Englische Exzentriker – Sir Mansfield George Smith-Cumming (1859-1923), erster Chef des Auslandsgeheimdienstes

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Hätte Mansfield Smith (nach seiner Heirat fügte er den Nachnamen Cumming an seinen eigenen an) als junger Mann nicht ständig Probleme mit der Seekrankheit gehabt, so wäre er in der Royal Navy vielleicht eines Tages Admiral geworden. Aber mit dieser Einschränkung musste er seine Karriere in der Marine aufgeben. Also schlug der 1859 geborene Mansfield George Smith-Cumming einen anderen Weg ein, der ihn im Jahr 1909 an die Spitze des neu gegründeten Auslandsgeheimdienstes Secret Intelligence Service führte, besser als MI6 bekannt. In seinen Geheimdienstjahren nannte man ihn kurz “C” (für „Cumming“), was Ian Fleming inspirierte, in seinen James Bond-Romanen, den MI6-Chef „M“ zu nennen.

Smith-Cumming war ein Original mit stark ausgeprägten exzentrischen Zügen. Er war ein Liebhaber von Autos der Marke Rolls Royce und einen von ihnen fuhr er 1914 zu Bruch, wobei sein Sohn ums Leben kam. Gern prahlte er immer wieder mit der Geschichte, dass er bei dem Crash eingeklemmt worden war und sich selbst ein Bein mit einem Taschenmesser amputierte, um seinen Sohn aus dem Unfallauto zu befreien. Das war frei erfunden, denn die Amputation nahm einen Tag später ein Chirurg im Krankenhaus vor. Smith-Cumming lief also sein Leben lang mit einem Holzbein herum. Dieses Holzbein spielte eine Rolle bei der Auswahl zukünftiger Geheimdienstagenten. Bei den Bewerbungsgesprächen stach er sich unvermittelt mit aller Gewalt in sein Bein (von dessen hölzerner Struktur der Kandidat natürlich nichts wusste). Zuckte der Bewerber zusammen, hatte er keine Chance den angestrebten Agentenjob zu bekommen. Reagierte er gelassen, stiegen seine Chancen dagegen rapide an.

„C“ war sehr daran interessiert wie seine Agenten untereinander kommunizierten, und da kam einer von ihnen auf die Idee wie dabei eine ganz besondere „Geheimtinte“ eingesetzt werden konnte: Sperma. Smith-Cumming fand das genial. Jeder männliche Agent hatte diese „Tinte“ ständig abrufbereit bei sich und musste sie nur durch einen einfachen Prozess ans Tageslicht fördern. Diese Form der Geheimschrift hatte aber keine Zukunft bei MI6, auch James Bond wandte sie meines Wissens nie an.

Der exzentrische Geheimdienstboss trug gern ein goldenes Monokel und liebte seinen Stockdegen (ein Spazierstock mit einem verborgenen Degen).
Wer sich für Sir Mansfield George Smith-Cumming näher interessiert und wer mehr von seinen ungewöhnlichen Gepflogenheiten wissen möchte, dem sei das Buch „The Quest for C: Mansfield Cumming and the Founding of the Secret Service“ von Alan Judd empfohlen, das 2000 bei HarperCollins erschienen und noch lieferbar ist.

Das heutige MI6-Hauptquartier in London.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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