Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck – Musterbeispiel eines englischen Exzentrikers

Welbeck Abbey.
Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Wenn es eine Hitliste der exzentrischsten englischen Adligen geben würde, so stünde Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck, der 5. Duke of Portland ganz oben an. Er lebte von 1800 bis 1879 und sein Wohnsitz war in Nottinghamshire, wo er die riesige Welbeck Abbey bewohnte, das heißt er, bewohnte nur wenige Räume. In diesen Zimmern hatten die Türen jeweils zwei Schlitze, einen für die eingehende Post und einen für die ausgehende. Der Duke mochte nämlich niemanden von seinem Personal sehen; so wurde auch das Essen täglich hindurchgereicht, ein halbes Brathähnchen zum Mittagessen und die andere Hälfte zum Abendessen.

Der Herrscher der Welbeck Abbey verfügte über sehr viel Geld, das er auch mit vollen Händen ausgab; so beschäftigte er tausende von Arbeitern, die unter seinem Anwesen ein regelrechtes Labyrinth von Gängen gruben, u.a. auch eine zwei Kilometer lange Passage, die von Gaslaternen erhellt wurde und die so breit war, dass zwei Kutschen aneinander vorbeifahren konnten. Dann ließ er einen riesigen unterirdischen Ballsaal bauen, den größten in ganz Europa, der nie genutzt wurde.  Ferner fanden sich dort unten eine große Bibliothek und ein Billiardsaal.

Wenn der Duke of Portland sein Haus verließ, was er am liebsten nachts tat, dann musste jemand von seinem Personal vierzig Meter mit einer Laterne vor ihm her gehen. Auch seine Kleidung war recht exzentrisch: Er trug beim Verlassen des Hauses zwei Mäntel, einen extrem hohen Hut und führte einen so großen Regenschirm mit, dass er sich darunter weitgehend vor anderen Menschen verbergen konnte.

Am 6. Dezember 1879 starb der Herzog in seiner Londoner Residenz, Harcourt House und wurde auf dem Friedhof von Kensal Green im Norden Londons in einem einfachen Grab beigesetzt.

Ein Besuch der State Rooms ist an einigen Tagen des Jahres möglich (für dieses Jahr sind schon alle Tickets ausverkauft. Auf dem Gelände der Abbey sind u.a. die School of Artisan Food, sowie die Portland Collection und die Harley Gallery untergebracht (beide kostenlos zugänglich).

Hier sind Luftaufnahmen der Abbey zu sehen.

Tunneleingang.
Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

Harcourt House am Londoner Cavendish Square. Hier starb Lord Cavendish.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich habe einst dienstlich ein paar Tage in der Nähe in Clumber Park in einem Hotel verbracht. Da ich durch Edith Sitwell den Earl schon „kannte“, habe ich versucht, mich vor Ort intensiver zu informieren.
    Sehr widersprüchliche Informationen und Zutritt damals ausgeschlossen.
    Widersprüchlich sind die Informationen auch heute. Laut wikipedia sind die oft als „unterirdisch“ bezeichneten Räume nicht wirklich unter der Erdoberfläche „as they are not covered by earth or lawn.“
    In einigen Quellen wurde die große Halle „gelegentlich als Tanzsaal genutzt“ – an anderer Stelle steht, „the great ballroom, unfinished at the death of the fifth Duke“ – wie auch immer: einen Platz zwischen den größten Exzentrikern hat der Earl of Portland verdient und Welbeck Abbey kann man schon zu den Follies zählen.
    Eine wunderbare Quelle mit vielen Bildern findet man hier:
    http://www.nottshistory.org.uk/articles/welbeck/welbeck1.htm

  2. […] zweiten Kategorie gehörtLord William John Cavendish-Scott-Bentinck, der 5. Duke of Portland, der sein riesiges Anwesen unterhöhlte und dort einen gigantischen Ballroom, eine große […]

  3. […] tiefe Tunnel und Höhlen zu graben, habe ich in meinem Blog schon zweimal berichtet. Da war einmal  Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck, der 5. Duke of Portland, der unter seiner Welbeck Abbey ein Labyrinth an Gängen und Sälen ausgraben ließ, und dann […]

  4. […] Exzentriker habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie John „Mad Jack“ Fuller oder Lord William John Cavendish-Scott-Bentinck. David Long präsentiert in seinem Buch noch viele andere Exemplare dieser typisch englischen […]


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