Hesba Stretton (1832-1911) – Eine Kinderbuchautorin der viktorianischen Zeit

Foto meines Exemplares.

Wie das Buch „Alone in London“ in meine Familie gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Sowohl mein Vater als auch ich, während meiner Zeit im Gymnasium, versuchten sich an einer Übersetzung; ich schaffte es bis zum 7. Kapitel. Das Besondere an dem Buch war, dass auf der Titelseite kein Verfasser angegeben war und auch das Erscheinungsdatum war nirgendwo zu finden. Es stand lediglich „By the Author of „Jessica’s First Prayer“, „Little Meg’s Children“ etc. auf dem Titelblatt. Erschienen war „Alone in London“ bei der Religious Tract Society in London. Im Zeitalter des Internets ist es natürlich leicht, das Rätsel um Autor und Erscheinungsjahr aufzulösen: Hesba Stretton heißt die Verfasserin und erschienen ist es um 1906 herum.
Wie der Verlagsname schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine rührselige Geschichte, in der der Zeitungshändler James Oliver und die beiden Straßenkinder Dolly und Tony im Mittelpunkt stehen, die eine kleine Familie bilden. Ich muss zugeben, dass ich als Jugendlicher bei der Lektüre die eine oder andere Träne verdrückt habe, so nahe ging mir das Schicksal der drei Protagonisten.

Hesba Stretton ist das Pseudonym von Sarah Smith, die 1832 in der New Street in Wellington in der Grafschaft Shropshire geboren wurde. Der Vorname besteht aus den Initialen ihrer Geschwister: H wie Hannah oder möglicherweise auch Harriett, E wie Elizabeth, S wie Sarah, B wie Benjamin und A wie Annie. Der Nachname bezieht sich auf das Dorf All Stretton, wo ihre Schwester Ann in einem Haus namens Caradoc Lodge wohnte. Mrs Smith schrieb Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einige Kinderbücher, die sich großer Beliebtheit erfreuten und in denen ihre Religiösität zum Ausdruck kam. Ihre Bücher wie „Jessica’s First Prayer„, „Jessica’s Mother“ oder „The Christmas Child“ wurden in hohen Stückzahlen gedruckt und gern an Kinder verschenkt. Einige von ihnen erschienen in deutscher Übersetzung und trugen Titel wie „Heim, süß Heim„, „In des Herrn Hand“ und „Allein in London“ (da hatte es doch jemand geschafft, im Gegensatz zu mir, das komplette Buch zu übersetzen). Hesba Strettons Bücher entsprechen nicht mehr dem heutigen Zeitgeist, die meisten von ihnen sind aber noch problemlos antiquarisch oder als Nachdruck zu bekommen.

Sarah Smith starb am 8. Oktober 1911 in Richmond (Surrey). Ihr Grab findet man auf dem Kirchhof von St Laurence in Church Stretton in Shropshire.

Hier in der New Street in Wellington (Shropshire) wurde die Autorin geboren.
Photo © Gordon Cragg (cc-by-sa/2.0)

St Laurence’s Church in Church Stretton (Shropshire) Hier ruht Hesba Stretton.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. September 2019 at 02:00  Comments (1)  
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