St Andrew’s in Stoke Dry (Rutland) – Eine Kirche, in der sich die Gunpowder Plot-Verschwörer getroffen haben sollen

Es gibt zwar eine Main Street in Stoke Dry in der kleinen Grafschaft Rutland, doch der Name klingt großartiger als die Straße ist, denn hier reihen sich lediglich eine Handvoll Häuser aneinander. In diesem abgelegenen Landstrich Englands haben wohl noch nie mehr als hundert Menschen gelebt. Das herausragendste Gebäude an der Main Street, die hinunter zum Ufer des Eyebrook Reservoirs führt (hier wurden im Zweiten Weltkrieg die Angriffe auf die Talsperren in Nordrhein-Westfalen und Hessen geübt), ist die Dorfkirche, die St Andrew geweiht ist. Besonders stolz ist man in Stoke Dry auf die mittelalterlichen Wandmalereien, die die Kirche schmücken. Es gibt im Inneren einige Grabmäler der Familie Digby, der im 16. Jahrhundert hier große Ländereien gehörten. Hier liegen zum Beispiel Kenelm Digby und seine Frau auf einem Marmorgrab; sie sind die Großeltern von Sir Everard Digby (1578-1606), der in der englischen Geschichte eine unrühmliche Rolle spielte. Zusammen mit einigen katholischen Gleichgesinnten hatte er sich den Gunpowder Plot ausgetüftelt, durch den bei der Parlamentseröffnung am 5. November 1605 der protestantische König James I., seine Familie und alle Parlamentarier in London in die Luft gesprengt werden sollten. Wie man weiß, klappte das Attentat, das Guy Fawkes durchzuführen versuchte, nicht und alle Verschwörer wurden auf die grausamste Weise exekutiert.

Zurück zu St Andrew’s in Stoke Dry. Dort gibt es einen kleine Raum über dem nördlichen Kirchenportal, in dem sich die Verschwörer getroffen haben sollen, um das Attentat zu planen. Ob das stimmt, ist historisch nicht gesichert. Egal, man kann den Raum besichtigen, allerdings ist er nur über eine schmale, steile Treppe zu erreichen und man muss schon den Kopf einziehen, um nicht an die niedrige Decke zu stoßen. Dann kann man sich der Vorstellung hingeben, dass hier (möglicherweise) eine historische Tat geplant worden ist.

Ach ja, St Andrew’s hat auch eine unheimliche Seite. In jenem oben erwähnten Raum hielt ein ehemaliger Geistlicher in den 1640er Jahren eine Frau gefangen, die angeblich eine Hexe gewesen sein soll. Die Schreie der Gefangenen blieben ungehört bis sie schließlich vor Hunger starb. Ihre Schreie bzw. ihr irres Gelächter will man mehrfach in St Andrew’s gehört haben, vornehmlich bei Begräbnisfeierlichkeiten.

Wandmalerei in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Grabmal von Kenelm Digby und seiner Frau.
Photo © John Sutton (cc-by-sa/2.0)

Der Gunpowder Plot Room (?) in St Andrew’s.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Das Eyebrook Reservoir.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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