipedia.

Wentworth Woodhouse ist in einem sehr schlechten Zustand; es wurde immer wieder zum Verkauf angeboten und schließlich im Jahr 2016 für £7 Millionen vom Wentworth Woodhouse Preservation Trust übernommen, der jetzt vor der gewaltigen Aufgabe steht, das Haus zu renovieren, was nach Schätzungen £130 Millionen kosten soll. In vielen Teilen des Gebäudes sieht es schlimm aus, durch Undichtigkeiten im Dach ist Wasser eingedrungen, wertvolle Tapeten haben sich abgelöst, Teppichböden sind ruiniert und Schimmel hat sich breitgemacht.

Der Staat hat bisher £7.6 Millionen zur Verfügung gestellt, ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Trust hat als erstes mit der kompletten Dacherneuerung begonnen, damit nicht noch mehr Wasser von oben in das Haus dringt. Mehr als 350 Tonnen Schutt sind bereits abtransportiert worden, es gibt viele Freiwillige aus der Region, die mithelfen. Wie lange die Renovierungsarbeiten dauern werden, kann noch niemand präzise voraussagen.
Trotzdem bleibt das eingerüstete Wentworth Woodhouse für Besucher offen. Außer Montag finden täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr geführte Touren statt. Man braucht sicher das Geld aus den Einnahmen für die Renovierung.

Natürlich wird auch Wentworth Woodhouse von Geistern heimgesucht, was das TV-Team von „Most Haunted“ beweisen wollte.

Hier ist ein Film über das beeindruckende Gebäude.

Wentworth Woodhouse
Preservation Trust
Wentworth
Rotherham
S62 7TQ

Published in: on 28. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo, die 20 Pfund Eintritt lohnen sich mMn absolut nicht – außen hui, innen praktisch leer. Das Haus, das ich 2018 besichtigt habe (zum Glück mit NT-Paß, also nur 10 Pf), wird nur für Filmaufnahmen möbliert. Ich fand es enttäuschend.

    • Vielen Dank für diese Ergänzung! 20 Pfund ist auch ein ganz schön happiger Eintrittspreis. Wenn aber eines Tages alles fertig gestellt ist, lohnt es sich dann doch.

  2. Wahnsinn, die Familie Watson hatte wahrscheinlich zuviel Geld und zu wenig Fantasie, um dieses sinnvoller anzulegen…

    • Es war eben damals auch ein Prestigeobjekt, denn so viel Platz braucht eigentlich kein Mensch.

  3. Wir hatten 2014 die Gelegenheit, Wentworth Woodhouse im Rahmen der grossen „Fitzwilliam“-Tour geführt zu besichtigen (Dauer etwa 2 Stunden).

    Es stimmt – das Haus war damals praktisch leer, desolat und wer Märchenprinzessinnen- und Dornröschen-Romantik erwartete, wurde bitter enttäuscht. Die schiere Grösse dieses Hauses und seiner Umgebung (auf den ehemaligen Ländereien steht heute die Stadt Rotherham!), seine Geschichte (W. W´house stand in familiärer Konkurrenz des nahe gelegenenen Wentworth Castles, das einer Nebenlinie der Familie gehörte!) und die architektonische Gliederung dieser Fassade (eine erweiterte Kopie des nicht mehr existierenden Wanstead House), aber auch gewisser Innenräume (Great Hall) machte den Besuch zu einem ganz speziellen Erlebnis!

    Ich wünsche dem durch die Jahrhunderte gebeutelten und geplünderten Haus und den jetzigen Besitzern von ganzem Herzen die Kraft und die Mittel, dass Wentworth Woodhouse überleben und dereinst wieder in alter Grösse erstrahlen wird. Wir haben diese Bemühungen mit unserem Eintrittspreis gerne unterstützt!

    Wer sich mit der Geschichte dieses Hauses näher beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre von „Black Diamonds“ der englischen Autorin Catherine Bailey.


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