Der TV-Wettermann Michael Fish und seine krasse Fehlprognose im Oktober 1987

Sturmschäden im Süden Londons.
Photo © rafflesbear (cc-by-sa/2.0)

Was beispielsweise die Meteorologen Sven Plöger und Gunther Thiersch für die ARD und das ZDF sind, das waren die Wettermänner John Kettley und Michael Fish für die BBC. Es waren vertraute Gesichter auf dem Bildschirm, und man glaubte ihren Wetterprognosen (so weit das überhaupt möglich ist). Michael Fish hatte allerdings einmal einen rabenschwarzen Tag, als er am 15. Oktober 1987, also exakt heute vor 32 Jahren, nach den One O’clock News der BBC vor die Kamera trat und seinen Zuschauern verkündete, dass eine Frau beim Sender angerufen und gefragt hätte,  ob es stimmt, dass ein Hurrikan im Anmarsch auf das Land sei. Michael Fish beruhigte die Zuschauer und sagte, da kommt keiner. Es würde zwar ziemlich windig sein, aber „don’t worry“. Nun, die TV-Wetterikone lag da nicht nur ein bisschen falsch, Michael Fish lag total daneben. In der Nacht zum 16. Oktober rollte einer der größten und verheerendsten Stürme heran, die vor allem der Süden Englands seit mehr als 200 Jahren nicht mehr erlebt hatte. Der Sturm erreichte auf der Beaufort-Skala die Stärke 12, an der Südküste in Shoreham-by-Sea in West Sussex wurden 190 km/h gemessen. Hier sind einige Bilder von den Sturmfolgen zu sehen.

Das Fazit des Jahrhundertsturms:  18 Todesopfer in England (4 in Frankreich), £2 Milliarden Schäden, etwa 15 Millionen Bäume wurden entwurzelt und der Strom fiel für mehrere Tage aus. Selbst in der Metropole London gab es schwere Beschädigungen durch umgestürzte Bäume und heruntergefallene Gerüste. Das britische Met Office wurde stark dafür kritisiert, dass es diesen Sturm nicht „auf dem Radar“ hatte.

Was war nun mit Michael Fishs Fehldiagnose? Der Wettermann meinte später, dass der mysteriöse Anruf bei der BBC gar nicht stattgefunden bzw. dass es sich um eine Frau gehandelt hätte, die nach einem Hurrikan vor der Küste Floridas fragte. Ja, das wirkte alles etwas diffus und hilflos, aber Michael Fish konnte seine Aussage nun nicht mehr ungeschehen machen. Der Makel blieb an ihm haften, aber er nahm es mit Humor wie seine Webseiten zeigen. Der Begriff „Michael Fish moment“ hat sich in der englischen Sprache etabliert für jemanden, der etwas in der Öffentlichkeit verkündet, was sich im nachhinein als falsch erweist. Hier ist die berühmt-berüchtigte Wettervorhersage vom 15. Oktober 1987 zu sehen.

Michael Fish war aber trotz allem nach wie vor sehr populär und fand seinen Namen in einigen Songs wieder wie „I wish I wish he was like Michael Fish“ des Duos Rachel & Nicki, „Weather experience“ der Band Prodigy und „(John Kettley) is a weatherman“ mit dem Refrain “ and so is Michael Fish“ von A Tribe of Toffs.

Und so sah es nach dem Sturm in Chartwell (Kent) aus.
Photo © Peter Shimmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Oktober 2019 at 02:00  Comments (3)  
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