The Russian Memorial auf dem Kirchhof von St John-sub-Castro in Lewes (East Sussex)

This work is released into the public domain.

Wie kommt ein Denkmal, das an russische und finnische Soldaten erinnert, in die englische Provinz, auf einen Friedhof, der zu einer Kirche mit dem Namen St John-sub-Castro gehört (sub castro = unterhalb der Burg, gemeint ist Lewes Castle)? Die Kleinstadt Lewes liegt in der Grafschaft East Sussex und die Kirche am Abinger Place. Das Russian Memorial, das wie eine abgesägte Kirchturmspitze aussieht, wurde 1877 im Auftrag des russischen Zaren Alexander II. in Lewes errichtet, in Gedenken an 28 russisch/finnische Kriegsgefangene, die zwischen 1854 und 1856 in der Stadt starben.

Der Hintergrund: Während des Krimkrieges (1853-1856) gab es einen Nebenschauplatz, der weit weg von der Krim war. In der Ostsee, vor den Aland-Inseln, attackierten die britische und die französische Marine das Fort Bomarsund. Erst beim zweiten Versuch konnten die vereinten Streitkräfte das Fort einnehmen und zerstören. Die zwischen Finnland und Russland gelegene Inselgruppe gehörte damals zeitweise zum Russischen Reich, und die Kriegsgefangenen waren überwiegend russische Offiziere und finnische Mannschaften. Etwa 340 der Gefangenen wurden in das Naval Prison nach Lewes gebracht, wobei die Offiziere bei örtlichen Familien ihre Unterkunft fanden.

Den Gefangenen schlug in Lewes keine Feindschaft entgegen, im Gegenteil. Die russischen Offiziere genossen weitgehende Freiheiten und die Mannschaftsgrade im Gefängnis stellten Holzspielzeug her, dass sie an Besucher verkauften, wodurch sie sich einiges an Taschengeld verdienen konnten. Doch nicht alles war gut im Naval Prison, denn einige der Soldaten starben dort an Tuberkulose. Insgesamt 28 der Kriegsgefangenen überlebten ihren Aufenthalt in Lewes nicht und wurden auf dem Kirchhof von St John-sub-Castro begraben, daher das fünf Meter hohe Denkmal, das ein örtlicher Steinmetz anfertigte.

Im Jahr 2013 wurde das Russian Memorial restauriert, wobei die Kosten von Russland und Finnland übernommen wurden.

Das Naval Prison in der Lancaster Street existiert nicht mehr, es wurde 1963 abgerissen und heute ist dort der Rettungsdienst von Lewes untergebracht. Eine Plakette erinnert an das einstige Gefängnis.

Der britische Komponist Orlando Gough hat in Zusammenearbeit mit Stephen Plaice über die Gefangenen in Lewes eine Oper geschrieben, „The Finnish Opera„, die 2008 auch in Lewes ihre Uraufführung in Anwesenheit des finnischen Botschafters erlebte. Inspiriert wurde die Oper durch das finnische Lied „Oolannin sota„, das auch in das Werk intergriert worden ist.

St John-sub-Castro.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Die Lancaster Street , an der früher das Naval Prison stand.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

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