Mein Buchtipp – Rosie Sanders: Rosen – Meisterin der Blumenkunst

Foto meines Exemplares.

Wenn man einmal ein Buch sucht, das zur Entschleunigung, Entspannung und zum Wohlbefinden beitragen soll, dann kann diese Dienste Rosie Sanders‚ „Rosen: Meisterin der Blumenkunst“ in einzigartiger Weise leisten. Die Farbexplosionen der rund 80 Rosenporträts der englischen Künstlerin nehmen den Betrachter sofort gefangen und führen ihn in eine andere Welt, in der die Trumps und Johnsons unserer Zeit nicht existieren. Schade, dass es (noch) keine Bücher gibt, die man auch riechen kann, der Duft der Rosen in diesem Buch muss betörend sein. Rosie Sanders (was für ein passender Vorname!) hat bis auf eine Ausnahme nur Rosen aus ihrem eigenen Garten in Devon gemalt: Da ist David Austins zerzauste Mortimer-Sackler-Rose zu sehen, in deren Porträt Kobaltviolett vorherrscht, die sonnengelbe Celebration, ebenfalls von Großbritanniens Rosenzüchter Nummer Eins kreiert, und eine wunderschöne Tuscany Superb („red as a cherry harvest“).

Rosie Sanders hat jedem Gemälde einen Namen gegeben: Das Porträt eines Rosenbuschs heißt „Lied von der Erde„, nach Gustav Mahlers Komposition, bei der Betrachtung einer Rose kam ihr Pink Floyds (auch das wäre ein treffender Name für eine Rose) „The dark side of the moon“ in den Sinn, und als ich mir das wunderschöne Gemälde einer Rose namens „Summer Wine“ ansah, musste ich unwillkürlich an den gleichnamigen Song von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra denken.

Die kurzen Begleittexte zu jedem Bild stammen ebenfalls von Rosie Sanders und entsprechen jeweils der Stimmung in der sie war, als sie die Pinsel in die Hand nahm, um ihre Rosen detailgetreu auf die Leinwand zu versetzen.

Die sehr interessante Einleitung „Eine kleine Geschichte der Rose“ schrieb Jane McMorland Hunter, die selbst mehrere Gartenbücher veröffentlicht hat.
Das wunderschöne Coffee Table-Book ist gerade Ende September, zeitgleich mit dem englischen Ausgabe, erschienen.

Von Rosie Sanders liegen bereits das im gleichen Verlag 2015 erschienene „Überwältigende Blüten“ vor und das 2012 veröffentlichte „Apfel-Buch“ (Delius Klasing-Verlag). Angekündigt für den 5. Januar 2020 ist das Buch „Winterblumen“ (auch im Verlag Elisabeth Sandmann).

Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin lebt in Bovey Tracey (Devon) am Rand des Dartmoors in dem einstöckigen weißen Front House am Anfang der schmalen East Street. Hier ist ein Film über sie.

Rosie Sanders: Rosen – Meisterin der Blumenkunst. Elisabeth Sandmann-Verlag 2019. 144 Seiten. ISBN 978-3-945543-70-2.

Published in: on 30. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Danesfield House – Ein 5*-Hotel bei Marlow in Buckinghamshire

This work has been released into the public domain.

Zwischen Marlow in Buckinghamshire und Henley-on-Thames in Oxfordshire liegt an der Themse ein sehr schönes Hotel namens Danesfield House, das in den letzten Jahren mit Auszeichnungen regelrecht überhäuft wurde. Hier einige Beispiele:

Condé Nast Award for Most Excellent Hotel Venue
Michelin Star awarded in Michelin Guide Great Britain & Ireland
Winner – Most Relaxing Spa
Best Luxury Hotel & Spa in Buckinghamshire

Danesfield öffnete seine Pforten als Luxushotel am 1. Juli 1991. Vorher war es das Hauptquartier der Firma Carnation Foods; davor gehörte es der Royal Air Force.

In der Küche des Hotelrestaurants steht Bruce Theobald am Herd, der vom Seaview Hotel auf der Isle of Wight kam.

Das Danesfield House Hotel verfügt über 86 Zimmer und Suiten, von denen einige auch über Four-Poster-Betten verfügen. Der Blick geht von vielen Zimmern auf die Gärten und die dahinter fließende Themse. Die Preise für eine Nacht bewegen sich, im günstigsten Fall, zwischen €270 (mit Frühstück) für ein Standard-Doppelzimmer und €600 für eine Duplex Suite.

Das Spa Illuminata bietet eine Fülle von Wellness-Anwendungen und verfügt über ein sehr schönes Hallenbad.

Im Oktober 2014 feierten hier George und Amal Clooney nach ihrer Hochzeit in Venedig ein zweites Mal. Die beiden frisch Verheirateten, die nicht weit entfernt ein Haus an der Themse besitzen, sollen in der Tower Suite des Hotels übernachtet haben.

Wer aus der „Inspector Barnaby„- Serie die Episode „Judgment Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) gesehen hat, erinnert sich vielleicht an die Szenen, in denen sich die Jury-Mitglieder für die Perfect Village Competition (inklusive Joyce Barnaby) in einem Hotel treffen, in dem später eine der Jurorinnen ermordet wird (hier ab 44:38) Diese Szenen wurden im Danesfield House Hotel gedreht.

Hier ist ein Film über das Hotel..

Danesfield House Hotel and Spa
Henley Road
Marlow-On-Thames,
Buckinghamshire, SL7 2EY

Published in: on 29. September 2019 at 00:00  Comments (2)  
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The North East Skinny Dip 2019 – Massennacktbaden in der Nordsee an der Küste von Northumberland

Schauplatz des Skinny Dips: Die Druridge Bay in Northumberland.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

Der North East Skinny Dip fand am 22. September diesen Jahres bereits zum siebten Mal statt (skinny dipping heißt auf Deutsch Nacktbaden). Nach Angaben der Organisatoren nahmen in diesem Jahr 737 Männer und Frauen daran teil, ein Rekord. Schauplatz war wieder die Druridge Bay in Northumberland, ein kilometerlanger Küstenabschnitt südlich von Alnwick. Die teilnehmenden Nacktbader haben bei dem Event immer viel Spaß und das trotz niedriger Wassertemperaturen, dieses Mal waren es etwa 11°; dieser Film aus dem Jahr 2017 dokumentiert das.

Die Teilnehmer am North East Skinny Dip kommen aus dem ganzen Land angereist, um dem kalten Vergnügen nachzugehen, viele schon am Vorabend zum „pre-dip camp“. Sie tun das aber auch um etwas Gutes zu tun., denn der Erlös der Aktion (jeder muss eine Teilnehmergebühr in Höhe von £12 bezahlen) geht an die 1946 gegründete Wohltätigkeitsorganisation MIND, die sich um psychisch kranke Menschen kümmert. In diesem Jahr gehen die Einnahmen an Tyneside and Northumberland MIND, werden also regional verwendet. Seit dem ersten Skinny Dip sind auf diese Weise bereits £40,000 zusammengekommen.

Ein MIND Charity Shop: Hier in Dursley (Gloucestershire).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. September 2019 at 02:40  Schreibe einen Kommentar  
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The Whitechapel Society 1888 – Eine Gesellschaft in London, die noch immer den Spuren von Jack the Ripper nachgeht

In diesem Pub in der Londoner City kommen die Mitglieder der Gesellschaft regelmäßig zusammen.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Es gibt wohl keinen Serienmörder, der bis heute so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie Jack the Ripper, der im Jahr 1888 im Londoner East End mindestens fünf Frauen auf bestialische Weise ermordet hat. Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass ihn Scotland Yard nie fassen konnte und dadurch Spekulationen über den wahren Täter immer wieder ins Kraut schossen.

Jede Menge Bücher sind über Jack the Ripper geschrieben worden, das Thema wurde mehrfach verfilmt (zum Beispiel mit Michael Caine in einem TV-Zweiteiler aus dem Jahr 1988, hier zu sehen), Theaterstücke und Musicals entstanden im Laufe der Zeit (hier ein Beispiel mit den Trimley Saints Players aus Suffolk) und Songs sind über den Mörder geschrieben worden (wie dieser von Screaming Lord Sutch). Der Cloak and Dagger Club entstand, in dem sich die sogenannten Ripperologen zusammenfanden und der 1995 in die Whitechapel Society 1888 überging, “ a historical society that promotes the study of the Whitechapel murders and the social impact that this event had on the East End of London at that time“.
Die Mitglieder dieser Gesellschaft treffen sich regelmäßig alle zwei Monate an dem jeweils ersten Samstag im Pub The Crutched Friar, in einer Straße, die ebenfalls Crutched Friars heißt und in der City of London liegt (Gäste sind willkommen).

Die Whitechapel Society 1888, die sich nach dem Londoner Stadtteil benannt hat, in dem Jack the Ripper seine Morde verübt hat, organisiert Vorträge, Rundgänge und gibt eine Zeitschrift heraus The Whitechapel Society Journal; darin erscheinen beispielsweise Artikel zu Themen wie „How did „Long Liz“ die?“ (gemeint ist eines der Ripper-Opfer Elizabeth Stride) oder „Sergeant William Thick“, der mit den Morden in Whitechapel befasst war.

Im Shop der Gesellschaft kann man Bücher kaufen, die von ihr herausgegeben worden sind wie „Jack the Ripper -The Suspects“ oder „The Little Book of Jack the Ripper„.

Zum Schluss ist hier noch ein interessanter Film zum Thema zu sehen.

Published in: on 27. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die „Serpentine Drownings“ im Londoner Hyde Park

The Serpentine ist ein See im Londoner Hyde Park und dient den Städtern und Touristen als Naherholungsgebiet im Sommer wie im Winter. Der ruhig daliegende See, auf dem Schwäne ihre Kreise ziehen, ist allerdings schon für viele Menschen zur Todesfalle geworden, wobei Leichtsinn oft der Hauptgrund war.

Am 10. Dezember des Jahres 1816 nahm sich die schwangere Harriet Westbrook im See das Leben. Sie war die Frau des Dichters Percy Bysshe Shelley, der gleichzeitig eine Beziehung mit Mary Godwin hatte. Gerüchte machten die Runde, dass hier Mord und kein Selbstmord vorlag.

Am 25.12.1835, als der See zugefroren war, ereignete sich ein Unglück, bei dem purer Leichtsinn ausschlaggebend war. Tausende Schlittschuhfahrer waren an dem Weihnachtstag unterwegs und nachdem schon einige ins Eis eingebrochen waren, wurden Warnschilder an besonders gefährlichen Stellen aufgestellt. Trotzdem kümmerten sich einige nicht darum, mit der Folge das weitere zwei Männer einbrachen. Doch als Hilfe nahte, brachen auch die Helfer ein. Schließlich wurden 15 Menschen aus dem eiskalten Wasser gezogen, von denen sieben starben.

Noch viel tragischer ging es am 15. Januar 1867 auf dem See zu, der wieder zugefroren war und auf dem sich viele Schlittschuhläufer verlustierten. Wie bei dem Unglück zu Weihnachten 1835 wurde auch hier wieder vor zu dünnem Eis gewarnt. Wieder kümmerten sich die wenigsten darum. Die Folge: Mehr als 200 Menschen brachen in das Eis ein und trotz der Hilfe, die vom Ufer aus geleistet wurde, starben 40 Personen. Die Bergung der Leichen zog sich mehrere Tage hin, da bei den tiefen Temperaturen der See immer gleich wieder zufror und Schneisen in das Eis geschlagen werden mussten, um an die Ertrunkenen heranzukommen.

Doch auch im Sommer fordert The Serpentine immer wieder seine Opfer. Bei hohen Temperaturen springen Erfrischung suchende in das Wasser und erleiden einen Schock, manche sind betrunken, was die Gefahr noch erhöht. Ein 18-jähriger Student des Imperial College sprang im März 2011 nach einer ausgelassenen Party zum Examensende in den See und ertrank. Zwei Wochen später wurde seine Leiche entdeckt.

Drei Jahre später ertrank ein 26-jähriger Mann, ebenfalls betrunken, im See. Im gleichen Jahr, 2014, wiederholte sich das Unglück als ein gleichaltriger junger betrunkener Mann in der Mitte des Sees unterging und starb. Im März diesen Jahres entdeckte man die Leiche eines 24-jährigen Studenten aus Malaysia am Seeufer.

So schön der Serpentine Lake auch aussieht, er kann zur tödlichen Falle werden.

Published in: on 26. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Thomas Cook (1808-1892) und die erste Pauschalreise in der Geschichte des Tourismus

Die Thomas Cook-Statue am Bahnhof von Leicester. This work is released into the public domain.

Die Thomas Cook-Statue am Bahnhof von Leicester.
This work is released into the public domain.

Anlässlich des Untergangs des Thomas Cook-Konzerns in diesen Tagen, wiederhole ich hier noch einmal einen Blogeintrag, den ich am 1. Juni 2014 veröffentlichte, und der sich mit den Anfängen des Reiseunternehmens beschäftigt.

Die Thomas Cook Group ist eines der weltweit größten Touristikunternehmen mit einem Umsatz von über 10 Milliarden Euro. Es führt noch immer den Namen seines Gründers Thomas Cook, der, als er am 18. Juli 1892 starb, sich diesen Erfolg niemals hätte vorstellen können.

Thomas Cook wurde 1808 in Melbourne, einer kleinen Marktstadt in Derbyshire, geboren. Schon früh wandte er sich dem baptistischen Glauben zu und war ein fanatischer Abstinenzler. Wenn er damals geahnt hätte, dass später einmal unter seinem Namen All Inclusive-Reisen verkauft werden, bei denen alkoholische Getränke inbegriffen sind…

Die Idee, den Menschen damals preisgünstige Reisen anzubieten, entsprang dann auch aus dem Wunsch Thomas Cooks, genau diese Menschen vom Alkohol abzubringen. Da zu dieser Zeit gerade ein Schienennetz in England gebaut wurde und Eisenbahnen in Mode kamen, organisierte Cook am 5. Juli 1841 die allererste Pauschalreise in der Geschichte des Tourismus. Er mietete einen Zug, der die 570 Passagiere von der Stadt Leicester in das 17 km nördlich gelegene Loughborough brachte. Für einen Shilling pro Kopf bekamen die Reisenden nicht nur ihre Hin- und Rückfahrkarte, sondern auch noch ein Picknick mit Tee und belegten Brötchen, wozu eine Blaskapelle spielte, und einen kleinen Reiseführer für die Route, den Cook selbst geschrieben und gedruckt hatte. Nach dem Picknick konnte man sich im Park von Loughborough mit Spielen die Zeit vertreiben, bis es dann zum Höhepunkt der Reise kam (jedenfalls aus der Sicht von Thomas Cook), einer Massendemonstration gegen die Gefahren des Alkoholkonsums (der Thomas Cook Temperance Dance in Loughborough ist hier zu sehen). Glücklich und zufrieden kam die Reisegesellschaft um 22.30 Uhr wieder auf der Campbell Street Station in Leicester an.

Diese Reise war dermaßen erfolgreich, dass Thomas Cook weitere organisierte und da das Schienenetz immer größer wurde, lagen die Ziele auch immer weiter entfernt. In den 1850er Jahren gab es schon Reiseangebote außerhalb Englands und im Jahr 1866 arrangierte Thomas Cook die erste Reise in die USA. Der Grundstein für den späteren Massentourismus war gelegt.

Leicester, die Stadt in der Thomas Cook starb, war für ihn immer besonders wichtig gewesen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man den berühmten Mann hier in Ehren hält. Es gibt das Thomas Cook Building in der heutigen Einkaufs- und Fußgängerzone Gallowtree Gate, das 1894 gebaut wurde, ein Denkmal vor dem Bahnhof, das ihn in Lebensgröße zeigt und mehrere Plaketten an Häuserwänden, die auf ihn aufmerksam machen. Begraben wurde er auf dem Welford Road Cemetery.

Auch in Cooks Geburtsort Melbourne in Derbyshire hat man ihn nicht vergessen; an seinem Geburtshaus an der Ecke Quick Close und George Street hat man eine Plakette angebracht. An der High Street finden sich die Thomas Cook Memorial Cottages, die der Sohn der Stadt 1890/91 hat bauen lassen, um Bedürftigen, die dem baptistischen Glauben huldigten, eine angemessene Unterkunft zu bieten.

Das Buch zum Artikel:
Piers Brendon: Thomas Cook – 150 Years of Popular Tourism. Secker & Warburg 1991. 372 Seiten. ISBN 978-0436199936.

Ziel der ersten Pauschalreise von Thomas Cook, der Bahnhof von Loughborough.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ziel der ersten Pauschalreise von Thomas Cook, der Bahnhof von Loughborough.
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Thomas Cooks Grab auf dem Welford Road Cemetery in Leicester.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Thomas Cooks Grab auf dem Welford Road Cemetery in Leicester.
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Hinweistafel an Cooks Geburtshaus in Melbourne (Derbyshire).   © Copyright Jerry Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinweistafel an Cooks Geburtshaus in Melbourne (Derbyshire).
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Die Thomas Cook Memorial Cottages in Melbourne (Derbyshire).   © Copyright Trevor Rickard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Thomas Cook Memorial Cottages in Melbourne (Derbyshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Rickard and
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Ab sofort geschlossen: Das Reisebüro von Thomas Cook in Redhill (Surrey).
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 25. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Rolling Stones Fan Museum in Lüchow in Niedersachsen – Ein Stück englischer Rockgeschichte auf deutschem Boden

Eigenes Foto.

Was haben die Orte Dartford in Kent, Hillingdon (Greater London), Lewisham (London), Kingsbury (Greater London), Cheltenham (Gloucestershire) und Lüchow in Niedersachsen gemeinsam? Sie stehen alle mit der legendärsten Rockband aller Zeiten, den Rolling Stones, in Verbindung. In Dartford wurden Mick Jagger und Keith Richards geboren, Ron Wood erblickte in Hillingdon das Licht der Welt, Bill Wyman in Lewisham, Charlie Watts in Kingsbury, Brian Jones (1942-1969) in Cheltenham und in der niedersächsischen Kleinstadt Lüchow steht das weltweit einzige Museum, das der Kultband huldigt.

Ulli Schröder ist der Mann, der jahrelang Memorabilia der Stones zusammengetragen hat und diese in einem ehemaligen Supermarktgebäude ausstellt. Der sympathische Stones-Fan, der seine Museumsbesucher herzlich begrüßt und sich gleich mit Ulli vorstellt, lebt für sein Projekt und beantwortet gern sämtliche Fragen, die sich bei der Besichtigung ergeben.

Ich habe das Museum vor einigen Tagen besucht und war/bin begeistert. Man kann sich hier lange aufhalten und entdeckt ständig etwas Neues. Da Ulli Schröder Galerist des Gitarristen und Malers Ron Wood ist, hängen hier an den Wänden Drucke der großartigen Bilder, die Wood angefertigt hat, das sind überwiegend Porträts von Größen der Rockmusikgeschichte, aber auch von Tieren, deren Originale sehr hoch gehandelt werden.

Zu bestaunen gibt es zwei Mercedes-Autos der S-Klasse, mit Original englischen Nummernschildern, die einmal Billy Wyman gehörten. Eine schwarze BMW-Isetta mit dem „Zungen-Logo“ der Stones steht für €20 000 zum Verkauf. In Vitrinen findet man Gitarren mit Unterschriften berühmter Musiker, der ehemalige HSV-Fußballspieler Charly Dörfel spendete seine Sammlung von über 3000 LPs und überall sind Miniaturen ausgestellt, die in irgendeiner Weise mit der englischen Band in Verbindung stehen.

Der Museumsbesitzer schenkt den Besuchern gern einen Kaffee, ein Guinness-Bier oder andere Getränke aus, denn in dem Haus ist auch ein irischer Pub integriert. Weiterhin gibt es eine Bühne auf der hin und wieder Live-Musik geboten wird. Der schottische Gitarrist Ray Wilson, der  eine Zeit lang bei Genesis arbeitete, wird am 12. Oktober auf dieser Bühne auftreten. Natürlich ist das Konzert schon lange ausverkauft.

In diesem Jahr ist das Museum noch bis zum 31. Oktober geöffnet, dann wird es (leider) den Winter über geschlossen. Die Öffnungszeiten sind großzügig bemessen, dienstags bis sonntags ist das Haus von 12 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Hier ist ein Film über das Fan-Museum.

Ich kann einen Besuch in Ulli Schröders Museum sehr empfehlen. Satisfaction (!) guaranteed.

Rolling Stones Fan Museum
Dr.-Lindemann-Str. 14
29439 Lüchow (Wendland)

Bill Wymans S-Klasse Mercedes.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 24. September 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Das Henley Literary Festival 2019 vom 28. September bis zum 6. Oktober

Henleys Town Hall.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Im Mai diesen Jahres erschien im Verlag W.H. Allen das Buch „The Victorians: Twelve Titans Who Forged Britain„, geschrieben von Jacob Rees-Mogg, der kürzlich von sich reden machte, als er im Parlament während einer der unzähligen Debatten über den Brexit auf einer Bank ein Nickerchen hielt und damit landesweit für Empörung sorgte. Rees-Mogg, der den Wahlkreis North East Somerset vertritt, ist einer der entschiedensten Befürworter des No-Deal Brexits. Eigentlich sollte er auf dem Henley Literary Festival, das in diesem Jahr vom 28. September bis zum 6. Oktober in der Stadt an der Themse stattfindet, sein aktuelles Buch vorstellen, doch wurde er von den Veranstaltern wieder ausgeladen, mit der Begründung, dass es da einen “conflict of interest” gäbe, was immer das auch bedeuten mag. Sein Vortrag war bereits ausgebucht.

Aber es gibt ja noch genügend andere prominente Gäste auf dem Festival wie zum Beispiel Theresa May, die am 30. September über die Bücher spricht, die eine große Rolle in ihrem Leben gespielt haben. David Suchet, den wir als Hercule Poirot kennen, ist dabei mit seiner neuen Autbiografie „Behind the Lens: My Life„, die am 3. Oktober erscheinen wird. Die auch in Deutschland erfolgreiche Autorin JoJo Moyes tritt in Henley-on-Thames auf (ihr neues Buch „The Giver of Stars“ erscheint am 3. Oktober, die deutsche Übersetzung „Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ am 1. Oktober) und Robert Harris stellt sein aktuelles Buch „The Second Sleep“ vor, das am 30. September in Deutschland unter dem Titel „Der zweite Schlaf“ erscheinen wird.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Programm, das man sich hier ansehen kann. Die Veranstaltungsorte in Henley-on-Thames sind die Town Hall am Market Place, Phyllis Court direkt an der Themse, das Christ Church Centre an der Reading Road, das Ausflugsschiff „The Hibernia“ und der sogenannte Festival Hub am Marktplatz. Viele der Veranstaltungen sind schon lange ausgebucht, ein Indiz für das große Interesse am Henley Literary Festival.

Phyllis Court an der Themse.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Die Christ Church an der Reading Road.
Photo © Michael FORD (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Ilivehere.co.uk“ – Webseiten, die eher dazu abraten, Großbritannien zu besuchen

Peterborough in Cambridgeshire: Crap Town Nummer 1 in Großbritannien?.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

In meinem Blog habe ich auch mehrfach über die hässlichen Seiten des Königreichs berichtet und zum Beispiel die beiden Bücher über „Crap Towns“ vorgestellt bzw über das manchmal düstere Kapitel der High Streets berichtet. Die Webseiten „Ilivehere.co.uk“ gehen noch einige Schritte weiter und hauen viele Städte regelrecht in die Pfanne (allerdings steht da etwas versteckt auch zu lesen: „All articles are for entertainment purposes only and are satire“). Eine jährlich neu erstellte Hitliste dieser „shitholes“ gibt es auch und da springt natürlich sofort ins Auge, dass fast alle genannten Städte im Norden liegen. Die Orte des Südens bekommen aber auch ihr Fett weg, selbst eigentlich „unverdächtige“ Städte wie Sherborne in Dorset („A hideously deranged town that looks great from afar“), Thame in Oxfordshire („The gene pool is rapidly stagnating“) und Bradwell-on-Sea in Essex („Village of the damned“).

Hier ist die aktuelle Top Ten Liste 2019:

1 Peterborough in Cambridgeshire (“ the first time taking the crown as the biggest dump in England“)

2 Huddersfield in West Yorkshire („There’s nothing but pound shops and a few coffee shops. It’s polluted, unclean and full of idiots. It’s a horrible place to live“)

3 Rochdale in Greater Manchester („Welcome to the cesspit of the universe“)

4 Doncaster in South Yorkshire („A night out in Donny is magical, with bums sitting on steps drinking white lightning near the old Purple Door strip club or the Jobcentre and chavvettes with near nothing on, looking to volunteer to contribute to Doncasters rising pregnancy rate“)

5 Hull im East Riding of Yorkshire („Avoid Hull at all costs. Never move to this city: half illegal immigrant, half c**v“). C**v = Chav

6 Rotherham in South Yorkshire („The town was dead and the people there were the living dead“)

7 Blackpool in Lancashire („drunken stags and hens, falling over in the street and spewing on themselves, before retiring to a grotty seaside B&B“)

8 Castleford in West Yorkshire („In a town where everybody is a blood relative of the person next to them, you have to wonder whether the essence of chavdom stems from bad breeding, or in the case of Castleford, possible interbreeding“)

9 Oldham in Greater Manchester („People of Oldham look as though the government has been performing nuclear testing in the area“)

10 Blackburn in Lancashire („You will almost certainly spot the inhabitants walking freely in dressing gowns, fluffy slippers, undoubtedly pregnant, with a fag in their gob going to pick up another free prescription from the overly used clap clinic“)

Huddersfield in West Yorkshire.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Rochdale (Greater Manchester).
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Geo. F. Trumper – Londons erste Adresse für die perfekte Rasur und den optimalen Haarschnitt

Das Hauptgeschäft in der Curzon Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Der richtige Londoner Gentleman kennt nur eine Adesse, wenn er sein Haar perfekt schneiden lassen oder sich eine optimale Rasur gönnen will: Geo. F. Trumper in der Curzon Street Nummer 9 in Mayfair. Seit 1875 gibt es diesen „traditional hairdresser“ hier schon, und das Geschäft bzw. die Geschäfte, es gibt noch eins in der Duke of York Street Nummer 1 in St James’s, wird noch immer von jemandem aus der Trumper-Familie geleitet.

Was erwartet den Gentleman nun hier bei Trumper’s? Hier wird nicht nur einfach rasiert, hier wird ein Ritual zelebriert. Die Gesichtshaut wird mit edlen Tinkturen vorbereitet, mit heißen Tüchern verhüllt, dann kommt die Rasur, wieder wird das Gesicht, diesmal mit kalten Tüchern, verhüllt; anschließend kommt noch eine Gesichtsmassage dazu und als Krönung dieser wahrhaft royalen Rasur wird noch ein Feuchtigkeitscreme aufgetragen. Fertig!

Die Kunden von Geo. F. Trumper können die Kunst des Rasierens auch gern erlernen und zwar in der „Shaving School„, wo die Profis zeigen, was der Normalrasierer alles falsch macht und wie man es richtig anstellt.

Natürlich arbeitet die Abteilung „Hairdresser“ nach den gleichen traditionellen Methoden.

Wem der Weg in die Curzon Street bzw. in die Duke of York Street zu weit ist, der kann sich zumindest mit den erlesenen Produkten zur Haarpflege oder zur Rasur der Firma Geo. F. Trumper via Online-Kauf eindecken. Dass diese Dinge alle ihren Preis haben, versteht sich von selbst. So kann ein „Travel Shaving Set“ schon einmal bis zu £200 kosten.

Am besten, man sieht sich das alles einmal in einem Film an.

Das Buch zum Artikel:
Michael Ham: Leisureguy’s Guide to Gourmet Shaving. CreateSpace 2011. 142 Seiten. ISBN 978-1463595340

The Mayfair Shop
9 Curzon Street
London W1J 5HQ
 

Published in: on 21. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Spukorte – Samlesbury Hall in Lancashire

Samlesbury Hall ist ein wunderschönes, uraltes Haus in dem gleichnamigen Dorf in Lancashire, nur einige Autominuten von Preston entfernt. In seiner langen Geschichte diente es allen möglichen Zwecken: Familiensitz, Pub, Mädcheninternat und jetzt findet man in den Räumen ein Museum, eine Galerie, ein Restaurant und man kann das Haus für Hochzeiten und private Feiern buchen.

Dass es in so alten Gemäuern auch spukt, liegt auf der Hand; ja, Samlesbury Hall rühmt sich sogar „one of the most haunted sites“ in ganz England zu sein. So werden  häufig Touren durch das Haus mit geisterbezogenen Themen durchgeführt, auf denen man mit diesen unheimlichen Wesen vertraut gemacht wird, von denen es einige hier gibt. The White Lady soll Lady Dorothy Southworth sein, die das Haus einmal bewohnte; in einem der Räume geht der „Kopflose Priester“ um, der sein Haupt während der Zeit Heinrichs VIII verlor und Joseph Harrison, der in der Hall wohnte und sich auf der Minstrel Gallery das Leben nahm, zeigt eine besondere Vorliebe für Besucherinnen mit langen Haaren, an denen er gern einmal zieht.

Natürlich war das Fernsehteam von „Most Haunted“ auch hier schon zu Gast (sogar zweimal). Yvette Fielding, Derek Acorah und Richard Felix verbrachten eine ganze Nacht in dem Spukhaus und was sie dabei erlebten, kann man hier sehen.

Samlesbury Hall ist täglich, außer samstags, von 10 – 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei (wo gibt es so etwas heute noch?). Hier ist eine Film über dieses großartige Gebäude.

Samlesbury Hall
Preston New Road
Samlesbury
Preston, Lancashire PR5 OUP

The Parlour.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

The Priest’s Room.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Published in: on 20. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Epsom Downs Racecourse in Surrey und ein tragischer Unfall im Jahr 1913

 

An dieser Stelle des Epsom Racecourses, der Tattenham Corner, ereignete sich der tragische Unfall.
Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

Neben Ascot und Goodwood gehört der Epsom Downs Racecourse zu den berühmtesten südenglischen Pferderennbahnen. Eine halbe Stunde mit dem Auto braucht man etwa, wenn man von London aus die Rennbahn erreichen will, die neben dem Ort Epsom in der Grafschaft Surrey liegt.

Am 4. Juni 1913 ereignete sich hier ein tragischer Unfall, in den die Frauenrechtlerin Emily Davison, der Jockey Herbert Jones und ein Pferd namens Anmer, das König George V gehörte, verwickelt waren. Was war passiert?
Emily Davison, eine der Suffragetten, die sich für die Verbesserung der Frauenrechte einsetzten, wollte auf ihre Mission aufmerksam machen und suchte sich dafür 1913 das Epsom Derby aus. Als schon ein großer Teil der teilnehmenden Pferde an ihr vorbei gallopiert waren, sprang sie plötzlich mitten auf die Rennbahn, rief „Votes for Women“ und versuchte die Zügel eines Pferdes zu ergreifen. Dieses Pferd war Anmer, das in vollem Lauf in Emily Davison krachte, stürzte und seinen Jockey abwarf. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Frau zu Boden geschleudert, verlor das Bewusstsein und starb wenige Tage später an ihren schweren Verletzungen. Herbert Jones, der Jockey, brach sich ein Rippe, das Pferd erlitt leichte Beinverletzungen. Übrigens zeigte sich die Presse damals mehr an den Verletzungen von Reiter und Pferd interessiert, als am Zustand Emily Davisons.
Die Suffragetten unter Führung von Emily Pankhurst, die damals merkten, dass sie mit friedlichen Mitteln ihre Forderungen nicht durchsetzen konnten, griffen verstärkt zu drastischeren Maßnahmen, um der männerdominierten Gesellschaft zu zeigen, dass auch Frauen ihre Rechte einfordern wollten.

100 Jahre nach Emily Davisons Tod wurde ihr zu Ehren eine Plakette an der Stelle auf der Rennbahn angebracht, an der sich das Unglück ereignete.

Der tragische Vorfall in Epsom wurde damals gefilmt und ist hier zu sehen.

Zu Epsom siehe auch diesen Blogeintrag.

An dieser Stelle stürzte sich Emily Davison vor das herannahende Pferd.
Credit for this entry to: Alan Patient of http://www.plaquesoflondon.co.uk
Copyright: London Remembers.

 

Published in: on 19. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Parmo – Ein Gericht für sehr hungrige Menschen im Nordosten Englands

Die Linthorpe Road in Middlesbrough (Teesside).
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die Linthorpe Road in Middlesbrough (Teesside) im Nordosten Englands ist eine der Haupteinkaufsstraßen der Stadt, mit all den Problemen, die wir auch aus vielen anderen Städten kennen: Leerstände, Unmengen von Imbissläden, Tattoo Studios usw. usw. In den 1950er Jahren fand man in der Straße The American Grill, ein Lokal, das ein Koch der US Army, Nicos Harris, hier aufgemacht hatte. Harris kreierte hier 1958 ein Gericht, das es wohl schon vorher in den USA gegeben haben soll, dass man hier aber bis dato überhaupt nicht kannte: Parmo. Der Koch machte sich damit in Middlesbrough und in der Grafschaft Teesside einen Namen, obwohl es im restlichen Land nicht so richtig zündete.
Wer nur wenig Appetit hat, sollte einen großen Bogen um Parmo machen, denn das Gericht kommt in gewaltigen Portionen auf den Tisch bzw wird auch gern als Take Away genommen. Die Grundlage von Parmo bildet ein paniertes Hähnchen- bzw. Schweineschnitzel, darüber kommt viel geschmolzener Käse und eine Béchamelsauce, gekrönt mit einer großen Portion Pommes Frites. Natürlich gibt es auch mehrere Parmo-Varianten, man kann noch Zwiebelringe darauf tun, Knoblauchbutter, Chili, Champignons oder Mozzarella. Auf jeden Fall ist dieses Gericht, auf das die Menschen in der Region Teesside stolz sind und es sehr gern essen, absolut nichts für Wenigesser, Veganer oder Menschen, die auf ihr Gewicht achten müssen, denn ein Parmo soll bis zu 2000 Kalorien haben.

Hier ist ein Film über Parmo und in diesem Film kämpft ein junger Mann gegen das XXL-Gericht an.

Published in: on 18. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Skulpturen im Wasser Teil 2 – „The Diver“ von John Kaufman

Die Gegend um Rainham im Osten Londons gehört nicht gerade zu den schönsten der Stadt; sie ist geprägt von Industrieanlagen, die mehr oder weniger dicht an der Themse liegen. In Rainham, in der Themse, findet sich aber auch ein beachtliches Kunstwerk, das manchmal, bei Niedrigwasser, komplett zu sehen ist, sonst nur zum Teil aus dem Wasser ragt, manchmal aber, bei Hochwasser, ganz untergetaucht ist.

The Diver“, also „Der Taucher“, heißt diese Skulptur, die von John Kaufman (1941-2002) geschaffen wurde und die am 23. August 2000 um 3.30 Uhr nachts in der Themse installiert wurde. Die aus den Fluten des Flusses auftauchende Gestalt besteht aus verzinktem Stahl, wiegt drei Tonnen und ist 4,60m hoch.
John Kaufman, der im Osten Londons wohnte, verbrachte fünf Jahre mit der Realisierung seines Projekts, von der Idee bis zur Installation der Skulptur im Schlick des Flusses. Sie soll an seinen Vater Friederich Johann Andreas Kaufmann erinnern, der  selbst Taucher in den London Docks war, und an alle Männer, die gefährliche Jobs auf der Themse ausüben.

Im März 2009 hatte der damalige Bürgermeister von London, Boris Johnson, die Skulptur in seine Liste „100 reasons to visit London“ aufgenommen.

Dieser Film zeigt die einsame Figur im Wasser der Themse.

Published in: on 17. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Skulpturen im Wasser Teil 1 – „Couple“ von Sean Henry

Für einige britische Künstler muss es einen besonderen Reiz ausüben, wenn sie ihre Skulpturen ins Meer oder in einen Fluss stellen. Ich denke da an Antony Gormleys gusseiserne Männer am Strand von Crosby Beach in Merseyside oder an Jason deCaires Taylors „The Rising Tide“, vier Reiterfiguren in der Themse.
In zwei Blogeinträgen möchte ich weitere Objekte vorstellen. Hier in Teil 1 Sean HenrysCouple„, eine Skulptur, die der Künstler im Jahr 2007 300 Meter vor der Küste von Northumberland in Newbiggin-by-the-Sea aufgestellt hat. „Couple“ zeigt ein Pärchen aus Stahl und Bronze, das von einem Gerüst auf einem Wellenbrecher aus ins weite Meer blickt. Die Spezialität des 1965 geborenen Künstlers ist die Schaffung von lebensgroßen oder überlebensgroßen menschlichen Figuren, die er bemalt und an mehr oder wenigen ungewöhnlichen Plätzen aufstellt. Sein „Woman“ steht zuum Beispiele in einer Einkaufspassage in Woking (Surrey), Henry Geburtsort, und seine „Seated Figure“ in der Einsamkeit der Moore von North Yorkshire.

Die beiden Figuren in Newbiggin-by-the-Sea, die im Rahmen des Newbiggin Bay Replenishment Projects aufgestellt wurden, sind etwa fünf Meter hoch, und sie haben ein Gegenstück an Land, das sich „Land Couple“ nennt, eine Miniatur-Version des Originals.

Ich finde die Figuren des Künstlers, der sein Atelier in der Nähe von Winchester in Hamsphire hat, sehr ansprechend. Einige seiner Werke wurden auch schon in Deutschland gezeigt wie in Bad Homburg und in Neu-Anspach.

„Land Couple“.
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)

Sean Henrys „Woman“ im Peacock Centre von Woking (Surrey).
Author: RJCook
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„Seated Man“ in den Mooren von North Yorkshire.
Author: BScar23625
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Published in: on 16. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Cricketers in Clavering (Essex) – Hier erlernte The Naked Chef schon als Kind sein Handwerk

Jamie Oliver, auch als The Naked Chef bekannt, gehört zu den bekanntesten Köchen in Großbritannien, bekannt durch seine Fernsehshows, seine Kochbücher und seine vielen Restaurants. Im Augenblick läuft es nicht rund bei Jamie Oliver, denn seine Restaurantkette „Jamie’s Italian“ musste kürzlich Insolvenz anmelden. Doch das soll nicht Inhalt meines heutigen Blogthemas sein, sondern seine Anfänge als „Mini-Koch“ im Pub seiner Eltern, in dem er im Alter von sieben Jahren schon ein ansehnliches Brathähnchen zubereiten konnte (wie er das heute macht, zeigt dieser Film).

Trevor und Sally Oliver hatten im Jahr 1976 den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Pub The Cricketers in Clavering in Essex übernommen, einem kleinen Dorf in ländlicher Umgebung ein paar Kilometer nördlich vom Flughafen Stansted entfernt. Diesen inzwischen zum Gastropub gewordenen Gasthof mit angeschlossenem Hotel betreiben Jamie Olivers Eltern noch heute. Trevor Oliver bzw. sein Executive Chef Justin Greig stehen in der Küche und bieten eine anspruchsvolle Speisenkarte an, auf der u.a. auch ein vegetarisches Gericht namens „Jamie’s Crispy Cauliflower Katsu Curry“ steht. Hin und wieder bringt Jamie Oliver auch schon einmal organisch angebautes Gemüse und Salate vorbei, die dann in der Küche Verwendung finden.

Im Juli 2000 heiratete Jamie Oliver seine Freundin Juliette Norton ganz in der Nähe des elterlichen Pubs in der Kirche All Saints in Rickling (Essex). Am Hochzeitstag soll er ganz früh aufgestanden sein, um Vorbereitungen für das Hochzeitsessen zu treffen. Zu der Feier waren viele Gäste eingeladen, zu der der Bräutigam die Chemical Brothers einfliegen ließ. Er hatte mit Tom Rowlands von der Band eine Abmachung getroffen: Tom und Ed Simons, die beiden Chemical Brothers, sorgen für die Unterhaltung bei Jamies Hochzeit, dafür kocht Jamie bei Toms Hochzeit.

Hier ist das Dörfchen Clavering von einer Drohne aus zu sehen.

The Cricketers
Clavering
Saffron Walden
CB11 4QT

All Saints in Rickling (Essex).
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

„This Is Your Life“ – Eine ehemalige, sehr beliebte TV-Serie im britischen Fernsehen

Das berühmte rote Buch.
Author: Chemical Engineer.
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Es gibt Serien im Fernsehen, die laufen über Jahrzehnte und erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit. „This Is Your Life“ war eine von diesen Serien, die erstmals 1955 von der BBC gesendet und zehn Jahre lang produziert wurde. Nach einer Pause von fünf Jahren erschien die Sendung 1969 wieder auf den Bildschirmen und wurde bis zum Jahr 2003 gezeigt; dann war Schluss, ausgenommen eine Sonderausgabe in 2007.

Das Format sah so aus, dass ein Moderator mit einem großen roten Buch das Studio betrat und den jeweiligen Gast begrüßte, dessen Leben vor ihm/ihr und dem Publikum ausgebreitet wurde, wobei nach und nach Personen aus dessen/deren näheren Umfeld hinzukamen. Der Clou war, dass der Gast davon vorher überhaupt nichts wusste und mit der Tatsache überrascht wurde, ins Studio eingeladen zu werden.

Die vorgestellten Gäste waren meist prominente Persönlichkeiten, aber auch weniger bekannte Menschen traten auf, die auf irgendeine Weise von sich reden gemacht hatten. Der Ire Eamonn Andrews moderierte „This Is You Life“ von 1955 bis 1987; nach seinem Tod übernahm Michael Aspel die Sendung bis sie 2003 eingestellt wurde. Hier ist die Titelmelodie.

Die Idee zu der Sendung stammt aus den USA, wo sie bereits 1948 im Radio lief und 1952 ins Fernsehen kam, mit Rock Hudson als erstem Gast. Der erste Gast der britischen Show war der spätere Moderator selbst, Eamonn Andrews, präsentiert von Ralph Edwards, der in den USA die Sendung moderierte (hier ist ein Ausschnitt aus der ersten Sendung).

Wie das genau ablief, soll an diesem Beispiel mit Christopher Lee gezeigt werden.

Übrigens wurden die berühmten roten Bücher der Show handgefertigt und in Leder gebunden, ab 1969 von einer Firma in Amersham-on-the-Hill in Buckinghamshire, dessen Manager, Clive Verney, die Produktion absolut geheim durchführen musste, damit nichts vor der Show an die Öffentlichkeit drang. Später, nachdem Clive Verney in den Ruhestand gegangen war, wurden die roten Bücher in Perivale (Greater London) hergestellt.

Published in: on 14. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Godalming (Surrey) und der Funker der „Titanic“ John George Phillips (1887-1912)

The Phillips Memorial Cloister in Godalming (Surrey).
Photo © David960 (cc-by-sa/2.0)

Das Wort „Held“ wird meiner Ansicht nach heute viel zu oft verwendet. Wenn ein Bundesligaspieler ein entscheidendes Tor schießt, wird er von den Medien gleich als Held bezeichnet.

Ein wahrer Held war der gerade erst 25 Jahre alt gewordene John George Phillips, der 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben kam. Er war damals auf dem Schiff der Chief Wireless Telegraphist, also der hauptverantwortliche Funker, der in jener verhängnisvollen Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 auf dem Nordatlantik, als die Titanic mit einem Eisberg kollidierte, Dienst hatte. Unermüdlich sandte Phillips per Funk Hilferufe in die Nacht, um Schiffe aus der näheren Umgebung zur Unfallstelle zu holen. Durch seinen Einsatz, den er mit seinem Leben bezahlen musste, konnten viele Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden, da die von ihm herbeigerufene Carpathia Schiffbrüchige aufnehmen konnte.

John George Phillips wurde am 11. April 1887 in der Farncombe Street Nummer 11 in Godalming (Surrey) geboren. Godalming ist eine Stadt mit rund 20 000 Einwohnern, die sechs Kilometer südwestlich von Guildford liegt. An dem Haus in der Farncombe Street erinnert eine blaue Plakette an den Funker, angebracht zwischen einer Pizzeria und einem Beerdigungsinstitut. Aber nicht nur diese Plakette ruft noch heute Erinnerungen an den jungen Mann wach. Ihm zu Ehren wurde The Phillips Memorial Cloister angelegt und zwar von niemand geringerem als von der berühmten Gartendesignerin Gertrude Jekyll, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Hugh Thackeray Turner. Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Untergang der Titanic wurde diese Gartenanlage in Godalming eröffnet. Den Mittelpunkt bildet ein steinernes Denkmal

Die Stadt Godalming hat ihren im Meer ertrunkenen Sohn noch heute im Herzen. Am 90. Jahrestag des Titanic-Untergangs im Jahr 2002 hat der Town Council das Grab der Familie Phillips auf dem Nightingale Cemetery wieder neu hergerichtet. Dort liegen Johns Eltern und seine Zwillingsschwestern begraben. Auf der rechteckigen weißen Grabanlage steht in der Mitte ein kleiner Obelisk in der Form eines Eisbergs, der dem Sohn bzw. dem Bruder einen so frühen Tod gebracht hat.

Im Godalming Museum findet man weitere Erinnerungsstücke an John George Phillips. Ich finde es großartig, dass man die Erinnerung an die Heldentat eines jungen Mannes noch nach mehr als hundert Jahren aufrecht erhält!

Dieser Film zeigt das Leben des jungen Mannes, der auch Jack statt John genannt wurde.

Siehe auch zum Thema meinen Blogeintrag über die Anker der Titanic.

Das Denkmal für John George Phillips im Phillips Memorial Cloister.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Das Museum in der High Street.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. September 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Soapbox Science – Wissenschaftliche Themen für jedermann, von der Seifenkiste aus erklärt

Soapbox Science in Swansea in Wales.
Author: Nejaby
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Im Londoner Hyde Park gibt es ja bekannterweise die Speaker’s Corner, wo jedermann Reden über (fast) alles halten kann, ob nun jemand zuhört oder auch nicht. Die Redner standen dabei üblicherweise auf Kisten, in denen früher Seife transportiert wurde, daher der Begriff des „Soapboxing“ für improvisierte Reden unter freiem Himmel.

In London wurde im Jahr 2011 eine Bewegung ins Leben gerufen, die sich Soapbox Science nennt; dabei versuchen namhafte Wissenschaftlerinnen dem „Normalbürger“ Themen aus ihrem jeweiligen Fachgebiet näher zu bringen. Sie stehen auf öffentlichen Plätzen und schnell sammelt sich eine Traube von Menschen um sie, die zuhören, Fragen stellen oder auch interaktiv tätig sein können. Seit Beginn von Soapbox Science haben schon über 1000 Wissenschaftlerinnen teilgenommen und mittlerweile ist diese Bewegung nicht nur auf Großbritannien beschränkt. In vielen Ländern der Welt gibt es sie, auch in Deutschland (Berlin, München). In diesem Jahr finden 42 Veranstaltungen weltweit statt. Hier sind einige Themen, die behandelt werden, am Beispiel von Exeter (Devon) vom 29. Juni diesen Jahres:

Die Vulkanolgin Dr Aleksandra (Ola) Zawalna-Geer von der University of Exeter sprach über das Thema “How predictable can volcanoes be?”.
Judith Piegsa von der Medical School der Universität von Exeter hatte sich das Thema “A peephole into the brain: Leaky blood vessels and Alzheimer’s disease” ausgesucht, und Dr Kirsten J. Lees, ebenfalls University of Exeter, wählte das Thema “Over the Moorlands – protecting our peat using satellites”. Also alles sehr unterschiedliche Themen, über die sich die Bürger von Exeter am Princesshay Square informieren konnten. Hier ist ein Film über eine frühere Soapbox-Veranstaltung in Exeter.

Published in: on 12. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Steven Primrose-Smith: Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain Teil 1 und 2

Foto meiner Exemplare.

Steven Primrose-Smith ist mit seinem 2001 in Österreich gekauften KTM-Fahrrad schon mehr als 50 000 Kilometer kreuz und quer durch Europa gefahren und hat darüber in seinen Büchern „No Place Like Home, Thank God“ und „Hungry For Miles“ berichtet. In seinem Heimatland Großbritannien hatte er sich vorgenommen, ebenfalls per Fahrrad und Zelt, sämtliche 97 Grafschaften abzuklappern, was er dann auch tat und darüber in seinen beiden Büchern „Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain „, aufgeteilt in Teil 1 „The Journey South“ und Teil 2″ The Journey North„, geschrieben.

Ich kann die beiden Bücher sehr empfehlen, denn sie sind zum einen sehr witzig geschrieben und bringen zum anderen viele, oft recht kuriose, Informationen über die bereisten Gebiete. Steven Primrose-Smith beginnt die 8000 Kilometer lange Fahrradtour in Liverpool, die ihn im Zickzack durch alle Grafschaften von Wales und des südlichen Englands führt. Teil 2 der Reise beginnt in Bedfordshire, führt in den hohen Norden nach Schottland und endet in Blackpool in Lancashire.

Gleich am Beginn der Tour erfahren wir, dass Liverpool die „breast augmentation capital of the world“ und das nicht weit entfernte St Helens (Merseyside) die „teen pregnancy capital“ Großbritanniens ist. Und da in St Helens auch noch extrem viele übergewichtige Menschen wohnen (73%) stellt Primrose-Smith die kühne These auf, dass die vielen übergewichtigen Mädchen dort wohl nicht schnell genug vor den geilen Männern von St Helens weglaufen können (tongue-in-cheek!!).

Es macht einfach Spaß, diese beiden Bücher zu lesen, denn der Autor verfügt über einen wunderbaren Humor!

Noch einige ergänzende Worte zum Autor. Steven Primrose-Smith stammt aus Blackburn (Lancashire). Er hat Englisch, Mathematik und Philosophie studiert. Im Jahr 2009 wäre er fast an einer Gehirnblutung gestorben, zurückzuführen auf einen sehr hohen Blutdruck. Seitdem ist sein Lebensmotto „Wenn du etwas tun möchtest, dann tue es jetzt, sonst könnte es vielleicht zu spät sein“.

Steven Primrose-Smith: Route Britannia – A Spontaneous Bicycle Ride through Every County in Britain Teil 1 und 2. Rosebery Publications 2016/2017. 277 bzw. 263 Seiten. ISBN 978-1540516374 bzw. 978-1974098323.

Published in: on 11. September 2019 at 02:00  Comments (3)  

Norwich in Norfolk und zwei Dinge, die man nicht unbedingt über die Stadt wissen muss…

Sexy enough for Norwich women? Ein Lingerie-Geschäft in Hyde (Tameside).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

In Großbritannien gibt es sehr viele „Capital of…“, das sind meist kuriose oder skurrile Dinge, durch die sich die jeweilige Stadt von anderen hervorhebt. Einige davon habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie Alresford (Hampshire) als Wasserkresse-Hauptstadt, Wem (Shropshire) als Sweet Pea Capital und Tenbury Wells (Worcestershire) als Mistletoe Capital.

Norwich, die Hauptstadt der Grafschaft Norfolk, hat zwei „Capital of“-Titel, die aber ein wenig abseits der Spur liegen. Die Stadt ist „Cougar Capital of the UK„, wobei man wissen sollte, dass unter „cougar“ hier nicht der amerikanische Berglöwe zu verstehen ist, sondern eine Frau etwas fortgeschrittenen Alters, die sich gern einmal einen jüngeren Liebhaber nimmt. Die Lingerie-Firma Bluebella hat ermittelt, dass die Frauen von Norwich in der Altersgruppe zwischen 45 und 55 Jahren mehr Geld für sexy Unterwäsche ausgeben als in jeder anderen Stadt des Königreichs (Platz 2: Sheffield, Platz 3: Manchester). Eine Erklärung, warum es gerade die Stadt in East Anglia ist, wurde nicht genannt, aber der Trend, dass ältere Frauen sich verstärkt für sexy Lingerie (mit denen sie ihre Young Lovers verführen wollen) interessieren, wird dadurch erklärt, dass Filme und TV-Serien wie „Sex in the City“ dazu beigetragen haben.

Thematisch nicht weit entfernt: Norwich ist ebenfalls die „Y-Front Capital“ Großbritanniens. Hier die Erklärung für Y-Fronts im Cambridge Dictionary „a brandname for a piece of underwear for men and boys, covering the area between the waist and the tops of the legs, with an opening at the front in the shape of an upside-down Y„. Die Männer von Norwich kaufen die meisten dieser Unterhosen im ganzen Land, was die Warenhauskette John Lewis herausgefunden hat. 1936 wurde diese Form der Unterhose, die in ständigem Kampf mit den Boxershorts liegt, erstmals in Großbritannien verkauft, mit großem Erfolg.
Wer das nächste Mal Norwich besucht, sollte sein Interesse vielleicht nicht ausschließlich auf die Kathedrale der Stadt richten…

Dieser junge Mann, nicht in Norwich sondern in Glasgow zu finden, ist offensichtlich ein Fan von Y-Fronts.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 10. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hesba Stretton (1832-1911) – Eine Kinderbuchautorin der viktorianischen Zeit

Foto meines Exemplares.

Wie das Buch „Alone in London“ in meine Familie gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Sowohl mein Vater als auch ich, während meiner Zeit im Gymnasium, versuchten sich an einer Übersetzung; ich schaffte es bis zum 7. Kapitel. Das Besondere an dem Buch war, dass auf der Titelseite kein Verfasser angegeben war und auch das Erscheinungsdatum war nirgendwo zu finden. Es stand lediglich „By the Author of „Jessica’s First Prayer“, „Little Meg’s Children“ etc. auf dem Titelblatt. Erschienen war „Alone in London“ bei der Religious Tract Society in London. Im Zeitalter des Internets ist es natürlich leicht, das Rätsel um Autor und Erscheinungsjahr aufzulösen: Hesba Stretton heißt die Verfasserin und erschienen ist es um 1906 herum.
Wie der Verlagsname schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine rührselige Geschichte, in der der Zeitungshändler James Oliver und die beiden Straßenkinder Dolly und Tony im Mittelpunkt stehen, die eine kleine Familie bilden. Ich muss zugeben, dass ich als Jugendlicher bei der Lektüre die eine oder andere Träne verdrückt habe, so nahe ging mir das Schicksal der drei Protagonisten.

Hesba Stretton ist das Pseudonym von Sarah Smith, die 1832 in der New Street in Wellington in der Grafschaft Shropshire geboren wurde. Der Vorname besteht aus den Initialen ihrer Geschwister: H wie Hannah oder möglicherweise auch Harriett, E wie Elizabeth, S wie Sarah, B wie Benjamin und A wie Annie. Der Nachname bezieht sich auf das Dorf All Stretton, wo ihre Schwester Ann in einem Haus namens Caradoc Lodge wohnte. Mrs Smith schrieb Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einige Kinderbücher, die sich großer Beliebtheit erfreuten und in denen ihre Religiösität zum Ausdruck kam. Ihre Bücher wie „Jessica’s First Prayer„, „Jessica’s Mother“ oder „The Christmas Child“ wurden in hohen Stückzahlen gedruckt und gern an Kinder verschenkt. Einige von ihnen erschienen in deutscher Übersetzung und trugen Titel wie „Heim, süß Heim„, „In des Herrn Hand“ und „Allein in London“ (da hatte es doch jemand geschafft, im Gegensatz zu mir, das komplette Buch zu übersetzen). Hesba Strettons Bücher entsprechen nicht mehr dem heutigen Zeitgeist, die meisten von ihnen sind aber noch problemlos antiquarisch oder als Nachdruck zu bekommen.

Sarah Smith starb am 8. Oktober 1911 in Richmond (Surrey). Ihr Grab findet man auf dem Kirchhof von St Laurence in Church Stretton in Shropshire.

Hier in der New Street in Wellington (Shropshire) wurde die Autorin geboren.
Photo © Gordon Cragg (cc-by-sa/2.0)

St Laurence’s Church in Church Stretton (Shropshire) Hier ruht Hesba Stretton.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Coventry (Warwickshire) und seine 26 Städtepartnerschaften

Die alte, zerbombte Kathedrale von Coventry und die neue daneben.
Author: DeFacto
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Wenn ich an die Stadt Coventry in der Grafschaft Warwickshire denke, dann denke ich in erster Linie an die deutschen Luftangriffe Mitte November 1940, die die Stadt in Schutt und Asche legten. Dann kommt mir die Legende von Lady Godiva in den Sinn, die nackt durch die Straßen Coventrys geritten sein soll, um dadurch Steuersenkungen für die Bürger zu erwirken.

Coventry zeichnet sich auch dadurch aus, dass es hier 26 Städtepartnerschaften gibt. Die Stadt in Warwickshire schloss die erste Partnerschaft bereits 1944 ab, mit Stalingrad (jetzt Wolgograd), das ebenfalls im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden erlitt.
Im Jahr 2014 wurde in der Kathedrale von Coventry aus Anlass des 70-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Wolgograd der „Twin Song“ uraufgeführt, geschrieben von Derek Nisbet und Peter Cann, und gespielt von dem Volgograd Children’s Symphony Orchestra und dem Coventry Youth Wind Orchestra.

Es folgten Städtepartnerschaften mit Kiel (1947) und mit Dresden (1956), zwei deutschen Städten, die auch unter der Bombenlast alliierter Flugzeuge zerstört wurden. Im Laufe der Jahre wurden Beziehungen geknüpft, die im Zweiten Weltkrieg ein ähnliches Schicksal wie Coventry erlitten haben wie Arnheim in den Niederlanden, Lidice und Ostrava in Tschechien und Warschau in Polen.

In den USA pflegt Coventry Partnerschaften mit den gleichnamigen Städten in Rhode Island, New York State und Connecticut. In Asien ist es die 7-Millionenstadt Jinan und in Australien die Kleinstadt Parkes in New South Wales, benannt nach Sir Henry Parkes, einem australischen Politiker, der in Coventry in England geboren wurde.

Man sollte den Menschen in Coventry dankbar dafür sein, dass sie, trotz der großen Verluste durch deutsche Bomben, die Hände nach Deutschland ausstreckten, um mit den Menschen in Kiel und Dresden, die genauso gelitten haben, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen!

Published in: on 8. September 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Cerne Abbas in Dorset und der Riese mit der Dauererektion

Wann genau der Riese von Cerne Abbas in Dorset enstanden ist, weiß niemand. Die Schätzungen variieren stark: Manche schätzen sein Alter auf mehrere tausend Jahre, manche meinen er wäre im 17. Jahrhundert in die Kalkschicht des Hügels nahe des Dorfes Cerne Abbas gegraben worden.

Der Cerne Abbas Giant ist etwa 55m hoch, hält eine Keule in der rechten Hand und präsentiert stolz seinen erigierten Penis, der 7m lang ist. Kein Wunder, dass der Riese als Fruchtbarkeitssymbol dient und ihm Wunderdinge zugeschrieben werden. So heißt es z.B., dass eine Frau, die innerhalb der Umrisse des Riesen schläft, fruchtbar wird oder wenn sich ein Pärchen auf dem Penis liebt, von Unfruchtbarkeit geheilt wird.

1920 gelangte der Giant in den Besitz des National Trust, der auch dafür sorgt, dass alle 25 Jahre die Umrisse nachgezogen werden, damit er gut erkennbar bleibt. Im 2. Weltkrieg verdeckte man den Cerne Abbas Giant, damit feindliche Flugzeuge sich nicht an ihm orientieren konnten. Im Augenblick (September 2019) wird der Riese gerade wieder „renoviert“, mit Hilfe von 20 Tonnen Kalk.

Der Rude Man, wie er auch genannt wird, diente auch schon als Werbefigur für verschiedene Produkte wie Kondome, Jeans und Fahrräder.
Im Jahr 2007 wurde aus Anlass der Premiere des Filmes „Die Simpsons – Der Film“, eine riesige Figur von Homer Simpson mit einem Doughnut in der Hand (aber bekleidet!) direkt neben den Giant gesetzt. Homer bestand aber aus wasserlöslicher Farbe, so dass der Regen ihn allmählich wieder wegspülte. Dieser Werbegag kam nicht bei allen gut an.
Kurz darauf herrschte erneut Aufregung in der Region Cerne Abbas, denn das „Purple Phantom“ hatte zugeschlagen und über Nacht den Penis lila angemalt. Man schrieb das der Aktionsgruppe „Fathers 4 Justice“ zu, die sich speziell für ein gemeinsames Sorgerecht und bessere Vaterrechte einsetzt, sich aber von der spektakulären Aktion distanzierte.
Also: Es ist immer etwas los in Cerne Abbas.

Hier ist ein kurzer Film über den Riesen und über das Dorf Cerne Abbas.

Homer Simpson in Cerne Abbas.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. September 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die freundlichsten und unfreundlichsten Orte und Regionen in Großbritannien

Die Kathedrale der Stadt Worcester, „the most polite town“.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Wer häufiger durch Großbritannien gefahren ist, hat vielleicht schon einmal seine persönliche Hitliste aufgestellt, wo er die freundlichsten Menschen getroffen hat. Im Norden? Im Süden?
Es gibt einige Untersuchungen und Umfragen in den letzten Jahren, die herauszufinden versuchen, welche Städte und Regionen am freundlichsten und welche am unfreundlichsten sind. Wen wundert es, dass dabei London immer am schlechtesten abgeschlossen hat?

Die Universität von Cambridge hat nach einer umfangreichen Studie festgestellt, dass der Norden freundlicher als der Süden ist, wobei die Schotten besonders gut wegkommen. In den südlichen Landesteilen sticht Devon besonders positiv hervor. Die Schlusslichter bilden der Großraum London und Teile der Midlands.

Wie sieht es mit den Städten des Landes aus? Nach einer Umfrage der Firma Showerstoyou.co.uk nach den „most and least polite towns„, wobei die Aspekte „friendly, welcoming, and safe“ im Mittelpunkt stehen, nimmt den Spitzenplatz die Stadt Worcester ein. Hier lebt es sich offensichtlich mit am besten im Königreich. Auf den nächsten Plätzen liegen Swansea in Wales, York in North Yorkshire, Wrexham in Wales und Newcastle (Tyne and Wear). Am anderen Ende, also die „least polite towns“, sind Birmingham, Gloucester, Belfast, Bristol und London.

Die Nahrungsmittelfirma Bisto hat eine Umfrage zum selben Thema erstellt, mit dem Ergebnis, dass York den besten „community spirit“ hat, gefolgt von Hull,  Belfast, Derby und Plymouth. Am Ende der Skala rangieren Wolverhampton, Portsmouth, Preston, Milton Keynes und Nottingham.

York (hier die Shambles) ist die Stadt mit dem besten „community spirit“.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. September 2019 at 02:00  Comments (5)  

Snapdragon – Ein nicht ganz ungefährliches Spiel, bei dem man sich schnell Brandverletzungen zuziehen kann

Besonders zur Zeit Queen Victorias spielte man zur Weihnachtszeit in England gern ein Spiel namens Snapdragon. Auch heute noch, zum Beispiel zu Halloween, kommt der eine oder andere auf die Idee, das könnte man ja wieder einmal spielen. Es ist ganz einfach: In eine Schale werden zwei Dutzend Rosinen gefüllt, wenn die gerade nicht zur Hand sind, kann man auch Mandeln, Pflaumen etc nehmen. Dann wird die Schale mit einer Flasche Brandy aufgefüllt, so dass die Ingredienzien an der Oberfläche schwimmen. Anschließend hält man ein Streichholz daran und veranstaltet so ein kleines Feuer. Die Zimmerbeleuchtung wird gedimmt, eine behagliche Atmosphäre entsteht und Snapdragon kann beginnen. Das Ziel ist, soviel Rosinen aus der brennenden Schale zu holen und zu essen wie möglich (ohne sich dabei den Gaumen zu verbrennen). Dass es bei dem weihnachtlichen Spiel zu Kollateralschäden kommt, liegt auf der (verbrannten) Hand.

Zu Weihnachten 1893 kam es im Royal Surrey County Hospital in Guildford zu einem Unglück, als beim Snapdragonspielen jemand Methylalkohol auf die langsam verlöschenden Flammen goss und es zu einer Explosion kam, wobei mehrere der Teilnehmer, auch Kinder, sich schwere Verbrennungen zuzogen und eines der Kinder sogar starb (gelesen in Nicola Slys „A Horrid History of Christmas„, das ich demnächst vorstellen werde). In diesem Film ist zu sehen wie Snapdragon gespielt wird.

Freunde der Agatha Christie-Kriminalromane erinnern sich vielleicht an das Buch „Hallowe’en Party„, 1969 erschienen, das in deutscher Übersetzung „Die Schneewittchen-Party“ bzw in der Neuübersetzung von 2018 ebenfalls „Die Hallowen Party“ heißt. In dem Buch wird zum Ende des zweiten Kapitels mit großer Begeisterung Snapdragon gespielt: „Everybody shrieked, rushing forward, snatching the blazing raisins, with cries of „Ow, I’m burned! Isn’t it lovely?„“ In der Verfilmung des Romans aus der Poirot-Serie (Episode 65) mit David Suchet ist die entsprechende Szene zu sehen, hier ab Minute 6.

Das ehemalige Royal Surrey County Hospital (jetzt Farnham Road Hospital) in Guildford, wo sich zu Weihnachten 1893 das Snapdragon-Unglück ereignete.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

Darren Hayman und die Thankful Villages

Im Ersten Weltkrieg gab es kaum einen Ort, der keine Verluste an Soldaten zu beklagen hatte. Die wenigen Dörfer, die Rede ist von 53 in England und Wales, die tatsächlich niemanden verloren hatten, werden Thankful Villages genannt. Es gibt sogar einige Double Thankful Villages, das sind die Dörfer, deren Soldaten aus beiden Weltkriegen wieder zurückgekommen sind. Ich ging auf das Thema in einem meiner Blogeinträge näher ein.

Der 1970 geborene Sänger und Komponist Darren Hayman hat alle diese „dankbaren Dörfer“ besucht und auf drei CDs ein Mini-Porträt jedes einzelnen angefertigt. Diese Porträts können aus Songs, kleinen Geschichten, Interviews, Geräuschschnipseln usw. bestehen. Hayman ließ sich bei seinen Kompositionen von den Orten inspirieren, das Thema „Erster Weltkrieg“ steht nicht im Vordergrund, sondern das jeweilige Dorf selbst. Es entstand “ something akin to an arcane musical radio documentary“, „tiny, human vignettes plucked from Britain’s blanket of green“ (wie es auf Haymans Webseiten steht). Die drei CDs entstanden in den Jahren 2016, 2017 und, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, 2018.  SIE SIND GROßARTIG!!!

Hier sind einige Beispiele:

Photo © Karl and Ali (cc-by-sa/2.0)

Hunstanworth im County Durham. In diesem kleinen Porträt Darren Haymans steht die 1974 geschlossene Dorfschule im Mittelpunkt.

Woodend in Northamptonshire.
Photo © Ian Rob (cc-by-sa/2.0)

Und so sieht Darren Hayman Woodend in Northamptonshire.

Ousby Chapel in Cumbria.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Das Thankful Village Ousby in der Grafschaft Cumbria wird von Darren Hayman so gesehen.

 

 

Deborah Almas weltweit erste und einzige Poetry Pharmacy in Bishop’s Castle (Shropshire)

Die High Street von Bishop’s Castle. Die Poet’s Pharmacy ist der blau gestrichene Laden weiter unten mit den hübschen Verzierungen.
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Vor einigen Tagen hörte ich in den Nachrichten, dass sich die niedersächsischen Hausärzte darüber beklagen, dass immer mehr Menschen mit den kleinsten Weh-Wehchen die Wartezimmer ihrer Praxen verstopfen, statt sich an Hausmittel zu erinnern, die oft auch helfen können.

Die Bewohner der Kleinstadt Bishop’s Castle in Shropshire haben seit diesem Jahr eine Alternative, die manchem den Gang zum Hausarzt vielleicht ersparen kann: Die Poetry Pharmacy in der High Street Nummer 36. Dort, wo früher einmal der Eisenwarenladen von E.C. Davies & Son untergebracht war, findet man jetzt die „Gedicht-Apotheke“, die einzige weltweit, die die Dichterin Deborah Alma gegründet hat. Bisher kannte man die Dame vorwiegend als „Emergency Poet„, die mit einem ausgemusterten Krankenwagen aus den 1970er Jahren durch die Lande fuhr („the world’s  first and only mobile poetic first aid service„) und ihre Patienten mit Hilfe von Gedichten wieder in die Spur brachte. Statt Paracetamol verabreichte Deborah Alma „poemcetamol“ und viele, die sie in ihrem Krankenwagen aufsuchten, waren damit zufrieden.

Nun hat die Poetin/Therapeutin einen festen Platz, an dem sie ihre Künste ausüben kann. Bishop’s Castle bot sich dafür an (Glastonbury’s High Street wäre auch ein guter Ort gewesen), denn die kleine Markstadt „has become known for its alternative community including artists, musicians, writers and craftspeople“ wie es in der Wikipedia steht, also ideal für die Poet’s Pharmacy.

Deborah Alma „heilt“ ihre Besucher nicht nur mit eigenen Gedichten (sie veröffentlichte bereits mehrere Anthologien wie „The Emergency Poet: An Anti-Stress Anthology„), auch Poeme anderer Dichter werden zur Therapie bzw Kur ihrer maladen Besucher eingesetzt.

Natürlich kann und will die Dichterin keinen Arzt ersetzen und richtige Krankheiten heilen, aber wenn die Seele verletzt ist, kann sie doch etwas erreichen. „Areas of emotional need“ sind ihre Spezialität.
Deborah Alma hat noch viel vor, was sie in ihrem Laden in der High Street von Bishop’s Castle ihren Besuchern anbieten will, und, wer weiß, vielleicht gibt es bald irgendwo in der Welt noch jemanden, der nach diesem Vorbild eine weitere Poet’s Pharmacy eröffnet.

Die 19 Riesenfrösche von Stockport (Greater Manchester)

Mrs Mersey The Happy Shopper. Gesponsert vom Merseyway Shopping Centre.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

In einer kinderfreundlichen Version des Märchens „Der Froschkönig“ der Gebrüder Grimm verlangt der Frosch, ein Prinz, der von einer Hexe verwandelt worden ist, einen Kuss von einer Prinzessin, um von seinem Fluch erlöst zu werden. In Stockport in der Grafschaft Greater Manchester warten zur Zeit 19 Frösche auf Prinzessinnen und ihre Erlösungsküsse, aber leider gibt es von den royalen jungen Damen viel zu wenige, und so stehen die armen Amphibien immer noch über das ganze Stadtgebiet verteilt einsam vor sich hin.

Eine wirklich nette Idee, diesen „Art Trail“ in Stockport nahe Manchester anzulegen, mit 19 Riesenfröschen, gesponsert von örtlichen Firmen. Jeder einzelne Frosch wurde individuell bemalt und gestaltet, und sie alle machen das Stadtbild bunter und heiterer.

Hier sind einige Exemplare zu sehen:

Das ist KermIT, gesponsert von der IT-Firma Amshire.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Dieser Frosch hört auf den Namen BUSter und wurde von dem Bus-Transportunternehmen Stagecoach gesponsert.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

This Little Froggie Went To Market ist der Name dieses Frosches, den der Stockport Metropolitan Council gestiftet hat.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 2. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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„Eau-de-Burton“ und „Eau-de-Southport“ – Zwei Parfüms der besonderen Art

Die Coors Brauerei in Burton-on-Trent, mitverantwortlich für den Geruch, der über der Stadt hängt.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Was verbindet man mit der Stadt Burton-on-Trent in der Grafschaft Staffordshire? Auf jeden Fall Bier, aber auch Marmite (eine aus Hefeextrakt gewonnene Würzpaste,  „Love it or hate it“) und Branston Pickle (ein vegetarischer Relish, den man häufig zum Ploughman’s Lunch serviert bekommt), die letzten beiden wurden in der Bierstadt Burton-on-Trent entwickelt.

Vor einigen Jahren kam Victoria Brookes auf die Idee, ein Parfüm zu kreieren, dass die „Essenzen“ der Stadt beinhaltet, die Gerüche, mit denen man in Burton-on-Trent konfrontiert wird. Das Parfüm beinhaltet Gourmand (Schlemmerduft), das Marmite und Branston Pickle repräsentiert, eine Ledernote, stellvertretend für den örtlichen Fußballverein Burton Albion FC (Fußballstiefel und Lederball) und Ambra für das Bier, das in der Stadt gebraut wird (amber nectar = Gerstensaft). Eine schon recht merkwürdige Zusammenstellung, über die die Pariser Parfumeure sicher die Nase rümpfen würden. Aber gut, „Eau-de-Burton“ kam für £36.50 in den Handel und gefiel zumindest den Bewohnern der Stadt am River Trent.

Angeregt durch das, was da in Burton-on-Trent kreiert worden war, schuf Barbara Pratt in Southport, einer Küstenstadt in Merseyside, nördlich von Liverpool, etwas Ähnliches, das ebenfalls den Charakter ihrer Stadt widerspiegeln sollte: „Eau-de-Southport„. Was ist, olfaktorisch gesehen, das Besondere an einer Stadt am Meer? Natürlich einmal der Meeresgeruch selbst, dann der Geruch frisch gemähten Rasens von den umliegenden Golfplätzen und die Blumengerüche von der jährlich stattfindenden Southport Flower Show. Für £25 wurde „Southport Eau de Parfum“ angeboten und gut verkauft. Hier ist ein Film darüber.
Ein Jahr später entwickelte Barbara Pratt noch eine spezielle Duftnote für den örtlichen Fußballverein Southport FC (hergestellt in Deutschland). Als die Spieler das Parfum erstmalig benutzten, gewannen sie gleich 5:0 gegen Stockport County. Wer weiß, was die Parfumeurin da noch an geheimnisvollen Zutaten dazu gemixt hat?

Die Seeluft des Strandes von Southport war ein Bestandteil des Parfüms.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)